Kt. 2X8 Z-xites Blatt
|66. Zahrgang
Erscheint tä-lich mit Ausnahme des Sonntags.
Die ..Gtehkner Z«mtttendlättcr" werden dem .Anzeiger* vierinal wöchentlich beigelegt, das ..Ureirvlatt für den Kreis Liehen" zweimal ivöchenilich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- frage«" erscheinen monatlich zweimal.
General-Anzeiger für Gberheffeu
5am§tag, fb. Zeptember W6
Rotattonsdruck und Verlag der Vrühl'fche» Universitäts - Buch» und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Schriftleitung,Geschästsstelle u.Druckerei: Schul» straße?. Geschästsst-lle u.Verlaq:s^K5I,Schrift» leitung: 112. Adresse für Drahtnachruhterv
Anzeiger Gießen.
rlriegranleihezeichnungen bei der Post.
Vielen wird es am bequemsten erscheinen, die Zeichnung auf die Kriegsanleihe am Postschalter vorzunehmen. Aus diesem Grunde, dann aber auch weil cs ja nicht an jedem Orte im Reich ein Bankgeschäft, eine Sparkasse, eine Lebensversicherungsgesellschaft oder eine Kredit genas senschaft geben kann, ist der gesamte Verkehr s a p p a r a t der Post i n den D i e n st d e r fünften Kriegsanleihe gestellt worden.
Pvstanstalten oder Postagenturen gibt es fast überall, in der ^otadl und auf Vem Lande, so daß es keine Mühe.macht, sich einen Po st zeichnunas schein zu besorgen, um durch Beteiligung an der Kriegsanleihe dem Vaterlande und sich selbst zu dienen. Zudem wird in den Landbestell- bezirken und in Orten bis zu 20 000 Einwohnern allen Personen, die als Zeichner in Frage kommen, der Zeichnungs schein, ins Dans gebracht.
^ Tie Ausfertigung der Zeichnungsscheine ist so einfach», daß sie jedermann ohne weiteres scrtigbringt. Man schreibt den Betrag der Kriegsanleihe auf, die man zeichnen will, fügt Name, Stand und Wolprung hinzu und gibt den so ausgefertigten Zeichnungsschein entweder am Schalter ab, oder steckt ihn (mit einem unfrankierten an die Post gerichteten Briefumschlag versehen) in den nächsten Briefkasten.
Zweierlei ist bei der .Postzeichnnng zu beachten.
1. Die Mfft nimmt nur Zeichnungen auf die fünf- vrvzentige Reichsanleihe an (Stücke, sowohl als auch S ch u l dbu ch e i u t r a gu n g e n), nicht aber auf hie 47* Prozentigen Reichsschahamveisungen.
2. Bei der Post muß der gezeichnete und zugeöellte Betrag der Kriegsanleihe spätestens am 18. Oktober bezahlt sdin. #
Zulässig ist es vom 30. September ab^ die Zahlung zu leisten, und zwar werden allen denen, die an diesem Tage das Geld ab- liefern, 5 o/o Stückzinsen auf ein halbes Jahr, also 27? °/o, vergäbet, und dies ans dein Grunde, weil der Zinsenlaut der fünf- prvzontigen Reichsanleihe erst cnn 1. April 1917 beginnt. Wer nach dem 30. September bei der Piost Zahlung leistet oder ach letzten für die Postzeichnung vorgesehenen Zahlungstenn in, also, am 18. Oktober, erhält 162 Tage Zinsen = 27» % vergütet. Hat lenband 100 Mark Reichsanleihe gezeichnet und zugeteilt erhalten, so »mrrde er mithin am 30. September 95,50 Mk. (den Zeichnungspreis von 98 Mk. gekürzt um 2,50 Mk.), am 18. Oktober 95,75 Röark (den Zeichnungspreis gekürzt um 2,25 Mk.) einzuzahlen, haben. Mit diesem Betrage hat der Postzeickmer die Zahlkarte, die ihm durch die Post zugestellt wird, auszusüblen. Hat zemanÄ 1000 Mk. gezeichnet, so müßte er 955 Mk. oder 957,50 Mk. bezahlen.
Der Zeichnungsbreis von 98 Mk ermäßigt sich bei Sch ul d- bucheintragungen um 20 Pfg. für 100 Mk., so daß, wenn zemand 100 Mk. zur Eintragung in das Schuldbuch gezeichnet hat, von ihm am 30. September (98 Mk. — 0,20 Mk. — 2,50 Mk.) 95,30 Mk. oder^rm 18. Oktober 95,55 Mk. zu erlegen wären.
Die Zeichnung auf Schuldbucheintragungen ist allen denen dringend zu empfehlen, die das Geld, das sie für die Kriegsanleihe aufgewendet haben, nicht so bald wieder für andere Zwcch brauchen, mit anderen Worten die Kriegsanleihe längere Zeit behalten wollen.
Wer Reichsanleihe ins Reick)sschuldbuch eintragen läßt, ist der RWhe enthoben, seinen Anleihebesitz an einer sicheren Stelle unterzubringen; die Zinsen werden ihm durch die Derrvaltung! des'Reichsschuldbuches >ft>rtlaufend kostenlos überwiesen, und sollte >er das Gckidi, das er in der Kriegsanleihe angelegt hat, flüssig machen müssen, so braucht er nur bei dem Reichsschuldbuch den Antrag zu stellen, ihm die Kriegsanleihestücke auszufertigen. Diese kann er dann durch jede Bank oder jedes Bankgeschäft verkaufen lassen. Bor dem Oktober 1917 würde allerdings eine Ausfertigung von Anleihestücken nicht erfolgen, weil die Vergünstigung von 20 Pfennig für 100 Mk. auf Schuldbucheintragungen unter der Voraussetzung gewährt wird, daß die Anleihe mindestens bis zum 15. Oktober 1917 im Reichsschuldbuch eingetragen bleibt.
AufzurZeichnung!
Der französische Ministerpräsident über die Lage.
Basel, 14. Sept. (zf.) Die von Briand.heute dem fran- zösis chen Parlament unterbreitete Mitteil ungüberdieaus- wärtige Lage lautet wie folgt:
Meine Herren, während Ihrer Abwesenheit sind zwei große Ereignisse eingetreten, die mit Glanz eine neue entscheihendä Etappe im Laufe der Begeben leiten bezeichnen. Zwei Kriegserklärungen folgten sich mit einem Zwischenräume von vier Stunden, diejenigen Italiens an Deutschland mib diejenige Rumä- mäniens an Oesterreich-Ungarn. Diese beiden Entscheidungen hat Frankreich mit einer von Jubel durchdrungenen Bewegung ausgenommen. Es hat ihre ganze Bedeutung begriffen und gleichzeitig ihren Edelmut und ihre Schönheit empfunden. Diese beiden Entscheidungen bringen der heiligen Sache, für die die verbündeten Armeen kämpfen, einen 1 Zusatz an Kraft, der militärisch und materiell nicht wenig dazu beitragen wird, den Sieg zu beschleunigen.
Im Monat Mai 1915 hatte Italien sich an die Seite der Verbündeten gestellt, um mit ihnen dem Unternehmen der Völker Widerstand zu leisten, deren Plan durch den hassenswerten Angrift der Zentralmächle gegen Belgien und Frankreich enthüllt worden war. Es hatte sich nicht gefürchtet, freiwillig in diesen Krieg zu gehen, der uns aufgezwungen worden war und dessen Schrecknisse es bereits hatte erkennen können. Aber es war ihm damals nicht Sinn gekommen, daß es die Initiative hätte ergreifen müssen, um Deutschland den Krieg zu erklären, mit dem es keine gemeinschaftlichen Grenzen besaß und gegen das es keine eigenen Beschwerden hatte. Deutschland entsck-ädigte es dafür, indem es gegen seine Staatsangehörigen vielfach Repressalien aller Art beging und hcunlrch gegen Italien Krieg führte. So rvar Italien an dem Tage, als 'es sich entschloß, feine Aktionen denjenigen! der Verbündeten auf dem Balkan anzuschließen, der Gefahr aus- gefetzv, vor seiner Forint auf mit verdecktem Visier kampfende deutsche Soldaten zu stoßen, die ihre Streiche bis dahin im Dunkeln ausgeteilt hatten. Es zögerte nicht, es brachte in loyaler Weise das Recht mit den Tatsachen in Einklang durch einen feierlichen Akt, der die vollkommene Solidarität der Verbündeten deutlich machte, die alle in den gleichen Krieg gegen den gleiches Feind verwickelt sind. So bekundete sich wieder einmal an jenem Tage wie schon öfters die Einheitlichung der Aktionen auf einer einzigen Front. Die Verbündeten haben alle ihr Anstrengungen gemeinschaftlich gemacht, kombiniert und vereinheitlicht, und diese Me Zusammenarbeit hat die charakteristische Entwicklung des Krieges bestimmt. Das Deutsche Reich ist zur Defensive gezwungen die Initiative zu militärischen Operationen ist ihm entschlüpft.
Die Verwandtschaft durch Rasse und Erziehung sowie der Kampf für dos Recht und die Gemeinsamkeit der Bestrebungen für das gleiche Ideal der Freiheit und Gerechtigkeit mußte im gegebenen Augenblick das edle Land Rumänien unter die gleiche Fahne mit den Verbündeten stelleii. Diesen Augenblick hat stkumä- Ü 1 ? nrtt vollem Bewußtsein der Rolle, die ihm in
diesem Kriege zukam, mit klarer Erfassung der höheren Interessen, tue fein Eingreifen veranlassen, der Interessen der rumänischen ^twndre seit so vielen Jahren die Befreiung ihrer unterdrückten.
erstrebt, der Interessen der ganzen Menschheit, die m Gefahr graten rst, durch die Versuche einer deutschen Hegemonie.
Rumänien wird verräterisch von Bulgarien angegriffen und auf seinem Wege größeren Schwierigkeiten begegnen können. Aber es wird aus seiner eigenen Kraft wie auch derjenigen der Verbün- deten die Mittel zu ihrer Ueberwindung schöpfen, und es wird
chnen zu dem Siege gehen, der aus ihm die große Nation machen wird, die zu werden es den berechtigten Ehrgeiz hat.
In enger Solidarität mit unseren Anstrengungen wird die Armee von Saloniki die Mission erfüllen, die ihr anver- traut wurde. Bereits entwickeln sich auf dieser Front wie auch -aus den anderen allen die Aktionen nach der Voraussicht deri GeiiseralstäLe. An der Seite der tapferen englischen, italienischen, rulttschen und französischen Truppe»! känrpft bie neugebildete ruhmreiche serbische Armee gegen den Erzfeind heldenmütig für die Befreiung des vom Feinde besetzten Vaterlandes. Auf diesem Schauplatz der Operationen werden die Aktionen der Verbündeten die notwendige Entwicklung erhalten und die Ereignisse werden auf der Halbinsel ihren unmittelbaren Verlauf nehmen. Nach der Türkei wird Bulgarien die ganze Gefahr kennen lernen, welche für ein Land besteht, wenn es seine traditionellen Freundschaften verläßt, um sich zum Diener der egoistischen Absichten einer skrupellosen Nation zu machen.
Das Eindringen der Bulgaren in das griechische Mazedonien, wo sie durch Griechenland keinen ernsthaften Widerstand fanden, und die Machenschaften der Bestechung und Spionage in diesen» Lande durch ungestraft arbeitende deutsche Agenten haben die Verbündeten dazu geführt, die unerläßlichen Maßnahmen zur Sicherheit für ihre Truppen zu ergreifen oder zu verlangen. Die Regierung Z a i m i s, deren Loyalitctt zu rühmen nur gerecht ist, hat uns die Genugtuung gegeben, die wir wünschen. Wir hoffen, daß das griechische Volk die Gründe und den Gegenstand unserer Intervention begreifen wird. Wir wurden nach Salonik gerufen, ums Mr Verteidigung Serbiens beizutragen, das mit Griechenland verbunden ist. Wir wetden dort bis zum Ende das Werk fortsetzen, für welches unsere Mithilfe in Anspruch genonrmen worden ist. Wir werden unter diesen Umständen durch die Drohungen unserer Feinde oder tfaer Komplicen den Erfolg der von den verbündeten Armeen unternommenen Operationen nicht gefährden lassen. Aber indem wir so eingreifen, haben wir nicht allein an die Sicherheit unserer Truppen gedacht, wir hatten auch das Interesse Griechenlands selbst im Auge. Wir hatten Wert darauf gelegt, wieder einmal die Tradition der Schutzmächte zu erfüllen, welche das griechische Gebiet wahren und dem griechischen Volke, das bedroht ist durch die Begehrlichkeit unserer gemeinsamen Feinde, die unerläßliche Hilfe für den Schutz seiner Unabhängigkeit zu bringen.
Briand bespricht dann die Entwicklung des Krieges ans den verschiedenen Kriegsschauplätzen Und bemerkt, es sei erwiesen, daß die Alliierten eine Ueberlegenh-eit über den Feind besitzen, welche durch weiteres Zusammenwirken, nur noch zunehmen könne. Er spricht von den „aufsehenerregend den Siegen der glorreichen russischen und itctlienifd>en Armeen", den „Siegen der prächtigen französischen und englischen Soldaten", die zu allen Hoffnungen berechtigen. Tie Stunde der Vergeltung, fa nahe für die Einzelnen wie für die Völker, auf welche sich der Angreifer gestürzt habe.
Nach einer Erwähnung der deutschen Maßnahmen in Nvrd- frankrcich fährt Briand wörtlich fort:
So sehr wir auch in den zukünftigen sicheren Ausgang Vertrauen haben können, so ^wollen wir uns doch nicht durch ein U ebermaß von Optimismus gehen lassen. Fassen wir kaltblütig hie Walzrheit ins Auge. Nock) ist der Feind mächtig, und wird bis zum.Schlüsse mit Erbitterung sich verteidigen. Nichts darf deshalb vernachlässigt werden, .um ihn zu überwinden. Wir müssen unsere Anstrengungen verdoppeln und uns mehr als je bemühen, alle Hilfsquellen des Landes dem Werke dienstlich zu machen.
Briand schloß seine Rede mit der an Parlament und Regierung gerichteten Aufforderung zu gemeint..ner Arbeit zur Bewältigung der harten Aufgaben.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 16. Septeinber 1916. Die Obst- und Gemüseversorgung.
Seit einiger Zeit wiederholen sich in der Oeft'entlichkeit die An siorderungen, die an das Kviegsernährungsamt bezüglich der Ge müse- und Obstversorgung gestellt werden. Zumeist gehen diese Anforderungen von unrichtigen Voraussetzungen aus.
«Es ist zunächst im Äuge zu behalten, daß die Festsetzung von Höchstpreisen allein in der Regel wenig nutzt. Sie kann jedenfalls keine bessere Zuführung und Verteilung der betreffenden Mengen herbeiführen. Eine Höchstpreisfestsetznng ohne gleichzeitige Zufuhr - und Verteilungsregelung hat vielmehr recht oft große Verschiebungen im Verkehr der Waran zur Folge, die zumeist durchaus nicht den Wünschen her Verbraucher entsprechen. Es heißt btmt: „Die Ware verschwindet." Sie verschwindet an sich nicht, sie sucht nur andere Verwendungsziele auf. Sie erscheint nur mehr an solchen Orten, an denen der festgesetzte Preis unter Anrechnung der Produktionskosten und der Fracht dem Verkäufer den größten Gewinn abwirft. In den übrigen Orten verschwindet sie. Handelt es sich um eine Nur in verhältnismäßig geringer Menge vorhandene, andererseits aber sehr gesuchte und gern gekaufte Ware, so kann es sein, daß sie nach Festsetzung von Höchstpreisen nur mehr an ganz wenig Orten zu haben ist oder gar zum größten Dell iy den unkontrollierbaren Privatverkehr eingeht.
Bei Beere»!, Obst und und Gemüse ist nur vor allem zu beachten, daß bei^ keinem Produkt der Lebensmittelerzeugung die Unterschiede der Sorten und der Qualitäten sowie der Anbau- und Verbrauchsgebiete in ihren Verhältnissen und Bedürfnissen so groß sind, wie gerade hier. Es gibt kein „Obst" und kein „Gemüse", das ettva ähnlich dem Getreide oder den Kartoffeln eine größere Zell des Jahres in ziemlich gleicharttger Erscheinungs- und GÄrauchs- form auf dem Markte erscheint. Es sind vielmehr mit fortschreitendem Sommer und Herbst fast in jeder Woche andere Arten oder wenigstens andere Sorten, die zum Konsum kommen. Dazu ist fast jede Sorte, auch der gleichen Fruchtart, vielfach aus einer ganz anderen Gegend, als die übrigen, wächst also unter ganz verschiedenen klimatischen Erzeugungsbedingungen. Er setzt sich also der an die Verbrauchsarten gelangende Zustrom der hier einschlägigen Erzeugnisse nahezu von jeder Woche sowohl nach Art und Sorten und Qualitäten der Ware, sowie nach Herkunftsorten ganz verschieden zusammen. Es dürfte ohne weiteres einleuchten, daß diese Form der Marktbeschickung einer zentralen Regelung des Zufuhr- und des Verteilungsverkehrs an sich schon die allergrößten Hindernisse entgegensetzt.
Dazu kommt, daß irgend eine Feststellung über die Erntcortr,
Erntemengen und Erntezeiten für Gemüse und Obst bisher nie getroffen worden und ebensowenig sind die Mengen und Richtungen des Verbrauchs statistisch festgestellt. Es fehlen älso alle Gruridlagen zu einer klaren Erfassung der in Betracht ko nun enden Handels- und Verkehrsvorgänge. Es sind auch solche Grundlagen sehr schwer und jedenfalls nicht zuverlässig und lückenlos zu beschaffen. Eine Beeinflussung des komplizierten Verkehrs mit Gemüse und Obst ist sehr schwierig. Die im VLai ds. Js. geblldeten Stellen des Kriegsernährungsamts und die Reichsstelle für Gemüse und Obst konnten naturgemäß nur in sehr beschränktem Maße einen Einlluß ausüben. Eine Beeinflussung des Marktes ist durch die Einrichtung von Großmärkten und Heranziehung von Mrre zu dieser versucht worden.
Für das Frischgemüse haben sie eine große Bedeutung noch nicht gewinnen können, es ist aber zu hoffen, daß sie für die Wintergemüse noch eine bemerkenswerte Entwickelung haben werden Weiter geht das Bestreben der zuständigen Stellen dahin, die Zahl der Käufer aus dem Markt zu beschränken. Die l>auptsächlichste Maßnahme in dieser Beziehung ist die Zusammenschließung der Gemüse und Obst tewrteitenben Industrien zu staatlich überwachten syndikatartigen Gejellschasten. Damit ist erreicht, daß nicht die einzelnen Fabriken auf dem Markt erscheine!?., sondern die Gesellschaften, die auf Einhaltung angemessener Preise überwacbt werden und gleichzeitig, daß mr die wichtigen Fabnkate nicht zu hohe Preise nötig werden. In der Zeitung wird oft in ganz unverständiger Weise den Konserven- favriken die Schuld an den jetzigen hohen Preisen zugeschriebar.
"icht bedacht, daß die Fabriken in ihrem' Einkauf be- schrankt sind und meist ganz außer acht gelassen, eine wie wichtige ^' e,e Fabriken zu erfüllen haben, indem sie Gemüse und Obst für die späteren Zeilen haltbar machen. Den Frischoerbrauch Gemüse und Obst fördern und die Versorgung der Fabriken verirachlässigen würde einem Raubbau gleichkommen. Ob es nötig werden wird, für Spätgemüse und Obst noch Höchstpreise vorzu- ichrerben, steht dahin. An der Beschaffung der Unterlagen wird gearbeitet.
* ** r Sendung der Walnüsse zur Oelberei-
M n g. Mit am härtesten empfindet die Bevölkerung, namentlich !N den Städten und in Industriegebieten, zurzeit den Mangel an zetten und Oelen.^ Ihm abzuhelfen, muß mit allen Mitteln erstrebt werden Eines dieser Mittet ist die Verwendung der Walnüsse, dre m dreien! Jahre im Großherzogtirm' eine nrittlere Ernte versprechen und andernfalls im wesentlichen nur zu Gennßzwecken! ^wondet würden, zur Bereitung von Oet. Um die Walnüsse rnög- llchst vollltändig dieser Zweckbestimmung zuzuführen, wurde durch Bekanntmachung Großh. Ministeriums vom 14. September l. Js. verfügt, daß die gesamte Watnußernte an die von der Landesfett- cm^ u ö^kichnenden Stellen gegen einen Uebernahmepreis, dev
00 Mark für den Zentner nicht übersteigen darf, abznliesern ist. ^»e Walnune dürfen also von den Besitzern weder anderweit verkauft oder verschenkt noch aus dem Großherzogtum ausgefübrt oder von der» Beichern selbst zur Oelberellung oder zu Genuß- oder Fütterungs zw ecken verwendet werden. Den Liefernngspflichtigen »st die Verpflichtung anserlegt,^ die Walnüsse in reifem Zustande — das Ernten und der Verkauf unreifer Walnüsse ist verboten —i SU ernten und pfleglich zu behandeln. Zu der vsleglicheu Behandlung gehört vor allem das Entfernen der grünen Hülle, das sogenannte Läufeln, und die Aufbewahrung in ganz dünner Lagerung an trockenem, luftigem und sicherem Ort. Gewaschen sollen die Nüsse n»cht werden. Alsbald nach der Ernte ist den Großh. Bürgermeistereien (Oberbürgermeistern, Bürgermeistern) Anzeige über dre geerntete Menge zu ^erstatten und von denjenigen Lieferungs- pftichtigen, die mehr als 1 Zentner geläufetter Nüsse ablieiern, glerchzeitig anzugeben, ob der Lieferungspflichtige die Rücklieferung von Oel und Oelkuchen wünscht. Von den gewonnen werdenden Oelkuchen soll nämlich auf den bei der Anzeige zu stellend^ Antrag den Anlieferern von Walnüssen in Mengen von mehr als
1 Zentner für den eigenen Bedarf ein Teil zurückgeliefert werden.
Diese Rücklieferung darf die Hälfte der Ausbeute an Oelkuchen, die Uns den gelieferten Walnüssen gewonnen wurde, nicht übersteigen. Ebenso soll auf in gleicher Weise zu stellenden Antrag ein Terl des Oels, der aber erst nach der Bevarbellung der Nüsse und Feststellung der Ausbeute bestimmt werden kann, den Lieferer«; vorzugswerse zugute kommen. In dieser vorzugsweisen Belieferung wird ein Anreiz für die Besitzer, möglichst sorgfälttg bei der Ernte upd Mlieferung der Nüsse zu verführen, liegen. Sie müssen ftch aber auch ohnedies sagen, daß nicht ohne zwingende Not die Großh. Regierung sich zu diesem Schritte entschlossen hat und daß sie mit der Erfüllung der ihnen auferlegten Verpflichtungen dem Vaterlande einen wesentlichen Dienst leisten, ;a
„ . Alles nähere ist aus
der Verordnung selbst zu ersehen.
\** Vermehrte Anbaufläche für Brotgetreide, Bor kurzem sind durch verschiedene Zeitungen Mlltellungen veröffentlicht, nach denen die Anbauflächen für Brotgetreide zugunsten einer Ausdehnung der Futtergetreideslächen in diesem Jahre zurückgegangen wären. In einigen Fällen sind diese Festellungen- zu denen jeglick»e zahlenmäßige Grundlage fehlt, zurückzuführen! ^auf Beobachtungen einzelner Personen, die vom Eisenbahnzuge aus Felder besichtigten und viel mehr Hafer- und Gerste- als! Roggen- und Weizenfelder zu erblicken glaubten. Diese Mitteilungen m»d Feststellungen sind gänzlich unzutreffend. Trotz der geringen Preisbemessung des Brotgetreides gegenüber dem Futtergetreide ist, was ausdrücklich hervorgehoben iverden muß, die Anbaufläche für Brotgetreide vergrößert,- hierfür liegen bereits die! genauen statistischen Zahlenangabeu vor. Auch die Anbaufläche von Gerste hat zugenommen, die von Hafer ist in kaum nennenswerter Weise zurück gegangen. Bei dem Jntereffe des gesamten Volkes Ar die ErnahrungSfrage ist diese Feststellung, daß die Anbaufläche des Brotgetreides zugenommen hat, ganz besonders erfteulich.
Jupiter und Venus, und außerdem noch ein dritter Planet, Saturn, sind in diesen! Monat zu sehen. Jupiter steht im Sternbild des Widders; er geht schon vor Mitternacht aus ist die ganze Nacht sichtbar und steht vor Tagesanbruch hoch im Süden; er zeigt hellsten Glanz, und mit einem guten Fernrohr kann man auch seine vier größeren Monde sehen. Venus geht zwei Stunden nach Mitternacht ans und zeigt ihren hellsten Glanz; sie steht im Sternbild der Zwillinge, unterhalb der Hauptsterne Castor und Pollur: zwischen ihr und diesen steht Saturn. Die vier Sterne bilden zusammen eine etwas gebogene Linie. Am Ende der Woche kommt zu dieser Gruppe noch der abnehinende Mond, der am 23. September ganz dicht unter der Venus durchgeht. Hoffentlich erlaubt ein wolkenloser Hiinmel den Anblick dieser Konstellation, deren Pracht noch dadurch erhöht wird, daß gleichzeitig die schönsten Sternbilder mit den hellsten Fixsternen, so außer den Zwillingen der Fuhrmann mit Capella, der Stier mit Aldebaran und den Vlejaden, die Prachtgruppe des Orion, sowie die beiden Hunde, Prokyon und Sirius, der hellste Fixstern des ganzen Firmaments, zu sehen sind.
Die Zahl der P o st s ch e ck k u n d e n ist im Reichspost- gebret Ende August 1916 auf 133 681 gestiegen. (Zugang im Monat August 4098.) Auf den Postscheckrechnungen wurden im August gebucht 2 662 Millionen Mark Gutschriften rind 2 660 Millionen Mark Lastschristen. Bargeldlos wurden 3 253 Millionen Mark des Umsatzes beglichen. Das Gesamtguthaben der Vosischeckknnden betrug im August durchschnittlich 344 Millionen Mark. Im lieber- weisungsverkehr mit dem Auslande wurden 6,3 Millionen Mark umgesetzt.
Starkenburg und Rheinhessen.
ha Darmstadt, 14. Sept. In der heute naebmittaa avgeyaltenen Schnng der Stadtverordneten ttntrfce u. a. der Beschluß gefaßt, ans städtischen Dtttteln für die fünfte Reichskrieasanleihe den Betrag von 400 000 Mark zu zeichnen. Weiter stimmte die Versanrmluna ein- stmmng dem Antrag der Bürgermeisterei und bes Finanzausschusses zu, den mit der Stadtverivalttlng im Berrrags- verhaltncs stehenden Zeitungen infolge der dnrch den Krieg bedingten cncherordentlichen Vermehrung der zur 2luf- nahnre kommenden städtischen Bekanntmachungen der Pauschalvergütung von 2h Prozent zu bewilligen und zroar rückwirkend vom 1. Ok-


