Ausgabe 
13.9.1916 Zweites Blatt
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»AnzeigerE viermst wöchenllich btt^ttegt, das Ureirblatt fßr deo Kteis «etzen" z»»«mtr! wöchentlich. Die .,£«*»ittfchaftttchtv -eil- erscheinen monatlich zweimal.

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M. ZWgcmg

General-Anzeiger für Gberhefjen

MttWHch. tZ. ZeMmber M»

Rotationsdruck und Berlaq der Brüht'jche» Universitäts - Blich- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle «.Druckerei: Schul» straße?. Gefchäftsst-Ne «.Verlag: e^Dol, Schrift« Leitung: eza&112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

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Hessischer Landtag.

Zweite Kammer der Stände.

Darmstadt, 12. Sept.

Dm NegierAur^strsche: Staats minister Dr. v. Ewald, Mi­nister des Jrnrern v. Hombergk, Finanzmirüster Dr. Becker, Staatsvat Hölzinger, Ministerialräte Dr. Kratz, Dr. Schwarz, Helwig und Dr. Engen Wagner.

Präsident K ö hier eröffnet die Sitzm:g um 10 Uhr 25 Min. urch begrüßt die fast vollzählig erschienenen Mitglieder, besonders auch der: direkt vor: Verdun herbttgekommenen Abg. Dr. v. L>el- molt. Das Haus l-abe sich jetzt zum fünstenmal wahrend des Krieges hrer'versamnrelt, um nötige Parlamentärssck>e Vorlagen zu erledigen. In deu vier vorhergegangener: Tagrmgen haben wir sedesmal den Wunsch und die Hoffnung mrsgesprochen, da st die Tagung die letzte in der Kriegszeit sein werde. 2lsber die Hoff­nungen l)aöen sich nicht erfüllt, die Zeiten sind schwerer genwrdeni und iw-ch in letzter Zeit sind neue Feinde lstnzu getreten. Liber aller Anstnrm'cher Feinde ist vergebens. Unsere Fronten stehen fest und erst die spätere Geschichtsschreibrulg wird feststellen, welch groste, lpnvalüge Taten des _deutsche Volk geleistet hat. Gerade in diesen Tage:: lösten wir die großen Erfolge in Rumänien verzeichnest können ^md ein Jauchzer: ging.dutth die Niation, als mit der RüKechr derDeutsckfland" der deutsche Erfindungsgeist einen neuen großen Tttnnrph feierir Sonnte. Ein solches Volk must eine große Zukunft haben und wird niemals zugrunde gehen. (Lcbh. ^ Beifall.) Der Präsident betont sodamr die Notwendigkeit, voller Vertrauen festzlühalten und auch auf wirtschaftlichem Gebiet nnt- ! narbttten, besonders jetzt durch allgemeine Zeichnung ans die 5. Kriegsanleihe. Im Llnschlust an die nrit Begeisterung aufge- nommLULN vaterländischer: Worte gedachte der Präsident dann des oerstorbenen Mg. Joutz, und widmete ihm einen ehrenden Nachruf, indes das Haus das Andenken durch Erheben von den Sitzen, ehrte.

Dar Eintritt in die Tagcsordnmrg.nimmt Staatsminister Tr. v. Ewald das Wort und stellt dem Hause die Regierungsvertreter Ministerialräte Dr. Schwarz, H e 1 w i g und Dr. Wagner vor.

Die beiden ersten Punkte der Tagesordrttrng betreffen die Re­gie rm^svorlagen über die Berwaltmrgsübersicht der Grosth. Staats-« sch i il dm Verwaltung und die Machweisungen über die Staatseiivr r:ahmen und -Ausgaben im Etatsjahre 1912.

Wg. Dr. Qisann begründet den Ausschußantrag auf Zu- strmürmrg zu den Nachtveisungeir inrd tritt für dre möglichst aus- lstiebige Zttchmmg auf die n-eire Miegsanleihe ein. Hessen habe bei den früheren Anleihen seine vaterländische Gesinnung in glänzen­der Werse bewahrt und werde auch diesmal nicht Zurückbleiben.

Finanzminister Dr. Becker dankt namens der Grosth. Re­gierung sowohl dein Präsidenten, wie dem Abg. Dr. Osann für ihr tttn treten für die fünfte Kriegsanleihe. Man könne darauf hoffen, dast auch die Zeichnungen auf die fünfte Kriegsanleihe nicht hinter der vierten Anleihe znrückblerben r »erden. Was damals zur Befur- N'ortnntz der Anleihe ausgeWhrt wurde, gilt auch heute uud er lütte deshalb, haß sich^ alle in best Dipnft der Sache stellen ünds namentlich auchoreBehörden bei ihrem Bestreben unterstützen möch­ten. Jeder Sieg auf dent httmatlichen Kriegsboden werde unsere großen Waffenerfolge wirksam unterstützen und uns dem erfolg­reichen Mschluß des Krieges näherbttngen. (Zustimmung.)

Die Beratung der Regierungsvorlage, bett. die Gcwährrmg von BeMlen an Beamte und ständig verwendete Bedienstete, die wäh­ret» des Krieges ihrer aktiven ÄMftärdienstpflicht genügen, wird auf Antrag des Mg. v. Brenikano hertte von der Tagesordnung abgefatzL.

Die Mgievtt^svMLlWe, bete. die BctMgüng des Heffffchen

Staates an der K a rt o ffel verf o r gung, G. m. b. H. mit dem Sitz in BewliN-Mitte, becni-ttagt der Ausschuß anzunehmen. Der Betrieb-dieser Gefellschaff ist nicht auf Erwerb gerichtet, sie verfolgt vielmehr lediglich gemeinnützige Zwecke. Das Stammkapital be­trägt 5 362 000 Mark. Beteiligt haben sich daran nttren dem Reich auch st^oeußen, Bayern, Baden uird Württemberg, sowie eine groste Ltnzahl deutscher Städte, landwirtschaffliche Genossenschaften' usw. Unter diesen Entständen erschien auch die Beteiligung Hessens ge­boten und >vs lwnrde von der Regierung ein Betrage Vvn 50 000 Mark als Anteil an dem Stammkapital zugesichert.

In der Debatte bemerkt Mg. Wolf- Stadeken (Bbd.d er halte die festgesetztest Höchstpreise für Kartoffeln nicht, ffir richttg: diese Höchstpreise würden zur Folge haben, daß im Winter ein Kar- toffelmangel und im Frühjahr ein Kartoffelüberflust vorhanden sen: wnde. Abg. Ulrich lSoz.) betow, die Regelung der Kartvffel- versorgüng habe einen starken llnmjut im Lande geizeittgt. Die Kartoffelpreise seien viel zu. hoch. Das werde bis in die landwirt- schaffttchen Kreise mich selber zugegeben. Die hohen Preise würden

SUistria m der Ariegsgeschichte.

Silistria, die jetzt gefallene Tonaufesttmg, hat im Laufe der Jahrhunderte oftmals ihren Besitzer gewechselt; viele Belagerungen hat sie erlebt, mrd mehrere Male ist sie erobert worden. Das alte Turoswrnm der Römer, das zum bulgarischen Drstt geworden ist, wurde im Jahre 893 durch den Bulgarenzaren Simeon gegen die Angriffe der Magyaren und der Griechen verteidigt; im Jahre 967 betrat !zum ersten Male der Fuß eines russischen Eroberers, des Fürsten Sviatoslav die Festtmg; diesen Russen hatte ein Herrscher von Byzanz, Ricephoerus Phokas, zu Hilfe gerufen, aber vier Jahre später herrschte Feindschast zwischen den ehenmligen Freun­den, und 971 ewberten die Byzantiner die Feste Silistria, nachdem Sviatoslay sie drei Monate hindurch verteidigt hatte. 1388 zog Mi Pascha, der Grostvezier A^mr-ads, siegreich in die Festung ein, dauach scheinen die Wallachen sie wiedererobert zu haben, denn der um die Wende des 14. und 15. Jahrhunderts regierende Fürst Mircea nannte sichHerr von Silistria", aber zwei Jahre vor dessen Tode, 1416, eroberten die Türken sie wieder, und von nirtz an blieb sie lange Zeit unter osmanischer Herrschaft, unter der die Stadt sich zu groster Blüte entfaltete. Unterbwchen wurde die Türkenherrschaff auf kurze Zeit dadurch, daß Michael von Bessaraba 1594 Silistria eroberte.

Heftige Kämpfe um Sllistria entspannen sich wieder seit dem Beginne des 19. Jahrhunderts, wo Türkei: und Russen wieder und wieder an der unteren Donau und in dem südlich davon ge­legenen Landstriche gegeneiirander kämpftm. Jrn Jahre 1810 ge­lang es den Russen zum ersten Male, Silistria den Türken zu, entreißen. Ein erster Versuch des Fürsten Bagration, die von den: Ajcn: Jlik Oglu befehligte Festung einzunehmen, mißlang, da nach imüirwöchiger Beschießung ein türkisches Entsatzheer von Rust- schuk kam; aber im In::: dieses Jahres griff der erst 32 jährige General Kamensk: mit einem starken Russcnheere die Donaufestnng an und innerhalb toeniger Tage war die Belagerung bereits be- elidet; am 11. Juni übergab sich die Festung. 18 Jahre später kämpften Russen und Türken wieder um den Besitz Silistrias. Ein erster Versuch der Russen Unter der Führung des Generals Roth führte nicht zum Erfolge; die Russen mußten sich daraus beschränken, Ausfälle der Besatzung zurückzutteiben, und als im Oktober schlvere Regengüsse einsetzten, mußten sie sich aufs andere Donauuser zurückziehen. Im folgenden Jahre verließen die stiussen in: April ihre Winterquartiere und am 17. Mai kan: General Diebitsch nach einem fünftägigen Marsche durch das überschwemmte Don anland mit 21 Divisionen vor Silistria an. Bereits an: fol­genden Tage warf eine Feldschlacht die Türken in die Festung^ zurück, sie wurde sogleich eingeschlossen, es gelang Reschid Pascha, der mit 45 000 Mann zun: Entsatz aus Schumla kam, den Russen in toi jJIMm m- fo.mnm,. ihW .SMkia-Warna

vöttterüng nach sich Ziehen. In Offenbach seien bereits 3 1 /- Mil- Lwjqtei: uitb im Kreise Offenbach bereits 9 RMionei: für Volks- eruähruwrszwecke verausgabt worden. Die Regienmg, besonders^ der Herr Finanzminister, sollten sich toeniger zugeknöpft zeigen! Ünd dm Gemeinden toenigstens eineu Teil ihrer großen Ausgaben wieder ersetzen. Der Redner tvendet sich weiter gegen die Manipu­lationen der Kommissionäre und tritt für eine Beschlagnahme aller Kartoffelbestände und gerechte Verteilung derselben ein, in! ähnlicher Weise, nne es beim Getteide geschah.

Abg. Henrich (Forffchr. Bolksp.) erörtert die Frage einer anderweiten zweckmäßigen Verschiebung der .Kartoffelpr-eistermine Und betont, er halte die aa^rcichende und rechtzeitige Versorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln iroch für wichtiger, als die Frage der Höchstpreise.

A'bg. Dorsch (Bbd.) stimmt im allgemeiner: den Aus­führungen des Abg. lllrich über die ziu früh aaisgehoberren Spät- kartoffeln zu. Die Zenttalisierung >der Kartoffel Vorräte habe auch ihre Nachteile. Man sollte den Bauer:: Mehr freie Hand lassen. Der Landwirt sei besser in der Zage, die Kartoffeln aufzübewahren, als die wirtschaftlichen Verbände.

Mg. v. Brentano (Zentt.) führt die Mißstände in^der Kartoffelversorgiw:g auf die Zenttalstelle zurück, die die Kartoffeln im Rei-che Umherschicke.Den Bauern treffe keine Schuld. Die Einrmhmen der Könimissivnäre sollten gmauer festgestellt loerden. LNan schrmipfe viel über die Larrdwirte, aber über die errornren Gewinne der Großunternehmer rege mar: sich nicht weiter auf, obwohl sie >doch direkt von den Steirerzahlern zu tragen feien^

Abg-. Adelung (Soz.) bcmertt, der Abg. Ulrich'habe ganz bestimmte Borwürfe geger: das Verhalten vieler Landwirte in der Kartoffelfrage erhoben. Einen Antrag im Sinne des Abg. v. Brentano auf Berminderrtng der Gewinne der Kotirmissionäre würde Redner gerr: Unterstützen. Tier Kärtoffelpreis sei 'für d:e Allgemeinheit viel zu hoch; das habe die Reichsstette sellffr zu­gegeben, indem sie Verbraucher-Höch>stpreise sesffetzte. Der Redner mackst dann verschiedene Vorschläge für eine beffere Verteilung der Kartoffelvorräte. .

Minister des Jrrnerr: v. Hombergk mtgegnst der: Vor- redneri: und bemertt U. a,., daß die KartoffelprMse durch das Reich festgesetzt seien und feine Bestimmung vorlwrüwu sei, nach welcher die Regierung in die Preisbildung eingreisen könnte. Auch Ms die Kommunalverbände in dieser Frage einzuwirker:, habe die Regierung kerne BesugrriS.

Nach weiteren Ausführunger: der Mgg. Ulrich, Dr. Osann und Korell-Jngelhein: wird die Regierungsvorlage einst immi>g angeifonuimt.

Die Regierungsvorlage, betr. die Belastung von Grundstücken mff vererblichen und veräußerlichen Abbaurechten (Berichterstatter Mg. Reh), wird nach dem Ausschußantrag angerwmmen, desglei­chen der Gesetzentwurf, betr. die Befreiung genreinnütziger, aus die Errichtung von Wohnungen für Minderbemittelte gerichteter Un­ternehmungen von Sten:pel- und Gcrichtsgebühren, wobei auch die Vorstellung des Verbandes der gemeinrttitzigen Bauvereiue in der­selben Frage für erledigt erklärt wird. (Berüchterstatter Abg. Heu­st ich.) Angenonunen wird ferrler die Regierungsvorlage über die Nerrordnung der Bauverwaltung, hier die Ministerialabteilung für Bauwesen betreffend, und die Vorlage, bett. den Verkauf eines! Grundstücks des GwßherMgtum-Landeseigentums an den Guts­besitzer E. Dekretan zu Hohenau.

Ein dringlicher Arttrag des Abg. Hjau ck (Bbd.) bett. die Abänderung der VewrdmulB über dre einmaligen Widerruffichen Zuwendmvgei: für die Hältterbliebemen von 5^riegsteilnehmern der Unterklassen durch das Reich wird nach dem Ausschußanttag (Be­richterstatter Mg. Henrich) angerrommen mit dem Zusatz, daß die Zuweisung:maliger Nnderrufficher Unterstützungen ar: Hinter­bliebene von Kriegsteilnehrnern mit einem EinkoMüten von weniges als 1500 Mark rrach der: gleichen Grundsätzen erfolgen nröge, wie solche für Hinterbliebene mit höheren: Einkommen besttMntt sind.

Den Antrag be& Mg. Leun (Bbd.) bett. die Unterstütziurg von Fannlrerr in den Dienst cingettetener Mannschaften, den der Anttagstcller näher begründet, bearttragt der Ausschuß (Bericht­erstatter Mg. U e b e l) abzulehnen. Dieser Antrag wird nach län­gerer Debatte, an der sich die A?>gg. v. Brentano, Hauck- W o l f - Stadvken, Cal Man Und Staatsrat 'Hölzingcr be- telliga::, angenommen. ' i

Ein dringlicher Antrag der Mgff. Lang und K r ed ct , bett. die Hoaezeit des Wffdes. (wesentliche Mrzung der Schonzeit für Rehnäld und Hasen während der Kstiegszert usw.), wird nach den im Aussckstiß ch-gegebener: Erklärungei: der Regierung ffir erledigt erklärt. , -

Betreffs des Antrags Lang auf Anordnung von Polizei­treibjagden auf Schwarzwild int hirtteren Oderüvald nimmt das

zu unterbrechen, und so schien die Festung gerettet. Llllein eck beging den schweren Fehler, das abziehendc Belagerrmgsheer für einen lleinen Vortrupp zu halten, wurde in schwere Känrpse in dev Gegend von Pravat: verwickelt, nmßte sich zurückziehen, büßte infolge einer Explosion viel Munitton nnb fast alle Geschütze ein, und ließ sich daher auf Friedensverhandlungen mit den Russen ein. Diese Zeit benutzter: die Russen, um aufs neue gegen Silistria zu rüsten; es gelang ihnen, die Artillerie der Belagerten vollständig' zu vernichten, die Türken verteidigten sich bis zun: Er:de des Junis noch durch Gcwehrfeuer, aber schließlich gelang es den Russen, durch eine ausgedehnte Minensprengung eine große Bresche zu legen, so daß die Türken sich gezwnnger: saher:, die Festung zst übergeben.

Ein Bierteljährhundert später kam es zwischen Russen und Türken wieder zun: Kampfe um Silistria. Silistria hatte sich frei­lich inzwischen verändert, denn ein deutscher Offizier, Blum-Pascha, der seit 1838 in türkischen Tierffter: starrd, Tj-atte die Festungswerke aus gebaut.1854, beim Beginne des Krimkrieges, versuchten die Russeu zunächst vom linker: Donauufer ar:s, Silistria zu erobern, alle:«: ohne Erfolg; dann kamen sie auch aris dem rechten Donau- ufer heran, und da der Zar besohler: hatte, Silistria unter allen Umstär:den zu nehmen, stürmten sie unaufhörlich gegen dessen Werke, um unter ungeheuren Verlusten jedesmal abgeschlagen zu werden. Ten: Befehlshaber, Musa Pascha, stand der deutsche Oberst Grach, ein Rheinländer, zur Seite; ec leitete die artilleristische Ver­teidigung vortrefflich, und die yttffser: unter Paskiewitsch ml:ßten sich zurückziehen. Bald darauf erneuten sie unter der Führung Gortschakoffs die Belagerung: rvicder prallten ihre Heere, von den tapferen Verteidigern zurückgeschlagen, unter großen Verlusten zurück, be: dem letzten Sturme ffel der leileubc russische General Schilder rmd am 14. Juni gab der Zar den Befehl, vvn der Be­lagerung abzulasse::, die an: 21. Juni tatsächlich aufhörtc.

Seitdem ist Silistria nur noch einmal belagert worden, nämlich im Jahre 1877. Ter Befeblshaber Achmed Ejub hielt sich aber, gegen die Russenheere, 1878 räumten die türkisck>en Truppeff Silistria, woraus die Festtmg schließlich in die Hand der Bulgaren kam, ^ denen sie an: Ende des zweiten Balkaittrieges durch die Munränen ^.ohr:e^ Kampf erttrissen wurde. Durch die erneute Er­oberung ist sie jetzt wieder in die Hände der Bulgaren gelangt.

Aus Friedrich Gernsheims Lehr- und Wan­ders ayren. lleber ein Vierteljahr hundert hat Friedrich Gerns- heinr. dessen Tod rvir gestern luitgeteiTt haben, zu der: führer:dest Persönlichkeiten des Berliner Musiklebcris gezählt. Als Lehrer, als Dirigent, als Vortragskünstler und rücht zuletzt als Torrichter hat er hier gewirtt. Seine Jugertt» uud einen Tell seirrer Reife hat Gernsheim; ppstch verbracht; er ist von Ort m Ort gewandert

Haus den Ausschußantrag xm, Gvoßh. Regierung zu ersuchen^ daraus 'hinzruvirker:, daß zum Zwecke des Mschusses von Schwarz- wild irr: südlichen Odemvald ein milffärisches Jagdko-nrntarwo aus nicht kriegsverioerrdungssähigeu Militärpersouen lForstsckmtzöeam- ten, gelernten Jägern, Jagdpäck>tfrn usw.) unter Oberleitung eirres geeigneter: höheren Forst verwaltungsbeamten gebildet werde, die Abschußprämien eventuell erhöht und auch dem Erleger bei Toeib- jagder: ausbezahlt werde::. Ter Abschuß hätte spätestens Ende August plmtmläßig zu beginnen. Die entstehenden Kosten möchten dem Kommunalverband zur Last zu setzen fetn.

Tie Sitzung, deren letzter Teil unter Vorsitz des zweittn Vize­präsidenten Tr. Schmitt stattsand, sck>loß darnach um 1 kchr. Nächste Sitzung morgen früh 9 Uhr.

Aus horchpssten.

Vvn H. L a n g, %. Z. int Felde.

Ostfront, Anfang September 1916.

Wir bewohnen in eirwm sumpfigen Walde einen engen, feuchten Unterstand. Darin tarnen und Hüpfer: die Mäuse wie zahme Haus­tierchen. An den Wänden wachsen Giftpilze. Ich liege aus harten Brettern und kann den Schlaf rücht finden. Die Luft, muffig und schlecht wie in einem alten, modernder: Keller, vcrrnsacht Kopf^ schmerzen.

Ta weldet sich die Pflicht:Aufsteher:! Mlösen!" Diese Worte gelten einein Kameraden und mir. Wir machen uns fettig. Ter Mantel ist noch naß u;:d schwer. Wir verlassen den Unterstand. Pechschwarz ist die Nacht. Es xegnet leise, aber unmffhörlich. Vorsichtig tasten wir uns weiter, aber es ist schwierig, aus dem rechten Weg zu bleiben. Patsch! und ich sitze im Wasser und Sumpf bis über die Stiefel. Mit einem Fluch auf den Lippen llettevg ich nrühsam heraus. Weiter, weiter! Neben uns donnern Feld­geschütze. Dreimal kurz hintereinander. Wie Wetterleuchten blitzt es auf. Wenige Sekunden später hört man das Helle Krachen der einschlagenden Geschosse.

Gottlob, endlich haben wir den Schützengraben erreicht. Bon hier aus zeigt uns ein dünner Draht den Weg. Mit der größtest Vorsicht gehen wir weiter, schlängeln uns durch die eignen Draht­verhaue. Horch! sind da nicht Schritte zu hören? Wir bleiben stehe::, halten unwillkürlich den Aten: an- lauschen gespannt

in die Nacht hinaus.-Nichts rührt sich. Nur der Regen

tropft von den Blättern. Wir schreiten weiter. Unter den Füßen knacken dürre Zweige. Plötzlich wirds hell. Eine Leuchtk::gel schwebt fast senkrecht über uns. Jrn Nu liegen wir platt aus dem Boden. Einige Kr:geln pfeifen durch die Luft. Tann wirds wieder dunkel und still. Wir gehen weiter. Noch wenige Schritte und wir sind am Ziel. Im Flüsterton rufen wir dem Posten das Parole- wort zu. Er teilt uns mit, was sich inzwischen ereignet hat, dann zieht er sich zurück, lautlos, wie wir gekonrmen sind. Und wir übernehmen das Wächteramt.

Bis an die Brust stehen wir in einem .Erdloch. Die Augenl bemühen sich erfolglos, die Finsternis zu ergründen. Kaum ist zu erkennen, wo der ttübe dunkle Himmel von der Erde sich abhebt. Und wir sind gezwungen, uns auf unser Gehör zu verlassen. D« Taschenuhr meines Kameraden höre ich laut und deutlich tiefen. Auch die kleinste Bewegung verursacht Geräusch. Wieder steigen Leuchtkugeln auf, verbreiten sekundenlang Helle. Regungslos blei­ben wir stehen. Die Augen weiten sich, übersehen rasch das Gelärrde. Nichts Verdächtiges. Einige Schritte vor uns steht ein schwaches Bäumchen, das sich im Winde hin und her bewegt wie ein drohender Finger. Hinter :ms im Walde ertönt der häUuhe Schrei einer Eule.

In der feir:dlichen Stellung wird es mit einemmal munter. Die Russen sind bei der Arbeit. Man hött sie spreche::, hörr frei säger: und Pfähle einschlagen. Nur kurze Zeit. Schm: funkt unsere Attillerie dazwischen. . Alles verstummt. Schmcrzensrufe gellen durch die nächtliche Stille mimttenlang. Allmählich tritt wieder Ruhe eilt. Ein nervenanspannendes Warten beginnt. Unheimlich ist dieses Lauern auf Gefahren. Aus der Brr:stwehr liegt das Gewehr: schußbereit. Ich greife zum Fernglas. Nichts zu erkennen. Nur schwärzer erscheint die Nacht.

Aäein Kamerad kämpft mit dem! Husten. Er beißt sich in den Aermel, um unseren Standort rücht zür verraten.-

Rechts von uns ttachen Schüsse, kaum 100 Meter entfernt. Leuchtkugeln fliegen hinüber und herüber. Das Feuer wird stärker. Wir steher: unbeweglich in unserem Erdloch, sehen uns das eigen­artige Spiel um Leben pnd Tod aus nächster Nähe ar:. lttwa eine Viertelstunde und es ist vorbei.

Und wieder beginnt das nervenanspamrende, unheirnliche Warten.-

und wenn er in^ eirügen Städten auch mehrere Jahre hindurch blieb,_ das Schicksal führte ihn wejiter, bis er cEich in Mrlrn seßhaft ivurde. Gernsheim, der Sohn eines Arztes, der e&enfa trefflich die Flöte spielte, wie die Mutter das Klavier, hat seine Begabung zweifellos von seinen Eltern geerbt und schon als Fünf­jähriger spielte er trefflich Klavier; rvahrscheinlich rvar er anfangs fftt die Virtuosenlaufbahn bestimmt; jedenfalls schickten ihn seine Eltern nach Franksrirt a. M., wo Hauff und Rosenhcün zu seinen Lehrern zählten; seine weitere Ausbildung erhielt er an: Kon­servatorium in Leipzig, wo narnentlich LNPscheles großen Einfluß auf ihr: hatte. In diesen Jahrei: bereits kam er mit bedeutendest Persönlichkeiten des Musiklebens zusarrrmen: mit Anton Schindler, dem Freunde Beethovens) den er in der: Konzerten des Geigers Heinrich Wolfs immer auf demselben Platze geseher: und aus der Feme wohl ein rvenig angeschwärmt hatte, und mit Johar:nes Brahms, dessen erstem Auftreten er am 17. Dezernber 1853 bei­wohnte. Mit beiden Männern verband ihn dann eine Freundschaft, die, r:amer:tlich bei Brahms, auch auf sein Schaffen nicht ohne! Eirffluß geblieben ist. Zur weiteren Ausbildung begab Gernsheim sich nach Patts, und volle-sechs Jahre hat er in der Hauptstadt Frantteichs geweilt. Als 16jähttger kam er dott ar: und in: Laufe der Zeit lernte er -auch dort ttne ganze Reihe angefeliener Musiker kennen; Rubinstein, Liszt, Rossini waren es in erster Linie, zu der:en er r:äherc Fühlung gewanr:. Rossirüs Llbendgesellschaften waren darnals ein Sammelpilnkt des im:sikalischeu Lebens in Patts und zu ifnten fand der junge Gernsheim Zuttttt. Rossini nahnr sich freundschaftlich feiner an und zwischen >dem alten Meister und dem jur:ger: Mrisiker entstand bald eine Frermdschaft.Btt Rossini Wat ich bald heimisch gervorden," so fyat Gernsheim selbst einmal er- ählt.Er empfn:g mich oft in den Vormittagsstunden allem in einem Atbeitszimmer, und liebte mit mir zu plcruderr:, aus seinen: Leben zu erzählen und auch Klon:Positioner: vorzUspielest meist kleinere Tonstücfe, oft vor: großen: Reiz, die erzurst Ztttvertteib pour s'amnsec", iinc er sich auÄ>rückte, schrieb., Bon der Oeffentlichkeit war er seit den: Erschittnen desWilhelm! Teil" auf der Pariser Opembühne gänzlich zuttukgetteten. Die Mittellungerr aus sttnern Leber: roareu hcchinteressant. Sie be­stätigten auch als Datsachch: der: ganzen Legerchenkreis, der sich um seiner: Barbier vor: Sevilla gebildet Tratte, die Komposition der Oper in elf Tager:,'deren Schicksal bei ihren ersten Ausführun­gen in Rom usw. ©ein Wablsprnch aber war heute wie damals: die Melodie". Nach dem' Aufentlralte in Patts betrachtete tzstrns- heim feine Ausbildung in der: Grundlager: als abgeschlosser:; er ging vor: da als Musikdittgent rrach Saarbrücken, dann nach ttner Re:l)e von Jahren als Lchrer ans Kölner Konservatottnm, nach 10 Jahren folgte er einen: Rufe rrach Rotterdam, rvo er 15 Jahre blieb, unt dam: wieder ff: seine .Httmat zurückzufehrer:, ;md wäh­lend des letzten Drittels feines Lebens iv. Herttu m wirken.