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7.9.1916 Zweites Blatt
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Nr. 2JÖ

Zweites Blatt

166. Jahrgang

Donnerstag, 7 . September IW

Erscheint täglich mit Ausnahme des So*mt»gS.

DieGietzener LamiiiendlStter" werden dem

Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das Krefsblatt für den Kreis Siegen- zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit' fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchea

Universitäts-Buch- und Stemdruckerei. R. Lange, Gießen.

bchristlettung, Geschäftsstelle u.Druckereft Schub straße 7. Geschäitsst-lleu.Verlag:e-^»51,Schrift» leitung: «-E112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

Wie lege ich mein Kapital an?

Aer vor dein Kriege behauptet hätte, daß gerade zur Kriegs­zeit das Bedürfnis, Geld zinstragend anznlegen, groß sein würde, der würde ans ein ungläubiges Lächeln gestoßen sein. Der Krieg ist der Zerstörer voir Güt>ern. Wie ist es da möglich, daß ib^ großen Umfange neue Ersparnisse entstehen? Die Antwort daraus gibt das Völkerringen, in d«n ivir nns seit mehr als zwei Jahren fefmteit. Großen Teilen der Bevölkerung ist es- durch unmittelbare oder mittelbare Beteiligung an Heeres liefernn gen. durch die Ab- stosnng von früher angesamuvelt«: Vorräten an Waren und durch erhöhte Enttohnnng der Arbeit gelungen, neues Kapital anzu- saMmeln oder bereits vorhanden gewesenes zu vergrößern, und nran braucht imr an -den gewaltigen Erfolg der vier ersten Kriegs­anleihen zu ^denken, ujm ztü erkennen, daß für sehr erhebliche Summen im Kriege ent Anlagebedürfnis entstanden ist.

I:: den sechs ?Ji ortaten, die seit der Ausgabe der vierten Kriegs­anleihe t»eufcrirf>en sind, haben sich wiederum bei großen mrd Nein«: Kapitalisten, bei Behörden, Banken, Sparkassen , Aktien-Gesell­schaften üsw. neue Gelder gesammelt, und ihre Eigentümer stehen vor der Frage: Wie lege ich mein Kapital an?

Wei bei seiner Entscheidung ausschließlich von der Erkenntnis geleitet wird, es ist deine dringende Pflicht, die Kriegsbereitschaft und Kriegskraft deines Vaterlandes zu unterstützen, bcr wird ohne neiteoes die Antwort finden. Aber auch alle die, denen zwar kein Mangel an patriotischem Empfftch«: nachgesagt werden kann, die aber doch auch daran denken, ihr Geld aufs beste zu sichern, müssen zu dem Entschluß kommen, die fünfte Kriegsanleihe zu zeichnen. Weshalb? Niemals vor dem Kriege hat es eine Deutsche Reichsanleihe gegeben, die eine so hohe Verzinsung bringt, und wenn wir hinsichtlich der Kraft Deutschlands vor und wahrend des Krieges Vergleiche anstellen, so wissen nur, daß zipcw große Lasten zu träger: sind, aber wir wissen auch, daß Deutschland unerschüttert dasteht imd seine Grenzen, dank der selben haften Haltung rmserer Truppen, tief in Feindeslcuft» hinein- geschoben hat. Wir wissen auch, daß das Reich durch das ihm zu-' stehende Rech: der Gesetzgebung jederzeit und unter allen Umständen in der Lage ist, die Mittel zur pünktlichen Bezahlung seiner Schuld- zinsen aufzubrinaen. Warna: also sollte jemand fetzt weniger dazu bereit sein, 'Anleihegläubiger des Deutschen Reiches zu werden als vor den: Kriege? Nur von furchtsamen und wenig überlegenden Leute,: kann so etwas angenommen werden.

Mancher, der an die großer: Gewinne denkt, die deutsche Jndustriegesellschaften im Kriege erzielt haben, mag meinen, daß es richtiger sei, sich an der Industrie zu beteiligen, mit anderen Worten, Aktien zu kaufe::. Möglich, daß eine solche Spekulation von Erfolg begleitet ist, aber die Zusicherung, daß das in der Aktie an­gelegte Geld aus Jahre hinaus mit 5 o/o verzinst wird, b:e kann selbst die beste Aktiengesellschaft nicht geben. Eine solche Gewißheit hat hingegen der, der die deutsche Kriegsanleihe, zeichnet.

Die Verzinsung pflegt in gewöhnlichen Zeiten im umgekehrten Verhältnis zur Sicherheit der Anlage zu stehen. Ganz sichere An­lage:: bringen nreist nur kleine Zinse::, mrd wo hohe Zinsen gezahlt werde::, hapert es vielfach irgendwie mit der Sicherheit. Tie be­sonderen Umstände haben es mit sich gebracht, daß dem deutschen Volkedie sicher st «Anlage, sürdiedieSteuerkraft der ganzen Bevölkerung und das Vermöge,: des Reichs und sämtlicher Bunde sstaaten haften, zum höchsten Zinsfüße dargeboten wird. Und nicht nur die 5prozentige Reichsanleihe ist eine so vorteilhafte Anlage, sondern auch die 4y 2 vrozentigeu Schatzanweisungen sind es, die das Reich als zweite Anleiheform auflegt. Tla sie zu 95 o/o aus­gegeben werden., bringen sie von vornherein tatsächlich nicht 4 i/ 2 o/o, sondern 4 % °/ 0 Zinsen. Außer den: hat man bei der Rückzahlung, die in: Jahre 1923 beginnt m:d im Jahre 1932 beendet sein muß, einen Kapitalgewim: in Höhe von 5 o/o zu erwarten: denn die Rückzahlung erfolgt in der Weise, daß die Schotzanweismr gen zum Nennwerte, also 100, crusgelost werden.

Nun darf Man beinerner Kapitalanlage nicht Nur die Sicherheit und die Verzinsung als entscheidend ansehen, sondern auch die Frage der wehr oder minder leichten Realisierbarkeit spielt eine wichtige Rolle. Eine Anlage ist utrf so günstiger zu beurteilen, je leichter sie realisierbar ist, d. h. je besttnftnter der Eigentümer darauf rechnen kann, daß er jederzeit in der Lage ist, die Anleihe ohne Verlust zu Geld zu nmchcn. Bei der Deutschen Kriegsanleihe, und zwar bei der sünfprozentigen Reichsanleihe, wie auch bei den 4 1/2 Pro­zent: gen Scho tzanwei'ung«:, ist das der Fall. Wenn die fünf­

prozentige Reichsanleihe den Vermerk trägt, unkündbar bis 1924, so bedeutet das nur, daß der Zinsfuß seitens des Reiches vor­her nicht herabgesetzt werde:: darf. Die Verkaufsfreiheit wird da­durch in keiner Weise beschränkt, im Gegvitteil, sie wird dadurch gehoben, denn die Bestimmungunkündbar bis 1924" wirkt zugunsten des Anleiheinhabers, der damit die Gewißheit hat, du bekommst mindestens bis zum Jahre 1924 5 % Zinsen. Will das Reich dann nicht mehr so viel Zinsen zahlen, so Muß es auf Ver­langen jede^ Anleiheinhabers chm den Nennwert der Anleihe zahlen.

Nach alledern kam: einem jeden, der vor der Frage steht:Wie lege ich mein Kapital an?" die Antwort gegeben werden: In der Kriegsanleihe des Deutschen Reiches.

Das ungarische Abgeordnetenhaus über Rumänien.

Budapest, 5. Sept. (WTB.) In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses führte Gras Apponyi nach der patriotischen Erklärung des uugarländischen Rumänen Stefan Esicso aus:

Er pflichte dem Ministerpräsidenten bei, daß für den Selbst­verteidigungskampf in des Wortes höchster Bedeuteng die ganze Energie der Nation bis an die äußerste Grenze angespannt werden müsse. Er könne jedoch nicht verschweigen, daß die Leitung der Staatsgeschäfte, die 'bisher olche jcke Kritik und Kontrolle, sozusagen aus diktatorischem Wege erfolgte, nach den begangenen Fehlem ein.Ding der Unmöglichkeit sei. Der Mangel an Voraussicht, den die Regierung während der Zeit, die der Kriegserklärung vorher- gegangen, und während der ersten Stunde des Einbruchs bewiese:: habe, sei offenbar. Daß Rumänien mit großer Perfidie vorge- gang«: sei um) die diplomatischen Vertreter irregeführt habe, und daß der Einbruch unerwartet gekommen sei, sei eine historische Tatsache, allein das könne nicht als Entschuldigung dienen für diejenigen, deren Pflicht es sei, solche Verwicklungen vorauszu­sehen mft» deren Ausgabe es sei, zu vereiteln, daß das' Land vor solche liebe rraschnngen gestellt iverde.

Goas Julii^ And rassy (Verfassungspartei) stimmte den: Ministerpräsidenten in der Verurteilung Rumäniens bei. Es sei eine Unwahrheit, daß Rumänien den Krieg für die Verwirklichung des Nationalität«: pttnzips führe. Seine Gelüste richteten sich auch ans von Ungar:: und Sachsen bewohnte Gebiete. Der Redner kriti­sierte dann das Verhalten der Regierung. Er gebe zu, daß ein J',rr- tnnt darüber herrschen könne, in welchem Zeitpunkt der rumänische Angriff erfolgen werde. Ziegelmäßig pflege man aber dem Feinde nicht zu sagen, wann man losschlagen wolle. Es sei Aufgabe der Diplomaten, trotz falsck>er Behauptungen des Gegners die Wahrheit sestzustellen. Wenn die Gefahr so drohend sei, müsse man mit allen Väöglichkeitcn rechne::. Deshalb sei das Vertrauen zur Leitung der Angelegenheiten, das ohnehin im Wanken sei, vollständig erschüt­tert. Andrassy schloß: Die Verfassungspartei hat beschlossen, für den Kampf der Nation alle mögliche Kraft zur Verfügung zu stellen. Die Lage ist ernst, allein absolut nicht kritisch. Ich vertraue auf den Erfolg und das nicht nur deshalb, weit meine Natur unter solchen Verhältnissen ein Za^en nicht kennt, soiü>ern ich vertraue auch ans die Zahlen. Die Sache steht nämlich nicht so, daß wir einen neue:: Feind mehr haben, daß eine neue kräftige Armee gegen uns kommen wird. Mftn darf nicht vergessen, daß gerade Rumä­niens wegen die bulgarische und die türkische Armee bishergebnnden waren. Diese Kräfte werden jetzt frei wer­den »und an dem großen Kampf teilnehmen, so daß mit der Zunahme des Feindes auch unsere Kraft geivachsen ist. Ich vertraue auf un­sere Kraft und ich vertraue auf den endgültigen Erfolg, doch müssen wir uns zugleich eine neue Führung sichern. (Lebhafter Beifall links.)

Gras Michael Karo!Pi (Unabhängigkeitspartei) hob hervor, daß die Verantwortung des Ministerpräsidenten noch dadurch erhöht werde, daß er der Ernennung des Grafen Czernft: zum Gesandten der Monarchie in Bukarest zngestimint habe, obwohl die Opposition dagegen gewesen sei. Er rügt, daß die Bevölkerung nicht rechtzeitig gewarnt Word«: sei und daß die Räummrg des Kriegsgebietes Hals über Kopf habe erfolge:: Muffen, wobei auch große wirtschaftliche Werte, an denen das Grenzgebiet so reich sei, Gold-, Salz- und! Kohlengruben, den: Feinde überlassen worden seien.

Stefan Rakov szky (klerikale Volkspartei) sagte, tue Majorität erweise dem Ministerpräsidenten keinen guter: Dienst, wem: sie alle begangenen Unterlassungssünden gut heiße und d:e schwächliche Verteidigung des Ministerpräsidenten beifällig auf-,

nehme. Viel stärker wäre die Stellung des Ministerpräsidenten, nenn er an entscheidender Stelle darauf Hinweisen könnte, daß alle Unterlassungen sogar in seinem eigenen Lager Entrüstung hervorgerufcn hätten.

Hieraus ergriff

. Gras Tisza

das Wort und führte cmsH

Wir fühlen mit unseren hartbedrängten S-iebenbürger Mit­bürgern. Es ist begreiflich, daß Leute, die genötigt waren, Haus und Hof zu verlassen, in erregter Stimmung sind, doch darf dies Gefühl nicht auf ein Gebiet übertvagen werden, wo größte Be­sonnenheit und Einigkeit erforderlich sind. Der Rttnisterpräsident erklärte weiter, daß es infolge der gänzlichen Unbestimmtheit des Einbruches unmöglich gewesen sei, die Einwohner zu warnen und sie auf eine ungewisse Möglichkeit hin zum Ver­lasse:: ihrer Wohnstätte auszuforder::. Der Irrtum über den Zeitpunkt des Angriffes sei auch dadurch herbeigeführt worden, daß vom König von Rumänien solche Erklärungen abgegeben worden seien, die der: Frrtum leicht begreiflich machten. (Der Mi­nisterpräsident wird vielfach durch Zwischenrufe unterbrochen.) Tisza sagte werter: Wir haben uns bezüglich der rumänischen Rüstungen nicht in Täuschungen gewiegt. Ich muß noch besonders betonen, daß den Bukarest«: Gesandten der Monarchie kein Vor­wurf treffen kann. Die Klage, die hier erhoben wird, daß Gras Czernin sich ein Versänntnis oder eines Irrtums zu schulden' kommen ließ, kann mich nicht abhalten, daß ich dem gänzlich grund­los angegriffene:: 'Mann Gerechtigkeit ividerfahren lasse. Das sicherste diplomatische Mittel gegen die rumänische Gefahr bestand jedenfalls in dem bulgarischen Bündnis. Die Aktion, welche dev Anschluß Bulgariens an die Mittelmächte ergab, war in Verbin­dung mit dgm Bündnis mit der Türkei ein bäoeutsamer und wich­tiger Dienst, den unsere Diplomatie geleistet hat. Ich bitte die Abgeordneten, strenge Kritik zu üben. Ich werde n:ich allen Pfeilen mit offener Brust gegenüberstellen. Aber ich bitte Sie, nicht das »hohe Gut, ivelches uns allen und der ganzen Nation angehört, das das Kapital der sittlichen Kwaft. anzutaster:, dessen wir in deitz großen Augenblicke:: des Krieges so sehr bedürfen.

Budapest, 6. Sept. Die Beratungen des Abgeord­netenhauses bewegen sich heute wieder in völlig n 0 r malew Bahneu. Graf Julius Aitbrassy begründete in mehrstündi­ger Rede den Antrag auf Einberufung der Delegationen. Die Opposition hat alle Interpellationen, die jetzt eventuell peinliche Erörterungen veranlassen könnten, zurückgezogen, wodurch das vor­läufig weitere Beisammenbleiben des Abgeordnetenhauses gesichert erschernt. (Franks. Ztg.)

. * * *

Berlin, 7. Sept. Zun: Sturmlanf der ungarischen Oppo­sition gegen den Ministerpräsidenten Grusen Tisza äußert die Germania": Ob Tiszas Verteidigung der eigenen Politik gegen­über Rumänien und das Verhalten seines Gesandten berechtigt ist, das kann im Augenblick wohl niemand entscheiden. Es muß späterer Zeit überlassen werden. Wir alle stimm«: mit ihm und ganz Un­garn in der Hoffnung und dem herzlichen Wünsche überein, daß die siebenbürgische Prüfung bald ein ebenso glückliches und vollkomme­nes (£nbe finden werde, wie die ostpveußischle und galizische seiner­zeit es getan haben. Und glücklicheÄveise eröffnet die augenblick­liche Kriegslage darauf recht erfreuliche Aussichten. Nichts würde ganz Mitteleuropa mft größerer und berechtigterer Genugtuung zu erfüllen :nögen, als wenn gerade die treulosen Rumänen ihr Schick­sal recht bald und recht gründlich ereilen würde.

Anlverfiiats»Nachrichteir.

Hk. Marburg, 7. Sept. Wie wir hören, hat Professor Dr. Johannes M e w a l d t den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der klassischen Philologie in Greifswald als Nach- folger von Prof. Schöne angenommen.

^kirchliche Nachrrchte«.

Srraelitische Religionsgesellschaft.

Sabbatfeier am 9. September 1916:

Freitag abend 7.10 Uhr. Samstag vorm. 8.30 Uhr. Nachm. 4.00 Uhr. Sabbatausgang 8.4V Uhr. Wochengottesdienst morgens 7.00, abends 7.00 Uhr.

3n der Dobrudscha.

Durch den Ettmvarsch deutscher und bulgarischer Trupp«: in die Dobrudscha ist'diese Landschaft zum Kriegsschauplatz geworden. Unter Dobruvscha ist alles Land zu verstehen, was sich nordöstlich der bulgarisch-ruMänffchen Grenze zwischen der Donau und dem User dcs Schwarz«: Rteeres befindet. Es ist eine Landschaft, die der Orientveis«ü>e flüchtig 'kennen lernt, wenn er den Eisenbahnweg über Bukarest-Konstanza wählt. Hat die Bahn die beiden Donau­arme überschritten, so fährt sie weiter durch die hügelige Dobrudscha. etzva parallel dem sogenannten Trajairswalle, der annähernd 60 Ktm. lang«: Besestigmrg zwischen der Donau und Konstanza; nur eine einzige größere Ortschaft wird berührt, Medjidia, etwa in der Mitte zioisch«: dem Strome und Meer, und in Konstanza, den: Tomi des Allertums, erreicht der Schienenstrang das Sckwarze Meer. Konstanza war zur Zeit der G«tuesenherrschast ein stattlicher Haridelsplatz, verfiel dann unter der Türkenherrschast, hat aber seit der Vollendung des Eisenbahnbaues einen getvaltigen Aufschwung genomnr«: und spielt heute eine utm 1 so größere Rolle, alS im! Winter die Dionanntündung häuftg züzuftieven pflegt und der Verkehr dann über Konstanza geleitet werden muß. Die Stadt liegt an einer zum Meer steil abfallenden Landzunge oberhalb des ganz modern eingerichteten Hafens; ihre Geschichte bringt es -mit sich, daß sie ein«: recht bnrtten Eindruck Macht; sie hat alte ori«ttalische Straßen, deren weiße .Häuser wenig Fenster haben, schlanke Minarets ragen auf, und an anderen Stellen wieder wirckt sie gai^iz modern europäisch, zumal da sie auch als Badeort viel ausgesucht wird. Eigentliche Sehenswürdigkeit«: hat sie nicht, man nmßte dem: das Denkmal Ovids dahin zählen. Die ganze Dobrudscha hat sonstckerire größeren Städte auszuweis-en, denn Silistrlia, -die alte Festung, die als Tpnaüübergang noch heute große strategische Bed«ttm:g hat. sowie Braila, eine der größt«: Handels­städte ganz Rumäniens, liegen: nur am Rande der Dobrudscha und gehör«: zur Donau.

Der Teil der Dobrudscha, der immittelbar an den Usern des Stromes liegt, unterscheidet 'sich »vesentlich von der übrig«: Dobrudscha. .Hier int Norden Und im Westen schließen sich an die lehmigen User des Stromes Schllf- ünd Sürnpfgebiete an; eine Strecke wert findet nur:: :wch klell:ere Seitenarme der Donau, aber bald gelangt man, in welcher Richtjung Main sich» auch bewegen Mag, in die eigentliche Dobrudscha, ein schlvach g«oelltes Hügelland, dessen Höhen allenfalls bis Mt 200 Metern auM'igen, das fast gar keinen BcmtMwuchs ausiveist, streckenweise viele Woch«: hindurch tkein«: Tropfen Regen enipsiaargt u>:d von den unbarmherzigen Somumstrahl«: ausgckdörrt wird. Verdorrtes Gras und Disteln wachs«: auf den nicht bebaut«: Teilen; alles ist unter der gvand gelb«: St'Mbschicht verdeckt, mich auf den Straßen liegt zollhoher Staub, und 'ruteim cm Wägen sie befährt, mirbett er in hohen Wolken «rtpvr Tienn-vch ist der Boden nicht unfruchtbar; lvo er in

Kultur genommen worden ist. gibt er güte Ernten von Kartoffeln und Gerste, Man findet ausgÄiehnte Maisfelder, imb Ivo der Boden sich dazu eignet, namentlich in der Nähe der Donau, iverden viele Melonen gebaut.

Gibt es keine größeren Ortschaften innerhalb des Stepp«:- geländes, so ftnden sich doch zahlreickM Dörfer. Durchquer^ man die Dobrudscha, so konnte man, wem: man aus einem Dorfe ins mwere gelangt, beinahe glauben, man sei unvermittelt in ein ganz anderes Land verschlag«:, denn die Ttobnidscha ist von emöm! bunten Vülkergemisch besiedelt: es finden sich Bulgaren, Türken und Rmüänen, dam: wieder trifft mau Tataveirdörser und ab und zu stößt man auch aus eiue deutsche Siedellmg. Die rumänisch«: Dörfer machen gewöhnlich einen ziemlich bunten Eürbruck; ärmliche und verhältnismäßig reiche Häuser stehen durcheinander, denn der Rumäne, der es zu einigem Wohlstände gebracht hat, liebt es, dies an der Außenseite seines Hauses auch schon au^udrücken. Bn den Tatar«wörfer fällt namentlich der Mangel an: Bäumen aus: der Glaube der Bewohner r°erbiedet es nänckich, einen Baum dort anzüpflanzen, wo er nach dem Will«: des Schöpfers offenbar :ncht hingehörte. Den besten Eindrnuk ntachen die deutschen Dörfer: sie sind sauber und ordentlich: die Straße ist gerade und wolst- gehalten, von einer niedrigen Mauer eingefaßt: neben der HaUs- pforte steht gewöhnlich eine Muck, auf der die Bauern nach getmior Airbeit mit ihrer Tabakspseffe sitzen, hinter den blmckgxwntzteü Fenstern sieht Man schneeweiße Gardinen und wem: man eins der schmuck«: Häusch«: betritt, findet ntan sicher behäbige Möbel, oer Wäscheschrank enthält viel deinen, nmn findet gute große deutsche Betten, nnd die Hausftau tritt einem mit einer großcnj Schürze entgegen kurz: die deutschen -Ansiedler sind deutscher Sitte und Art treu geblieben. Sie find«: sich in der Dobrudscha seit der Mitte des vorig«: Jahrhunderts; damals entstand in: Norden die älteste deutsche Bauernkolonie, Atmagea, 1853 folgte Catalüi, 1866 erschien«: däutsck>e Ansiedler aus der Lemberg er Gjegend, seil d«: siebziger Jahren tauchten deutsche Ei:v- Nariderer <m«i> in der südlichen Dobrudscha auf. Sie kamen, nicht imwer aus Deutschland selbst, sondern, Ivie evva die, die sich in> Fack-ri ansiedellen, aus Deßarabien Und in der düttsch«: Lliffreoe- lung in OsManfak.find«: sich sogar evangelische Teutsck^ aus Galizien, Beßarabven, Wolht/nien irnd Cherson neben katholisch«:, der«: Herkunft nicht festzustellen ist. Auch Elsässer, Badener m:d Württemberg!«:, die ursprüngtick: nacki Ri:ßland ausiwwandmt waren, sind in den siebziger Jähe«: tu die südliche Dobrudscha emgewandert. ^

Der Wumäne im Nationalitätenmürchen. Zu den interessantest«: March«: der Ungar:: zähl«: diejenig«,. deren Zlveck es ist, in witziger Weise die als chpffch gelt«w«: Eigenschaften der verschiedenen nebeneinander hans«wen Völker hervorspringeü zu lassen. In diesen Märchen, die der Märchenforscher Schullerus

alsNationalitatenmärchen" bezeichnet hat, wird der Rumäne s^ts als feige und hinterhältig geschildert. Man stellt ihn in Moralischer Hinsicht auf eine Höhe mft dem Zigeuner. Als der Heiland am Kv«:ze hing so erzählt ein solches Geschichckein, traten die Völker in Siebcnbürg«: zusammen nnd berieten, auf N^lche Weise usothl der Herr Ehristns zu befteien sei. Der Ungar, feurig und ritterlich, zog sofort das Schwert ans der Scheide und rief begeistert: Drauf, Brütstr! Hauen wir ihn heraus von den römischen Sol­daten!" Der Deutsche, der sein Ziel auf dem Wege des Rechtes zu erreichen wünschte, :neinte:Nein! Richtiger ist es, ivir reichen eine Bittschrift eft: <nt den Herrn Larwpfleger. Vielleicht gibt er ihn dann frei!" Der Rumäne jedochj. feige nnd schlau, flüsterte: Warten wir doch lieber ab, bis die röinischen Wachen in Schlummer gefallen sind! Ist es soweit, dann stehlen wir ihn ganz einfach vom »Kreuz!" Das aber hatte der Zigeuner inzwischen schon getan!

Von: Darmstädter Hoftheater wird uns geschrie­ben: Eine Reger-Feier unter Leitung WUlenr de Haans fand am 3. September statt. Die Spielzeft selbst wird am 10. September mit Parsisal" eröffnet. Im Schauspiel, das feilte Tätigkeit mit Shake­speares neu inszeniertemJulius Cäsar" beginnt, geht als erste Neul-eit Schönherrs DramaErde" in Szene. Unter den weiteren Neuheiten begegnen unsLeoiwre nnd L«:a" von Michner, ferner Werke von Strindberg, Wedekind und Schnitzler. Uraufgeführt wer­den Hermann Bahrs SchauspielDie Stimmje" undVdadame Legros" von Heinrich Vtjann. Auch in der Oper sind für die erste Hälfte der Spielzeit zivei Uraufführungen in Aussicht genomnien: Das höllisch Gvld" von Julius 'Bittner imb das BallettDie Biene" van Clemens von Fraickenstein und Grete Wiesenthal. Felix von Wjeingartner wird in den heurigen Hoftmisik-Koitzerten eine Entwicklung der deutsch«: Symphonie geben.

Die ersten Theaterkritiken. Mft begrnn«rderl H erbstzeit öffnen die Theater wieder ihre Pforten und die Theater- krftik ist in d«: Zeitungen dam: wieder eine ständige Rubrik. Und Ivenn sie den Zeftm^en auch nur Aerger u:ft> erhebliche Arbeit bringt, der Darsteller kam: ohne die tägliche Besprechung seiner Leistungen nicht leb«:, obwohl die tägliche Thoaterbesprockung eigentlich eft: grober Unfug ist, denn kein aicherer Staift» oder Beruf verlangt es, daß seine Leistmtg«: oder Arbeiten täglich anfs neue besprochen und gelobt iverd«:. Die ersten abgesonderten! Thoaterbeurteilungen in Deutschland ersäsi«:«: in: Ja tue 1755, wenngleich schon vorher die Sck>ai:spielknnft in literarisch«: Zeit­schrift«: nev«: anderen Gegeinständen der Kunst uiw Wissenschaft bespr^>ch«: wonde-n war. 1755 wurden ft: Leipzig Schilddrungelk der Kochsch«: Bühne,die erste Leipziger Dranrattirgie", beraitti- gegeben. Und damit der Krittk von Hans aus die Gegeukritik nicht fehlte, erschien«: gleichzeitig Gegenschilderm^r«: undVernünftige Gedanken über den Zustand der Kochsch«: Bühne". Das größere Publikum begann sich durch diese ?lussätze für die Schauspiel- krittk zu interessieren, deren Wiege also an der Pleiße stand^