fit. 207
Zweites Statt
M. Jahrgang
Erscheint täglich ir»U AuS^^chm« des
Die ..Sietzeuer SamllieudlULer" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, d«S ..Sreisdlatt für den kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen -eit- ftagen" erscheine« monatlich zweimal.
Lrnteschätzung.
ner «ze:
General-Anzeiger für Gberheßen
Montag, 4 . September |9|6
RotaÄarrSdruck und Verlag bet Brühl'jche-i Univcrsitäis •* Buch- und Sderndruckerei.
Sl. Lange, Giche«.
Schriftleitttng, Geschäftsstelle u.Dr»ckereü Schul» straße 7. Geschäftsstelle u.Berlag:^-^Lr,Schrch» leitung: 6-GK112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.
Die in der Zeit vorn 1. bis 25. September 19^6 an- gewcfcnete E^rntovorsch<itzung für Kartoffeln, Jucker iiibat mzb Futterrüben, Runkelrüben, Kohlrüben (Boden lohlrubi. Wruken), Wasserrüben, H-erbstrüLen, Stoppelrüben «Durrrtps), Möhren (Karotten) ist nach der heute ergangenen Bekurmtutachung des Bundesvats über Erirteschatzungen in der Jett vo-rn 20. September bis 5. Oktober vorzunehmen. Weichseltch ist eine Erntteschätznrrg der Hülfenfrüchte, und Zwar Erbsen, Linsen und Bohnear, letztere getrennt nach Etz- bohnen (Stangen- nnd Buschbohnen) und Ackerbohnen vor- zunehnven. Die Ernteschützungen erfolgen durch die nach Bulrdesratsoerorduung vom 22. M<n 1916 ernannten Sach- oerstzändigen oder Vertrauensleute. Die Ernteschätzung für .Hmsenfrtichte, di« zum ersten Male anberaumt ist, soll eine Uebersicht über das Ernteergebnis der Hülserrfrüchte geben. Die Verlegung der Erntevorschätzung der Wurzelfrüchte ist mit Rücksicht auf die Erntezeit der Wurzelfrüchte und auf die gleichwertig vor^unehmende Nachprüfung der Eratevor- schätzung des Getrerdes geschehen.
Gleichzeitig ist eine Nachprüfung der Erntevorschätzung der Getreidefrüchte (Weizen, Spelz usw., Roggen, Gerste und Gemenge aus diesem (Getreide), die zur menschlichen Ernährung geeignet sind, sowie Hafer und Hafer in Gemenge mit Getreide oder Hülsenfrüchten an geordnet. Die diach- prüfung erfolgt durch dieselben Sachverständigen oder Vertrauensleute, welche die Erntevorschätzung vorgenommen haben, und erstreckt sich auf die.Feststellung von Durch- schurttshektarerträgen für die einzelnen Gemeinden. Bei dieser Schätzung sind zu berücksichtigen: Abweichungen von derrr Ergebnis der Erntevorschätzungen infolge von SchötziurrgsirrtÜTnern, elemeutaren Ereignissen oder sonstigen urrgünstigen Einwirkungen, und bisherige Druschergebnisse, wie sie sich aus ben durch das K. E. A. bereits/ Ende Juli empfohlenen Probedruschen und Druschaufzeich- nungen — Feststellungen des Druschertrages aus der Ernte genau sestgestellter Flächen — ergeben.' Die Vertrauensleute sind berechtigt, alle Unterlagen, die zur genauen e^chätzungsseststellung notwendig sind, sich vorlegen zu lassen, gegebenenfalls auch Probedrusche anzuordnen. Sie haben ihre Feststellungen in 4 Mustern, die die Veränderung der Erntefläche, die Ergebnisse der Probedrusche, die Begründungen für Abweichungen der neuen Schätzung von der Erntevorschätzung und schließlich die Gegenüberstellung der Ergebnisse der Erntevorschätzung mrd der Nachprüfung enthalten, den urrteren Verwaltungsbehörden einzureichen, welche durch die von den Landeszentralbehördeu bestimmten Stellen bas bezirksroeise znsammengestellte Ergebnis dem Kaiserlichen Statistischen Amt bis zum 20. Oktober cinzuveichen haben.
Es wird damit die im vorigen Jahr erfolgte Schätzung der nngedroschenen Kürnerernbe in jedem einzelnen Betriebe nicht wieder aufgenornmen, da sie zum Deck zu falschen Ergebnissen geführt hat, indem eine richtige Schätzung der Wrner im Stroh auch dem sorgsamsten und gewissenhaftesten Landwirt nicht möglich ist. Die ungeordnete Nachprüfung stellt eine Berfeinerung des bisherigen Verfahrens dar; sie soll die Möglichkeit einer scharfen' Erfassung des Ernteergebnisses geben, der es Zur genauen Bewirtschaftung des Getreides unbedingt bedarf. 2kns diesem Gesichtspunkte ist die Nachprüfung der Erntevorschätzung von ganz außerordentlicher Bedeutung. Es ist zu erhoffen, daß die von den landwirtschaftlichen Jnteressenvertretnn.gen. gegebenen An- regungerr auf Aufzeichnung von Druschergebnissen und Abhaltung von Probedruschen besonders wichtige Unterlagen für diese-Statistik ergeben.
Unsere Lebensmittelversorgung und Rumänien.
Berlin, 1. September. Dü „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt:
Der Gallritt Rumäniens in die Reihe unserer offenen! Feurde schernt auf den ersten Blick nicht bloß die militärische Lage zu berühren, sondern auch auf den. Wirtschaftskrieg, der uns nach brüi.sch-französischer Ansicht sicherer noch als der Ansturm der amterteit .Heere zu Boden werfen soll, von Einfluß zu sein. Es,^ rjt bekannt, ^daß Rumänien im abgelaufenen Jahre uns und :rn- leren österreichisch-ungarischen Bundesgenossen nicht unbeträchtliche Mengen von Zerealien und Futtermitteln — Weizen, Gerste, Mais, Hülsensrüchte — geliefert hat, und es ist selbstverständlich, daß diese Bezüge mit denü Ausbruche der Feindseligkeiten ihren. Abschluß gesunden haben. Neben dein neuen Kanonenfutter, das sich für die Bestechnngseinnahnrerr und Ranbgelüste etlicher Buka- rester „Staats"- und Geldmänner verbluten soll, wird man in London sicherlich auch diesen Ausfall unserer Lebensmitteleinsuhr als „Gewinn" aus dem — nicht ganz billigen — rumänischen Geschäfte buchen.
Aber wie in der ganzen AushnnMrungsfrage, so verrechnet man sich an der Thentse in diesem Neilproblem derselben, sehr gründlich. Die rumänische Einfuhr hat uns — das kann heute ohne weiteres zugegeben toerden —in einem Jahre, in dem eine beispiellos schlechte Brotgetreide- und Futterenrte sowie die frische Nachwirkung der kriegerischer: Ereignisse aus die Erträge unserer Besetznngsgebiete im Osten die Wirksamkeit der britischen Hungerblockade einpfindlich verschärften, sehr nützliche Dienste geleistet. Ssie hat einen zwar gewiß nicht unentbehrlichen, aber ffümerhin recht erfreulichen und wertvollen Beitrag geliefert, um die gegen uns gerichteten AushnngernngsplcnM der n:m mehr: gen Auftraggeber und Solpherr^en des Landes zu durchkreuzen. Die rumänische Einfuhr hat die Schuldigkeit uns gegenüber in diesem Kriege getan; sie hat gedauert, solange die Aussichten der eng-« Eschen Hungerblockade die stärksten, unser Zuschußbedarf am größten und dringlichsten wag, sie hört aus in einepr Augenblick, inj dem sich die Voranssetzungen unserer Selbstversorgung so gewandelt haben, daß wir fest ans eigenen Füßen stehen, und daß die ganze Frage dm Brotgetreide- und Futtermittelein fuhr für uns kemeslvegs nrehr grundlegend, sondern — an sonstigen wichtigen Grundfragen der Kriegs sich rung gemessen — nebensächlich ist. Wir brauchen die rumänischen In Worte iricht mehr: wir brauchen sie so wenig, daß wir neue Bezüge, auch wenn sie uns ohne Weiteres zugänglich geblieben wären, von Pteiszugeständ- nissen abhcnrgig gemacht hätten, deren Ausmaß eben dein Auf- Hören btx Dringlichkeit der Einfuhr hätte entsprechen müssen.
Seit der Einrichtung organisierter und zentralisierter Zufuhr, also seit September 1915, sind bis znm 26. August 1916 alles in allem 1 433 3* *47 t Zerealien imb Futtermittel aus Rumänien nach Deutschland importiert worden: nicht viel kleinere Mengen sind im gleicher Zeitraum Oesterreich-Uargarn zugeflossen. Die Gesamt- guantität ist, an dem Umfang der rumänischen lieber schnßproduttion gemessen, sehr stattlich, sie war nur zu erreichen, weil sie aus den Erträgen zweier Ernten entnvrümen werden konnte. Ms znm vorigen Herbste hatte uns ja Rumänien den Lebensnlittelbezng stark erschrvert, wenn nicht gesperrt: erst als unsere und die österreichisch-ungarischen Armeen mit Gewalt die Tore des Balkans sprengten nnd die Verbindung mit der Türkei herstellten, und als auf der anderen Seite die Produzeicken des Landes immer heftiger darauf drängten, daß Wan ihnen errdlich die Möglichkeit gebe, die Ueberschüsse der-lausenden und der vorjährigen Ernte zu verwerten, erst dann entschloß ntan sich, trotz des britischen Stirnruuzelns,^ an die Einzigen zu verkaufen, die : viril ich abnehmen konnten, — an die Zentralmächte. Das Geschäft, das zu stäche kam, war für uns sehr erwünscht, für Rumänien finanziell ebenso dringlich, wie vorteilhaft. Es ist in den letzten zwölf Monaten beinahe restlos abgewickelt worden; Nur die verhältnismäßig geringfügige Menge von etwa 20 000 Waggons lagert aus dem alten Vertrage gegenwärtig noch für unsere Rechnung in Runränien. Die Bezüge setzten im Herbst sehr langsam ein, da erst die notwendige transporttechnische Organisation geschaffen werden mußte, erreichten iin März, April und Mai (mit 208 000, 234 000 nnd 216 000) ihr Höchstmaß und sanken in der letzten Zeit wieder, vom 1. bis zum 26. August kamen irur 78 000 Tonnen herein. Die sslbnahinie erklärte sich znm .Teil dadurch^ daß «nun Mehr ein kleiner Rest abzutrans portieren blieb; zum Teil
dürste sie wohl auch Nsit der seit dem Beginne des Hvchsovmrers einer bedenklicheren und unsich-ever gttr-ndrnOr, politischen .Haltung Rumäniens und den dadrrwch auf beÄen Seiten vevanlaßton militärischen Maßnahmen zusa m menlKugcn.
Nene Abschlüsse, deren Durchführung nunMechr untecbbeÄaL intnß, hatten sich bis zur Kriegserklärung Mrmänisns ans wenig' tausend Waggons Gerste und Erbsen beschränkt. Auch bei einer Fortdatver der rumänischen Neutralität wären Mengen wie die vorjährigen keinesweM zu beziehen gewesen: einmal, weil^str/diesmal rvur der Ertrag einer Ernte verfügbar ist, auheicheM weil sicheren Nachrichten zufolge, die eben vollendete Ernte Rumäniens durch Hitze und Hagel nicht unwesentlich geschLngt wurde. Indes ist es müßig, Schätzwrgerr darüber anxnsvellen, was wir von RmnLmrn hätten erhalten können; die Hauptsache bleM, daß es uns durchaus nicht schwer fällt, aus die uns nun eatHogene Ztrfuhr zu verzichten. ,SEt bei vorsichtigster Beurteüung dürfen wir in Deutschland usit einer Brot- und Futtergetr^ideernte rechiwn, die die des Vorjahres um rund 5 Millionen Ton neu übertrifft. Was Ulls <ürs eigenent Boden intzhr Mo-ächst, ist also ein Vielfaches der Mengen, die Uns Rumänen auch unter den allergünstigst«: Voraussetzungen hätte Helsen können Dazu kvmnit bk_ sehr erhebliche ErtragsWnahme in den befetzten Gebieten. Mit diesen einfachen Feststelllrngen ist die gwrze ru mänis che Zufuhrsrage für uns erledigt Ob cnrch Rumänien, das^ein gutes, ja glänzendes wirtschaftliches init einem sehr schlecht-en und gefährlicher: politisck-en Geschäfte vertauscht hat, so ruhig über sie hmweg- gehen kann, wird sich zeigen.
Ans Stabt tmb Lesnd.
Gießen, 4. September 1916.
H. B. So schreiben unsere Feldgrauen. Aus den dem Hessischen Volksschriftenverein in den kchten Tagen zugegangprerr, überaus zahlreichen FeldpostlwiesOr wollen >vir ^nachstehend einzelne Stellen veröffentlichen, tveil sie in geradezu ergreifender Weise den Unsere Z^eldgranen beseelenden Geist und den tiefen Hunger nach Lesestoff schildern. Ein Landsturmmam: schreibt: „Für die Mgesandten Bück>er sage ich dem Volksschriflenverei^ meinen herzlichsten Tank. Es ist eine Lust, dies alles zu lesen, und ich bin swlz auf meir: Hessenlarrd, das an seine Kinder der:kt, wie kein anderes. Hier an der Sonrnre wissen Sie auch, daß cä\ hart chergeht, aber die .Herren Franzosen :u:d Engländer sollen sich an Her Hessentreuc die Schädel einrennen, nüe sic cs bisher getan haben. Unser Wahlsprnch: „sie kommen nicht durch", wird treulich gehalten. Der Hessische Vol ksschriftenv erein bittet nochmals herzlich st um gütige Unterstützung seiner Kriegstätigkeit, unsere Truppen im Schützengraben und Lazarett Mit guten Büchern zu versorgen, und weist wiederholt darauf hin. daß bei seinem Schriftfüh-rer, Lehrer Hassinger in Darmstadt, Stiftsistr. 43, Geld- oder Büchergaben jederzeit gerne entgegengenommen werden.
** Rhein - M ainisch e Krie gs-Volksakademie. Der Rhein-Mastch'che Verband für Volksbildung beabsichtigt: in der ersten Hälfte des VLonats Oktober dieses Jahres eine Kricgs- Volksakademie äbzuhalten. Ter besonde« Zweck die^r Veranstaltung .soll sein, die natürlichen Führer des Volles, insbesondere Gerstliche, Lehrer, Staats- und GemMndeLoamden, Aerzte usw., aber auch alle fternnlligen Mitarbeiter bei der wrrt- sckmftlichen Und sozialen Fürsorge, besonders auch Frauen, mit den kriegswirtschaftlichen Und kriegssozialen Nvtwend-rgkerten der nächsten Zeit vertraut zu Machen und ihnen das für die wirtschaftliche und soziale Arbeit erforderliche Material ftr solcher Forut an die Hand zu geben, daß sie, in ihre Heinmt zurückgekehrt, jeder in seirMm Kreise, belehrend, auflläreich und beruhigend tvirken und ihren Mitbürgern eine sackskundige Stütze nnd Beratung darbietei: können. Außerdem^ soll die Beziehung zwischen Volksbildung und Wirtschaft einer gründlick)«: Besprechmrg zugeftchrt, besonders auch untrrjucht werden, in welcher Weise sich die deutschen Vollsblldrch^>rMn.i- sationen der wirtschaftlichen Heimatpftege lvidmen und wre sie sich an dem Wiederaiffbau der vaterländischen Wirtschaft nach den: Kriege beteiligen köirnen. In ihrer äußeren Form wird sich bk Veranstaltung an das bewährte Beispiel der früher von den: Rheiiv-Mainischen Verband veranstalteten Volks-Akademien an-
Die veutsche Bücherei in Leipzig.
(Zu ihrer Eröffnung am 2. September 1916.)
.Von Dr. Friedrich Sebrechl.
Mitten in dem schwersten Kriege, den Dmtschland je zu be stehen gehabt^ hat, ist ein besonderes Zeugnis seiner Stärke — ein gewaltiges Kulturwerk e::tstanden, die Deutsche Bücherei. Di .Vollenünng dieser Tat bedeutet die ErfMung eines schon seit Jahrzehnten fühlbar gewordenen Bedürfnisses. Die Erze::gung des deutschen Buchhandels übersteigt bei rveitem die Produktion der anderen Nationen, nrid es galt die ui:geheure Mannigfaltigkeit der Erscheinungen an irgend einer Stelle zusammen zu schließen, sichere Möglichkeitei: der Beschaffung für den geistigen ^Arbeiter herbeizu führen nnd so die Leistungen lmferer Kultur in ihrer fruchtbaren Auswirkung zu steigern.
Der 25. September 1912 ist der bedeutungsvolle Tag, an dem der Vorstand des Börsenvlereins der deuffchen Buchhändler zu Leipzig die Frcndenknnde der Gründung einer deutschen Bücherei als die endliche Verwirklichung vielfach debatti-eirter Wünsche und Vorschläge mitteilm: konnte. Mit einen: aus Landesmitteln gewährten Betrage von drei Millionen: Mark sollte ans einen: von der Stadt Leipzig unentgeltlich zur VerfügniV gestellten Bauplatz ,int Werte von etwa 500 000 Mark das erforderliche Gebäude auf- gesnhrt werden. Gr::ndstück und 'Einrichtung gehen kosten- nnd lastenlos als unveräußerlicher Besitz in das Eigentum des Börsenvereins deutscher Buchhändler über. Der Börsenverein übernimmt die ZZerwaltung, während die Kosten hierfür teils von der sächsischen Regierimg mit jährlich 85 000 Mark, teils von der Stadtgemeinde Leipzig mit 115 000 Mk. bestritten werde::.
Interessant ist ein Rückblick auf die Geschichte des Gedankens .einer solchen deutsche:: Bücherei. Der erste, der wertblickend nicht nur eine liochbedeutsame Anregung gab, sondern sie bereits in 'gewiffen: Sinne in die Tat nmsetzte, war der 1795 geborene und .1873 gestorbene Oberkommerzieirrat .Heinrich Wilhelm Hahn, der Inhaber der Hahnschen Buch Han dlm:g. Er stiftete als Handbibliothek des Frcmksurter Parlaments im Revolntionsjahre 48 eine erste Reichsbibliothek, welche die Werke^ historischen, politischen^ statistischen, kriegswissenschastlichien urrd ftlristischen Inhalts enthielt. Die Sammlung ist als Parlamcirtsbibliothek 1848 cm das Germanische Natronalnruseum in Nürnberg gekonunen.
1869 kan: die Schasftmg eines lückenlosen Archives des deutsche:: Schrifttums anläßlich der .Beratung des Urheberrechts zur Sprache, ohne freilich zu einem Ergebnis zu führen. Die, 'Idee wurde von ldem Verlagsbuchhäirdler Eduard Brockhaus bei .Beratung des Preßgesetzes wieder anfgeuonmre::, gleichfalls ohne unmittelbaren Erfolg. Aber nun wurde sie immer imeber zur Debatte gebracht. Mit besonderem Nachdruck wies Karl Kehrbach 1880 in der „Literarische:: Korrespondenz" auf sie hin und be- Lüvirtc, daß der deutsche Buchhandel einer gleiche:: Einrichtung dringend bedürfe, wie sie der viel geringere ftanzösische in dev
Biibliothsque nationale und der englische in der Mbliothek des British Museum bereits besäße::. M,ärz 1910 konnte Dr. Erich Ehlermann bereits von einer Fühlungnahme mft amllichen Stellen in Dresden und Leipzig berichte::. Er verbreitete sich über o:e Grmidung einer Reichsbibliothek in einer überzeugenden Denk- schrift. Mft ihm bemühte sich in erster Linie der seit 1910 den: Börsenvereft: vorstehende Kommerzienrat Karl Sigis:nnnd. Der Erfolg dieser Bestrebungen rvar die Gründung im Septinnber 1913, und^am 19. Oktober innrrtten des Jubels der Jahrhn:ü>ertserer der Völkerschlacht erfolgte bereits die Grnndsternlegung in Gegenwart des Königs von Sachsen. Nun ist das Werk vollendet.
Die deutsche Bücherei santmell ldie gesamte vom 1. Januar 1913 an erscheinende deutsche imb fremdsprachige Literatur des Inlandes und die deutsche Literatur des Auslandes. Ein siüherer Termin durfte nicht gesetzt werden, weil sonst die erstrebte Vollständigkeit nicht erreicht werden kmrnte. Gerade die Lückenlosigkeit ist ja das Merkmal, das dieser Mbliothek ihre besondere und hervorragende! Stellung zumeist. Hat doch Exzellenz Harnack in eurer 1912 er- schieirenen Broschüre feftgestellt, daß selbst die Berliner Königliche Bibliothek 5,10 o/o der geforderten Bücher nicht besaß. Bisher hatte die Hinsichssche Mtchharidlnng in Leiwig eine an sich überaus sorgfältige Bibliographie Hera ns gegeben, die naturgemäß indessen nicht vollständig sein konnte. Nunmehr ist eine Organisation durch Vereftrbarung mit Verlagen und Drirckereien getroffen, die der deutschen Bücherei 'die absolute Vollständigkeit zu sichern vermag. Zugleich aber hat diese Gründung eine nicht zu w:tersch ätz ende vollstümliche Bedeutung. Ihr sind zugleich herrliche Möglichkeiten! in der Verbreitung mannigfaltigster Mld:mgswerte gewiesen. Ihrer Art nach kann solche Bücherei selbstverständlich nur Präsenzbibliothek sein. Ein Ausleihen der Bücher verbietet sich wegen der bannt verbundenen Abnutzimg.
Das Gebäude der Bücherei ist ein monumentales architektonisches Werk geworden. Es liegt auf freiem Gelände im Osten der Stadt, an 'der denkwürdigen Straße des 18. Oktober. Alle technischen Vorteile der Gege::wart scheürer: nutzbar gemackft: und zugleich sind die ästhetischen Forderungen in jeder Hinsicht erfüllt. Der Bauplatz umfaßte 16 741 Quadratnreter. Vor dem Gebäude breitet^ sich im Zuge der Straße ein freier Platz, dem der Name „Deutscher Platz" gegeben iwrbeit ist. Zu loeiteren Ausdehünngen gewähren die Nachbargr:mdstücke Namn. Der Bau hat am Deutschen Platz 120 Meter Länge, 22 Meter Hauptsimshöhe und umfaßt mit Keller und ansgebauten: Dach acht Geschosse. Tie Räume sind von Licht durchflutet. Selbst die Keller wurden mittels Neigung der Straße hell. Hier läuft der svgena:mte Wagengang si:r den Bücherverkehr. Eine motorisch betriebene Rohrpostzentrale ist eingebaut und erleichtert die Vermittlung zwischei: den einzelnen Räumen. In dem schönen, weiten Lesesaal steht eine 20 000 Bände umfcffsende Handbibliothek zur Verfügung. Der Zeitschriftensaal enthält nicht weniger als 18 000 aktueller Zeitschrifte::. Auch der Kakalogsaal wird der M:rutzu::g des PublikumsJiirekt zugänglich gemacht. Neben dem Lesesaal beftndeu sich die Schreibmaschinen-
zimwer zum Gebrauch. Auch ein stinmrm:gsvoller Vortragssaal wurde eingerichtet. Die Außenwand zwischen den Türen dieses Saales schmückt ein Gemälde Pros. Vogels, das die Mitglieder des Ausschusses darstellt. Die Rcffrme können zehn Millionen Bände bergen.
Äser Direktor der Bücherei, Dr. Wahl, hat 1914 eine Kriegs- ltteratnrsammlung und eine bibliothektechnische Sammlung der Bücherei angegliedert.
Insbesondere auch diese bibliothektechTiische Sammlung ist in ihrer Art etwas Vorbildliches. Ermöglicht sie doch einen konzentrierten Einblick in das Büchereiwesen überhaupt: urw sie kann zu seiner Entwickln:^ und Vervollkommwmg erheblich beitragen. Es ist überhaupt unter der Leitung des Direktors eff: Unermeßliches Stück Arbeit geliefert w-orde::. Mete Kräfte habe:: geholfen, die ungeheuere Masse des Materials Kn sichten nnd zu bejvältigen. Die Einordimng nnd Registratur wurde vorbildlich durch geführt.
Die deutsche Organisation hat auch an diesem gewaltigen! ldlpparat einen Triumph erlebt, der umso höher zu beiverten ist, als doch der Krieg alle möglichen Heulmungen entgegensetzte.
Leipzig hat in der Bücherei eine neue Zierde erhalten. Es ist gut, daß diese Stadt als das Zentrun: des deutsche:: Buchhandels zugleich auch diese Zentrale des Buchlwesens herbergt. Dank großer Opfer und allseitiger hingebender Arbeit ist ein ideales Werk geschaffen, dessen Sege:: sich bald nach vielen Richtungen hin fühlbar machen wird.
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— Wien, 1. Sept. Das „^tene Wiener Jomnurl" e n t ni mmt der „Wiener klinischen Wochenschrift" eine:: Artikel, demzufolge der Mffnsterialbakteriologe Enge:: C s e r n e l -Budapest den lange gesuchten Erreger des Flecktyphus nach langwierigen Versuche:: gefunden hat. Es gelang ihm, auf einem 'geeigneten Nährboden in Form von Menschenblut vermisclchem Glyzerffwgar den Erreger zu ftnden. Die neue:: Bazillen sind mit Earbolfnchsin leicht zu finde:: nick» dadurch in: Vdikroskop sichtbar.
= Frankfurt a. M., 3. Sept. Der Komponist des hier zur Uraufführung gelangte:: Mlusil-dramas „Der ferne Nm:g", Prof. Frcu:z Schreker, hat eine neue dreiaktige Oper, „Die Giezeich- mten". vollendet. Das Werk wurde von Jnteiwcnck Volkner zur Uraufführung am Frankfurter Opernhause erworben. — In den Verband des Schauspielhauses treten am 1. September ein: Fräulein Ethel Scharo von de:: Meinhard-Bernauer-Bühncn ff: Berlin und Walter L a n tz s ch von den Münche::er Kammer spielen.
— Ber, 1. Sein. Nach einer Meldung des „Eorriere della Sera" aus Florenz ordnete der Präfekt von Florenz an, daß sämtliche Sannnlungen und Knnstgegeustärpe des Deutschen .Historischen Instituts im Palazzo Gua dag ni unter die Aufficht Giovanni Poggis, ues Direktors der Ufftzina, gestellt werden, damit nichts von den kostbare:: Samnllungen aus Florenz sortgeschaffr werden könne.


