Rvlonien werben unter den Mächten, die sie erobert haben,
Belgien muß wieder hergestellt werdend ■JJf 1 ) urrd das dcackchargebnet müssen dem belgischen Königreich .ernverletbt werden, ebenso Luxemburg. An Kriegsentschä- jo, r g u n g muß Delchchkmd an Belgien 100 Millionen Pfund Ster-
Strafe Ivegen Bettragsbluches zahlen und weitere 5OO .üülwnen mr zumrügte Schäden. Entsorechende Entschädigungen »«ttschland jelbstveritäiwlich an Großbritannien, Frankreich nw Rußland zu entrichten. Elsaß-Lothringen kommt zurück an Frankreich, dann das Saartal mit Trier ^^6,ebung. Ganz Preußisch-Polen wird Rus '5'A^^t-en einverleibt, also die Provinz Posen und em -i-cu Weitpreul;ens. Eine Greirzberichtigung aus Kosten O st ^Eutzens tritt ein. Deutschland hat seinen ganzen Flotten- vestand auszuliefern, auch die Handelsschiffe als Ersatz für die verlenkten Schiffe. Die militärisckie Landmacht Deutschlmrds weit zu. entwaffnen, daß keine deutsche Armee von mehr als etwa einer halben Million Mann aufgestellt werden Hirtsichtlich des Kieler Kanals könne man sich mit ^urer Jnternatumalisierung nicht begnügen: es käme eine vorher- Myende Besetzung Kiels durch internationale Truppen in s^rage. Die Bestrafung Deutschlands für seine Missetaten, zum Beispiel an der Miß Cavell und Kapitän Fryatt, erfolgt am zweckmäßigsten, indem einige neuzeitliche deuts che Pa löste und die Gebäude des Generalstabs in Berlin a n ge - Kündet werden. Auch die Zerstörung der Kölner Rhein-« b rücke oder des Kieler Kanals käme in Betracht. Größere Teile Deutschlands, mrmentlich die Jndustriebezirke, fntb solange zu besetzen, bis alle Verpflichtungen erfüllt sind. Zu erwägen ist, ob das Deutsche Reich in seine einzelnen Teile zu zer stören ist. •
Tie Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt hierzu unter anderem! Ter Herausgeber der englischen Zeitschrift schickt dein Aussätze die Bemerkung voran, daß seine Leser vielleicht durch den ,^allzu maßvollen" Inhalt enttäuscht werde: c könnten. Zum Trost fügt er jedoch hinzu, daß es sich ja imrr um Darlegungen des Mindestmaßes der englischen Ansprüche 'handele. Diese würden sich iiaturgemäß mit jedem weiteren Kriegsmonat steigern. Diese Worte sind in mehr als einer Hinsicht bezeichnend. Sie lassen erkennen, daß der mit niedriger Habgier .gepaarte Bernichtungswille in England nicht etwa auf wenig überspannte Köpfe beschränkt ist, sondern daß er weite Kreise das Volkes durchdringt. Auch das blindeste Auge kann aus solchen Enthüllungen sehen, weshalb wir kämpfen nniffen bis zum bitteren Ende. Wer nun noch immer nicht begreift, daß unser Kamps ein Krieg der Verteidigung ist, an dessen siegreichen Ausgang hoch und niedrig, arm und reich ! nr gleicher Weise gelegen sein muß, der verdient nicht die Ehre, ein Derctscher zu sein. Auch der Bescheidenste wird sich der Er kenntnis nicht verschließen, daß dieses Kampfes Preis nur ein Fr^de sein darf, der solchem verblendeten Haß auch die letzte Hoffnung nimmt, das Deutschland der Zukunft jemals wieder so gefLhtten.zu können, wie das der Gegenwart.
Eine neue englische Blockadeorder.
New Y o r f, £2. <&cpt. (WDB. Nichtamtlich.) ..Funkspruch des Vertreters vom WTB. Die Zeillmgen besprechen die neu este englische Blockadeorder, welche die Verschiffungen der Bereinigten Staaten nach Holland und den skandinavischen Ländern unter ihren gewohnten Betrag herabdrückt. Washingtoner Depeichen beßigen, daß die a me r i k a n i s ch e B o 1 s ch a f t in Lon- 'don um Aufklärung über die Wirkung der neuen Verordnung aus den amerikanischen Handel ersucht habe. Es werde mitgeteilt,
■ wenn irgend eine ein-gveisende Ausdehnung der Vorschriften oder s einschränkenden Maßnahmen sich ergeben sollte, so würde das als er«e bedM«iche Entwickelung des Streitfalles über die Rechtmäßig kert der Bloaadeimllvden der Alliierten angesehen werden. Das Z«terefse für die Wirkungen der Verordnung ist im Zusammen- hange mit der neuen Bevgeltungsgesetzgebung gewichen.
Belagerungszustand in englischen Industriestädten.
Berlin, 23. Sept. Aus London lassen sich einzelne Mätter melden, daß über London, Birmingham, Sheffields, Glasgow, Nottingham und einige andere Städte, in denen Munition erzeugt wird, vor einigen Wochen der Belagerungszu stand erklärt wor- ben sei.
Englische Umtriebe in der Schweiz.
Berlin, 23. Sept. Bei einer großen Konfektions- frritt a in Bern erschien laut „Loknlcrnz" ein Beamter des Einfuhr-Trusts, nm festzustellen, ob das Geschäftshaus nrit Deutschland arbeitet. Die Firma bezieht ihre Artikel sowohl ans England, als auch aus Deutschland. Sie wurde darauf hrngewiesen, daß sie auf englische Lieferungen künftig nur noch rechnen könne, wenn sie sich verpflichte, in den nächsten zehn Jahren keinerlei Bezüge mehr aus Deutschland zu machen. Dieses Verlangen wurde von der Firma ab gelehnt.
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Aus dem französischen Bericht.
Paris, 21. Sept., abends: An der Somme front setzte unsere Artillerie während des Tages kräftig das Feuer gegen die feindlichen Anlagen sott. Nach neuen Aussagen wurde der gestrige große deutsche Gegenangriff auf dem Norduser der Somme vom 18. Armeekorps, das von der Aisneftvnt herbeigeholt war, und von der 214. Division ausgesühtt. Diese Division war nach der russischen Front verladen gewesen, als sie mitten ans dem Wege den Befehl erhielt, nach der Somme zurückzukehren. Sie kam am 14. September cm, wurde in der Nacht zum 20. September tu der Linie zurückgeb rächt und vom 20. morgens ab in der Gegend von Bouchavesnes eingesetzt, wo sie außerordentlich schwere Verluste erlitt. Die Zahl der nördlich der Somme am 20. September gemachter! Gefangenen übersteigt 200. Zeitweilig aussetzende Beschießung aus dem übttgen Frontteile.
Die Verfolgung der geschlagenen Rumänen.
Berlin, 23. Sept. Den verfolgten Rumänen werden, wre der „Voss. Ztg." bettchtet wird, keine Ruhepausen gegönnt, so daß sie aus ihrem Rückzuge nichts zerstören können. Sie haben große Vettuste erlitten. Es wurden weder die Petroteunrwerke von Pttrosanp beschädigt, noch habe die Eisenbahnlinie Schaden genommen. Auch die Jndustttewerke in der ganzen Gegend sind unversehrt geblieben. Die Rumänen konnten nicht einmal die ausgestapelten Holzvorräte wegschasfen.
Angriffe österreich-ungarischer Seeftugzeuge gegen Italien.
Wien, 21. Sept. Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: In der jüngst verflossenen Woche kam es zu mehreren Angriffen unserer Seeflugzeuge gegen Italien, van denen besonders zwei nachhaltige Wirkungen gezeitigt haben. Der eine in der Nacht vom 11. auf den 12. Septclm'ber richtete sich gegen Jesi bei Ancona, wo in der dottigen Ballon- Halle mehrere Volltreffer erzielt nmrden, der zweite in der darauf folgenden Nacht gegen Venedig, wo zahlreiche Treffer s-c^ver- ster Bomben beobachtet werden tonnten, lieber die erste Unter-, nehnmng schweigt sich der italienische General stabsbericht völlig aus. Hinsichtlich des zweiten gab er zu, daß mehrere Personen/ verletzt und geringfügiger Schaden angerichtet worden sei. Aus italienischen Zeitungsnachrichten erfahren wir nun, daß in Wahrheit ganz andere Verluste zu verzeichnen waren. In der Ballonballe von Jesi befand sich zurzeit des Angriffes das italienische Luftschiff „3". Man hatte es nach seiner Rückkehr vom Fluge entteett, aber diese Vorsichtsmaßregel konnte seine Vernichtung nicht hindern. Unsere Bomben trafen gut, explodierten in der Halle und zerstötten nicht Nur das Luftschiff, fan'oexn töteten nach Angabe eines ttalienischen Blattes auch den Jngemeurleutnant Misana vom Luftschifftrkvrps. Vielleicht noch höher zu bewerten ist der Schaden, den unsere Bomben in V ene- drg angerichttt haben. Nicht weniger als 17 bewaffnete Motorboote wurden nach zensurierter italienischer Angabe! völlig verbuchter. Das Luftschiff „3" dürfte das letzte noch dienst
fähige italienische Fahrzeug dieser Gattung gewesen sein. Es läßt sich daher die Bestürzung, die in Italien herrscht, ermessen. In diesem Umstand scheint auch die Erklärung dafür gelegen zu haben, daß hex italienische Generalstabsbericht sich völlig über diesen Angriff unserer Seeslugzeuggeschwader ausgeschwiegen hat. Ter Verlust von 17 Motorbooten dürfte aus die breite Oeffentsich-- keit weniger gewirkt haben, ist aber nicht minder bedeutungsvoll. Diese .Fahrzeuge sind den englischen Parrzerrnotorb-ooten nach gebildet und mit einer kleinen Kanone und einem oder mehreren Maschinengewehren bewaffnet. Sie entwickeln eine sehr hohe Geschwindigkeit und haben sich aufs beste bei FliegeTUnternehmun gen bewährt. Sie merben ausgesendet, um die Flieger zu unterstützen, rüdem sie einerseits niedergegangene eigene Flugzeuge bergen, andererseits gegen niedergegangene gegnerische angrifsSweffe vornehm. Wenn man sich vor Augen hält, wie lange Zett dazu irot- wendcg ist, um ein Luftschiff und 17 Dttckorboote neu herzustellen, kann man sich ungefähr vorstellen, welche gewaltige Zerstörungsarbeit unsere wackeren Seeflugzeuggeschwader da geleistet haben.
Aus Griechenland.
Amsterdam, 22. Sept. (MTB.) Dem „Nieuwe Rot- terdamschen Courant" zufolge wird aus Athen gemeldet, daß eine S p altung i m ganzen Lande entstanden sei, die zu überbrücken fast unmöglich erscheine. Auf eine Versöhnung zwischen König Konstantin und Venizelvs, die allein die Ruhe bringen könnte, scheine keine Hoffnung mehr /zu bestehen. Es sei eine separatistische Bewegung zwischen Alt- und Neu-Griechenland im Gcncge. Gerüchtweise verlaute, daß in nächster Zeit die Bewegung eine be- sttmmte Gestalt annehmen werde.
Berlin, 23. Sept. Die Vertreter der Vierverbandsmächte haben, wie es heißt, der griechischen Re g ier u n g eine neu e N o te überreicht, wann eine be- sttmmte Haltung gegen die Zentralmächte verlangt wird. Norwegische Gäste in Warschau.
Warschau, 22. Sept. (WDB.) Wie bereits gemeldet, smd am 19. September der norwegische Staats minister a. D. Ibsen und der norwegische Intendant a. D. B j ö r n so n zu einem mehrtägigen Aufenthalt in Warschau emgetrofsen. Die Herren be fth- ttgten am Dienstag mtt lebhaftem Interesse die Krcmkentranspott- Anstalt und erne Reihe von Sehenswürdigkeiten von Warschau. Mends nahmen sie als Gäste des Generalgonverneurs v. B es el er an einem Essen des Generalgouvernements tell. Der Mittwoch war -bw weiteren Besichtigung der Stadt gewidmet. Ten Abend verbrachten die norwegischen Gaste im Theater Momoscß wo sie der Aufführung der „Fledermaus" beiwohnten. Am Tonnerstag be- sich die Herrm. die Wohltätigkeitsanstalten der Stadt. Das Frühstück wurde bei dem.Polizeipräsidenten von Glasenapp eingenommen. Alm Nachmittag wUrdm Votträge in der Zivilver- Iwallung über die Arbeit der deutschen Behörden an dem Wieder-^ ausbau des zerstörten Landes, über die Jndenfrage linfo die Seuchen- ö^wttung gehört, die den norwegischen Gästen Gelegenheit boten, sich über diese wichttgen Gegenstände eingehend zu imterrichten.
Nachspiel zum Untergang der „Tubantia".
Berlin, 22. Sept. (WTB.) Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Wie wir hören, führte die Frage des Unterganges der „T u b a n t i a" zu einer Aussprache zwischen der niederländischen und der deutschen Roaierung. Die deutsche Regierung erklärte sich aus Rücksichten freundnachbarlicher Gesinnung gegen die Niederlande bereit, die Frage iiach dem Kriege einer internationalen Untersuchung s ko mmission zu unterbreiten.
Der 5eekr!eg.
Berlin, 22. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) In der Nacht vom 21. zum 22. September wurde in der Nordsee der englische Dampf e r C o l ch e ster von der Groot Bestern Rallway Compagny durch deutsche Seestreitkräfte nach Zee- brügge aufgebracht.
Die sozialdemokratische Reichskonferenz.
Berlin, 23. Sept. Am gestrigen zweiten Verhand- lungstag der deutschen sozialdemokratischen Reichskonferenz erstattete Ha s e das Korreferat der Opposition. Er sagte laut „Vorwärts": In der Beutteilung gewisser polittscher /'Kundgebungen entfernten sich manche Stimmen aus dem Mehrhcitslager in bedenklichster Weise von dem Geist, der in der Sozialdemokratie stets geherrscht habe. Wenn man der Opposition die Vielheit der ui ihr vorhandenen AnsckMUungen vorwerse, so könnte mmi dies der Mehrheitspattei zurückgeben, die nur mit Hilfe von Genossen, die schon sehr weit von sozialdemokratischen OKundsätzerr abwichen, überhaupt noch die Mehrhett darstellen. Der Standpunkt, daß man dem Lande Lire Mittel zu seiner Vetteidigung geben müsse, führe die Pattei auch schon im Frieden zur Bewilligung der stets- mtt den Notwendigkeiten der LandesvetteidiMng begründeten Mili- tärforderungen. Das Problem für die Sozialdernokratie fei, welchen Charakter der Ktteg trage, und wie die gesamte Regierungspolitik gegenüber der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung sei. Bei Untersuchung dieser Frage komme man dazu, die Politik der Frak- ttonsmehrheit als unsozialisttsch abzulehnen. Wenn die deutsche Sozialdemokratie Borkämpserin in der Jntertrationale sein wolle, dann dürfe sie nicht fragen, was die anderen tun, sondern müsse ihnen vorangehen. Die Ausgabe der Sozialdemokvatte im Kriege nnisse sein, die Völker einander wieder zu nähern.
Dr David brachte eine Entschließung ein, m der die Pflicht der Landesverteidigung anerkannt und erklätt wird, daß der Krieg für Deutschland iwch immer eüx Verteidigungskrieg sei, was die Enlschloffetrheit der So- zialdemokratü rechtfettige, in der Landesvetteidigung auszuharren. Alle feindlicheti Vernichtungs- und Eroberungsziele gegen das Deuffche Reich und seine Verbündeteil wcrdeil zurückgewüsen. In einer Geschäftsordnungsdebatte lliurde für und dagegen gesprochen, daß die Reichskonferenz Beschlüsse fasse.
Aus dein Reiche.
Berkichr mit Schmierseife.
B e r l i n, 21. Sept. (Nichtamtlich.) Bekannllich ist seit 1. Sept. 1916 der Verkauf von Schmierseife aus Seisenkatten untersagt. Vielfach besteht die irrtümliche Auffassung, daß danrtt gleichzeitig der Absatz von Schmierseife überhaupt unmöglich geworden sei. Dem ist nicht so. Schmierseife darf nach wie vor zu technischen Zwecken an Inhaber von Bezugsscheinen abgegeben tverd<m, deren Ausstellung entweder durch den Kriegsauschuh für Oele und Fette in Berlin oder durch die zuständige Ortsbehörde erfolgt sein muß. Solche technischen Verwetidungen sind beispielsweise der Verbrauch M texttlindustttellen Zwecken, zu Zweckerl der Metallbearbeitung und derglcicheii; dagegen erteilt der Kriegs«ussämß keinerlei B^ugsscheine zwm Erwerbe von Seifen zwecks Umarbeitung derselben in sogenannten gestreckten Kriegs seifenersatz oder in Seisenpülver, dessen Zusanrmensetzung nicht den für KA>Seiseir- pulver geltenden Vorschriften entspricht. Auch die Ottsbehörden snrd nicht berechttgt, für diesen Zweck <m Gewerbetreibende Bezugsscheine abtzugeben.
Berlin, 22. Sept. (WITB.) Die Hauptversammlung der Darlehnskassen faßte folgettdem Beschluß, der die Bestimmungen über die Beleihung mündelsicherer Werte ergänzt: Die von öGentlich-rechtlichen Wrpchffchaf- ten oder Verbänden aus gegebenen festverzinslichen auf den Inhaber lautenden nründesiichereTt Werte werden, sofern sie an der deutschen Börse notiert werden, mit 75 Prozent
des Kurswertes vom 26. Juli 1915, sofern sie an der deutschen Börse nicht notiert werden, nrit 70 Prozent des Nennwertes beliehen, und zwar unter der Bedingung, daß die Darlehen nachgetvieseitermaßen zur Einzahlung aus die Kriegsanleihe verwendet werden. Für die zu anderen Zwecken beliehenen Unterpfänder der bezeichireten Art behält es bei den bisherigen Beleihungsgrenzen sein Bewenden.
Ans Heften.
Zur Lebensmittelverforgrmg und -Verteilung.
Die Abgeordneten Nebel und Genossen beantragen: Die Ksamm/er wolle an die Regierung das Ersuchen richten, daß bei allen die Lebensmittelversorgung und -Verteilung betreffenden Fragen neben den Vertretern der Landwittschaft und des Handels auch die Vertreter der in Hessen bestehew den Kriegsausschüsse der Verbraucher gehört werden, und daß insbesondere den letzteren alsbald auch eine Vertretung in den mit der Lebensmittelversorgung betrauten Organisationen des Landes eingeräumt wird.
Die Ausftlhr von Milch.
Mbg. Dr. Schmitt und Genossen haben folgenden dringlichen Antrag in der Zweiten Kammer gestellt: Wir beantragen: Die Kammer wolle beschließen, die Großh. Regierung zu ersuchen, sofort die nötigen Schritte zu tun, damit seitens des Kommunalverbandes Hessen die Ausfuhr von Milch insoweit eingeschränkt wird, als diese Milch zur Beseitigung der schweren Milchiwt in den Städten und einzelnen Orten Hessens notwendig ist.
Hinterkorn.
Die Mg. Leun, Fenchel und Dorsch beantragen in der Zweiten Kammer, diese wolle beschließen, Großh. Regierung zu ersuchen, veranlassen jju wollen, daß den Erzeugern das Hinterkorn, soweit es 10 Proz. des Gesarutgetreide^Ertrags nicht überschreitet, als Viehfutter überlassen bleibt.
Die Mgeordneten Üenn und Fenchel beantragen ferner.
Die Abgabe der kupfernen Kessel.
die Zweite Kammer wolle beschließen, Großh. Regierung zu ersuchen, zu veranlassen, daß die kupfernen Kessel bis nach Vollendung des diesjährigen Muskochens im Besitze der Eigentümer verbleiben.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 23. September 1916.
Sonntagsgedanken.
Sonntag für Sonntag läuten Tausende von Kirchenglocken über alles Land hin, in Stadt unf Dorf. Wie im Frieden. Es gibt Grenzbe^irke ilnseres Vaterlandes, von Orten im Ober-Elsaß iveiß ich es, in denen sie nun seit zwei Jahren schweigen. Aber grausig wird diese Sonntagsstille da von andern Donnern aus metallnem Rohr unterbrochen. Uns läuten die Glocken fort — wie im Frieden Mer ihr Klang ist vernehmlicher und tiefer geworden in dieser Zeit. Es mag sein, daß der Sttom derer, die ihrem Rufe folgen, sich nicht mehr ganz so voll ergießt, wie in den ersten Kriegsmonaten. Niemand kann sich darüber wundern. Die erste Erschütterung war die schwerste. Sie griff am herbsten und am zwingendsten ans Herz. Und so mächtig war das Erlebnis dieser Sehnsucht rrach gemeinsamer Andacht und Erhebung, daß wir es wohl zu überschätzen geneigt sein konnten. Ganz Aehnliches, um nicht geradezu zu sagen das Gleiche, ist uns! auch aus den Ländern unserei- Feinde bezeugt worden. Und nvch mehr: es ist das Erleben aller Zeiten, in denen schwere Kriegsgefahr drohetrd über ein Volk zieht. „Denn was auch der Glaube der Menschen sein mag, in großen Kämpfen und Gefahren wenden sie ihre Blicke unwillkürlich aus die einige Gewalt, welche das Schicksal lenkt und von der sich alle gleich abhängig fühlen."
Man liest die Bemerkung in Leopold von Rankes-englischer Geschichte. Von einem der einschneidendsten Augenblicke in dem Lebe:: des Jnfelreichs erzählt er. Di-e mntber- ivindliche Armada ist 1588 auf der Fahrt nach der engllschen Küste. In Spanien wie in Enblmrd zeigt sich da dasselbe Bild. Dort hält man in allen Kirchen die vierzigtägigen Gebete, in feierlichen Prozessionen zieht man zu Unsrer Lieben Frauen von Atocha, der Schutzpatronin des Landes, der König Philipp II. bringt alle Tage ein paar Stunden im Gebete zu. .hier erscheint Englands große Königin Elisabeth bei den Truppen im Lager, sie wird mit Freudengeschrei empfangen, dann lverden Psallnen angestimmt, die Königin gesellt sich dem Gebete bei. „Die beiden Nationen, die beiden Oberhäupter rufen die Entscheidung Gottes in ihrem religiös-politischen Streite an. Die Geschicke der Menschheit lagen auf der Wagschale."
So ist es auch heute. Und noch enger köntren wir den Vergleich ziehen. Wie dainals um spanische, so geht es heute um englische Weltherrschaft. Wie immer die Geschicke sich entwirren mögen, um Entscheidungen für Jahrhunderte werden die eisernen, blutigen Würfel geworferr. Auch heute wieder kämpfen wir fitt die Menschheit oer Zukunft. Wir tun es von dem geschichtlichen Boden aus, den Gott unserm Volke angewiesen hat, de:n Boden, auf dem deutsches Glauben und Denken, deuffche Arbeit und Tat bisher gewachsen sind. Mer wie der ungeheure Kamps das Leben ganz Europas, schlechthin des ganzen Erdteils, bis in den Gruno erzittern läßt, so sind wir gewiß, daß es nicht eines eiw- zelnen Volkes, daß es vielmehr wirklich der Welt Geschicke sind, deren stittmrisches Werden wir erleben. Bon diesem Unermeßlichen glauben wir, daß es freilich in menschlichem Denken und Handeln sich vollzieht, aber in seinem letzten Grund und Ziel aus ewiger Weisheit hervorgeht nick) von ewiger Macht gelenkt tvird. Und wenn Millionen Gebete in dieser furchtbaren Zeit scheinbar unerhört verhallen, so werden ivix uns an die tiefe Wahrheit des Spruches halten:
Sogar dies Wort hat nicht gelogen:
Wen Gott betrügt, der ist wohl betrogen.
So mögen die Glocken von Sonntag zu Sonntag wieder läuten, wieder auswärts weisen zu dem Quell aller Weisheit, alles Lebens, aller Zukunft, der mächtig wie ein brausendes Meer hinrauscht über uns und unserem Volk. E ck.
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** Am tl iche Persvnalnach richten. Der Grotzherzog hat dem Oberlehrer an der Realschule zu Lauterbach Professor Berkhold W e i d i g aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand das Ritterkreuz 1. Kl. des Verdienstordens Phillips des Großmütigen verliehen. Der GwßhcrzioH hat den Obefförster der Odec- försterei Ulrichstern Adolf Keil zu Ulrichftein in gleicher Tienst- eigenschaft in die Obersörsterei Feldktticken versetzt, und den Jorst- assistenten Casimir Lev aus Fvrsthaus Waogsdamm zum Oberförster, und den Forstassessor Franz Wahl zu Steinbach bei Michelstadt zum Forstasftstenten ernannt. — Ter Bezirkskassier der Bezirk^rasse Ulttchstein Albert Pfeifer wurde in gleicher Diensteigenschaft an die Bezirkskasse Nidda versetzt. Erledigt sind drei Lchrerinnenstellen an let Volksschule zu Wvrms, wovon zwei mit evangelischen Lehrerinnen und eine mit einer israelitischen Lehrerin zu besetzen .sind; ferner die Stelle des BezirkskassierÄ


