Rr. M vrMes Blatt
166. Jahrgang
D« ^ök^oer £tMOMHHtef" w«d«n dem .ÄMÄfter" ncanol «Schvnttich bvjWrLqgi, bnö
( kf*»fe^ßU |Br örv HhCi ääefcnr' jic»«mcrf
wöchsnütch. Dis ^|M»rrM»chszLüchat Lcü- frsgLtt- erWeme» M-marlich znEvvLt.
General-Anzeiger für
Samstag. ly. Angnst W6
RotatümSdrnck und SecJag der A^ühl'schea ttmcerfität§ - Buch- rmd SteiNdrnckeret.
R. Lange, Gießen.
SchLllttettm^MeschWr^et^T^^ Sch«I- st reche 7.WLschäll^steÜea,BevLaco«rqASi1, SchvU" lertrrng7«E'112. AdvqfieÄrrDvcchlvachrichte« Slnzviaor Gäeßsn.
»«Wchrieft oks Mpr».
Nml wscfeuai Kr»gSb«AßberHM8oe.
(LUrbrrsM^iL,' A«Adr»k, Lw:, steMoKi
Clairefontaine.
Ern Stückchen Geschichte hinter der Linie.
Großes Hauptquartier, im August.
Eigentlich heißt es nicht so, aber ich werde mich hüten, den richtigen Namen zu verraten. Außerdem gibt es viele Glairer fontaines hinter unserer französischen Front, und das Ganze ist mrr ein Beispiel für Hunderte.
Clairefontaine, das Schloß und das Tors, gehörten ehemals dem Marquis von Clairefontaine. Er war .Kammerherr bei Ladung XVI., und seine Gattin war eine vertraute Freundin dar schönen Habsbtrrgerin. Mer mehr als den Los liebten beide das Landleben. Wenn der erste Pflug über die Schollen ging, nrußte der Marquis schon auf seinen Gütern sein, und wenn ihn der Beginn der großen Empfänge nötigte, in sein schönes Stadt Hotel in Paris überzusiedeln, dachte er mit Heimweh an den D reim kt der Dreschflegel, deren Lied jetzt aus den Scheunentoren von Claive- nmtehte klang Und die schöne Marquise hatte immer Tränen m den Augen, wenn sic auf dem Rasenplätze unter den alten Ulmen den Erntekranz der Grvßmagd entgegennahm Und zugleich von ihren Torfleuten scheuen mußte. Der Margnis gehörte zu den Männern, die ihrem König helfen wollten, Frankreich von der englischen Einfuhr unabhängig zu machen. Als begeisterter Land- iorrt wollte er sein Teil nach seinen Kräften tun mid baute daher PferdestÄle, um das schwere Arbeitsroß des Landes hoch- zuzüchten. Vor das Gestüt setzte er ein schönes Tor, wü> über dessen Boaen ließ er nach der bilderftvhen Sitte der ZÄ1 von cman Künstler cörc Allegorie meißeln: „Der Triumph des fraw- ^öfisck>en Pferdes über das englische." Das war .ElaivefontaineS glückliche Zeit. Eines Tages drangen Gerüchte in das Dorf, der Marquis sei in Paris ein gekerkert worden und die Marquise sei rn das Ausland geflohen. Tann erschienen wilde Männer mit rgjbat Strickstrumpfmützen im Dorfe, erklärten den Bauern, der MreyuLs habe sich gegen das 29dhl der französischen därtion verschworen und sei darum geköpft worden. Seine Güter seien im Namen der großen menschenbefreienden Revolution beschlagnahmt. Den Schloßvei^oalter, der das nicht glauben wollte, sperrten die wilden Frmheitsmünner in die Kirche ein, nachdem sie chm gedroht batten, es werde ihm ebenso gehen, wie seinem Herrn. Dann versiegten sie das Schloß, zerschlugen die Marmor figureu im Part', die Wappen der Familien auf den allen Grabsteinen des Friedhofes und entdeckten zuletzt, daß auch der Triumph des französischen über das englische Pferd" zum Zwecke der allgemeinen Freiheit der Mensäü>eit in Stücke geklopft werden müsse, damit Pferde aushörten, in Palästen zu wohnen, wo doch Manche Menschen mcA einmal Hütten zum Wohnen haben.
Clarvestmtaine wurde versteigert. Es ging dann von Hctnd zu Hcmd und war zuletzt an einen Pariser Bankier Duplvng-Dupvnt oder so ähnlich gefallen. Der kam einmal iM Jahre mit einer Jagdgesellschaft auf das Schloß, bewirtete seine Gäste auf dem berühmten alten Silber und Keß sie unter den Bildern der schönen verschollenen Marquise und ihrer Verwandten schlafen. „Es sind FamMenbllder," erklärte Herr Tupilong-Dupont mit schlichter Miene seinen Gästen. Die Ländereien waren an einen Bauer aus Datts'Äothr^rgeu oder Luxemburg verpachtet, der nur noch Weite- rBrtschttt «rrieb, da er keine Arbeitskräfte zur FüdbesdLnng vvchr fühe n tarnte. Da» Dorf war fast auSqestorben: die wenigen Ein- «haer, die übrig waren, g ingen in die Sternbrüche eines Nach' danvetes in Tagelohn. Der Stolz des Marquis, der ungeheure PferdestaÜ, war längst verfallen, da nichts für seine Erhaltung f. Aus den zerbrochenen Dächern wuchsen Hederich und
sah Claireftmtotne aus, als der Krieg begann, und das ist schichte von einigen hundert Landschlöffern tm mvberten, reich. Beinahe wäre es hier zu einem Gefecht gekommen, die Franzosen rückten so schnell ab, als die deutschen Vorhuten .erfchicnen, daß der deutsche Divisionsstab, der bald daraus Quartier tut Schlosse bezog, die Frühstückstafel noch so gedeckt fand, wie sie zwei Stunden vorher der französische Divisivnsgeneral verlassen hatte. Statt seiner speiste von mm ab die deutsche Exzell«§ mit ihrem Stckbe von dem berühmten schweren Silber von Maires ionkätne, das außer den Blldern der schönen Marquise der letzte Glanz aus der allen echten Zell des Schlosses geblieben war. Das Söbergeschirr verdiente wirkliche seinen Ruf. Es war herrliches reifes Louis XV., mll den von einer Sonne überstrahlten Wappen der Bourbonen und Oesterreichs geziert, also wahrscheinlich gier legentlich der Vermähkuna Marie .Antoinettes entstanden. Dieser Schatz wurde von der deutschen Einquartierung sehr pfleglich behmchell.
Ter Divisionsstab hatte geglaubt, er werde ans eine Nacht in dem Schlosse bleiben, aber daraus wurden Wochen. Denn wenige Kilometer weiter ivesllich erstarrte dar Bormarsch zum Stellungskrieg. Tie Aussicht auf einen Quartienvechsel rückte immer ferner. Man hatte sich schon ganz eingelebt in dem alten Schlosse, man hatte einige notwendige Umbauten Vorgenonrnuni, die nach den: deutschen Begriffen von Sauberkeit und (Gesundheitspflege nötigt waren, und plante weitere Bertefferungen für das kommende Frühjahr. Da fiel es eines Tages den Franzosen ein, das Schloß ganz imerwartet mll schwerem Geschütz zusaMmenzuschießen. Die Akten konnten rechtzeitig geborgen werden, eine Fernsprechzentrale war in einem Volltreffersicheren Unterstand schon lange als Ersatz vorbereitet, der ^Feind tat also mrr dem Besitzer des Schloss Schäden. Franzmann machte seine Sache gründlich. Bon dem Unterstände, in dem sich bald der ganze Stab zusammengesunden hatte, konnte man jeden Gin schlag genau mll ansehen. Zuerst hatte der Feind den linken Flügel zusammengchämmert, jetzt zielte er auf den Mittelbau. Eben krachte eine Granate in tenj. Speisesaal.
„Donnerwetter, das ist schade!" riefen ein paar Stimmen. Tie guten 'Bilder, das Silberzeug! „Das Silberzeug kann ich noch, retten," Jagte ein junger Leutnant. Aber der General verbot es. Er könne die Verantwortung für das Eigentum des französischen Schloßbesitzers nicht übernehmen, da er nickst wisse, wohin der Krieg ihn morgen verschlagen werde. Noch weniger aber wolle er die Verantwortung dafür übernehmen, daß einer seiner Offiziere oder Mannschaften sein Leben gefährde, Um französisches Privateigentum zu retten. Tamll war der Fall militärisch erledigt. Ter eine oder andere sagte noch, die Sache würde ja obendrein nur mißdcnttet werden. Es würde heißen, die Boches hätten in Gegenwart eines Generals Silberzeug geplündert. Tann stürzte nach ein paar weiteren Einschlägen der Mittelbau des Schlosses brennend zusammen. Damit war das Schicksal der berühmten Silbers von .Elarresontaine auch sachlich erledigt! Alle sagten: „Schade!"
Aber jnrisllsch war der Fall, wie man erkennen konnte, keineswegs gellärt. Tenn im Unterstände saßen der Kriegsgerichtsrat und der Intendant, der im Fricdensberus ein bekannter Rechtsanwalt ist.- Tie erörterten die Frage scharfsinnig und gründlich. Ich verstehe gar nichts von Juristerei und kann daher nicht sagen, zu welchem Schlüsse die beiden Gelehrten gekommen such. Ich glaube, es ergab sich zuerst die Frage, ob das Silber nicht in dem Augenblicke der Beschießung „Niemandessache" war, da der Besi'-^r, falls er seine Eigentumsrechte Nachweisen konnte, jedenfalls nicht in der Lage nmr, sie geltend zu .machen. Anschließend entstand wohl die Frage, wie ein Mann zu bestrafen wäre, der in vorgeblich guter ?lbsicht und um die Sachen abzuliefern, sie ohne Befehl gerettet hätte, da der Nächstbercchtigte, die deutsche Militärmacht, den Besitz des Silberzeuges ablehnte. Ueber diese Frage war die Erörterung noch nicht gekommen, als das Silbergeschirr sich längst in unkenntliche Schlacke verwandelt hatte, die nur in der juristischen Literatur noch einmal eine Auferstehung feiern kann. Was übrigens, wegen der Rettung von im Kriege gefährdeten Kunst- trnd Kulturdenkmälern, nottvendig und mll Freuden zu begrüßen wäre.
Clairefo-ntaine war nun lange Zell ein öder Platz, entlegeck von den Kriegsstraßen. Gegen das Frühjahr wurde die feindliche Front weit zurückged rängt, und die Gegend lag nicht mehr im Bereiche der feiudlick-eu Geschosse. Da kriegte eines Tages ein Untevorftzier den Befehl, sich' nach einem geeigneten Erhotungsplatz für die in Rußland marode «wordenen Pferde seines ArEerieveyllnentes unrzufehen. Den fik hrre der Zufall, wie er ft» mit der Fvechell der Wahl einetz Uran fie bteS im wüten Westen durch das Gelände ritt, «in großartiger Zufall nach dem wüsten Schloß Clairefontaine. Als erbte Ruinen der Prachtstallungen des enthaupteten Marquis sah, tat der Mann einen lauten Jauchzer und ritt spornstreichs zu seinem Regimentc.
Don diesem Erkundun qsritte ab datiert die Geschichte der Wiederauferstehung von Clairefontaine. Schon am nächsten Tage war ein Kommando damit beschäftigt, die große Stallrnine auszukehren, zu brachen, zu weißen, mit Toren und Fenstern zu versehen. Zwar das Artillerieregiment blieb nicht lange souverän in der Besitzung, denn es kam jenmnd viel mächtigerer, nämlich die hohe Inspektion und fand, daß Clarrefvntallre der lange gesuchte, unübertreffliche Platz zur Einrichtung des Armeepferde- Lazarettes sei. Als Herrscher zog ein verlvundater Hauptmann ein, der nicht umsonst im Frieden Administrator großer Güter in Mitteldeutschland gewesen war. Er war der Ansicht, daß sich über 3000 Morgen llec- und wcizenfähigen Bodens doch gan$ anders ausnutzen ließen, denn als Weideland, wie es sell über 100 Jahren geschehen war. Er forderte die entsprechende Anzahl gefangener Russen an, Und heute würde Monsieur Duplong- Dupont, »nenn er seinen Wsitz zur Erntezell wiedersähe, große Augen machen. Vom alten Clairefontaine ist nichts wehr übrig.
als der Pferdestall des Marguis, der freilich so stattlich dreinschaut, daß jedermann an dem prächtigen stivkokobau seine Freude hal. Ein Landsturinmann, der sonst auch noch Akadcmieprofessor ist, hat in s-ellien dienstfreien Stunden sogar die Allegorie des Triumphes der ftanzösffchen über die englisckt^Pferdezucht wieder hecgeÄLll. An der Stätte des zerschossenen Schlosses erhebt sicb eine wre* blanke Molkerei, die in alle Lazarette und Marketendereien des ?lrmeebezirkcs Butter und Mse, und zwar einen ganz köstlichen, liefert. Das neue Schloß ist ein moderner Bau von kräftigen deutschen Formen. Entwurf und Bauleitung: Ein berühmter deutscher Städtebaumeister. Es ist als Offizierserholungshelln errichtet. An den langen gradlinigen Beelen des wellen Gartens dahinter iveU man genesende -Offiziere in weißem Zwillich arbeiten. Im Park sind drei Karpfenteiche entstanden. Das war sehr einfach. Sie hatten dort früher schon existiert: man brauchte nur durch ein paar Mllnn die zerfallenen T>äm!me flicken und mit neuen Schleusen versehen zu lassen, dann staute sich bi? Quelle, die dem Schlosse den Namen gegebeli l»at, von selbst wieder zu ablaßbaren Weihern an. Augenblicklich wird der Schtoeinestall vergrößert. Der Gutsleller hofft unter Ausnutzung der Kantinenabfällc und der Büchcckernmast des benachbarten Laubwaldes seinen Bestand im nächsten Jahre verdoppeln zu können. So ist alles im besten Zuge, und die Ernte qebt wie am Schnürchen '«fr. Die französischen Flieger haben neulich kurz vor demlkSchnllt Brandbomben in die Hafer selber geworfen, aber kernen Erfolg gehabt. Das Gut hat zwei Nebenba^ren nach den nächsten Stationen, und jede Einzelheit ist gründlich und solid eingerichtet, wie für die Ewigkeit.
Bei alledem kriegt man ein Sum men wie von Bienenschwärmen in den Kopf, rvenn man einmal an einen Tag denkt, der ferner oder naher in der Zukunft liegt. Das Ganze ist aus der Einöde und, Verwüstung geschaffen worden. Dabri hat man, als Man die Felder' und Baugründe absteckte, keine Rücksicht darauf nehmen können, wie hier einmial in den sagenhaften Friedenszellen die Katastergrenzen gelaufen sind. Es hatte es auch Niemand bekunden können, denn die Einwohner rvaren weg und die Bürgermeisterei-Akten verbrannt. Beffpielsweffe hat sich zufällig später in Erfahrung bringen lassen, daß das neue Herrenhaus auf einem Pfarrergrundstück steht. Die Steine zum Bau der Mvlmrei find aus dQr Trümmerhaufen der zerschossenen Torfhäufer gewonnen worden. Viele Baumaterialien, beträchtliche Werte, sind aus den .Heeres betrieben und selbst aus der Hellnat herbeigeschafft worden. Schließlich aber gehört Schloß Claireforttatne doch dem Herrn Duplong^- Tlnpont lli Poris, der, weyn ich die Juristen richtig verstanden habe, zwar seine Eigentumsrechte zu-cheit nicht ausüben, aber doch wahrscheinlich am Tag.' des Friedensschlusses wird Nachweisen können. Nur daß Schloß Clarrefvntaine bet seinem letzten Verkauf 40 000 Franken kostete, denn alle diese verlotterten rmd verfallenen ftanzösischen Landgüter sind lächerlich billig, während es heute eine Musterherrschaft ist, deren sich kein Fürst zu schäme« brauchte. Das gibt Fragen, vor denen einen schwindeln kann. Ich glaube, wenn der Krieg ausgeht, brauchen die Juristen nicht zu fürchten, daß rhiren die Arbell ausgeht.
W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter.
Kriegsbrief* aus dem Gsten.
Telegramm unseres zum Ostheer entsandten Kriegsberichter sta tters, (lluberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verbot«.)
Pranreketen LM Stochvd.
Arm« Linfingem, tö. Aweprst.
Auf her Sand dune von Zcrrecze geht der Kampf um den östlichen Teil der Düne hin und her. In der Nacht vom 13. zum 14. Arrcstrst wurden von unseren vorstastenden Truppen dort 1 Offizier, M Mann gefangen und 4 Mrschiuengewlehre erbeutet. Dre gegenseitige Belegung mit Artillerie macht cms der lleinen Sandirffel eine Hölle. Die vieken russischen Toten verpesten die Luft. Abteilungen der polnischen Legion, bewährt in den letzten schweren Kämpfen, imter uah men gestern abend nach kurzer Artillerievoa'bereittrug gegen 10 Uhr einen Ueberfall auf die Gräben bei Rudka-Sntowicka. Sie fanden in den Gräben viele Tote, Spuren des russischen ^Rückzuges, imd brachten, nachdem sie über drei Stunden in der russischen Stellung gebliel>en waren, Gefängene mit zurück, altz die Russen sich mit stärkeren Kräften dem ^Graben- stück umfassend nähern wollten. Bei Kieselrn brachte eine stärkere Patrouille ein Maschinengewehr, 1 Offizier, 16S Mann aus dem russischen Graden mit.
R ols Brandt, Kriegsberichterstatter.
Arrnst, wiffenschait «nd Leben.
— M iß ersol ge in der Polarforsch«ng. Nachdem mll Nansercs berühmter Forschuirgsreife eine Zeit bedeutender Er- ioLge in dar Erforschung sowohl der Arktis, tttfe der Antarktis «ÜLgetreten war, hat sich in jüngster !Zeit unverkennbar «in« Wendung nach der ungünstigen Seite hin vollzogen, und gerade die letzten Jahre haben eine recht gvoße Zahl von bckdau erlichen! Fehlschlägen in der Polarforschung gebrackst, auf die F. Newius in einem Auffatze im nächsten Hefte von „Ueber Land und Mtcr" (Deutsche Berlagsanstalt in Sttittgart) hinweist. Was das Gebiet des Südpobes betrifft, sv ist ja Shanetons jüngste Spedition vollkommen zusammengebro chen. Im nördlichen Eismeer wurde M. Stesansfon, der 1913 mit Unterstützung der kanodffchen Negierung aufbrach, imt längs der Küste Alaskas bis zlum arktffchen Archipel Nordamerikas zu fahren, mit fernem Schiffe „Karluk" -durch Sturm ins Packeis getrieben und zu einer unfreiwilligevj Fahrt nach der sibirischen Küste gezwungen, wo das Schiff in btt Nähe der Herald Jnsetn unterging. StefanssoN glückte es ''päter, bis ins Gebiet des Mackenziestromes zu kommen und längs dos BcmkslMides eine Schllltcrrveise über das Eismeer aNsz'ufWren, ^vvbei er eine neue Landmaffe entdeckte, deren nähere Forschung! im Frühjahr dieses Jahres geschehen sollte. Insoweit hat Stefans- son also iminerhin etwas ansgerichtel. Dagegen hak die 1913 vom Naturhistorischen Museum in New York ausaestlndte Expedition, die unter Leitung des Professors Mac Mllkm steht, gar nichts erreicht, soweit die HaAptansgabe in Betracht kommt'.-, ldas ,)Ervckerland", das Mary auf seiner letzten Norhpolfabrt gefeben l-aben El, war nicht zu finden, und die Expedition, di^ in S-mllhsrmd ihr Schiff verloren hat, sitzt noch immer HAflos bei Ebab, nahe dem Snrllhsund. Ein liesondeos trauriges Stück Nordpolforschung bilden die letzten rusfochen Unternohmungein. MicrrmÄeutrmnt Sedow, der zum Nordpol selbst Wollte, kam mit '.Nähe und Not znm Franz Joseph-Zand, von uw er seine Schlllten- 'reise zum Pol begann. Bald aber warfen ihn die Strapazen! nieder und er fand dort eben ein kühlc. Grab, wichoend eö fttuem Schiffe „Phoka" gelang, glücklich Arcliangeksk zu ervckchen. Bcnfkftuv dagege« der mit einer Jagdgesellschaft an Bord der „St. Auma" durch die NortMst-Pasftrge fahren wollte, geriet, als er das .'.arische Maer hinter sich hatte, ins Packeis und trieb nocdivärtÄ bis zur Hckhe des F-rnnz-J-tzepv Landes, wo ein Teil bet Bo satzimg da5 Schffs verließ, um Land zu erreichen, über bis aus zwei Mrmc umjkam. DM Brnsilow tyll denk DteCt seiner 93tenleite samt der „St. Anna" sein Ende auf dem großnr Fricdhose bcw
Arktis gefunden hat, form keinem Zweifel unterliegen. Und ebenw sicher ist auch die ^Ruffanowsche Ecpedition, die erst mll Staats- unterstützung KohlensÄder in Spitzbergen belegte «Srd da7m auf eigene Berantwortting zu Forschtmgszwecken zum FranK<Zoseph- Land fuhr, ein -Opfer des verhängnisvollen Polareifes geworden. Größeren Wert als FvrschuwMntternehmwi hatte die mll den Ersbrecherschif^en „Waigatsch^^ und ,Taimyr" mrsgerüstete Expedition, die m den letzten Jahren Forschimgen im Fahc'waffeo der Nordost-Passage ansfülnte und nördlich von Nvtoaja Semlja ein treues Land entdeckte. Jndc^ Müßte auch diese kkrtterneymuny schließlich 1915 ihre Schiffe im Stiche lassen. Was der Dane Ki^uo Rasmüffen bei seiner Treuen Forschungsreise am grönläudffchen Nordrand erreicht hat, dürfte günstigstenfalls wohl diesen Herbst bekannt werden. So ist es im ganzen eine Reihe von Mißerfolgen, die die jüngsten Jahve der Polarsoftchuug gebracht haben. Indes (Oterettct Roald AmUndsen für 1917 seine Nordipolreise vor und bei der anhevordentlichen Uufficht und Ersavcmrg, die Amundsen besitzt, darf man hoffen, daß seine llnternebmung die Reche dev Fehlschläge llr erwünschter Weise unterbvechen m© zu neum Erfolgen Mren werde.
— Liszt üb«r das „Siegfriedidyll". Das jüngste Heft dc'r „BwMMther Blätter^ bnmgt eine Reil-e von bis liier unveröffentlichten Briefen van Lifxt. DEesv Brkeß'. die fast alle an Cosimk Wagner gerichtzrck sind — Nur eg» ellcziger an Wagner selbst — Wxm einen :vertvollen Bckkrng Nur Psycholl'grc ÄMs; firch ffe doch ein neuc-s ZeNMiS für die schlechte Gröhe seiner Serbe, mit der er neidtos die überlegene .Kunst Rickxnd Wagm-rs crne.oi Tmnrte, Besonders bezeichMtnd ftnd dafür bk Briese, fct'bhimt LffK feiner Brwimderlung vnd seiner Mrtfreicde Aber das „Siegfried- idtilk" AdiLdruck gibt. In fast Merschwen.ffiä>en Warteir schreibt er mn 1v. Februar 1878 aus Budapest an Wagner: „Abermals ein WimLer! ent Wunder!, liebster Richard! Dein „SieqftiedivhlT" ist die herzlltniFl«, idevW, ^E-rndste Perherrsickmng des Famjllienkukürs. In dieser twrsendbl-ättri^eTt Mumie welch' Duft,
t arbe, Entzrückeu, Pracht, Reiz, hollHettiae Fwuntrl^ll imd wmattge ünst! NSmjm den 'Uteusfprrchttchen Tlartt Deines treuen Fran- zisttts." Einen Dag Meter richtete dann Lytzt entert französffchl go- schrvb«tLN Brief an seine Dochte, Mrs deutj nur nach der Uebeo- sej:«ng brr „Batzive'llSker Blätter" folgcmdes hevMrsgreifett: ,^Jck> Bvutjms achr «nnjar sehr tölcichl vor. wenn ich über Wagners Musik rede. Sve berühvt das Jamaeste mei»A HieWtts tu solchem' Maste, d<tß jede Spvact»e Urir late erscheint. 3tofaifen schrieb ich ihm doch Mvex Word' Über sein „Siogsvicdtdqtll , dmt erhabenen i!ol>geftr»g des FMnÄtensffühls. Nachhut xr, wje kqvrcr, das Heldentum und
die Verzückung der Liebe gesungen, kam es Wagner zu, auch ielli Kind zür feiern. Im Innern vernehme ich das „Siegfr^dylh tmid ichcknlochte es Mmi jebvals anders 'hören, als auf (Starnt Küvöll r in „W«^Hrick>", ausgefüyrt von seinem ScWpfer, ihm, .chan rernmt Tonen" im tensz-en^TttDr Wahn. Für Listt mti) Wagner chebh chrenb xst vs dann, wenn Lifzl am 27. Mai 1879 aus Ä^rmar an Cvsmta ftchreibt: „Es gibt Angenblicke, m ich Gott jnr mein Tvfeut danke. Wagner hat mjich das eittdntcVvoller fühletrlassen, als irgend eoncr der großen Genien seiner Mitbrüder."
^ENs Nationalhymne ist eine BoWhymne int lvahrsten stnne des Wortes. Sie verdankt ihre Erttsteynng der slltrmffchen Zeit von 1858. Da ihr flammender Text von fremden- .feindliftem Geiste dnvchtränkt ist. kann man sie mtch honte nocki vdcw dock,! heitte wieder, als zellgen« bezeickpren. Sie hieß zurrst nach ihren ersten Sängern die „KriegÄhymNe der Alpeitianer" w!ucke durch, den wellberühmten Zug der Tmtsend unter Gart- Saldi'1860 aber erst wahrhaft Populär und selldem als „Gart. bakn-Hynme" bezeichnet. Wv und warnt llmmw eS galt den Haß gegen ftemde Eindringlinge — nach llaliemscher Äuffaffunq — AdSmkck %u verleihen, fft sie mit echt italienischer Witt «*. sungen worden. Drestml Haß lechen die Lh^tß'^ilert Warte:
Hllraus aus Italien, die Stund' fft gekommen.
Hinaus aus Italien, FremdlllZg hinaus!
,JNr itallewischen Text klingen diese Worte durch die vielfache Wederholung des „Va faora d’Italia“ nock» fanattscher Dieses ,,V;i fuora (i Italia“ ist in Zeiten natrotmler Erregwtq geradezu- zunr Sttchwc>rt geworden: cS lvurde vor einer Reihe von Fahren aml) dm deutschem Turnern in Äidttvol bei den beftrmtten ^neiftut «tt gegengeschleudert. Int übrten tvlltdel die Hhntne allwchtttb Lorbeerw Um die italienischen Waffen. Tie leitte Strophe. n»rftfr' nte efti Aufruf cwS wi seren Ärgeit klingt, sei lnerltegesetzt:
Zu den Waffen!
Nftltt bMuchckd tuchr der Worte, bereit sem die Hände TSn Jelmbe entgegen das Antlitz sich mente!
Der Fvcntdlinq wird über die Berge enleilm,
Wenn einig Italnnv.' Bdlk sich erbebt.
stllcktt ist's uns gemig. den Triumph ^ut genießen,
Teu Räubern die Tore Italiens wir schließen.
Ein einziges Voll sind Jkalüns Völler,
Italiens Städte eine einzige Stabil.
Hinaus at^ JtaUen, die Stund' ist .ickütmmkL,
Huurus aus Italiett, Fvemdftng hllwns! .


