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30.8.1916 Zweites Blatt
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8r. AZ ZMttes Blatt M. Jahrgang

SßN ch MWhftwIwe te£ Sonntags,

DieSie-«« L » «Me»-Wt«» " »erden dem ^Anzeiger^ viermal wöchentlich berget egt, das Rreirtllatt fite de» Breie Giehe»^ zweimal wöchentlich. Die ..r<mdNirtfchastlich«, Seit- lrage»^' erscheinen monatlich zweimal.

General-Anzeiger für ©

Mittwoch. 30. August (9(6

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchea Universitäts =» Buch- und Steiudruckerei.

R. Lange, Gießen.

Schriftleitung,Geschäftsstelle u.Druckerei: Schul» straße?. Geschäftsstelle u.Verlag:S^M5l,Schrift« leitung: e=®ll2. Adresse für Drahtnachrichten-

Anzeiger Gießen.

Verkehr mit Brotgetreide zu Saatzwecken.

Für den Verkehr nrit Brotgettide -und die Verwendung vvn solchem yu Saat z wecken sind jetzt die BestinrmUngen der Be­kanntmachung über Brotgetreide und Mehl aus der Ernte 1916 vont 29. Juni 1916 (Reichs-Gesetzbl. S. 613 und 782)*) sowie die zur Ausführung des 8 6 a erlassene Bekanntmachung über den Ver­kehr nrit Brotgetreide und Wintergerste zu Saatzwecken vom 27. Juli 1916 (Reichs-Gesetzbl. S. 854) **) maßgebend. Die -neuen Vor­schriften weichen znm Teil wesentlich von den früheren ab; sie be­zwecken den Absatz und Bezug von Saatgut zu erleichtern, zugleich aber die nötigen Sicherheiten, zu schaffen, um! den gerade auf diesem Gebiete in bat Vorjahren frertayrgetretenen erheblichen Vdißständen, insbesorrdere den *itt großon Umfange vorgeckornmatat Uebertretim- gen und Umgehungen des Gesetzes wirksam vo-rzubeugen. Im fol­genden sollen hierzu einige Erläuterungen gegeben werden.

Auftechter halten ist in den neuen Vorschriften der Unterschied zwischen Saatgut mrd Saatgetreide. Saatgut ist alles Getreide, ivas tatsächlich zu Saatzwecken Verwendung findet, also auch gewöhnliches Brotgetreide, wenn es zur Aussaat benutzt werden soll. Saatgelreide ist dagegen nur das zu Saatzweckat be­sonders gezogene Getreide, das entweder aus sogenannten anerkann­ten Saatgutwirtschaften oder aus solchar landwirtschaftlichen Be­trieben stammt, die sich in den Jahren 19J. 3 und V 9 1 4 , d. h. in den beibat letzten Erntejahren vor dem Kriege, nachweislich mit dan Verkauf von Saatgetreide befaßt haben. Dieser Nach­weis ist durch Bescheinigung der Landwrrffchastskammer, durch Frachtbriefe oder sonstige glaubhafte Unterlagen zu erbringen. Saatgetreidein vorbezeichnetem Sinne unterliegt bei der Ver­äußerung bis zu bestimmten Zeitpunkten nicht den gesetz­lichen Höchstpreisen für Brotgetreide uttd genießt auch sonst im Falle der Veräußerung gewisse Vorzugsrechte.

Inländisches Saatgut und Saatgetreide ist wie alles andere im Jnlcm.de gewonnene Brotgetreide für den Kommunalverband be­schlagnahmt, in dessen Bezirk es gewachsen ist. Bei Entfer- lfitng aus diesem Bezirk ait einen anderen Kommunalverband fällt es unter die Beschlagirahuke des letzteren. Die Beschlagnahme endet also tticht schon mit der Veräußerung und Verbringung ans dem bcschlagnahmeberechtigten Konrmunalverband, sondern erst mit der tatsächlichen Verwendung zur Aussaat. Auch die vorgeschrie­bene Aussonderung des Saatgutes im Falle einer Enteignung der Brotgetreidevorräte von Selbstversorgern bewirkt keine Befreiung von der Beschlagnahme.

Trotz der Beschlagnahmt dürfen die landwirtschaftlichen Selbst­versorger wie bisher das zur Bestellung erforderliche Saat­gut aus ihren eigenen Vorräten oder aus dem zu diesem Zwecke in erlaubter Weise erworbenen Brotgetreide verwenden. Hinsichtlich der Saatgut Mengen, welche auf das Hektar verwendet werden dürfen, der Ermächtiguttg der Landeszentralbehörden, diese Mengen bei drinaatdeut wirtschaftlichen Bedürfnisse für einzelne Betriebe oder ganze Bezirke fru erhöhen, und wegen der teilweisen Deckung dieses Mehrbedarfes an Saatgut aus der Landessonderrücklage, sowie wegen der Anzeige der mit Genehmigung der Landeszentralbehörde aufgewendeten Mehr menge seitens der Kommunalverbände an die Statistische Abteilung des Direktoriums der Neichsgetreidestelle bOvendet es bei den vorjährigen An­ordnungen, die also auch für das Erntejahr 1916 Gültigkeit be­halten. *

Während früher jeder Händler an sich berechtigt war, Saatgut zu kaufen und zu verkaufen, beferrf jetzt jeder, der mit nicht s e l b st gebautem Getreide zu Saatzwecken handeln will, einer besonde­ren Zulassung. Dies gilt nicht tritt für svlcfe Händler, welche das Saatgut für eigene Rechnung kausat und Weiterverkäufen, son­dern <rwh für diejenigen, die im Saatgetreidehcutdel als Kommis sio- ltäre oder Agenten oder sonst lediglich vermittelnd tätig sind. Zu­ständig für die iTrtellung der Zulassung sind bei Brotgetreide die Neichsgetreidestelle oder die von ihr ermächtigten Stellen. Die Zu­lassung erfolgt, soweft es sich um dm Einkauf handelt, stets ohne örtliche Begrenzung des Einkaufsgebiets, soweit dagegen der Ber­ka u f in Frage kommt, iw.Mer 'mir für ein b e st i m m t b e g r e n z - t c s Absatzgebiet. Die Zulassung ist dm Kommunal verbau den über­tragen, soweit der Antragsteller nur im Bezirk eines Kommunat-

*) Darmstädter Zeitung s 3hr. 156, amtlicher Teil.

**) Darmstädter Zeitung Nr. 180, amtlicher Teil.

Verbandes Saatgut ab setzen will. Soll das Absatzgebiet über den! Bezirk eines Kärnntunalverbandes, aber nicht über die Grenzen des ! betrefsendm Bmtdesstacrtes hinausgehen, so ist die Zulassung dar Landesvermittelungsstellen oder, wo solche Stellen nicht errichtet sind, dm Landeszmtralbehördeit überlassen worden. Erstreckt sich das Absatzgebiet über das Gebiet eines Bundesstaates hinaus, so hat die Reichsgetreidestell-e sich selbst die Zulassung vorbehaltat.

Die Veräußerukng von Brotgetreide zu Saat­zwecken bedarf an sich der Gmehmigung des Kommunalverban­des, für den das Brotgetreide beschlagnahmt ist, ohne Rücksicht darauf, ob es infolge der Veräußerung aus die­sem Kommunal verbandentferntwerden solloder nicht. Diese Genehmigung ist aber nicht erforderlich für Ver­äußerung von selbstgezogenem Saatgetreide durch Unternehmer an­erkannter Saatgutwirtschaftm, sowie für die Veräußerung von Saatgut und Saatgetreide dtrrch zugelassene Händler. Auch kann die Gmehmigung zum Verkaufe selbstgezogenen Saatgetreides zu Saatzweckm Unternehmern anderer landwirtschaftlicher Betriebe, die sich nachweislich in dm Jahrm 1913 und 1914 mit dem Verkaufe von Saatgetreide befaßt Habens, ein- für allemal erteilt werden. In jedem Falle ist die Veräußerung, der Erwerb und die Lieferung vvn Brotgetreide zu Saatzweckm rmr gegen Saatkarte er­laubt. Will ein Landwirt Brotgetreide zu Saatzweckm erwer­ben, so mjuß er sich von dem Mmwunalverband, in dessen Bezirk die Alussaat erfolgen soll, eine Saatkarte muh dent vorgeschriebenen Muster ausstellen lassen. Nach Empfang der Saatkarte hat der Empfänger die Karte dmt Veräußerer, d. h. demjatigen, von dem er das Saatgut beziehm will, auszuhändigen. Letzterer hat dann bei der Versendung des Saatgutes die Saatkarte in der nach § 5 der Bekanntmachung vom 27. Juli 1916 vorgeschriebenm Weise zu benutzm und sie schließlich demjmigm Kommunal Verb and, aus dem das Getreide crusgeführt wird, einzureichen. Will ein zugelassener Händler Brotgetreide erwerben, um es zu Saatzwecken weiter zu verkcrufm, so bedarf er dazu zunächst einer Händler-Saatkarte für sich, deren Ausstellung er bei dem Kommunalverband zu beantragen hat, in dessen Bezirk sich seine gewerbliche Niederlassung befindet. Der Weiterverkauf ist nur an solche Käufer gestattet, die sich ihrer­seits im Besitz einer vorschriftsmäßigm Saatkarte befinden; außer­dem kommm als Käufer nach den Zulassungsbedingun- g e n nur Landwirte in Frage. Eine Weiterveräußerung an andere Händler ist also auch dann nicht zulässig, wenn sie selbst eine Saatkarte besitzen.

Uriegssorgen.

Beifolgender Brief an eine Dame wird uns zur Veröffent- lichung überlassen und von uns uM so lieber abgedruckt, als ev vielleicht auch manchem unserer Leser willkommene Aufklärungen bringt.

Sehr verehrte gnäd'ge Frau! Mit recht großmr Brauern entnehme ich hier in Meiner Klausnerei aus Ihrem letzten Schrei­ben, daß Sie und mit Ihnen weitere Volkskreise. ob der Drohung unserer Feinde, die deutsche Ernte durch Fliegerbrandbombm zu vernichten, in Sorge versetzt worden sind.

Wollen Sie mich nicht für nnhöftich halten, wmn ich Jhnm sage, daß ich diese Sorge für ganz unangebracht halte.

Bon den 540 000 Quadratkilometern Bodenfläche des Deutschen Reiches sind rund 25 Prozent Mft Wald bedeckt, 16 Pwz. liegm als Wiesen und Weidm nieder und rund 50 Prozent dienm dem Ackerbau. Wollen Sie, sehr verehrte gnäd'ge Frau, sich nun vor­stellen, daß diese etwa 270 000 Quadratkilometer Ackerland nicht etwa in einer Fläche, svnderit in buntem Gemisch mit Wald, Wiesen, Weiden, Wegen, Wasserlaufen uitd Siedelungen liegen und wollen sie weiter bedenken, daß diese Ackerstäche irur ettva zu 2 ,3 mit Getreide, zu etwa Hz mit Hackfrüchten (Kartoffeln, Rüben usioO sowie mit Futterpflanzen (Klee u. a. nt.) bestellt ist und daß diese Flächen wiederum in recht buntan Gemisch mit-, einander liegm, damt werden Sie verstehen, daß es für einen Flieger in vielleicht 1000 Meter Höhe reckst schwer sein wird, mit einer Brandbombe wirklich solche Flächen zu treffen, die durch Feuer vernichtet lverden können.

Mer, nehmen wir wirklich den schlimmsten Fall an, daß er dies doch kann, dann ist die Wirkung in den weitaus Meisten Fällen für den einzelnen Landwirt wohl recht schmerzlich, für die Allgemeinheit aber gänzlich unwesentlich.

Mlümowitz-MölUnüorff über den Dichter der Iliar.

Wenn Ulrich v. Wilamoimtz-Möllaidorff, der sich -über ein Jahrzehnt der homerisck)en Forschung gewidmet und auf diesem Gebiete bahnbrechend gewirkt hat, das Ergebnis seiner Studien in einem äbschließeTrden Werke der Oefsentlichkeit übergibt, ist das ein Ereignis, das nicht nur ftir die Fachkreise, sondern für alle Schichten des gebildeten deutschen Publikums von Bedeutung ist. .Hat sich doch das Interesse für die Homerfrage allgemein gehoben, fcitl>cm man inuc geworden ist, daß die moderne Forschung auf dem Wege ist. dan nun schion so viele Jahrhunderte alten Pro­bleme eine wirklich befriedigende 'Lösung abzu gewinnen. Seitdem d'Aubignac dem hierin die Priorität vor unserem Friedrich August Wolf gebührt die überlieferte Homerlegende zerstört hat, Tyrt sich die homerische Frage nach und nach zu einem beliebtest Tummelplatz philologischer Hypothesen artwickelt, die nicht immer des Geistes, wohlwber fast durchweg der gesicherten Grundlage ent­behrten. Rational wurde das Problem erst, als man sich entschloß, die historische Untersuchungsntethode in voller Strenge darauf an­zuwenden und gerade hierhin, sowie in der uuverrückl festgehaltenen Erkenntnis, daß ein Kunstwerk stets künstlerisch augeschaut und der standen werden müsse, liegcn die großen V er diätste des Berliner Gräzisten. Daß sein fei ber Wetdmannscheu Buchhandlung tn> Berlin kürzlich erschienenes WerkDie Ilias und Homer" nur der Ilias gilt, ist für jeden, aus diesem Gebiete auch nur einigernt aßen Unterrichtetat selbstverständlich, da die Odyssee be­kanntlich ein weit jüngeres und nur eben auf den Namat Homer üferschrtebenes Gedicht ist. Die Hauptarbeit, die Wilamowitz- Möllendorff in seinem Buche leistet, besteht darin, daß er^durch das Mittel umsichtigster und sorgsamster Interpretation des Textes die Schichten der Ilias eine nach der aitderen, mft den jüngstat beginnend, abträgt, so die einzelnat Bestandteile des Gedichtes sondert und ihr Verhältnis zueinander klarstellt. Das Ergebnis, zu dent er schließlich hierbei gelangt, ist, daß sich in unserer heuti­gen Ilias zwei große zusammenhängende Stücke finden, die aus den. Büchern 1 bis 7 und 11 bis 15 bestehen. In beiden Stücken' erkennt er denselben großen Dichter, der sich in der Charakteristik der Helden durch ihre Redai, vor allem aber in der Behandlung lder Götterwelt bekundet.Es sind die Szenen, welche dieser Dichter gemacht hat, in denen sich jene genußfrohe, von keiner! Moral gestörte Wunschweltmtsterblicher Menschen" mit all dent Zauber leuchtender Phantastik und sinnlichen Spieles offenbart/ zu der unsere großat Dichter ungestört durch die mangelnde Ehr­furcht mit geradezu sehnsüchtigem Auge emporgeblickt haben." In dem Dichter dieser Szenat steckt schon der ionische Geist der künfti­gen Wisi'ensckiaft, aber auch der der Freigeistevei. Als drittes großes Stück des Epos schließen sich dann die Heldatgesäuge Vorst Pa- tooklos uitd Achilleus an, und inbent Wilamowitz-Möllendorsf dem Tfthtcr des Achilleis inS Auge blickt, erkennt er auch an ihm we­sentliche Züge der Verlvandtschaft mit dem Dichter jener ersten Stücke Der Dichter der Achilleis ist also der Dichter der Ilias; freilich liegt die Achilleis nickst allein in einer lleberarbeititng, son­dern auch mit verändertem Schluffe vor. Denn unzweifelhaft hat

sie einst mit dent Tode des Achilleus geendigt, und erst ein späterer Dichter von bereits milderer Sinnesart hat die Erzählung von .der Lösung der Lackst Hektvrs an Stelle des Todes des Achilleus an ihren Schluß gesetzt.

Ueber die Entstehung des Gedichtes in Asien kann kein Zweifel herrschen, und was die Entstehungszett betrifft, so ist die Ilias vor 700 jedenfalls fertig gewesat. Um 480 nennt unser ältester Zeuge, Kallinos, zum erstat Male bat Namen des Homer, der also danach älter ist als !das siebente Jahrhundert. Ueberaus interes­sant ist nun das Ergebnis, zu dem Wilamowitz-Möllendorsf seine Studien über jenen Sänger geführt haben, der nur dttrch eine Mißdeutung des Hvutnus auf den delisckzen Apollon zu einem Blin­den geworden ist. Von den sieben Städtat, die sich um die Ehre seiner Geburt streiten, haltat vor der Joissenschaftlicken Analyse nur zwei stand: nämlich Kolophon und Smyrna, und in Wahrheit besteht zwischen ihnen kein Gegensatz, da Smyrna von den Kolo- phoniern in Besitz genommen worden ist. Wemt also Homer aus dem ionischen Sntyrna stantmt, so ist er Kolophonier, und damit ist dieser Widerspruch gelöst. Der ihm be^gelegte Name selbst ist als gebräuchlicher Name inschriftlick erwiesat, und so kommt denn Wilamowitz-Möllendorff zu dem Schlüsse, daß ait der Existenz eines Dichters Homaros oder Homervs von Smyrna nicht zu zweifeln erlaubt sei. Mlem Anscheine nach fet der geborene Smyr­naer Homeros aus Chios gelebt und gedichtet; für chiisch hält Wilamowitz-Möllendorff den Ursprung des Volksbuches, und danach würde die Lebenszeit dieses Homers mit der Entstehungszeit der Ilias zusammenfallen, also um 750 etloa anzusetzen sein. Und so ist das Schlußresultat, daß man den von der biographischen Ueber- lieferung gezeigten Homer beinahe nosivendig nftt dem Ilias- dichter zu idattiftzierat habe. Seine große Leistung war, daß er etwas weder vor noch nach ihm annäl>ernd Erreichtes, ein Ge­dicht in vielen Rhapsodien, ausreichend für eine lmtge Reihe von Vorträgen, gab.

Ties in gröbsten Umrissen einige der Hauptergebnffse des be­deutsamen, auch in seinen Einzelheiten überaus fesselnden Werkes. Homer, dessen Md einst die Forschung unbarmherzig zerflückt, ja zerstört hat, ist uns so durch die viel, aber mit Unrecht gescholtene Krftik am Ende in neuer Gestalt wieder geschenkt worden.

Eine Lese Maschine für Blinde. Die Ausgabe, den Blinden die getvöhnliche Druckschrift der Bücher und Zeftungeni lesbar zu machen, scheint jetzt durch dieBlindenlesemaschinc" ge-^ löst sein, die zwei Erfinder, Dx. Ries in Münchat und Max Finzeuhagen in Berlin, vollendet haben. Einer der beiden, Tr. Ries, macht über diese wichtige Erfindung imPrometheus" (Verlag Otto Spamer. Leipzig) nähere Mitteilung. Danach ist der Grundgedanke, mif dem die Blindenlesemaschsite von Finzen- hagen und Ries beruht, der, daß die Buchstaben in Bildpunkte zerlegt, die Bildpirnkte in Stromstöße umgesetzt wtb dadurch Tast- oder Reizvorrtchtungen betagt werden, die durch entsprechende. Reizungen der Finger dem Blinden die Buchstaben zum Bewußt-

Gestatten Sie wir wohl dnat,Vergleich heranzuzieheu. Fast alb- jährlich werden große Flächen unseres Vaterlandes von schweren Hagelschlägen und Wolkenbrüchen usw. betooffat. In garrzen Genreinden trnd Gewarkungen tvird die Entte fast ganz zer­stört. So z.B. iw Jahre 1912 im Kreise Büdingen. Auf die durch­schnittlichen Erntezahlen des Reiches madyt diese Störung kaum einen Eindruck. Die Gesamternte des Reiches ist, Gott sei dank, so groß, daß solche Störungen sie nicht nachweisbar beeinflussen.

Die von dem größten Flugzenggeschwader in öfterer Wiederkehr angerichteten Schäden können bei der schwerem Brennbarkeit des Getreides die durch ein einziges Unwetter itt einer Gegend angerich- richteten Schäden nicht erreichat rntd so dürften also alle solche Angriffe für die Sicherung unserer Bolksernährung als ganz belanglos gelten. Diese Drohung unserer Feinde ist ein Bluff, der vielleicht den Nichtsachverständigen erschrecken .kann, dew Sachverständigen aber nur ein Lächeln abnöttgt.

Zu miefttem großen Erstaunen ersehe ich weiter aus Ihren güttgen Zeilen, daß Man eine S a l z k a l a w i t ä t fürchtet mrd daß ärtgstliche Gemüter bereits die Salzl)auffterung eingeführt haben. Ich muß gestehen, daß wich dia'e Mitteilung in ein gewisses Erstaunen versetzt hat, obgleich ich mir während Weiner Tättgkeit in der Kriegssürsorge diese Gemütsbewegung glaubte abgewöhnt zu haben.

Da wir in Deutschland wohl ^nahezu die mächttgsten Salzlager der 'Welt haben, die etwa von Halle bis Hantrover und Lür^burg^ reichen, darunter die einzigen bis getzt abbauwürdig befundenen^ Kältsalzlager, so ist an eine Salznot imt jo iveniger zu ^denken, als wir auch über eine außerordentlich große Zahl von Soolguellen hi allen Tellen unseres Vaterlandes verfügen, aus deren Mutter­laugen wir ohtte weiteres mtferat ^Salzbedars durch Sieden decken könnten. Wollen Sie, verehrte gnäd'ge Frau, also jedes Bedenken in.dieser Hinsicht verlieren und.allenthalben dort, wo J'hneU solche begegnen, sie als unbegründet bezeichnen.

Bei Ihren Ausführungen icker die zu erwartende Salzknappheit verweisen Sie, mieine Gnädige, auf die Vorgänge bei der Zucker- versorgung und betonm, daß trotz aller ge-gentelligen Ver­sicherungen der Zucker doch zunt.Schlüsse sehr knapp geworden sei. ^ Der Vergleich schließt zweifellos manches.Richtige in sich, allein er ' hinkt wie jeder Vergleich. llnsa'e Zuckerversorgung wurde iw letzten Jahr durch zwei Monteute sehr ungünstig bocinftußt, eittesteils die durch die Ungunst der Witterung zurückgehenden Erträge und andernteils durch die im> Verhältnis zu anderen Rübenarten viel zu niedrigen Preise für die Zuckerrüben. Auch in dia'em Jahre werdat wir noch mit unter per Einwirkung dieser Verhältnisse stehen, imwerhin ist bei der zu erwartendat guten Zuckerrüben^ ernte anzunehmen, daß der Zuckervorrat per Ernte 1916 den Be­darf des Wirtschaftsjahres 1916/17 bei ^parsam^r Wirtschaft deckt. Eine tvirklich ausgiebige Zuckerversorgung dürste allerdings erst dann zu erwarten sein, wenn.der Preis für die Rüben entsprechend den Preisen der anderen Hackfrüchte und Futtermittel erhöht wer­den wird, so daß ein ausgiebiger Zuckerrübenbau wieder lohnend erscheint. Ein besonderer Erund zur Beutrruhigung liegt, wie Sie also auch hier sehen wollen, einstweilen nicht vor. Wir werden nichts zu vergeuden haben, aber bei sparsamer Wirffchaft auch keinen Mangel leiden, darüber glaube ich schon heute Sie, verehrte gnäd'ge Frau, Mit gutenr Gewissen beruhigen zu dürfen. Allerdings ist und bleibt die Voraussetzung für die Lösung aller dieser Fragen dieErziehungunseres VolkeszurZucht, Sparsamkeit und Ordnung.

9Loch immer begegnet man in unserer Bevölkerung recht hänfw einzelnert, ganzen Fawtlten, ja gcmzat .Kreisen in her e » ww niederen Stärcken, die glauben, die bitter nottvevt^e BÄarsK-. regelung. die seitens der Behörden hat erfolgen mAsßm, s« Mvj für die D umwen, die Gescheiten, die gingen nebenher und schlüpf­ten durch die Maschen des Gesetzes. Möge unser Volk nicht ver­gessen, daß der .Krieg der Prüfftein der Völker ist und daß mir fers Volk diese Prüfung besteht, das sittlich und wirtschaftlich reis und gut ist. Arm uitd reich, vornehm und gering tragen die gleiche Verantwortung vor Gott und dew.Weltgerichte, das einst m d« Geschickte über uns alle gehalten.werden wird.

Mit dan Wunsche, daß Sie, verehrte gnäd'ge Frau, uns hekfen möchten, Beruhigung, aber auch Aufllärung und Ermahnung rn alle die Kreise tragat zu.helfen, denen cs not tut, sckstieße ich diese Zellen, indem ich bleibe Ihr Iwcha^htirngsvoll ergebener

Klceberger.

sein bringen. Ter Blinde hat beim Lesen das Gefühl, als gLeibe ihm die Druckschrift iit Form einer großen, erhabenen Punktschrift unter den Fingern ländurck. Zwei wichtige Einzelheiten sind es< die diese Umsetzung des gedruckten Buchstabens in die Tastemptzn- d-uug ermöglichen. Es ist den Erfindern gelungen, das Elemsrt Selen in seiner graukristallinffchen Form sich dienstbar zu machat. Man weiß sckzon lange und hat dies auch technisch auszurmtzen gesucht, daß das Selen lichtempftndlich ist und je nach dem Grade der Beleuchtung dem elektrischat Strome geringeren oder größeren Widerstand entgegensetzt. Mellt schrvierig dabei tvar bis­her immer der hohe Widerstand, die Unbeständig fett und die Träg­heit: man Konnte den durch die Selatzellen fließenden Strom, besonders bei schwack>en Lichteindrücken, nicht zu größeren Arbefts- leistungen verwendat, feriter beeinflußte bisher eine jede Belichtung die Wirkung der folgenden. Ries und Fntzenhagen ist es Nun ge­lungen, ein von ihnen alsTifferentialrelais" bezeichnetes, seinem. Bau und seiner Arbeitsweise nach freilich nicht näher beschriebenes Hilsswerkzeug herzustellai. das die Blindenlesemaschine von den störenden Eigenschaften des Selens sveimacht und auf schwache Ein- wirkungai genügend stark anspricht, so daß cs die geringen Stwnt- schwankungen in der Selenzelle durch das Differenttalrelais aus einen stärkeren Stwmkreis überträgt, der die tveitere Arbeit leisten kann. Tie ganze Blindenleseniaschine besteht aus drei Hauptteilen, der optischen Anordnung mft den Selenzellen, dent Lesettsche und den elettrischen Einrichtungen. Durch ein Lfttsensystem wird vvn einem ganz schmalen Streifen der Lesesläche ein vergrößertes Bild entworfen, das aus 8 nebeneinanderliegende SelenzÄleu fällt. Si- lauge der Lichtstreisen die weiße Papiersläche trifft, sind die Selenzellen beleuchtet; geht ein Buchstabe durch den Lichtstreifak, so verdunkeln seine SchattenbiDer die Selenzellen tellweift. Wegen der verschiedenen Formen der Buchstabat nxebett raut zaveils verschicckene Gruppen aus deit acht Zellat verdunkelt, und bid dadurch veranlagte Veränderung des elektrischen Widerstandes wird aus einen elektrischen Stromkreis übertragen. Es sind dabei alld acht Zellen an ein und dieselbe Stromquelle dnvck» Parallele schalttmg angeschlossen; zede Selenzelle ist mit einem Differenttal- relais verbunden, an dem ein zweiter Stromkreis liegt, der außer einer kleinen Stromquelle eine Reiz- und Tastvorrichtttng enthalü Für den Betrieb aller Tastvorrichtungen ist wiederum nur eine einzige Stromquelle erforderlich. Tie Tast- oder Lesevvrrickfttntg besteht aus acht Verttesungen, in die der Blinde je euren Ffttger der beiden .Hände legt. Es ist mm Mfgafe der Reizvorrtckttmg tn dem Bltnden beim Vvrüberzieben der Bttchstabat vor den Lfttsen die Vvrsteldtng.zu ettvccken, als gleite ihm die Druckschrift in Form einer großen P-irnktschrift unter den Fittgern hinweg Z)ies wird dnrch Tasten in den Vertiesitngen erreicht, die bei Verdun­kelung der zugehörigen Selenzelle mittels eines Wektwmagneteck gehoben tverden und den Finger berühren. Mgenblicktich stich die Erffnder mit Versuchen bescliäftigt, die Lesemaschme dadurch Wetter zu veremsach'n, daß die 9lnzahl der Selenzellen aus fünt herabgesetzt wtrd, so daß auch jede Druckzette nicht in acht sondern nur in füns Telle zu zerlegen wäre.