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SVettes Blatt
O 6 . Jahrgang
Erscheint Ktzllch mir diuSnayme des Sonntags.
Die „Giehenrr §«m!!ienh!Ltter" werden dem „Anzeiger- viermal wöchentlich beigelegt, das ..Xreisblatt für den Ureis Kietzen'' zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- frage«" erscheinen monatlich zweimal.
General-Anzeiger für
Keitog, !,. August M«
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchea Nniversitäts - Buch- und Steindrucke«!
R. Lang e, Gießen,
Schriitleitung,Geschäftsstelle u.Druckerei: Schul» ftraße?. Geschäftsstelle u.Berlag:^E51, Schrift- leitung: ^ 4 K 112 . Adresse für Drahtnachrichten.- Anzeiger Gießen.
Kriegsbriefe aus dem Osten.
Telegramm unseres zum Ostheer entsandten Kriegsbericbterftatters.
(Unberechtigter Nachdruck, Mich auszugsweise, verboten.)
Die Schacht in Wolhynien.
Armee Linsingen, den 9. August.
Fast emr Woche lang waren die wütenden russischen Stürme ein« Ruhe der Erschöpfung gewichen. Es war nock) ein: standrgev Gesparmtsem an der Frmtt, ein Verschroben, Umgrupch««,dre Arttllerie kam nicht zur Ruhe, man wußte, daß nur ein Atemholen vor dem neuen Kampfe stattfand, aber die Lage hatte doch eine Woche lang den Sck^eiu des Stellungskrieges angenommen. Am 7 Aumcht fingen die Batterien Wied« Mi, zu schrnen, rm Atorgen- aralven des 8.'August setzten neue JnsantesieslüriM mft >er ganzen wolhynischen Front ein. Südwestlich von Luck der Zwinmeze wurde d« vorbrechende Angriff schon in lmserem Mtittmi^Sperrtzm« erstickt Im Raume von Szelwow hatten die Russen starke Kräfte massiert. Es gllaug den imM« erneut vorgetrrebenen Sturmkolo imen. einKudrrngen, ein GegAistoß wärs sie^ z-uruck. Vor der ftroTtt eines Regiments wurden 900 russische ^ote gezahlt, am oberen Stochod, bei Kieselin, gingen die Massen durch das von oen fristen Regengüssen fast unpassierbar gewordene SnMgelande vor. Stundenlang hätte die russische Artillerie tue fantscheu Stellungen bearbeitet, dann stürmlte die Jnfantene m sechs BMlen, Gruppen- kolonnen folgten. Die russischen Feldgendarme standen mtt Pett- fchen hinter den Stürmender, sie kamen bis zu dem Dato rns Wasser, die armen, tapf«err Mluschiks. arbeiteten ftch hoch und fielen in dem rasenden Sfarrfeii« der deutschen Mtrllerie, die eingeschossen war und jede Bodenfalte kannte Ten Rest sichelten die Maschinengewehre nieder, die Stürmer fameit nrcht brs an das Hrrü>ernis.
Wvdlich d« Bahn Kvwel-Rowno enllvickelten sich die Infant errekämpffe am späten Rackj,mittag: südwestlich Kuchary grift die russische Garde in wiederholten Stürmen an. Mari soll der Garde 'gesagt fabelt, Man risse ihnen ihre Garfaabzeichm von der Uniform, wenn sie nickst durchkämen. Es ist möglich, es rst^aber auch gleich, womit Rußland seine geduldigen und tapferen L>ohne in den Eiscnfagel der deutschen Batterien treibt. Kowel wird den Russen einmal wie ein Ungeheuer erscheinen, cut entsetzlicher Name, der von Hekatomben tot« russischer Soldaten sfwicht. Südwestlich Kuchary bis Rudka-Mirynsra steigerten sich die Llngrisfe gegen Abend. Es gelang deti russischen Wellen, in die Gräben zu tommen. In far Nacht vom 8. zum 9. wurde die Garde wieder aus dem (ienommenen Grabentell südwestlich, Kuchary geworfen, die blutigen Verluste der Russen iM Bchonettkampf und im Artillerie-Sperrfeuer waren sehr schwer, ein Offizier, 141 Mann wurden von deutschen und österreickstschmngarischen Truppen gefangen, ein Maschinengewehr «beutet. Oestlich Mielnica tvaren sckion am Abend alle Angriffe unter allerschwersten Verlusten Msammengebro chm. Vor einem Regimentsabschnitt wurden hier 800 Tote gezählt. Mrdlich d« Bahn Kowel—Sarny stürmten die Sibiren. Das erste sibirische Korps, das schon einmal iw März bei Postawy die eiserne Hindenburg-Mauer kennerr gelernt hatte und daiin völlig neu ausgefüllt werden Mußte, grift durch den Sumpf bei Zarecze und Stobychwa taps« an. Ter erste Angriff «folgte am LLbcnd, nach 8 Uhr, zwischen Zarecze und far Sanddüne von Zarecze auf einer Front von nur IV» Kilometer, bei zunehmend« Dunkelheit verbreiterte sich die ^lngrisfslfvont, und von Smolary bis Bol-Obzt)r tobte bald ein «bitterter Kampf. Nur am Zentrum der Sanddüne konnten die Stürmer Fuß fassen. Um 4 Uhr morgens wurde der 6. russische Dngrift abgeschlagen. Die Verluste des sibirischen Korps waren wieder ungewöhnlich^ Es klingt iMnter in den gleichen Worten von den kamst glaublich schweren russischen Verlusten, die hoch scheinbar das russische Menschenmieer nicht ausschöpfen. Es kam ein« in den letzten Kämpfen durch die Linien; er war nwnate- lang bei den russischen Truppen gewesen. Ein schirisches Regiment hatte noch 300 Mann Bestand gehabt nach den Stürmen von einer Wock-e, eine andere Kompagnie 34 Leute. Hinter der Front stehen die Rekrutendepots. Was vorn die Kanonen fressen, schiebt Rußland nach. Wie lange? Sie fragen nicht, klagen auch nicht, die Muschiks. Sie gehen ganz gut zuM Sturm. Vielleicht werden sie nur verwundet und haben dann Ruhe für einige Zeit, vielleicht auch fallen sie und haben dann Ruhe für iMm«. „Was sagen sie zur Zukunft?" Nichts. Sie essen ihr Brot, dulden Strapazen Mid Entbehrungen mit fast gleichgültigem Sinn, sind kräftig und geduldig. Tie Offizi«e sind streng, eine ganze Konrpagnie wurde gsohrseigt von ihrem Rottenführ«, weil sie nicht richtig da stand. 9hir bei dm älteren llnterosftzieven hört Man zuweilen die Worte:
Nach dem Krieg geben wir Misere Gewehre nicht ab, «st sollen dte Toutsch>en, die Deutschen in Rußland, die für alle Niederträchtigkeiten d« Intendantur alsl Sündenböcke gemailt w«den —, daran glauben, dann die Offiziere, alle. IM Lazarett sagte der Pope: „Meine Kind«, es steht gut um den Krieg." „Ja, für deinesgleichen," schrien die Vernmudeten, und ein Feuerwerker aus -Sewastopol prügelte den. Priester aus deM Saal. Tumpf, taps« Mid furchtsam rennen sie an, die „kleinen grauen Tiere", tere ste sich selber nennen, die Leichenhügel frißt d« wolhyirische SuMpf, der neue Ersatz stürmt. .. Deutsche Stämme, Oesterreich«, Ungarn, Polen halten die Mau«. Es ist erschütternd, ihren Widerstand zu sehen, ihre Stärke, ihre Güte, ihre Leiden, ihren Kampsstolz. lieb« die Riesen front sehen stählern die Feldherrnaugen Hindenburgs.
Rolf Brandt, Kriegsberichterstatt«.
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Die mexikanische Frage.
Amsterdam, 10. Mrg. (WTB.) Nach einem hiesigen Blatt meldet der Washingtoner Korrespondent der „Times", daß Wilson Carran'zas Vorschlag, eine gemischte Kommission auszustellen, um die mexikanische Frage zu erledigen, angenommen habe.
Krtegsbrlefe aus dem westen.
Telegramm unseres Kriegsberichterstatters.
(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten^'
Schwere Angriffstage.
Großes Hauptquartier, den 9. August
Vorgestern und gestern zeigte sich der Feind längs der ganzen Westfront äußerst tätig. An oer Dpernfront unternahmen wir einen erfolgreichen Gasangriff. An der Somme griff der Feind an vielen Stellen gleichzeitig an. So entstanden heftige Kämpfe bei Guillemvnt, bei Maurepas, in der Gegend von Clery, zwischen Tiepvcll und der Somme, beim Foureaux-Walde und bei Pozieres. Nirgends konnte der Feind einen entscheidenden Schritt vorwärts tun. An einigen Punkten gelang es seinen starken Kräften, in unsere Stellungen einzudringen, doch wurde er alsbald wieder daraus geworfen. Nur bei Clery und Pozieres ist der Kampf gegen die in das Dorf eingedrungenen Franzosen iroch im Gange und hat bereits dazu geführt, sie aus dem größeren Teile der von ihnen gewonnenen Gräben wieder hinauszudrängen. Restlos zurückgewiesen worden sind die starken französischen Angriffe an der Verdun-Front, tvv sie beim Berglvalde und beim Fuminwalde, südlich von Fleury und bei Lausfee mit bedeutenden Kräften und bei Dhiaumont dreimal hartnäckig angriffen. In der Champagne begnügten sie sich mit Feuerübersällen. Die beiden Kampfestage an der Somme und an der Verdun-Front gehören zu den heißesten des Krieges.
W. S ch eat e r m a n n, Kriegsberichter statter.
Aus Heften.
rb. Darmstadt, 10. Aug. Die Zweite Kammer wird für ihre voraussichtlich am 12. September beginnende Spatsommertagung eine große Anzahl von Beratungs- gegenständen ju erledigen haben. Den wichtigsten Gesetzentwurf, der sre beschäftigen wird, blldet die Vorlage über die Verlängerung der Landtagswahlmandate, in welcher dre Regierung, wie schon berichtet, nicht nur die Fortdauer der Gültigkeit der schon im Herbst 1914 abgelaufenen Mandate um ein weiteres Jahr beantragt, sondern gleichzeitig den Vorschlag macht, die iNandatsdauer der andern .Hälfte der Kammermitglieder, die im Jahre 1911 zum ersten Male auf Grund des neuen Wahlgesetzes in direkter Wahl gewählt wurden, und deren Mandat im Herbst 1917 ablaufen würde, um weitere drei Jahre (also bis 1920) zu verlängern Der Kriegs-(Wirffchasis-)Aus'schuß und der Finanzausschuß werden übrigens am 24. und 25. August wieder zu mehreren Sitzungen zusmnmeirtreten, um alte noch unerledigten Beratungsgegenstände für die Ptenarverhand- lungen der Kammer fertigznstellen. Wann der Gesetz- gebungsausschuß zur Beratung der varerwähnten Wahlvorlage Zusammentritt, ist noch' nicht bestimmt.
AivchlZche NachrrchLetu
Israetttifche Rellgionsgemeinde.
NotteSdienst in der Shnaaoge (Süd-Anlage).
S a in s t a a , den 12. August 1916: Vorabend: 8.30 Uhr. — Morgens: 8.30 Uhr. — Predigt. —AbendS: 9.05 und 9.40 Uhr.
Srrarlitische ReligisnrgefMchsft.
S a b b a t \ e i e c am 12. August 1916:
Freitag abend 7.50 Uhr. — Samstag vorm. 8.30 Uhr. — — Nachm. 4.0!) Uhr. — Sabbatausgang 9.40 Uhr. — Wochengottesdienst morgens 6.30, abends 8.00 Uhr.
Märkte.
fc. Wiesbaden, 10. Aug. Heu- und Strohmarkt.
Mau notierte: Heu, ueues, 5.00-6.50 Mk., Stroh altes 5.80 bis 0.09 Mk. Alles für 100 Kilo.
Witterungsbericht.
(O e f f e n t l i ch e r Wetterdienst.) r . Gießen, den 8. August ll)16.
Auch diese B«ichtswoche — 2. August bis 8. August — war durch gutes Erntewett« charakterisiert. Das etwas kühlere Wett« war insofern für den Landwirt günstig, als die Reife sich etwas langsamer vollzog; in d« vorigen Woche begannen nämlich bei d« -großen Hitze sämllick>e Geteeidcarteii so schnell zu reifen, daß es dem Laiidwirt umnöglich Aresen wäre, die einzelnen Fruchtarten lede rn ihrem richtiaen Reisestadrum einzubringen. Am Anfang dieser Berichtswoche lagen wir zwar in einem Hochdruckgebiet: von Nordwesten drang jedoch eine starke Depression ostwärts vor, die sich bis Freitag, den 4. August noch weiter verstärkte und im Norden von urrs wert« südöstlich nach Rußland hin abzog. Aus d« Grenze zwischen diesem nordöstlichen Tiefdruckgebiet und dem wesllichen hohen Druck herrschtear bei uns heftige Winde aus nördlichen Richtungen, die uns Bewölkung — zeitweise auch geringe Niederschläge — ünd starke Abkühlung, besoiiders bei Nacht, brachten. Während nämlich das Temp«aturmaximum in Gießm am Mittwoch, den 2. August -s- 27 o betrug, sank es nach dem Eiide der Woche zu bis auf st- 18 0, das Temp«aturMinimum von -j- 13 o sogar bis aus ~p / und dementsprecheird das Temperaturtagesmittel von >21 o auf ungefähr + 15°. Auch heute ist die Wetterlage rm allgemeinen dieselbe, wie am Anfang d« Bmichtswoche. Im Westen lagert hoher Druck, während inr Olten die Depression weiter nach Ru Wand hin abzieht. Auf d« Rückseite dieses abziehenden Tiefdruckgebiets gleicht sich über Deutschland hin d« hohe Druck inrm« mehr aus, so daß die Winde an Stärke ab nehmen, und die Tenipevv turen bei abnehmend« Bewölkung wenigstens bei Tage wiefar zu steigen beginnen.
Meteorologische veobachtungen der Station Gietzen.
Sonnenschest»
Regen
Höchste Temperatur am 9. bis 10. August 1916: -ft 86,1 0 C.
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Wetter
Niedrigste Niederschlag 0,7 mm.
9.
10 .
Müller'sche Badeanstalt.
Wasserwärme der Lahn am 11. August: 17- R.
war montenegrinische Prinzessinnen erzählen.
Zu fan Insassen des hübschen Reiiaissmice-Schlosses Merignac bei Bordeaux, das gegemvärttg die landflüchttge Königsfamilie von Monterregro beh«b«gt, gehören auch die beiden jmrgsten Töchl« Nikitas, die Prinzessinnen Lenia Und Vera, mit denen eine am«i- kauische Journalistin, Fräulein Cfatarine D. Groth, unlängst eine Uiit«haltting hatte. Beide Prinzessiirnen werden als ungewöhnlich« hübsch geschildert; es sind südländische Erscheinungen, jedoch mit broßen dunßslblauen Augen; ihr ganz« Typus eriiinert an den ihr« Schwester, d« Königin von Italien. Prinzessin Vera soll nicht weiiiger als neun Sprachen beh«rscheii, während Prinzessin Denia, die ältere d« beiden, nach deml Miister ihres Vaters literarisch tätig ist, doch hat noch keines ihrer Erzeugnisse das Licht d« Oeffentlichkeit «blickt. Es läßt sich begreifen, daß die beiden Prinzessinnen in der Unterhaltung mit ihrem amerikanischen Besuche, über die in „Politiken" ein B«icht erschieneti ist, d« >Trau« über ihr Schicksal Ausdruck gaben. Prinzessin Dcnia bezeillntete es als fürcht«lich, daß sie ihr Land .hätten v«lassen müssen, „ab« es wäre unserent Lande irur zum Schaden gewesen, wenn wir gebliebeii, und von den Oesterveichern gefangen genant men und als Kriegstrvplhäcn (!) nach, Wien gebracht worden ivären." Das Interessanteste, was die Unterhaltung bot, war die Schilderung der Flucht der mvntenegrinischen Wnigsscrmitie, die die Prinzessinnen Fräulein Gvoth eiitwarsen. Prinzeß V«a beschrieb ausführlich^ jenen Morgen, da sie mrs ihrem Fenster aus dem! Schloß in Cetinje nach dem voir den Oesterreichern beschossenen Lowtschen hinblickten. Tie Montenegrin« hatten zwar keine schweren Kanonen, doch der Lowtschen hielt sich. Sein Steilabfall nach her Festung hin war wit Schnee bedeckt und glänzte in un- b«ührteirtz.Weiß. Mit einem Male sah sie auf dies« weißen Fläche einen schwarzen Punkt. Sie griff zum Glase — es war der Feind! So y/ar denn d« Lawtsckien gefallen und der Weg jwdji Cetinje war offen. Ta mußten sie sehen fortzukommen, und es war keine Zeit mehr, um an das Reisegepäck zu denken. T« Augenblick drängte. Die Wnigirt war krank und mußte getragen rverden, der König ntiüde und verbrauchit. Es wür her sM« so viel be- spwchene achttägige WaffeirsMstand, der eS, woraus die Prinzessinnen kein Hehl ntachien, den Angehörigen des montenelrrinischen Königshauses erlaubte, sich nach Skutari und weiterhin nach Dalorm zu retten, )w der italienische Kreuzer sie abholen sollte. „Auf der ganzen Reise wurden wir von Fliegern p«folgt; die Bomben sieten rund uin uns, und iiirablässtg donnerten die Ka- mmen von der Küste in die F«ne. Während die Königür auf den Kreuzer überführt tvurde, explodierte eine Bombe so nabe, daß
sie ganz Mit Wasser bespritzt toiurde. „Hätte ste mich bloß getroffen und alles wäre vorbei," so weinte Meine Mutter — dermaßen traurig und kummervoll sah alles aus. ,,T« König, so schlössen die Prinzessmiieli ihre Erzähluiig, Verließ dann Skutari erst eine Woche später als seine Frau mtb Töchter, und nur ztvei Stunden bevor «die Oesterreicher cinrückten. Es hing nur an einem Haare,, daß er gefangen genomnten wurde. Prinzessinnen Xenia urid Vera erllärteii, daß sie sich im Schlosse Meriguae wohl und heimisch fühleii und daß die Bevölkerung sich zu ihnen sehr nett benehme — ab« freilich., der Gedanke an ihr Land, an sein Schicksal imd an« die vielen Freunde, von denen ste so lange nichts Mehr gehört haben, verläßt sie keinen Augenblick.
— Bismarck Und der Berliner Kurfürsten dämm: nach einer neuen BisMiarck-Urkunde.
Es ist bekannt, daß der jetzt so viel gencnrnte Kurfürstendamm, die Hauptader des rreuen Berliner Westens, als eine Schöpfung Bismarcks auzusehen ist, d« die Bedeutung der Herstellung dies« immittelbaren Verbindung ztvischen dem Westen B«lins und dem Gnmcwald mit weitem Blicke .vvrausgcsehen und für die H«- stellung dieser Straß-enanlage mit allem Nachdrucke sich eingesetzt hat. Pvschmg« hat eine Reihe von Densichriften und Eingaben« Bismarcks üb« die Angelegenheit veröffentlicht: in seinent Nachlasse hat sich jedoch noch Weiteres Material geftmden, das iM nächsten Hefte der „Grenzboten" zur Veröffeiitlichunq gelangt und woraus hervvrgeht, daß das Jitt«esse Bisrnarcks für diese bedeutende stadtbauliche Frage iwch weiter zurückreicht, als bish« bekannt war. Bisniarcks Anteil an der Angelegenheit wurzelte bekanntlich in seinen ganz persönlichen.Erfahruirgen: er hatte bei seinen gewohnten Morgeuspazterritten den Mangel der Reichshauptstadt an guten Reitwegen immer Wied« kenn« zu lernen^ Gelegeiiheit, und aus dieseii Erfahrungen ist sein bisher unbekannter Bericht an König Wilhelm vom 18. Mai 18ü8 hervvrge- gangen, der Ivohl das erste Zeugnis für Bismarcks Interesse an den,B«lin« StadtbaufvagkNi darstEt. Die i?teußernNg«i BisMarcks lauten:
„Meinein Dafürfalten nach wären folgende neue Reitlvefa besonders umnschenswert: 1. Längs d« Promenade an der Ticr- gartcnistraße von der Bellevuefdnrße bis MM Hofftiger. Es dürfte hierbei wohl kaum nötig sein, gute Bäume zu opfern, da dieselben gewandten Reitern kein Hindernis bieteir. 2. Ein Reitweg durch die svgenannten neuen Anlagm jeuseits Bellevue bis zum Schifs- sahrtskanal, da bish« d« T«l des Ttergartens zuHchen Bellevue, dem Charlotteuburg« Chaufseefause und dem Ächisfafatskanal
nicht einmal längs der Cfarlottenburg« EHMrssee einen durchgehenden Reitweg enthält. 3. Eine direktme Verbindung zwischen dem Ti «garten irnd dem Grunewald, in der B«längcrung des Kurfürstendammes direkt nach dem Walde und durch Anlage eines teilweise vorhcuideneu Wegs vvM Knie in Charlottenburg südlich von Cfarlottenburg nach Witzleben, resp. dem Uuterförster. T« Kurfurstendamrii führt bisher irur bis zum Cfarlvttenburg-Wil- mersdorf« Wege und ist der einzige weiche Weg dahin."
<. 2ahre 1868. Seitdem hat Bismarck aii dem
Gedanken des Llusbaues des KurfürftendamMes zähe festgchalten J'ml Anfänge der siebziger Jahre ist er in den Kampf um den Platt «ngetreten, den Grunewald als „Ausfallstraße" großen Stiles ; sein Gegner hierbei war die Kurzsichtigkeit und Schw«- falltgkett d« Birremikratte. Der Widerstand, aus den « stieß war w scharf, daß « seine Wünsche eist in den achtziger Jahren, in V«brndung mit dem Plane der Begriinduug der Kolonie Grüne- Durchsetzen konnte. So durfte er mit vollem Rechte sagen' „Den KursürstendaMm Und die Villcnkolonie Grunewald, die damit zaisammenhängt, habe ich ganz allein durchgekämpft. Ich kann wohl sagen, daß mir in dies« Sache mehr Schwierigkeiten bereitet wurden, als es durch sämtliche Diplomaten Envopas je geschehen ist."
, . ^iebermänn als Kopist. Im neuesten Hefte der bei Vrpno Casstr« tn B«ltn erscheinenden DLonatsschrift „Kunst irnd Künstl«" macht Max Liebermanns Biograph, Erich Hancke. mtevessante Mitteilungen über die Tätigkeit des Klinsllers als Kopist. Sie lreziefai sich auf Kopien von Frans Halch die Lieber- K^nn angeferttgt hat. Frrnrs Hals ist neben Reurbrandt d« Meister, dem Ltebermann seine fachste Verehrung widmet, und besonders ivurte er iM Jahre 1875, als er mit sich, uneins und einigermaßen entmutigt aus Paris nach Holland käm, durch die Toelenstücke des HaarleUter Meisters über.ms mmlftig augezogen. Damals salid er in Frans Hals „den Meister, dessen Köitneil jedes andere in den hatten stellt, den Anreger, der- ihm den Wcxt tveiseu konnte, den er zu gehen hatte" : UM sich dieser Mn st nach Möglichkeit zu beMächlttgen, begann « mit großem Eiftr nach den Therk« des Meisters zu kopieren. Heute ist von den Kopien, deren Anzahl sehr groß gewesetr sein Muß, mrr das crhalterr, was Liefarmanii selbst oder seine Vertvandten ausbewafat haben. LiÄxrmann fat keines der Bild« im ganzen kopiert, sondern nur einzelne Stücke, die ihm besonders geftelen. In seinem künstlerischen Säwften ist der unmittelbare Eiilfluß dieser Kopien von der „.Meinten der stütze' bis zu „Jesus unter den Schristgelehrten" deutlich lvalirzunelnueu, und noch jetzt wirft Liebennatui öft«s aut die Frans .Hals-Kopien in sein« W«kstatt einen Blick oder stellt sie gar neben feine Arbeit, loic um sich zu vergeimss«n, ob er auf denr rechten Wog ser^


