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1.8.1916 Zweites Blatt
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HL |78

Svettes Vlatt

M. Zahrgang

des Ss»mt»gs.

Die .Fietzeser K«»Me«düUter " werden dem »An-ager^ »«rmai wöchentlich beigelegt, das Kretrbl«tt fßr de« KwH Netzen' zweimal wöchentlich. Die .^«övmchchchtljche« -eit- tr«-e«^' erscheinen monatlich zweimal.

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberbejien

Viemtag, \. AuMst ^6

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchea v.nioersitäts - Buch- und Steiudruckerei.

R. Lange, Gießen«

Schriftleitung,Geschäftsstelleu.Druckeret: Schul» straße?. Geschäftsstelle u.Berlag:^E51, Schuft- leitung: ^SK112. Adresse für Drahtnachrrchteru Anzeiger Gießen.

Uriegsschiffsverlufte. Handelskriegerfolge. völkerrechtsverletzMgen feit Ariegsbeginn.

Kriegsschiffsverluste: (Limenschrffe, Panzer-, Geschützte und Kleine Kreuzer).

England und seine Deutschland und seine Bundesgenossen Bundesgenossen

Wasser- Wasser-

Zahl Verdrängung t Zahl Verdrängung t

1. Kriegölahr 27 296 930 20 109 321

2. r 22 _ 266 320 10 82 210

insgesamt 49 562 260 30 191 631

davon England allein Deutschland allein

40 486 220 26 162 676

Die englischen Berkrste setzen sich zusammen aus 11 Linienschiffen, 17 Patyzerkrenzenn, 12 geschützten Kreuzern. Bei den 11 Linienschiffen fintb mrtgerecynet der von der britischen Admiralität bis heute noch nicht bekanntste ge bene Verlust desAudacious" sowie der Verlust eines Schiffes derQueen Elizabeths-Klasse. Bei den Panzerkreuzern sind mrtgezäsitt der von den Engländern noch heute be­strittene Verlust desTiger" sowie eines Panzerkreuzers derEressy-"-Klasse, dessen Sinken in der Nacht vom 31. Mai zum 1. Juni fast von der gesamten deutschen Hoch­seeflotte festgestellt worden ist, bei den Geschützten und Kleinen Kreuzern 2 in der Seeschlacht vor dem Skagerrak gesunkene Kleine Kreuzer. Im übrigen, sind nur die von den Engländern selbst zu gegebenen Verluste tu Anrech­nung gebracht.

In dem verflossenen Kriegssahr (gerechnet vom 1. 7.15 bis einschl 30.6.16) sind durch kriegerische Maßnahmen der MrLtelrnächte ferner insgesamt 879 feindliche .Handelsschisse mit 1816 782 Br. R. T. verloren gegangen. Insgesamt sind seit Krieasbeginu bis zuin 30.6.16 durch kriegerische Maß­nahmen oer Mittelmächte 1303 feindliche Handelsschiffe mit 2 574 205 Br. R T. vernichtet worden, w-ober die in den Häsen der Mittelmächte beschlagnahmten feindlichen Han­delsschiffe nicht mitgerechnet sind.

Während im ersten Kriegssahr insgesamt 20 nachweis­bare Verletzungen des Völkerrechts durch feindliche Handels­schiffe (Feuern aus deutsche Unterseeboote, Versuche, sie zu rammen usw.) begangen worden sind, waren im zweiten Kriegsjahr 38 solche Mille zu verzeichnen. Insgesamt haben die Handelsschiffe der Alliierten rn den berden Krregssahren also nicht weniger als 58rual nachweisbar in grober Weise di« Regeln des Völkerrechts gegen unsere U-Boote verletzt

Bon den Kriegsschiffen der Feinde Deutschlands ist im Laufe des Krieges insgesamt dreimicü das Völkerrecht in besonders schwerer Weise verlebt worden. Es sind dies die FälleKaiser Wilhelm der Große"/Dresden" undAlba­tros"'. Nicht nur als Bruch des Völkerrechts und als ein Bruch mit den einfachsten Geboten der Menschlichkeit, son­dern als gewöhnlicher Mord müssen die beiden Fülle ,^öttra- tong"' undKrug Stephan"" bezeichnet werden.

Nicht zusammen stellen lasfien sich die zahllosen Fälle, in welchen englische Kriegssthiffe uiiter Bruch des Völkerrechts gegen Handelsschiffe der Mittelmächte und gegen Handels­schiffe der Neutralen vorgegangen sind.

Als Gesamtergebnis der beiden Kr«»Kjahre ergibt sich für die Motte Englands und seiner Berbinideten «in nicht wieder gut zu machender Verlust an Material und an Prestige.

Dieser große, zu Beginn des Krieges wohl dort niemand erwartete Erfolg der deutschen Motte und der Svestrect- kräfte der Verbündeten Deutschlands muß um so'höher ge­wertet werderi, als die Gesamtstärke der Deutschend und seinen Verbündeten gegenüberstehenden seindlictzen Motten zu Beginn des Krieges in fertigen und im Bau befindlichen Schiffen aus nicht weniger als 443 Kriegsschiffen von

5428000 Tonnen Wasserverdrangung bestand (ungerechnet Hilfskoeuzer, Torpedobootszerstorer, Unterseeboote und sonstige bewaffnete Fahrzeuge, von welch letzteren England allein weit über 2000 in Dienst hat). Die gleichartigen Seestreitkräfte Deutschlands und [einer Verbündeten be­trugen hingegen bei Beginn des Krieges nur 156 Schiffe mit 1651000 Tonnen Wasserverdrängung.

Einem Zi/smal so starken (Gegner brachten also die Mittelmächte bisher fast genau dreimal so starke Verluste allein an großen Kriegssahrzeugen bet, als sie selbst erlitten.

Kriegsbriefe aus dem Osten.

Telegramm unseres zum Ostheer entsandten Kriegsberichterstatters, (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Kümpfe in Wolhmnev.

Kowsel, 29. Juli.

Mit frisch aufgefüllteu und seit einiger Zeit neu heran­gebrachten starken'Kräften haben die Russen ihre Angriffe in Wolhynien wieder aufgenonrmen. In der Nacht vom 27. zum >28. setzte die russische Artillerietätigkert zu beiden Seiten der Bahn KowelSarny ein, um sich von morgens 5 Uhr an zu erheblichem Feuer zu verstärken. Die Stochod-Stelluugen bei Sitowicze, westlich Hulewicze und der gesamte Streifen von der Bahn bis Srnolary standen unter lebhaftem Feuer, dem das Vor fühlen stärkerer Aufklärung spatrouillen, die abgewiesen wurden, folgte.

Etwas später begann südlich der Bahn KowelRowno sehr kräftige Artilierievorbe-rertung, nach der Massen- angrifse mit besonderem Nachdruck auf die Front Jasie- nowka-Trvsten angesetzt wurden. Die russische Garde, die seit Monaten geschont war und selbst bei den großen An- grisfsschlachden nur immer in Reservestellung gestanden hatte, wurde in den Kampf geworfen. Es entwickelten sich hartnäckige Gefechte, die noch nicht abgeschlossen sind, ebenso wie die heftigen Kämpfe weiter südlich. Südwestlich von Luck bei .Kolonie Pustomyty wurde uchererseits eine Höhe gestürmt, die die deutsch-österreichische Front ver­besserte, und bei Zwuriacze wurde in größeren Parrourllen- nnternehmen ein Maschinengewehr erobert und Gefangene gemacht. Das Wetter ließ der Miegertätigkeit bei diesen neu entbrannten schweren .Kämpfen viel Raum. Unsere Flieger schossen den Bahnhof Rozhzoze, au s dem die Russen Aus­ladungen Vornahmen, in Brand und zerstörten alle Anlagen gründlich, zwei russische Mieger, die hoch gingen, wurden dabei abgeschosfen und stürzten nieder.

*

Jp der Nacht zum 29. wurden die Stellungen nördlich Kieselm rn die allgemeine Stochod-Lnne zurückgenommen. Die Russen gingen nur zögernd geoxen die Hauptsteltung vor, so daß sich in dem Kampfraum südlich der Bahn Kowel Rowno keine weiteren Kämpfe im Laufe des Tages entwickel­ten. Zu beiden Seiten der Bahn KowelSarny dauerten heftige Angriffe fast den ganzen Dag über an. Südlich des Stochod-Knies zwischen Padalawska und Porskase-Wolka gelang es den Missen, bei Morgengrauen in die Gräben ein- zudrrngen. Ein Gegenstoß warf sie um 6 llhr morgens wieder zurück. Bisher wurden 3 Offiziere und 223 Mann als Gefangene gezählt. Die russischen blutigen Verluste waren außerordentlich schwer Auch nördlich des Stochod- Knies warf ein getungen-er Gegenstoß die Russen, die bei Zaresze eingedrimgen waren, mit schweren Verlusten wieder Herairs. Im ^tochod-Knie sind Kämpfe im Gange. Alle übri- gen Angriffe brachen schon vor oder in den Hindernissen im Artillerie-Sperrfeuer, Maschinengewehr- und Jnfanterie- jeuer zusammen.

Rolf Brandt, Kmegsberichterstatter.

* * *

K o w e l, den 30. Juli.

Während nach den heftigen Kämpfen vom 28. Juli an dem Stochod-Froutteil südlich der Bahn KowelRowno bis

- M.j«r»!

etwa Kieselin gestern, wie gemeldet, Ruhe herrschte, gingen die Russen gegen die Front bei Kieselin selbst mit außer­ordentlich starken Massenangrissen vor. Nach heftiger Artil­lerievorbereitung stürmten sie in immer neuen Kolonnen gegen die in heldenhafter Festigkeit ausharrenden Truppen an. Zwanzig Wellen tief, sogar in Gruppenkolonnen, gingen die Angreifer vor, um den Durchbruch, wenn auch mit höch­sten Opfern, zu erzwingen. Gegen Spätnachmittag ließen sie Kavallerie anreiten, die schon von unserer Artillerie blutig zusammengeschossen wurde. Neue Jnfanteriestürme folgten, die auch nachts nicht aussetzten. Sie sind alle unter auch in dieser opferreichen Kriegshöhe selten schweren Verlusten ab- gewiesen worden.

Auch im Südwcften von Luck entwickelten sich starke An­griffe, die zu Handgranatenkämpfen führten. Sie blieben er­folglos imb opferreich für die russischen Stürmer.

# Im Stochod-Knie wurden die Stellungen auf die Höhe bei Wielick zurückgenommem In den Kämpfen bei Zarzecze, nördlich der Bahn KowelSarny, wurden die über den Sto- chod gedrungenen Russen zurückgeworfen, etwa 200 Ge­fangene gemacht. Die ersten Tage der neuen großen Schlacht in Wolhynien haben, um dies zusanrmenzufassen, den Russen wieder ungeheure Opfer gekostet, ohne ihnen andere als kleine örtliche Vorteile einzubringen. Die Stimmung der deutschen Truppen, zu denen ich an die Front kam, westlich Hulewieze und bei Swrdmki, war ruhig und zuversichtlich, trotzdem heiße Tage bevorstanden und bevorstehen, und die Verhältuisse, unter denen sie starker llebermacht trotzen müssen, nicht leicht sind.

*

Die Artillerietätigkeit dauerte den ganzen Tag an, sie war besonders lebhaft in dem Abschnitt nördlich der Bahn KowelSarny; bei Stobychwa folgte nachmittags ein An­griff, der bis in die Gräben gelangte. Ein sofort angesetzter Gegenstoß säuberte das Grabenstück und brachre über 300 Gefangene, darunter 3 Offiziere. Die Gesangenenzahl nn ungefähren Abschnitt zwischen deu^ Bahnlinien Kowel Rowno und KowelSarny und bis Stobychwa ist damit seit gestern aus etwa 1000 Mann und 9 Offiziere gestiegen. Drei Maschinengewehre wurden erbeutet. An der Front südlich der Bahn KowelRowno setzte die Artillerie den ganzen Tag über kaum aus. Nördlich der Lipa wurden Angriffe, die kräftiger vorgetragen wurden, nachmittags abgeschlagen. Alle Gesangenenaussageu bestätigen bie Verluste der Russen in diesen drei Kampftagen als außerordentlich schwer. Selbst wenn man von solchen Aussagen die durch niedergeschlagene Stinrmung und persönliches Mißgeschick leicht mitlaufenden Uebertreibungen abzteht, bleibt der Eindruck, daß die Ver­luste der russischen Armee in Wolhynien wieder ungewöhn­lich ftrtb Eine einwandfreie Zahleneingabe mag sprechen: bei Sienswka «.nördlich Kieselin) wurden vor der Front eines unserer Regimenter tausend Tote gezählt.

Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.

Gedenket der Seburtstagrspende sür'r Rote kkreuz"!

Universitäts-Nachrichten.

= Frankfurt a. M., 31. Juli. Jur Winterhalbjah» 1916/17 der Universitär Frankfurt. das am 16. Oktober 1916 beginnt und am 15. März 1917 schließt, werden in den einzelnen Fakultäten als Lehrer tätig sein: 55 ordentliche Professoren, 9 ordentliche Hvnorarpvosesfvren. 10 außerordentliche Professoren. 3 außewrventlrche Honorarprofessoren, 39 Pvivatdozenten, 19 be­auftragte Lehrkräfte, 5 Lektoren und 3 Lehrer der Künste und Fertigkeiten: insgesamt 143 Lehrkräfte.

Breslau, 31. Juli. WTB > Die ..Breslauer Zeitung" meldet: Gestern starb der Gehermx Medizrnalvat Professor N r e ß e r, der im Jahre 1907 zum ersten ordentlichen Professor der Dermatologie in Deutschland ernamrt worden war.

Neue «rirgsbiltzer in den berliner Ztratzen.

Uns wird geschrieben: Seit dem 1. August 1914, seit jenem Tage, an dem man zum ersten Male in den Straßen Berlins große und kleine Kriegswirkungen beobachten konnte, seit den. Tagen, da die Mvbilisietungskurrdoiachuri gen und Kriegs erlasse die Litfaßsäulen, Mauern und Bauzäune bedeckten, dir irüher blauen ^Soldaten feldgrau wurden und die frisch grau lackiert eit MütLrantos die Privatkraftwagen verdrängten. seit jenen ersten Tagen erster, i:ü>irekter Kriegsbilder daherm, haben wir Uns fängst an die neuen Bilder im städtischen Lebert gewöhnt, so daß sie ims heute fast so selbswerständlich erscheinen, als lväre es überhaupt niemals anders gewesen. Den Kriegsetläsfen folgten die Ankündigungen auf dem Liebes^gabemnarkte, die Schaufenster erhielten durch zahllose Gebrauchsgegenständc fürs Feld ein neues Aussehen, die guoßen ratternden Autobusse verschwanden aus vielen Stadtteilen, gleichwie der Luxusomnibus vom .Kurfürstendamm Abschied nehmen rmrßte Lveitdem ist von den friedlichen Kriegs­bildern soviel ^gesprochen und geschrieben >vorden, daß man oft annehmen mußte, es gäbe hierüber nichts Neues mähr .zu sagen.

Aber der Krieg dauert fort, llrtb im selben Maße werden auch daherm neue Krieqserscheürungen produziert, an denen der ge­wissenhafte Chronist nicht ohne ein Wort der Betrachtung Vorbei­gehen will

i Der Aufschwung des Weiblichm zu Ntänulicher Berufstatigkeft ist aegenwärftg eine der charakteristsschsten Erschermmgen in der Oessentlichkert des Straßenlebens. Zuerst nahmen die Frauen in ihren schmucken Betriebs»nisl7nmen von dem Reiche der Stadt- und Untergrundbahnen Besitz. Sie begannen mit dem Billettknipsen. Aber ihr Ehrgeiz n>ar großer, nne auch der Mangel an Beamten männltchen Geschlechts weiterhin zunahm. Bald erschienen die Jtmien in Pluderhosen auf den Bahnsteigen, um auch hier in ver­antwortlicherem Dienst ihres Amtes zu walten, sie erobetckon als Schaffnerinnen die Hintere Plattform der elektrischen Straßen­bahnen und zeigen nunmehr seit geraumer Zeit auf der vorderen Plattform ihre .Künste als Motorki'ihrerinnen Der neueste tveib- siche Kriegsberuf jedoch ist der des Postillions. Immer häustger erblickt man die großen gelben Postwagen, aus dererr Bock weibliche .Kutscher thronen, die die Zugel nicht nürrder stramm zu halten missen, als ihre stärkeren Vorgänger Und in einer Zeck der Feld- ^vftbriete. in einer Zeit, da im Verlauft einer Woche mehr und echtere Warte der Liebe geschrreben werden. ,u: sricher tm Bet laus eines Monars, erscheint es fast ats Spmbol, daß die Briefe und Larteu von werblichen Postillions befördert, von tveMichen Boten ausgerragen werden. Ja. wahrhaftig, wenn wir nicht mck

Frankreich Krieg führten, konnte "Man gewissermaßen bon einer Veavirklicdung des sprichwörllichQiPostillimc b'amour" sprechen!

Aber Frau oder Fräulein Postillion ist nicht die einzige neue Berliner Kriegserscheinunq. Berlin hat noch einen anderen Kriegs- goft erhalten, ber wohl auch im Frieden verbleibeic wird. Er sst eigemlich englischen Ursprungs ober zumckchest in England am längsten populär, woraus man ersehen kann, daß wir nicht so starrmrnig oder chauvmrstisch sind wre ltun ja, roie andere; Leute. Es ist ein stummer Gast. MilchtsdZtc>w?Niger ist er keines­wegs so bescheiden, sich im Gewühl zu verstecken: er thront ganz im Gegenteck nupestatisch über dem Getvimmel. Am Potsdamer Platz ist das erste Exemplar seit einigen Tagen in offtzieller Pracht zu sehen: es ist der Khakrhelm... der Khakihelm des preußischen Schutzmannes. . .

Nicht etwa ein Beutestück aus Flandern oder von der Somme. Nein eigenes Fabrikat, bitte sehr, gÄiesert von der Berliner Stadtverwaltung.

Ob die Polizei bie allgemeine Einführung des Schutzmann- Khakihelms zur ^>omn«rzeit plant, damit unsere Gegner, dft soviel von uns gelernt haben und lernen, auch einmal eine kleine harm­lose Freude haben können, ist nicht zu ersehen, aber kaum wahr­scheinlich! Mit weit mehr Wahrschernliichkeck kann man als'llrsache dieser slLeuermrg hie Einsicht betrachten, daß den Schutzleuten rn den heißen Monaten erne ß)lche Kerne Ertelchterrcng und sommerliche Färbung wohl zu gönnen ist.

Wie immer dem aud> sei, ber erste Schutzmann tm Khakihelm Äft nunmehr geboren, und tver ihn mit eigenen Augen sehen will, möge sich gefäkigst zum Potsdamer Platz begeben, wv der Khaki­helm auf einem preußischen Schutzmannshauvt den preußischen Wagenverkehr dirigiert

Auch aus^dem Gebiete der Kriegshlakate ist eine Renernng zn verzeichnen. Seit einiger Zeck haben die.verschiedenen Levensmittel- C hord en und volksmrrsschaftUchei! Ausschüsse sie Kunst der Plnkai zeichner zu Hilfe genommen. So kann man. während man aut einen Zug der Hochbahn Iva riet, ein wahres Prachtidhll wunderiarbig gemalten Obstes erblicken, mit der fteundlichen Mahnung!Sam­melt Obstkerne! KriegSousschuß für Oele und Fette/"

9£mt ia, wir haben gelernt, daß auch das Sammeln eine höchst praktische Kviegsübung fern kann... A. B

i Eine,-ni s che Schauspi el erin auf dem Kriegspfadc. Das Tagesgespräch von Kopenhagen bildet gegenivartig, wie man uns von dort schrecht, die Fehde, die Frau Betty Na^nse^,^bekanntlich eine der ersten und geziertsten dänischen Bühneiiförrittenimen der Gegenwart, gegen einen dortigen

Bühnenleiter, ja gegen das moderne Bühnenwesen überhaupt, eingeleitet har. Frau ^Nansen, die kürzlich erst von einer großen Amerika fahrt zuruckgekehrt ist, wurde leidenschaftlich erregt durch die Nachricht, daß das 'Dagmarrbeater. das gegenwärtig Direktor Hosynonn lecket, in die Hand des Direktors Skaarup übergehen soll, der damit die neben dem Königl. Theater in Betracht kommender Kopeirbagaier Privatbiihnen so ziemlich monotwsssieren würde. Das Dagmartheater bat seit Jahrzehnten in Kopenhageik die Psiegstätte moderner Bühnendichtung gebildet, und mich der Rulnn Frml d^asens ist imt ihm eng verknüpft. Von der Neuordmmg der Dinge befürchtet sic den Ruin der alten Ueberlieserung, und um das Kind beim rechten Namen zu nennen, so ist es das Uebcr- wuchern desTheatergeschäftes" über alle kiinstlerischen Rück sichten, was sie besorgt macht. Sehr tentperamentvoll lxit sie sich össentlieh gegen die Pläne des Herrn Skaarup geivandt und den Warnruf ausgestoßen, daß, wenn sie zur Wirklichkeit tvürden, mun hinter das Dagmartheater und seine Gsschichte ein Kreuz nurchen müsse. Eckte Fülle von Enmderungen, Meinungsäußerun­gen und Erklärungen aller Art bildeten das Eäw der iwn Frar ^nsen geblasenen Fanfare, deren Wirkung Direktor Hvsftnann besonders durch die Mitteilung abzuschwächen versuchte, daß die Künstlerin selbst ihm vor einiger Zeit augeboten habe, als Teck- habertn mit ihm gemeinsam das Dagmartheater fortzusuhren Inzwischen aber hat die Eittwicklung dr'r Sache Fran Nansen zu wetteren Aeußerungen gereizt: sie ist zu einer Kritik des modernen Theaterwesens überl)aupt übergegangen und har der Acktt lwhabt, eine sehr sreivckckige Kritik an dem Theaterpublrkun von heut zu üb«r. Das Publikmil von heut kaufe nämlich Plätze zu doppelten Preisen nicht etiva um zu sehen, sondern um ge­sehen zu werden.Dies Publikum nuuht sich mit der anmaßenden Frechheit des Entporkömmlings über alles lustig. Unter (>eul und Gebrüll verlangt es die Fimu der Lireersses. auf die es eingestellt ist." Die ^chauspftler würdeii. so meint Frau däntsen. bald nur noch die Wahl haben, sich als Lustspringer zu Produzieren oder sich überhaupt von der shm)t zurückzu ziehen. Man kau sich vorstellen, welch ungeheures Aufsehen diese ckrimütigeu Acuße rungen, zu denen sreckich das Kopvihageuer Bitbirenlcben von Heu; nur zu viel Ülnlaß bietet, in der dänischen Haupy'tadt und weil über ihre Grenzen hinaus erregt habeii Die Spalten der Zcckuu.pui hallen von dem Kampfe Frau Nansens und ihrer Gegner >»uV' üub im ganzen skandinavischen Norden wird dreß

Thoaterfehdc lebhaft besprochen Ob aber die ideale Ge> sinnuiig der Künstlerin gegenüber dem utaftruen Block der (V s chä ftsinteressen mehr aus richten wird, als der lwchgesuinte Üsitter Don QuiMe im Kampfe geg«ui dte Wiiidmühlen, das bleibt dem Kemter der VerhÄtwsse doch mehr als ftaglich.