Ausgabe 
17.8.1916 Erstes Blatt
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ES war mir ein großes Vergnügen und eine große Genügt tuung, während der vergangenen Woche bei meinen Armeen zu , weilen. Ich kann selbst über Eure glänzende Kriegsversasfung urteilen und über den Geist voll froher Zuversicht, der alle Dienst­grade beseelt. Die jüngst beschlossene Offensive wurde seitdem Tag und Nacht aufrecht erhalten. J<h hatte Gelegenheit, einigen Sjeroi der letzten verzweifelten Kämpfe beizuwohnen und in schwachem Umfange die Anforderungen abzuschätzen, die an Euren Mut und an Eure physische Ausdauer gestellt wurden, um die während der letzten zwei Jahre vorbereiteten und bis zuletzt hart­näckig verteidigten Stellungen anzugreifen und zu nebmen. Ich geivann die Vorstellung nicht nur von einem glänzenden Werke, das in unmittelbarer Berührung mit dem Feinde getan wurde, wndern auch von der gewaltigen Organisation überall hinter der kämpfenden Linie. Es ist dies ein Beweis, daß alle Männer und Frauen an ihrem Teile daran Mitwirken, und ich freue mich zu denken, daß ihre edlen Anstrengungen von Herzen durch alle Klassen in der Heimat unterstützt werden. Ich glaube nicht, daß ich und Eure Landsleute die schweren Opfer vergessen, die die Armeen gebracht, sowie die Tapferkeit und Ausdauer, die sie während der letzten zwei Jahre bitteren Kampfes bewiesen haben. Diese Opfer waren nicht vergebens. Die Waffen der Alliierten sol­len vriemals niedergelegt werden, bis unsere Sache triumphiert.

Eine französische Militärkrikit.

B e r n . 16. Aug. (WTB.) Oberst R o u s s e t führt imPetit Parisien" aus: Wenn man in den letzten acht Tagen Gelände von kaum einen Kilometer Tiefe und sieben oder acht Kilometer Breite gewann, so könne man von gewissen Lehrten hören, das sei herzlich wenig. Das sei ja nun richtig. Es handle sich aber auch garnichi darum, den Deutschen den französischen Boden Schritt für Schritt wieder abzunehmen: denn das wäre eine endlose Arbeit. Man wolle nur den Feind mit allen Mitteln schwächen, moralisch bedrücken und materiell lähmen, um ihn. wenn der Dag dazu gekommen sei, auszureiben. Man müsse allerdings zugeben, daß die Abwickelung der .Kriegsereignisse im gegenwärtigen Tempo in Frankreich unge­duldig mache und sogar entmutige.

Die englische Anleihe in Amerika.

New York, 16. Aug. (WTB.) Meldung des ReUter- schen Bureaus. Nach einer offiziellen Mitteilung ist der Abschluß der neuen Anleihe im Betrage von 250 Millionen Dollars an Großbritannien in mentHen Tagen zu erwarten, wein: die gegenwärtigen Pläne nicht noch verzögert werden. Aus nichtoffiziellen Berichten geht hervor, daß die Anleihe für zwei Jahre zu 5 Prozent abgeschlossen wird.

* * *

Der türkische Bericht.

Konstantin opel, 15. Aug. (MDB.) Bericht des Häupt- guartters.

K a u k a s u s f r o n t. Auf dem rechten Flügel vertrieben un­sere Truppen feindliche Erkundungsäbteilungen, auf die sie stießen, und in einigen Engpässen auftauchende, mit ihrer Verschanzung be­schäftigte Abteilungen. Das weitere Vorwärtskommen ist dadurch leicht. Im Zentrum und auf dem linken Flügel im Küstenabschnitt nur Patvonillenscharmützel und manchmal örtliche Feuergefechte.

Auf den übrigen Fronten keine Unternehmung von Bedeutung.

Der türkische Bormarsch in Persien.

Konstantinvpel, 15. Aug. (WTB.) Tie Blätter weisen auf die große strategische Bedeutung der Besetzung vvn Hama­tz a n hin, des Kreuzungspunktes der Hauptstraßen Persiens, der die Wege nach Teheran, Kasmin und Täbris beherrsche. Tie türkischen Truppen hätten aus diese Weise nicht nur endgültig den Plan der Bereinigung der Engländer mit den Russen ver­eitelt, sondern würden die russischen Verbindungen bedrohen, be­sonders dann, wenn es ihnen gelänge, zwischen Kasmin imd Täbris nach Teheran vorzudringen. Die Entfernung von Teheran nach -Täbris beträgt 550 Kilometer, während die Entfernung von Hamadan nach Teheran 320 Kilometer beträgt, die von den Türken rascher zurückgelogt tverden könnte als russische Verstär­kungen von Täbris nach Teheran entsandt werden könnten. Die Blätter heben auch den ungeheuren Eindruck hervor, den der rasche Vormarsch der Türken durch Persien auf das persische Volk ausüben werde, das vielleicht gegenwärtig Zeuge von den Vorbereitungen der englischen und russischen Gesandten ist, Teheran zn verlassen, und dem es nunmehr freistehen werde, sich endgültig, den Türken anzuschließen, um das Land von der englisch-russischen Herrschaft zu retten.

Türkische Schüler in Deutschland.

K o n st a n t i u o p e l, 16. Aug. (WTB.) Gestern sind die ersten Stipendiaten für Freistellen nach Deutschland abgereist. Bis jetzt beträgt die Zahl der Gesuche um Freistellen rund 200. Fast alle Schüler wollen eine deutsche Oberrealschule besuchen.

Rumänien.

Bukarest, 16. A)uy. (WTB.) Die rumänische Staats- bahn hat soeben Mt dem deutschen Stahlwerks ver­band einen Lieferungs vertrag für 25000 bis 30000 Tonnen Eisenbahnschienen für den Bau von Crajova nach Bukarest abgeschlossen.

K on st an tino pel, 14. August. (WTB.) Der rumänische Gesandte Mono Der, der sechs Wochen in Urlaub weilte, ist beute nachmittag mit dem Bakkanzug hierher zurückgekehrt.

Sofia, 16. Aug. (WTB.) Seit vier oder fünf Tagen ist das rumänisch-bulgarisch« Verhältnis freund­licher geworden. Günstig hritfc die Bereitwilligkeit der rumä­nischen Regierung hinsichtlich der raschen Abwickelung des jüngst zustandegekonkmenen Warenaustauschabkommens beurteilt, nach welchem Bulgarien Salz und Petroleum von Rumänien, dieses dagegen Tabak aus Bulgarien erhält. Die rumänischen Delegierten sind bereits gestern hier eingettoff-en. Der Aeußerungen rumä­nischer Diplomaten zufolge kann später auch die Frage des Aus­tausches anderer Artikel an die Reihe kommen. Der in Regierungs­kreisen herrschende Optimismus gründet sich natürlich nicht bloß aus den Abschluß und die Durchführung des Warenaustausch­abkommens. Ter hiesige rumänische Gesandte de Russi ist gestern nach Bukarest abgereist. Er kehrt nach 10 Tagen wieder hierher zurück.

Bukarest, 16. Aug. (MTB.) Die Sozialisten hielten gestern eine öffentliche Versammlung ab, in der sie gegen dre kriegerischen Absichten der Föderalisten Verwahrung ein­te gten und die Regierung aussvrderten, Maßnahmen gegen die

Teuerung zu ergreifen.

Das Moratorium für cnMäudische Forderungen ist Um vier Monate verlängert worden.

Die Regierungsblätter erklären die Nachricht, daß im Arsenal vor einigen Tagen zwei Bomben gesunden wurden, für unrichtig. Es t-andelt sich um leere Kupferkugeln, die bei Gelegenheit der Kupserbeschlagnahme eingebracht wurden. Es sei bedauerlich, daß die Bevölkerung bei den bestehendcu Verhältnissen unnütz mit solchen Sen sa t ionsna chri ch ten aus geregt werde. In das g l eiche Gebiet g ehö ren die aus der Lust gegriffenen Mitteilungen takttscher Blatter, daß am Tage vor der Explosion in Dudeschti alle fremden Arbeiter den Befehl erhielten, den Dienst zu verlassen. Der offenkundige Zweck dieser Mitteilung sei, die Bevölkerung gegen Fremde auf-

? I ern, 16. Aug. (WTB.) Zur rumänischen Frage schreibt dieTribuna": ^ f m

Wir glauben vvverst nrcht, daß RuMcMien mt Begriff ist, seine schwankende Haltung aufzugeben und sich an die Seite des Vierverbandes zu stellen. Steuerlich kann sich Rinnänien zum .Handeln entschließen, bevor nicht offen in entschjeidender Weise ein nahes Ende des allgemeinen Konfliktes erkennbar ist. Ein Land wie Rumänien, das vorwiegend Ackerbau treibt, fast ganz

von Oesterreich - Ungarn und Deutschland abhäugt, aiü) dessen Widerstandskraft nur auf sichen Millionen Einwohnern beruht, kann sich nickt in ein hartes Völkerringen mischen.

Am Schlüsse des Artikels führt dieTribuna" aus, Rumänien werde aber doch im letzten Augenblick an die Seite des Vrer- verbandes treten.

Meuterei auf einem italieuifcheu Kriegsschiff.

Berlin, 17. Aug. Wie dasBerliner Tageblatt" aus Lugano meldet, soll in italienischen Kreisen, das Gerücht verbreitet sein, daß auf einem vor Elba liegenden Kriegsschiff eine s ch teere Meuterei stattgefunden habe, wobei ein Linienschiffsleutnant von der revoltierenden Mannschaft getötet worden sei.

Untersuchung bewaffneter Handelsschiffe in Norwegen-

Kristiania-, 16. Aug. (zf.) Das norwegische Justiz­ministerium richtete ein Rundschreiben am sämtliche Polizei­behörden, genau zn untersuchen, ob Handelsschiffe, die norwegische. Häfen anlattfen, bewaffnet sind. Be­waffnete Handelsschiffe dürfen danach norwegische Häfen nicht wieder Verlässen, bevor sie von der Militärbehörde untersucht sind, und deren Abfahrterlaubnis erhalten haben.

Holländisches Ausfuhrverbot.

H a a g, 16. Aug. (WTB. Nichtamtlich.) Die A u s s u h r von lebenden und geschlachteten Gänsen und Trut­hühnern, ausgenommen gerupfte Wildgänse, ist verboten.

Amerikanische Handelsbesirebungen in Rußland.

Kopenhagen, 16. Aug. (WTB.)Berlingske Ti- dende" meldet aus Petersburg: Die National City B a n k in New York wird in P e t e r s b u r g eine Zweigbank errichten, um die Handelsbeziehungen zwischen Rußland und Amerika zu fördern. Ferner wird eine große amerikanische Gesellschaft gegründet, die für den Ausbau des russischen Eisenbahnnetzes und die Entwicklung des Verkehrs auf den russischen Flüssen und Kanälen arbeiten soll.

Das amerikanische Flottenbauprogramm.

Washington, 16. Ang. (WTB.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Das R e p r ä s e.n t a n t e n h a u s hat das FlottenbauProgramm des Senats angenom­men. Das Marinepersonal wird um 7400 Mann vermehrt.

Der Seekrieg.

Berlin, 16. Ang. (Priv.-Tel.) DieVossische Zeitung" meldet aus Kristiania: Die in Bergen angekmnmene Mann­schaft des n o-r w e g i s ch e n DampfersA ran d a" be­richtet, daß das Schiff in der Nähe von Schottland infolge einer Explosion an Backbord sich überlegte, jedoch nicht sank. Ob eine Mrne oder ein Torpedo die' Ursuche der Explosion gewesen ist, ist noch nicht festgestellt. Gegen 2 Uhr morgens wurde das Schiff von einem Torpedo getroffen und in zwei Teile geNssen. Beide Schiffsteile, die nicht gesunken sind, wurden später von einein englischen Wachtschifs eingeschleppt. Die Ladung ist größtenteils noch brauchbar. Ein Matrose und ein Heizer werden vermißt.

Y m u i d e n , 16. Aug. (WTB. Nichtamtlich.) Ein zurückge­kehrtes Fischerfahrzeug berichtet, daß es am 4. August abends in 57 Grad 20 Minuten nördlicher Breite und 1 Grad 56 Minuten östlicher Länge fischte. Zwei deutsche Unterseeboote hätten sich den ganzen Tag über in der Nachbarschaft des Fischerfahrzeuges auf­gehalten. Plötzlich sah man in südwestlicher Richtung drei fischende englische Trawler. Die Unterseeboote, denen sich noch ein drittes zugesellte, begannen sofort auf die Trawler zu schießen. Diese flüchteten in westlicher Richtung und wurden von den drei Unterseebooten verfolgt. Ungefähr eine Stunde später sah man eine große schwarze Rauchwolke in der Richtung der flüchtenden Trawler aussteigen, so daß vermutlich einer von ihnen in Brand geschossen war. Von den anderen wurde nichts mehr, »vahrgenommen.

Y m u i d e u, 16. Aug. (WTB. Nichtamtlich.) Nach einem Be­richt des in Ymuiden angekommenen HeringsloggersEatharinn" wurde der dänische MotorschonerSmoto" aus Kopen­hagen von einem deutschen Unterseeboot in Brand ge­schossen. Tie ans elf Mann bestehende Besatzung wurde von dem Unterseeboot nach dem Logger gebracht, der wegen Platzmangels fünf der Geretteten einem anderen holländischen Fischerfahrzeng übergab. Später wurden sämtliche Schiffbrüchigen von einem briti­schen Torpedoboot übernommen.

Bilbao, 16. Aug. (WTB.) Meldung der Ag. Havas. Das spanische SchiffPagasarri" ist von einem deutschen Unterseeboot versenkt worden. Die Besatzung ist gerettet.

Lin chinesisch-japanischer Zwischenfall.

Tokio, 16. Aug. (WTB.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die Blätter veröffentlichen sensationelle Einzel­heiten über Vorgänge in Cheng-Chiatung, die damit begonnen hätten, daß ein chinesischer Soldat einen Japaner überfiel. Der einzige japanische Polizei­beamte in Cheng-Chiatung begab sich hierauf nach der Ka­serne, wo er Protest erhob. Ein chinesischer Soldat tötete einen Polizeibeamten mit einem Gewehrschuß. Das hatte zur Folge, daß eine Abteilung japanischer Soldaten nach her Kaserne marschierte. Die Chinesen eröffneten auf die Japaner das Feuer und töteten 17 Mann, darunter den kommandierenden Unterleutnant. Die Blätter melden ferner, daß die chinesische Bevölkerung die in Cheng-Chia­tung wohnenden Japaner bedrohte.

Aur dem Reiche.

Berlin, 17. Aug. Me derBerliner Lokalanzeiger" berichtet, ist der Kaiser aus der Durchreise gestern vormittag zu kurzem Aufenthalt in Sagau eingetroffen und hat oas Herzogsschloß in Augenschein genommen. Mit einigen dort untergebrachten Verwundeten unterhielt ficf> der Monarch überaus freundlich und kehrte dann zum Bahn­hof zurück.

B e r li n, 17. Aug. Wie verschied ene Morgeublä tter melden, ist der Leiter des Krioigsgetreideamtes in Tuchel, Bern d t, verhaftet worden. Er dürfte an den Getreideschiebungen zwischen Westpreußen und Berlin beteiligt sein.

Berlin, 16. Aug. (Priv.-Tel.) DerBerl. Lokalanz." meldet aus Bayreuth: Der Schriftsteller Houston Ste­wart Chamberlain, ein gebürtiger Engländer und Schwiegersohn Cosima Wagners, hat rrunmehr auf eine Ein­gabe hin die deutsche Staatsbürgerschaft er­halten. ,

Ans Stadt und Land.

Gießen, 17. August 1916. Beschränkung des Fleischverbrauchs.

DieFrankfurter Zeitung" erfährt aus Berlin: Erneute Verhandlungen zwischen den Zentralstellen für die Fleisch- versorgung von Heer und Flotte haben ergeben, daß zur Erhaltung der Leistungsfähigkeit des Heeres, diesem eine

bestimmte Menge Schweinefleisch sofort gesichert werden muß. An der irgend zulässigen Sparsamkeit fehlt es nicht, oa bei der Heeresverwaltung vollstes Verständnis für die Be­dürfnisse der Kriegsnöte der Zivilbevölkerung herrscht. Aber wie die Verhältnisse jetzt liegen, kann der Zivilbevölkerung in den nächsten Wochen eine noch stärkere Einschränkung in dem Verbrauch von Schweinefleisch nicht erspart werden. An und für sich pflegen zur Erntezeit auch im Frieden die Viehaustriebe fühlbar nachzulassen. Wenn die Landbevölkerung von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang mit der Bergung der Ernte beschäftigt ist, fehlen die Zeit,'die Arbeitskräfte und die Gespanne, um auch noch das Vieh an die Sammelstelle zu bringen. Dies gllt in diesem Jahre doppelt und dreifach, wo die Erntearbeiten durch oie vorhergegangene kühle nasse Witterung stark verzögert sind, urrd sich jetzt auf noch kürzere Zeit zusanrmendrängen und, wo es allerorts an Händen und vielfach an erfahrener Leitung fehlt. Nie zuvor ist die Landwirtschaft vor eine so schwere Aufgabe gestellt worden, und nie zuvor hat unser Wohl und Wehe so davon ab ge­hangen, daß diese Arbeit glatt bewältigt wird. Wenn dabei die Aufbringung des Schlachtviehes für die Zivilbevölkerung leidet, so wrrd oas verstanden werden.

Zu diesen Schwierigkeiten tritt noch ein außerordent­licher Mangel an schlachtreifen Schweinen. Bei Erlaß des Kartoffelverfüttexungsverbotes bestand kein Zweifel darüber, daß bas Verbot sehr fühlbare Folgen für die Schweinemast haben müßte.- Der zu befürchtende Not- staud tn der Kartoffelversorgung ließ keine Wahl. Wenn nun die voraus gesehenen Folgen eintreten, so müssen sie hingenommen werden. In höchstem Grade unwirtschaftlich wäre es, die noch mageren Schweine aus den Ställen zu. reißen. Einen schlechteren Dienst könnte man der Be­völkerung nicht leisten. Die jetzt abgeschlachteten unreifen Schweine würden im Herbst und Winter, wo sie bank dem zuwachsenden reichlicheren Futter gemästet und aus den Markt gebracht werden könnten, fehlen und damit für die Fettversorgung ansfallen. Man würde ein Loch stopfen, um ein größeres zu reißen.

Alle Kreise der Zivilbevölkerung werden daher die hoffentlich nicht mehr zu lange dauernde große Knappheit an Schweinefleisch in dem Bewußtsein zu tragen haben, daß sie die vorübergehende Folge der augenblicklichen Ver­hältnisse und eine Maßnahme ist, durch die in der Ver­gangenheit ein drohender, weit schwererer Notstand glücklich überwunden wurde. Was an schlachtreifen Schweinen noch aufzubringen ist, gehört aber ganz selbstverständlich in erster Linie dem Heere.

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** Amtliche P e r so nalna chrich ten. Der Groß- h erzog hat am 12. Juli 1916 den Land st allmeister beim Land­gestüt, Oberlandstallmeister Ferdinand Millich genannt von Pöllwitz, zu Darmstadt auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen, treuen und ersprießlichen Dienste mit Wir­kung vom 1. Oktober 1916 an in den Ruhestand versetzt und ihm aus diesem Anlaß die Krone zum Komturkreuz 2. Klasse des Ver­dienstordens Philipp des Großmütigen verliehen. Der Groß- Herzog hat am 19. Juli dem bisherigen Beigeordneten Georg Nungesser IV. zu Pfungstadt das Silberne Kreuz des Ver­dienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. In den! Ruhestand versetzt wurde aml 5. August die Lehrerin an der Viktoria­schule zu Darmstadt Elisabeth Friedrich auf ihr Nachsuchen wegen geschwächter Gesundheit mit Wirk ungvom 16. August an.

** Auszeichnungen. Hauptmann Krenzien, Führer einer Pionier-Kompagnie im Westen, erhielt das Eiserne Kreuz e r st e r Klasse. Die Hessische Tapferkeitsmedaille und das Eiserne Kreuz 2. Klasse wurden ihm bereits in 1914 verliehen. Der Vor stand des Verkehrsamtes Gießen, Hauptmann und Batteriechef Finger, hat für heldenmütige Führung und Leistungen feiner Batterie das Eiserne Kreuz erster Klaffe erhalten.

** Das Landsturm-Infanterie-Bataillon Gießen (XVIII/9) beging am 16. August in Frankreich den zweiten Jahrestag seines in Gießen .erfolgten Zu­sammentritts. Anläßlich dieses Gedenktages wurden an eine Anzahl Offiziere und Mannschaften Auszeichnungen verliehen. Die von diesem Bataillon zugunsten der Volks­spende für die Kriegs- und Zivilgefangenen eingeleitete Sammlung ergab den ansehnlichen Bettag von 1050 Mk.

** Für die Aufhebung der Ob st höchst Preise war, wie wir aus Darmstadt erfahren, einmal die Tatsache maßgebend, daß die Zeit des Früh- und Beerenobstes, auf die sich die Preise hauptsächlich bezogen, vorbei ist und weiter die Wahrnehmung, daß bei den jetzt auf den Markt kommen­den Z wetsch en die angesetzten Höchstpreise einer natür­lichen und geringeren Marktpreisgestaltung im Wege standen. Auch für das übrige Spätobst ist eine Höchstpreisfestsetzung aus diesem Grunde nicht in Aussicht genommen. Man hofft außerdem durch Vergebung des Kreis- sttaßenobstes in kleineren Losen und durch Erwerbung und Verkauf von Obst seitens der Städte die Preisgestaltung beeinflussen zu können.

** Ke ine milch freien Tage. Die vereinigten Milchhändler geben heute im Anzeigenteil bekannt, daß' die Milch weiter täglich zur Berteiluna kommt. Bei beschränk­tem Quantum sollen Kinder und Kranke zunächst berück- fichtigt werden.

** Kartoffel-Verbrauchsregelung. Auf die Kartosfelmarken der Stadt Gießen Wimen bis auf weiteres 10 Vs Pfund Kartoffeln (anstatt 7 Pfund) abgegeben werden.

** Das O ttomanisch« Generalkonsulat in Frank­furt a.M. schreibt uns: Alle türkischen Staatsangehö­rigen, die seinerzeit ihrer Dienstpflicht mcht nachgekommen sind, sind nach hem Gesetz vom 22. Juli 1330 schwer sttafbar. Sie können aber durch Allerhöchsten Erlaß begiradigt iverden, wenn sie sich innerhalb eines Monats nach Konstantin opel begebnr, um dort ihrer Tienstpflick-t zu genügen und sich dieserhalb svfott anj das Kaiserlich Otto manische Generalkonsulat in Frankfutt a. M., Kaiserstraße 1820, wenden.

** Betreffend Beschlagnahme, Verwendung mtÖ Veräu ßerung von Bastfasern (Jute, Flachs, Ramie, europäischer und außereuropäischer Hanf) und von Erzeug­nis s e n a u s B a st f a s e r n ist am 15. August 1916 eine neue Be­kanntmachung erschienen, die an Stelle der früheren Bekannt­machungen W. III. 1577/10. 16. K. R. A. vom 23. Dezember 1915 und W. III. 1500/4. 16. K. R. A. vom 26. Mai 1916 tritt. Die bedeutsamste Aenderung der neuen Bestimmungen gegenüber den früheren besteht darin, daß nunmehr auch alle B a st f a s e r n in rohem, ganz oder teilweise gebleichtem, kremiertem oder gefärbtem Zustande sowie die aus ihnen hergestellten Garne beschlagnahmt sind, die bisher aus dem Auslande eingeführt wurden und tn Zu­kunft eingeführt werden. Ebenso ist auch der Kardenabsall und Fa- brikkehricht beschlagnahmt worden. Andererseits ist trotz der Be- fchlagnahmje die monatliche Verarbeitu n g des zehnten Teiles von den am 1. August 1916 vorhandenen Vorrätm an Bastfaser­abfall sowie an Reißwerg zu Garn und ihre Verarbeittmg zul Fertigerzeugnissen gestattet worden. Außerdem ist die monat- lichie Verarbeitung einer solchen Mange beschlagnahmter Rohstoffe erlaubt worden, tvelche dem fünften Teil des bei Jn- kvasitteten dieser Bekanntmackiung vorhandenen Bestandes der nach dem 1. Januar 1916 aus dem Reichsauslande eingeführteu Rol>- stl-fse entspricht. Die Veräußerung und Lieferung von Bast faserroh ft offen und Werg sowie von den nach dem Inkrafttreten der Bekanntmachung aus dem Rcichsauskaittde ein* geführten Abfälle ist nur noch an die Bastfaser-Einkaufs-