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27.7.1916 Zweites Blatt
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Smthts Blatt

fofd^emt mit 2ku4nah>ne bcS SsnntsgS.

tAeferner ^ewiücnfclötter werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt. das für den «retr Siehen - zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit.

krE-en" erscheinen monatlich z,vermal.

166. Jahrgang

Senerol-Anzeiger Pr Oberheßen

llriegsbriefe aus dem Westen.

Telegramm unseres Kriegsberichterstatters.

kUnberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Mermals ein großer Schlag der Verbündeten gescheitert!

Großes Hauptquartier, 25. Juli.

Der gestrige Vormittag wur au der Sommefront ruhig vMaufen. Gegen Mittag aber begann der Feind eine sich schnell zu Trommelfeuer steigernde, stundenlange Beschie­ßung unserer Stellungen, worauf die Engländer gegen ALend längs der ganzen Front Hardeeourt bis Pozieres *n sehr starken Sturmangriffen übergingen. Meist kamen dre Massen nicht bis an unsere Linie heran, fast überall luuuLen sie glatt abgewiesen. Nur vereinzelt drangen Murmkolonnen in unsere vorderen Stellungen ein, ans denen sie dann umgehend mit Handgranaten und Bajonett wieder enffernt wurden. Es waren' an dieser: neuer: An­griffen des gestrigen Tages, die stellenweise bis Mitternacht wiederholt wurden, Teile von neun englischen Divisionen beteiligt, so daß die Engländer :run wohl die Mehrzahl ihoer an der Westfront aufgestellten Divisionen in der Sdvcmeschlacht eingesetzt.-haben. Die Franzosen haben gestern sErch der Sornme gleichfalls in breiter Front mit starken Kväften angegriffen. <oie drangen südlich von Estrees in einer Breite von 100 Metern in den vorderen deutschen Graben, wurden aber ebenfalls sehr bald wieder vertrieben Im übriger: war auch die große französische Lffensivanstren giurg gestern: völlig vergeblich.

_W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter.

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Sitzung 6cr Stadtverordneten.

5 22 Gießen, den 26. Juli 1916.

In der heutigen Stlü>tvewrdneten Versammlung, der ersten nach etwa drei Monaten, waren anwesend: Beigeordneter E m m e l i u s imd die Stadtverordneten Faber.Heichelheim.Helfrich Huhn, Jann. Krumm, Leib, Löber, Orbig Petri'

Plank, Sommer, Vetters, Wimmenauer> Winn'

Zu Urkunde Personen wurden gewählt die Stadv. Fab er und Löber.

Auf der Tagesordnung standen 10 Punkte, die schnelle Erledi­gung fanden.

Oberbürgermeister Keller eröffnete die Sitzung und verlas «nerst den Rechnungsabschluß des Elektrizitäts­werkes und der Straßenbahn für 1914, sowie die Rech- nungsabscklüssedesGas - und Wa ss e rwer ke s für1914 Beide Abschlüsse, die in unserem Blatte schon veröffentlicht worden fmd, runden ihre Genehmigung.

Ern tiKÜttaßuxOt betraf die Zufahrt von der Hamm- J* T « öe zum Elektrizitätswer k. Die jetzige Zufahrt weist tzrotze Mrßstrande aus. Der Weg muß ständig ausgebesserl werden und demroch muffen dre Wägen dort stets Vorspann nehmen. Hier­durch entstehen erhebliche Unkosten, die durch einen Weg, der gerade- wegszmn Elektrizitätswerk führt, behoben werden können Alte Pflastersteine die dazu verwendet werden könne::, sind vorhinden Ar Bovans ch^rg des Tiesbauamts fordert einen Kredit von 2100 Ntark. Da diese sich bezahlt machen werden, wird der Kredit be­willigt.

^ der OrtSbausatzu-ng zum Bebauungsplan strr das G elände östlich der M a rbur g er S t raße, oberchalb des, Weges nach dem neuen Friedhof hat sich die Stadtvcrordneten- DNsmmnllmg bereits zu Beginn des Jahres 1914 einverstanden ercklart. ^as Vffnisterium hat inzwischen der Satzung zuqestrmmt. vetllrngt aber artige Abänderungen imb Zusätze, die noch zu ge­nehmigen s:no. Da die Zusätze ohne großen Belang sind es s«h z. B. um die Einfügung, daß die Gebäude in archi- tMmfch gefälliger Werje anszngestalten sind, daß eine Erlaubnis nicht nur für die Erbauung von Auto-, sondern auch von Wagen- fchuppen ledesmal nachgesucht werden muß so mürben die Abänderungen widerspruchslos genehmigt.

Eme S«ne Aenderun!, der B-Afluchtlinie für die Eder stra ße wurde ebenfalls genehmigt.

__.3 Jperteren schilderte Oberbürgermeister Keller die bis-

herigm schritte zur Errichtung eines Kriegswahr- tn ©ie|tn insbesondere das Preisausschreiben und das Ergebnis der Prüfungskommission, sowie die Richtlinien für emen neuen Entwurf Wir haben in unserem Blatte aussülwlich hieniber berichtet und können uns daraus beschränken, nochmals zu wiederholen, daß Regierungsbaumeister Knhlmann der erste

Preisträger in Gemeinschaft mit Stadt». Dr. Ebel mit de nenen^ Entwürfe beauftragt worden ist.

^ hiesigen Berkehrsverein wurde im vergangenen

^ahre der bis jetzt jäbrlich gewährte Zuschuß von 500 Mark irr- Jage La das Weiter bestehen des Vereins ohne diesen städtischen Verstand in Frage gestellt ist, wird auf Antrag des Finanzamt mr das taufende Rechnungsjahr ein Zuschuß von 50ll ln r k bewilligt.

. , Um der Stadt Gießen zu ersparen, für jeden von der Ltraßen- bahn ube rsahrencnHnnd eine Entschädigung zu zah tew .mrrd me Pvlizeiverordnung, die Aussicht über die Hunde betreffend, eine Abänderung erfahren. Von jetzt an müssen Hund ei lll J botanischen Garten, in den Anlagen und au: den -oahnHofen, sondern auch in den Straßen an der Leine geführt wenden, die von der Straßenbahn bc rührt werden.

Um Grundsätze für den Erlaß von Schulgeld der höheren und erweitertest: Mädchenschule sestzuleqen.

Oberbürgermeister eme Umfrage bei anderen hessischen Städten veranstaltet. Infolgedessen imirde bestinvnt, daß der Erlaß WSchulgeld für, nicht mehr ;vie 5°'a der Schülerinnen, aus­schließlich >der drei Vorschulklassen gewährt werden soll. Zum oes Schulgeldes ist erforderlich als Mindestnote 3, voraus Betragen der Schülerin nickst zu beanstande:: ist .^M , ,Enrft:gkeit vorliegt. Ferner ist der Olstrburgermeffstr er- mawngt. das Schulgeld für ein Tertial, in dem e:ne Schülerin an keinem Lage die Schule besuchen konnte, zu erlassen

. Beigeordneter Emmelius berichtete über ein Gesuch des veininch Ba u m a nn um Genehmigung zum S ch-a n k io i r t - , cho stsbetrie-b im Hause Walltorstraße 33. Das Gesuch wurde genehmigt.

Außerhalb der Tagesvrdnung teilte der Oberbürgermeister mit, der Verein für Armen- und Krankenpflege beab- ftchtige von M:tte August an. abends in der Volksküche die

Kindern dnr chzu führen, lll- Erttgelo soll erw Preis von n Pfennig erhoben werden. Der herein bittet um Zuweffung von Lebensmitteln und um finanzielle UnterMrtzung, da er mit seinen eigenen Mitteln nicht ausreicht l)er Oberbi'rrgermerster befürwortet das Gesuch, da nach ärztlichem Befund tatsächlich eine Anzahl von Schulkindern unterernährt '*V erhöhte MeUmenge werde zugewiefen, um die Kinder

mit Brot zu versehen, außerdem beantrage der Finanzausschuß eine monalliche Unterstützung von 150 Mk. Dem Antrag wurde gerne^ zugeskimmt.

, Stadtv. Krumm empfabl dem Verein auch beim Bezug von Eeren Lebensmitteln weitgehendstes Entgegenkommen bei der BbMchürng zu zeigen, was vom Oberbürgermeister zugesagt wurde.

Wie schon früher erwähnt, beabffchtigen die Krie gs g e sa n - ge neu des hiesigen Lagers, auf dem Ehr enfriadho f ein Denkmal zu errichten. Der- heutigen Sitzung lag ein neuer Entwun vor. der einen Sarkophag auf einem Sockel zeigt vor dem eine traiiernde Frauenftgur kniet. Da Sarkophag und Sockel in ihrem Verhältnis zueinander nicht glücklich erscheinen, wird der Eirtwurf auf Antrag der Baudeputatron unter der Bedingung ge­nehmigt. daß der tragende Sockel verstärkt oder der Sarkophag verklemert wird.

Zu letzt besetzte sich die Stoöwerordnetenveriaurmlung mit dem zeck^mäßar Plane, eine Trockenanlage zu errichten, in der Obst und G-envuse gedörrt werden soll, in der Haupffachc Zwetfchar, von denen eure gute Ernte zu et nx ula : ist. Ein Vor- Alag des Architekten Meyer und des Direktors des städtischen Nektrizitatswerkes gehl dahin, eine Anlage zu errichten, die den Elektrizitätswerkes hierzu benutzt. Ein ^^Vvuvat kostet etwa 2000 Mk.. mit Kosten der Errichtung 4000^Mk. Der Fmanzausfchntz befürwortet den Antrag

stadtv. Wrnn sprach sich ebenfalls für das Dörren von Obst aus, er beantragte sogar, das gesamte städtische Obst zu dorren fand al^r den Appaoat zu teuer. Seiner Ansicht könne eine zweckmäßige Dörre billiger von hiesigen Handwerkern gestellt werden.

, ^er Oberbürgermeister stimmte dem. Boffchlaq. das gesamte jtadti,che Obst zu dörren, bei und übeiwies den Antrag der landwirtschaftlichen Deputation. Im übrigen schlug er vor den Kretn: zu, bewilligen, die Art der Llusführmrg der Darre von einer Kommission beraten zu lassen, die ans der: Stadtv W i n n Meyer, Huhn und Löber gebildet werden möge.

Stadtv. Krümw meinte, rate Neuanlage koste zu viel Geld und se: später überflüssig, meiner Ansicht nach könnte das Dörren des Obstes m der Trockenanlage des VoWbvdes und bei der: hiesignr Bäckern vorgenormnen werden.

Oberbürgernwister Keller machte die Einwentmi:g, die An­lage des Volksbades genüge nicht.

Stadtv. Huhn rnernle auch, für ein Jahr stellte sich die Anlage z-u teuer. Solle die Anlage aber für immer gedacht sein.

Donnerstag. 21. Juli IW

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchea Universitäts - Buch- und Stemdruckerei.

R. Lange, Gießen«

Schriitleitung,GeschäslSstelleu.Druckerei: Schul» straße7.Geschästsst-lle u.Perlag:S-^51, Schrift« leitung: Adresse für Drahtnachrichten:

Anzeiger Gießen.

so, lasse sich 'oas eher überlegen, zumal man dadurch imstande sei, cll, größeres Quantum zu dörren.

Obe'-bürg.nmffster Keller versicherte, die Anlage fet nicht nur für die Krieg.-züt, sondern für dauernd gedacht. Er. bat noch­mals. den Kredit zu bewillige::' und die Art der Ausführung der Larre der Kommission zu überlassen, in die man noch 'Frau ^bersffentnan: Naumann als Vorsitzeiche des Hausfranenver- cins h'nzuwöhlen^b.

Naö- einer weiteren kurzen Auseinandersetzung, an der sich di- ^md:v. Löber und Winn sowie Beigeordn. Emmelius beteilig reu. wurde die öffenlliche Ätzung mit Genehmigung d e s^!l n t^r a g e s geschlossen.

^ Fm Anschluß daran fand eine nichtössenüiche Sitzung der madtverordnelen statt.

Huiöerji.ä^nacbricbteiu

$>f M a r b n r g , 27. Juli. Die Philipps-Universität M a r- ? flfö'ZtU in diesem Semester 2164 Studierende ans und zwar -37 Lheologen. 235 Juristen. 558 Mediziner, davon 60 Studie­rende d-r Zahn Heilkunde, ferner 1084 Philosophen. Noch der Staatsangehörigkeit sind 1712 Preußen, 425 übrige Reichsdeutsche und 27 Ausländer. Zu diesen immatriLllrerten Studierenden bnnmen noch 21 Hörer, so daß die Gesamtzahl der Berechtigtxm 2185 betragt.

ö 31 ^ fL - ^ ' 25- An der medizinischen

Fakultät, der Universität habilitierten M Dr. Philipp W ild e r- murh für Physiologie mrd Dr. Marcel Traugott für Ge­burtshilfe und Gynäkologie.

-loitTi r ü t ^f' UT ^ a - ^ , 26. Jrrli. Für das Studienjahr 1916 1, wurden an der UnmerffLät Frankfurt a. M. M Dekanen gemailt: ^n der rechtswissenschaftlichen Fakultät Prof. Tr Bur- chard, ui der m^izinrschen Fakultät Prof. Dr. Bcthe. in der vbilviophffchen Fakultät Prof. Dr. Fri edwa g n er, in 6er mrtur- wiffenschafflrchen Fakultät Prof. Dr. Schumann und in der Werffchaffs- und sozialwissenschaftLichen Fakultät Prof. Dr. Ar ndt.

Witterungsbericht.

(O e f f e n t l i ch e r Wetterdienst.)

^ ^ Gießen, ben 25. Juli 1916.

Bereits rm vorigen Wrtternngsbericht erwähnten wir, daß rm Lüdwesten ein Hochdruckgebiet lagerte, unter dessen Einfluß lick die Witterung allmählich bessern würde. Diesmal war nun endlich die Besserung des Wetters von etwas längerer Dauer Das südwestlickfe Hochdruckgebiet drang zunächst am Anfang dieser Berrchtswoctre 19. Juli bis 25. Jul: etwas ostwärts vor und verftärkte ffch allmählich &eit Donnerstag, den 20 Jul: veränderte sich dann die Wetterlage bis beiüe kaum. Im ganten Westen lagerte hoher Druck, während der Osten rvm tiefen Druck bedeckt wirrdc. Der Verlauf der Isobaren blieb ausnahmsweise fast die ganze Woche hindurch bis aus ganz geringe Abweichungen derielbe. Unter dem Einfluß des hohen Druckes trat endlich nach längerer Zeit schönes heiteres Svmmerrvetter ein. Das Tem­peraturm arrmum stieg in Gießen von 18 Grad am Anfang der Woche auf *23 Grad am Montag den 25. Juli, das Temperatur- Minimum ichwankre zunächst um 10 Grad herum am Donners­tag war es sogar guf 7 Grad( gefunken, um am ©nbe drejer Berichts- Woche bis aus 15 Grad zu steigen. Aehnlich verhielt sich das Temveralurtagesm.:tte1, das von etwa 13 Grad bis am etwa 19 Grad ansticg. Heute Dienstag sind die Temperaturen unter den: Einiluß zunehmender Beivölkung wieder etwas gehalten. Das östliche Tiefdruckgebiet dringt nämlich etwas nach Westen vor, so daß wir auf der Grenze zwischen dem westlichen .Hochdruckgebiet und dem östlichen Tiefdruckgebiet durch Randwirbel beeinflüßt ircrbrn und mit Gewitterneigung und zeitweisen Niederschlägen zu rechnen haben.

Meteorologische veobachtungen der Ztatton Sieben.

Juli

1916

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Höchste Temperatur am 25. bis 26. Juli 1916: 4- 22,0'6. Niedrigste . . 25. . 26. ^ ^913^ -f- 15,1'0.

Niederschlag 0,2 die

Llappenhauptort im Westen

^ rb geschricken: Ein Schützling selbstsicheren Friedens, liegt die klcrne französische stadt unter den Berg geduckt da. Freilich, auf dem Berge ragen Wall und Mauer, auf dem Berge +1^- ^S.ffEstung. Doch diese ftirnrunzelnde Burg ist wie die rr otzrge Ritterrüstung, die der reich gewordene Bürger in seinem Zivrmer aufstÄlt. Gärten blühen an dem Hange, der zwischen zwei Tälern auswachst, Garten geleiteten den Berg hinaus, bis die Stadt rm Tale dem ruckgewandten Blicke entschwindet, hinaus in die Weite Vl und Wälder. In die friedvolle Umhegnng versenkt

£ ^ Blick gleitet zärtlich mit den neckischen Windungen des ^E^Llusses durch saftige Wiesen an hohen Pappeln vorüber Ed sucht :m Gewirr bescheidener Häuser daS eigene Dach Reiche !^elder steigen ringsum aus zu breiten Wäldern. Lustige, helle .warben treiben über der Flache ein rätselhaftes Spiel. >Ein <iut gebeneies Don schläft ein unter einer Decke von schläfrigem Vio­lett. Fn^en überall, wohin das Auge blickt. . . Plötztich übenällt eut dumpfes Drohnen diese Ruhe. Es geht nur, um soivN wieder­zukehren, ^und nun ist das ganze Tal erfüllt von unablässmem derge tobt die furchtbarste Schlacht, ist der ge Men,chen miteinander rangen. Und der Friede ist noch immer ein schöner praum. bei: SNaßen des Städtchens halte: und

larm^ Geich aff: gkeit. pas 9iest scheint zur Großstadi geworden zu sein, aber der ~arm ist nicht der Lärm der großen Stadt. Er ist voll ungeregelter Kraff, schnrült eigcuwillig an und ab. bläst aus allen möglichen Instrumenten. Schwere Munitionszüge ächzen vor- über Lastautos dormern durch die Straße. Wagen kuarren m langer Rk-iße vtwbe:. Pdit gellem Schrei brechen sich eilige Krait- .der stramme Schritt anmmgchierender Druppen ÄReim und Rhythmus bannen. Gesang dräng: mit Macht alles andere aus der Straße. Eine seltsame Stille folgt. Emen Augenblick lang ist das französische Städtchen voll starren ^rzag«iden Ltaunens, das deutsche Städtchen voll stolzer froher Benmnderung Da wirst ffch aber der Lärm schon mit neuer Wut m die Stille. An schnelle Kraftwagen gekuppelt, rollen die federnden zweirädrigen Wagen heran, aus denen die Verwundeten gebettet o?i er Krankenhäuser, und manchen sandten ber Heimat, damit sie ihm zur volllgen Genesung hülsen. Mancher sreilick) ruht auch schon :n dem Karten vor der Lttadt, der seine Erd- mr viele Gräber öffnen mußte und blühende Zweige über die Schläfer dort untm. über Freund und ,5cmd. neigt. Es ist eine schreckensvolle Grausamkett in der geschastsmaßigen Alltäglichkeit, in der militärischen Pünktlichkeit

der Begräbnisse. Wie vielen immer neuen Kameraden drückten wir Mk" v ' irm Willkomm, wie vielen drückten wir sie zum

Abschiede, wie vielen sagten wir, ,.anf Wiedersehn", die nie mehr unederkamkn. ^mmer wieder muß der Mick stch losreißen vom st^^uen, um beim ganzen Trost zu finden. . . . Der 'Abend ffndet das Edtchen noch immer geschäftig. Die emsigen Hand- langer Iner dnrsen nicht ruhen, damit die Bauleute dort vorne am Werke bleiben können. Nur die französischen Bewo^rer dürfen den Feierabend geniesten, ^ste ,itzen in ihren Gärten am Berge E teilen einander ihre Friedenssehnsucht mit. Die Spiele de:' Kinder sind stiller geworden. Dort unten in der Straße zieht ein Lrupp kleiner Franzosen umber, helle Stimmen singenDeutsch land, Deutichlanch über alles." Soldaten haben sic Wort und -Eodre gelehrt. ^*e wissen wohl nicht, )vas sie singen, und doch # J5 r ^sang unc cm Verfswechen, ba% sich zwei große Völker künfttg besser verstehen werden. . Noch immer donnea jenseits der Berge die Bästacht. Fürchterlich wird die Stimme des Kmnpfes :n der stillen '.'cacht. Gedanken, -schlaf und Träume verscheucht sic irnd zwingt alle ^:nne zu sich. Es ist, als hörte man zwei Riefen :n entsetzlichem, im letzten Kampfe Brust an Brust keuchen Das Hirn zermartert sich in den: ffiedanken an Hilfe, es verziverselt in semer Ohnmacht. Aber dort vorn stehen die Kameraden, stärker noch als durch Blut miteinander verbunden durch die gleiche Not die stärkste Gemeinschaft der Erde. Ja. Blitz und Donner fallen auf sie, ftc leiden, ne sterben, aber sie rmgen und siegen, llnd dennoch bleibt exn "Mt voll Trostlosigkeit ob dieser von Menschen ent­fesselten. :m Wahnsinn rasenden Vernichtung, llnd das Hirn ftnnt weEer nach Befterung, nach Errlörmrg. nach einem allmächtigen Gebot. Ms menschliche Begrenztheit, bis Schwäche stärker wird als Rresengewalt und der Schlaf erlösend die Last von der SeÄe-nimmt.

*

Das tlnt die Akademie Franyaife? Anläßlich des inngsten -lagesbeßeMS. in welchem die Arad^mic Franeaffe dcm Pollus m tonenden Phrasen ihre l>ewundernde Dankbarkär aus- !brach, veröffentlicht die ZeittmgL'Oeuvve" die folgende lleffre '^rttche ^zene^ Schauplatz ist eine sltzuhei'tellung im Kämpfgebiet von BeMui. Ein llntevofftzier. zwei PoüiuS. Der llntewffizier: "Acht chr schon vmr dem Tagesbefehl gehört?" Der erste Poilu' Welcher Tagesibchehl?" Der Uitteroffizier: ,JNuu. de:, in dem me ftanzoffsche Mademrc uns ihnen dankbaren Gruß und ihre Bewunderinig ausfprechen läßt." Der zweite Polln:Ach. ja " Der Unteroffizier: ,Hst das alles, was der Dank der Akademie Drr enllockt? Der erste PolluxWas ist sie eigentlich, dresc Aka-

denne? Ter Unterofftzrer:40 Burschen mit berühmten Namen- sre tra^n cmeJInnorm mit grünen Lorbeerblättern, euren Jwei- spitz, wie cm L teuerbeamt er, und einen dünnen kleinen Säb-I " Der erste Pollu poll Bewunderung!: ..O! llnd ivas machen sie denn damit, die Leute von der Akadcnne?" Ter zweit- Pollu' Artckel für dasEcho de Paris"" Der llnteroffrzier: .mit großer Besttmmtheit):Nein, sie schreiben ein Lerikon!" Ter erste poiln: ,,1., >^ie sind also die Leute, die das Lexikon machen! ^onnei-weter. ivas die alles wissen müssen!" Der Unteroffizier'- ist cs trotz allem schmeichelhaft für uns." Der zweite llvil u:Was?^ Ter ^Unteroffizier:T:e Adresse im Tagesbefehl." -r.er zweite Poüu:Ja mach einigem Zögern), nur jetzt nach zive: Zähren lasse ich mich nicht mehr so leidet reinle.fen. Diese Burschen von der 'Akademie sind und bleiben Trnckeber.pr "^er Unteroffizier:Bist Du veri'ückt?" Ter zweite Polln:Ich weiß was ub sage. Ist: kannte einen von Eurer Akademie!" Der Unter- äiv-lle Vollu:Ja, ich. Er war 'ogar Offizier." erste Polln:O!" Der Unteroffizier:Offizier^" zweite doüu: . Ganz recht. Offizier der Akademie natürlich. Aber da die Mademrc Offiziere hat. ist sie doch mobilisiert- und wenn ,ic mobilisiert ist, warum bleibt sie daheim, statt an die Front zu komimm?" Der erste 'Polln:Ja. das ist richtig." Der zweite Pollu:.ue Dinge und anders als sie 'ein sollten Jsr es etwa i-ichttg chr Offtzwre, selbst wenn es Offiziere der Akademie iurd, an einem Lexikon und solchem Zeug zu schreiben, während irür die Gesstnckste mostren. w:c die Zeitungen eS irennen ? . . ."

... ^ ..Ku che n d r a g o n er" gelten gewiß lieute als weib­liche De,en. al^Kuchenfeeu mit,einem Zug ins Grobe, ins Mann- Jar der -lat hat aber dieser Begriff stch eine Unuoandlung gefallen lassen^ musstn und bedeutete ursprünglich Männer, d i. richtige Soldaten. Er war sogar dienstliche Bezeichnung mr mehrere Regimenter anhaltiscber Ditigoner. welche den Dienst *532? ^istllaai versahen und deshalb offiziell ..Hofstaats- und Küchendragoner" geiiannt wurden. De: alte Dessäuer ubertrug den üamen auch MiP ein kurfürstlich braudenburgisches Regiment und nat m seiner Stamiuliste der preußischen Regimenter vom Jabre 17^9 die Bezeichuung urkundlich festgelmlten. Die Stelle über das betreffentn' Rcgimenr lautet: ,^)st lb?4 aus den Hof­staats- und Küchendragonmi des Oberschenfen Grumbkow her« vorgegangen und znm Leibregiment Dragoner crnanm worden" zoctzt kennt man männliche Kucl:endragonei- nicht mehr, dafür ffebt man aber iwch immer lmustg, welngftenS in Friedensie 'ten Dragoner in der Küche. ^