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3©dte$ Blatt
166. Jahrgang
Erjche«rl tüfJMp twtZtuSwtfymc deSSoMüagS.
Dle ..Gtetzeuer K«»M«chlÄter" werden dem
.Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt. das
..Lreirblsll fSr deu Kreis Netzen" zweimal wöchentlich. Die ..Lan-wirtschaft!jchen Seit- frL-rn" erscheinen monatlich zweimal.
General-Anzeiger für
Mittwoch, 26 . Zu!i (9(6
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Rumänien am Zchichälswege.
Der ranne französische Gesenidte Graf St. Dteirz ift in Bnkcrveft angrfimtmen, um feineit Vorgänger, öetrn Blän- hel, abKirbäsen. Herr Blonde! hat die letzten Tage seiner Anwesenheit noch dazu benutzt, um gegen beit König Ferdinand eine Reihe von Drohungen auszusprechen, die wohl unerhört sind fUr einen dipbornattscheu Vertreter, der sich noch im Amte befindet. Er hat erklärt, sein russischer Kollege, Herr Poklewsky Koziol werde „für Marmoritza Vergeltung üben und dem Könige ein ähnliches Schicksal bereiten, wie es je&t Konstantin von Griechenland zn tragen habe". Dabei muß bemerkt werden, daß auch der russische Gesandte nur mehr mit einem Fuße in Bukarest sich befindet, auch seine Abberufung ist schon längst angeküudigt loorden. llnd wtarunr wollewdie frmrzösische und die russische Regicrnrry chre Vertreter austauschen? Aus keinem anderen Grunde, weil es den beiden bisher nicht gelungen ist. Rumänien in den .Krieg hineinKuziehen, :oeil sie also die Wunsche von Paris und Petersburg m4xt erfüllen konnten. Es ist heute, nach den Erfabrun-gen Meier Fahre, wohl uderMssig, sich über solche Gesinnungen nnd solche Ab- scckiten M entrMen, man rrnrf; srch mit dem Geiste einer derartigen Politik, der kein Blut genug ist, die vor keinem Verbrechen ztcruckschent, die mit den' dunkelsten Hinter- n eppenrntriguLM arbeitet und Millionen fchr Agenden curs- -ttbt. die fremde Völker crufwiegeln sollen — mit einer icüchen Politik rnruß nran sich wohl! oder übel absindeu. Es gibt in Rumänien mele Leute, unter ihnen vor allein die Regierung, die es für ein Verhängnis ans eben, me tut das Land heute, nachdem es durck) alle Fahrnisse nnd Schnneregketten nruhsanr hindurchgesteuert, seine Neutralität ablegte und aktiv an ^-eÄe des Vierverbandes in deu Krieg eingriffe.
Allein in Rumänien ist der russische Rubel und der französische 'Frank reichlich gerollt, Zeitungen lourdeii aus- :tekauft und Politiker hat nran gewonnen. jene übleii Demagogen, die für ihre Bezahlung das predigen, lvas verlangt wird und als Vvlksverführer über Bedenken, Eiwvärrde und Hindernisse ohne werteres brnweg-eheu. Zwei Jahre lang l^at man die Rumänen bearbeitet und sie ebenso in den Bann der Enttntte ziehen wollen, wve dies rnit Italien er- solgDeich gelungen ist. Das Schicksal Italiens sollte, so nrätzte man t,reinen, eine gute Warnung sein. Nicht alleür, daß Italien sich zwecklos verblutet, ohne auch nur den geringsten Erfolg erzielen, es ist auch in eine Wirtschaft- bähe und politische Abhängigkeit von England geraten, dM-ch die ss zur Ohnmacht verurtcr.lt ist: Italien muß heute lvillen- los nach der englischen Pfeife tan&ai. Auf Rumänien wartet dre russische Pfeife. Dervioch muß damit gerechuer werden, daß dleMrmäneu heute oder morgen, der Bernihrun.g unterliegen könnten. Die nationalen Leideuschmrerr sind bis zur Weißglut erhitzt worden und russische Hetzer wiegeln die Straße auf, indem sie auf das Land jenseits der transsyl- oarnscherr Alpen weisen, wo die ungarländischen Ru inanen wohnen, etwa 3 Millionen Menschen, die aber treue Staatsbürger Ungarns sind und 24 Monate hindurch mutig und- opferwillig sich für die österreich-ungarische Monarchie geschlagen haben. Man will diese rumänisch sprechenden Bauern ..befreien", ohne daß natürlich irgend jemand dort nach einem Befreier gerufen hätte. Unter diesem Borlvande soll Rumänien dem Vierverbande neuen Vorspann dien st leisten Die Wehrmacht des Landes ist sicherlich nicht zu verachten- täni ^ c Armee zählt nach ihrem Friedensstande rund 100000 Mann, eine Zisier, die für k^n Kriegsfall aus dem Papiere etwa verdreifacht loeoden soll, eine 'Ziffer jedoch die keineswegs als maßgebend zu betrachten ist. Tenn, wie der Krug bisher gezeigt hat, ist es sehr wohl möglich, zehn Prozent, ja sogar bis zu dreizehn Prozent der Gesamtbevöl- kerung schlagkräftig zu machen und für Rumänien würde
Eine Zreidiftaiaöemie.
, ^Königsberg wird uns geschrieben: Aus Chrrstiania kam kürzlich die Kundp, daß im ZusamNiLnhang mit der neuen norwegischer: „Akademie für bildende Künste" auf einer benachbarten Insel in den Sommrffemeftern eine Freiluftakademie eingerichtet werden solle, in der die Künstler die Luft- und Lichter, chemungen gleichsam aus erster Hand entgegennehmen können ^twas Aehnliches lteht auch der Königlichen Kunstakademie m Königsberg bevor, nur daß es sich dabei nicht lediglich um ein Sommervergnugen, sondern um die dauernde Unterbringung drejes Kunstmstituts handelt: weitab vom Getriebe der Pregelstadt, rnmitten einer anmutigen Natur, ersteht dort das von Professor Fr i edrichLahrs ersonnene und ansgesülftte Vnm der Kömgsbevger Künstler. Die alte Akademie auf der Konigsstraße ist infolge der Einrichtung neuer Klassen längst zu klein geworden. Es wurde deshalb bei Ratshoi ein durch eiue Schlucht geteiltes Gebäude von annähernd 50 000 Quadrat- mcteni ermo-c&en. .Hier wird sich ein richtiges Pavrllvnsystem durchführen lassen, soweit nicht Kimstklassen und Berwaltirngsapprd- rat eine Zentralisierung verlangen. Die einzelnen .Hauptlehrer imrdeii ihr eigenes.Heim haben, und zwar werden nicht nur ihre Werkstätten unmittelbar mit ihren Wohnungen verbmDen sein,
1 andern auch mit ihren Klassen und SchuleratelrerS, so daß, au diese Wesse möglichst geschlossene Gruppen für den Untcurichtsbe- tneb geschaffen werden. Bor allem aber werden die Künstler Gelegenheit haben, ungestört durch die Außenwelt nach der Natur zu zerchnen und zu malen und in einem alten Obstgarten auch Fremcht-Akte nach .Herzenslust studieren zu können.
^ Umfahrt und lebender: Hecken umgebener Platz von 60 Meter Breite und 120 Meter Länge bildet sozusagen den Reprasentattons- und Wffstnschaftshof der Akademie. Ihn begrenzt rm Süden das größte Haus der ganzen Aillage: das langgestreckte Klassengebäude, das in unmittelbarem Zusammenhänge mit dem Wohnhaus des Direktors steht. Nördlich davon liegen die beiden HauSgruppen, die die WohrmWen und Ateliers des Bild- Hauers und d^ Graphikers bergen; jener wird im eigenen Hause Modelle von Kolossalstatuen, dieser den Druck seiner Kupferstiche und Radierungeii aussührm könneii. Zwei andere Künstler Hanser werden sich sinserts des Ratshöfer Bachs erheben. — Das nahezu 100 Meter lange Massen- oder Hauptgebäude enthält u a einen Oberlicht,äal für das Zeichnen nach Mpsnwdellen. rimm Hörsaal, einen Aktsaal. eiiu Davienklasse, Schülerateliers und eine geräumige Aula, die. ohne Störung für den übrigen Betrieb, auch als Ausstellungshalle betiutzt werden wird. Auch ist ein kleiuerer 'Ausstellungsdaueriaum vorgesehen, so daß endlich emntal der loschaffte Schatz der Königsberger Akademie: die Dvrger- lohsche Sammlung zu ihrem Recht kommen wird. Es ist dies erne erlesene Pffvatsammlung von Handzeichnungen und
Armee einen Umfang von 600 bis 700 000 Mcm.u, Sirure des ß 1255 der Reichsvefficherungsordnung anzunehmeir. erreichen. Schwieriger allerdings ist die Materialausrüstung. , Praktisch würde es nach Ansicht des Oberversicherungsamts auch
Wohl sind die 644 Geschütze, über die Ruviänien im Jahre r914 verfügte, seither entsprechend vermehrt worden, man hat unausgesetzt gerüstet und sich vorbereitet, das .Hauptübel jedoch, den Mnnitionsmaiigel. nicht völlig beseitigen können. An diesenl Munitionsinangel krankt nun die ganze Schlagkräftigkeit uiid nach dieser Hinsicht machen sich im rumänischen Generalstab auch die schlverwiegcndsten Bedenken gel- tend. Man verhehlt sich nicht, daß man, was die Munition anbelrcsfl, durchaus und nach jeder Richtung vom Vierverbande abhängig sein würde, iiicht gerade tröstliche Aussichten, denn man weiß, daß Rußland selbst in der Munitivns- befchaffung seine größtcil Schwierigkeiten fand.
Bukarest, 25. Ipli. (WTB. Nickstamtlich.) Eine Anzahl ReserveofiiZlerc nnt dem (General Mustatz an der ^itze hat für dre Berusskollegerr eine Liga für den Vaterländischen -U) r o lt gegründet, deren Zweck cs sein soll, bei ihren Mitglieberil koue reinen Gefühle zu pflegen, wie sic für ein tapferes, Vaters landiiches urw monar-chisches Volk passen. In einem Huldigungs- telegramm an beu_ König von Rumänien wird als Ursache der Gnindnng die Einsprache gegeil deii Angffff auf die militärischen und monarchischen Grundsätze angeführt.
Uns »nd Can6.
Dießen, 26. Juli 1916.
" Kriegsteilnehmer und Krankenrente. Eine Kriegsteilnehmer besonders wichtige Entscheidung, die denrnächst ouch noch das Reichsversiche rungsamt Berlin beschäftigen wird, fällte kürzlich das Ober vcwsicherungsamt Darinstadt. Der Kriegsbeschädigte H„ der vor serner Einberufung zuni Militär gut gelohnter Schreiner in Spezialgeschäften war, erhielt im Januar 1915 einen Gelvehrschuss in die Beckengegend und ist dieserhalb imirier iwch in Lazarettbe- bandlung. Die Kiigel steckt noch im Körper. Die Einschußöffnung ist noch nicht geheilt, so daß H. noick) alle 2 Tage verbunden werden nruß. Am 3. Januar 1913 stellte H. Antrag auf Invaliden reute. .Diirch Bescheid vom 10. Februar 1916 bewilligte die Landesversicherungsanstalt aus Grund eines Gutachtens ihres Ber- trauenarztes dem Antragsteller vom Beginn der 27. Woche nach Eintritt seiner Erwerbsunfähigkeit ,11. Juli 1915- bis zum 31. Dezember 1915 die Juvalidenkrantcnreutc im Gesamtbeträge von 84.89 Mk., für weiterhin lehnte sie Rentengewährung ab, da Invalidität nicht mehr vorliege. Gegeii diesen Beschluß hat H. Be- rusung erhoben und Weitergewahriing der Rente beantragt, da er noch in Lazarettbehandlung stehe. 'In der Verhandlung vordem Oberversichermrgsamt erstattete der Bertraumsarzt des Ober- verftchei-uugsamts nach vorausgcgangener Untersuchung des H. ein ObevMttachten. Nach Arrsicht diffes Sachvefftändigensist H. nach dem 31. DezenÄ-er 1915 auf dern allgenwinen Arbeitsmarkt nur um 50 "o in seiner Acbeitssahigkett beichränkt. Trotzdem bewilligte das Oberverncherungsamt dmr H di- Rmte auch über den 31. Dezember 1915 hinaus. Begründet wird diese Ansicht des Oberversicherungsamtes damit, daß H. mcht etwa wie manche ander« Kriegsbeschädigte in hiffiger Gegend im Lazarett schläft und ißt, an Übrigen aber eine seinenr settheffgon Beruf entspracheride Arbeitsstelle, wenn auch mir versuchsweise versieht, 'andern daß er. mit einige Stunden cm Tag mit Anfertigung von Schmuckkästchen und dergl., also mit einer seinen: Berns sernlieqendeii Tättgkeit, wie andere schwerverletzte, in der Gewerbeschule bffchäfttgt ist. Außerdem i,t das Geffcht der Ansicht, daß allgemein Kriegsteilnehmer stets für die Zeit ihres Lazarettausent- haltsals invalideimSinnedesZ 1255derReichs- veriicherungso-rdnung zu betrachten sind und daher Anspruch auf Invaliden- oder Kvankenreitte Haber:, soweit im übrigen die Voraussetzungen hierfür gegeben sind. Der Gesetzgeber geljt nach der Auffassung des Oberveffichcrungsamts von der, Frage ans, ob der Versicherte sich mit Rücksicht aus seinen Gesundheitszustand etwas erwerb«n, verdienen kann. Dies ist aber unmöglich für einen Befficherten. solange er sich im Lazarett befindet, da er dann keine Möglichkeit hat, sich gewnblich zu betättgen. Der geffnge Nebenverdienst kommt nicht :n Betracht. Es ist daher, soweit nicht besondere Umstände vor- lregen (z. B. Beurlaubung tagsüber zwecks Berffchtung von Lohnarbeit) währerrd der LazarettbehanÄung Erwerbsunfähigkeit im
Kupsifftichien bedeuterrder, älterer und neuerer Künstler. Es be- sinden sich darunter Blätter von Chvdowiecki, Rembrandt, Dürer, schöne Aetzungen von v. Dyck, Lithvgraphieen von Menzel, auch neuere Arbeiten von Whistler, Fora in, Staufser, Kollwil;, Crem er usw. Die Sammlung, deren Wert nsit 80 000 N^ark kaum zu hoch angegeben wird, stammt ans dem Besitz eines ostpreußischen Guts^ besitzer Dorgerlvh, der später nach Berlin übersiedelte und dort erner der erfolgreichsten Vöenzelsanrmler wurde. Er verkaufte die Sammlung in den neunziger Jahren an beu Staat, der sie der Kunstakademie Königsberg als Geschenk überrmes.
In der architektonischen Ausführung der Akademiebauten war Professor Lahrs vvrrwhmlich aus wohl abgewogene Linienführung, Vvr allem aber auf das Prakttsche und Zweckdienliche bedacht. So ist z. B. aus die freundlichere rote Ziegeldeckung verzichtet und ein etwas „wtes", graues Dach durchgcchhrt worden, weil vonl roten Ziegel stör«rdc Reflexlichter in den Arbeitsräumen zu besirrchten waren. Auch plastischer Schmuck ist sehr spaffani verwendet worden; es finden sich rrur ein paar Rundsiguren aus dem Direktorhaus und ein Relief über dem Haupteingang. Der Bau ist am 8. August 1913 begonnen worden und wäre rvohl schon vollendet, tvenn nicht der Krieg dazwischen gerommeil wäre. Jetzt ist die Eröfsiiung wohl eine Weile hinausgeschobeii und erst nnt dem Einznge des neuen Direktors zu erwarten. Das alte Haus in der Stadt wird dann nach einem lttiibau der Baugewerksckmle z:rr Versiignirg gesteltt werden. Dr T
zu nnliebsanien Konsegnenzen führen, wenn einem Teil der in Lazaretten befindlichen^ versicherten KriegsteUnchmer die Rente bewilligt, dem anderen Teil veffagt würde. Die Grenze wäre sicherlich sehr schwer zu ziehen. Gegen dieses Urteil, wonach allen versicherten Kriegsbeschädigten, die ununterbrochen länger als 26 Wo-
— Das- „Ge Witterz immer". Die Gewitterfurcht ist eure psvchologischc Erscheinung, die alles Vertrauen in die technische Vervollkoinannung unserer Zeit nnd in die Wirksamkeit des Blitzableiters nicht völlig aus der Welt zu schassen vernrag. Besonders nervös veraittagte Äienschen haben bei schweren Gewittern, lvie sie gerade in letzter Zeit häufig auftraten, urttm- Beängstigungen zu leiden, /die sreitich, so scheibt uns ein Mitarbeiter, heute nicht mel>r zu den recht sonderbar annrutendcn Abivehrmaßnahmen früherer Zeit verleiten. Im nerntten Kapitel der Reutcrschen Erzählung „DörchlÄrchting" sinden wir beispjx^weise die ubeiwus ergötzlich zu lffendc und roahrhast klassisch zu nennende Sckstl- dermig, wie sich „Dörchläuchttng" — der Herzog Adolf Friedrich IV. vop Acecklenburg-Strelitz, der von 1752—1764 regiert hat -- vor dem Blitz zu schützen versucht hat. Danach stand mitten in dem öuirmeck in dem sich Dörchlauchtrng anshieft, nn Tritt ans Flaschenhälsen uiid daraus eine Art von Lande mir Fenstern rundherum, die bis gcurz nach unten gingen, so daß das Ganze wie ein Vogelbauer aussah. Obendrauf war ein hellblauer, seidener Baldachin curgebracht, der iünenr Regenschirm glich und unter dem 15 Personen Platz hatten. Uild in dieser eigenarttgelr Vorrichtung saß Dörchlänchting in lausend Aengsten tit einem Lehnstuhl, bekleidet mit einem gelbseidenen Schlafrock und mit ciner
den Fallit, um Entscheidung einer Frage handelt, die für emen großen Teil der Kriegsbeschädigten von besonderem Jnterffse ist, hat die für die verwundeter: und erkrankten Kriegsteilnehmer dahier cmgerichtete Beratungsstelle für Arbeiterver- I : ch e r u it g usw. dem Kriegsbeschädigten H. k o st en l o s e Be r - tretung vor dein Reichsversicherungsamt Berlin vermittelt. Aus die Entscheidung des Reichsversicherungsamts daff man gespannt sein. Bei dieser Gelegenheit sei wiederholt darauf hingewiescn, daß die iit den hiesigen Lazaretten untergebrachten verwundeten urrd erkrankten Kriegsteilnehmer sowie auch sonstige Heeresangehörige Dienstags und Freitags von 2 bis 3 Uhr im Solpatenheim unentgeltlich illnskunst in allen Versorgungs-ünd Unter st ützungs angelegen heiten erhalten. Wer nicht ausgehen kaim, wende sich schriftlich an dei: Leiter der Beratungsstelle Bureaubeamten H. Kirchner, Gießen, Schisfeirberger Weg 16.
** Milchkühe nicht ab schlachten! 2luf. den Viehsam- melsteller: der'Biehhandels-Verbändc ist in den letzten Wocben, wie der Zentral vieh ho ndelsverband mitteilt,^ festgestellt worden, daß eine große Zahl Milchkühe abgeliefert wurde, die noch sehr erhebliche Mengen Milch gäben. Aus einer der größten lSrmmel- jtellen ijt die Zufuhr der zum Schlachten bestimmten MUchkühe so Umfangreich geworden (unter 1200 Rinderr: fast 600 Kühe), daß sich eine beträchtliche Zahl vrm Frauen ansinden, die die Ställe, ja selbst die ein fahrenden Biehzüge anssnchcn und die Milchkuh ausnielken. Tie Milchniengen, die von diesen Schlachtkühen aus den Sannnelstelten gewonnen werden, sind ganz erheblich (bis acht Lirer täglich- und beweisen, daß wir mit der Schlachtung dieser Äiilchkühe aus völlig verkehrtem Wege sind. Die Zentralorganisatio- ncn für die Volkssrnährung haben sich mit dieser brennenden Frage befaßt, nnd cs steht zu erwarten, daß ein Verbot dev Abschlachtung von Milchkühen demnächst erlassen wird. Inzwischen werden alle Instanzen, die im Lande mtt den: Aufkauf betraut sin.d, darauf aufmcrffam genracht, Kühe, die überhaupt noch Milch geben, in den Betrieben zu lassen.
** Ter n ä ch fte st ä d t i s ch e S e e f i s ch m a r k t findet Donnerstag, den 2 7. Juli, vormittags 8 Uhr beginnend. in den Marktlanben statt Verkauft wird bester Seefisch (Schellfisch, Cabliau, Schollen, Bratftsch) ~ zn Selbstkosten der Stadt.
Landkreis Gießen.
c. Garbenteich, 26. Juli. Professor Dr. Wallbott, .ein Sohn unserer Gemeinde, wurde am 19. Juli dom Magistrat der Stadt Wiesbaden zum Direktor des Rfform. Realgymnasiums gewählt. Wallbott ist 41 Jahre alt, studierte in Gießen Mache- mattk uiid Physik, wirtte nach seinem Exarnen zwei Jahre am Technrrum zu Bingen, von wo er als Oberlehrer an die Ober- realjchüle zu Wiesbaden berußen wurde, v: wffchem Beruf ec bis jetzt wirkte.
e. Großen- Linden, 26. Juli. Am 1. Juli d. Z. wurde der Statconsschaffner Georg Pfeifer in den Ruhestand verseht und tritt dem Allgemeinen Ehrenzeichen für treue Dienste in Silber atlsgezeichnet. Pfeifer gehört seit drei Jahren dem hiesigen Ge- meinderat an und stellt seit seinem Uebertritt in den Ruhestand seine Arbeitskraft der Gememde bei Verteilung von Lebensmitteln und dergleichen vielfach zur Verfügung.
-I- G r o ß e n - L i n^d e n , 26. Juli. Seit dem 3. Juli gztl der Musketier Ludwig S p i e S . der Sohn des Zimmermannes Johs. Spies, als vermißt, ist aber vermutlich in russische Gefangenschaft geraten. Er war nn Baugewerbe tätig. Im Frühjahre vorigen Jahres wurde er ausgehoben und steht jetzt nahezu ein Jahr im Felde. Er käinpfle auf dein östlichen Kriegsschauplatz und war in Serbien, Bulgarien, Mazedonien und schließlich in Galizien dabei.
a. Göbelnrod, 26. Juli. Die in unserem Orte vorge- uommene Haussammlung für die Volksspende zum Besten der deutschen Krieg?- und Zivilgesangenen betrug im ganzen 87,75 Mk.
grünseidenen Schlasinütze. An den Füßen trug er ein paar Schuhe, die mit rotem Siegellack lackiert waren. Aus dem ganzen Zunmer war all und jedes Metall entfernt worden. Da Dörch- lauchttng der Meiumig war, daß ebenso wie Metall und der Schall auch der Rauch den Blitz anziehe, durfte an solchen Tagen im Palais kein Feuer angemacht werden nnd Dörchlänchting aß sogar kalt zu Mittag. Es ijt einc^ bemerkenswerte Fügung des Zufalls, daß gerade in das Jahr 1c52, in dem Törchläuchttng seine Regierung anttat, die wichtige Effindung des Blitzableiters durch Benjamin Franklin fällt. Dörchlänchting hatte sich selbstverständlich an seinem Palais eine große Anzahl von Blitzablettern anbffngan laneii: seine übergroße Gewitteffnrcht zeigt uns aber, daß gerade d:e Franklssisckje Ersindung dazu geführt hat. Um bei ihm die Angst vor dem Blitzschläge zn erhöl-en. Auch andere ängstliche Leute ivaren damals darauf bedacht, chr kostbares Leben bei einem Gewitter in Sickjerl>ett zu bringen, unö manckje ffchteten sich sogar besondere Gewitterzimmer ein, in die sie sich zurückzogen, sobald fernes Donnerrollen oder Blitzen das dcahen eines Gewitters ankündigte. In einer aus der zwfften Hälfte des 18. Iahrhundetts staninienden nnd von einem Dr. Krüger in Helmstädt herrührenden Schildernrrg lesen tmr über die Einrichtung eines solchen Gewttter- zssnmers die folgenden belustigen den Einzelheiten: „Ich erblickte," so erzählt Dr. Krüger, „in einem großen Saal eine Gesellschaft von etwa 20 Personen. Der Fußboden nnd die Wände des Saales waren mit blauen seidenen Tapeten überzog«:, die Damen saßen auf, großen seideTien Stühlen, batten seidene Kleider an, und ihre Fiiße auf seidene Kissen gesetzt. Einige Mannspersonen, welck>e nichts mit seidenen Kleidern versehen wareri, hingen in der Schwebe an Stricken von blauer Sffde. In dem ganzen Zinuner war nickst das geringste von Metall anzutressen, und die Glastaseln der ^Fenster, welche sehr groß loaren, waren mit Pech eingekittet Mitten rm Saal !>rng ein kristallener Leuchter mit Wachslichtern, und vor dem Zimmer standen sechs Bediente auf Peckstonmm und hatten Fackeln von ebeir dieser Materie in der Hand " Wie Tr Krüger bemerkt, crklätterr ihnr die Bewohner des seidenen Zssnmers ausdrücklich, daß ihre Furcht vordem Blitzschläge durch die großen, eisernen, oben zugcspitzteu Stangen an den .Häusern der Nachbarn nur vermehrt worden setz da sie glaübten, daß in diese der Blitz nur umso leichter einschlagen nZerde. Um dieselbe Zfft wurde auch zum ersten Male das Elektrisieren zu Heilzw«ken angewandt, und man pstegte damals die zu elektrisierenden Personen entweder an seidenen Stticka: frei schweben zu lassen oder aus Betten zn legen, die an seidenen Stricken hingen. Aus jeden Fall über wurde verhindert, daß die Personen, die sicy elektrisieren ließen, direkt den Boden berührten. Man iveirdete also bei 6)e- wittern dasselbe Verfahren, aber in entgegengesetztem Ssiine an um sich gegenüber der Blitzgesahr zu ssosieren. . .


