Ausgabe 
14.7.1916 Zweites Blatt
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Rt. 163 Zwettl Blatt

Erjchernl täglich mit Ausnahnte des Sonntags.

Die ..-lehener Famttienbläücr" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt. das ..«reisblatt für den Ureis Siegen- zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Sttt- lragen" erscheinen monatlich zweimal.

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M. Zalstgmz

General-Anzriger für Gberheffen

Mfl

Keltüg. U- Juli

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schea Universitäts-Buch- unö Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

SchrMeitung,Geschäftsstelle ».Druckerei: Schul» straße?. Geschäftsstelle «.Verlag: e^Wöl,Schrift» leitung: ^^112. Adresse für Trahtnachrichtew Anzeiger Gießen.

Die Kathedrale von Saint Gmnnn.

Xie >yxaugofeit scheinen ans beit Lorbeeren, ihrer Karls­ruherHeldentat" nicht ausruhen zn tvollen. Ein neuer Ntchloser Anschlag liegt vor, diesnral allerdings nicht gegen Krnber und harmlose Einwohner gerichtet, sondern gegen eines der schönsten Knnstdenkniäler des eigenen französi- schen Landes. Die Kathedrale von St. Quentin, ein Kleinod NorHfrankreichs, ist durch den Massenangriff eines frau- ,Mischen UnggeschwaLers zur Ruine geworden. Die Basilika, der gotische Wunderbau der alten Kollegialkirche ist zweck- und sinnlos zerstört. Vergeblich wird man sich selbst im französischen .Hauptquartier aaif den militärischen Wert des grauenvollen Kunstmordes besinnen. Alle falschen Klagen über Barbarei, die nurn seinerzeit in Paris anstimntte. als die Kathedrale von Reims dnrch> die deutsche Artillerie unter Feuer'geiwmmen werden mußte, treffen für St. Quentin wirklich z-u. Erinnert man sich noch der Telcasse- schen Verleumdung, die das Signal gab, die deutsches Truppen hätten den Reimser Dom aus reiner Zerstörungs­sucht planmäßig bombardiert? Das prmßische Kriegs^ Ministerium hat damals in einer Schrift haarklein nach­gewiesen, wie grundlos uud gehässig die französischen An­klagen waren, wie unverantwortlich die Franzosen selbst verschuldet haben, was an der Kirche in Reims geschah und welche Greuel die französische Bevölkerung dann noch an den sclpververwundeten deutschen Gefangenen in der Kirche verübte. Gleichviel, immer noch gehört die Beschießung der Kathedrale von. Reims zu dem eisernen Bestand, mit dem unsere Feinde gegen uns Stimmung machen. Angenommen, die französischen Anklagen hätten einen Funken Berechti­gung gehabt, muß der Vergleich mit St. Quentin, unseren Gegnern nicht die Schamröte ins Gesicht treiben? Reims war belagert, Reims lag in der Feuerzone der deutschen Geschütze und war Feindesland. St. Quentin liegt weit ab vom Kampffeld, konnte nur durch eine Lustteise erreicht und durch Megerovmben beschossen werden. Und ist fran­zösischer Boden, eigenes Land für die Angreifer. Geht es in ein Menschenhrrn, daß man die ehrwürdigen Geschichts­denkmäler und religiösen Bauwerke des eigenen Vater­landes ^^stÄreir kann, ohne daß der geringste militärische Erfolg damit verbunden ist? Ist man sich an den leitenden Stellen der franWsischen Kriegsführnng bewußt, daß St. Quenttn nur ein kllines Glied in der .Kette furchtbarer Architektnrvernichtung ist? Daß iu der Kampflinie zwischen Nieuport und Belfort Dutzende von solchen unersetzlichen kostbaven Kunstwerken und Denkmälern für immer zer­stört sind, nicht durch die deutschen Barbaren, sondern durch die Franzosen und Engländer und Belgier? Auch hierüber liegen gewifserch-afte amtliche Feststellungen auf deutscher Seite vor Wir erwähnen nur die flandrischen Kirchen zu Meffiues, Witschaete, HoLledeke, Langhemareq, Poelcavpelle, Beeelaere, Fladesloo, Eessen, Westbooseke, die französischen Gotteshänrer von Rohe, Ouvskamp, Brimont, Bourgogne, Rouvves, Thiaucourt, ©t Mihiel. Besonders schwer sind, dann die Beschädigungen in der Ebene der Wvevre und an der Eckte Lorraine, vor allem in dem so heiß unisttittenen Zwickel, in dessen Spitze St. Mihiel liegt. In dem gänzlich zerstörten Etain ist die dreischisfige gotische Kirche durch die französischen Granaten auf das Schwerste beschädigt. Das Dach ist abgebrannt, das Gewölbe des Chores durch eine schwere Granate durchschlagen, das Innere ist ausgebrannt, dabei ist der Steinmantel völlig ausgeglüht und- zersprun- gen. Das kostbarste Kunstwerk der Kirche, die große Pieta des Ligier Richter vom Jahre 1528 mit großer Mühe und äußerster Sorgfalt abtransportiert worden und hat in der Templerkapelle in Metz Aufstellung gefunden. Dorthin hat aus Veranlassung der Heeresleitung der Direktor des Metzer Museums auch noch zwei andere hervorragende Kunst­werke gerettet, den dreiteiligen Sandsteinaltar aus Hatton- chätel vom Jahre 1523, der gleichfalls dem Ligier Richter

Ungeschrieben wird, und endlich die lebensgroße Holzgruppe der Maria und-des Johannes aus der Abteikirche St. Michel in St. Mihiel. Die beiden erstgenannten Kunstwerke wären bec dem Vorachckwcibeu der Zerstörung der beiden Kirchen unzweifelhafr zugvunde chrgangev, wenn nicht die deutsche Verwaltung hier diese Arbeiten in Schutzbast genommen hätte, um aus diese Weise der srcnMischen Kunst die Schöp­fungen^ eines ihrer Renaissance-Hauprmeister zu erhalten. In diesen Fällen sind es die Franzosen und ihre Verbün­deten, die, wir sagen gerechckerweise: nicht immer ans reiner Zerstörungssucht, sondern um desselben militärischen Mnß- willen wie wir, den schweren Forderungen des Krieges gehorchend, ihre eigenen Kunstwerke und Denkmäler zerstört hoben. Aber eben deshalb hätten die Franzosen allen Grund, mit den sinnlos Ai Bombenwürfen auf ihre eigenen Kirchen endlich ein Ende zu machen. Denn es ist nur ihr eigenster Schaden, kulturell dem Volke-und seiner Religion gegenüber und moralisch gegenüber der Zeit- und Weltgeschichte.

Airs SeaSt uud £<tttd.

Gießen, 14. Juli 1916.

Fm Ansturm der Russen.

Einer unserer Leser vermittelt uns aus Galizien nachfolgenden anschaulichen Feldpostbrief, den wir gerne unserm Leserkreise Mit­teilen:

Galizien, 23. Juni 1916.

Ich weiß, daß es Ihnen als echten Deutschen immer Freude machte, von deutschen Heldentaten zu hören. Eine solche echt deutsche Tat war auch die Aufhaltung der so großattig angelegten russischen Offensive. Tie Russen haben hier eine ungeheure Truppenmackt der,ammell, sie ins Gefecht geführt, Bataillon auf Bataillon, Regi­ment auf Regiment, und alle wurden sie geschlagen und mit großen Verlusten zurückgcworfen, zum größten Teil so, daß sic nicht inehr zurückkommen ko n n t e n. Die größten Angriffe waren am 17. und 21. Juni. Am 17. griffen die Russen ohne nennenswertes Ar­tilleriefeuer all. Folge war auf unserer Seite eine Ruhe, die ihresgleick>en sucht. Dann setzte mit einem Mal unser Artillerie-, Infanterie- und Maschineirgelvchr-Feucr ein. Die Russen fielen wie die Mücken. Auf einmal liefen sie und kamen erst am 21. wieder. Am 20. abends schoß sich ihre Artillerie ganz genau auf unsere, Gräben ein und fing am 21. nrorgeus uw 3 Uhr eilt ganz furcht­bares Trommelfeuer an. Wir hatten ziemlich Verluste, die Gräben wurden zerschossen, und der Drahtverhau ging in Stücke. Um 8 Uhr inorgens hörte mit einem Schlag das Artillcriereuer auf und die Sturinkolonnen rückten in dichten Massen an und wurden von uns mit demselben Feuer empfangen wie beim ersten Angriff: nur das Artilleriefeuer nahm twch zu an Heftigkeit. Welle aut Welle der Russen kam heran, immer dichter wurden ihre Linken und immer größer die Verluste. So ging cs bis um 4 Uhr nachmittags, zu welcher Zeit die Russen auf der ganzen Front zurückgingen: und was überließen sie uns? ein unsagbares Elend. Tote und Ver­wundete lagen zu Hunderten, ja zu Tausenden lvird wohl nicht über­trieben sein, oft in einem Schützenloch 28, ja mitunter 5 und 6 Aiann. Man Muß sich unwillkürlich fragen, wann werden die Russen dm Zwecklosigkeit ihres Angriffs einsehen? Zum Schluß seien Sie herzlich gegrüßt vmr

Ztzrem

** Ein Gießen er schreibt aus Mt. Bernon in Amerika- Die echten Amerikaner sind wirklich ganz neutral und wissen ganz genau, daß die Haltung der amerikanischen Regierung eine un­neutrale, einseitige und ungereckste ist. Aber wie kann man es denn auch anders erwarten mit einemEnglischen Amerikaner" als Prä­sidenten. Aber verlaßt Euch nur auf die Deutsch-Amerikaner icnd tue ^rpch-Amerikaner, die halten schon zusammen und verlangen Gerechtigkeit von der Regierung." Interessant ist hierbei, daß der Brief von der englischen Zensur geöffnet und mit dem Klebezettel Opened By Censor" wieder verschlossen wurde. John Bull ver- mag es also doch nicht, jede ihm unfreundliche Mernimgsäußernng zu unterdrücken.

** Vorschläge zur Verwinde rung des Seifen- verbrauchs. In allen Orten, in denen das Leitungs- oder Brumrenwaoer hart ist und ivegen seines Kalkgehalts einen Teil der Seife zu unlöslicher und deshalb unwirksamer Kalkseise bindet,

sollte zum Reinigen der Wäsche Regenwasser benutzt werden. In kanalisierten Städten wird zum Aufsangen des Regenwassers iu den Regcnabfallrohrcn etwa 1 Meter über dem Fußboden eine drehbare Klappe angebracht, durch die das Regenwasser in unter- gestellte Butten abgeleitet wird. Selbstvcrstäirdlich darf in das Abfallrohr kein Hauswasser aus Gossen steinen, Ausgüssen u. dgl. eingeleitet werden. Zur Streckung des S c i f c nvo r ra t s. kanit folgende Vorschrift empfohlen werden: ' 4 Pfund weiße,

kleingeschnittene Kernseife und 1 U Mund Bleichsoda (%. B. Henkels, löst man in 111? Schoppen Wasser völlig auf und briirgt die Lösung unter öfteren! Umrühren zum Kochen. Nach dem Kochen fügt man für 10 Pfennig Salmiakgeist hinzu, läßt die Masse zugedeckt stehen und füllt sie vor dem Erkalten iw eine gut schließende Büchse. Man erhält so eine schmierseifen­ähnliche Masse, die sich zum Einweichen der Wäsche und zur Reinigung der Fußboden eignet, nicht aber zum Reinigen des Körpers. Zur gründlichen Reinigung der Hände kann man mit Vorteil Putzpulver, wie das Blitz-Blank-Pulver, be­nutzen. Er reinigt durch seine mechanische Wirkung ebenso gut wie Seife und kostet sehr wenig. Desgleichen wirkt mechanisch reinigend ein Ersatzmittel für Seife, das neuerdings in den Apotheken aus Talk- oder Tonerde mit einem Bindemittel unter Zusatz schaumgebendcr Pflanzenteile hergestellt wird. Der Schaum enthält zahlreiche kleinste Kristalle, die bei dem Reiben fric, Hände so gut wie Seife reinigen. Im Gebrauch ist diesetz Ersatzmittel sehr sparsam, das Stück von etwa 100 Gramm kostet 20 Pfennig. Zum Kopfwäschen und Rasieren ist es jedoch nicht tzu benutzen: auch für die Wäsche kann cs in seiner jetzigen Zu­sammensetzung nicht empfohlen werden, da die Kristalle die Wäsche angreisen können. Der schaunrige Brei hinterläßt aus Kleidern Flecke, die 'jedoch durch einfaches Bürsten leicht zu entfernen sind. Als Z u s a tz m i t t c l zu Reinigungsbädern, besonders für Kruder, ist übermangansaures Kalium zu empfehlen. Von einer Lösung von 2-', Gramm auf l Liter Wasser wird zu eineur .'Bade für einen Säugling ein Teelöffel voll, für ein älteres Kind 23 Teelöffel und für einen Erwachsenen 1l 1 /» Eßlöffel voll gegeben. Es ist jedoch darauf zu achten, daß die Lösung erst dem fertigen Bad zugesetzt wird, da sonst die Badewanne, namentlich wenn sie einalliert ist, bräunlich verfärbt wird. Ter aus einer Manganverbindung bestehende. Ansatz kann bei Wannen aus Blech, Porzellan oder Terrakotta durch einfaches Scheuern, nötigenfalls unter Verwendung von etwas Kleesalz entfernt roerden. Emaillierte Wannen müssen etwa alle Vietteljahre schnell mit etwas Kleesalz abgewaschen und dann sofort gründlich abgespült werden. Schwämme und Waschlappen werden leicht gründlich verfärbt, sind aber ebenso gut zu verwenden wie vorher und vom gesundheitlichen Standpunkt ans sogar vorzuziehen, weil die Verunreinigungen durch über­mangansaures,Kalium zerstört werden. Tie vorrätige Lösung muß als zum äußerlichen Gebrauch bestimmt gekennzeichnet werden und darf Kindern nicht zugänglich sein. Kleesalz ist bekanntlich giftig. Zum^Waschen der Kopfhaare kann eine Mischung von einem Teil käuflichen Salmiakgeist aus rreun Teile Wasser, etwa ein Eßlöffel voll zu einer Kopfwaschung, unter gründ­lichem Nachspülen der Haare gebraucht werden. Wasserglas- lösung. die zum Einlegen von Eiern benutzt wurde, eignet sich gut zur Reinigung von steinernen Fußböden, Treppen, Wasser­steinen und dergl. (Abdruck erwünscht.)

Hessen-Nassau.

--- Frankfurt a. M., 14. Juli. Im Hause Schäfergasse31 trug sich gestern mittag eine schwere Bluttat zu, die zwei Menschen - fe&en forderte. Die Hausbewohner hotten gegen 11 Uhr ''aus der Wohnung, der im zweiten Stock wohnenden Ehefrau des Kauf­manns Ke s s e l in schneller Folge mehrere Schüsse fallen. Aks man in die Wohnung drang, lag Frau Kessel in ihrem Blute tot im Bett. Vor dem Bett lag der 40jähttg'e Kaufmann Kramer ebenfalls Lot. Der Maun hatte, wie die Untersuchung ergab, die Frau int Schlafe überfallen und sie durch mehrere Schüsse in den Mund und die Schläfe getötet. Hierauf jagte sich Kramer selbst einen Schuß in die Stirn,, der so sott tödlich wirkte. Ueber die Ursache zu der Bluttat verlautet noch nichts Bestimmtes. Ein achtjähriges Kind der Frau, das während der Tat im Zimmer weilte, blieb unverletzt.

X H a n a n, 13. Juli. Im Kahlgrunde entlud sich ein heftiges Unwetter mit wolkenbruchartigem Rege«. Der Bahudamin der Kahltalbahn wurde an verschiedenen Stellen überflutet, so bei Alzenau und Michelbach. Verkehrsstörungen traten jedoch nicht ein

" R i n g s h a u f e n , 14. Juli. Musketier Wilbelin L o t h von hier wurde mit dem Eisernen K r e u z 2. Klasie aus­gezeichnet.

Au »st, Wissenschaft und Leben.

Kleiner arabischer Sprachführer" für Tommy AtLins. Tonrnry Atkins, der von seiner Regierung nach Aegypten zum Kampfe gegen die Türken geschickt ist, kommt dort mit seiner Abuttersprache anscheinend nicht aus; wenigstens Hai mm: es für nötig befunden, ihm einen kleinen arabischen; Sprachführer in den Tornister zu packen, der eine Handvoll Rede­wendungen enthält, wie sie in den häufigsten Lebenslagen eines Soldaten erforderlich sind. Dieses Büchlein, dasBritish Sol- diers CoNoguiat Arabic" von Mol)gmmed Hammann führt Tommy Atkins nun in eirrer Reihe erheiternder Zwiegespräche init Eitr- geborenen des fernen Aegypten mrd Arabien vor. Zunächst begegnet Tommy Atkins einem Herrn, der, nachdem man sich mitguten Tag" «unddanke sehr" begrüßt hat, behauptet, er hieße Ncohammed. Dann fragt Tommy Atkins:Sprechen Sie englisch?" Ant­wort: ein wenig mein Herr. Was wünschen Sie von mir, fragt Tommy weiter. Ich mochte mit Jhüen Bier trinken, ent­gegnet Mohammed, woraus Tomull) Atkins das Gespräch mit den Worten beendet:Ich habe kein Geld. Gehen Sie weg." Hals über Kops wird Tommy Atkins dann durch Mohäinmed Hammann in einen Liebeshandel verivickelt:Komm her, Mädel," so leitet Tommy das Gespräch ein. Tie Schöne annvottet liebenswürdig: Ja mein Herr."Wie heißt du?"Ich heiße Hanem." gibt Tommy sogleich eine Liebeserklärung von sich:Du bist hübsch und freundlich und auch sympathisch. Ich liebe dich so sehr." Tie Schöne ist ansck>einend gleicher Ateinnng, denn sie sagt:Ick) liebe dich auch, Herr." Leider ftat Mohammed Ham- nwntn es unterlassen, anzugeben, wie die Tinge sich weiter ent­wickeln, so daß Domnry Atkins vorkommenden'falles ganz hilflos ist. Dagegen gibt Mohammed Hammann an, :vas Tommy Atkins zu sprechen hat, wenn er sich mit feirter Schönen zankt. Das Ge­spräch zwischen den zornigen Liebesleitten lautet so:Du bist ein Lügner."Du bist sin Betrüger."Du liebst mich ivegen meines Ge6>es." Hier wird Tommy von Leidenschaft über­mannt und sagt unvermittelt:Deine Wange ist rosig (was, da es sich um eine Onentalin handelt, sicher falsch ist). Dann, ver­langt er einen Kuß, den er Hsöchst niedrig, mit einer halben Milliene, also etwa einem Pfennig bewertet! Zn den »veiterenüblichen Lebenslagen" des Soldaten rechnet Mohammed Hammann den Besuch der Bar und des Wirtshauses; Domnry Atkins lernt ans dem Büchlein, wie er in arabischer Spracheeine Tasse Tee mit Butter" zu bestellen habe und mit welchen Worten er eilt Bak- schisch gibt. Als echter Orientale hat Mohammed Hammann auch an Unterhaltungeit mit Bettlern gedacht. Freilich, Tommy Atkins lernt bei dem Gespräch mit dem Bettler für sich nicht vccl, denn meistens ist der Belttcr am Wort:Herr, ich bin blind. Einen halben Purster bitte... Ich bin sehr arm.. . Ich bitte Sie berz-

lrch bm lehr hurcgrig. .. Ich bin sehr durstig..W.

rend dreier Worte, die m kurzen Zwischenräumen erschallen, der Bettler anscheinend neben Tommy Atkins einher, ohne ei« Antwort gewürdigt zu werden. Wer schließlich verliert Tom: Atttns doch dce MMd.Ich habe kein Geld," sagt er zue: Nachdem der Bettler wieder eine Zeitlang gewinselt und geben hat, sagt Bommy milde:Geh weg." Der Bettler hört nicht a nun schnauzt Tommy ihn an:Mach, daß du weg konunst, Esel. Bas verschlagt auch nichts, tuid nun wird Tommy cndl grob: ^,,Geh zum Teufel!" Diesem Rate scheint der Bettler folgen, reden falls läßt er von Tommy ab, denn mit diesen Wort endet das Gespräch..

^ literarische Dankbarkeit der Italienc

Bas Verhaltms der Alliierten untererrrander nimmt immer se samere Formen an, und die Forderungen nach Entlastnnc offensiven^ von der einen und Dmrkbarkeitsbezeugungen von t anderen Seite entbehren manchmal nicht der Komik eines höc ergerttümlichen Handels. Seit kurzem, so weiß dasJouri des Debats, zu berichten, ist in Italien das plötzlich vcrvielfack ^nteresic der Gebildeten für die russische Literattir ausfallet me Buchhandlungen vermögen kaum der Nachfrage nach russisch Roinairen und Gedichtbänden zu entsprechen, in den Lei bibliotheken werden vorwiegend Uebersetzmrgen aus dem. Russisch verlangt, und auch die Verleger haben mit einem Male eutdec daß ihr literarisches Herz in heißer Liebe für das russische 3dm tum schlägt. Wenn man demJournal des Debats glaub darf, ist inan in allen großen italienischen Buchverlagen eifri, damit beschäftigt, Uebersetznngen russischer Werke herzustellen, wol die ganze slavische Literatur in Betracht gezogen wird. Woh kommt nun dieses plötzliche Interesse der Italiener für russisc Dichter imd Denker? Die Erllärung ist ebenso einfach wie nai Da die nronatelongen Erivattnngen der infolge harter Bedränqu« bereits kläglich jammernden Italiener in dein Beginn der rnssisch- Offensive des Generals Brnssilofs sinigermaßen Trösttmg fände fühlt man sich in Italien verpflichtet, die Hilfe des Bunde genossen zu erwidern. Wenn die Italiener hierzu aber ke besseres Mittel wissen, als der russischen Literatur demonstrativ ib Achstnng zu bezeugen, muß man hieraus schließen, daß ih fonstigen, gegemvörtig sicherlich roichtigeren Hilfsquellen nrckit alt. groß sind. Und es ist kaum anzunehineu, daß die Russen d von ihnen in letzter Zeit so massenhaft gebrachten blutigen Opf dadurch genügend belohnt sehen werden, daß in dem an sich nie allzu lesesieudigen Italien mehr russische Bücher oerbrettet werdc als bisher.

Bogelidyll an der französischen Front. E ganz eigenartiges Heiin hat sich, lore derTemps" erzählt, ei Nieifenpaar an der französischen Front ün tothrrugsi'cheii Wall ansgesirckt. das in einen! Briefkasten nistet mtt» sich dirrchau

nicht stören laßt, wenn der Briefkasten täglich zweimal geleert wird jedesmal, ivenn der Briefkasten geöffnet ivurde, fand nian die Briefe von den Vögeln in eine Ecke gestoßen, während die Tier­chen die andere Ecke energisch behauptcteir und mit ruhiger Neu- gier auf die Mmschenhände sahen, die die Briefe fortnahmen Schließlich bemitzten die Soldaten, um das niedliche Bogelidnll nicht zu stören, diesen Briefkasten nrchr inehr und sahen nur von £0^, äu Zeit nach, !vas aus den kleinen Meisen «vurde ^ie Melfenmutter legte nun zehn Eier, brütete sie aus und die zehn Zungen flattern jetzt ebenso zutraulich wie ihre Eltern um die Soldaten und leben glücklich imb zufrieden mitten in der kriegc- rlfchen Unruhe, selbst durch Kanonendonner nicht aufgescheucht.

- ^ o E l e k t r i s ch e. Für den Schutz des össcntlichen

-verredr» yabeil die elekttifckien Bahnen schon viel getan, n>enia aber fpr den Schutz ihrer Berkebrssprache.Ein Billett Fahr- fcheul) bis zur letzten Station '.Haltestelle)", sagt der Herr auf

"? lc ; shll ' ocn Biegungen) sind schrecklich, ev kommt iiochmal zu emer 5larambolagc (Zusaminenstvßj". seufzt dwo lunge Mädchen, von einem Stoße aufgerüttelt.Bei der fetzigen Frequenz i Uebersüllungi könnte die Direktion 'Leitung) auch für bestere Ventilation 'Lüftung) sorgen", fügt mürrisch ihre dicke,Nachbarin hinzu. BZarum brauckrt das Publikuiu F-ll-s- k^enrdwörter? Die Dienstsprache ist mit schuld daran.

3- cn lv !,t ein großer Fremdwvrtsammler. Wie heißen

'? ?e .lngestellteu-> Direktor Leiter . Oberkontrvlleur Vc> - kehrsvoriteher.. Kontrolleur. lBerkehrsanfseher.. Was gehör! zu

hrultl w lb !r l ^ CUQ ^ .ll^belle Tafel', das Formulur -Vor­druck) das Zirkular lNundfchrcrben). Wo haben sie zu tun? An-

-ager-, dem Lepot^lBahnhof), dem Bureau -Ge- schastt'nmmm. deui Motonvagen r riebumgeu'. Was fabelt sie zu An? Sie revidieren fbemissichngen >.. konrrolliaren .prmen . rrmis pprtteren cheforderrr), reparieren (bessern aush installieren rtckpen cm) koupreren Wochen) Natürlich springt der Freindivortsttoin Zll Apparat (Einrichtung über. Von der elektrischen

Kraftstatton (Kraftwerk) kommt er, durch die Kontaktstange 'Strom abgeber) geht er. imd auf de«n Wagen bleibt er. Der ist von fottdem Syp [nad\ gutem Muster>) und stabiler .stlluistruklion (fester roinmt es zn einer Kollision Zusammenstoß' und nnrd er lcwieit 'beschädigt), donii wird er gegen einen Reservewwwn (Erfatzivagen) nusrangiett 'ansgeuuuysell. Gegen diesen sprach lichen wcifchlnafch waren die bi-?Ircrigen Scharmützel noch nicht wittchni, genug Man balle solche Fremdwörter dauernd jedem ^-ahrggst vor Augen, durch- eine Berdeutschungstafel nämlich die lckstbar m jedem Wagen Hang! Dann wird mancher gute ^eu'lttt'e sehen, dast in ferner Sprache ellvasdefekt" ist, und er wird iv- Frentdwötter zum alten Eisen iverfan, Tcsch stolli