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Lrstez Blatt
<66. Jahrgang
Zreitag. < 4 . Juli <916
Der Sretzaner »nzeiqer
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Sießener^amilitnblätter.
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Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Abflauen der feindlichen Offensive.
(WEB.) Großes Hauptauartier. 13. Juli. (Amtlich.)
W e st l i ch e r Kriegsschauplatz.
Nördlich der Somme gelang es Dm Engländern, sich in Eontalmaison festznfetzen. Das Artilleriefeuer wird mit großer Heftigkeit fortgesetzt. Südlich der Somme Hatzen auch gestern die Franzosen mit ihren Angriffen, die mehrmals beiderseits von Barleur. sowie bei und westlich von Eftrees angesetzt wurden, keinen Erfolg gehabt. Sie mußten, meist schon in unserem wirkungsvollen Sperrfeuer, unter s ch w c r st e n blutigen £ p f c r n umkehren. Oestlich der Maas war der Artilleriekampf noch lebhaft. Die gewonnenen Jnfanteriestellungen wurden verbessert, di- Gefangenett- rabl erhöht sich um siebzehn £ffjzicre. zweihundertdreiundvierzig Mann aus sechsundfünfzig Offiziere, zwettausenddrci- hundertneunundvierzig Mann.
In Frelinghien. am Kanal von La Basfee. an der Höhe La Kille mortt. östlich von Badonviller und bei Hirzbach gelangen deursche Palrouillenunternehmungen.
Nördlich voll Soisso ns wurde ein französischer Doppeldecker in unseren Linien zur Landung gezwungen.
O e ft l i ch e r Kriegsschauplatz.
Bei der
Armee des Generals Grafen von Bothmer
wurden durch umfassenden Gegenstoß deutscher Truppen bei und nördlich von Oleeza (nordwestlich von Buczacz) ein- gedrungene Russen zurückgeworfen und dabei über vierhundert Gefangene gemacht.
Balkan-Kriegsschauplatz Nichts- Neues.
Ober ft e Heeresleitung.
Es waren einige bange Tage, in denen wir bei dem gleichzeitigen Losschlagen Brussilows, Josfres und Haigs gelebt haben, aber wir atmen wieder frisch und frei aus. Unsere Heeresleitung selbst geht uns mit der allen Zuversicht voran, indem sie in kurzen Aussätzen aus dein '.Hauptquartier seststeltt. daß der alte Siegeswille der^Deutschen durch nichts getrübt worden sei. Der Erfolg bei Souoille hat, wie uns nochmals amtlich erklärt wird, eine ganz besondere Bedeutung. Ausdrücklich wird hervorgehoben, daß die feindlichen Offensiven nicht imstande waren, eine einzige Kanone oder einen einzigen deutschen Kämpfer aus unserer Angriffsfront um Verdun abzuziehen. Das ist ein stolzes Wort, und es erklingt uns heute doppelt erfreulich, weil wir jeden Tag besser erkennen, wie vergeblich alle Anstürme der Feinde auch in Zukunft sein werden. Die Franzosen haben es vor den Engländern voraus, verschiedene örtliche Erfolge davongetra- gen zu haben. Die halbamtliche französische Meldung vom 10. Juli spricht von einer neuen Taktik, von einem „Borschieben der Schultern", das sich mit einer Sicherheit vollziehe, welche die Herrschaft der Franzosen über ihren Gegner beweise. Diese Taktik ist, so bemerkt der Berner „Bund", keine andere als die von den Deutschen bei Verdun geübte, schmal angesetzte, aber tiefe Staffelangriffe mit gegenseitiger Abstützung der Flanken. „Sie verspricht aber vielleicht nur dort endgültigen Erfolg, wo die Verteidigung an einen unverrückbaren Punkt gebunden ist, dessen Fall eine gewisse strategische und eine große moralische Wirkung haben könnte, nicht aber dort, wo es sich um die Zurücknahme üewegj- licher, in der Tiefe mit starker Elastizität ausgestatleler Fronten bandelt."
*
Wie ist es heute um den Geist der Deutschen bestellt? Es ist selbstverständlich, daß im Volke Klagen über mancherlei, zum Teil wirklich ernste Beschwerlichkeiten laut werden. Solche Klagen sind ein Sicherheitsventil gegen seelischen Druck, sie gehören gewissermaßen zur GesunMeit, und ohne Klagen gibt es auch kein rechtes Durch halte i^W 0 aber der Geist der Notwendigkeit prüfend nritspricht, wo sich die F ü h r er des Volkes aussprechen, da zeigt sich, daß die beiden Kriegsjahre an unserem Willen zuni Durchhalten nichts geändert haben. Wir «rußten uns in unseren Lebens- gewohnheileil etwas einschränken, gewiß, und inanches Leid ist dadurch verursacht worden. Allein dürfen die Klagen darüber etwa die Vernunft und Erkenntnis für das ''Notwendige abböfen? Die „Deutsche Zeitung" greift ein erlösendes Wort eines süddeutsche): Priesters auf, der seiner Gemeinde am Schluß xiner Predigt zugerufen hat: „Das Maul hatten und durchhalten!" Dieses von'bajiwarischer Derbheit geprägte Wort hat in dem besprochenen Sinne seine volle Richtigkeit und Berechtigung. Die „Deutsche Zeitung" knüpft daran noch folgende Ausführungen und Hinweise auf die uns drohenden Gefahren:
Diese etwas derbe aber den Kern treffende Ermahnung fall kürzlich ein bekannter süddeutscher Prälat seiner Gemeinde nach der sonntäglichen Erbauung mit auf den Weg gegeben haben? Es scheint nötig, dieses herzhafte Geleitwort weiteren Kreisen int deutschen Volke zur Ansfrischnng des Gemütes zugänglich zu Aachen Ter hohe Schwung des Kricgsgeistes von 1914 hat all
mählich dem allbeliebten Hang zu kleinlicher Nörgelei Platz gemacht. Tie Notwendigen Einschränkungen im Haushalt, die Teuerung der Lebensmittel haben die Pandorabüchse geöffnet. Alle üblen Plagen aus der jahrhuirdertealten Zerstückelung wollen sich wieder unter dem Kirchturmshorizont tummeln. Di'' Topsguckerei, ob der Nachbar sich nicht durch Witz, Geld oder Vettern schaft einen Brocken mehr in den Sonntagstopf gelockt hat. mißgünstige Beargwöhnung der Stände gegeneinander, der üble Bruderneid zwischen Stadt und Land endlich gar — man sollte diese selbstmörderische Kurzsichtigkeit doch längst und gerade jetzt im Weltkriege als greisenhaft überlebt, nichtsnutzig und dreisack) verflucht in die tiefste Vergessenheit cingescharrt haben.
Wie liegt denn unser Fall Die große militärische Entscheidung dieses Weltkrieges ist eigentlich heute schon so gut )ric gegeben. Die letzte gewaltige .Kraftanstrengung unserer Feinde, das millionenfache Anrennen ans allen Seite):, das seit Wochen versucht wird, hat nach seinem bisherigen Ergebnis unser uneingeschränktes Vertrauet: zu unseren militärischen Führern und ihren Heldenheeren nur noch selsensestcr verankert. Sic werden uns nicht ):icderringcn! Um so eifriger sind unsere Gegner an: Werke, nach Englands hämischen: Rat uns wirtschaftlich abzuwürgen, den Hungerkrieg au die Stelle des Weltkrieges, zu setzen. Keine Rohstoffe für Deutschland, kein deutscher Gewerbetreibender, kein deutscher Angestellter, kein deutsches Kapital in den Ländern des Vierverbandes und ihren Kolonien jetzt während des Krieges und möglichst auch nach dem Kriege! Deutschlmrd das am wenigsten begünstigte Land! Erschwerung oder Vernichtung der deutschen Ausfuhrwege!
Wir tritt#it nicht vergessen, wir hüben einen bitterernste): und zähen Feind, der jahrhundertelange Wüvgearbeit gewohnt ist, England. Tie Herl ätzten Gefühle seines Geldbeutels sieht es nach dem mißlungenen Ansprung in diesem Weltkrieg näher dem Bankrott denn je. Es kann und wird nicht Nachlassen, uns zu verfolgen. Jeder einzelne von uns muß sich immer mid immer wieder klar machen, was das auch für ihn im besonderen bedeutet. Eine Erschwerung seiner Arbeit, eine! Minderung seines Einkommens, eine stetig ivachsendc Verteuerung seiner Ernährung. Die Schuldenlast des Reiches wächst ins Ungeheuerliche. Zweieinhalb Milliarden jährlich sind jetzt bereits nötig, allein, um die Zinsen der Kriegsschuld zu zahlen, ganz abgesehen von bot anderen Ausgabe): und Ausgaben des Reiches, Ocut die freieste Entfaltung unseres Wirtschaftslebens, die fruchtbarste Einsetzung unserer wirtschaftlichen Kräfte kann uns über diese böse Schwierigkeit Hinweghelsen. Dazu aber brauchen wir einen starken Frieden, und keinen in Mattheit hingenommenen faulen!
Dieselbe Notwendigkeit predigt, nur in etwas anderem Gewände, der Reichstagsabgeordnete Konrad H a u ß nt a 11 n in der neuesten Nummer des „März". Er-hält den Feinden vor, daß sie sich in ihren Hoffnungen und Zielen verrannt und getäuscht haben, daß die Deutschen dagegen ihre ruhige Gelassenheit und ihr Vertrauen auf den günstigen Frieden sich bewahrten. Mehr für die deutschen Mitbrüder ist das Wort Haußmanns bestimmt, daß die Deutschen zugleich die Zukunft und die Gegenwart spüren und ahnen, was jene von dieser gebieterisch fordert, nicht bloß an Gewalt, sondern auch an Gehalt. Unsere Leser werden diese Gedairkengänge des süddeutsche): Volksvertreters mit besonderem Interesse verfolgen, denn er wirkt nicht durch Gefühffserregnngen, sondern vornehmlich durch klaren Mick aus das Unabänderliche und iliotwendi'ge:
Wird der Krieg bis zum Jahre 1918 dauern? Physisch nn- inöglick ist es was die Wiederstaudskraft Deutschlands aulangt -
nicht. Vielleicht kann artet) England noch Jahr und Tag Hilfsmittel und Hilssvülker mobilisieren. Die Vernunft aber bat ausgehört, ein Faktor der osjizielkm europäischen PoWk zu sein. Die Ententepolitik wird durch die MMhte der Leidenschaft und Rache
noch immer beherrscht. Die Gegner Deutschlands müssen simulieren und dissimulieren. Deutschland nicht. Denn Deutschland hat sich vor Jahresfrist zu Friedensverhandlungen amtlich bereit erklärt. Es wollte den Frieden und will den Krieg nur, weil die Feinde den" Frieden nicht wollen. Dieser Eventualwille der Deutschen in darzun doch eben so stark, wie die Westfront von Verdun bis Ppern und die Ostfront von Hindenburg bis Lin singen und Bothmer. Weil das die psychologische und historische Wahrheit ist, können wir Dinge frei, kraftvoll und gelassen besprechen, welche die Gegner der Wahrheit zuwider leugnen müssen! Der Kriegswille der feindlichen Kri-egSsortsetzer ist kein Muß, er ist teils Zwangsvorstellung und teils „Geilheit", um mit dem Strafgesetzbuch der Carolina zu reden. Wir Deutsche — es ist keine falsche Ruhmredigkeit, wie solche uns von ungeschickten Landsleuten vorgesetzt wird — haben inmitten einer Epoche der Schlachten und Opfer, Entbehrungen und Tate)) eine Gelassenheit, die weder Freund noch Feind in ihrem Charakter verkennen und absprechend beurteilen soll. Tenn diese Gelassenheit ist die ungebrochene Willensfreiheit einer Nation, immer das als richtig erkannte zu tun und morgen die Lehren von gestern auszuführen, ist die Abwehr der rings rasenden Narrheit, ist der Entschluß, zum A u s b a u e n fähig z 11 bleiben trotz aller und wegen aller Verwüstung. Die Deutschen spüren zugleich die Zukunft und die Gegenwart und ahnen, )vas jene von dieser gebieterisch fordert, nicht bloß an Gewalt, sondern ailch an Gehalt. Tresor Zustand wird den Krieg zu Ende führen und wird uns befähigen, auch bei den dereinstigen Friedensverhandlungen, die zum Teil Handelsvertragsverhandlungen fein müssen, einen prinzipiellen und eventuellen Standpunkt mit aller Schärfe zu vertreten. Unsere Vernunft dar: nie kleiner sein als die der ^Gegner und so groß, um auch der Unvernunft der ,Feinde die Stange zu Hallen. Die Entwicklung wird zeigen, daß Deutschland mit dieser intellektuellen Bereitschaft der Entente den Rang ablausen kann, weiru es den Vorteil jenen „inneren Linie", die man politische Vernunft nennt, klar und kraftvoll sich zu Nutzen macht. Das dritte Kriegsjahr wird dazu Gelegenheit geben.
Die Helden der Front teilen diese Anpassung uiü) verlangen sie von der Heimat. Sie haben ein ernstes Recht mitzusprechen, sie, die geftrnt haben, von den Männern der französischen Schützengräben mit der ruhigsten und ehrlichsten Hochachtung zu denken und sprechen. »«»
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
Wien. 13. Juli. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 13. Juli 1916.
Rusfischer Kriegsschauplatz.
In der Bukowina und südlich des Dnjeftr bei unveränderter Lage keine besonderen Ereignisse.
Westlich und nordwestlich von Buczacz trieb der Feind erneut starke Kräfte zum Angriff gegen die vom General Grafen von Bothmer befehligten verbündeten Truppen vor. Während ein Teil seiner Sturmkolonnen bereits vor unseren Hindernissen zusammenbrach, gelang es einem anderen, in ein schmales Stück unserer Stellungen cinzudringen, dock warf auch hier ein ungesäumt einsetzender Gegenstoß deutscher und österreichisch-ungarischer Reserven die Russen wieder hinaus, so daß alle Angriffe des Gegners völlig gescheitert sind. Zahlreiche russische Gefangene.
Am Stochod schlugen unsere Truppen beiderseits der von Sarny nach Kowcl fiihrenden Bahn einen Angriff ab. Sonst nichts von Belang.
Der russische Generalstabsbericht vom l 1. Juli verftciqt sich zu der Behauptung, daß die Streitmacht des Generals Brussilow seit dem Beginn der russischen Offensive 266 606 Gefangene eingebracht habe. Obgleich die Unzuverlässigkeit der russischen Berichterstattung längst zur Genüge bekannt ist. sei doch nochmals darauf verwiesen, daß die von den Russen angegebene Gefangenenzahl nahe an die Gesamtstärke jener Truppen unserer Nordoftfront hcranreicht. die in den vergangenen fünf Wochen in ernstem Kampf gestanden waren.
I t a l i e n i s ch e r K r i e g s s ch a u p l a tz.
An der Front zwischen Brenta und Etsch war die fechtstätigkeit gestern wieder lebhafter. Auf dem P a s u-b i 0 wurde ein Nachtangriff der Italiener abgewiesen. Im Po sinatal unter andauernd starkem Geschntzfeuer wiederholte Vorstöße zahlreicher Patrouillen. Bei diesen Gefechten wurden ein Offizier und 163 Mann gefangen genommen.
Nach äußerst heftiger Artillerievorbereitung griffen gestern nachmittag starke fein-liche Kräfte unsere Stellungen im Raume Mt. Rasta-Jnterrotto nochmals an. Wie in den Vortagen scheiterten auch diesmal alle Angriffe unter den schwersten Verlusten der Italiener. Auch weiter nördlich waren alle Versuche des Gegners, in unsere Stellungen ein zudringen, vollkommen fruchtlos.
S n d ö st l i ch e r Kriegsschauplatz.
Unverändert.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfcr. Feldmarschalteutnant.
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Der französische Bericht.
Paris. 13 Juli WTB Nichtamtlich., Amtlicher Bericht vom Mittwoch nachmittag: An beider: Ufern der Somme verlier die Nacht ruhig. Zwischen S 0 i s s 0 u s und Reims machten die Franzosen bei kleinen Unternehmungen in Richtung nur Cerno n


