beste», daß die WtrkluHkett weit hinter den Erwcrrtmrgen zurückgeblieben Oft, bic er an den Verlauf “bec Dtrrge knüpfte.
Der türkische Bericht.
Kvnstantinopel, 30. Juni. (WTB.) Das Hauptanattier teilt nrtt: AnderJrakfront keine Veränderung. Tic russischen Streitkräfte, welche östlich von Sermil zurückgegangcn waren, konnten sich infolge der kräftigen Verfolgung in ihren Stellungen bei Keveude nicht Ijalt-eti; westlich Kerende berrterfte russische Nachhuten wurden d-urck; uns vertrieben. Unsere Kerende durchschreitenden Truppen verfolgten den Feind in der Richtung aus Kermanschah.
Kaukasusfront: Auf dem rechten Flügel keine Tätigkeit. Im Zentrum Vatrouillengefechtc, in deren Folge, wir dem Feinde einige Gefangene abnähmen. Lluf dem linken Flügel fahren unsere Truppen fort, mtttcls erfolgreicher ' Operntionen fortschreitend, die vom Feinde gehaltenen Stellungen zu besetzen. Hier wurde das Lager eines feindlichen Bataillons unter wirksames Artillerre- feuer genormnen und das Bataillon zerstreut.
_ Drei Kriegsschiffe des .Feindes, die in den Gchiässern von Smyrna kreuzten, warfen erfolglos Granaten cyif die Küste; die Unsrigeu antworteten.
An den anderen Fronten nichts von Bedeutung.
Der italienische Bericht.
Rom, 29. Jwri. (WTB.) Amtlicher Bericht. Zwischen Etsch uud Brenta setzten wir gestern unseren fortschreitenden Vormarsch trotz des immer größer werdenden Widerstandes des Feindes in Sperrstellungen, die für die Verteidigung bis aufs äußerste vorbereitet sind, fort. Im Brand-Tal eroberten unsere Alpini nach erbittertem Kampf das Fort Muttassone südwestlich der gleichnamigen Ortschaft, während unsere Jnfanterie-Abteittm- gen sich der Abhänge des Monte Trappola bemächttgten. Um unser Vordringen auszuhalten, unternahm der Feind im Laufe des Abends einett heftigen Angriff in der Gegend von Zugna, der mit sehr schweren Verlusten znrilckgewiefen wurde. Auf dem Pasubio eroberten wir feindliche Schützengräben bei der Sennhütte von Eonragnon. Längs der ganzen läsmafront bis zum Borcola- Paß verlangsamten die Geländeschwrerigleiten und das Feuer schwerer Arttllerie unsere Offensive. Indem sie jedoch den Feind von Fels zu Fels jagten, gingen unsere Truppen auf Griso vor und eroberten die starke Stellung von Cinra Betta auf den Hängen des Monte Majo. Im Astachtal besetzten wir Pedesevla. — Auf der Hochfläche der „Sieben Gemeinden" besesticfte sich der Feind stark aus dem Nordrand des Assatales bis zum Agnella-Paß. Tas schwierige, bewaldete Gelände begünstigte die Aufstellung von Maschin engewehren, wahrend weiter hinten liegende Batterien schweren und mittleren Kalibers des Feindes die Zugänge 511 seinen Stellungen ununterbrochen beschießen. Im Laufe des gestrigen Tages vervollständigten wir die Besetzung des Sndrandes des Assatales und eroberten starke Schützengräben in der Nähe der Cima Zebio und des Cima Zingarella. Längs der ganzen übrigen Front bis zum Karst ist die Lage unverändert. Ans dem Karst drang unsere Infanterie infolge glänzender Angriffe in einige Gräben des Feindes ein und eroberte andere. Im Laufe des Tages machten wir 656 Gefangene, dahinter 21 Offiziere und erbeuteten vier Maschinengewehre, viele _ Walken, Munition und sonstiges Kriegsmaterial. — Oesterreichisch-ungarische Flugzeuge warfen morgens aus Udine drei Bomben ab. Eine traf das Städtische Krankenhaus, tötete zwei Kranke und verletzte einen dritten. Die anderen Bomben verursachten keinen Schaden, weder an Menschen noch an Material.
Aus der italienischen Kammer.
Bern, 30. Juni. (WTB. Nichtamtlich.) Die italienische Kammer fuhr in der Besprechung der Regierungserklärung fort. Aus der Rede des offiziellen Sozialisten Trevez ist der Schluß bemerkenswert, wo er unter lebhaftem Lärm daran erinnerte- daß in der französischen Kammer einige Sozialisten verlangt hätten, die Regierung möge mft Was fen still st andsvor-- schlägen beginnen, auch in Deutschland habe sich eine ähnliche Bewegung für den Frieden zu entwickeln begonnen, nicht nur Unter Sozialisten, sondern auch unter den Unterzeichnern des berühmten Aufrufs der 93 Jntcklektuellen. Seiner Meinung nach dürfe der Krieg bald beendet sein.
Kundgebungen in Rumänien.
Bukarest, 30. Juni. (WTB. Nichtamtlich.) Die Sozialisten hielten heute vormittag eine öffentliche Versammlung ab, um gegen die Haltung der Behörden und Truppen in Gal atz Einspruch zu erheben. Tie Teilnehmer, von denen die Mehrzahl im Dersam-mlungssaal nicht Platz fand, faßten folgenden Beschluß: Wir verlangen die soforttge Euthaftund der Sozialisten und Bestrafung des Präsekten, des Bürgerineisters, des Ersten Staatsanwalts und des Leutnants Elüche, der die Truppen befehligte. Die rumänische Regierung soll mit der zwecklosen Politik, die zur Aushungerung des Landes und zum .Kriege führe, brechen. Tie Anwesenden erklären, daß sie ihren Widerstand nicht früher einstellen werden, bis die rumänische Regierung sich für eine anständige Neutralität entschließt, die das Volk vor einer Hinmordung für falsche Ideale bewahrt. Nach der Bersarumlrmg zogen die Teilnehmer, etwa 6000 Personen, an der rumänischen Gesandtschaft und einigen Hetzblättern des Verbandes vorüber, wo sie feindliche Kundgebungen veranstalteten. Die Stadt war militärisch stark besetzt. Die Kundgebung verli-ei ohne Zwischenfall. Die sozialistische Parteileitung erklärte, bis aus weiteres täglich Versammlungen abhalten zu wollen. Mtt dem allgenreiuen Aus stand in Brckavest, dem sich fast alle Arbeiter anscbliefen, findet ein allgemeiner Ausstand in Ploesti und Braila statt.
England und die Neutralen.
Berlin, 1. Juli. Me englische Regierung verhandelt augenblicklich, wie die „Boss. Ztg." erfährt, mit Vertretern der neutralen Länder wegen der Einstellung jeglicher Ausfuhr in die Länder der Mittelmächte. Die Neutralen sollten dadurch entschädigt werden, daß England die Ernte und Ausfuh-nvaren der Neutralen für sich und seine Verbündeten an kauft. Me Neutralen müßten sich aber verpflichten, die Wcwen rnit eigenen Schiffen nach England und Frankreich zu liefern und auf der Rückfahrt englische Güter mitzunehmen. Falls die Neutralen aus die englischen Bedingungen nicht eingehen wollten, würden ihnen Repressivmaßregeln angedroht.
Die englischen Soldaten mit GewiflenSbedenken.
Rotterdam, 30. Juni. (WTB.) Der „Nieuwe Rotter- damfche Courant" meldet aus London:
A s q u i t h gab am 29. Juni eine Erklärung über die Behandlung der Leute ab, die aus Gewissensskrupeln den Dienst der^ weigern. Er sagte: „Wenn Soldaten sich weigern die ihnen erteilten Bel-hie auszuführen, so werden vor allem die Fälle aus gesondert roerden, die nickst aus Gewissensskricpel gegen den Kriegsdienst zurückMsühreu sind. Alte diese Fälle werden an das Kriegsamt gemeldet werden, das die über die bet res senden Personen vorliegenden Akten prüfen werde. Weigert sich ein Angeklagter, Aufklärungen zu geben, oder läßt sich das Bestehen von Gewissens-, skrupeln nicht entsprechend Nachweisen, so bleibt der Angeklagte unter militärischer Jurisdiktion. Leute, die tatsächlich ans Gewi, '.cnsskrupeln den Dienst verweigern, werden bedingimgsweise aur, i>em Gefängnis entlassen und zu Arbeiten für die Regierung verwendet werden. Das Staatssekretariat für innere Angelegen-, heilen werde die Art der Arbeit sestznstellen haben." Asguith sagte ferner, er glaube, daß es möglich sein werde, Leute mit wirklichen G-nüssensbedenken durch das Parlament vom Militärdienst zu ^freien lBeifall). Versuche, sich unter dem Bottvande von G" 6 .mssfcupün dem Dienst zu entziehen, würden aber mit der aubetnen Streng bestraft werden. Es würden keine Soldaten nach Frai.tteich gefchigr werde,!, bei denen Grund bestehe, anzunehinen, datz Gmvjjensstruptt haben.
Der Seekrieg.
Deutsche Torpedoboote im Kamps mit russischen Schiffen.
Berlin, 30. Juni (WTB. Amtlich.) In der Nacht vom 29. zum 30. Juni griffen deutsche Torpedoboote russische Streitkraste, bestehend aus einem Panzerkreuzer, einem geschützten Kreuzer und fünf Torpedobootszerstörern, die offenbar zur Störung unserer Handelsschiffahrt entsandt worden waren, zwischen Haes- ringe und Landsort mit Torpedos an. Nach einem kurzen Gefecht zogen sich die russischen Streitkräfte zurück. Trotz heftiger Beschießung sind auf unserer Seite weder .Verluste noch Beschädigungen zu verzeichnen.
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Bern, 30. Juni. (WTB.) Dem „Temps" zufolge wurde der italienische Segler „Avellino" auf der Fahrt von Valencia nach Italien torpediert und versenkt. Desgleichen der italienische Dampfer „Clara" (5502 Tonnen), welcher einer Genueser Schiffahrtsgesellschaft gehörte und 1913 erbaut wurde.
Bern, 20. Juni. (WTB. Nichtamtlich.) Mailänder Blätter melden aus Madrid über die Versenkung der italienischen Dampfer „Mogibelli", „Roma" und „Piuo": „Mo- gibelli" wurde am 27. Juni 30 Meilen östlich von Mallorca versenkt. 31 Mann wurden gerettet. Der Kohlendampser „Roma" wurde am 26. Juni in den gleick^n Gewässern versenkt. 21 Mann wurden gerettet. Am 28. Juni wurde der Dampfer „Piuo", der von England nach Savona unterwegs war, 50 Meilen östlich von Minorca versentt. 25 Mann wurden gerettet. •
Die mexikanische Arisis.
Washington, 30. Juni. (WTB. Nichtamtlich.) Mel- dung des Reuterschen Bureaus. Der Kongreß nalstnGesetzentwürfe an, durch die die Angehörigen der Miliz in die reguläre Armee übersetzt werden, und bewilligte s ieb enu n d zw anz i g e i nhalb Millionen Dollars für ihre Beförderung an die Grenze, die rasch vonstatten geht. Die Gesandten von Bolivia und San Salvador erneuerten ihr Vermittlungsangebut. Staatssekretär L an sing erwiderte, daß er zur Erörterung der Vermittlung erst geneigt sei, wenn die Gefangenen tatsächlich sreigelassen sind und er die Antwort Carrcrnzas auf die amerikanische Note erhalten habe.
Aus dem Kelche.
Verkehr mit Hülsenfrttchten.
Berlin*, 30. Juni. (WTB. Amtlich.) Eine Bekanntmachung des Bundesrats vom 29. Juni ordnet eine Anzahl Aenderungen der Berordnrmg über den Verkehr mit H ü l s e u s r ü ch te u vom 36. August 1915 (in der gegenwärtig geltenden, durch die Verordnungen vom 20. September und 21. Oktober 1915 geänderten! Fassung) an. Me wichtigsten sind die folgenden: Der Absatz von Erbsen, Bohnen und Linsen erfolgt künftig an eine vom Reichskanzler noch zu bestimmende Stelle; die Verfütterung von Hülsenfrüchten ist vorbehaltlich der besonderen Regelung für die zu Futter- zwccken angebauten Arten verboten. Die gesamte. Erntemenge an Hülsensrüchten ist unmittelbar nach Einbringung der Ernte den von der Lcmdeszentralbehörde zu bestimmenden Stellen anzuzeigen. Von der Anzeigepslicht ausgenommen sind nur Mengen unter 25 Kilogramm (bisher ein Doppelzentner) von jeder Art. Ganz neu geregelt ist der S aal gu t ver ke h r. Saatgut muß von der mit der Betvirtschaftung der Hülsenftüchte bettauten Stelle freigegeben und darf nur durch die von der Laudeszentralbehöcds Gezeichnete Saalstelle abgesetzt werden. Die letztere kann im Einverständnis mit der ersteren innerhalb der vom Reichskanzler vorgeschriebenen Grenzen die Preise festsetzen. Nicht zu Saatzwecken verwendetes Saatgut ist, sowett die Mengen 25 Kilogramm scher Art übersteigen, spätestens bis 31. Mai 1917 bei der Bewirt- schaftungsstelle anzumelden und von dieser zu übernehmen.
Durch eine wettere Verordnung vom 29. Juni ist der Verkehr pi/tt Buchweizen und Hirse in derselben Weise geregelt wie der mtt Hülsensrüchten. Die einzelnen Bestimmungen schließen sich eng an die der Bekanntmachung über den Verkehr mit Hülsenfrüchten in ihrer Treuen Fassung an. Dies gilt auch von den Vorschriften über den Verkehr mtt Saatgut.
Sammeltage für die deutschen Kriegsgefangenen.
Berlin, 30. Juni. (WTB. Nichtamtlich) Als Auftakt für die Sammeltage, dtt von der V 0 l k s s p e n d e für dke deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen im gesamten deutschen Reich veranstaltet werden, fand heute abend im zoologischen Garten eine große vaterländische Feier statt. Der große Berliner Sängerbund, dem über 1000 Sänger angehören, und die sämtlickien Berliner Militärkapellen wirkten an der Feier mtt, zu der sich ein außerordentlich zahlreiches Publikum versammelt hatte. Auch die staatlichen Behörden, besonders das Kriegsministerium und das Answärttge Amt, entsandten verschiedene Vertreter zu der Feier. Bekanntlich hat die Kaiserin das Protektorat über die Spende übernommen.
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Berlin, 30. Juni. (Priv.-Tel.) Me „Voss. Ztg." meldet ans München: Das bayerische Ministerium IM die Veranstaltung von Leich ent r un ken oder Leichenschmausen, die Teilnahme an solchen Veranstaltungen sowie dre Abgabe von Nahmrngs- und Genuftmitteln hierfür verboten.
München, 30. Juni. (WTB.) Me Kamm e r der Abgeordneten hat beschlossen, den Fehlbetrag von 228 Millionen im bayerischen Haushalt durch Zuschläge zu den direkten Steuern zu decken. Die Zuschläge sollen im Gegensatz zu dem Regierungsvorschlage nicht gleichmäßig alle Steuersttifen mit 30 vorn Hundert treffen, sondern mtt Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage und die unteren und mittleren Klassen wälzend des Krieges ausnahmsweise so verteilt werden, daß Einkomnren bis zu 1800 Mark von den Zuschlägen frei bleiben, während die höheren Einkommen rnit zehn bis fünfzig Prozent Zuschlag belegt werden. Der fünfzigprozentige Zuschlag beginnt bei einem Einkommen von 150000 Mark. Ferner hat die Kammer den Anttägen zu- gestirnmt, welche Erleichterungen zugunsten des stark belasteten .Hausbesitzes und Gewerbes vorsehen.
München, 30. Juni. (WTB. Nichtamtlich.) Bei Beratung des Postetats in bet lammet der Abgeordneten erklärte der Verkehrsminister über das P 0 st - reservat: Die bayerischen Verkehrsanstalten haben den Beweis der Berechtigung ihrer Selbständigkeit erbracht; sie stehen in ihren Leistungen hinter keiner der anderen Verwaltungen zurück. Die bayerische Briefmarke ist ein Teil der Selbständigkeit der bayerischen Post und ich muß den Wunsch nach Aufhebung derselben ablehnen. Wir können sehr wohl gute Deutsche sein, auch wenn wir unsere bayerische Briefmarke behalten. (Lebhafter Beisall rechts.) Ein Antrag des Zentrums, die Regierung zu ersuchen, entgegen dem Beschluß des Reichstages vom 3. Juni an der bayerischen Postmarke mit allem Nachdruck festzuhalten, wurde mit großer Lehrheft angenommen.
Dresden, 30. Juni. (WTB.) Der Präsident des Kriegsernährungsamtes hatte im Ministerium des Innern eine Besprechung mit Vertretern der beteiligten Mi- nisterien und einem geladenen Kreise ans allen Kreisen der Jnteressentengruppen des Landes. Me Besprechungen trugen einen vertraglichen Charakter und gaben Gelegenheit, Herrn
v. Batocki über die in Sachsen bestehenden Schwierigkeiten auf dem Gebiete der Nahrungs- und Futtermittelversorgung eingehend zu unterrichten und Wünsck-e vorzubringen, die für die Gegenwart und das kommende Erntejahr nach den in Sachsen geinachten Erfahrungen und Besonderheiten der Bedürfnisse des Landes als dringlich angesehen werden. Herr v. Batocki war in der Lage, für ein große Reihe der aus den Kreisen der Versainmelten vorgebrachten Beschwerden und Wünsche baldige Berücksichtigung in Aussicht stellen zu können, und er versicherte erneut, das; die durch den starken Zuschußbedarf Sachsens bedingten Schwierigkeiten Gegenstand seiner besonderen Fürsorge bilden würden.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 1. Juli 1916.
Sonntagsgedanken.
Zum I.Juli.
Unsere Universität begeht heute, wie inrmer am 1. Juli, ihr Jahres fest. Sie tut es. zum zweitelunal im Kriege. Wie pflegte das sonst ein fröhlicher Tag für die Stadt sein. Wird er es oiesmal auch sein? Können wir Feste feiern in chteser Zeit?
Still und ernst wird die Stimnrung der Feierndeit sein. Wenn wir in der Aula, der Lehrkörper um unfern Rektor, uns sammeln, werden unsere Gedanken in die Ferne sck)wei- feit. Wir werden die Männer suchen, die zuvor nnt uns auf diesen Bänken saßen. Wie einst ihr reiches Wissen, so haben sie nun ihr reifes Leben im heißen Kmnpf dein Vaterlands hingegeben. Me Namen, um nur eimge zu nennen, Bier- mann, Knöllinger, Strack, Wünsch, vielen unvergeßlich, werden leise durch das Gemüt der Feiernden ziehet!. Und unsere Studenten, für die wir da sind, w-ie klein ist ihre Schar geworden. Endlos reiht sich im Personenbestand zu ihren Namen die kurze vielsagende Bemerkung „im Heere". Was haben sie in ihren jungen Jahren gesehen^ erlebt, erkämpft, erlitten in diesen beiden blutigen Jahren. All die jungen Kämpfer haben es wahr gemacht, was sie in jugendlichem Hochgefühl gesungen und gelobt hatten:
Sterben gern zu jeder Stunde,
Achten nicht der Todeswunde,
Werrn das Vaterland gebeut.
Wirklich, wie wir es niemals ahnten, hat sich der Wahrspruch der Ludoöiciana erfüllt: Literis et armis ad utrumque parati: Mit dem Wissen und den Waffen, zu beidem bereit.
Still und ernst, in wehmütigem Stolz, werden wir feiern. Aber wir werden wirklich feiern. Deutsche Universitäten fiitb lebendig geblieben in diesem Kriege. Keine einzige hat ihre Arbeit einstellen müssen. Auch Straßburg und Königsberg, die beiden schwerbedrohten, nicht. Das ist deutsche Ueberliefernng, an der an seiner bescheidenen Stelle auch Gießeu teilnimmt. Wie 1810 in den Jahren der Not die Universität in Berlin gegründet wurde, so hat mitten in diesem Kriege die Universität in Frankfurt ihre Tätigkeit begonnen, und in Warschau wurde 1915 die polnische Hochschule unter deutscher Herrschaft eröffnet. Das sind unvergängliche Wahrzeichen dieser deutschen Ueber- lieserung. Was will sie sagen? Ich denke, di-e Tatsachen reden laut genug, sie bezeugen es, daß dies deutsche Volk, dem Militarismus und Barbarentum zu seltsam-neuen Ehrennamen wurden, auch in härtesten Sckstckl als stunden es nie vergessen will und kann, was Geist und Wissenschaft für sein Leben bedeuten. Nicht dessen nur gedenken wir, was wir heute in Technik und Volkswirtschaft dankbar und staunend erleben. Auch diese Triumphe deutschen Geistes waren ohne den ttesen Untergrund der Wissensckmft niemals möglich. Wer die Universität ist keine Pslegschule schnell verwertbarer Erkennttlis. Nützlichkeitsgedanken sind! die Triebkraft ihrer Arbeit nicht. Wahrheitsforschung allein ist ihr letztes Ziel. Hie weiß, daß sie mit diesem Ziel hinausgreift über die Grenzen jedes Volkes und die Schranken jeder Zeit. Aber sie weiß zugleich, daß es das stolze Erbe deutscher Vergangenheit ist, das sie in dieser unendlichen Arbeit hütet. Und sie glaubt nrid hofft, daß in der neuen Zeit, der unser Vaterland sieghaft entgegerrgeht, dieser alte Geist seine stählende und läuternde Kraft immer wieder beweisen wird. Daß auch sie ein wenig dazu beitragen rnöge, ist der Wunsch, den wir unserer Universität an ihrem Jahresfeste mitten im Kriege bringen. Eck.
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Jahresfeier der LandeS-Univerfitüt.
Die Landesuniversität beging heute morgen 11 Uhr in der Neuen Aula ihre Jahresfeier, deren Ton den schweren Zeiten entsprechend gedämpft war. Denn wenn die Zahl der im zweiten Kriegsjahre gefallenen oder an Wunden und Krankheiten verstorbenen Studierenden auch nicht so erheblich wie die der im ersten Kriegsjahre Gefallenen ist, so waren doch immerhin schwere Verluste zu beklagen. Der Betrieb der Studien konnte aber ohne größere Störungen auftecht erhalten werden urrd wird auch in etwa noch folgenden Kriegssemestern voraussichtlich ohne ernstliche Einschränkung weitergeführt werden können.
Me Rede des Rektors Professor Dr. Sievers behan-^ delte die geographischen Grenzen Mitteleuropas. Er fi'chrte aus, daß, wer über den jetzt viel erörterten Begriff Mitteleuropa neben oder schreiben wolle, vor allem wissen müsse, was Mitteleuropa sei, und stellte in eingehenden Arrsführungen die schwierig zu ziehenden Grenzen desselben im Norden und Süden, besonders aber im Osten und Westen, unter öfterem Eingehen auf den Einfluß der geographischen Eigenart der Grenzgebiete auf den Verlauf der Kriegsereignisse fest
Umrankt wurde die Rede des Rektors von musikalischen Darbietungen des akademischen Gesangvereins. Es wurde geboten Terzett und Chor aus dem Oratorium „MaS" von Merrdelssohn, der 13. Psalm für dreistimmigen Fvauen- chor von Brahms, „Groß ist der Herr" für vierstimmigen Frcmenchor von Schubert und das Königs-Gebet ans Lohen- grin von R. Wagner.
Heute abend von 7 Uhr an findet eine zwanglose Zusammenkunft im Robert-SornArer^Garten der Univeufttät statt.
** Sein siebzigstes Lebensjahr vollende. e am 30. Juni der Geh. Hofrat Prof. Dr. Eugen Netto in Gießen. Geboren in Halle, vorgebttdet m Be-vbm,


