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7.6.1916 Drittes Blatt
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Kr. 152

Drittes Blatt

Erscheint täglich nfit Ausnahme des Sonntags.

Die ..Bicher FamllirkblLttrr" werden dem »Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das ..Areirbwtt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DierMidwftlschastijchen 3eit- lragen" erscheinen monatlich zweiinal.

llrb. Jahrgang

Eenerül-Al-zciger

Oderheßen

MWoch, 7 . Juni Wb

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Uniuersitäts»Blich- und Steindruckerei.

N. Lange, Gießen.

Schnktleitung, Geschäftsstelle ».Druckerei: Schul­straße?. Geschäftsstelle ».Verlag:^^51,Schrift- leitung: ^^112. Adresse für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen.

Der Haus- mb Grundbesitz im erweiterten Aammerausschuh.

V 0- Juni. Der erweiterte Finanzausschuß s?^?lruZichnß) der Zweiten Kammer hielt heute vormittag eine lrü?f le <? eca S 1 ?^ a ^' r ^ ie ßch ausschließlich mit dem ^bekannten SJW w** U n m 31 ' ^^^ffend den Hansbesitzmstand in Hessen, 4ind die deipechen Gegenstand betressenden Borstellmwen des Lan- desverbandes der Hmrsibesitzervc reine in Main- und' des Hans­ischer Vereins m Ostenbach beschäftigte. Es wurde zunächst die , Tzra^e behandelt, >t>ö H a n sbesitzerka ni m e r n errichtet werden sollen oder nicht, ^re Großh. Regierung stellte sich hier auf einen ablehnenden Standchnttt. da der Hausbesitzerstand eine zu- sammenHeschlosiene Körperschaft nicht bilde und deshalb auch nicht wie j>te Landwirtschaft und die Handwerksorganisation eine eigene Kammer sur sich beanspruchen könne. Weiter verwies die Regie- run^g daraus, daß rn keinem anderen Bundesstaat eine Hausb"-?

! Utzertammer gebildet sei und daß sich in .Hessen sowohl die größeren -Sradte, mit Ausnahme von Darmstadt, icie auch die Handels­kammer, die Landwirtschastskammer und die Handwerkskammer aegen eine solche Organisati-nr ausgesprochen hätten. Demqeqen- ^cher tourde aus dem Ausschuß betont, daß sich die ganze Frage rwch im Ansang ihrer Entwickclmrg befinde, und daß man dies« Entwickelung erst aowarten müsse, ehe eine endgültige Stellung dazu genommen werde. Es sei allerdings erforderlich, daß die Peter rgten Kreise sowohl hinsichtlich der Organisation, als auch der Bettrittsnotwendigkeit und des Brit rittszwang es, noch- nähere unrerlagen gaben. Hrer 'sei seitens der beteiligten Hausbesitzer- vei^rnc nach, lerne vollständige Klarheit gesckwffen. Ueberdies würde la mche Frage setzt nicht allein in Hessen, sondern auchi in Preußen betsandelt: man könne ja, da sich auch der Reichstag mit den' Fragen des Haus- und Grundbesitzes beschäftige, die Entscheidung dieser Körperschaften zunächst abwarten.

. >3^ ^ Antrags! Dr. Osann, die Frage, wie noch wäh­

rend des Krieges rnbetreff her zweiten Hypotheken geholfen werden könne, gab dre Regierung d:e Erklärung ab, daß sie sich an­gesichts der Notlage der zweiten Hypotheken mit Vorschlägen, wie sei, beschäftigt habe. Für uns in Hessen könne kaum dre Gründung erner besonderen Stadt- oder Landschafts lasse ins Auge gefaßt werden. Einzig komme hier die hessische Landes- H y p o t h e k e n b a n k rn Frage. Diese sei auch berechtigt, unter der Garantie der Gemeinden Gelder auf zweite Hypotheken anszu- k^ben. Es sy aber notwendig, daß die beteiligten Kreise sich in Dreuha nd-Ge, ellschasten zusammenschlössen, damit auch die Be­teiligten elnspringen würden, '.venu es sich um die Rettung zweiter Hypochekenschulden handle. Es müsse aber auch ein Fonds ge- ' 0 ''.asfen werden, welcher dazu bestimmt sei, die Ausfälle, dft mitstehan köwiten, zu decken. Dieser Fonds könnte so schlug die Regierung vor dadurch geschasten werden, daß aus das Brand- verstcherunqskapit-al der Gebäude ein Auffchlag von 10 Pfennig strr 1000 Mark jährlich genouimen würde. .Hierdurch würde in kurzer Zeit eine beträchtliche Sunime erreicht werden, aus welcher etwaige Ausfälle bestritten werden Shmten. Dieser Gedanke fand in dem Ausschuß lebhaften Ainklang. Es nwrde dann noch darüber .gesprochen, ob nächstens die etwa in Betracht kommenden Städte oder das ganze Land mit diesem Anstchlag bedacht werden sollten und Wetter: wer bei den Ausfällen Inhaber der Hppotbeken werdeil wlle, ob dre Landeshypothekeiibank, die Gemeinde oder die Treu- Iwndgesellichast. Im afTgemmcn. war nunt baffer, daß die Hypo­thekenbank immer wieder unter Garantie der Gemeinde die Dar- lehnsgeberin sein solle.

Gegenüber der Pos. 2 des Antrags Tr. Osann, die Herab- setzung des Immobilien- und H y potheken stem - pel ^ anläßlich der durch den Krieg geschaffenen Verhältnisse er­neut rn Erwägung zu ziehen, verhielt sich die Regierung ablehnend Qa wns, im Falle einer Ermäßigung dieser Steuern eine Erhöhung der direkten Steuern ein treten müßte. Aus dem Ausschuß wurde daraus hingewnesen, daß die Eingänge aus dem Jmmvbilienstempcl hoher werden würden, wenn der Stempel herabgesetzt würde weil ia dann ein regerer Grundstücksverkehr cintritt.'

s. ^l r Position 3 des Antrags ist nach Erllärnng der Regierung dadurch Rechnung gettagen worden, daß in der nächsten Zeit eine Verordnung des Bundesrates mit denr gleichen Inhalt erscheinen

^ Antrag Dr. Osanns. ''Pos. 3 verlangte, b:im Bundes- Grund daß me Zahlungsfrist bei Hypotheken und

22 Beduu>unaÄmrg des Buud.-SratS vom

kann bw E ein weUerez J«lsr erstreckt werden

EfiÄ' Lasse des Schiil-nero dies rechtscctiqt und den, Glanbisser fein ErhSltmsmävrg« Nachteil entsteht) vm, Antrags >in besonderen Fällen einen Erlast

o»l, Sfr* 1 ltm "otic-dcnde Hausvejitzer cintretcn zu lassen) ? 9 - PS äl! ' blcä bei der Ermäßigung im £X2L ®ewemb(?a I er 9 st^ wenn dessen BorauSsehmigeu Sy- emtrcten könne und selche Ernlästigungen auch bc.

^en. Tie Dchchlußsajsung über die einzelnen äSÄ r" vorgerückter « noch nicht vorgenommen. Ter AnchchUt^ setzt seine Beratungen nwrgen vormittag fort.

VeümteubesolöWgVSRUnegstellnchmern.

Die hessische Regierung hat der Zweiten Kammer eine Umlage zugchen lassen über die Gewühruna von Befugen an Be a m te und st ä rt & t g Verlv endete -o/brenstete, die während des Krieges ihrer attiven Dienstpflicht genügen. Darin heißt es-

n,arh td) ° en r i 66 ^?c.Z^G^"itärgk.-s-etzLs und die zu seiner Ausführung erlassene hessische Verordnung vom 2-1. Januar 1890 ist Beamten sowie ständig verwendeten Bediensteten des Staats- ^Schnldimsttch me während des Krieges in der bewaffneten Macht ^-rensE leisten, sur d:e Zeit dieser Dienste oor Foribezug ihrev persönlichen ^iensteinstmimens gein ährleistet. Ausgenommen yiervon sm- Beamte und Bedienstete, die lediglich ihrer aktiven a.ie!ksts'slicht genügen. Bei der laugen Tauer des Krieges bat sich erhoben, ob solchen Beamten und Bediensteten ihr per­sönliches _ ^eien stein kommen nicht wenigstens für die Zeit zu ge­wahren sei, während der sich, infolge des Krieges länger in der beivassneteNb Macht zurückbeHallen werden, als die Dauer ihrer aktiven Dienstpflicht im Frieden betragen hätte. Üiach den bestehenden Zorschristen mußte diese Frage verneint iverden Es o SU verkennen, daß hierdurch manche Ungleichheiten nnc>

-ouilttligketten besonders hervortreten, die nach geltendem Recht mit der Unterscheidung zwischen aktiv dienenden Beamten uiid Bc- ulenjtcten und ihren nicht aktiv dienenden Amtsgenossen ver- bn.nden sind. Unter diesen Umständen erachtet es die Regierung für richtig, dasi solch,.".! Beamten und ständig verwendeten Be- drensteten, welche lediglich ihrer aktiven Dienstpflicht genügen^ eoch wenigstens von der Zeit an der Bezug ihres persönlichen Dienstcrnkommens oder eines Teiles desselben nicht gänzlich ent­zogen bleibt, %u der im Frieden ihre aktive Dienstpflicht beendigt gewesen wäre. Verheiratete sollen dabei die vollen Bezüge, Ledige aber nur deren Hälfte erhalten. Die aktive Dienstpflicht soll im Sinne der neuen Grundsätze damc als beendet gelten, ivenn feit dem Tage des Dieirsteintritts des Beamten (Bediensteten) so oiele .^lhre verstrichen siiid, wie die aktive Friedensps'licht des Beamten (Bediensteten' unter Berücksichtigamg seiner militärischen Berech!- trgung und der Waffengattung, der er angehört, bettagen hätte Die vorstehenden Grundsätze sollen unter den angegebenen Voraussetzungen auch für die im Schuldienst stehenden Per- )mtm gelten Die Bezüge der Polksfstmllehrer sollen sich hierbei nach, den Regelsatzen des Gesetzes, die Gehalte der Volksschul- lehrer betteffend, auch insoweit beni-essen, als es sich um Stellen in Gemeinden mit Gehaltsregulativ handelt. Aai die Schulamts- asprranten, welche die Schlußprüstmg bestanden haben, soll eine Jahresvergütung von 1100 Mark nicht auch Mielentschädigung ganz oder zur HUfte ausgezahlt werden.

Personen, welche die für ihren Beruf vorgeschriebenen Prü­fungen noch Nicht abgelegt haben nnd damtt noch nicht zu An-^ n-artern für diesen Beruf geworden fiitb, können als ständig ver- ^«ndete Bedienstete im Sinne der Verordnung vom 24. Januar

oie zwar oie zweite <L>chmy-> Prunmc Nicht abg.-legt, aber zwei Jahre ständig gegen Entgeld im Schuß- dicnste beschastlgt waren, eine Vergütung von jährlich 1000 erhallen^ Mietentschädigung ganz ober zur Hälfte

Die vorstehenden Grundsätze solleit vom 1. April 1916 J? 1 ? * u Ernst treten. Beträge, die,' einerlei in welcher Hohe, in einzelnen Fällen etwa vor diesem Tage be- retts ansgezahlt worden sein sollten, sollen nicht zurück- eryoben werden. Um die vom 1. April 1916 an nach dieser ^vrlage zu gewährenden Bezüge den in Betracht kommen­den Personen schon jetzt nicht vorznenHalten, sind diese Bezüge vorbchöltlich der landständischen Zustimmun-a einst­weilen nusgezahlt worden.

Ariegshriefe aus dem Vesten.

Telegramm unseres Kriegsberichterstatters. (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.^

Das Vordrinsen durch den Caillette-WaV.

Vor V e r dn n, mn 5. Juni 1916.

Nach monatelangem Ringen haben novd- und süs- deutsche Truppen den heißumkämpften Caillette--Wald mit stürmender Hand fest in unseren Besitz gebracht. Mit ettter großen Zahl von schwer einbetonierten, mit Hindernissen jeder Art geschützten Stellungen versehen, bot das Ge­lände dieses längst durch- den ständigen Grancttenha-ael ab geholzten Wald es den Franzoi'en die Möglichkeit, von hier aus mit großer Uebermacht die wichtige Panzerseste Dauoumont wieder gewinnen zu können. Dieses Unter- fangen ist, wie .der «Keresbericht nritgeteilt hat, durch die Zähigkeit der Truppen so vollkommeii «gescheitert, -daß die Franzosen seitdem mit einem deutschen Gegenangriff ge­rechnet haben. Sie erwarteten diesen vom Fort Douau- mont -ans in südlicher Richtung und hatten daher in diesem Raume sehr zahlreiche ganz frische Truppen angehauft. Der deutsche Angriff überrannte «ber den als uneinnehm­bar geltenden Ecrillette-Watd nnd kam von dessen Südteil den Franzosen in die Flanke nnd in den Rücken Dieser Verlauf des Kampfes erklärt die große GefangenenAcchl nnd unsere verhältnismäßig sehr «geringen Verluste. Ich sah heute die frisch aus dem Gefecht gekommenen über 2000 französischen Gefangenen, welche sich bitter über die Ver­luste beklagten, bie ihnen ach dem Abtrans-porte das fran­zösische Sperrfeuer und noch mehr das Mchchi-nengewehr- feuer zngeßügt hatte, das ihre eigenerr Kameraden rück­sichtslos in ihre Reihen gelenkt hatten.

W. Sch euer mann, KriegZberichterstatter.

1 OOA r r ^ uuiit »u'i. ry^UimuX.

^O.'^o rcgeiwaßig auch dann Nicht angesehen werden, wenn sie w ayren^ ihrer dienstlichen Beschäftigung etwa bereits ein Ent- Sett bezogen haben. Dessen ungeachtet sollen bei Zutteffeu aller übrigen Vorbedingmigen auch solche Personen nach den zuvor an gegebenen Grundsätzen daun behandelt werden, wenn lre oen vor geschriebenen Vorbereittmgsdienst vollendet, eine Prü­fung aber wegen deren Nichtabhaltting oder wegen ihres Eintritts

Gingesondt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden ArtLel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Zum Schulanfang.

Wie mitgeteilt wurde, hat Abgeordneter Korell den Antrag ge­stellt, von Pfingsten ab den Schulanfang auf 8 Uhr zu legen. Wie geht es aber dann mit den Hunderten von Schülern, die die städtischen Lehranstalten von außen her mit der Bahn besuchen? Die Bahn hat Sommerzeit, also müssen diese Schüler ^ E e d e r früh a n f st e h e n. Und weil nun nachmittags dre Bahn wiederuin Sommerzeit hat, köniien die Schüler den Zug, der gewöhnlich zur Heimat fährt, in vielen Fällen nicht erreichen. Außerdem müssen sie die Zeit, die sie früher in der Stadt an- kommen, herumbummeln. Ob sich hier eine Lösung finden läßt?

Nie SheckleLon gerettet würde.

Zu der kurzen Meldung von Shackletons Rettung fflgt der in ^London erscheinendeDaily Chroniele" eine ausführliche Schil- derung der Umstände, unter denen diese Rettung vor sich ging; Shackletou selb;. hat diesem Blatte nämlich ein ausführliches Tett- Framm senden ^können. Danach verließ dieEndurance" am 6. De­zenter 1914 Südgeorgia. Bereits nach zwei Tagen ttas sie au^ große Mengen Packeis. Mit wechselndem Kurse setzte das Schiff seine Reise über eine Strecke von 1000 englischen Meilen (1600 Kilometern) fort. Am! 10. Januar 1915 wurde Eoats Land gesichtet wo man an Land gehen wollte, wenn sich dazu die Möglichkeit böte. Es wurde ein neues Land mit einer Küsteulängc von 200 Meilen entdeckt, von dem gewaltige Gletscher ins Meer endeten. Man be- zeichnete dieses neuaiisgefundene Land als dieCaird-Küste" Das Schiff fror im Eise fest, die Temperatur wurde außergewöhnlich kalt, und nun iourde das eingefrorene Schiff durch die Ersdrift im Zickzack über die W'eddelsee getrieben, bis man in eine südliche Breite von 77 Grad bei einer westlichen Länge von 35 Grad gelangt war.Mittlerweile führten wir alle wisserricha jtliche Arbeiten und Berechnuügen aus," so schildert Shackletou:die Schlitten nnd die Vorräte brachten wir auf alle Fälle an Deck. Im August begann das' Eis sich -usamnltznzupreffeu. Im September wurde der Eis­druck noch schlimnrer. Im Oktober trieb unser Fahrzeug über ein vermeintliches Land, Neusüdgrönlaud, hinweg, und Lotungen er­gaben hier eine Tiefe von 2500 Metern. Am 18. Oktober warf der Eisdruck dieEudurauce" auf die Seite. Am 27. Oktober erreichte der Eisdruck seinen .Höhepunkt. Eisberge stemmten sich gegen das Schiff, Wasser drang ein, die Feuer wurden ausgelöscht, H i! r di nutzen standen still. Das Deck und der Boden wurden zerbrochen, Schlitten und Vorräte vom Eise weggerisseu. Am Tage olostm Iluglücksfall befand sich das Schiff unter 69 Grad süd- licher Breite und 51'^ Grad westlicher' Länge. Da cs unmöglich war, über das Eis zu gelangen, mußten die Forscher sich auf einer nahe den an fr s ttü rti Mer 11 gelegenen großen Eisscholle ein Lager

äustchlagcu. u.as Schiss trieb weiter nordwärts, und am 20. No­vember vergank es." Im Novenrber und Dezember ivar der Eisdruck stark, und so versuchten die Forscher, sich »nach Norden diirchzuschlagLN allein vergeblich. Den Januar, Februar und Aiarz mpes wahres hindurch trieben sie aus der Eisscholle, auf der ^geschlagen hatten, langsam nordwärts; durch den Elsdruck jedoch wirrde die Fläche immer lleiner, auch der Sturm tat ihr Abbruch, und zuletzt war sie nur noch 100 Quadratmeter groß. Tie Lebensmittels waren sehr knapp geworden, die Jagd kerne Ergebnis,e und so mußten fünf Hunde geschlachtet wer­den. Mittlerweile tti-eben ,mr rasch nordwärts. Aüi 23. März er­blickten wir die Küste der Ioinville-Jnstl, allein es war unmöglich sie zu erreichen. Am 7. Llpril sahen wir die Clarence-Jnscl. Tags darauf zerschmetterte eine große Welle das Eisstoß: ein Mann fiel ins Wasser, konnte jedoch gerettet werden. Wir gingen in unsere Boote, aber der heftige Sturm drohte sie zu zertrümmerii. Wir suchten, Land zu erreichen, wurdet: jedoch östlich abgetrieben. Nach

emer fürchterlichen Rei,e, auf der wir tagelang weder Wasser noch etwas zu es,en hatten, landeten wir au: 15. April aus der Elesaiiten- in,el. Einige Mann der Besatzung waren am Rande der korper- llchen wie der geistigen Erschöpfung ..." Shackletou beschloß nun, den Verjuch^ zu machen, Südgeorgia zu erreichen (750 englische Meilen Entfermmg), um dort Hilfe zu suchen, und brach am 24. ^lprll mit 5 Gesähttcu dahin aus. Nach einer sehr sturm- eichen. gefahrvollen Reise erreichten die sechs Mann ini offenen Boot anr 10. Mai Südgeorgia. Am 15. Mai waren sie in der König Haarons-Bucht, am 19. wachten sie sich aus die Wanderung über Land, über die 1400 Meter hohen Berge, um einen Wal­fängerplatz zu finden. Zwei Mann, die nicht mehr gehei: konnten, mußten zuruckbleiben. Sie erreichten schließlich Sttomneß-Wal- fängerplatz, und noch am Abend ihrer Ankunst machten sich zwei Mals an ge r -auf, um die zurückgebliebenen Gefährten zu holen. Shackletou rst für die skandinavischen Walfänger des Lobes voll. Sie rüsteten sogleich ein lleines Walfängerschisf vsn 80 Tonnen aus, -das die auf der^ Elesanteniusel zurückgebliebeneti Südpolforscher holen sollte, allein nach 'fünstägiger Reise zeigte sich daß dieser Man nicht ausgeführt werden konnte; man mußte sich nach den ^alklandsinseln wenden, um von dort Hilse zu holen. Shackleton glaubt, daß eine Hilfsexpedittou von den Falllandsinselu die zurück- gebliebeneii Gesälirten von der Clesanteninsel noch rechtzeitig werde erreichen können, deiui -als er sie verliest befanden sie sich alle wohl und hatten noch für fünf Wochen Mundvorrüte.

*

Papiernot im IS. Iahrh undert. Gerade jetzt r Zeit des Papiermangels, der sich bei allen kriegführenden Bolrern fühlbar mach ff kommt eine Mhandlung zurecht, die Pro- feswr Marion vom College France imCorresponixint" verössent- lichte, in -der er interessante Einzelheiten über die Papiernot angibt, die während der Zeit des Konvents in Frankreich herrschte. Bereits im Mai 1792 stieß ein Mitglied des Koiivenls den Schreckensruf aus:Das Papier gebt zur'Neige!" Das war ja auch kein Wun­der, wenn man bedenkt, däß neben dem vielen Akdenpapier, das durch die weitverzweigte Verwaltung in den Duroaus verbraucht wurde, nl ivenigen Jahren 45 Milliarden Psiind in Assignateir ausgegeben wurde, die sich zum größten Teil aus den lleineu Werttn von 5 Frank, 2,50 Frank, 1,25 Frank, ja 50 Centimes zu lammen setzten. Dabei sind dann noch nicht die falschen Papier­cheine milgerechnet, von denen nachweislich mehrere Zentner in Umlauf gesetzt wurden. Der Minister der Konttibrrtioneti, Cla- viöre, suchte -dem Uebel zu steuern, ttrdem er den Bureaus die An- weifimg gab, das Format der Briefe Pi verfeinern, mackste sich aber dadurch 9' unbeliebt, daß er im Mai 1793 ,/abgegangen" wurde. Sei,: Nachfolger im Amte der für innigste Berbrüde- rung mit seinen Untergebenen schwärmende Jakobiner Destour- nelle, ließ aus den: Archiv der Verwaltung die alten Aktenstöße ausgrabeii und die unbeschriebenen Blätter herausnehmen. Er selbst erfand eine Art von Konttibutioiisvolle, die diese Druch'achen um ein Fünftel ihreul Umfanges verniinderte, und das Kvmitee für die

öffentliche Wohlfahrt untersagte seinen Beamten auf das strengste, den geringsten beschriebenen oder unbeschriebenen Fetzen Papier zu vernichten. Aber die Regierung selbst ging mit schlechtem Beispiel voran uii-d wollte es sich nicht abgewöhnen, mindestens 60 000 Ex­emplare von jeglicher Verfügung drucken zu lassen, um sie den Patrioten zuzuschicken. So kan: es denn, daß im sechsten Monat des wahres 1803 ein Ries Papier die miglaublick>e Summe von 380 tfratttat kostete, und bald nrußte man sogar 450 Franken für eff' Rws Papier und 50 Franken für eine Flasche Tinte zahlen. Der Momteur" sah sich gezwungen, den Preis für seinen l^zug am 250 Franken vierteljährlich zu erhöhen. Schließlich entschloß sich das Direktzorimn zur Schließung der Bureaus in den 544 Distrikten, in r>:e damals Frankreich eingeteitt war.

*

Spracheckc des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins.

^ Sprachliche Kriegskinder. In den geivaltigen stürmen dieses Weltkrisges hat unsere uralte Sprache im Hervor- bringen von vielen Huberten neuer Wortbildungen jugendftische Kvaft an den Tag gelegt. Obgleich der im Jahre 1873 heraus­gegebene Band K uni eres Grimmschen Wörterbuches schon 615 Wörter crufzählt, die von dein Worte Krieg abrTeleitet sind, so stößt man doch jetzt Tag für Tag auf solche Wörter, die man im Grimm' vergeblich sucht. Eine große Zahl solcher Neubildungen: zaubert die Fürsorge unserer Zeit hervor: KriegerhsttnstStte, Kciegskrnderspcnde, .Kriegsnähstnbe, Kciegsnotspeude, Kreigsopfer- stock, Kriegs Pate, Kriegsschreibstnbe, .Kriegsmahnzeichen, Kriegs- ivohlfahrt. An unsere wttffchastliche Einschränkung werden spätere Geschlechter erinnert werden durch die jetzt entstandenen Wörter: Kriegsbrot, Kriegs kochbuch> Kriegskochvorschriften. Kriogsttichc' Kriegspackung, Kriegsspeisekarte. Auch im Schulleben entstanden solche Kriegskinder unsere Sprache wie Kriegslehrgange. Kriegs- primcmer. Kriegsschüler; das bisher in MnsikalisckMN Sinne ge­brauchte Wort Kriegsmarsch erhielt neuen Inhalt. Eine besonders große und iininer noch amoachsende Zahl neuer Wörter zeigt, wie sich das Gewerbe der Zeit anpaßt: von der bedeutsamen Kriegs- Rohstoff-Meilung an bis zu den Kriegsspielkarten, den rkriegs- tassen, Kriegstellern, ja bis zunl Kriegskttsch und .KttegsschAnd. Es kmnitc iftcht ausbletben, daß auch a»f gefdllcheni Gebiete neue Wörter in Gebrauch kamen: Kriegsabgabe der Reichll>ank, .Kriegs- emkommen, Kriegsfahrschein, Kriegsgewftriisteu cv, Kriegswuchn-, Kriegszulage. Kriegszuschlag, Kriegsmicte. Dank ihrer Gestaltungs­kraft konnte unsere Sprache wählerisch fein. Ws denk verfeinerteir Sinn unserer Zeit das zunächst gebrauchte Wott Kriegskrüppel nicht mehr genügte, schuf sie als Ersatz Kriegsverletzter imd .''Iriegs- versehrter; es sieht aber jetzt so aiis, als ob beide b«m .Kriegs­beschädigten weichen müßten. Anstatt der im Grimm gebucksten Kriegsbibliothek Prägte völkischer Sinn die Kriegsbücherei: auch der zwveilen gebrauchte Mischling .üri-egskombattant weicht dein reindeutschen Kriegsteilnehmer. Es ist ledenr ZcittmgÄqer ein Leichtes, die Liste dieser Kriegskinder m erweitern.

Aan (Zickap^