Ausgabe 
20.6.1916 Erstes Blatt
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Da die Transportmittel in Griechenland fehlen, kann die Demobilmachung vorerst nicht in dem geplanten Umfange erfolgen. Frankreich und England wünschen die allgemeine Demobilmachung. Griechische ministerielle Kreise erklären, daß sie sich gegenüber den Forderungen des Vierverbandes ;um Widerstande entschlossen haben.

Berlin, 20. Juni. LeutBerliner Tageblatt" fahren die Gesandten der Entente in Athen fort, alle Berüh­rungen mit der griechischen Regierung zu ver­meiden. "Im Lande herrscht große Aufregung wegen der Lage Ueber die Kundgebungen für König Konstantin wird nachträglich noch berichtet: Bei einer Zusammenkunft eines Ausschusses aller Gewerkschaften von Arbeitern wurde eine Tagesordnung einstimmig angenommen, wonach die Bevölkerung gegen die wirtschaftliche Blockade Und die Angriffe, aus die Freiheit, Ehre und Unabhängigkeit Gricchenlands protestiert. Bei den: Sportfest im Stadion hatte das Volk von Athen Gelegenheit, dem König seine Gesinnung zu beweisen. In einem Augenblick der schwersten Krise, wo laut und flüsternd behauptet worden toar, das griechische Königtum sei er schlittert, habe in dem weiten Raum die unverkennbarste Begeiste rung für eben dieses Königtum geherrscht.

Paris, 19. Juni. (WTB.) DerMatin" meldet ans Athen: Am Sonntag hat die Entlassung der de mobil gemachten Truppen in Athen begonnen.

Das italienische Kabinett.

Nom, 19. Juni. (WTB.) Meldung der Agenzia Ste sani. Der Körrig Unterzeichnete heute das Dekret zur NeubildungdesKabinetts,das folgendermaßen zu­sammengesetzt ist: Boselli Ministerpräsident, Sonnino Aus­wärtiges, Orlando Inneres, Colosima Kolonien, Sacchi Justiz, Meda Finanzen, Carcano Schatz, Fera Post, Mor- rone Krieg, Corsi Marine, Ruffini Unterricht, Bonomi öffentliche Arbeiten, Arlotta Seetransporte und Eisenbah­nen, Reineri Ackerbau, de Nava Industrie, Handel und Ge­werbe, Bissolati, Bianchi Comandini und Scialoja werden Minister ohne Portefeuille.

Die Minister haben heute morgen dem König den Eid geleistet.

Bern, 18. Juni. (WTB. Nichtamtlich.) DemCorriere della Sera" zufolge wird sich das neue Ministerium am 27.Juni der Kammer und dem Senat vorstellen.

Neue Unruhen in Dublin.

London, 19. Juni. (WTD. Nichtamtlich.) Nach einer Meldung des Reuterscheu Bureaus kam es gestern in Dublin h-u Unruhen, als die Polizei gegen einen Umzug einschritt, der mit einer republikanischen Fahne von der Gedä^nisfeier für zwei kürzlich Hingerichtete Sinn- feiner zurückkehrte. Drei Polizeibeamte trugen Verletzungen davon; sieben Personen wurden verhaftet.

Der 5eekrieg.

König Georg an die englische Flotte.

London, 19. Juni. (WTB.) Meldung des Reuterschen Buveaus. König Georg hielt bei dem jüngsten Besuch der großen Flotte bei einer Parade von Mannschaften verschiedener Schiffe folgende Ansprache:

Ihr habt fast zwei Jahre in musterhafter Geduld auf die Ge­legenheit gewartet, der feindlichen Flotte in der Schlacht zu begeg­nen. Ich verstehe wohl, wie angreifend die Zeit war und wie groß die Erleichterung sein mußte, daß Ihr am 31. Mai hörtet, daß der Feind gesichtet worden sei. Ungünstiges Wetter und eintretende DunLckhett verhinderten ein vollständiges Ergebnis, das Ihr alle ettvartet hattet. Aber Ihr habt alles getan, was unter den Um­standen mögüch war. Ihr triebt den Feind in seine Häfen, brachtet rhm sehr schwere Verluste bei und fügtet den glorreichen Traditio­nen der britischen Flotte ein neues Blatt bei. Mehr konntet Ihr nicht tun, und ich danke Euch für Euere vorzügliche Leistung.

Der König sandte zum Schluß des Besuches an den Oderkommandierenden der großen Flotte folgendes Tele­gramm :

Ich bin dankbar, dafür, Gelegenheit zu haben. Sie und die große Flotte zu dem Ergebnis der jüngsten Schlacht in der Nordsee M beglückwünschen. Ich versicherte den Mannschaften aller Rang- rlapen, daß der Name der britischen Flotte in den Augen ihrer Landsleute nie höher dagestanden hat, und daß deren Stolz und Vertrauen auf ihre Leistungen unvermindert sind. Alles Glück und alles Gute! Mögen ihre künftigen Bemühungen mit vollem Erfolge gesegnet werden.

Falkenberg (Schwan), 19. Juni. (WTB. Nichtamtlich.) Das MattFalkenbergs Posten" erfährt, daß der deutsche DampferEms" aus Hamburg, der sich auf der Reise von Kristimria nach Lübeck befand, heute früh nördlich von Falkenberg, eineinhalb Seemeilen von der Küste versenkt wurde, wahr­scheinlich von einem britischen Unterseeboot. Naivem ein War­nungsschuß gegen den Dampfer abgefchossen war, hielt dieser an, urrd die Besatzung verließ, -das Schiff und ruderte an Land. Wäh­renddessen schoß das Unterseeboot etwa 40 Granaten gegen den Dampfer, der sich auf die Sette legte und zu sinken begann. Einige Geschosse des U-Bootes ftelen an Land. Man sah dann erneu zwei­ten Dampfer sich der Stelle nähern. Ter letzte Schuß des Unter- feckootes gegen dieEms" zerschmetterte die Kommandobrücke. Ein schwedisches Torpedoboot, das den Wachdienst auf dieser Straße ansführt, war unterdessen angelangt, ging in voller Fahrt zwischen den zuletzt angelegten Dampfer und das Unterseeboot und gab einen Warmmgsschuß ab, worauf das Unterseeboot verschwand

Marseille, 19. Juni. (WTB. Nichtamtlich.) Der kleine englische DampferSardinia" ist gesunken Zwanzig Mcrnn der Besatzung sind gerettet.

London, 19. Juni. (WTB.) Lloyds melden, daß der spanische DampferMendebil" gesunken sei: die Mannschaft fei gelandet. *

Le Havre, 19. Juni. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas: Das W achtbootSt. Ja au es" ist gefunken. Bon deii 16 Mann der Besatzung werden neun vermißt; sieben wurden in schwerverletztem Zustande von Fischerbooten geborgen.

des General- dem der stör-

3um yinscheiden Moltkes.

Berlin, 19. Juni. (WTB.) Der Chef stabes des Feldheeres v. Falken Hayn hat denen Generaloberst Helmnt v. M o l t k e folaenden Nackruk gewidmet: '

. , der stolzen Ucberliefcrllna seines Namens, waltete er

des hohen Amtes, das ihm scm kaiserüchcr Herr »or zehn Jahren anverrrant hatte, in lauterer Treue. Es gibt keinen ilöbrer -m deuNchen h«r. der chm nicht Belehrungen und Anregungen der-, danken wurde. Es glbt keinen Gencralstabsaifizier, der nicht durch lerne Schule gegangen ist. Er war der Berater des Obersten Krieas- hcrrn bei Bereitstellung der deutsckien Streitkräfte und bei ihrem wmrerchen Siegeslauf im Jahr 1914. Als eine schwere Erkrankung Mn zwang in die Heimat zurückzukehren, war er bis zum letzten Ätemzuge Ar den Generalstab tätig. Das Andenken an i^n ed,^ ^,V' r !fi en 5!* »iitigen Vorgesetzten wird in unseren herzen nie ^ T°-cn. sein Wirke» srnd stir ewig in die ' °

der Geschichte eurgegraben.

Der Kaiser hat an die Witwe des dahingefchiedenen Generalobersten v. Moltke folgende Depesche gerechtet:

Erhalte soeben die erschütternde Nachricht vvm plötzlichen Tode Ihres Gemahls! Mir fehlen die Worte, um meinem Cmpftnden dabei vollen AuÄuuck za geben. Tief bewegt gedenke ich seiner Erkrankung im Beginn dieses Krieges, dessen glänzende Vorbe­reitung der Inhalt seines rastlosen Wirkens als Chef des General­stabes der Armee war. Das Vaterland wird seine hohen Verdienste nicht vergessen. Ich werde, so lange ich lebe, in dankbaren: Ge­dächtnis behalten, was dieser aufrechte kluge Mann mit seinem goldenen Charakter und seinem warmen und treuen Herzen für mick uitt die Armee war. In auftichtiger Trauer spreche ich Ihnen und Ihren Kindern meine herzliche Teilnahme aus. Ich weiß, daß ich an ihm einen ivarmen Freund verlor. Wilhelm I. R.

Die Beileidsdepeschc des Kronprinzen lautet:

Mit aufrichtiger und herzlicher Betrübnis' höre ich soeben von dem unerwarteten Hiuscheiden Ihres von mir so hoch verehrten Mannes. Stets war er mir ein guter Freund und wohlangetaner Berater. Seien lEuerer Exzellenz m'äner tiefempfundenen Teil­nahme versichert. Dein einstigen lieben Chef werde ich immer ein dankbares und ehrendes Andenken bewahren.

Wilhelm, Kronprinz.

ferner sind außerordentlich herzlich gehaltene Beileids­telegramme eingelaufen: von der Kronprinzessin, den Prinzen August Wilhelm und Oskar von Preußen, dem Prinzen Heinrich, dem Großherzog und der Großherzogin von Baden, dem Generalfeldmarschall Prinz Leopold von Bayern, der Herzogin von Sachsen-Meiningen, Feldmarschald v. Hindenburg, Generalleutnant v. Ludendorff, General v. Beseler, Generaladjutant v. Plessen, Staatsminister von Breitenbach, sowie von dem österreichischen Generalstabs- chef v. Conrad. Die Kaiserin ließ ihr tiefstes Beileid^durch Hofmarschall v. Trotha anssvrechen. Ferner kondolierten der bayerische Kriegsminister im Namen der bayerischen Armee, der Admiralstabschef und der spanische Militär-Attache.

Berlin, 19. Juni.. (WTB.) Bei der Gattin des ver­storbenen Generalobersten v. M o l t f t sind noch, nachstehende Telegramme eingelaufen:

Eurer Exzellenz bitte ich den Ausdruck herzlichster Teilnahme tiefbewegt senden zu dürfen. Gott segne den teueren Entschlafenen rn seinem Frieden. Ich verlor in ihm einen treuen Kameraden.

. Feldmarschall von Hindenburg."

Tu Nachricht von dem Tode Seiner Exzellenz, die mir soeben zugeht, bewegt mich tief. In Freud uiid Leid ein treuer Verehrer des Generalobersten, trauere ich mit Ihnen um den Verstorbenen, der nur stets wohl gesonnen war. L ud e n d o r f f."

Weitere Beileidstelegramme liefen ein vom König von Sachsen, der Königin von Schweden, dem Großherzog von Hessen, dem Herzog von Sachsen-Meiningen, dem Fürsten Wilhelm von Hohenzollern, dem Herzogvaar Johann Albrecht von Mecklenburg, dem Fürsten Bülow, dem Generalseld- marschall v. Bülow, dem Generalobersten Graf Bothmer, dem stellvertretenden preußischen Kriegsminister, dem sächsi- chen Kriegsminister, dem Staatssekretär Dr. Helfferich, den Staatsministern v. Schorlemer, Loebell und Lentze und dem k. und k. Kriegsminister Frhrn. v. Krobatin.

Ihre Majestät die Kaiserin weilte heute nachmittag eine halbe Stunde im Trauerhause.

Tafeln

Aus dem Retche.

Die Münchener Ausschreitung.

München, 19. Juni. (WTB. Nichtamtlich.) Ueber die Vorgänge am Marienplatz teilt die Münchener Polizei­direktion mit:

Die am Samstag abend auf dem Marienvlatz vorge­kommenen Ausschreitungen, sind nach den polizeilcheu Er­mittelungen ausschließlich! das Werk jugendlicher' Lärm­macher und haben kernen ernsten Hintergrund'. Abgesehen von einigen kleineren Vorfällen, lassen sich zwei Gruppen schwerer Ausschreitungen unterscheiden. Gegen 7 2 9 Uhr zog eine Rotte halbwüchsiger Burschen von der Neuhckuser Straße, mit Steinen bewaffnet, über den Mavienplatz Fegen das Cafe Rathaus (und warf dort leine;-Anzahl Fensterscheiben ein. Die Steine hatten sie aus der Muhäuser Straße, wo-, zurzeit Verlegungen der Straßenbahngeleis« stattsinden, ge­holt. Gegen 3/ 4 li Uhr schlug eine Gruppe 16- bis 18jähriger Burschen die Auslagefenster einer Zigarrenhand lnng am Marienplatz und einer benachbarten Bäckereisiliale ein. Bis­her sind 11 beteiligte Burschen dein Gericht übergeben worden. Am Sonntag abend wurde eine größere Anzahl Jugendlicher, die sich ziellos in verdächtiger Weise auf dem Marrenplatz Herumtrieben, polizeilich in Sicherheitshast ge­nommen. Bei mehreren wurden Steine, Messer und Gummi­knüppel gefunden.

*

Berlin, 20. Jüni. Zu dem heute in Berlin beginnen­den Handwerks -und Gewerbekammertag waren bis gestern 300 Delegierte eingetroffen, die 72 Handwerks­und Gewerbekammern vertreten.

Ans Stadt rrnd Land.

Gießen, 20. Juni 1916.

Vertilgt die Kohlweißlinge.

Mit Rücksicht auf die außerordentlich große Bedeutung, die der Kohl als menschliches Nahrungsmittel bei der augen­blicklichen Nahrungsmittelknappheit hat, erscheint die Ver­tilgung der Kohlweißlinge bezw. deren Rauven von der allergrößten Bedeutung. Die Raupen, die wie bekannt unr die jetzige Zeit- am Weißkohl, Wirsing, Rotkohl und anderen Kohlarten anftreten, müssen möglichst bald durch Ablesen beseittgt werden, oder aber es müssen die jetzt ansfliegenden Schmetterlinge möglichst rasch und in größerem Umfange gefangen werden. Es dürfte sich, um diese Vertilgung wirk­sam zu gestalten, empfehlen, die Vertilgung der Raupen durch Ablesen mittelst Prämien aus den Geme inde ka sseu zu unterstützen. Zu gleicher Zeit könnten im.Herbst die eingesponnenen P u p pe n des Kohl­weißlings, die namentlich an Gebäuden aufgehängt sich finden, in ausgedehnterem Maße vertilgt werden, wenn auch auf ihre Einsammlung eine Prämie gesetzt würde.

Ebenso muß ans die Vertilgung der kleinen haus­losen Schnecken aufmerksam gemacht werden, die sämt­lich an Salat wie auch an Kohl ausgedehnten Schaden ftifReit und die, jetzt abgelesen, als V i e h fu t t er, besonders Schweinesutter, sehr gute Dienste leisten können. Es dürfte sich empfehlen, dieses Ablesen besonders durch Schul­kinder in der schulfreien Zeit vornehmen zu lassen und die gesammelten Schnecken unter Zugabe von etwas Salz den

ch weinehaltern, geben.

die Interesse an der Sache haben, abzu-

" Amtliche P e rso n a l n ach r i ch t e n. Uebertragen wurde am 15. Juni dem Lehrer Philipp Metzler zu Wohnbach mit Wirkung vom 21. Juni 1916 an die zweite Lehrerstelle an der Volksschule zu Steinfurth, Kreis Friedberg. Uebertragen wurde am 16. Jiini dem Schulamtsaspirauten Heinrich Im be scheid aus Hoch-Weisel die erledigte zweite Lchrcrstetle an der Volksschule zu Kelenrod, Kreis Büdingen.

** Kunsthonig und Ob stnrarmalade. Die Preisprüsungsstelle für die Provirnz Ober-

Hessen schreibt uns: Mit Ikucksicht auf die allgemein herrschende Zuckerknappheit ist es dringend eurpsohlenswert, die Bevölkerung vor jeder Znckeroerschwendung fx warmen, wobei ganz besoriders aus die Verwendung des Zuckers zur Herstellung von sogwianntem Kunsthonig zu verweisen ist. Die zwecks Herstellung dieses Kuufthourgs vertriebenen Präparate (Pulver, Flüssigkeit usw.) bestehen in der viegel aus ettoas Säure unb Spuren von ätherischen Substanzen; sie sind im Verhältnis zu ihrem Wert im Preise viel zu hoch nird das mit ihrer Hilfe unter Berweiidung von Zucker her- bestellte Produkt ist keineswegs dein NaLurbienenhanig in irgendwelcher Weise vergleichbar. DiePreisprüfungs- ft e l l e f ü r d i e P r o v r n z O b e r h e s s e n w a r n t d a h e r die Bevölkerung dringend vor Verwendung von Zucker zur Herstellung solcher Präpa­rate, sie empfiehlt vielmehr mitRücksicht a ü f die gute zu erwartende Obsternte allen Haus­haltung s v o r stän de n und Hausfrauen die Verwendung des Zuckers zur Herstellung größerer Mengeri O b st m arm el ad e oder O b st - sirup. Eine große Zuckerersparnis kann bei. Herstellung dieser Marmeladen und Sirup dadurch erreicht werden, daß sie unter Zusatz von Runkelrüben- oder Zuckerrübensaft eingekocht werden. Auch kann der etwa früher hergestellte Kunsthonig zur Herstellung solcher Obsttnarineladen Ver­wendung finden. ,

** H aus s ch l a chtuu g.e n. Von zuständiger Stelle mitgeteilt, daß das Verbot der Hausschlachtungen spätestens am 1. Oktober d. I. aufgehoben wird. Jeder, der tzt noch Ferkel einlegt, kann also damit rechnen, daß er seiii selbstgezogenes Schwein im Laufe des Winters schlach­ten darf. Wer in der Lage ist, Schweine zu mästen, handelt deshalb im eigenen Interesse, wenn er es tut.

** Ober Hess i sch er Verein für Innere Mission. Am Donnerstag, 22. Juni, findet hier die übliche Frühjah-rsSrmfo- renz des Oberhessischen Vereins für Innere Mission statt. Um 3 Uhr beginnt eine kurze geschäftliche Sitzung des Vorstands und der Synodalvertreler; für die um 31/2 Uhr anfangende eigentliche Versammlung ist diesmal aus eine größere Beteiligung als sonst zu rechnen, da außer Fragen der Inneren Mission in Ober Hessen auch die wichtige Angelegenheit der Pflöge der weiblichen Jugend behandelt werden wird. Den Bericht darüber wird der Vorsitzeiide des Verbandes evangelischer Jüil.gsra.uenvereine, Pastor Thiele aus Berlin, erstatten. Daher sind alle für diesen Zweig der Arbeit Jnleressierteii, insbesondere anch Frauen, besonders dringend din- geladen. Eine Anssprache soll sich mrschließeii; in ihr wird vor­nehmlich die Frage behandelt werden, wie die Pftege der weiblichen Jngeud in Zukunft in Oberhessen, betrieben werden solle. Die Versammlung, bei der alle evangelischen Gemeindeglieder will­kommen sind, wird im Geureiudehaus, Kirchstraßie 9, abgehalten.

** R e i ch s s a m m l u n g Vaterlairdsdank. Es' ist er­freulich, daß der Auftuf desVaterlarcksdanves'" einen so großen Erfolg gehabt hat. Hunderttausende sind seinem Rufe gefolgt und haben^zu Hause nachgesucht, roas an entbehrlichem Gold u n d S i l b e r ungenutzt in Kisten und Kasten unrherla-g und haben Schmuck aller Art: Ketten, Ringe, Broschen, Armreifen und dergleichen, silbernes Tischgerät, Münzen und Medaillen, goldenen! Zahnersatz, alte Uhren und dergleichen an einer der 'Zahlreichen! S a m m e l st e llen abgegeben und erhielten dafür den E rin ne- r u n g s r i u g aus dem platinähnlichen, nicht rostenden Kruppschen Eisen mit der UmschriftV a t e r l a n d s d a n k 19 14". So reichlich flössen die Spenden, daß zur 3. Kriegsanleihe zugunsten der Witwen und Waisen der im Kriege Gefallenen 1/2 Million Mark gezeichnet werden konnte. Aber viele wissen mach nichts voii dieser Sammlung. Denke niemand, es Lonnne ans sein« Spende nicht an .st Es gibt so viele Not 'zu lindern; daß auch neben deÄ Staatshilse für uns alle noch viel Dankesschuld abMtragen übrig! bleiben wird. 1

** O b st e i n k 0 ch e n ohne Zucker. Da in diesem Sommer nur geringe Zuckermengen zu Einmachtzwecken zur Verfügung stehen, verlieren altbewährte Einkochrezepte ihre Gültigkeit. Bei der in diesem Jahre voraussichtlich reichen Obsternte ist es die Pflicht einer jeHen deutschen Haus­frau, möglichst viel Obst und Obsttnus einzukochen. Die Landwirtschaftskämmer fiir die Rheinprovinz hat daher ein Flugblatt herausgegebeu, das praktische Leitsätze über das Obsteinkochen enthält. Die Beachtung dieser Leitsätze ermöglicht die .Herstellung haltbarer Obsterzeugnisse auch ohne Zuckerzusatz. Das Flugblatt wird Interessenten auf Wunsch von der Landwirtzschaftskannner in Bonn, Bismarck- straße 4, kostenlos übersandt.

** Kriegs g e m ü feBa.it. Der Eisenbahüminister von Brei­tenbach weist in einem soeben erschienenen Erlaß mit Nachdruck aus die Neubesetzung abgeernteter Flächen mit geeign-eten Feld- uud Gartensrüchten hin. Wenn im vorigen Jahre, so heißt es in dem Erlaß, diese Mahnung nicht immer befolgt wurde, so Nwchüe das f einen Grund in dem schlechten Wetter 'haben. In diesem Jahre hat sich die Witterimg sehr günstig entwickelt, so daß alle Kräfte anzuspannen sind, daß jedes Fleckchen abaeernteten Landes mtt W i n t e r g e m .ü f e zu besetzen ist. Die Vorbereitung«:! hierfür; müssen unverzüglich in Angriff genommen tverden. Dabei soll nicht imr an den eigenen Bedarf gedacht, sondern es müssen auch, möglichst große Mengen von Erzeugnissen zn mäßigen Preisen aus den Adarkt gebracht werden.

** B r i e f p 0 st se ndu>n g«N an die in neutralen überseeischen Ländern mit Ausnahme von China sestge- haltenen Angehörigen der Flotte können nicht niehr wie in Friedenszeiten durch Vermittelung des Marinepostbureans ver­sandt werden, sondern sind nur noch mit der Bezeichnung:Kriegs­gefangenensendung" in gewöhnlicher Wseise aufzulieforn. Das Mattnepostbnreau vermittelt mrr 'noch Briessendungen an di« Fest- gehaltenen in den nordischen Königreichen und in China und Post­anweisungen an die Festgehaltenen in allen Ländern. Sendungen, die unrichtigerweise auch jetzt noch dein Marinepost­bureau zugehen, erfahren dadurch:iur Verzögerungen.

**Ausfuhr von Fischen nach Holland. Verschieden« Zeitungen melden, die preußische und die hessische Regierung hätten einer holländischen Fischereigesellschaft die Erlaubnis erteilt, in den Sommermonaten für die deutschen Fischereipächter im Rhein von Worms abwärts die Guoßsischerei mtt Aükerknilen zu be-^ treiben; die Beute dieser Fischzüge gehe zu zwei Drittel nach Holland. Die hessische Regierung hat, wie dieDarrnst. Ztg." schreibt, eine derartige Erlaubnis nicht erteilt:; sie hätte die Lie^ ferung der Fische nach den Niederlanden auch gar nicht genehmigen können, da die Ausfuhr von Fischen aus dem Reichsgebiet drftch Bekanntmackping des Reichskanzlers vom 31. Juli 1914 (Reichs­anzeiger Nr. 178) ausdrücklich verboten ist. Cs ist in Hessen lediglick) aus 'Antrag einzelner Fischereipächter im Interesse dar Besserung der einheimischen Ernährung gestattet worden, daß int Rhein nicht wie seither erst vom 15. Juli. ab. sondern beretts vvm 22. fNai an der Fischfang mittels Ankerkuilen betrieben werdenHarf.

** R egelung des Werke hrsMitWeb-,Wirf -und S t r i ck w a r e rt. Von der Handelskammer Gießen wird uns fol­gendes geschrieben: Nach § 8 der am 13. ds. Mts. in Kraft getre­tenen Bekanntnrachuug über die Regelung des Verkehrs mit Web-, Wirk- und Strickwaren für die bürgerliche Bevölkerung muß jeder Gewerbetreibende, der Kleinhandel wttt den von der Verordnung ge-, ttosfenen Wären betreibt, unverzüglich eine Jnventnr über' die in seinem Besttze beftndlick^en Wären aufnelmr-m. Hierbei sttrd die derzettigen Kleinhandelspreise unter Zugrundelegung dm Preise einzusetzen, die den in der Bekanntmachung über Preisbeschränkurt-, Lungen bei Verkäufen von Web-, Wirk- und Strickwaren vom! 30. März 1916 vorgeschriebenen Preisen entsprechen. Die Inven­tur haben auch diejenigen Gewerbetteibenden aufz-nnelmi'en, die neben de!m Kleinhandel-gleichzeitig Großliondel oder Maßschneiderei oder beides betreiben. Vor Abschluß der Inventur dürfen in ihr aufznnehnmnde Waren nicht veräußert werden. Nach Absckstuß der Inventur b&rfot von jeder Art der ausgeDonttnenrn Maren biH