Nr. 132
Der StttzEr Aszetzer «fchettck täMch, archvr E-»M7^g§. - Beilag«:: otemtaC wöchentlich «etzeNerZÄDijjenbrätter; meimal rvöü)e!ttl.!Lreis- •teöfMr^cn Kreis ©tegeu (Drezlstng nnd Freitag), gmrimcl monall. Land «ietfchafüiche Settfragrn Fernfprech - Anfchlüfle: sürdieSchriitleitung112 Verlag,Geschästsstelle51 Abreffe iiir Drahtnachricht«:: Anzeiger Giesse«. Umuchrnc von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Abend vorher.
Erstes Blatt
M. IsWang
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Gemral-Anzetzer jir Oberheften
fMh Aiichener mit feinem Stabe auf dem Panzerkrenzer
„hRMpfhWe" vRierßegüKgeK.
Jum.
WTB.) Trohes Hauptquartier, 6 , (Aurtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Auf dem östlichen Maasufcr wurden die Stel- .lun^n tapferer Ostpreußen auf den Fuminesrücken im Laufe oer Nacht nach erneuter, sehr starker Artillerievorbereitung wiederum viermal ohne den geringsten Erfolg angegriffen. Der Gegirer hatte unter unserem zusammenwirkenden Artillerie-Sperrfeuer, Maschinengewehr- und Jnfanteriefeucr besonders schwere Verluste.
Im übrigen ist die Lage unverändert.
Orstlicher und Valkan-Kriegssch auplatz. l Kn deutscher Front keine besonderen Ereignisse.
P Oberste Heeresleitung.
. London. 6. Juni. (WTB. Nichtamtlich.) Die A d- m 1 * ö l 1 \ä t teilt amtlich mit: Der Obcrkommandierende der grotzen Flotte meldet, er müsse zu seinem großen Bedauern berichten, daß das Kriegsschiff „Ha m v s h i r c", das sich mrt Lord Kitchener und seinem Stabe an jBord nach Rußland befand, letzte Nacht westlich der Orkneymseln durch eine Mine oder vielleicht durch ein Tor- Mdo versenkt wurde. Die Nacht war sehr stürmisch, und obwohl sofort alle-möglichen Schritte unternommen wurden, um rasche Hilfe zu leisten, besteht, wie man befürchtet. >wenig Hoffnung, daß irgend jemand mit dem Leben da vo »gekommen ist.
Anmerkung: „Hampshire" ist ein 1903 vom Stapel ge
lauLner-Panzerkreuzer von 11 000 Tonnen.
London, 6. Juni. (WTB.) Amtliche Meldung. Lord Kitchener befand sich auf Einladung des Zaren und im Aufträge der britischen Regierung auf dem Wege nach Rußland, um Gelegenheit nehmen, wichtige mili tärische und finanzielle Fragen zu besprechen. Er hatte :rur den ihn: PersSnlich zugeteilten Stab mit sich sowie erneu Beamten des Auswärtigen Amtes und zwei Vertreter des ^Idnntionsministeriums.
Das Reutersche Bureau meldet weiter: Der Tod Kit- chmrers verursachte in den Kreisen der City eine, große Sensation, hatte aber keine besondere Wirkung auf die Börse. — Der Balticmarkt wurde beim Empfang der Nachricht für den Rest des Tages geschlossen.
Ern ^außerordentliches Ereignis folgt dem andern auf dem Fuße. Es klang beinahe unglaublich, daß Englands berühmtester Heerführer und Organisator in den Fluten des Weltmeeres seinen Tod gefunden Haiden sollte, und doch 'ist es so; der Oberkomnrandierenide der eirglischen Motte hat es amtlich gemeldet. „Zu seinen: >großen Bedauern." .Wir wissen dieses Bedauern, diese, ungeheuere Berlegen- )heit der englischen Marineleitung jgianz zu würdigen. Roch litt sie an schwerer: Gesichtsverrenkungen ob des Schmerzes der Niederlage in der großen Seeschlacht — da klatscht noch einmal ein deutscher Hieb, so laut und! derb, unter Verhälttrifsen, die wie ein schweres Verhängnis, wie ein «bitterböses Omen auf dem Insellande liegen, so daß die Welt gar nicht aufhören wird, den Niedergang der englischen Seemachtstellnug anzustaunen. So sehr'beherrscht England die Meere, daß es nicht einmal eine militärisch-diplomatische Mission heil und ungefährdet nach Rußland entsen den kann'
MaüMUl über den Tod eines Menschen, auch eines Feindes, jubeln, und die gestrige Nachricht ist denn auch nicht" mit Juüelgeläute ausgenommen worden. Aber nut einer hohen Genugtuung, mit jener herzlichen Aufwal- | U ^'cm aus unserem Kaiser bei seiner Rede an die siegreiche Marine in Wilhelmshaven sprach, haben wir den neuen Beweis der Schneidigkeit und Sicherheit unserer Waffe zur See entgegengenomineii. Ein feindliches Panzerschiff ist gesunken, ncher durch den Torpedoschuß ein^s deutschen Unterseebootes, und wenn wir auch die Existenz eines Kitchener keineswegs überschätzten und feine Rolle im Weltkrieg uns Nicht nnt Bangen zu erfüllen brauchte, so wissen wir es -doch, daß sich der Feind nahe am Herzen getroffen fühlt.
r n€ L! Dar immerhin einer der fähigsten, wenn nicht der ! fähigste Mann unter unseren Gegnern. Was seine Reise be- zweckt hat, vermögen wir nicht mit Deutlichkeit zu erkennen; seine Hauptaufgabe dabei war wohl, den Russen neuen Mut ^zu macheri, sie zu neuen Opfern, zu neuem Anrennen gegen dre Zentralmachte anzuspornen und die Friedenssäfte im russischen Holz abzuzapfen. (Sin trübes und melancholisches Lächeln wird über Väterchens Züge gehen, wenn er vernimmt, aus welchen Gründen der Gast fernbleiben muß. Aber die russische Philosophie, in der die Resignation einen warmen Wohnsitz hat, wird sich damit absinden.
> 5 M Spiegel des deutschen Reichstags erscheinen die neuen Ereignisse nicht so klar und deutlich, wie sie es verdienten. Aber das Parlament mußte, nachdem es die Steuervorlagen erledigt hat, in den allgemeinem Etatberatungen nebenbei auch die üblichen Packerarbeiten verrichten, die große U-Bootfrage versiegeln und verschnüren, und da großen Endziele im Innern und in der auswärtigen Politik noch immer nicht recht übersehbar sind, so stand mancher Redner (nicht was die Länge seiner Ausführungen anlangt) mit kurzem Bindfaden da. Der Reichskanzler, der tags zuvor eine Reinigung von verbrauchter, stickiger Luft vorgenommen hatte, hatte die Parteien in einige Verlegenheit gebracht. Mehr als Vertrauen kann man ihm sa noch nicht entgegenbringen, weil vieles in dev Zeit des Krieges dunkel vor uns liegen muß und weil er erst noch durch Taten zu beweisen hat, ob er der fähige Mann ist, der in großer Zeit die Geschicke des Reiches zu führen, wirklich berufen war. Was ihm entgegnet wurde, kann rhn im allgemeinen zufrieden stellen, wenn er natürlich auch nicht darauf rechnen konnte, in sachlichen Gegensätzen überall zu überzeugen. Auf der Rechten des Hanfes gab'es, wie es iu einem Sttmmungsbild hieß, verschränkte Arme, und es wurden, besonders von konservativer Seite, noch sachte Einwendungen gegen unsere Amerika-Politik erhoben. Anch der natronalliberale Führer Bassermann hält an dem früheren Standpunkt der Partei tu der Unterseeboots frage fest- Die Fragen der inneren Politik aber wurden, wie srch's gebührt, mit zarter Vorsicht behandelt. Die konservativen Bedenken zu einer Zusammenarbeit mit der Sozialdemokratie hat der .Kanzler selbst gestern mit guten Ausführungen beschw ichtigt. Abwarten, das ist die Losung. Heute aber sollen wir uns der Einigkeit freuen, die uns im Kanrpse fördert. Auch das Zentrum, das in dieser Beziehung mne Mutter der Weisheit genannt lverden darf, teilt biefen Standpunkt. Sh, lesen wir in der „Köln. Volkszta." folgende Sätze:
Jene Stimmungen und Verstimmungen knüpfen hier und da auch an an die Neuorientirung unserer inneren Politik, welche sur die Zeit nach dem Kriege angekündigt ist Wir h^ben^dreses Versprechen begrüßt, als es gegeben wurde. Es ist sicher, daß nach manche:: Richtungen hin eine Neuorientierung notwendig uiid unvernwidlich ist, daß nach anderen Richtungen hin eine solche nützlich und ersprießlich werden könnte. Allerdings können wir auch nicht leugnen, daß gewisse Anzeichen vorzuliegen scheinen, als ob diese Neuorientierung mich aus gewissen Gebiet«: zu weit gehen und tu unerfreuliche Bahnen emtenfer: könnte. Doch scheint es uns nicht an der Zeit, hier aus Befürchtungen irgend welcher Att heraus die Haltung für das Heute beeinflussen zu lassen. Was die Neuorientierung bringen wird, sollte ruhig ab gewartet werde::. Was sie gutes bringt, werden wir dankbar annehmen; was nach unserer Ueberzaugung verfehlt ist, werde:: wir bekämst» und werden dabei nicht eben schüchtern zu sein brauchen; in allem aber muß der Maßstab sach- lcher Beurteilung unverrückbar festgehalten werde::.
Erfreulich ist, daß an den unsachlichen und gehässigen Uebertrerbungen in der Kritik des Herrn v. Bethmann Hollweg im ganzen Hause niemand teilhaöen wollte.
Mchenerr Lnde.
London, 6. Juni. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Renterschen Bureaus. Der „Hampshire" ist gestern abend 8 Uhr versenkt worden. Kitchener :rno sein Stab waren an Bord. Die See tvar um diese Zeit sttrrmisch. Zerstörer machten sich ans die Suche, auch- die Küste wurde abgesucht. Wsher sind aber nur einige Zeichen gefunden worden.
Die glänzendste Laufbahn eines englischen Offiziers I seit den: .Herzog von Wellington hat, so schreibt oie „Köln. ! Ztg.", der englische General gehabt, der in der Nacht vom 5. zum 6. Juni im Alter von 66 Jahren aller Wahrschei::- lichkeit nach den Tod in den Wellen gefunden hat. Ein Soldatenkind, trat er jung in die Jngenieurakademie in Woolwich ein, die er verließ, um am deutsch-französischen Krieg in der Loire-Armee teilzunehmen. So hat er sich seine Sporen im Kampf gegen Deutschland verdient, und im Kampf gegen Dentschlchld ist er gestorbem Als Jnge- nieurlentnant kam er zu der englischen Aufnahme von Syrien und Palästina, war auch als Konsul in der Türkei tätig, bis ihm die Expedition nach Aegypten Gelegenheit gab, sich in größerem Wirkungskreise zu betätigen. Schon 1886 wurde er Gouvernerrr in SUakrm, dann General- adjntant der ägyptischen 2lrmee und 1892 ihr Oberbefehlshaber. Als solcher vernichtete er die Mahdisten bei Omdur- nran und zwang den französischer: Obersten Marchand bei Faschoda zum Rückzug. Im Burenkrieg war er anfangs Chef des Stabes des Lord Roberts, danr: selbst Oberkommandierender. Mit seinem Jtamen ist die Aushungerung der Buren durch die Blockhanslinier: und die Einrichtung der Konzentrationslager für alle Zeit verknüpft. Jedenfalls bewies er großes OrganffationstaleUt, das er auch zeigte, als er mit der Neugestaltting der indischen Armee betrant worden war. Als er nach siebenjähriger Tätigkeit wegen eines Streits mit Lord Curzon, dem damaligen Bizekönig, znrücktrat, wurde er Feldmarschall uird 1911 diplomatischer Vertreter
:n Kairo. Bis zum Krieg fft.er dort geblieben und hat die völlige Knechtung Aegyptens erfolgreich durchgeführt. Der Weltkrieg rief ihn dann in die Heimat zurück und auch für eine Zeit an die Spitze des Feldheeres, bis er den Posten des Kriegsministers übernahgn. Man dachte ihn sich aü Organisator des Sieges, wie Carnot in den bedrängtesten Zetten der französischen Republik, als die Monarchien des alten Europas gegen sie ins Feld zogen. Jedenfalls hat Lord Kitchener eine gewaltige Tätigkeit entfaltet und eine Masse von Menschen auf die Beine gebracht, den Sieg hat er aber nicht organisieren können. Mancherlei diplomatisch-militärische Sendungen hatte er daneben zu erfüllen, ohne daß sie von Glück begleitet waren. Ein Feldherr großen Stils war er nie, ein kühler Rechner und nüchterner Kopf ohne genialen Schwung, die vollkommenste Ausprägung des Durchschnittsengländers in seinen Vorzügen und noch mehr in seinen abstoßenden Eigenschaften. Unter den hohen Offizieren des englischen Heeres gibt es keinen mehr, der sich ihm ttr seinen Verdiensten an die Seite stellen könnte. Jetzt hat chn ein tragisches Geschick ereilt, das in England ukn so tiefer empfunden werden wird, als Kitchener der Mann war, der die „neue Armee" aus der allgemeinen Wehrpflicht geschaffen hatte und nun zum Siege führen sollte.
B e.r l: n , 7. Juni. Zum Untergang Lord Ki t chener s mit sturem Stabe ans der „Hanepthrre" sagt das „Berliner Lageöüät": England sammelt unheilvolle Tage. Zn der verlustreichen Niedei'- lage im Dpernranm, zum Niederbrnch! in der größten Seeschlacht aller modernen Kriege ist der Tod des cinztgen Mannes hinznge- kommen, der den Engländern als Autorität galt in allen Sachen des Landkrieges. Er war unser härtester und grxiusamfter Feind, der Erfinder der gegen Englands Gegrver gern angewandten Aushungerungspläne und ein Anhänger der skrupÄlosesten, auch der grausamsten Kriegsmittel. Deutschland deirkt der alten Wotte: Gottes Aäühlen mahlen langsant, aber sein.
Im „Berliner Lokalanzeiger" heißt es: Daß Kitchener den Tod ans dem 'Schlachtstlde finden werde, war von jeher unwahffchünlich, denn seine Kriege hat er zumeist gegOt Lanzenträger und arme halbnackte Wilde gefühtt. Die Buren hat er in erster Linie dadurch bezwungen, daß er ihre Frauen Und Kinder in die berüchtigten Konzentrationslager steckte, wo siet tzu Tausenden zugrunde «gingen. Mit Kitchener ist jedenfalls ar, großer und geschickter Organisator, aber auch einer der bittersten Deutschenfeinde heimgegangen. Kein ernzigesmal, wenn er im Parlament das Wott ergriff, hat er es versäumt^ der deutschen Armee mit unwürdigen und gänzlich unbegründeten! Anwürfen entgegmzutreten. Sein Verlust ist für England ein schwerer schlag, so wenig Tränen ihm als Mensch auch nachge- weint werden dürsten. Wer in der britischen Armee die Erfahrungen und die Autorität besitzt, um die Stellung Kitcheners aus- süllen zu können, ist eine schwierige und ominöse Frage.
Die „V o s s i s ch e Zeitung" bezeichnet Kitchener aks einen Typus des Größer-Englandstunrs mit feinen guten und seinen schlechten Eigenschaften.
Die „K r e u z z e i t n n g" sagt: Da das deutsche Voll nach den Worten des Reichskanzlers die Sentimentalttät verlernt hat, so wollen wir nchig zum Ausdruck bringen, daß eine ebenso grünimige ;oie bittere Freude darüber in Deutschland ausgelöst wurde, daß wieder einmal durch unsere Marine ein Mann den Tod gefunden hat, der zu den hättesten und unerbittlichsten Schürern im Weltkriege gehötte. Wrr wollen dem toten Gegner die schuldige Achttmg nicht versage::, daß er ein Mann von großen Fähigketten war. Er war zugleich ein Mann, dem Menschleben nichts galten. Wenn st die Weltgeschichte den Weltkrieg darstellt, so muß dieser Augenblick verzeichnet werden, da das' sausende Geschoß in die Wanke des stolzen englischen Kriegsfahrzeuges fuhr, das den englischen Heerführer nach Rußland bringen sollte, wo ihm wahäscheinlich die Aufgabe gestellt worden war, den letzte:: verzweifelte:: Widerstand der Russen gegen die eiserne llmkkaMmerung Hindenburgs zu organisieren. Der Tod Kitcheners bedeutet einen schweren Schlag sitt die Sache der Alliierten.
Der österrerchisch-ungarrsche Tagesbericht.
Wien, 6. Juni. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautöart: 6. Juni 1916.
Russischer Kriegsschauplatz.
DieSchlachtenimNordosten dauern fast an der ganzen 359 Kilometer langen Front mit unverminderter Heftigkeit fort.
Nördlich von O k n a nahmen wir gestern nach schweren wechselvollen Kämpfen unsere Truppen aus den zerschossenen ersten Stellungen in eine fünf Kilometer südlich vorbereitete Linie zurück. Bei Jaslowice an der unteren Strypa ging der Feind heute früh nach starker ArMerie- vorbereitung zmn Angriff über. Er tmtrdc überall geworfen, stellenweise im Handgemenge. Westlich von Tr am- bowla brach zur selben Zeit ein starker russischer Angriff unter dem Feuer unserer Geschütze zusammen. Westlich und nordwestlich von T a r n o po l wurde gleichfalls erbittert gekämpft. Wo immer der Feind vorübergehend Vorteile errang, wurde er ungesäumt wieder geworfen. Vor einer Bataillonsstellung liegen 350 russische Leichen.
Auch bei Supanow fiihrten die zahlreichen Vorstöße des Feindes zu keinem wesentlichen Ergebnis.
Zwischen Mlvnow an der Jkwa und dein Raume westlich von Olnka. wo sich die Russen mrtwahrwd verstärkten, ist nach wie vor ein erbttterE Wugen vtt-Ggrrge.


