Ausgabe 
2.5.1916 Zweites Blatt
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

M.O2

ZWMes VM

M. DchWWg

Erscheint tLgstch nrtt -AnSnah mL DeÄ Sonntags.

Die IsE«chMter" mnstsn -fcsm

^rt^t^cr* ötcrnml wüchenckÄ) beitzgbegt, das Jtm&Mi für 5t« Iteeb SistzLU" amnwuil afcfc&sniftdu Dir «LarÄWckrftch cffKchen S«LL- Uft&SK * 1 «ihchWrre« Jttxmaükh potwvül

Dienstag, 2. TM W&

Rotationsdruck und Verlag der Brühk'schez Urrrversitäls - Buch- und Steindruck erst.

R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Gcschäftsstelleti.Drrrckerei: Schul* straße 7. Geschäfts stelle u.Verkag: ^^51,Schrift- teitung: ^^112. 'Adresse für Drahtnachrichtew srtuzeiger Gießen.

tzaushchtzer- mb Wohnungs-Not.

Gießen, den 2. Mai 1916.

(Fversctzung.)

IV.

Die amtliche Schätzung 'wird hier in Gießen wohl in der über- wteg«Aen Zahl der Fälle mehr oder lveniger hinter dem. Betrage z n c ü ck bteiben. den das betr. Housgrundstück deni Eigentümer in Wahrheit gekostet hat. Wer die hiesiger? Verhältnisse kennt, wird das bestätigt finden. Das gilt Our alten für all' die Anwesen, die wiederholt und bis in neuere Zeit hinein den Eigentümer ge- wschßckt haben. Selbst wo dccs im Zivangsversteigeruy-gswege ge­schehen ist, ttnrd der Erwerber zuntest ^mter Anrechnung seines Verlustes der Ertoerber wird zumeist ein. Hypothekargläubiger oder dessen Strohn?cmn sein mehr hineingesteckt haben, als eine «urtÄckre Taxe ergibt. Auch bei tr&i alters her überkommenem Fa- nrüienb^itz inmitten der Städte werden nur einige Anwesen dem Eigentümer weniger hoch zu stehen gekommen sein, als die Taxe sic bewertet: denn auch hier wird bei Erbteilungen ein Preis ge­macht worden sein, auch' hier ist im Laufe der Zeit so manches in das Anwesen gesteckt Word«:, oder es ist zurückgegangen, entspricht heutigen Anforderungen nickist mehr, ja oft hat ^ nur noch Ab­bruchs- d. h. Bauf^atzwert. En allen diesen Fällen aber wird die amtliche Taxe dem wahren Verkehrs wert mehr entsprechen, als der Betrag, Jbat der Eigenttffner ansetzt: denn ec will ja möglichst viel Kr sein M^nesen erzielen. Gleichwohl wird, in vielen Fallen die amtliche Taxe im BerhÄtnis znm wahren. M i et- ertrag hier in Gießen %n hoch sein, also den Mietwert über- steügM, wie er sich bei den hiesigen Mieten berechnet. Diese Meter sind eben vielfach viel zu niedrig, Weil die Gießener Hausbesitzer und Barmnternehmer falsch! gerechnet haben und teil­weise auch das Angebot dre Nachfrage übersteigt. Die rückläufige Bewegung hat inzroifchen freilich eingesetzt: Neubauten sind jetzt selten und konttnen in absehbarer Zerr h'er in Gießen nur für besondere Zwecke in Betracht, bis der Nutzungswert dem Ge­st chungswert entspricht.

Daß in rasch, wachenden, aufblühenden Gemeinden, in Groß­stadt«: dort, wo der Leöensstrom pulsiert und an der Peripherie, wo die neuen Wohrwiertel aus dem Boden schießen, andere Ver- HWnffse gelten, versteht sich von selbst. Hte wird der Verkehrs­wert leicht h ö he r als die amtliche Taxe sein, weil unter dem geltend«: Recht spekulative Werte leicht zu realisier«: sind. Gerade für diese Gebiete könnte cha^ig rmd allein eine Bodenreform gesunde Verhältnisse begründen. Denn sie hat es mit der Bodenspekulation zu tun, die in gleicher Weise dem gefunden Hausbesitz wie dem! Mieter Feind ist. Diese Spekulation ist eine der wichtigsten ge- meinstmren Quellen der Hausbesitzer- und Wohnungs-Not. Die amt­liche Schätzung wird die Aufgabe 'haben, solide Werte sestzulcgen, Werte, die denk Gr?rndstückAverkeyr:rnd der wirklichen Mietwertung gleich gerecht werden, dagegen die Spekulation eindämmen, die oft genug des Hebels QueÄe ist. Aber gerade diese Quelle wird durch die neuere Wertzuwachsbesteuerung nicht verstopft; im Gegeitteil, die Wtertznwachssteier trögt zur Verteuerung noch das Ihrige bei! Und sie erfaßt den unverdienten Wertzuwachs nicht derart, daß er der Allgcmeinl^it zugute käme, indem er dahin zurückflösse, von! wo er stammt! Die WertznwachAsteuer ist nur ein Brosamen vom Tisch des glücklichen Groß^Sperulanten, aber sie trifft gar manches­mal blind Witwen un*> Waisen derer, die schlecht spekuliert hatten. Sie ist amh ungerecht, da sie die Verluste nicht berücksichtigt, die oft g«v:g «n treten. Wo der Gruudstäcksverkehr ttet Gewinn abwirft, da muß dieser Einzelgewiun versteuert werden: wo er aber zu Ver­lusten geführt hat, werden diese nicht berücksichtigt, selbst wenn einundderselbe Eigentümer zu gleicher Zeit mehrere Grundstücke, die nicht etwa eine wirtschaftliche Einheit bilden, veräußert, an bntat er zum Teil gewinnt, zürn Teil verliert.

Die Wertzuwachssteuer verteuert den Grund und Boden. Denn das müßte doch ein schlechter Hausvater sein, der nicht zuvor be­rechnete, was- sie ihm! nimlurrt, der sie also nicht entroeder auf den 'Käufer direkt ab schiebt, oder feilten Preis jo berechnet, daß sie ihm das gewünschte Ergebnis nicht beschneidet. Automatisch be­wirkt sie also das, was! sie eigentlich rmlit verhindern sollte: die spekulative Bodenverteuerung ohne real«: Gegenwert.

Darmstädier Tdeaterbnes.

Es ümß als ein besonderes Zeichen der Tatkraft einer Bühne anerkannt werden, wenn sie, wie unser Hoftheater, in dies«: Zecken zu Anfang ihrer Spielzeck einenParsifal" herausbringt, dam: bald darauf zwei große Opern-Urauffülwung«: (Dame Kobold" undRichter von Kaschan") und nun, kurz vor den Theaterferien des Sommers noch denR o s e n k a v a l i e r", Richard Strauß' geniale Kvnwdie für Musik darbeetet. Wer es weiß, was dieses Werk einzustudieren bedeutet, wird ohne weckeres das Ergebnis des Unternehmens, diese Glanzleistung der Tarmstädter Hofbühne, nach Verdienst zu würdigen wissen. Auf das Werk, das seit fast zehn Jahren eine gnte Zugnummer der meisten europäischen Büh- mti ist, hraucht heicke nicht im besonderen mehr eingegangen zu werden. Allgemein sei mir noch einmal auf den bei allem schein­baren Aesthctrzismus, dessenMeister" Strauß und sein Text­dichter Hugo v. .Hofmannsthal im äußerste: Maße sind, un­mittelbar durchbrechenden echten künstlerischen Instinkt hin- g«vres«r, der das Meisterwerk durchweht, auf die geniale Schöpferkraft, die aus jeder Note klingt und glüht. Und von hier aus! muß auch die Ausführung beurteilt werden, die von Hoftat Ottenhteimer musitälffch und von Karl Strickroth szenisch einstudiert und amWeißen Sonntag" unter ihrer Leitung mit größtem Erfolg das vollbesetzte Haus zu starken Beisallsstchflueu hi'.rriß. Die Augenweide der wirksamen Szenen­bilder weckte entschieden an sich schon die Stimmung, die, von dem flott geleiteten, vortrefflich klar spielend«: Hosorck>ester vorteilhaft unterstützt, durch die Leistungen der Hauptdarsteller aufs schönste Unterstützt wurden. Als ganZJiorzügliche Leistung d-ars zunächst die von Frau KiamMers-Lngerin Schal per ü: der seelisch im Mittel­punkt des ganzen Werkes stehenden Partie derMarschallin" ge­nannt werden. Gleich würdig in stimntlicher, wie darstellerischer Hinsicht stellt«: fick neben sie Frau Anna Jacobs als vornehmer Oktavian lRofenkavalier) und befoiwers feinsinnig Frl. Gey ers- b a ch als Oliavioms spätere Braut Sophie, wahr«:d Leo Schützen­dorfs possierlicherOchs auf Lerchenau" mitunter stark grotesk wirkte. Von den mannigfachen vortreff kicken Szenen seien nur her- vorgehob«:: Der Monolog der Marschal'lin nach ihremLader" und ihr Duett mit Oktavian am Schluß das ersten Aktes, die Ueber­reich ung der Silberrose zu Begirm des zlveiten, das berühmte zn- sommenfasiLnde Terzett im drckten und das köstliche, das Werk so ungeheuer stimmungsgeschwellt abschließende Duett Sophies mit Qktavirrn. Die zahlreichem Ensenrbles sind von entzückerstMN Wohl- laut durchzogen, wie ihn nur Strauß so raffiniert schreiben kann.

J Die MittviLk«:den wurden dem Merk in allen Testen gerechit und konnten sich vor dem stimtnungs- :Md beifallsftohen Publikum viel- nucks verneigen.

Neben dieser erfolgreichen Künstlertat auf dem Gebiet der Over ist such auf dem des Schauspiels in* den letzten Wochen sehr Gutes und nicht minder Wertvolles z'u berichten. Zwei Oiastspiele berühmter Darstellerinnen gab«: Geleg«:Heck, ihre Leisem:g«: nnt-

Ebenso tragen Kosten der Geldbeschaffung, Provisionen aller Art zur Verteuerung immer wieder bei, ohne reale Mehrwerte zu schaffen.

Dieselbe Wckkung Hab«: die Umsatzsteuern, der Kaufftempel usw., der Reichsstempel, alle diese Kosten erhöhen, ohne daß durch sie der mindeste Realwert geschaff«: wird, jedesmal um ein recht be­trächtliches den Erwerbswerl eines Hausanwesens. Beträgt doch heute bei einem Auwesel: von einigem Wert die Summe dieser Un­kosten bei einem Eigentumswechsel nahezu 4 Proz«rt des Wertes! Das ist ein Betrag, der Gewicht hat. Man bedenke nur, daß im Gegensatz hierzu eine Aöschreibuugsquote auf den Hausbesitz gering­fügig ist und gar nicht wirkt (s. u.).

So wird der solide Hausbesitz durch Bodenspekulation, Wert- zuwachsstcuer und Erwerbskosteu aller Art schwer belastet und mit ihm mittelbar nati'irlich der Mieter. Alle diese Uebel abzustellen, dazu bedürfte es einer Bodenreform von Grund a::s. Das ist Zu­kunftsmusik! In diesem Zusancmenhang müssen ioir von solchen Plänen absehen; es genügt, gezeigt zu hcst)«r, wie auch hier Haus­besitzer und Mieter ein und dasselbe Interesse haben: den Speku­lanten zu vertreiben, um solide Verhältnisse zu schaffen.

Auch der Straßenkostenbeckrag wirkt, je höher er ist, verteuernd. Wenngleich gute Straßen als wertechöhend, wertschiaffend anerkannt werd«: müssen. Selbst aber, wo das zutreffendste Verhältnis ge­griffen wird, erhöht auch diese Ausgabe notwendig die Miete! Denn die Bewertung muß den Beitrag, sei es direkt oder in der Lage des zu schätzenden Anwesens, berücksichtigen.

V.

Wo durch eckre sachgemäße. Werttaxe das Maß der Tinge ge­geben ist, da gilt es für den Mieter und der Hausbesitzer gehört seinerseits ärmst zu den Mietern, der den Mieüvert seiner eigenen Wohnung in Reck'iinmg stell«: muß, sich darüber klar zu wechen, was er für sein Geld zu fordern berechtigt ist. Denn wir setzten den Satz ja an die Spitze unserer Betrachtungen Mieter und Vermieter sind aufeinander angewiesen, Vernricter muß die b c r e ch t i g t e n ^Forderungen des Mieters zu erfüllen trachten.

_ Nichts vermöchte hierzu besser beizutragen, als eine gemeinsam ^ausgestellte gute Hausverwaltungsrechmmg: dazu gehört aller­dings Einsicht in Verhältnisse, an die der Meter nur selten zu denken pflegt, und die auch unser Hausbesitz in Gießen lange Jahre kaum beachtet hat. Bevor wir int VI. und letzten Abschnitt dieser Betrachtungen eine solche Hausverwaltungsberechnung aufftellen und erörtern, wollen wir hier unser Augenmerk auf diejenigen Umstände richt«:, die notwendigerweise ein: Erhöhung der Mieten im Gefolge haben mußten, weil sie erhöhte Ansprüche an den realen Nutzungswert darstellen. Daß die allgemeinen Preisverhältnisse. Steigerung der Löhne. Sinken des Geldroectes^ usw., ebenfalls zu Mielspreissteigerungen im Laufe der Entwicklung geführt haben, versteht sich von selbst, wird aber ebenfalls mit Vorliebe unbeachtet gelassen.

Beachten wir aber gar erst, wie wir früher gewohnt haben und wie wir heule zu wohnen beanspruchen, so sollte mrsere Einsicht uns.sagen, daß wir heute erstaunlich viel für unser Geld haben. Mer einmal in eine größere Anzahl Hausverwal­tungsrechnungen Einsicht genourvu:n hat. wird das auch bestätigt finden und er wird finden, daß verhältnismäßig die allerschlech­testen Wohnungen noch am besten bezahlt werden. In der Tat sind die gesteigerten Anforderungen an die Leistungen der Vermieter derjeilige Faktor, der beim soliden Hausbesitz am schwersten ins Gewicht fällt. Je besier die Wohnung, je hoher die Jnstandhaktnngs- kosten: gerade die neuesten Einrichtungen erfordern die sorgfalt:gste Behandlung, sind den gefährlichsten BefchodigBNgen ansgefttzt und verursachen fortlauf«:d erhebliche Kosten.

Eine wirkliche Wohnungsnot besteht sicherlich Noch h«:te für die ganz Armen in dem Sinne, daß hier noch vieles durch Woh­nungsinspektion, Wohnungspolizei einerfeits, aber auch durch soziale Fürsorge andererseits zu bessern ist. In: übrigen schaffen sich die Menschen vielfach die Wohnungsnot selbst, weil sie ihr Geld lieber ftär^Äeußerlichketten dran wendem al-s für eine gesunde, genügeich geräumige Wohanmg. Solmrge viel«: Leuten der Schein über das Sein geht-, werden sie über Wohnungsnot zu klagen nicht auf­hören, obwohl gerade sie von ihr in Wahrheit nicht getroffen werden und keinen Ansprirch auf Gehör haben. Auch Staat und Gesellschaft sind dabei gleicherweise Mitschuldige; dem: wo Tckel uno Orden dazu dienen urüsfen, cit Gehältern zu sparen, ebenda herrscht «ne

ms la-ns»

einander abzluwägen: Frmr Llnim Bahr -Mildenburg hielt alsFrau Alvckrg^' in IbsensGespenster" mit etwas unge­schlachter Technik eine starke Linie dem Mchsti-chen zu inne, die interessante Reize bot, wogegen Tilla Durieux, technisch exzellierend ,als ,^züdith" (Häibel). in ihrem ersten Darmstädter Gastspiel ein Erlebnis rvUrde, nachhaltiger noa^. als ihr zweites Gastspiel als ^.Kleopatra" ii: ShakespearesAntonius und 5Aeo- patra", :oel-ck-e Rolle für ihre speziellen Fahigkecken vielleicht nicht ausbeutbar genug war. D-ent Z00jährigen Todestag dieses Dichters zu Ehren veranstaltet das Hoftheater in dt«en Tagen «neu Zyklus von acht seiner besten Werke, der mit der kürzlich erst aufgesirhrten, als vortrefflich anerkannten Bearbeitung vonWas Ihr w o l l t" durch Regisseur Heinrich Hacker eingÄ-eitet wurde und mit einer Neueinstudierung desKönigs Lear" eine sehr erfolgreiche Fortsetzung fand. h.

*

Dös Zalzdrrrger Jubeljahr.

Man schreibt uns aus Wien: In diefem Jahr begeht Salzburg eine ganz merkwürdige Erste-Mai-Feier, keine rote, internationale, sondern eine schwarz-gelbe, hochpatriotische, denn' gmade am 1. Mai 1916 sind es 100 Jahre, daß dasKvonlanü" Salzburg, Ehedem ein selbständiger Staat/Unter der Regierung ieiues souveränen Erzbischofs, «idgültig an das Hcu^ Oesterreich kam. Endgültig.... es war nämlich schon früher ein paar Jahre lang, von 18051809, habsburgisch getaefeit, wie es zuvor, von 1803 bis 1805, ein paar Jahre toscmcksch gewesen und nachher eine Weile, von 1809 bis eben 1816, bayerisch wurde. Tie bewegte Geschichte der Napoleonjahre mit ihren raschen Staatengrü:wungen und plötzlichen Landbesitzänderung«: spiegelt sich wider in der Geschichte des Hemcn Herzogtums, das da am Westrande Oester­reichs lag. 1803 hatte der letzteErzbischof und Fürst" .Hieronymus Graf Eollvredo in einem Patent de dato Wsim, den 11. Februar, abgedankt. Er tvar der letzte jener Kttchelffürsten in Salzburg, die aus altösterreichischem M>elsblute stammten und deren Namen heute :wch«:an im österreichischen Gotha stehen. Vor chm war ein üodron, ein Tlpo:, ein Harrach auf dem BifckZofsstuA des heikigen Ruppvccht gesess«:. Wunderbare Baudenkmale entstanden. Gotische Kirchen, barocke Paläste, rokokozierliche Schlößchen, in den«: sich mancher Fürst, nn-e Markus Scktikus in Hellb-runn, auf höchst weltliche Art di vertierte. Die Kirchensicksten baut«: die Seele von Salzburg, in der deutscher Geist rvmmcksch leicht und licht und anmutig wurde, in der bis auf den heuttgen Tag der einzige Und einzigarttge Zauber italienischer Stadtschvnheck zwischen nordischen Gipfeln ewigen Schnees lebendig blieb und in der akleiu das klarste, klingendste Ingenium Oesverrer-chs und der deutschen Tonkunst geboren werden konnte: Wdlfgcnm Amadeus Mozart.

Das mag wunderrrehn:«:, daß da ob«: in: Norden, recht seitab von den Sttaßen muh Italien uud dem ewigen Rom, in einen: «mftet, hochgebirgig«: und sozusagenschwevgWagekt«: Land"

ungesunde Welt des Scheins, die für Aeußerlichkeiten Ausgaben macht, um der Tyrann« gesellschaftlicher F-mLerungen gerecht zu werden. Wohnungsgeldzuschüsse führen psychologisch zu der freilich' ungerechtfertigten Anschauung, als müßten sie eigentlich für die Miete ausreich«:. So bilden gesellschaftliche Vorurteile^auch eine der Quellen der Wohnungsnot, aber eine, die ganz gewiß nicht der Hausbesitz zu verantworten hat.

Fern« hat die ungeahnte Entwicklung, welche Deutschland seit der Reichsgründung d^irchgemacht hat, viele vergessen lassen, was ein altes gutes Sprichwort sagt: sie haben es verlernt, sich noä? der Decke zu strecken. Der gesteigerte Lebensgenuß führt zu unsolider Rechnungsführung, und wiederum muß in erster Linie die Wvh-?. nung herhalten. Gleich kommt die Klage über die Wohnungsnot,' d. h. über die angeblich viel zu hohen Mieten Dabei ist nichts w sehr geeignet, der Not des Lebens und der äußerlichen (^temßsucht zu steiern, als eine gemütliche, gesunde. Woh'mnrg. Was man bei einer Wohnung mehr anlegt, spart man zehnsältig am WirtShrus und an der Gesundheit. Es rväre in der Tat nicht zu viel verlangt, wenn man 20 bis 25 Prozent des^ Einkommens für die Wohnung verw«:dete. Wir hätten zufriedene Hausbesitzer und zuftiedene Mieter, weil dafür etwas geleistet tverden könnte, was sich Mv: \ : > auf beiden Seiten bezahlt machte. Ailch diese Quelle der Wohnuu ' - not müssen diejenigen verstopfen, die sie sich selbst schaffen. Äser andererseits: soziale Fürsorge wird gerade d«:en helfen ntnitet, die in Wahrheit Not leiden. Wäre z. B. für unsere Krantem e '- sicherung der Gedanke io von der .Hand zu weisen, einen Teil ihrer Versicherungsgelder der Krankteitsverhütung dadurch zumführen, daß sie die Wohnungsverhältnisse der Versicherten durch Mietunter- stützungen verbesserten? Gerade diesen bedürftigsten Klassen konnte geholfen werden, indem an ihrer Stelle die Versicherung den Miet- vertrag schließt, [«/ daß den kleßren Leuten gesündere und teffevej Wohnungen geboten werd«: tön'.tt«: und zugleich der Hausbesitz tinm Vertragsgegner als Mieter hat. der ihn: ebenbürtig ist.

_ 2tlso wir fordern gesunde, geräumige Wohnungen, in denen Luft und Licht Eingang hri und in denen bk Neueren Errungen­schaften im Rahmen der Leistungsfähigkeit Berücksichtigung finden, aber man soll wohl beachten, daß nichts umsonst zu haben ist. daß niemand berechtigt ist, aus fremdem Leder Riemen zu swneid«:. In dem Sinne wollen wir nun einmal eine Hausverwaltüngsster.'ch- nung ausstellen. Sie nmß das gesunde Verhältnis zwischen Mieter und Vermieter garantieren bei allen Einsichtigen!

(Fortsetzung folgt.)

Vermischtss.

"Ein Veteran, der nie im Kriege war. Zn Ollerup in Dänemark lebt ein Rentner namens Jensen, der auf' Grund seiner Teilnahme am Kriege 1864 Jahr um Jahr schon seit langer Zeit seinen Veteranensold abbolt. Jetzt bat 'sich aber herausgestellt, daß dieser Veteran überhaupt nie den Krie.: nnl- gemachr, sondern anno 64 gegen eine Summe von 6GQ Talern (ich einen Stellvertreter gekauft hat. Diese Summe muß ihm also im Laufe der langen Jahre eine ganz schöne Rente, gebracht haben. Nun hat sich die Presse der Angelegenheit angenommen und sie vertritt die Meinung, daß es nachgerade eigentlich an der Zeit, sein dürfte, den Veteranensold des Herrn Jensen einzuziehen. Lite europäische Verhältnisse ist das Vorkonnnins ziernlich ungewöhn-' lieh; in den Vereinigten Ctaatei: soll es ja freilich nichts Seltenrs^ sein, daß ^Krieger" Pensionen erheber:, die noch nie Pulver ge­rochen oder ein Gewehr auf der Schulter getragen haben.

* Der Krieg gegen die Wildschweine. Der Krieg gegen die Wildschweine, das ist nicht etwa, wie man vielleicht denken möchte, eir:e phantastische Bezeichnung, sondern Innerhalb des gewaltigen Krieges ein Kleinkrieg, der in eim,einen Testen in: elsassischen Kriegsgebiet gegen das lleberhan-dnebmen der Wild­schweine geführt werden muß. So blieb beispielsweise der Militär-l behörde, der die Verwaltung der elsässtschen Ortschaft Sulzbach- unterfteht, nichts anderes übrig, als einen benachbarten, von Wild­schweinen verselrchten Wald mit einem Stacheldrahl umzäunen zrr lassen, da diese Tiere jede Bebauung und zweckdienliche Verwendung des den: Walde benachbarten Bodens unmöglich nmchten, anderer­seits aber die Jäger trotz aller Llnstrengungen mit diesem Feinde nicht fertig werden konnten. So kann cs kommen, daß Draht­verhaue zu Kriegszeiten gegen Feinde verschiedener Zl?t zur Ver­wendung kommen können.

' eine Stadt von solcher Heiterkeit, Annvlt und Schwerlosigkeit ent­steh«: lvnnte. ?lber die Geschichte gibt die ?brtwort dafür: die Herren von Salzburg fanden leicht nach Rom, und gleich nach den Kirchenfürsten kam wieder einer Mr R-egierung, der lang^ unter italienischen Himmel gelebt hatte: der erste weltliche Fürst Salzburgs toar der vo«nal:ge Großl)erzvg Ferdinand von Tos­cana.^ T«nw<b >war Salzburg gut d«ltsch altezeck,ein ftmtoar Schloß und vest Haus teusch Lands", wie es in eckrer alten Ehroni? des 15. Jahrlmnderts beißt.

Ja, die Beziehungen zwischen Salzlnwg und Reichsd«:tschland sind enger als man glaubt, und wenn l>eute das ganze DOltsche Reich für Ostpreußen und seinen Wiedermlsbau sammelt, dorm geschieht es auch für Salzburgisch Blut. Unter dem Erzbischss Leopold Freiherr von Firmian (1727/1744 geschah es nämlich/ daß alles, was nicht katholisch werden wollte, des Landes verwies«: tvurde. Tie Salzburger Lutheraner blieben ungebeugt. Sie schlossen denSalzbund" zu Schwär zack: und schworen,lutherisch zu leben und zn sterben", undtraten", wie es in einem alten Exudanten- lied heißt,an den Weg und die Verfvlguugsvahn". 26 00st Salz­burger zagen damals fort. Bei Friedrich Wckhelm I. von Preußen,

' fanden die meisten von ihnei: Ausnahme antb lvurden in Ost- pr«:ßen angesiedelt, hauptsächlich im Regtenmgsbezrrk Gumbinnen [

Auch späterhin gab es maiüherlei Beziehmrg zwischen Deutsch- land und der Bischossstadt. Alexander von Hmnbsldt hielt sic uxifo Neapel und Kvnstantinvpclfür die schönsten Gegend«: der Erhe". Wolf von Mgnzel war Salzburger Stammgast Jahr für Jahr. Und Bismarck brachte das Satzburgisck'e Gasteck: in d«: Weltriff, den es erst ein halbes Jahrtansand ::ach seiner Entdeckuirg erhielt^ dem: schonanno 1436 ist Kaiser Friedrich III. olchier in den. Padt gewesen ..

Ei:: Stücke urdeutscher Geschichte ist in Sechbiwgs alt«: Häusern- engen Gäßchen, weiten Plätzen und seinen ra^Een Bergen leb«:d:g. Deutsch ftmdiert, itali«:ffch übersonnt und durch seckre Herrscker aus österreichischem (^schlechte seit Jahrhundetten öfterreÄffch angesärbt. Am 14. April 1816 hatte: sich Bayern und Oester­reich ckn Münchner Vertrag über die Abtretung geeinigt. Vier-^ zehn Tage darauf lourde sie vollzog«:. Um 8 Uhr früh zog öster­reichische Infanterie iuü> die Hessen-Hombusg-Quiaren von Gnigl in die Stadt, von bayerisch«: Kronprnrzew-Kürassieren en:pstmgen. Tie Bayern führten die Oesterreicher eck:. Zum let^cnmal «sckxstl die bayerische, zum erstenmal die österreickstsche Hymne. Dann wurd ein: Markus-Aittikus-Saal die feierliche Ueb-ergobe volb^ zogen, alle Glocken läuteten, ein Tedeun: weihte im Tom i>ia neue Herrschaft ein, die nun ein Jahrhundert dauert und gerade in dieser Zeit der Reiseleidenschaft, der Bäderckrren, des Be-rq- mrd Skisports dem Lande einen unerhörten Anffchwung gebracht bat. Die letzte große Friedensschöpftmg Oesterreichs: die Tancrnbahn. die über die Landeshauptstadt Salzburg wie über Gasteii: führt, war geradezu ein Geschenk an das kleine Kvonlaud Salzburg, mag ihre Zugehörigkeit zu Oesterreich feiern; jeder Oesterreicher, der Sinn für die Schönheit einer Heimat hat, feiert es a:«ü. H. W.