Ausgabe 
17.5.1916 Erstes Blatt
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A D MtküS Wo« Wo bkrtöt bte WckHße Veckckvrngj

<m die Verbraucher stattsmdet. Das Aufstapeln, Konservieren usw. pan Butter nnd Eiern in größeren Mengen, sowie überhaupt das£xxniftern" von Lebensmitteln soKbe verboten werden. Weiter wirrde eine Enffchlreßirng angenommen, den Herrn Oberbürger-» Meister zu bitten, vorläufig eine Organisation zn schaffen, mit der Ausgabe, die noch reichlich ans dem Lande vorhandene Butter und (5aec bis Kirr allgemeinen Regelung der Stadt Gießen znKuführen. Mne weitM Ergäbe soll die Wünsche der Verbraucher im all­gemeinen den maßgebenden Behörden zur Kenntnis bringen.

** Heeresliefernngen an das Handwerk! Nach­dem die Kriegsmirrrsterien von Bayern, Sachsen und Württemberg deschlvffen haben, die ihren Kontingenten znkomnienden Heeres­lieferungen Handwerker kicher Art an ihre Handwerks­kammern direkt Kn verteilen, haben die sämtlichen preußischen in Gemeinschaft mit den dem preußischen Heereskontingent unter­stehenden nichtpreußischen Handwerks- und Gewerbekammern sich entschlossen, eine gemeinsame Ueberncchnrestelle für .Heereslie­ferungen KU errichten. Nach eingehenden Verhandlungen, die im großen Sitzungsfaake des Herrenhauses in Berlin am 12. d. M. stattstmden, beschlossen die bevollmächtigten Vertreter der vorge­nannten Kammern die Gründung einerGesellschaft mit be­schränkter Haftung" mit einem Gesellschaftskapital von 500 000 Mark; gleichzeitig fand die notarielle Errichtung des Gesellschafts- Vertrages statt. Die nercgegründeteHauptstelle für gemeinschaft­liche Harckwerkslieferung G. m. b. H.", wird ihre Tätigkeit in ge­meinnützigem Sinne ausüben und etwaige Betriebs Überschüsse nach Befriedigung' der gesetzlich festgeliegten Rücklage inr handwerks­fördernde Zwecke mx Verfügung stellen. In den Vorstand wurden gewählt die Vorsitzenden der Handwerkskammern: Obermeister

Ra har dt, Berlin, Obermeister Plate, Hannover, Obermeister Groß, Mannheim, während Mm Vorsitzenden des Auffichtsrates der Vorsitzende der hessischen Handwerkskammer Gewerberat Falk, Main-, gew^tt wurde.

** Zur Organisation der Zayngesundheits- p fl eg e, besonders in den Schulen des Kreises^ Gießen. Unter dieser Ueberschrift verSsfentlickten wir in Nr. 85 unserer Familien- blätter ein Girtzachßen des Geh. Med.-Rats Prof. Dr. Sommer. Dieses Gutachten hat von seiten des Vereins Gießener Zahnärzte eine Entgegnung gesunden, die in unserm heutigen Familienblatt zum WdriÄ kommt. Wir weisen an dieser Stelle darauf hin.

** Gi eßeuer Kinder für sorge. Wir machen auf die Anzeige in unserem heutigen Matte aufmerksam, die innge Damen M einer Besprechung in Sachen der Gießener Kin­der fürsorge einladet. Es handelt sich darum, Sammlerinnen! ^ gewinnen, die ihre Zeit und Kraft diesem guten Zweck zur Verfügung zu stellen bereit sind. Wir zweifeln nicht, daß der Riff nicht vergeblich ergehen wird, und betonen nur die Wichtigkeit der ArbÄt, die hier unternommen werden soll. Es wäre erfreulich, n^nn gleich die erste Bitte des neuen Ausschlusses einen guten Widerhall fände. ^ >ri

** Pa ke t »saurM-lin-ng durch die Post. Es rst noch nicht genügend bekannt, daß die Bost abznsendende Pakete auf BestÄ-krng aus den Wohnungen abholen läßt. Man braucht nur ein offenes Schreiben, eine Karte oder einen Zettel mit den Worten: ..Paket abholen bei (Name und Wohnung;" unfrankiert m den nächsten Briefkasten $n werfen oder einem Briefträger mit- zugaben, «ü> die Sendung wird bei der nächsten Paketbestellsahrt gegen eine Gebühr von 10 Pfg. vom Hause des Absenders ab­geholt. Das Verfahren ist einfach und bequem und besonders solchen Personen zu empfehlen, denen kern Tienstbvte zur Verfügung steht.

** Die hessische Lazarett-ertung Nr. 20 enthält in ihrem allgemeinen Teile folgende Beiträge: Der Hirtenknabe von Joh. Gottft. Herder, Ein Aufflärungswort zum Tröste rmd zur Vckhnnng von Prof. Dr. Mesalski, Die Arbeitsgemeinschaften ider .MTiecBbeschÄügtenfLrsorge, und Die Ehe und Sittlichkeit rn Bulgarien von Dr. Kurt Floericke. Ferner enthält der allgemeine Teil die Abteilung: Fürsorge für .Kriegsteilnehmer. Arbeitsmarkt, Bückerschau, LaMrettberatnng und die Rätselecke. Die Gießener Beilage bringt: Die blinden Krieger, Gedicht von Remhvld Braun, 'Größerwecken von R. Strecker, Die Schlacht bei Hanau II. von H. Berger, Lazaretterftchnrngen, Soldateicheim und Ver- wunder enun t e rr ich t. ^ ^

** BahnenLa« xM B^r g'ürlen. IN den meisten Vor­gärten, aus Brachland, ja aus Balkons «in Küsten, könnte leicht ein außerordentlich wertvolles Nahrungsmittel gezogen wecken: die Stangen- oder Turkenbvh^e. Anpflanzung und Wege er­fordern wenig MKhe und Kosten. Die Bvhnenpfbntzen können' jedem Vorgarten außerdem noch Hur Kecke gereichen, indem man sie girlandenarttg auf starkem Draht oder Bindfaden in der Nähe des Hanfes sich ranken läßt. Ja, jeher große Ast kann in einen blühenden und ftücht e troge nd eNBvhMnbaun^^ verwandelt wer­den. Wan läge die Bohnen ansang Mai. Ern paar Worte über die Verwendung dieser Gemüseart. Man verbrauche fte in jungen Tagen als grüne Schnittbohnen, und zwar Mindere mtm die Pflanzen imnochsichttg: um so mehr blühen sie. Im Spätsommer aber lasse man genügend Bohnen reifen, um sich mit einem der gesündesten Nahrungsmittel für den Winter M versehen. Die große, prächtig farbige Bohne kann M allen vegetarischen Gerichten, wie zu Bratlingen, Würstchen usw. verwendet wecken. Ern ein­facheres Gericht ist das folgende: die Bohnen werden 12 bis 24 Stunden eingewäsftrt, im selben Wasser angeßocht, Satz, klein- geschnittene SelleriesttÄe, etwas Fett hinMgedan und in die Koch­kiste gestellt. Das Gericht wick mit einer Einbrenne oder saurer Milch mit Mehl bindig gemacht und gehackte Petersilie Und Sell erie- blätter beigefügt. Schlägt man die Bohnen durch ein Sieb, so versäume inan nicht, die Hülsen noch einmal M überkochen und so eine Grundlage für eine Suppe zu gewinnen.

** Das heutige Kreisblatt enthält eine Anzahl De- kairntznachangen zur Fleffchversorgung, vornehmlich über den neu- gegründetenMetzg e irrer band für den Landkreis Gießen".

** Mainzer Kopfsalat pro Stück 6 Pfennig soll heute nachmittag 2 Uhr in den Marktlauben verkauft werden.

* S t-ä dtis eher S-ee fischmarkt findet morgen Donners­tag vormittag von 6 Uhr ab in den Markttauben statt.

Landkreis Gießen.

e. Alb ach, 17. Mai. Der Gefreite Ludwig Weber, der seit Anfang deS Krieges bei einer Munitionskolonne im Felde steht, erhielt die Hessische Tapferkeitsmedaille.

e. H e u ch e l h e i m, 17. Mai. Dize Wachtmeister d. Res. beim Nes.-Dragoner-Regt. Nr. 4 Otto Hofmann, Sohn des Stabs­arztes Dr. Hoimann hier, ist am 29. April zum Leutnant d. Res. befördert worden.

«. Rödgen, 16. Mai. Dem Garde-Dragoner Wilhelm Bals er beim Dragorur-Reqt. Nr. 23, der seit Kriegsbeginn im Felde steht und an allen Waffentaten seines Regiments teilnahm, wurde zu Ostern die Hessische Tapferkeitsmedaille ver­liehen.

tt. Treis a. L., 15. Mai. Unteroffizier der Landwehr H. Will VIII., der Präsident des Kriegervereins Germania dahier, 3t. beim Landst.-Inf.-Bat. Gießen 1 im Felde, ist zum Bize- feldwebel befördert morden.

Kreis Büdingen.

# Büdingen, 17. Mai. Das Eiserne Kreuz und die Hessische T a p f e r k e i t s m e d a i l l e erhielt der Gefreite Limpert, das Eiserne Kreuz der Bruder des Vorigen, Morinearlillerist Karl Limpert.

Kreis Lauterbach.

-ü- Oder -Moos, 17. Mai. Aus unserer Gemeinde sind bis- jetzt 43 Männer dem Ruse des Vaterlandes gesokgt. Ver­wundungen trugen 7 davon: vermißt sind 2: Hornist Io Harmes Oe streich und Wehrmann Heinrich Weitzel II.; gefallen sind 5; Unteroffizier (Lehrer) Richard Vogel, Res. Heinrich Karl, Wehrmann Heinrich Klug. Wehrmann Paul Klug und Wehr­mann Karl Schäg. Mit Abzeichnungen bedacht wurden: Ser­geant Heinrich Wahl, Eisernes .Kreuz und Hessffche Tapse^eits- medaille, Gefreiter Karl Weitzel, Eisernes Kreuz und eine Sani­tät s-Auszerchmmg, Unteroffizier Richack V o ge l t, Hessische Tap­fer keitsmckaille. Durch Windbruch wurden im vergangenen Winter in den hiesigen Gemeinde-Waldungen rund 1000 Fest­meter Fichten niedergelegt. Nachdem nun mit Hilfe von Gefan­genen der Wald gesäubert ist, Konnte sofort die Neuaufforstung begonnen werden.

_ ir. Schlitz, 16. Mal. Im nahen Hetz hausen geriet <mr4

Samstag beim Holzfahren im Walde der Landwirt Andreas I O e st r e i ch an einer gefährlichen Wegstelle unter sein Fuhrwerk und wurde schwer verletzt. Nach einer im Landkrankenhaus zu Fulda vorgenommenen Operation ist er gestern seinen Verletzungen erlegen. Oestreich stand im 56. Lebensjahre und hinterläßt eine Witwe-mit drei Kindern.

-ü- W ü n s ch e n - M o o s , 16. Mai. Da bei Kriegsausbruch unser Lehrer Ludwig Jung, gebürtig aus Holzheim bei Gießen, als Freiwilliger mit ins Feld zog, wurde unsere Schule, wie in früheren Jahren, mit der zu Zahmen vereinigt. Nun ist sie ganz verwaist, da Herr Jung als Reserveleutnant den Heldentod fürs Vaterland starb. Schüler und Einwohner werden ihn: allezeit ein gutes Gedenken bewahren.

Kreis Friedberg.

Bl. Friedberg, 17. Mai. Am Sonntag fand im Gasthaus Ph. Steinhäuser hier eine Mt besuchte Versammlung selbst­ständiger Schloffer und Schmiede des Bezirks-Verbandes Friedb-erg statt, wobei die Gründung einer freien Vereimgnng der genannten Berufe vor genommen rmirde. Ein Vorstand wurde gewählt, dem die Ausarbeitung der Satzungen übertragen wurde. Obermeister Kreiling von der Schlosservereinignng Gießen legte in klaren Ausführungen die NvtwendigFeit des Zusammenschlusses der ein­zelnen Handwerkszweige in Gruppen dar und gab aus Grund langjähriger, praktischer Erfahrungen Manchen Mten Hinweis für die junge Bereinigung. Dem Wehrmanu Hermann Schul­theis, z. Zt. in einem Lazarett in Offenbach, wurde das Eiserne Kreuz verliehen. Die Hessische Tapferkeitsmedaille hat er schon ftüher erhalten.

A Bad- Na«hei m , 17. Mai DaS 1. Philharmonische Konzert im Großh. Konzerthrus findet am Donnerstag, 18. Mai, abends statt. Solistin ist Fräulein Klara Musil, Koloratur­sängerin aus Wien. Die Leitung hat Professor Ha ns W inder­stein. Die Künstlerin singt am Donnerstag außer den Liedern von Hans Psitzner (Verrat), Richack Strauß (Eäeilie) und Gustav Mahler (Wer hat dies Liedlein erdacht?) eine Arie aus der OperDas Lot t erielo s" von Niwlo Iso uard und die Arie des Pagen aus der OperDer Maskenball" von Verdi. Das Orchester spielt dre Ouvertüre MDie Aben- oeragen" von Cherubini", die bevmrnte TondichtungPrä­ludien" nack) Lamartine von Fwm Liszt nrrd eine Suite (Ballett­musik) aus der OperDer>" von Massenet. Man darf dem Abend mit gespannten Erwartungen entgegensehen.

Q. Bai>- Nauheim, 17. Mai. Landsturmmann Walter Neuendorff und das Mitglied der Kurkapelbe Hermann Bückowitz wucken mit dem Eisernen Kreutz ausgezeichnet. Ein undankbares Geschöpf lvucke in der Person der fünfzehn­jährigen St. aus Friedberg durch die hiesige Polizei ver­haftet. Die St. stahl und bettelte in verschiedeneir Billen und Wohnhmffcrn, was sie Irnrr zusammenbringen konnte; wenn sie ihren Zweck erreicht hatte, beschmutzte sie die Wohnräume ihrer Wohltäter in nicht Iviederzugebender Weise.

Starkenburg und Rheinhessen.

Von der Bergstraße, 17. Mai. Reichlich zwei Wochen friiher als sonst sind in diesem Jahre die Kirschen zur Reife gekommen. Bei Zwing>.-nberg ist in geschützten sonnigen Lagen die Reife der Kirschen soweit vorgeschritten, daß noch im Laufe dieser Woche mit der Ernte der Früchte begönne werden kann.

Hessen-Nassau.

[] Marburg, 16. Mai. Die Vermutung, daß der jeU dem 5. Mai von einem Gang nach! hiesiger Stadt incht wieder zurück gekehrte 80 Jahre alte AnSzüger Seibert Becker ans Schwarzenborn seinen Tod im Wasser ge­funden, hat sich leider bestätigt. Die Leiche des alten Mannes wurde zwischen Bürgel und Colbe, da wo die Ohm in die Lahn stießt, im Schlamm gefunden. Die Preisprü- f n n^g s ste 1 le des Kreises Marburg hat sich der Absicht des Mcsgistrats, den Butter- und^ EierverKanf ganz auf die Stadt zu übernehmen, angefchloffen. Ebenso sprach sie sich auch firr die Einführung der Ueischkarte aus, da sich ohne diese nicht ermöglichen taffe, daß bei den knappen Vorräten auch die Minderbemittelten Meisch erhalten. Als wünschens­wert mtarbe eine allgenreine Ausnahme des Be­standes an Neischwaren aller Art, einschließlich Speck, Fett und an Schmalz, sowie an Eiern in den Einzelhaushal-- tungen und Gewerbebetrieben im ganzen Kreis empfohlen.

'---Bad Homburg v. d. H., 17. Mai. Nach hier ein- gegaugenen Mitteilungen der Düsseldorfer Kriminalpolizei wurde dort der Einbrecher kt d i e Kirdorfer Gedächtnis- kirche verhafte.t. Im Besitze des Verbrechers befanden sich noch verschiedene goldene kirchliche Geräte mit der Eingravierung: Homburg v. d. H. Ueber die Personalien des Mannes konnten noch keine Angaben gemacht werden.

= Fu l d a, 17. Mai. Zu der Errichtung einer Trocknungs­anlage im Kreise Fnlda bewilligte der Kreistag einen vorläufigen Betrag von 20000 Mark. In der Anlage soll alles im Sommer irgenkvie verfügbare und überschüssige Grünfutter getrocknet werden, um im Winter dem Mangel an Futtermitteln begegnen zu können. Für die Unter st ü tz u n g von Familien der Krieg s- ieilnehmer ^hrelt der Kreistag die Errnächttgung zur Aufnahme von Darlehen in Höhe bis zu 1 673 900 Mark.

--Frankf ur t a. M., 16. Mäi, Oberlmrdrsyerichtsprändent Dr. Spahn begeht am 22. Mai seinen 70. Geburtstag. Dr. Spahn war ftüher KanrmevgeirchtsrQt in Berlin, ttratöe 1898 Reichstze- richtzsfttt, 1905 OberlandisgerichtspräsDent in Kiel, von n® er Ende November 1910 als Nachfolger Dr. v on H affend an das Frank­furter Oberlandesyericht übersiedelbe. In der kurzen Zeit seines hiesigen Wirkens hat er durch sein schlichtes Wesen und seine juristi­schen Fähigkeiten sich große Sympathien erworben.

ul. Limburg, 17. Mai Gegen däe Klatschsucht wendet sich die hiesige Polizeiverwaltung mit folgender Mahnung an die Biftgerschaft: Seit einigen Tagen sind hier die phantasrereichften und abenteuerlichsten Giftüchte im Umlauf über Bvrratshäufirngen und Haussuchungen bei Bürgern unserer Stadt. Demgegenüber wick fest-gestellt, daß überhaupt keine Haussuchungen in Privab- häusern stattgeftmden haben, somÄ auch diese für die Betroffe­nen recht peinlichen und verletzenden ttnwcchrlieiten und Sematwns- nachrichten leere Phantosiegebilde sind. Hiergegen ist es sehr be­dauerlich, daß in unseoer ernsten Zeit noch Muße und Sirm für solch häßLiches unwahres Gerede herrscht.^ Verbreiten mck Wetter- tvagen vertemnÄerischer oder mcht nachweislich wahrer Nachrichten, wenn auch, unr aus leidiger Klatschsucht, muß zur jetzigen Zeit jeden verständigen ehrliebenden Menschen doppelt widerwärtig sein. Wer aus diese Weise fremder Ehre zu nahe tritt, kann aber auch leicht mit der Strafgesetzgebung in Berührung kommen, auch, wenn er nur Klatscher ist. Darum ist eine ernste Warnung hier am Matze.

NniVe^fitäts-Nochrrchten.

Sic. Frankfurt a. M., 17. Mai. Wie wir hören, hat der Zahnarzt Hans Seidel in M ü n st e r i. W. den Ruf a« die Universität Frankfurt a. M. als Nachfolger des Profeffors Schaefser-Stuckert angenommen; er erhält einen Lehr­auftrag für kmffervierende Zahnheilkunde, sowie die Leitung der konservierenden Abteilung am zahnärztlichen Institut.

i rTu Z-Ostenboch ließ in kurzem, aber seyr klarem formdolkendeten

Bortrag die Zuhörer einen interessanten Blick in die ungeheuer schwierige, weitverzweigte, aber allem Anschein nach mustergültige Kricgssürsorge ^der Industriestadt O f f e u b a ch tun. Die Arbeit der verschiedensten Anssckchsse in den einzelnen Stadtbezirken, die Regelung der Fürsorge für die Soldaten und deren Familien zu Hanse, für die Dienstboten und arbeitsloser Frauen, die Arbeit in der Haushaltnngsschule, in den Kriegsbilsskursen der lanftränni- schen Fortbildungsschulen, dieFrauenarbeit der städtischen Kriegs- fürsorge^i der Nähstuben, der Beratungsstellen, der Preisprüfungs- stellen, der Lesehallen und Mcl>cn für Kinder usw. erstand in lebendiger Weise vor den Augen der Anwesenden. Pfarrer K n ö p p - König i. O. dagegen führte in überaus warmherziger, nicht minder sesselttder Weise in die ganz anders geartete dörflicheKriegs- ftürsorgearbeit ein. Wias er von der Arbeit des oortigen Franenvereins in Verbindung mit dem Gemeinderat zu berichten wußte, was er von der Arbeit im Lazarett und dem dörftichen Gu- laschkesset sagte, war so vorbildlich, daß inan jeder Dorfgemeinde unseres Hessenlandes eine solckieKriegsfürsorge" wünscht. Wie eifrig aber überall von derr Frauenvereinen ans alten besprochenen Gebieten gearbeitet tvird, zeigte der auf Grund reichen, statisttschen Materials arcsgearbeitete vortreffliche Vortrag von Pfarrer G r o t h - Rödgen, der auch die sehr wiÜTtigen Fragen der Organi­sation näher beleuchtete. Sämtlichen Vorträgeir folgte eine reiche Aussprache, an der sich die Vorsitzende, die Fürstin Erbach- Schönberg, Frl. Desenne, die Herren Pros. Weimar, Geheimrat Schlosser, Pfarrer Lic. Dr. Bert, Kahn, G u ß - mann, Schäfer u.a. m. beteiligten. Um V27 Uhr konnte die Vorsitzende, !Fran Pfarrer S tra ck-Birkenau, die überaus an­regende Tagung schließen, nachdem vorher noch sämtliche ausschei- derrden Vorstandsmitglieder einstimnmng wiedergewählt worden waren. K.

vermischtes.

* Berlin, 16. Mai. DasBerliner Tagebl.^ meldet aus Danzig: Seit dem 5. Mai ist der Rendant Both von der Technischen Hochschule verschwunden. Bei einer Nachprüfung der Bücher hat sich ergeben, daß Both seit Jahren Unregel­mäßigkeiten begangen hat, deren Höhe bis jetzt auf 300 000 Mk. festgestellt ist.

Gerichtrsaal.

X. Hanau. 16. Mai. Der Maschinenackeiter Stroh ans Mittelbnchen teilte am 20. März zwei Metzgermeistern aus Hanau mit, daß der Landwirt Friedrich Müller zu Mittelbnchen enr Schwein zu verkmffen batte. Der eine Metzgermeister begab sich zu Müller, der ihm das Schwein auch zeigte und 700 Mark dafür verlangte. Nach den Bestimmungen, die Höchstpreise bctr., hätte er aber mir etwa 400 Mark fordern dürfen. Aus-dem Kauf wurde natürlich nichts und der Metzgermeister, der über diese Ueber- sockerung entrüstet war, erstattete Anzeige, so daß Müller sich gestern vor dem Hanauer Schöffengericht deswegen zu verant- loorten hatte. Er gab die Forderung zu, behauptete aber, daß er sich mit ihr nur einen Spaß erlaubt habe und es ihm mit dem Verkauf nicht ernst gewesen sei. Das ginge schon daraus hervor, daß das Schwein trächttg gewesen sei. Er babe es nicht verkaufen dürfen und auch Nicht verkaufen wollen. Zeuge Sttoh bestätigte auch, daß der Angeklagte angeheitert ge.vesen, als Spaßmacher im Dorfe bekannt sei und schließlich zu dem Metzger auch gesagt hatte, ich Iwill es gar nicht verkaufen". Der Gerichtshof nahm an, das ernstliche Verkaufsabfichten bei dein Angeklagten nicht bestand«: hätten und erkaimte aus Freisprechung. Dar Vorsitzende ermahnte ihn aber dringend, derartige Scherbe in heutiger Zett zu unter­lassen, schon um Nicht die bestehende Abneigung gegen die die Nahrungsmittel erzeugenden Landwirte, die ja unberechtigt sei, noch mehr zu steigern.

Amtlicher Wetterbericht.

Oes-fentlicher Wetterdienst, Gießen.. Wetteraussichten in Hessen am Donnerstag, den 18. Mai 1916: Ziemlich heiter und trocken, tagsüber warm, nachts kalt.

letzte Nachrichte».

König Viktor Emanuel und Giolitti.

Budapest, 17. Mfti. Desr Luganoer Berichterstatter des Budapesti Hirlap" teilt mit: Von Giolitti nahestehender Seite wick mitgeteilt, daß Giolitti in der Mlla Frascatt eine Begegnung mft dem König hatte. Giolitti war schon öfters eingeladn^ Die Begeg­nung wurde aber von dritter Seite stets vereitelt. Giolitti ver­mied stets die Reise nach Rom, weil er der inländischen und aus­ländischen Presse keine Gelegenheit geben wollte, als ob ec ge­neigt wäre, die Bestattung des^ zum Tode verurteilten skübinettst Salandra-Sonirino zu übernehmen. Der König richtete jedoch vor kurzem an Giolitti abermals einen Brief, ivorin er den Wunsch ausdrückte, mit ihan einen persönlichen Ideenaustausch zu pflegen. Giolitti unternahm daraufhin die Reffe nach Rom, umsomehr als die Sittiation sich vollständig geändert hat. Während nämlich Sa- larckra früher in Giolitti seinen erbittertsten Feind sah, scheinen jetzt die größten Gegensätze zwischen Salandra und Molitti aus - geglichen loorden zu sein. Zwischen den beiden Politikern fan­den in letzter Zeit öfters Begegimngen statt, deren Srgeb- niffe sofort fühlbar wurden. Die Erkenntnis, daß derKriegs­schauplatz nicht ausgedehnt werden darf und daß Italien sich nicht zu Hilfsdiensten, ivie die ftan^ö fischen und englischen Kolonial truppen, herabwückig-en darf, ist sicherlich dem Einflüsse Güütttis zuMschreiben. 9Lach der Begeffterung, welche der Rom-Besuch Asqnith hervorries, brachte die Pariser Wirffchaftskonserenz Ita­lien die größte Enttäuschung. England forderte die Aftslieserimgj der deutschen Schiffe in italienischen Häfen als Vorbedingung der Ermäßigung der Frachten. Dieser Wunsch wurde znrückgewiesen, weil ein solches Vergehen Italiens Jntereffen nicht dienlich ge- wesen wäre. Würde Italien die deutschen Schiffe beschlagnahmen, so müßten diese für italienische Zwecke verwendet wecken. Ebenso wurde der englffche Wunsch zurückgewiesen, daß Italien allein einen HondÄsvertrag mit England abschließe. Dieser Vertrag würde Italien vollständig die Hände binden. Der Abschluß dieses Verttages nmcke vom Verlauf und dem Ergebnis des Krieges abhängig gemacht.

Die Wirttms des öftrrwichjschen AEerrefeuers.

Lugano, 17 Mai. Die italienischen Matter vermerken mit schlecht verhehltem Groll die gestrige Meldung des italieni­schen Generalstabes von der Beschießung der etwa 20 Kilometer von der Tiroler Grenze gelegenen Stadt Asiagv durch öfter- reichffche schwere Geschütze. Die vorgestrige Meldung Cadornas von der Beschießung der italienischen Orffchaft Ponte di Legv in der Provinz Brescia durch österreichische Artillerie wick von den Blättern ohne Kommentar gegeben, obgleich diese Meldung die wichtige Tatsache enthüllt, daß der angeblich seit Ausbruch des Kriegs von den Ibalieuern besetzte wichtige Don-cckepaß im Besche der Oesterreicher ist.

ZCircbe und Schule.

'A iFram kfn r t a. M., 16. Mar. Montag f5. Mur ds. Mt fanb Mer die drEahrche Hanpwerscwrnckuwg desBerba udeÄ evg kirchlicher Frauenve-Deine im Großhe^z-og- tum Hessen" statt. Der außerordentlich zahlreiche Besuch der Versammlung bewies aufs beste, welch glückliche Wahl der Vorgand mit der Berögnng der Versankmlung nach einem mehr im Mittel­punkt der drei Hessffchen Provinzen gelegenen Stadt gttrofftn hatte. Der Krieg stand natürlich auch hier rm Mittetpuntt der Verhand­lungen Der von der Schriftführerin, Frau Wen z e l - Darmstadt, vorgettagene Jahresbericht bot ein erfreuliches Md der Tättgkeü des Verbandes aus den verschredenjten Gebieten der ,^Kr regssn r-- sorge". Auch die beiden Hauptvorttäge der Tagrmg führten noch weiter in dieses große wichtige GeMet ein. Frau Prvfeffor H«-

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