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166 . Zahrgmrg
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Oietzener FamitteirblStter" werden dem
^Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt. daZ „Nreisblatt für den Ureis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zett- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Samstag, 29 , April W 6
Rotationsdruck
Universiläts
R.
und Verlag der Brühl'schen - Buch- und Steindrrrckerei. Lange, Gießen.
General-Anzeiger ffst
Schriftleüung,Geschäftsstelle «.Druckerei: Schulstraße 7. Geschäftsstelle u.Verlag:^-^51,Schrift- leitung: ^M112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.
Hausbesitzer- und Wohnungs-Ast.
^ Gießen, 29. Llpril.
.Hausbesitzernot und W'vhmuigs-(Mieter-)7wt haben im wesentlichen gleiche Quellen — nichts ist verkehrter rmd kurzsichtiger, als die oberflächliche, herkömmliche Anschauung eines eigensüchtigen Interessengegensatzes ztvischen Hausbesitzer rmd Mieter. Nur wo der Hcrusbefitz sich gedeihlich zu entwickeln vermag, findet auch der Mieter seine Rechirung, und nur da wird sich der Hausbesitz gedeihlich entwickeln können, wo er die berechtigten Anforderungen der Mieter zu befriedigen trachtet. Gegen eine Politik des Hausbesitzes, die ans die Wohnungs n o t spekulierte, mußte gerade der besonnene Hausbesitz entschiedensten Einspruch erheben. Daß aber stets in Hülle und Fülle Wohnungen leer stehen sollen, wie das hier in Gießen vielfach der Fall ist, kann der Mieter auch nicht verlangen. Ich kenne Hausbesitzer, die erneu Ausfall von 15 bis 33 Prozent der Miete infolge leerstehender Wohnungen erlciderr mußten. Das ist-ein ungesunder Zustand; offenbar Ovaren Wohnungen einer gewissen Art weit über Bedarf gebaut worden. Hausbesitzer und Mieter sind aufeinander angewiesen, wie gute Eheleute, wie der Staat aus tüchtige leistrrngsfähige Bürger, die Regierung auf freie Männer!
Mangel an Einsicht und Organisation in vielen Stücken und Beziehungen haben hier in Gießen — Intfere Llllsführungen beschränken sich auf Gießener Verhältnisse — den heutigen Zustand verschuldet. Allerhand Flickwerk und Quacksalberei soll nun helfen; Einseitigkeiten über Einseitigkeiten führen dabei auf tote Geleise. Aus einem Punkte möchte man kurieren, wo so vieles verfahren ist. Nur eine gerechte Abwägung aller Interessen, nur die Berum ichttgung aller einschlägigen Umstände vermag eine Heilung von Grund >auf zu verbürgen, ohne lebensfähiges zugrunde zu richten, ohne sozusagen über Leickjen zu gehen. Manche welken Blätter werden dabei frellich fallen muffen, vor dem Frühlmgs- sturm brechen alle morschen Aeste. Wir können nicht alles konservieren, was unter ungesunden Anschauungen, falschen Sveku- lationen rmd Berechnungen geworden ist; nicht alle bestehenden Rechte sind wohlerworben — sonst dürften wir ja gar nicht daran rütteln.
Wir werden uns also besinnen müssen, auf ivelchem Wege ui diesen Fragen auf dem gewachsenen Boden dem Gemeinen Wohl bestens zu dienen ist. Tie, Verschiedenheit der Verhältnisse ist zu berück sichtigen; es kann nicht alles über einen Kamm geschoren werden Eine schwere, sehr schwere Aufgabe, doppelt schwierig rn einer Zeit, die plötzlich eine neue 9äol für den Hausbefftz gebiert, die^Not der ersten Hypotheken! Denn in einer Zeit in der per Maat eme 5 prozentige Rente auf Jahre hinaus garaw ttert, wirft sich drese Frage ans: Werden sich die Geldgeber der ersten Hypotheken mit der herkömmlichen geringeren Verzinsrmq begnügen ? Neben die seither schon bedenkliche 9tt»t der zweiten Hypotheken,, für deren Zinssätze Gelder angesichts der Gewinnaussichten in Industriewerten schon nicht mehr erhältlich find tritt diese nicht zu unterschätzende Gefahr für erste Hypotheken
Bekanntlich hat der Reichskanzler auf Beschluß des Reichs- tags eme, Kommission eingesetzt, welche die Grundlagen unseres Realkreditsyltems prüfen und zur Abstellung der Mängel An-
n.
In recht faßlicher und einleuchtender Weffe hat sich die „Mag- deburgische Zeituncp' in den Nr. 122, 134, 144 und 163 vom Jahrgang '1916 gerade mit der besonderen Frage befaßt, die diese Finanz- und Hypoth?kenn-ot des Hausbesitzes betrifft, also mtt dem L'reis jener Interessen, der durchs die Begriffs Schätzung, Hypothekengewährung, Entschuldung, Ti l gang, Staats- und Stadthilfe, Bürgichaft mnrffsen wird. Für Preußen gab dazu besondere Veranlassung das neue Sch a t - zungsgesetz und das Gesetz Kur Förderung von sog, Stadt- sckasten" (Pfandbriefbanken für Städte) nach dem Master oer Preußischen „Landschaften". Die Aufsätze sind im Sonderabdruck herausgegeben und sehr lesenswert. Hier in Hessen haben wir bereits in den Orlsgerichten Schätzungsämter, die sich im allgemeinen bewährt haben, zumal unsere Hessische Brandversrcherungskammer bei ihren Brandschätzungen sehr gründlich und vorsichtig zu Werke geht und damit ben Ortsgerichten eine wertvolle Grundlage grevt. Unsere Hessische Landeshypothekenbank erfüllt dKgl. für .Helsen schon jetzt ira wesentlichen die Aufgaben, die für Beschaffung der ersten Hypotheken bis zu 60°/o der Taxe in Bettacht kommen, Immerhin ist die Geldbeschaffung reichlich teuer, die Amortisation
hoch imd aus die Dauer nicht durchzuhalten, da sie ja selbstverständlich nicht aus den Mieten gedeckt lverden kann (s. u.).
Der Kommunalpolitiker der „Magdeburgischen Zeitung" Erich y>' e l d h a u s fordert im Ergebnis:
, Erste Hypotheken bis 60°/o des Wertes, zu geben vorwiegend von Sparkassen, Pfanobriesämtern, Versicherungsanstalten und dgl. offen tlich--rechllicheu Instituten.
Zweite Hypotheken insgesamt bis äußerstens 90% des Wertes, gegeben vom Privatkapital.
E i g e n a n t e i l des Hausbesitzers mindestens 1 0°/o; [oiueit bisher nicht vorhanden, durch Sanierungen herbeizuführen.
Zur Sicherung dieses Kreditwesens soll dienen die amtliche Schätzung, bei den ersten Hypotheken; soweit sie 50o/o überschreiten, al)o bis zu 60o/o. Ferner Bürgschaften der Kommunen oder kommunaler Verbände, bei den zweiten Hypotheken Bürgschaften von H a u s b e s i tz c r b a n k e n.
Endlich fordert er Schutz gegeii Kündigung und Erschwerung der bestehenden Hypothekenkredfte in den nächsten Jahren nach dem Kriege.
. Wenn der Verfasser im Eingänge seiner Ausführungen aber dielen Kreis von Fragen als denjenigen bezeichnet, der allein den Anteil der Oeffentlichkeit beanspruchen könne, so ist das eine durch nichts begründete Einseitigkeit, die all' die andern schwierigen .Fragen dem^laisLer kaire, luisser Liier zuschiebt, durch das wir jetzt so kläglich- festsitzen. Mit der richtigen Einschätzung und der rechten Kreditbeschaffung ist zwar viel geschehen, aber noch langst nicht genug, geschweige denn alles, so richtig vieles ist, was der Verfasser über die Schätzungen selbst auseincurder setzt.
III.
Die zutreffende, richtige Schätzung ist in der Tat eine unumgängliche Grundlage, ja der Ausgangspunkt, von dem Hausbesitzer und Mieter bei gegenseftiger Abwägung ihrer Interessen ans- gehen müssen. Sie ist oder sollte sein der feste Grund, in dem aller Hausbesitz verankert ist. Liegt nämlich diese Bewertung^ diese Zahl einnval zuverlässig fest, so läßt sich, alles weftere sozusagen mit absoluter Folgerichtigkeit berechnen. Sie ist lischt nur die Sicherung für den Hypotheken kredit, sondern das Fundameilt für die ganze Hausverwaltung. Mit Recht begrüßt daher der Kommunalpolitiker der „Magdeburgischen Zeitung" das nerre preußische Gesetz über die Errichtung von Schätzungsämtern und zeigt seine hervorragende Bedeutung. Uns aber zeigt dies, daß wir Misere längst bestehende Einrichtung der orts gerichtlichen Taxation viel zu wenig ausgeuutzt chäben. Mchtrg und mit SackKrnde gehandhabt, vermöchte sie eine Bürgschaft für gesunde Berhälmisse abzugeb^n — und dazu muß sie in Zukunft ausgebaut werden.
Dazu bedarf sie auch bei uns einer eingreifenden Umgestaltung durch Zuziehung erfahrener Fachleute mit baut ethnischen und volks- wirtschaftlichn Kenntnissen und guten: Urteilsvermögen. Sie muß di" Gewähr in sich ttagen, daß wir Grimdstücksschätzungen erhalten, auf die sich die Hypotheken geldgeber verlassen können, aus die aber vor allem auch- der Hausbesitzer seine Hausverwaltungsrechnung gtt'mLeu kairn und auf deren Grundlage auch die Allgemeinheit die Leistungsfähigkeit bes Hausgrundbesitzes einerseits und die notwentage Höhe der Mieten andererseits beurtellen und beroch-
sind oder in Zukunft gemacht werden, verschwenden vor dieser Schätzung natürlich nicht; diese Schätzung ist kern Heilmittel, das alle Fehler wieder gut zu machen vermöchte — sre kann aber, nx& eimnal ist, auf eine gesunde Basis stellen helfen, und Ire mag zur Vermeidung falscher Spekulationen in Zukunft beitragen. Erne zurückhaltende Schätzung neuer Bodenwette bewahrt uns vor Enttäuschungen, erne zuverlässige Schätzung zu hoch beiuerteter Grundstücke wird zu Sanierungsmaßnahmen Anlaß geben, ehe^e» dazu zu spät ist. Zusammenschluß der Hausbesitzer wrrd drese Sanierungen zu fördern haben. Mit Recht sagt der Verfasser der Artikel der „Magdeburger Zeitung", daß die Hervonnftmg von Zusammenbrüchen durch allzu strenge Sachlichkeit nach Kräften vermieden werden muß, indem allzu krasse Differenzen nach und nach abgebaut und allmählich ausgeglichen werden.
Es kann mm nicht Aufgabe dieser Zeilen sein, den Weg aufzuzeigen, auf dem es mögliche sein muß, Fu sachgemätzen und zuverlässigen, aber auch wirklich angemessenen Schatzungen zu gelangen. Das muß eben möglich sein, und wo ein Wrlle rst, da ist auch ein Weg, den die berufenen Sachverständigen zu zeigen und zu gehen haben. Die Schätzung muß den Wert wiedergeben, den.das Grundstück unter Berücksichtigung der wrrtschaftlrciMr Beryatt- nffse nach seinem Nutzen hat; der Nutzen aber, den es abwerfen
kann, ist der: Verhältnisserr entsprechend zu schätzen und kein fester, absoluter Wett.
Unsere Llusführungen wollep nun im folgenden zeigen, daß Ml!gemäße, angemessene amtliche Schätzungen, die von Zeit zu Zeit oder auf Antrag der Interessenten zu wiederholen wären, nicht m:r das Vertrauen Lum Realkredit wiederherzustellen und zu er- halterr vermöchten, sondern vor allenr maßgebend für Mietpreise einerseits und Leistungsfähigkeit andererseits wären oder sein 1 elften, daß sie geeignet wären, die bestehenden Interessengegensätze m lösen und zu irberbrücken und auf die Spekulation zügelnd zu wirken — nur darf man nicht meinen, sie seien ein Heilnrittel gegen die Schäden unseres bestehenden Bodenrechts. Denn solange wir gerade der Mobilisierung der immobilen Werte freiesten Spielraum lassen, muß ja jede sachgemäße und angemessene Schätzung eben diesem Bodenrecht — die Bodenreform nennt es ein Boden- unrecht — Rechnung tragen. Zeigen wollen diese Ausführungen ferner im folgenden, wodurch es großenteils kommt, daß die Bodei:- werte im allgemeinen imd in den Städteir lvenigstens stetig in die Höhe gehen. Das hat iwtwendigerweise eine stetige Steigerung der Mieten inr Gefolge — eine Schraube ohne Ende! Aber auch die wachsenden Ansprüche der Mitter tragen zu diesem Ergebuisse in sehr erheblichein Maße bei. Auch hiervon soll und muß im Folgenden die -Rede sein.
(Fortsetzung folgt.)
Arvchlrche Zlatfyvidjten*
Lvairgeljjche Gemeinde.
Samstag, den 29. Avril:
In der Stadtlirche Nachmittags 2 Uhr: Beichte. Pfarrer Mahr. — der Iohanneskirche. Nachmittags 2 Uhr: Beichte. Pfarrer A u s f e l d.
Sonntag, den 30. April, Q u a f i in o d o g e n i t i:
.Kollekte für die Armen. Gottesdienst. In der Sladtkirche. Dorntik'ags'Ostz Uhr: Konfirntation der Kinder aus der Matthäus- gemeiude. Feier des heiligen Abendmahls. Pfarrer M a h r. — Abends 6 Uhr: Pfarrassistent Hoffman n. — In der Iohanner- tirche. Vormittags Uhr: Konfirmation der Kinder aus der Johannesgemeinde. Feier des heiligen Abendntahls. Pfarrer 2l u s f e l d. Abends 6 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.
Vibettränzchen für Schüler höherer Lehranstalten. Für die jüngere Abteilung jeden Mittwoch von 6 bis 7 Uhr, für die ältere Abteilung jeden Samstag von 6 bis 7 Uhr im Johabnessaat.
Bibelkrünzchen für Mädchen aus der Iohannesgemeinde. Jeden Dienstag von ö—7 Uhr im Johannessaat.
Kirchberg: Sonntag, den 30. April, vormittags 10 Uhr. Konfirmation. (Kollekte). — Daubrittgen: Nlittivoch. den 3. Mat, abends 8'/, Uhr: Kriegsbetstunde. Dekan Guß mann.
-- V^l]
katholische Gemeinde.
Gottesdienst. Samstag, den 29. April:
Nachmittags 5 Uhr und abends 6 Uhr: Gelegenheit zur heiligen Beichte.
Sonntag, ben 30. April, Weißer Sonntag:
Vormittags 6 Uhr: Gelegenheit zur heiligen Beichte. 7 Uhr M flluS/pilunn der dl Kommunion. 9 Ubr: ftnrfr.
Montag 8 Uhr ist ein Amt fuv bte^rftEomtttartutttt^^^-
Dienstag und Freitag abends 8 Uhr ist Maiandacht. Freitag 7 Hin' ist Segeiisinene.
Für Nhenmtrtiker rmd Nenralgreleidende.
jahrelange Schmerzen waren in 3Tagen verschwunden.
Herr E. Kelch. Hagen, schreibt: „Ich leide schon seit Jahren an Rheumarismus und Blasenleiden und konnte vor lauter Schmerzen kaum noch auftreien. Da ich nur ichon öfter alle möglichen Mittel hatte konunen lassen, rvclche oft sehr teuer waren rem gar nichts geholfen hatten, kaufte ich mir eme Packung Togal, denn ich sagte nur: „wenn es nicht hilft, dann ist nicht viel vettoren. Das Resultat war so überraschend, daß ich es telbst kaum glauben konnle. Schon nach dem Gebrauch von 2 Tabletten konnte ich gehen und am nächsten Dtorgen konnle ich lvie tert langen Jahren frei und unbehindert auftreten. Heute, am dritten ^.age, stihle ich mich am ganzen Körper trotz des miserablen Wetter^owohl, daß es eine Freude ist. Ich kann daher ^.ogal allen Leidende- führten sehr warm empfehlen." Aehnltche Erfahrungen ,ind noch überraschendere Erfolge erzielten viele andere, welche Togal nicht nur bei Rheumatismus, sondern auch bei Kovncbmerzew veren schuß, Ischias, Schmerzen in den Gelenken, wwle bei Jnstuenza gebrauchten. Alle Apotheken führen Togal-Tabletten. ^ Best.: Acid. acet. sali . Chinin. Mg. Li. [iOÄ)Sa
Dublin.
Nicht zum ersten Male hat jetzt in Dublins Straßen der Aufstand gegen die englische Fremdherrschaft getobt. Fast 850 Jahre ist es her seit die Engländer Irlands alte schöne Königsstadt ui tfrte Gewalt gebracht haben, und in diesem langen Zcittaunie haben sie Dublin nach und nach mit einem dicken englischen Firnis über- Lvaen so daß der flüchtige und oberflächliche Besucher sie für eine typische englische Stadt leiten möchte. Aber der Schein trügt. Dublin ist durch all diese Jahrhunderte hindurch echt und ganz irffch es ist bas Herz Irlands geblieben und in dieser anglinetten Stadt laufen die Fäden der ganzen nationalen Bewegung der grünen Insel zusammen. Tie Geschichte Dublins hat dafür gesorgt. daß seine Bewohner nicht vergessen. Wer im Herzen der Stadt auf der O'Connel-Brücke, bis zu der die Seeschirffe mtt fünf Metern Tiefgang den Liffey-Fluß hmausfahren können, Aus- stelllmg nimmt, dessen Blick fällt gegen Süden hinauf zwei monumentale Baulichkeiten. Tie eine, eines der schönsten Gebäude der irischen Hauptstadt, ist die Bank von Irland, ein Prachtbau in .Halbkreisfvrni mit schönem Portikus in der Mftte und daran anschließenden seitlichen Säulengängen. Dieser Palast, wo hertte Gott Mammon thront, war einst der Sitz der beiden Kammern des irischen Parlamentes, bis England ihm das Lebenslicht ausblrcs. Hier war es, wo Männer wie Burke ihre zündenden Reden gehalten haben, und kein Ire, der an diesem Hause vorübergeht, vergißt daß es in all seiner Pracht doch stur ein monumentales Grabmal der irischen Selbständigkeit darstellt. Und gegenüber diesem einstigen Mittelpunkte des politischen Lebens des Landes stehen die Anlagen von Trinity College, das den Mittelpunkt des geistigen und wissenschaftlichen Leberls des Landes bildtt oder wenigstens bilden sollte. Aber Trinity College ist oon Elisabeth als protestantische Universität gegründet worden, wobei natürlich die politische Msicht mitwirkte, dem Katholizlsnrns m Irland das Bett abzngraben; Oxford und Cambridge gaben die Vorbilder für die Tubliner Hochschule, und bis zum heutigen Tage noch! ist Trinity College, ums es von seiner Gründimg an geivesen ist. So kann man verstehen, daß den echten Jrländerir diese Universität ein Dorn ini Auge ist, daß sic sie als Fremdkörper rn ilwevi Volksleben empfinden; und wenn auck,. in neuerer Zeit eme katholische Universität und eine auf praktische Bedürftriffe zugeschnittene Studienhochschule in Dublin entstaiiden find, so bleibt doch die Existenz und die Stellung von Trinity College für alle Nationaliren ein Stein des Anstoßes. Umsomehr, als diese Universität sich bis in die jüngste Zeit hinein allen Besttcbungen zur Wiederbelebung der gälffcheii Sprache mrd Literatur gegenüber ganz verstockt gezeigt, ja sogar das Strrdium der irisä-en Geschichte, Kultur und Altertürner, das doch» hier gewissermaßen vor der Türe
liegt, mit zur Schau gttragener Geringschätzung vernachlaffigt hat. Erst in allerneuester Zeit hat sich ein Wandel hierin wenigsten^ angebahnt.
Unholde Erinnerungen sind es so, die diese großen Bauwerke dem Tubliner ins Gedächtnis rufen. Und ebenso mrerfreulrck) sind die Gedanken, die ihm Dublin Castle, das schloß des Bize- königs von Jrlaiid, erweckt, ein alter weitläufiger, festungsartigM.', im Innern zum Teil prächtig ausgestatttter Bau, nr dem der echte Irländer ein Zwing Uri der Fremden erblickt. Und wandert der Bürger von Dublin gen Westen in den Phonrxpark, diesen herrlichen Niesengatten, um den jede ^Großstadt D ublm zu beneiden hat, so gedenkt er wieder der Schlüsse, dre ernst an drelev Stelle gefallen sind und die schwere Leiten für dw grüne Insel herausbeschworen haben. Phöuixpar? ist ein Bud strablender Heiterkeit und Naturschönheit. Wer hart stoßen hier die Gegensätze auseinander. Nicht gar weit ist es von den sattgttrnen Wiesen inü> den üppigen Bäumen des Parkes zu dem Stadtteile der Armut, der hauptsächlich den Südwesteu der Stadt füllt, erneu Stadtteil mit ersfickcnd engen, schmutzigen Gassen, der einst dicht bewohnt jvar von den Arbeitern der blühenden Woll-, Lernen- und Werdennrdusttre der irischen Hauptstabt. Die Engländer sind es, die dwse Industrie, eine Lebensader Dublins, urrterbunden und erstrckt,haben, und so zeigt das Arbeiterviertel der Stadt verlassene Hauser, gebrochene Existenzen, überall Spuren der Verfalls, ^vre denn überhaupt der äirßere Glanz Dublins rrrcht darüber hrnwegtauschen kann, daß unter denr Drucke der eirglischlerr ^ 5 'reiudh-err,ck>ast tec Fortschritt der Stadt geknebelt ist. Frcrlrch, das Bild, das Errn^ Haupts lobt dem Besucher biettt, ist so herrlick), so bestechuid, daß er dadurch leicht geblendet werden kann Dublm gehört unstreitig zu den schönsteu Städtern der Welt. Weitst man vom Poo - beg-Leuchtftuer zwischen gewaltigen Molen durck) dre schmale Einfahrt, die der einstigeii Saiidbank vor der Mmtnuig des Ltffey abgewonnen imrrde, der Stadt sich nähert, so gibt sie, tecks in der Ebene, teils auf Hügeln, firfii ausbrettenb, von Grmi nm- kränzt, von scheuen Bmrwerken gekrönt, em bez-aubernbes Bild. Zwischeti schönem lirngen Uferwegen aus Grantt sichrt ver Wasserweg flußauftvätts bis ins Herz der Stadt selbst, ^er Lrffey bitbet die' Längsachse Dublins. Sachville Street ist ihre rauscherrd be- kdbte Hauptstraße und rings unr die alte Stadt zieht sich als baumgeschuiückte Prachtstraßc in zwölf Kilometern Lange die Ci^ cillar Road. Jenseits dieser alten Bmmnrcile aber glwderii sich die Vorstädte an, die weit geräunriger und gesunder angelegt sind, als die'alte Stadt, und das Herz der Stadt entvölkert sich mehr und mehr zugunsten der Borotte. Tie Natur^ selbst lmt ich hier einen Platz gesck^aften. auf dein eine inrnschlicke Wisiedeliing zu höchster Blüte gedeihen sollte; aber die 5)and des Fremdherrschers
fesselt die Stadt am Liffey, unter ihrer heiteren Oberfläche bergt sick'! das Elend, die Verbittermig, der 5)aß, und irgendwann, plötzlich, brechen die nur mühsäm gefesselten Täneonen aus und durch die Sttaßen von Irland gellt der alte Ruf der Rebellen.
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Stuttgart, 27. April. (Priv.-Tel.) 2lus. Anlaß des 25- jübrigen Regierungsjeibiläums des Königs findet hier Mitte Oktober bis Januar im Kunstgebäude eine Ausstellung statt,, die die Entwicklung der w ü r t temb e r g i sche n Kunst m ben Jahren 1891 bis 1916 dartun sott.
— Gedächtnisausstellung für Albert Weisgerber. schreibt rrns aus München: Ist diesen Tagen,
da der Geburtstag Mbett Weisgerbers sich.wieder jähtte, wenige Wocheii voii jenem Tage aber, an dem vor einem Jahre die feindliche Kugel eine große Hoffnung, einen frohen ^tolz, eine sichere Erfüllung der deutschen Kunst ftir immer binabrlß, wur-de in München eine 'Ausstellung eröffnet, die darttlt, wie viel Deutschland an diesem Künstler verloren hat. Der größte Teil des Lebenswerkes Weisgerbers ist in den schmucklosen Sälen der zum Ausstcllungsbause umgewandelteu „Künstlichen Eisbahn" zu- sammcngctragcn worden, aus Privatbesitz, aus Galerien, aus Museen, aus dein 'Nachlaß. . . Tie Eutivicklung der künstlerischen Persönlichkeit dieses genialen Malers wird hier, in der verständnis- volleii Aiwrdnung der „9ttuen Münchner Sezession" deutlich. Wir sehen den Weg des Stuck-Schillers zum Expressionismus,. und es ist besonders reizvoll zic erkennen, une iurmer und immer wieder die gleichen Motive in dem Künstler um Ausdruck ringen. Hier sind das Martyrium des heiligen Sebastian, das Jeremias- Motiv vor allem zu nennen. Wir sehen den Weg, den Weisgerber im Porträt ging, von den Zeiteir, da er den Dichter scharf und den Komponisten Saws mit jener nervösen, psychologischen Fein- Kunst inalte, die man lange Zeit „sezessionistisch" nannte, bis in die letzten Jahre, die den Künstler dem Expressionismus ganz nalu'
„Vorstadtbild" aus jeriu kommen. Ans früheren Jahren sind nnmderrolle Landschaften zu sehen, lichtdurchflutete Baum-Idylle, und es iit für diesen Künstler eigentümlich, daß diese Landschaftsbilder durcli das Mondäne, das den in sie hinein komponierten Figuren anhaftet, zumeist grandios ironisch wirken. Den Illustrator Wtzisgerber liat die Gedächtnis-Ausstellung vernachlässigt. Das Kunstbaus F. I. Biackt hat darum, diesem Mangel abzul-elfeu, eine Ausstellung iwn 126 „Jstgeud"-Origiualcu des Kitnstlers veranstaltet. R. R.


