Ausgabe 
5.4.1916 Zweites Blatt
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

Rr. SK Zweites Vlatt

166. Jahrgang

Mittwoch. 5. April 1A6

Erscheint I^Uch mit 8«s,nchrr»e des Sonntags.

DieHietzeser LamMeAdlätte?" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das .Freirbiatt ffir de« Kreis Stehen" zwelmal wöchentlrch. Die ..5«m-Virtfchaftttchc» Zeit- fraget' erscheinen monatlich -weunal.

1,^11,111,,, um uiÄiu-j^*»^anwsmwaiM^v^mf

eneral-Mzeiger für Obertzesfen

Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Schriftleitung,Geschäftsstelle u.Druckerei: Schul«

straße 7 . Geschästssteaeu.Berlag:^HKo 1 , Schrift«

leittmg:^@112. 2ldresse für Drahtnachrichten.' Anzeiger Gießen.

wie sichern wir die Ernte W6?

l^ 2 . F r a n k f u r t a. M., 4. April.

_ Der Kriegswirtschaftliche Ausschuß des Rhein- Maivischen Verbands fürVolksbildung zu Frank­furt«. M. hatte für Sonntag den 2. April l. Js., eine Vortrags- solge im großen Hörsaal des Frankfurter Ausschusses für .Kriegs­vorlesungen cntgekündigt, der weitgehendstes Interesse cntgegm- gebrachl wmche. Geh.-Rat Professor Dr. .Haupt-Gießen er- öffnete die sehr gut besuchte Tagung, indem er zur ausgiebigen Be­nutzung von Beratungsstellen erurahnte, und machte daraus auf­merksam, daß sich die wirtschaftliche Organisation durch die Kriegs­lage stets mehr imd mehr vervollkommne. Den Hauptpunkt der Tagesordnung bildet heute das Theuta:W i e sichern mir die Ernte 1916?" Nachdem der Redner noch die Erschienenen aufs herzlichste begrüßt hatte, ttahm Herr Landtagsabgeordneter Oeser-Frankfurt a. M. das Wort zu seinem Vortrag über Die Kriegswirtschaftliche Lage im Jahre 191 6". Der Vortragende führte im wesentliche Folgendes aus: Unser größter wirtschaftlicher Gegner sei England, durch sein Uebergewicht nach Zahl und durch sein finanzielles Uebergewicht. Ter erste Vor­zug würde jedoch bei uns dtrrch Uebergewicht an Organisation und Geist wettgemacht. Dem zweiten gegenüber komm man auch getrost in die Zukunft blicken, da unsere 4 Kriegsanleihen bis jetzt das stattliche Ergebnis von nahezu 37 MUliarden gezeitigt hätten. Die Reichsschuld vor dem Kriege habe sich auf 21 Milliarden be­laufen, sie würde bald auf 61 Adilliarden steigen und nach dem .Kriege werde man auf eine Schuldenlast von rd. 100 Milliarden rechnen können. Diese Kriegsschulden müsse man int

Durchschnitt als mit 5 Prozent verzinslich betrachtest.

Daher müsst das Deutsche Reiche unbedingt, wenn ihm der Sieg in Idic Hand gegeben würde, seinen niedergez wringe neu Feinden eben diese Last zu tvageu geben. Der 3. Punkt, mit dem uns England zu vernichten gedachte, sei die Versorgung Deutschlands mit Rohstoffen getvesen. England habe ge­glaubt, im Anfang des Krieges sich den Zeitpunkt herausrechnen! zu können, an dem Deutschland durch den Vcrlitst von Rohstoffen dem wirtschaftlichen Ruin entgegcnginge. Am 4. August 1914 sei dann in dieser Sache in Berlin die Kriegs-Rohstoff-Äbteilung zu- sammengetrcten und habe durch Preisausschreiben des Kriegsmini- sterrnms zur Lösung der schwebenden Fragen aufgefordert. Diese Lösung sei in bewundernswerter Weise erfolgt. In aller Stille seien Riesenfabriken errichtet worden, durch die die Fortdauer des Krieges unabhängig von dem Rohstoffverbrauch geworden sei. Der 4. Punkt, Deutschiland für immer und binnen kürzester Frist un­schädlich zu machen, sei der allgemein bekannte' englische A u s - bungerungsplan gewesen. Hauptsächlich fehle es z. Zt. au Viehsutter. Demgegenüber müsst man aber von einer- großen In­telligenz tmd Tatkraft unserer Landwirte svrechen, die es verstanden haben den Ausfall durch rationelle ^ Wirtschaft wieder wett zu mache» und hauptsächlich ihren Viehbestand bisher gut durchzubrin gen. Im allgemeinen sei natürlich ein Rückgang des Biehlu'standes zu verzeichnen. Das Abschlackrten des Rindviehs gehe zu weit und man könne dem nicht mehr gleichgültig gegeiniberstehm. Man dürfe nun aber nicht denken, daß nach Schluß des Krieges die Ernäl)- runasve^ältnisse auf einmal wieder glänzende würden. Die über­seeische Einfuhr werde schon ganz merklich Nachlassen, durch den Mangel an Schiffsraum. Was die Schweinezucht anlange so stellte Redner fest, daß man in 1913 über 25 Millionen Schweine in Deutschland gehabt Hütte, diese Zahl sei am 1. April 1915 auf 16,5 Millionen gesunken. Neuerdings habe sich der Sckpveinebe stand wieder gesteigert und habe am 1. Oktober 1915 19,2 Millionten er­geben. In den 'Städten mache sich der Oel- und Fettmangel be­merkbar. Dem müsse auch entgegengetreten werden. Von Rumä­nien bekomme Deutschland xa neuerdings wieder ganz erhebliche Mengen von Mais geliefert. Tie Menge entspreche insgesamt ungefähr einer halben Million fetter Schweine. Man müsst unter allen Umstünden immer bedenken, daß wir im Kriege leben. Ta könnten ja ivvhl manche Maßregeln zu spät gekommen oder nicht ganz geschickt ge­wesen sein, aber im allgemeinen müsst man unbedingt zugeben, daß die bisherige Kri e g s o r ga n i sa ti o n im deut­schen Lande immernoch, in Anbetrachtderplötzli- chen Erscheinung als bewundernswert gut zu be­trachten sei. Wenn inan die Lebensmittel-Verhältnisse mit denen unserer Fe'utde vergliche, daun erst merke man, welch nn- geheure Leistnngen das deutsche Volk bis jetzt vollbracht hat. Unsere Feinde litten nicht mcr durch die Teuerung, nein, auch im Lande selbst sei eine Regelung durch Höchstpreise usw. ausgeschlossen. Allgemein körnte matt behaupten, daß gegen unsere Wirtschaft im Frieden gerade durch den Krieg noch mehr Ordnung und Gleichmäßigkeit in der Ver­brauch sregelung gefchafseit wurde. T-ie Landwirtschaft habe ge­wissermaßen ein Erstgeburtsrecht im Wirtschaftsleben, und die Ernährungssrage sei heute das Wichtigste, um den Krieg int eignen Lande glücklich zu führen. Tie Bevölkerung müsst, was die Zeit erfordere, mit Geduld ttagen, und aus der Wrrtsäiaft

t

tu II «iH« !! i'i aii ii Ulibvi nn iiif um 1 w di'Ksnnra

Nrnrst mtb

e Frankfurt, 5. Llvril. Aus Dresdett wird gemeldet: Ter Leiter des Kgl. Schauschelhanses in Dresden, Geh. Hofrat Dr. .Carl Z e i ß, wird als General-Intendant der Oper und des Schauspiels nach Frankfurt gehrn. Ter Zeitpunkt ist twch nicht bestimmt. Man gibt sich große Mühe, den hervorragenden Theaterfachmanu in Dresden zu halten, aber die Verlümdlnngm. sind soweit gediehen, daß daran nicht zu denken ist. Das Scheiden des Geh. Hofrats Zeiß wird in Dresden lebhaft und allgemein bedauert." Tie ,,Franks. Ztg." bemerkt dazu: Es ist richtig, daß seit längerer Zeit mit Tr. Zeiß verhandelt wird, aber zu einem Abschluß haben die Verhandlungen noch nicht geführt.

Eine Ur aufführ nng au der Dresdener Hof­oper. Aus Dresden wird uns geschrieben: Die drftte Ur­aufführung der Kgl. Hofvper in diesem Jahre brachte eine komische OperDie Schneider von Schöna u" des hol­ländischen Komponisten Jan Brandts-Buys Auch diesmal gab es einen starkett äußeren Erfolg, viel Hervorrufe für den an­wesenden Komponisten, viel Beifall für die Darstellung. Aber diese freundliche Aufnahme ftum nicht über den Wert deS Werkes täuschen. Diese heitere Oper, die sich dir ältere Spieloper, Cor- nelius, imd im Stofflichen besonders auffällig die Meistersinger zum Vorbild genoinntett hat, erschöpft sich im! Gefälligen. Ter Komponist, von dem die Dresdener Hosoper schon 1913 seine zierte OverGlockenspiel" herausbrachte, die ersteDas Veilchen- fest" fand 1909 an der Berliner Komischen Oper ihre Uraufführung, ist dabei nicht ohne Eigenart. Auch in diesem neuen Werke gibt es musikalische Einfälle vott reizvoller Melodik, eine getvifst gesunde Frische und Einfachheit zcichttet die Mnftk aus, das Orchester ist mit Geschmack behandelt. Mwr die Einfälle fließen nicht reich, der Musik fehlt es sowohl an inneretu LeVen wie am Bühnententpcramettt. Dazu kommt, daß der Komponist mit seinen Texten nicht viel Glück hat. DasGlockenspiel" war eine ganz triviale Sache. Und dieselben düttoren: Bruno Warden und I. M. W e l l e nt i n s k lj haben mm auch diesenSchneider von

müsse herausgeholt werden, was nur immer herauszuholen sei Die bisher benöticfte Emsuhr sei zu utl seren t Glück durch die Produktion wettgemack>t worden. Daß die Vorräte jedoch mit der Zeit abnähmen, das müsse doch einleuchten, aber der Mionsradius sei entschieden größer ge­worden als bei Anfang des Kriegs. Wir haben heute ganz Nord- ftcmkv^ch zur Verfügung, und wir nürtschaften heraus, was wir können, und wir werden auch! in diesem Jahre ans eine gute Ernte in dem besetzten sranzösisck)ien Gebiete, das teilweise von nnstren Soldaten bestellt wurde, zu rechnen habett. Wohl hätten wir noch Belgien, Litancn, Kurland, Polen, Serbien und Mon­tenegro wit der Türkei und! K leinasün Anr Seile, aber die d e u t s ch e Landwirtschaft müsse wirtschaften wie loenu diese Möglich­keiten alle nicht vorhanden seren.

Ter Redner schloß seine Ausführungen mit dem Mahnwort an das deutsche Volk: Tie letzte Kraft müsst herausgeholt werden, um den Sieg zu erringen.

Als weiteres Vortragsthema stand aus der Tagesordnung W i c sichern wir die E r n t e 1 91 6 ?" Ter Vortragende, Tomänenpächter K. Schneider, Hof Ksteberg bei Hachenburg, verbreitete sich, ausführlich über die Bedeutung der Kartoffel für die Ernährung des deutschen Volkes und der verschieden e n Futterrüben arten für die Durcbhaltung unserer Rindvieh­bestände. Diese Notwendigkeit fct während des .Krieges in so starkem Maße hervorgetreten, daß der Anbau dieser Hackfrüchte in diesem Frühjahr mit allen Mitteln gefördert werden müsse. Es sti sehr wohl möglich die Gesamckartoffelernte in Deutschland noch außerordentlich zu steigern, wenn allgemein beim Anbau rationell versahretl würde. In erster Linie sei bei der Kartoffel die B o de n b e a r b e i t u n g zur Erreichung des gesteckten Zieles das Notwendigste und Wichtigste. Auch die Art der P f l a n z u u g habe auf die gedeihlick-e Eutwicklung den allergrößten Einfluß. Die Düng u it g ltmtöe von .Herrn Schneider ebenfalls ausführlich besprochen und als beste Pflanz zeit Ende April oder Anfang Mai sestgelegt, da die Kartoffel erst zu treiben beginne, wenn der Bodeit fick auf etwa^lO Grad Celsius erwärmt habe. Das übliche S ch n e 1 1> e n der Se tzl a r to f f e l n sei nickü iminer als zweck­mäßig zu bettachtett, weck manche Sorten alsdann schlecht aufgingen oder nur kümmerliche Sträuche bildeten. Am besteri seien als Saatgut mittlere ganze Knollen, die vorher vorgettiebeu seien, von Hühnereigröße, zu verwenden. "Irur aus gesunden Beständen solle üran die Saatkartoffeln ausivählen. Zu den erträgnisreichsten Sorteit gehörten heute Industrie, Wolthmann, Viktoria Mgusta, Fürstenttone u. a. Die Ernte der .Kartoffeln im Herbst solle nicht eher zu begiimeit, bis die Knollen sich im Boden genügend ab gekühlt hätten, weil sic sonst inr Keller schnell der Fäulnis vcr fallen würden. Beint Ein kellern selbst werfe mau stets etwas klein geschlagenen Stücktälk zwischen die Kartoffeln, woditrch das Nackfaulett verhittdert würde. Des wetteren iurfnn der Redner zur Frage der V e r w e n d wit g der Fu t t e rrü b e n für die W i n - terfütterung aller Viehgatttnigcn Stellung, die von unseren kleinbäuerlichen Betrieben noch nicht genügend in Rechnung gezogen NTÜrdeu und daß besonders durch die Vermehrung des Wurzel gewächsbaues der Kleittbauer seine Winterfütteruitg in erster Linie vermehren itnd weiter außero-rderttlich verbilligen und somit seine Einnahntkm aus dem Viehstalle bedeutend er­höhen könne. Im eittzelnett besprach dann der Redner die A n f- zncht der Kohlrüben, Runkelrüben oder Dickwurz und der Mohrrüben. Zum Schlüsse seines Vortrags lieh der Redner noch einmal besonders der Haferpflanz nng das Wort. Bei dem Mangel mr Hafer sei eine reichliche Düngung angebracht. In Bezug auf die Futterernte tvies er allgeutein darauf hin, daß alles Grünfutter einen um so höheren (behalt au leicht veodanbichetn Eiweiß besitze, in je jüngerem Zustande es ge­erntet werde. Zur Sicheruttg der Henernte solltett überall die sog. Allgäuer Heinzen eingeführt werden, auf toclche Gras und Klee sofort nach dem Mähen anfgehängt werdeit könne. Auch die künstliche Trocknung auf sog.Mlestrocknern" sei sehr zu empfehlet. Hierdurch könttten eine Vttnge Futterstoffe in wertvolles Tauerftttter verwandelt wett>en, welche sonst in der Wirtschaft unbedingt nmkämen. Drtttgend notwendig erscheine cs, daß sich cuff allen Dörfern Kräfte zur Bevottmg der einzelnett Landwirtschaftsbetriebe zur Verfügung stellten, ^n der Hauvt- sache müsse der Bezug von K urt st d ü n g e r gemeinde weise in ganisiert loerdm. Hier mache er besonders daraitf aufmerksam, daß die Landwirtschaftliche Zcntral-Darlehenskasse, Filiale Frank furt a. M., alle erforderlichen Düngemittel liefere. Ganz all­gemein erörterte noch der Vorttageitde die Vorzüge von Verwen­dung der Abwässer aus den Städten und die hiermit verbutrdenen Vorzüge von Berieseluugsanlagen.

Tie beiden letzten Vorträge hatten Pfarrer Dr. Fuchs- Rüsselsheim mit dem Thema:Was erwartet die Stadt vom Lande im KriegSjahr 1916", und Exvositus Wolf von Steinefrenz im Westerwald mtt dem it M g e k c h r t e n Thema, übernommen. Auch diese Vorträge wurdett von den Anwesenden, wie die vorhergegangenen Whandltmgen, mft Beifall «ausgenommen.

Schönau" versaßt. Tie Idee ist tricht besonderskonrisch". Drei Schneider lieben eine schöne reiche Witwe und bewerbet sich ge­meinsam um sic. Sie aber weiß nicht, wen tarn den dreien sic wählett soll. Bis ein Hättdtve rksbursche daher kommt, sich auf dem Fleck in die llnttvorbeite verliebt unb sie durch ein paar freche Stteiche vo:t den Schneidern befreit und ffir sich gewinn^. Diese Harm- und witzlose Geschichte aus dem n-ürttenib-ergischen Schwarz- «vald läuft auf eine possenlmfte Eulenspiegelei in der Biedermeier­kleinstadt hinaus, die in drei Akten reichlich in die Länge gezogen wird. Die Aufführung bot hübsche Bühnenbilder ttnd eine Reihe tüchtiger Le-istungen, unter deiten die Witwe Veronika von M i tt - nie Na st totb das komische Schneiderklceblatt von R ü. d ig e r. Lange nnd E r m o l d hervorgehoben seien.

Die Münchener SeZession in Mannheim. Aus Mannheim wird uns gesckirieben: Mit achtzig Werken ist die Münchener Sezession soeben in die Räume des Martn heimer Kunstvcreins in der .Kunsthallc ciltgezogetl, um hier eine Attsstellung zu verattstalten, die b-is Anfang April lvährt. Vertreten sind iteben den bekannten Stuck, Haber m a n n P u tz, D i e z, Dill, H U m m e l, Zügle, E i ch f e l d, N i ß l S ch r a m m - Zittau u. a. m. zahlreiche MUge aufsttebende Talente; unter ihnen fallen u.a. besonders au«: Schwalbach, Ludwig Bock, Jülo Fehr, Baudrexel, Huther und Josse Gossens. Tie in der letzten Zeit oft mtgefeindete Vereinigitltg belveist jedenfalls, daß sie, obwohl sie int Llcnffe der Jcchre ein wenig gesetzt und zurückhaltend geworden ist, noch immer im deutschen Kunslleben ein kräftig Wörtlein mttzusprechetr hat. -s.

Der französische Film, das Paradie§ der Verbrecher. Es fft schwer, ftch über den Ettfflltß des Krieges au.f die Kriminalität in Frankreich ein einigerinaf^t genaues Bild Ml machen, da die ffanzösifchc Presse sich in letzter Zeit ziemlich eitthsll^; scher biefcn Gegeiffland ansschn>etgt. ttluffällig aber ist das gesteigerte Jntevesff des Pubtttttms für Verbrechen aller Art, das sich in bm Programmen der französischen Kttrotheater kmtd- tut. Die Bchtrünstigkeit und Mschenlickfteit der französischen Filnts hat in den letzten Monaten in so außerorderitlicher nnd auffälliger

Kachüänge zur hessischen Etatsveraiung.

Das Etldergebnis der Kammerberatmrgen ist, daß mm- inehr in Hessen eine Stenererh öfyun g öoni^ 1. April b. I. ab eintritt und zwar um 12 Prozent für die Staatsein- kornrnensteuer uitd um 5 Pfennig für je tausend Mark ber der Verinögenssteuer, die darnach den Satz von einer Mark erreicht. Als im Jahre 1900 die große Steuerresornr tu Hessen nach Miguelschem Vorbild vom damaligen Finan?;- ininister Küchler durchgeführt wurde, belief sich der Satz für die VerulögeusstLuer aus 55 Pfennig für je tausend Mark; er hat also jetzt nahezu eine Verdoppelung erfahren, während die Einkommensteuer mit der 1910 erfolgten 15- prozeutigen Erhöhnng jetzt in: ganzen um 27 Prozent erhöht worden ist. Diese Erhölmng bezieht sich auf sämt­liche Eiukotnmenstenerstufen, die bekanntlich in .Hessen mit 500 Mark Einkommen begiimen. Diese gleichmäßige Er­höhung ist in dent geltenden hessischen Steuergesetz vor- geschrieben. Eine Ausnahme ist durnach nur in den drei untersten .Klassen von 500 bis 900 Mark Einkommen möglich und die Ständekammerti habeti diesmal auch von diesem Recht Oiebrauch geinacht und die Einkommen Rs 900 Mark von der 12prozentige«r Erhöhung freigelassen, «v-as einen Einnahmeausfall von rund 140000 Mark bedeutet.

Die ursprünglichen hessischen Steuersätze w-aren an sich schon ziemlich hoch gegriffen und darin nanrentltch auch eine Progression bis zu 5 Prozent durchgeführt, ein Satz, der im, Jahre 1900 noch als etwas ganz Außerordentliches aalt. Bezüglich der ^teuerbelastung auf den Kopf o.t Bevöl­kerung steht Hessen unter den deutschen Bundesstaaten tnit an erster Stelle, und es war deshalb ganz begreiflich, d« die Ständetammerü bei der jüngsten Etatsberatturg nach Möglichkeit versuchten, die angeforderte 20prozentiaie Steuererhöhung niedriger zu gestatten. ltui> da in unserem Staatswesen außer deit Steuern, die etwa 64 Prozent seiner Gesamteinnahmen aus machen, und außer den Einnahmen aus der hessisch-preußischen Eisenbahngctneinschast die im gegenwärtigen. Augenblick, wenn auch reichlich, so doch selbslverstäudlich spärlicher fließen als in den Fricdens- jahren andere nennensroerte Ernnahmegnelleu, bei denetr eine Steigerung möglich «värc, nicht besitzt, so muß denn auch unter allen Urnstänaen daratlf Bedacht genotnnken n>er­den, die Ausgaben des Staates tricht noch weiter an- fchwettetl zn lassen, sondern ubiereckl da Ersparnisse in bie Wege zu leiten, wo dies nur irgend nröglich ist. Das ist denn auch in dein vorliegenden Voranschlag an zahlreichen Stellen geschehen. Durch eine Reibe von Beschlüssen find aber für die Zukunft auch noch weitere Ersparnisse verlangt worden, und namentlich die Er «Ke Kammer hat die bestimntte For­derung ausgestellt, daß der im Jahre 1910 artläßlich der Steuererhöhuilgsverhandlangen eiirgesetzte Ausschrch. für die Reorganisation der ^aatsvernmltitng alsbald wieder zu- zujcwmtenderufen und tnit der Frage befaßt werden möge, rvie in der Zentralverwaltung sekbst dürch eine andere Ver­teilung der Arbeitsgebiete «veitere Ersparnisfe zu ermög­lichen seien.

llciegsbriese aur dem Osten.

Telegramm unseres zum Oscheer entsandten Kriegsbericht erstatte rS, (Unbereckftigter Nachdrtick, auch auszugsweise, verboten.)

Hindenburg an der Front!

Aus dem Felde, 3. April.

Der Geueralfeldmarschall besuchte gestern unter großem Jubel der Truppen das Saarbrücker §korps, das an dem Zu­sammenbruch der russisck)en Offensive so hervorragenden An­teil genommen hatte. Hindenburg begrüßte zuerst ein Lo­thringisches Regiment, das den ersten Stoß aufgefangen, und dessen Kommandeur persönlich einen Gegenstoß gefi'chrt hatte. Einem clsässischen Schirrmeister, der im .Handgrana­tenkampf allein ein Grabenstück wieder gesäubert hatte,'über­reichte der Marschall im Namen des Kaisers das Eiserne Kreuz erster Klasse. Die Freude der Truppen, aus Hirtden-- bürgs Mund den Dank mrd die Anerkennung zu hören und von dem Marschall persönlich die vom Kaiser verliehenen Eisernen Kreuze zil empfangen, war nach den schweren Tagen erhebend. Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.

Weile zugenmnmeu. daß die Pariser Blätter, die doch getviß viel Bvulcvarddrnwwtik ertragen können, nicht mehr mit ilwer Gnt- rifftung zurückhalteu.Seit einiger Zeit." schreibt der Tenrps, ficht matt in den französischen Lichtspieltheatern fast mir twch Verbrecherfilms von. einer Roheit mtd Kenntnis modernster Krilni- nalilffk, die dm allgemeinen Un'-vttlen erregen müßtm. Zn diesen Filnts, in dmen es sich stets uut mehr oder tvmiger kvntvlizierte grausame Verbrechen handelt, spielen nicht nur die blanken Dolche und feuerspeienden Revolver ihr? genügend bekannte Rotze, fondertr auch die moderne Chemie mit GrsickffSmaskm, giftigen Gasen und Pillen bildet eine ebenso große mic zu verwerfende Anzieb ingsn traft. Ein ganzes Arsenal von Mordrvaffm, ein ganzes Labo­ratorium voll schleichender Mittel zur Tötung der Ovfcr «verden anfgeboten, um dem Pnbkiktmt die gewünschten Sensationen ui verschaffen. Iu jedem Film erblickt man Karabiner. Pistolen,- Brv;vntngrevolvcr. Messer, Scheren, Schnüre zum Ernmrgrn, Gift­phiolen und Höllenmaschinen. Und iedeÄtral erlebt matt Taten suchrtbarster Art, Flucht inr rasenden Auto, Flucht scher Dächer, und Opfer über Opfer iverden atffgehäust, tun denGeschmack" des Publikums zu befriedigen. Die Banditendranten bilden angm- bltckltch das größte Interesse aller Fratrzosen. die die. Fümllwater befuchm, Diebe, Räuber, Eutftlhrer. Giftmisch?r, Totschläger sind die Helden. Warttm, fragt ntan, alle diese gettreinerr Ab clrenlick»- ketten, warum diese bllttrütrstigm, der Gesetze spottenden Geicheb- Uisse? Gmügt die Tragik der Stznvde nicht iX'n iwlden .Fn- stinkten? Nein, die Zivilistm, die in Paris oder sonstwo in der Heimat lcbetl, brauchctt scheinbar solche Sensationett. um ihre Gemüter zu befriedigen' Sticht matr sich auf diese Weife den ewig'en Gedanken über dm Krieg zn entreißen? Diese Art der Zerstreuung" ist ebmso verderblich «nie traurig, md sie läßt Schlüsse zu, die nicht gerade nrit Stolz erfüllen. "4''ährend dig frattzösischen Soldaten an der Front verbluten, inbeln d'i? fran­zösischen ZivMstm nt den Filmtheatern d?n abscheulich brcchcm Beifall . . ."