Ausgabe 
30.3.1916 Zweites Blatt
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Nr. Zweites Blatt M. Zahrgang

Erscheint Ätzüch mit AnSmchme des Sonntags.

Die«etzeuer §a«we«dlLtter" werden dem ,AnzeigerE vierrnal wöchentlich beigelegt, das .Freirdlatt flr dev Nreir Sietze«" zweimal wöchenEch. DieLarid«irtschaftlichrn Seit- frage«" erscheinen monatlich zweimal.

Seneral-Anzeiger fir Oberheijen

Donnerstag, ZV. März 1916

Rotationsdruck und Verlag der Drühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießew

Schrütleitung,Geschäftsstelle u.Druckerei: Schul- straße?. Geschäftsstelle u.Berlag:e«51, Schrift- leitung: ^«112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

Diewirtschaftliche Konferenz" und der U-Bootttieg.

Mit dein Wortgeklingel einer leeren Entschließung ist der politische Kriegsrat des Vierverbandes in Paris zu Ende gegangen wie das Hornberger Schießen. Geschehen ist nichts. Da Rußland ausblieb, England schwankte und Italien ver­sagte, so traute man sich nichts anderes aufzustellen, als den hoblen Begriff derEinheitlichkeit der Aktion". Alles anoere, alles wirkliche ist auf die neue Konferenz und das neue Komitee über gewälzt. Ausgabe der wirtschaftlichen Kon­ferenz soll es sein, Deutschlands Verproviantierung zu ver­hindern und die schwere Frachtnot des Vierv-erbandes zu mildern. Das erste ist nichts anderes, als die mühselige WeiterversolHUNg des Aushrmgerungsplanes. Was Dentsch- larck und ferne Burchesgenossen tun konnten, um ihn zu durchkreuzen, ist geschehen. Er wird auch fernerhin miß­glücken. Kein Wort mehr braucht darüber verloren zu wer­den. Was aber die Frachtnot des Vierverbands anbelangt, so dürfte eben diese so eigentlich das Kriegsproblem der nächsten Zukunft werden. Hierin wird jetzt eine Entschei­dungsschlacht durch den neuen U-Boots krieg geschla­gen. Alles kommt darauf an, daß die Frachtnot täglich größer wird und die Maßnahmen der neuen Pariser Kon­ferenz sollten sic, wirklich von Bedeutung und Wirkung sein zu spät kommerr Die Frachtnot ist ja für England in diesem Augenblick nichts anderes mehr als das graue Sorgeugespenst außerordentlicher Lebensmittel not. Führt doch die Lebensmittelteuerung zum Unwillen in der Bevölke­rung, zur Steigerung der Löhne, zu den Konflikten zwischen Arbeitgebern und Arbeitern und zu verminderter Produk­tion. Ms die Deutschen am 18. Februar 1915 den Untersee­boot-Krieg begannen, glaubte man in England, daß er die erwartete Senkung der damals schon recht hohen Weizen­preise nicht verhindern werde. Denn es war anzunehmen, daß beim Beginn der argentinischen Ernte und der darauf einsetzenden Ausftchr ostrndischen Getreides die englischen Weizenpreise trotz hoher Frachtraten eine Ermäßigung er­fahren mußten. Wtten sich seit jener Zeit die Schwierigkeiten der Schiffahrt nicht weiter gesteigert, wäre esso einfach" gewesen, das in Argentinien und Ostindien vorhandene Ge­treide billig, sich er und schnell nach England zu schaffen, so wäre ein entsprechender Preisdruck auf dem englischen Markte die Folge gewesen. Statt dessen sind die Nahrungsmittel in England ganz allgemein gestiegen. Die unverfängliche Sta­tistik neutraleckBeobachterfftellt fest, daß die Not und Teuerung bereits weit über das Kriegsmaß, weit auch über die deutschen Verhältnisse hinausgeht. Hinzu kommt die Sorge und das Gefühl, daß man sich eben auf einer Insel befindet, ohne die Möglichkeit, sich aus eigenem zu helfen, wenn die Ab­sperrung zunimmt. Hier ist der springende Punkt! Hier liegt der große Unterschied zwischen der Lage iu Deutschland und England. Albion kämpft bereits hoffnungslos mit uiv geheuven wirtschaftlichen Schwierigkeiten, und wenn man bedenkt, daß dieser Erfolg auf das Konto unserer kriegerischen Aktionen zur See zu setzen ist, die zur Erhöhung der Frachten, zur Steigerung der Versicherungsraten ünd der Löhnung der Matrosen, zur Verbreitung der Unsicherheit zur See, der ,Verlangsamung der Verschiffung, der Schließung großer eng­lischer Häfen, der Ueberfüllung der noch offenen und der Entstellung ganzer Schiffahrtslinien beitrugen: so wird man ein Gefühl des Stolzes nicht unterdrücken können. Dasun­erschütterliche England" ist erschüttert. Langsam, nicht mit 'großen Keulenschlägen, aber beständig und sicher schreitet der wirtschaftliche Kampf Deutschlands gegen England, den unsere U-Boote führen, fort; meßbar nicht nur an den sicht­baren Handlungen, sondern auch an den allgemeinen Störun­gen und Verwicklungen, die das englische Wirtschaftsleben treffen. Die Erkenntnis der Schwierigkeiten, die England schon heute durch den Weltkrieg empsindet, ist aber für uns

Gketzenev Stadttheater.

Gesamt-Gaftspi el des Oberbayrischen Bauern- Theaters.

Direktion: A. Dengg.

Die geheimnisvolle Babette.

Schwank von Max Neal und Max Ferner.

Daß Oberbayrisch und Ober hessisch so unüberbrückbare Gegen­sätze seien, sollte man dock kaum annehmeu. Llber, hatTer wÜe Hund" die Freude am Tialektstück in vollsten: Maße gezeigt, so hatte diegeheimnisvolle Babette" einen so mäßige,: Besuch zu verzeichnen, daß inan sich höchstlich darüber ver,mindern MPß. Gewiß, der Inhalt, der aus den Bornotizcn als bekannt voraus­zusetzen ist, bot int seiner dopppelsinnigen Schwank,,mäßigkeil" wenig Verlockendes. Ein Schimarren ist halt eben eii: Schmarren. Aber, was tut das Gerippe, das in diesem Falle ja nur'da ist, mit de,: bunten Flicket, eines eigenartigen Dialektes behängen zu wer­den. Mag das Stück noch so schlecht sein, der Sprachcharakter und die unverfälschte Eigenart der in ihm heimischen Darsteller hebt es über die Mache hinaus und gibt ihm ein eigen Gesicht. Das ist eine Beobachtung, die man bei den Oberbayrischen Theater- truppen immer wieder machen nruß und die durch die wohlge­fälligen Lachtumulte der Zuhörerschaft auch gestern als unum­stößlich erwiesen wurde.

Wie die Oberbayeru aber auch spielten, das mußte jeden Gries­gram iu einen lachenden Hallodri verwandeln. Da gab es Typen, die aus Bildern von Max Buri herausgestiegen sein konnten.. Der Bürgermeister Höglmaier (Fritz Fuchs) war so einer nach seinem Geschau und nach seinem Gehabe ein guter Bekannter von Ludwig Thomcr. Und der Gewürzkrämer Kajetan Salbnwser (Haust Schenk) ein ganz gescheiter, das war auch so einer. Echt bis zur .Karikatur/Dann die blitzsaubere Leni (Lisi Sollin ge v) mit der naturkindliche:: Frische, die Mitzi Straffer (Toni Stäb­lein), ein rechts G'spusi, wies so daher gemacht ist mit feinem Liebtun und seinem naiv unverfrorenen Geldhunger. Nicht zu vergessen die Frau Bürgermeisterin (Anna Dengg) in der ab­wechslungsreichen Rolle als ihre Schwester Babette und wieder als bürgermeisterlicke Ehegattin. Das waren alles Gestalten, wie sie kein Salonttroler aus die Beine stellt und an denen man seine Freude Habei: mußte, wie an allem Bodenständigen, Wenns noch so patzig und ungewohnt in der Umwelt drinsteht.

Zwischen den: erste:: und zweiten Airfzuge gab, wie üblich, ein Mttglied der Truppe Zither vor träge. Eine vollendete Meister­schaft holte aus dem sonst schneidend schrillen Jnsttumentc einen so weichen, hellsingenden Wohllaut heraus, wie mm: ihn nur ganz selten zu hören bekomnrt. zz.

um so wichtiger, als England nach außen hin den Schein zu erweckest sucht, als ob esunüberwindlich" wäre, wie zur Zeit Napoleons. Und wenn dasLand" England wirklich nicht aufs Haupt getroffen werden sollte, so wird jenes Eng­land, das so oft erklärt hat, es kämpfe für seinen Handel, zu einer gegebenen Stunde die Bilanz des von ihm geführten Krieges vorzulegen haben; und es wird dann auch von uns von Bedeutung sein, schon jetzt auf Grund eigener Feststellun­gen erkannt zu haben, daß diese Bilanz eine Unterbilanz sein muß. Schon hat ein Lloyd George eingesehen, daß Deutsch­land im Handelskrieg nach Friedensschluß unüberwindlich sein wird. Bald wird er seinen Landsleuten auch für die Kriegsmaßnahmen Englands gegen den neuen deutschen U-Bootskrieg das berühmteZu spät" zurufen müssen.

Paris, 28. März. (Zf.) Vor ihrem Aus einander gehen nahm die Konferenz der Mliierten einstimmig folgende Entschließungen an:

Die Vertreter der verbündeten Regierungen, iu Paris am 27. und 28. März versammelt, bekräftigen ihre volle Gemeinsam­keit der Gesichtspunkte nnd die Solidarität der Verbündeten.

Sie bestätigen alle zur Verwirklichung der Einheit der Attiou und der Einheit der Front getroffenen Maßnahmen. n Sie ver­stehe:: darunter insgesamt die Einheit der militärischen Aktion, gesichett durch das zwischen den Generalstäben getroffene liebereinkommen, die Einheit der wirtschaftlichen Ak­tion, derer: Organisation die gegenwärtige Konferenz geregelt hat, und die Einheit der diplomatischen Aktion, die ihren unerschütterlichen Wille:: garanttert, den Kampf bis zum Siege der gemeinsame:: Sache fortzuführen. Die verbündeten Re- gierimgen beschließen, in wirtschaftlicher Beziehung ihre Solidari­tät der Gesichtspnntte und der Interessen in die Praxis umzu- setzen. Sie beauftragen die wirtschaftliche Konferenz, die demnächst in Paris tagen wird, ihnen Maßnahme zu unter­breiten, um diese Solidarität zu verwirklichen zur Stärkung, Koor­dinierung nnd Vereinheittichnng dieser wirtschaftlichen Attiou, zwecks Verhinderung der Derprovicrutterung des Feindes. Die Konferenz hat beschlossen, in Paris ein permanentes Komitee ein- znsetzen, in dem alle Alliierten vertreten sein werden."

Die Konferenz hat beschlossen, 1. Die Organisation eines Zen- ttalbnreaus für Frachtwesen, die in London begonnen wurde, weiter zu verfolgen; 2. gemeinsam 'und innerhalb kürzester Frist an die Aufsuchung von Mitteln und Wegen heranzutreten, um gleichmäßig auf alle verbündeten Nationen die ans den Seettans- potten herrührenden Lasten zu verteilen und die Frachten Hausse zu verhindern.

Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt sich am Vaterlande!

An» Stadt nnd Land.

Gießen. 30. März 1916.

** Stadttheater. Aus dem Stadttheaterbureau schreibt man: Große Abwechslung bringt der Spielplan der nächsten Zeit. Margen, am Freitag,Der Gatte des Fräuleins. Außer Herrn Rotttck, dessen Auftreten bereits bekanntgegeben worden ifi, :aitten in diesem .Stücke nt Hauptrollen mit die Herren Eugens, Theiling und Stettner, sowie die Damen Rubens nnd Schild. Gutscheine haben zu dieser Vorstellung Gültigkeit. Der Sonntag bringt eine Auffüllung eines neue:: Schwankes von Friedmann-FrederichL o g i e r b e f u ch", der das Zugstück desKleinen Theaters" in Berlin geworo-en ist. Mn Montag, den 3. April, gasttett der Kgl. Sächs. Hofschau- spitter M. Rene mit seiner Gesellschaft inFrieden rm Krieg", Heiteres ans ernster Zeft in 3 Akten von Mwin nnd Rolf Römer. Auf dieses interessante, hochtttnstlerische Gastspiel werden wir noch Kurnckkommen.

"Konzert in: Philosophen wald. Musiklehrer E. Kruse, Kriegsteilnehmer von 1859 und 1866, veranstaltet am Sonntag, 2. April, im Philosophenwald mit etwa 20 Schülern und HilfSmufikern ein Konzert zum Besten des Roten Kreuzes. Siehe Anzeige in vorliegender Nummer.

** Falscher Feueralarm. In letzter Zeit hat sich der grobe Unfug vermehrt, daß von unreifen Bursche:: rnut-

Die Mobilisierung der englischen Zrau.

Es ist ein merkwürdiger Anblick, zn beobachten, wie England durch den Krieg immer mehr und immer gewaltsamer ans fei::em jahrhundertalten Dünkel anfgerüttelt und zu der Einsicht ge­zwungen loird, daß es auf uuendlich vielen Gebieten des Lebens und des Wirkens roeit, weit hinter der modernen Zeit und ihren Auforderungen zurückgeblieben ist. Dies Gefühl spricht sich auch in dem Aufrufe aus, dei: die Lady Wolseley kürzlich» an die englische Frauenwelt gerichtet hat, um sie daran zu erinnern, daß auch sie ihre Pflichten gegen das Land zu erfüllen habe. Wieder sieht sie sich genötigt, den Feind als Beispiel anzusühren; sie weist die englischen Frauen daraus hin, daß die deutschen Frauen längst zum Spaten gegriffen haben, um an der Versorgung unseres Volkes mit den nötige:: Lebensmitteln fleißig und er­folgreich mitzuwirken. Sie erinnert die englischen Frauen auch daran, daß unser Land die schlveren Erfahrungen ttnes dreißig- und eines siebe::: ähr: gen Krieges nicht umsonst gemacht hat, daß es weiß., wie man selbst einen lange:: Krieg dnrchl-alten kann, ohne daß die Ernährung des Volkes gefährdet wird, lind so kommt es denn auch hier wieder einmal auf das deutsche Muster und Vor­bild heraus. Denn was die englischen Frauen betrifft, so richtet Lady Wolseley nicht ohne Bitterkeit die Frage an sie, ob sie den Ruf begriffe:: und befolgt haben, den die Not des Landes an sie stelle. Der Ausruf verfolgt den Zweck, die Frauen für den Dienst der englischen Landwirtschaft zu mobilisiere::. Diese ist durch die jung sten Einberufungen von viele:: Tausenden von Landarbeitern und Gärtnern (die zahlreichen Diener der großen aristottattschen Häuser können alsunabkömmlich" reklamiert werden!) schwer geschädigt worden, und sie muß sich auch weiterhin noch auf bedeutend« Mensche:, Verluste gefaßt machen. Nach den Eingabe:: der Lady Wol­seley werden nicht weniger als 400 000 Frauen für die englische Landwirtschaft gebraucht. Zu diesem Zwecke ist jetzt einNationales Franeulandarbeiterkorps" lDhe Wmnen's National Land Service Corps) gebildet worden, welches die Anwerbung von Frauen für die Zwecke der Landwirtschaft organisieren und durchführe:: will. Es ist für die englischen Verhältnisse ganz kennzeichnend, wie dies geschehen soll. In jeder Grafschaft nämlich soll ein Frauen­stab gebildet werden, der von einer Landstadt zur anderen ziehen nnd dort die Frauen anwerben will, und neben gutem Loh:: ist es vor allem eine weibliche Uniform, durch die die Danven ihre Hilfskräfte zu gewinnen hoffe::. Mm: erkennt daraus, daß mau auf die natürliche BertttwkKtgkeit der englischen Frauenwelt, sich in den Dienst der Landwirtschaft zu stellen, nicht zu stark rechnet, lleberhaupt steht alle:: Bestrebungen zurMobilisierung der englischen Frau" die Verwöhnung hinderlich im Wege, in die sich die Engländerin, in dem bequemen und friedlichen Dasein von Jahrhunderten eingelebt hat, und bamm macht Lady Walseley die englischen Frauen nachdrücklich darauf aufmerksam, daß aller Voraussicht nach auch nach dem Kriege eine wesentliche Eiu-

willig der Feuermelder in Tätigkeit gesetzt wird. Eine solche Handlungsweise :nuß in dieser' Zeit als geradezu gemein­gefährlich gebrandmarkt lverden und die schärfste Stra.se finden. Jeder, der einen solchen Nebeltäter ertappt nnd zur Anzeige bringt, wird sich damit ein Verdienst erwerben.

** War n u n g. In den letzten Monaten ist in ver­schiedenen Orten Süddeutschlands ein Betrüger aufgetreten, der sich als Reisender des D a u e r w ä s ch e g e s ch ä f t s W c i n ig in Karlsruhe ausgibt, Bestellungen annimmt u:ü> sich von den Auftraggebern gegen Aushändigung einer Kom­missionskopie Anzahlungen gewähren läßt, mit denen er verschwindet. Sein schwindelhaftes Gewerbe übt er haupt­sächlich in Wirtschaften aus, wo er von Arbeitern und dergt. Leuten Bestellungen entgegennimmt. An den einzelnen Orten hält er sich nur ganz kurze Zeit auf. Vor dem Schwindler sei hiermit eindringlichst gewarnt. Im Falle er hier austreten sollte, ist es ratsam, sofort die Polizei zu benachrichtigen.

** G a r t e n v e r st e i g e r u n g. Bei der am Dienstag morgen abgehaltenen Versteigerung von Gärten wurden für 126210 qm, die zu 15 Mk. angeboten wurden, 3236 Mk. erzielt.

** Ihre Silberne Hochzeit feiern heute Heinrich Oswald und Frau, Margarethe, geb. Jahres, Dammstraße.

Landkreis Gießen.

e. V i l l i n g e n , 29. März. Hier wurden zur 4. Kriegs­anleihe 3391 Mk. von den Schülern gezeichnet.

Kreis Alsfeld.

Np. R n p v e r t e n r o d , 30. März. Zn den zehn Opfer:,, die der Weltkrkeg ans unserer Gemeinde gefordert, ist, ungerechnet drei Vermißte, jetzt das elfte geko,innen. Cs ist der Fahrer Konrad P r e i ß, der bei einer Bespannungsabteilnng für schwere Munition bei Verdun den Heldentod erlitten. Tein Gefreiten Heinrich Nahrgang bei dein Reservestab der Fnßartillerie wurde die Hessische Tapferkeitsmedaille verliehen.

X S t o ck h a u s e n bei Mücke, 30. März. Die Gewitter sind in diesein März so häufig wie sonst tut Hochsommer. Dabei sind die elektrischer, Entladungen fast ebenso stark. Das letzte Ge­witter brachte uns noch einen orkanartigen Sturm dazu. Diele Dächer wurden ans der Sturn,feite völlig kahlgedcckt. Der Schaden beläuft sich ans mehrere Hundert Mark. Die Gewalt des Sturmes zeigte sich an einem starken Baume, der ans den Wttrzeln gerissen wurde.

Kreis Büdingen.

O r t e n b e r g , 30. März. Jnstizrat D a v , d s o h i,, der vor kurzen: seinen 80. Geburtstag feiern konnte, beging in seltener geistiger und körperlicher Frische sein 50jähr. D t e n st j u b : l ä u ur Don allen Seiten wurden den, beliebten Jubilar zahlre,che Ehrungen zuteil.

Starkenburg und Rhrinhessen.

eh. Bingen, 30. März. Cs ist nun gelungen, den Schlepp­kahnGottvertrauen" endlich freizubringen. Dem Kahn wurde ein Dichtungskleid nnlergezogen, worauf inan ,hn nach Aßmannshansen abtreiben ließ. Torr hegt er nun und soll se,ne Reise zutal zur Herstellung auinehinen. Das Bmger Loch-Fahr­wasser ist nun für den Schiffahrtsverkehr wieder frei. Bereits gestern sind die Schleppzüge wieder durch das Binger Loch ge­fahren. Das Hindernis, das wochenlang den Rhernschiffahrtsverkeb- erschwert hat, ist nun endlich beseitigt.

Hessen-Nassau.

B e b r a, 29. März. Auf der Eisenbahnstrecke Hersfeld Bebra stürzte gestern zwischen den Stationen Friedlos nnd Mecklar ein ans Süddentschland kommender Reisender aus den: Personen- znge FrankfurtEisenach, wurde überfahren nnd getötet. Die Persönlichkeit des Getöteten konnte noch nicht festgestelll werden.

Auch als Liebesgabe Im Felde begehrtI (!m Feldpostbrief portofrei.)

schränttrng der ganzen Lebensfühnmg unumgänglich, und daß di« .Hilfe der Frau in der Larwwirtschaft auch in Fricdenszeiten vor­aussichtlich nöttg sein werde. Sie tritt daher für die Schaffung von Einrichtungen ein, die die planmäßige Ausbildung von Frauen für die Zwecke der landwirtschaftlichen Arbeit sich zur Ausgabe machen.

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Die Uraufführung einer v e r s ch o l l e n e n O p e r. Ans Stra ßbnrg i. E. wird uns geschrieben: Ter Leiter der Straßburger -Oper Dr. Hans Pfitzner hat kurz vor seinem viel bedauerten Ausscheiden ans den: Verband des Stadttheaters den hiesigen Musikfreunden mxfy einen ungewöhnliche:: Genuß bereitet. In seinem anerkennenswerte:: Bestrebe::, den Spielplan durch die Aufnahme älterer deutscher Werke zu bereichern, imir er auf die fast ganz verschollene große rvmanttsckie OperTie Lvre- lev" von Max Bruch verfallen, die nun mit allen darstelle­rischen und szeinschen Mitteln der Opernbühne hier ihre Erst­aufführung erlebte. Das Werk wurde von Bruch nach einem Textbuch von Geibel im Jahre 1863 verfaßt und später auf Anregung des Leipziger Theatcrdirektors Staegemann stark um­gearbeitet. Pfttzner wählte für Sttaßburg mit Reckst die allere Form, die dramatisch vielleicht weniger schlagttüftig, musikalisch, dagegen wesentlich reichhaltiger und fn^ Bruch «charakter:stisck>er ist. In engern Anschluß an die Loreley-Sage bittet die Handlung die Schicksale der Rheinschissersdochter Lenvre, die von dem Pfalz­grafen Otto geliebt und dann verstoßen :oird. In Verzweifln in; darüber verschreibt das Mädcknn sein Herz den Geistern des Rl-eins und empfängt daftir eme unwiderstehliche Macht über die Dtänner- lnrzen. Sie erscheint am Hochzeitstag ihres einstigen Geliebten, der eine Gräftn freit, in dem Pfalzgrafenfchloß und cneickst- daß der Pfalzgraf seine junge Gatttn verstößt und alle Ritter ihr huldigen. Selbst der Erzbisckwf von Mainz muß die zuerst verdau,inte Zauberin, bezwungen von ihrer Schönl>elt und Anmut, frei­sprechen. Lerwre aber flüchtet nun die Loreley der Sage - auf den einsame,: Felsen am Rhein, und dort findet der Pialz- graf, der ihr in Liebe :md Sehnsucht gefolgt i>l, seinen Tod. Bruch hat diese Vorgänge mit reichen Melodien um findet und namentlich in den Chören seiner Hauptkraft und iu ein­zelne:: Lieden:, Duette:: und Ensembttszenen Bedeutendes ge­schaffen. 9ttrr der Mangel au strafferer Dramallt und lechen- schastlicher Handlung hinderte es, daß die per am den Bühnen sich bisher ucht behaupten konnte. Die Wiedergabe unter Psttz- ners Leitmrg nrit Fräulein H undhaulen als Loreley. Hern: Bischofs als Pfalzgraf, Fräulein Hermann ab> Gräfm von Staftedt nnd Waas als Erzbi,cho: wurde der Oper vollauf gerecht und sicherte allen Beteiligten den wohlver'dientcu 'Dank. Besonderen Eindruck machten auch die malerischen Rheinland- schäften unb be&'itt Mendglnt flauvnerchen Lortteyfelsen. di« Professor T a n b n e r eigttis für die Sttaßkmrger Erstaufführung geschaffen hatte. &