Ausgabe 
29.3.1916 Zweites Blatt
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Nr. 75 ZWUtes Blatt

Trscherni fögGQ mit Ausnah mr des Sonntags.

Die ^Aietzeser F<n»WeHtÄratter" werden dem ^Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kreutz! sL fLr d« kreis Sietzeu" zwe:ma! wSchenttich. Die Jtetfrmx Nchaftlich<n Seit- fragerr" erf-chewe« monarilch zweimal

j66. Jahrgang

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Seneral-Anzejger für Gberhejfen

älittivoch, 2?. März $16

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäls - Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießern

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straße 7. Geschäftsstelle u.Berlag: ^^51,Schrift-

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Knegsdnese m$ dem Westen.

Do» nnferm KricZsberLchterstattrr. ALiSerrchÜgter Nnchdrurt. auch anszLgLweise. verbot«»)

Das Kampftzebiet westlich der Maas.

Großes Hauptquartier, am 25. März.

Tausend gefangene Franzosen sollte:: die Straße entlang kom­men. Männer, die gestern abend und zum Teil noch in der Nacht im Walde von Malanconrt gesochten hatten. Ich erwartete sie an der Straßenkreuzung bei Brieulles und versuchte, mich in ihre Seele zu denken. Mit welchen Augen wandern diese Männer, die -einer unabsehbaren Gefangenschaft in fremdem Lande entgegen­gehen, durch diesen letzten Zipfel von Frankreich, durch die Morgen- smme dieses weichen und lieblichen Maastales? Sie, ui deren Micken noch die Feuer der nächtlichen Schlacht und die Brände von Verdun hängen, dessen Umrissen eben jefct, wenn sie über den 'Kamm dieser Eötes-Höhe ziehen, seine unglücklichen Verteidiger die letzten Abschiedsgrüße zurufen können. Steigen sie hier die Talstraße herunter, dann empfängt sie das stattliche Kloster von Brieulles. Das ist in seinen palastartigen Abmessungen, umlagert von seinen Wirtschaftsbauten. ein Stück vom alten Regime Frank­reichs. Aber längst wurden seine Erbauer vertrieben, und die Gebäude und Ländereien verkamen in fremder, liebloser Hand. Oder wenn die Gefangenen den anderen Weg ziehen, so erreichen sie die Miastalstvaßc bei Dun. Dann begrüßt sie von weitem die Bergstadt, die aus einer alten, breiten Kirche mit Satteldachturm, aus kleinen Häusern mit sregellackwten flachen Ziegeldächern und einer nur noch von Efeu und ^Nvos zusammengchaltenen Ring­mauer bunt genug znsammengcstellt^ ist. Sie dehnt sich behaglich auf dem sonnigen Bergrücken und schaut das Maastal weit auf und) weder. Das ist noch ein älteres Stück Frankreich, ein ganz wMamos, verträumtes. Mer unten die Unterstadt mit öffent­lichen Bauten und Geschäftshäusern, die sich an die Weltstraße drängen wollte, das neue Dun, das hat der Krieg zertreten. Es liegt fast ganz in Trümmer::. Das wird für die Gefangenen einer der letzten Eindrücke von Frankreich sein. Tann werden st? durfte Dörfer wandern, die im fruchtbarsten Laude schon vor dem Kriege halb ausgestvrben waren, Ivo mitten an der Hauptstraße Höfe Zerfielen, die keinen Besitzer Mehr hatten. Mer plötzlich Werdens die Franzosen austchauen: Hüttenwerke werden ragen wie viel- türrmge, stählerne Burgen. Torf und Stadt rverden voll Aden- scheu und Leben sein, Männer ziehen zur Arbeit, Kinder spielen .sorglos auf den Plätzen, die Felder sired bestellt, und Eisenbahnen minken mit weißen Rauchfahnen die Grr'tße ferner Landschaften den Frauen in den Frühlings gärten zu. Dann werden di? G?

faugenen erkennen, daß sie in einer mweven Welt sind, daß sie die wohlbewachte lothringische Grenze des Deutschen Reiches über­

schritten haben

Sie kamen über Dun, und etwas vorher, in Dulcon, wo ein Russenkommando Mil dem Einbrüche einiger gefahrdrohender, wankender Ruinen beschäftigt war, sprach ich sie, als sie, gegen tausend «Mann, auf einer sonnigen Wiese am Ortsein gange la­gerten imb sich erfrischten. Es waren wieder Südfranzosen, wie neulich die Gefangenen von Bau;, die ich sprach, und sie er­nsten mit lebhaften Gebärden von dem Furchtbaren, was sie durchaemacht hätten, von dem deutschen Trommelfeuer, das ihnen die Nerven geraubt habe, so daß sie keinen ernsten Widerstand mehr leisten konnten, als der deutsche Infanterie-Angriff ihre Stellungen über den Hansen warf. Aber fast mehr als davon sprachen sie von den Engländern, die fie treulos im Stiche ge­lassen hätten. Die Engländer versprächen alles, aber jetzt, m der Stunde von Frankreichs größter Not, rührten sie keinen /Finger. In den Etappen sitzen, die französische vornehme Gast­freundschaft genießen, da in neuen Uniforme:: varadieren und den Frauen und Mädchen nachstellen, das gefalle ihnen besser, als im Schützengraben zu kämpfen. In ihäer südfranzösischen Hermat, so versick>erten viele Gefangen? übereinstimmend, habe man genug von diesem Kriege, den Man nur für die Engländer führe, und besonders habe man genug von den Engländern selbst. Ganz Marseille säße voll von diesen Bundesgenossen, die dort keine deutschen Angriffe zu befürchten hätten und sich auffpielten, als ob sie die Herren und Herrgötter von Frankreich seien. Die Südfranzosen sprachen sehr grimmig, am grimmigsten, wenn sie auf die ,Mitente cordiale" famen, wÄche die Engländer anscheinend erfolgreicher mit Frankreichs Frauen und Töchtern, als mit seinen Männern angeknüpft haben.

z-eittg hineinschlugen. Südlich davon duckte sich das brennende Dorf Forges ängstlich, in eine Talmulde. In dem aufgueilenden, grauen Rauch Platzten in ununterbrochener Folge die Schrapnelle der Franzosen. Ueberall die todbringenden weißen Wolkenbällchen, die so harmlos aufblitzten. Die ganze Landschaft war mit ihnen bedeckt, vor den Auge:: begann es zu flimmern, da mau ihnen' nirgends entgehen konnte. Wiese und Wald, wohin man den Kopf wendete, bttupst von diesen mit einem kleinen Flammen­blitz aufsunkelnden und dann langsam ins Formlose zerlausew- den Wattebauschen. Ihr schweres Granatfeuer vereinigten die Franzosen auf die sich als zwei schmale, nach Westen zusammen- fließende Streifen darstellenden Gehölze des Cu miß res- und Ra- benwaldes. Dort hagelten die Granaten ununterbrochen, hohe Erd­krater wirbelten in die Luft, und mau hatte den Eindruck, daß längst jedes Stämmch-en aus den Wurzeln gesprengt sei und daß eine solche Beschießung in wenigen Minuten die beiden zu­sammenlaufenden dunkelgrünen Farbstreifen aus der Landschaft ausradieren müsse. Einzeln? Granaten, nickt sehr zahlreich, suchen einen langgestreckten, ziemlickt gradlinigen Bergrücken. Das ist der Tote Mann, um den es augenblickliche verhältnismäßig ruhig ist. Plötzlich kommen mehrere Granaten in rascher Folge, anscheinend aus verschiedenen, sich einschießenden Batterien, aus den Abhang einer kleinen Anhöhe, an der eine unserer Mörserbatterien in voller Arbeit ist. Man sieht die Kanoniere in die Deckungen laufen. Die erste Granate saß nahe, die folgenden gehen immer weiter ab, der Feind hat keine Beobachtung. Tie Batterie arbeitet weiter.

Am Waldrand sitzen ein paar Feldgraue, schöne, frische Jungen aus der Aachener Gegend, und sehen sttll dem.Artilleriekampfe zu. Eine Mertel stunde, bevor wir hierher kamen, hat der Feind den Waldrand abgestteut. Ein Kamerad liegt tot :mter seinem Mantel, ein anderer sterbend im Sanitätsunterstand. Ich schaue hinüber nach den Waldstücken, die jetzt mit den Granaten gepflastert werden. Ob man die Toten und Sterbenden da drüben zählt?

Auf der Sttaße nach Brabant geht es zu den ehemaligen fran­zösischen Stellungen. Mau rät uns zum Aufbruche. Bei sinkender Sonne bekommen die Franzosen Beobachtung und nehmen die Straße und das Dorf Cousenvove unter Feuer. Schon tastet sich die feindliche Artillerie heran. Eben ging ein Schuß in die Maas und hob eine mächtige Wasserhose aus ihrem stillen Flußbett. Ein Retter ruft uns zu:Beeilen Sie sich, um Punkt halb sechs sangen sie an, nach Consonvoye zu schießen." Wir sind mittcut im Torf. Da pfeift es' böse und ganz niedrig über den Köpfen, haut durch ein Dach, und in einem Hause, vierzig Nieter weiter, kracht die erste schwere Granate. Richtig, es ist Punkt halb sechs, die Sttaße ist mft einem Ruck leer, aus beit Unterständen spähen Neugierige, wo der zweite Treffer hingehen wird. TerAbend­segen" von Consenvoye und allen den anderen Dörfern östlich der Maas, welche die französische Artillerie erreichen kann, bat begonnen und wird andauern, bis di? Nacht dem Feind die Beob­achtung raubt. W. S cheuer mann, Krisgsberichterstattcr.

Mist bedeckt und glühende Kohlen nach rechtem Maß ringsum legt, von welckwr Hitze die Eier erwärmt und ausgebrütet werden und laufen die Jungen daraus, die treibet man dazumal auf die Weide über aut den Markt sie zu verkaufen. Und wie wok dies eine lüger- licke Gestalt hat, ist es doch in Wahrheit also: Tie Tierlein, die durch solche menschliche Klugheit ausgebrütet werden, la^en sich eher zähnren und lausen den Menschen eher nach, denn die andern, so in der Natur zur Welt kommen, < Diese Brutofen waren übrr- gens schon im Altertum in Aegypten sowie in China bekannt.) * Auf der Weiterreise kommen die Reisende:: auch nach Alexandrien, welche Stadt sie eingehend beschreiben. Am meisten wimderteü sich die Reisenden über die ihnen bisher ganz unbekannte Tauben­post. Es sind in der Stadt Alexandrien .2 hohe Berge, nickt von Natur, sondern künstlich gemacht. Ans denen sieht mau tveit

ins Meer hinaus und ist immer eine Wacht oben, sobald man ein Segel sieht so berichtet Breidenbach läßt der Admiraldus.

VoM Hügel südlich der Höhe 371 bei Consenvoye konnte ich einen großen Toll des Artilleriekampses auf dem westlichen Maasufer am Tage nach der Erstürmung des Malancourt-Avo- eourt-Wckldes überblicken. Die Maas, die noch vor wenigen Ta­gen das Wiesental als kilometerbveiter See bedeckt hatte, war plötzlich zurückgegangen, wie durch ein Wunder, und zu einer schmalen, seichten Wasserrinne geworden, über welche bei der Er­stürmung von Forges unsere Infanterie hinüber gekommen ist. Am jenseitigen Ufer lag als breite, dunkle Masse der Wald von Forges, in den die französischen Granaten reihenweise gleich-

Wer über das gesetzlich zulässige Matz

hinaus Hafer, Mengkorn, Mifchfrncht, worin sich Hafer befindet, oder Gerste ver­füttert, versündigt sich am Vaterlande!

An« Stadt tut» Land.

Gießen, 29. März 1916.

** SLadttheoier. Aus dem Sladttheaterbnreau wird mitgeteilt: Nochmals sei in letzter Stunde auf das heutige Gast­spiel desOberbayrischen Bauerntheaters" die Geheimnisvolle B a b e t t e" hingewiesen. In der für Freitag vorgesehenen Erstaufführung der LustfpielnovitätDer Gatte des Fräuleins" deS Ungar s Drögely wttd Herr Karl Rotteck, das frühere beliebte Mitglied unseres Stadt­theaters, der sich ganz von der Bühne zurückziehen will, in der Titelrolle als Gast auftteten. Sicherlich wird dieser Umstand, im Verein mit deM ansprechenden Stück, das vor kurzem am Neuen Theater in Frankfurt den größten Erfolg der dor Ligen Spielzeit erzielt hat, ein volles Haus bewirken.

** Künstliche Brut und Brieftaubenzucht im 15. Jahrhundert. Professor Dr. Belke hielt im Ober­hessischen Geschichtsverein einen Voxttag über die^Reis-e Bernhard von Breidenbachs und des Grasen. Job. von Solms 1483 nach Palästina, dem Sinai und Aegypten nach einer Be­schreibung von Breidenbach, die dieser mft zirrückgelegter Reiser als Führer für den Grasen von Hanau damals nieder ge schrieben hat. Diese kulturgeschichtlich hochinteressante R-cisebeschreibung be findet sich in der Großher^oglichen Hof-Bibliothek in Turm stadt. Unter andern berichtet von Breidenbach über die künstliche Brut von Geflügel, welche man damals in Kairo betrieb das Folgende: Bei einen: Ausgang durch die Stadt brachte uns der Führer in ein Haus, da war ein großer Backofen, der hatte viel Höhlen Und Löcher, darinnen man zu etlichen Zeiten 34 Tausend Hühner-, Gänse-, Enten- und Truthühneveier legt, dieselben mit

der Hauptmann ein Rennschisslein aus, um zu ersorscl-eu, was für ein Schiff ft: Dicht ist und wie wohl dies, was ^ich jetzt sagen will, lügerlich lautet, ist es doch in Wahrheit alw: Derselbe Admiraldus hat bei fick allerwege etliche zahme tauben, die dazu gewöhnt, daß wo man sie hinsendet, sie allwegen wiederum in des Mmiraldus Hof zurückkommen. Tavon nehmen die Tckifileiu 23 mit sich in Körblein und mem: sie alle Ding^erfahren haben, schreiben sie einen Zettel und hängen ihn^dec Tauben einer au den Hals und lasset sie fliegen, sie sleugt danß eilends zun: Admi- 'raldus und bringt ihm die Botschaft. Man sagt >ms, daß dev Admiraldus auck etliche andere Tauben hätte, die er zur Zeit wenn etwas Großes dem Sultan zu diktieren lväre, bis gen Kairo

aussendet.

** V e r t r a u e n s n: ä n u e r - B e r s a m m k u n g. Man

schreibt uns: Am vergangenen Sonntag fand in:Felscn- keller" hier eine sehr stark besuchte Vertrauensnränner-.

Versammlung der Deutsch-völkischen Partei statt, in der Reichstagsabg. Dr. W e r n e r und die Landtagsabgg. Fenchel und'Dorsch sprachen. Daran schloß sich eine ausgedehnte Aussprache. Den ÄusführuirAen der Abgeord­neten wurde lebhafter Beifall gespei^det.

Landkreis Gießen.

6. W i e s e ck, 29. März. Tie Schüler der hiesigen Schul­klassen zeichneten für die vierte Kriegsanleihe den Betrag von 1702 Mk.

-ü-. Heuchelheim, 28. März. Altbürgermenter - Jakob Kreiling von hier konnte gestern in seltener körperlicher und geisllger Frische seinen 80. Geburtstag begehen. Handlungs­gehilfe Louis Rinn, Sohn der Heinrich Rinn Witwe von hier, wurde, nachdem er infolge seiner vor dem Feinde erlittenen Ver­wundung ans dem Heeresdienst entlaßen worden war, noch nach­träglich unt dem Eisernen Kreuze ausgezeichnet.

tt. Treis a. d. L. , 2d. März. Tie Zeichnungen zur Kriegs­anleihe betrugen bei der hiesigen Vovschußkasse 39 000 Mk-, bei der Post 7000 Mk., zusanunen '46 000 Mk., die Schule brachte 932 Mk. auf. Der Balgtreter an der hiesigen Kirche, Konrad Müller, versieht am 1. April d. Js. sein Amt schon ununter­brochen 30 Jahre lang.

Kreis Büdingen.

# O r I e § 6 a it \ e n , 29. März. Das Eiserne 5k:-euz erhielt der Musketier L e i ch t n e r. Die hiesigen B o l k s s ch ü l e r zeich­neten 350 Mk. zur 4. Kriegsanleihe.

G M i ch e l a u, 29. März. In der diesigen V o l k s s ch u l e wurden von 22 Schülern 1219 Mk. zur 4 . Kriegsanleche gezeichnet. Die Sammlung übernahm Lehrer Eduard Strack von dem benach­barten Rinderbügen.

# Rinderbügen, 29. März. Das Eiserne Kre>y» erhielt Musketier Schäfer. Die Schüler der beiden Volks-

der

, ch u l k l a s s e n zeichneten 890 Mk. zur 4. Kriegsanleihe.

# Geiß-Nidda, 29. März. In den beiden Klassen hiesiger Volksschule wurden 1921 Mk. zur 4. Kriegsanleihe gezeichnet.

^ Burgbracht, 29. März. Die hiesigen V o l k s s ch ü l e r zeichneten 1280 Mk. zur 4. Kriegsanleihe.

# 23 e r q f) c i m, 29. März. Auf dem Felde der Ehre starb der Musketier A r n d t-

Kreis Lauterbach.

M Lauterbach, 29. März. Seit cftva 3 Wochen wird der 70 Jahre alte SckZreiuermeister Gg. Roth von hier vermißt, ohne daß Mau bisher über seinen Verbleib nähere Auskunft er­halten könnte.

M. LantzenHain, 29. März. Jagdauffeher Andreas A h l- bründ von hier: der als Landsturmmann in einem Jägerbattnllon gegen Rußland kämpfte, hat eine Stelle als Forst beamter :m Gmevalgouvernement Warschau angetretei:.

Hessen-Nassau.

g. Bebra, 29. März. Auf dem hiesigen Güterbahnhos« geriet gestern ein vollbeladener Güterwagen infolge Selbstent­zündung in Brand und verbrannte vollständig.

§. Escbwege a. d. Werra, 29. März. Bei der gestern be­endeten Reifeprüfung an de: Realschule bestanden sämtliche vier­zehn Prüflinge, bei der Abgangsprüsung an der Kgl. Präpa- randenanstalt Vvn 30 Prüflingen 28.

Richard Wagner und der Delttrreg.

Die durch den Krieg hervorgerufene schroffe Spaltung der Gemüter imd Meinungen hat sich kerneswegs nur auf Politik uiw Krieg an ftcfr beschränkt, sondern alle Gebiete menschlichen Geistes und menschlichen Schaffens mit einer Att kranklMften Fiebers augesdeckt, dessen Verwirrung oft an dem Vorhalcdensein gesunder Vernunft zweifeln läßt. 9luch in Kunstdingen hat der Krieg seine starke Wirkung geübt, und besonders die Musik gibt zu einer Fülle von Streitigkeiten, Angriffen und Verkehrtheiten im Lager der geistigen Intellektuellen Anlaß. Unter allen Musikern aber, deren Persönlichkeit und Schaffen von nationalen und chau- vimstischen Leidenschaften umtobt wird, steht Richard Wagner an erster Stelle. Bald nach> Kriegsausbruch fehlte es in Frankreich, England und Rußland nicht au Leuten, die ft: Wagner das ver­haßte Symbol des deutschen Gegners eftblickten, und Männer von künstlerffchem Ruf schreckten selbst vor der letzten, äußersten Un- sinnigkeit rächt zurück, indem sie Richard Wagner die eigentlich? Schuld an dem Kriege zunmßen. So äußerte der Leiter des Russischen Balletts, Ansermet, daß Wagners Musik das deutsche Gemüt verroht und zum Kriege gettieben habe. Auch' andere Leute, selbst Rodin, brachten es über sich, in diesem Sinne zu urteilen In Erwiderung einer Rundfrage der ParfterRe- nagfcmcc", ob die deutschen Komponisten auck nach dem Kriege in Frankreich gespiett rverden sollte, erklärte Rvdin:Beethoven

Zett

aber Wagner keineswegs, er ist zu Mg mit den Schrecken dieser it venvmwt." Die anrerikaiftsche ZeitungThe Republuan"

unternrn:mt es sogar, nachzikweffen, wieso Richard Wagner bte Schuld <nt dem Weltkrieg trage:Wagners egoistischer Wunich, seine Musik zum Höchstmaß aller Musik zu stempeln, trieb ihn zum übertriebensten, absoluten Teutonentum. Es war fern Zufall, baß er seine V-usik der Zukunft auf der ruhmvolle:: Lagen wett von Dsutsihlands BergMigenheft cuffbaatte. Er wollte alles von Grund auf in diesem Sinne erneuern, eine rein deuftche Kunst gründen, das absolute Dcntschtum zum v er herrlichtsten Sinn­bild erheben. Von dieser Mission erfüllt, war er bereit, alles cmdsre abMleugneu. Er teilte die Menschheit in seine blenden Anhänger und seine Gegner. Er verdrängte alle anderen Kompo­

nisten und nahm rücksichtÄvs ihren Platz ein. Er ward der Ur- teutone, erfüllt von den aussichtslosesten, schrvsfften Rassentheorien. Darum ist es als selbstverständlich anzusehen, daß Wagners Musik nach dem Kriege in Paris nicht mehr ertönen wird, und daß dieses seinen guten Grund l)at." Noch> :netter geht auf diesem Wege des Kriegs Wahnsinnes der sianzösische Musiffchriststeller Sar Pölädan, der es in der New MUsic Review auf sich nimmt, zu zeigen, wie Wagner imRing" alle Leidenschaften bildete, die angeblich zum Kriegsausbruch 1914 geführt haben. In Alberich, der die Rheintöchter wegen ihres Schatzes verfolgt, sieht dieser anscheinend unter hoffnungsloser Kriegspsychose leidende Kritiker den Duvchschnittsdeutschen. Wotan wird in den schärfsten Worten angegrffsen, weil er den Vertrag mit den Riesen gebrochen und so einen späteren Bruck) des Völkerrechtes angedeutet Hab?. In dieser Art geht es spaltenlang weiter, und selbst Siegfried wird ivegen seinerunglaublichen Brutalität" eins ausgewischt. Bor Siegmund und Sieglinde allerdings versagt selbst Herrn Petadans chauvinistsich gefärbter Geist: er gesteht, in diesen Gestalten keft:e Züge des deutschen Gegners erkennen zu können. Neben diesen aller Logik m:d allen Verstandes baren Ausgeburten des Kriegs- geiftes finden sich jedoch, tv-enigftens sin neutralen Auslmid, Stimmen, die nmh wie vor Wagners Genie preisen. So meint The Musical America", daß man in Wagners Dichtung-en nnd Kompositionen beim besten Willen kerne gefährliche Richtung zu

erkennen vermöge.Sern Werk," meint das Blatt,wird in it ewig bleiben, was es für den vernünftigen M-Nffchengeist

Wahrheit ewig _ _

ist, und er wird allen augenblicklichen IrAingen z«nr Trotz durch alle Zeitalter der Bewunderung und der Liebe der ganzen Welt sicher sein. Wenn gegenwärtig so viele gehässige und sinnlose Urteile gefällt hrerben, kann man hierin nur die Absichten einer rücksichtslosen und rein egoistischen Propaganda erblicken."

A llerlei Neues aus dem Pariser Künst­le b e n. Wähveiw in Deutschland der Betrieb der Kuirstoer- steigerungeu auch während des Krieges ungestört seine:! Fortgang genommen hat, hat in Frcmtteich, das im Frieden be&rantttdj ein HaUpiort der internationalen KUnftoersteigerungen ist, seit

Ausbruck' des K^rieges bisher eine einzige Versteigerung im Hotel Dvouot stattgefundeir. Es war dies die Auktion der Sammlung Dermarsy. und es ist unter diesen Umständen begreif­lich, daß die Pariser Presse von dem Erfolge dieser Versteigerung möglichst viel herzumachen bemüht :f>. In Wirklichkeit hält der Erfolg der Aktion, wie ft:Cicerone" hervorgehobeu wird, dcM Vergleich mit den Ergebnissen bei Versteigerungen ftüherer Jahre keineswegs aus. Es wurden im ganzen 173 050 Franken erzielt, eine Summe, die in ihrer Gesamtheit wohltätigen Anstalten zu­geführt werden soll. Dabei läßt es sich aus der Ferne noch nicht einmal beurteilen, lvre wett es sich ettva. bei diesem Ertrage uM geschickt verdeckte Schiebungen handelt. Der russische, seit Jahrzehnten in Paris ansässige Sammler Jacques Su bal ofs, der vor einigen Jahren dem Louvre eine groß? SammOmg von Kl ein Plastiken Baryes sttftete, die zwei volle Säle der Skulpturen­sammlung des 19. Jahrhunderts füllt, hat neuerdings b?nt städtt- schen Museum im Petit Palais eine große Auswahl von Gips- und Wack^smodellen, sowie vierzig Handzeichnungen von Barye ge­schenkt, die gegenwärtig im Petit Palais ausgestellt sind. Unter ganz besonders niederträchtigen Umstanden ist, wie man jetzt erfahrt, dos bekannte Pariser KunsOaus Arnold Seligmann gegen Ende vorigen Jahves sequestriert worden. Seligmann ist 1871 in Frankfurt a. M. geboren, hatte sich Ende der neunziger Jahre ft: London imd Paris ittcbergetanen, war 1899 Engländer geworden und hatte für sein Pariser Haus in Gürerault euren! Teilhaber in sein Geschäft ausgenommen. Dieser selbe Guoranlt ist es gewesen, der ihn nunnrehr den frmrzchischen Gerichten an­gegeben, die Sequestration des .Hauses imd die Auslieferung eurer Beanvais-Tapifferre (aus der Zeit Ludwigs XV. > gefordert bat. Eine Handlungecht französischer Ritterlrchkeft.". Am 18. De­zember ist daran? die Fttina sequestriert worden.

Georg Hirt h t- Dr. Georg Hirth, der Verleger der Mün-ckener Neuesten dcachrickäm" mrd derJugend'. ijt nacp ßfrtgerem Leiden im nahezu vollendeten 75. Lebensjahrc aut seiner Besitzung in Degernsec verschieden.