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13.3.1916 Zweites Blatt
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Ar. bi

Zweites Blatt

M. Jahrgang

krfcheinl Ktzlich Ansnahnre des Sonntag.

Die«etzeLer KEenblStter" werden dem Anzeiger" viermal wöchentlich bjügelegt, das Areirdlatt für öeo «reis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLantz«irrschaf1licheu Sett-. sr»-<v" erscheinen rnonatlich zwermal.

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Montag, \7i. März X 9|6

Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'schen Universttäts - Buch- und Steindruckerei,

R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u.Druckerei: Schul­straße 7. Geschäitsstelleu.Berlag:e^51,Schrift- lettung:b^ 112 . Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

DieStatsberatung im Hess.Finanzausschuß.

Dcn: Bericht des Fiuunzuusschuss^s der Zweiten Kam­mer über die Beratung des Staatsvoranschlags und die dazu gefußten Beschlüsse, ist soeben im Dttirck fertig gestellt und den Kammer Mitgliedern übersundt worden. Er rst umfang­reicher als in früheren Jahren und enthält vor allem in der einleitenden finanzpolitischen Betrachtung des Aus- schußipräsidenteil, Mg. Dr. Osann, eine klare, ausführ­liche Darstellung über. die finanzwirtschastliche Lage im Großlherzogtnm, s-owie eine genaue Kennzeichnung der Stel­lung, die der Ausschuß zu den verschiedenartigen Vorschlä­gen der Großh. Regierung eingenommen hat. Es wird zuerst daran erinnert, daß bei der Etatsberatung-1914 mit beson­derer Befriedigung auf die Gestaltung der angesamrnelten Reserven hingewiesen werden tonnte, die sich in den drei staatlichen Fonds Ende 1913 auf 17 394 000 Mark beliefen. Der Krieg beeinflußt die finanziellen Verhältnisse erheb­lich, und die Regierung berechnete den Fehlbetrag für 1914 auf 4 741585 Mark, dem allerdings ein Ueberschuß ans der .Verwaltung van 2614 397 Mark und hohe, durch den Krieg veranlagte Rückstände von rund 1520000 Mark gegen- überstehen. Dieser Fehlbetrag wurde aus den Restesonds vorläufig .gedeckt. Mir das Rechnungsjahr 1915 sieht die Regierung einen Fehlbetrag von 400 000 Mark vor, der ebenfalls aus den Restefonds gedeckt wird.

Rach einer tabellarischen Uebersicht über die verschie­denen -Fonds bemerkt der Bericht, daß die Annahme der Regierung, das wirtschaftliche Leben tnä die Staatsverwal­tung werde sich 1916 wieder unter Friedensverhältnissen -oder ,doch diesen einigermaßen ähnlichen Bedingungen ge­stalten, im Voranschlag nicht vollen Ausdruck gefunden habe, demr die Einnahmen hätten in vielen Posten ganz erhebliche Abstriche erfahren, während die Ausgaben in voller Höhe ausgeworfen und die bei den Ausgaben vorzu­sehenden Ersparungen nicht ausgedrückt wurden. Zum Beß- spiel wurden die Einnahmen in Bad-Mauheim, bei Stempel, Gerichtsgcbühren, Strafen, Untersuchungskosten, ans der Lotterie usw. ganz erheblich gemindert, aber die Erspa­rungen an Gehalten der im Felde befindlichen staatlichen Beamten in Offizjersftellung nicht, bei denen 7 / 10 der Bezüge von der Reichskasse bestritten werden. Im Ausschuß wurde die Ansicht vertreten, daß es richtiger gewesen wäre, über diese Ersparnisse an Beamten gehültern eine besondere Rech­nung zu besitzen. Eine wesentliche, fast in jedem Kapitel her­vor getretern .Mehrausgabe ist durch die Erhöhung der Be- amtenbezüge .geschaffen: ihre Wirkung hat jetzt Aufnahme im Voranschlag gesundem Me endgültige Erhöhung der Besoldungen von 1914 bonnut jetzt im Voranschlag zum AuÄnmck.

Der Bericht stellt fest, daß für d>en AusschtuH das Bei­spiel der Steuererhöhung in anderen Staaten nicht ausschlaggebend war, Ttnb diese nur bei nachgewiesenem Bedarf gerechtfertigt werden kann. Da seit 1910 in Hessen erheblich mehr Steuern eingezogen wurden, als «der Vorausckstag erforderlich erscheinen ließ, so hätten die Fonds mit Recht herangezogen werden können. Mein aus der pfleglichen ^Handlung der Fonds ergebe sich die Not­wendigkeit der Steuerechöhung. Eine Ermäßigung der Schuldentilgung schlug der Ausschuß nicht vor, weil er eine Aenderung des Gesetzes für bedenklich hielt, das finanzielle Ansehen das Staates leiden könne usw. Djagegen hat er durch Einnahmeverbesserungen und Abstriche 642950 Mark erspart und den Betrag der zu erwartenden Steuern um 300 000 Mark erhöht, so daß jetzt eine Verbesserung des Etats um rund 943000 Mark vorliegt. (Die einzelnen Ab­striche usw. haben wir in den Berichten über die Ausschuß­sitzungen bereits mitgeteilt.)

Bei der Vermessung der SteuererhöhUng war der Aus­schuß der Meinung, daß nicht allein der von der Regierung errechnet Bedarf, sondern cruch die Leistungsfähig­keit der Steuerzahler insbesondere während des Krieges mit in Bettacht gezogen werden müsse. DieSiteuer- erhöhung ist vorgeschlagen ohne Rücksicht daraus, welche Erhöhungen in den Gemeindeumlagen und welche Belastung durch das Reich auf dieselben Schultern gelegt werden Ins­besondere werden die Gemeinden bei den mannigfachen An­forderungen des Krieges ohne eine Steuererhöhnng nicht mehr Auskommen und auch die Auflagen des Reiches an den einzelnen Steuerzahler werden von bedeutsamem Umfang sein Der Anttag des Abg. Mrich, der die völlige Befreiung der drei untersten Steuerklassen von jeder direkten Steuer bezweckt, wittde einen Ausfall von mindestens einer Million Mark zur Folge gehabt haben, und deshalb ging der Aus­schuß nicht darauf eim Dagegen stimmte er der Anregung des Abg. Dr. Osann zu, die drei untersten Steuerstufen von der Steuererhöhung frei zu lassest. Sehr ausführlich wird im Bericht die Beratung iiber den Anttag des Abg. Henrich, den Fehlbettag durch eine Kriegssteuer fux 1916 aufzubrin- gen, behandelt, und in einer besondere:! Beilage die Dar­legung der Regierung dazu bekanntgeigebem Ein Anttag des Aba. Dr. Osann, den" 2ürsfäll für die Nichthcranziehung der drei unteren Klassen zur Steuercrhöhung (150000 Mk.) durch eine Erhöhung der Vermögenssteuer um weitere 5 Pfg. für je 1000 Mk. zu decken, fand Widerspruch von der Regierung und aus den« Kreisen der Ersten und Zweiten Kammer. Bei den in der letzten Sitzung des Finanzausschusses vorgenom- menen Abstimmungen über die Steuererhöhung und die weitere Deckung des Fehlbettages wurden dann die in unseren AusschußbericH bereits mitgeteilten Beschlüsse gefaßt.

Die allgemeine Uebersicht im Ausschußbericht wendet sich zum Schlüsse entschieden dagegen, daß seitens des Reiches durch weitere Eingriffe in die direkten Steuern der Einzel­staaten deren finanzielle Leistungsfähigkeit unterbunden und damit deren politischeSelbstandigkeit untergraben lviro. Der Ausschuß schließt sich in dieser Hinsicht ganz der diesbezüglichen Erklärung der Regierung an und nahm auch mit allen gegen 2 Stimmen' die Entschließung an: Die Kammer wolle die Regierung unter voller Billigung der Schlußausführungen der Denkschrift des Herrn Präsidenten ides Finanzministeriums zu dem HaupWoranschLag ersuchen, im Bundesrat Stellung zu nehmen gegen jede weitere Inanspruchnahme der Einkommen- und Ver­gnügens st euer für das Reich, als einer schweren Schädigung der finanziellen Verhältnisse der Einzelstaaten und deren wirtschaftlichen und politischen Selbständigkeit.

Bei der hessischen Landwehr wahrend der französischen Zeptemberoffenfive.

Von stud. jur. H. H., Wiesbaden.

II.

Anr 24. September, morgens, beschossen die Franzmänner auch wieder unsere vorderen Gräben aufs kräftigste. Es ist Mittag. Die Essenholer sind weggeschlickt und tmr gedenken bis zur Rückkehr derselben noch: einen Schafskopf zu spielen, da keucht ein Befehls­empfänge!: in unseren Unterstand:Die erste Kompagnie sofort zur Unterstützung nach vorn!" Fluchend und schimpfend packt jeder hastig seinenAssen" und stürzt auf den Versammlungsplatz, wo wir Uns alle sofort auf den Boden werfen, da ein feindlicher Flieger über uns kreuzt, der mit seinem Vüaschinengewehr den Seinen nach Art der Morsezeichen Signale gibt. Er muß uns bemerkt haben, denn schon heulen die ersten Granaten heran. Also so schnell wie möglich jetzt zum Laufgraben, der zum Lager 3 führt, wohin wir befohlen sind. Trotz des schweren Feuers erreichen wir dasselbe ohne jeden Verlust. Welch ein Bild bot sich uns bei der Ankunft im Lager dar! Ueberall mehrere Meter tiefe Löcher, herrührend von Minen Und 28-Zentimeter-Gran.aten. Die Strecke einer Feldbahn war, soweit wir sie übersehen konnten, vollständig zerstört, ein Granatloch neben dem anderen, die Geleise wie Draht verbogen oder in alle Wttrdss zerstreut. Biele von den schönen, festen Unter­ständen waren zusammengeschlagen, die Insassen verschüttet. Glück- lichierweist lenkten die Franzosen bei unserer Ankunft ihr Feuer gerade, «auf Lager 0, so daß wir in aller Ruhe die noch, unversehrten Unterstände beziehen konnten.

Soeben hatten wir uns eingerichtet, da ging auch bei uns der Tanz wieder los. Trommelfeuer aus unser Lager. Konnten wir anfangs die Einschläge noch zählen, so war das nachher unmöglich. Ein ohrenbetäubender Lärm, als ob die Hölle los sei. In das Platzen der Granaten mischte sich das ganz unheimliche Herannahen der Minen.

In der Nacht hatten wir etwas Ruhe. Aber kaum war der Morgen gekommen, da setzte die französische Artillerie wieder ein. Wir saßen ganz still in unserem Unterstand. Die Nachbarunter­stände waren schon fast alle eingeschlagen. Unter grausigein Schwei­gen, mit angespanntem Gliche und wert aufgerissenen Augen er­warteten auch- wir das Geschoß, das unsere Behausung zum Grabe machte. DochÄ-ir hatten (Glück. Einmal nur barst direkt vor unserer Erdwohmrng eine Granate, der Luftdruck drückte uns an die Wand, so daß Uns für einige Augenblicke der Atem genommen war.

Am Abend trat wieder einige Ruhe ein. Ebenso wie wir hatten auch die anderen Kompagnien Verluste zu verzeichnen, besonders die in vorderer Stellung liegenden.

Von einer Kompagnie erzählte mau folgendes: Sie war im

Ruhaort alarmiert worden und hatte schon S.erreicht,

als sie vom französischen Artilleriefeuer überrasch wurde. Ein Zug der Kompagnie suchte Schutz in einem tiefen Stollen nahe der Kirche. Da heult es durch die Luft heran und eine schwere 28- Zenttmeter-Granate schlägt den Stollen zusammen, den ganzen Zug lebendig begrabend. Ein Pirmierhauptmaun sieht es: schnell hat er zwanzig seiner Leute Mummen und dringt trotz des furchtbaren Feuers zu dem Stollen vor. Der zweite Eingang desselben ist noch Unversehrt: also hinein und gegraben, was das Zeug hält. Wieder das unheimliche Heulen m der Luft. Die kleine Helden­schar grDt nicht mehr, sie ist selbst begrabe», da eine weitere Granate auch den zweiten Eingang verschüttet hak.

Nachts Mußten wir in die vordere Stellung, um die zerschosse­nes! Gräben wieder notdürftig aufbauen zu helfen. Pichts war mehr tz-u erkennen von der so schön ansgebauten Stellung, der Gra­ben war buchstäblich eingeebnet. Trotzdem hatte die darin besind- liche Kompagnie sich gehalten. Kerner von den bärttgen Leuten sprach ein Wort. ZU Hemdsärmeln arbeiteten sie angesttengt am Aufbau des Grabens ober an den verschütteten Unterständen, um die darin befindlichen toten Kameraden zu bergen.

.Gegen Morgen kehrten wir ins Lager zurück. Bon Ruhe konnte keine Rede sein, denn bald spielte die feindliche Artillerie» wieder aus zum grausigen Tanz. Wie an den beiden Tagen vorher saßen wir auch heute zusammengekauett in unserem Unterstand und horchten auf die gräßlich Musik da draußen. Um Mittag herum erreichte das Trommelfeuer seinen Höhepunkt. Es war. um den Verstand zu verlieren bei dem Pfeifen, Brausen, Heulen, Krachen in der Nähe, Schwefelgeruch erfüllte die Luft; das ganze Tal war eine einzige Dunstwolke. Und in der Ferne das ewige, monotone Ge- ttommel der französischen Batterien. Zu viel für uns Menschen­wesen. Einige Leute sprangen aus:Wir wollen heraus. Lieber Sturm auf die feindlichen Stellungen, als das noch länger aus- halten!"

Ta verdunkelt sich der Eingang unseres Unterstandes. Ein Unteroffizier, die Gasmaske auf dem Gesicht, kauett davor und schreit mit heiserer Stimme, ans der man das Entsetzen heraus- hürt:Heraus, heraus!" Dann war er verschwunden. Was war geschehen? Waren die Franzosen schon im Lager? Schnell die Patronentaschen nmgegüttet, das Gewehr in die Hand und ins Freie gestürzt. Die Wett schien unterzugehen. Ringsnncher alles ein Tunst, ab und zu sah man da, wo eine Granate krepierte, einen Feuerstrahl cmfleuchten. In der Luft wimmelte es von zuckenden Schrapnellblitzen. Jetzt rasten wir an einem Hellen Feuerschein vorüber; einzelne Unterstände gingen durch Brand­granaten in Flammen auf. Durch andere Granaten wieder, die übelriechende Gase verbretteten, wurden mehrere Leute besin- nrrngslos. Also schnell die Gasmasken vors Gesicht. Zu all diesem sangen die Mnen mit ihrem Heulen mrd die Lufttorpedos mit ihrem knarrenden Geräusch ihr Lied.

Im Munitionsunterstand packten wir uns mit Handgranaten voll und dann in den ersten besten Laufgraben hinein nach vorne.

Als wir in der Stellung ankcrmen, erfuhren wtt, daß unsere Kompagnie zur Unterstützung der Landwehr .... nach dem Lager C abgerückt sei. Ich beschloß, mit noch einem Kameraden, den gefährlichen Rückweg zu machen, um wieder Anschluß an unsere .Kompagnie zu gewinnen. Wir beiden liefen durch den Laufgraben zurück und dann keuchend über freies Feld nach dem Lager C. Dort konnten wir keinen Bescheid erhalten; vielleicht waren unsere Leute in der Stellung C. Als wir da ankamen, konnte uns wach niemand über die Gesuchten Auskunft geben.

Zu unserer Kompagnie wollten lvtt aber unter allen Um­ständen, weshalb lmr uns nochmals nach dem Lager 0 aufm achten.

Unterwegs machte sich aber bei mir und meinem Gefährten der Hunger geltend. Gerade kamen wir unter einem Apfelbaume her, von dem herunter uns die rotwangigen Früchte (Machten. Schnell wurden einige Aepfel heruntergeworseu, und »vir waren noch mit dem Verstauen derselben beschäftigt, als wieder mächtig das ftanzösische Artttleriefeuer einsetzte. Jetzt hörten wir auch Jnfanterieseuer. Vvrsichttg erhoben wir unsere Köpfe über den Grabenrand und da sahen wtt M unserem Schrecken, daß die Franzosen angegriffen hatten und zu unserer Linken schon über unsere Stellung hinaus waren, das Lager 0 bedrohend. Wir beiden waren allein da vorne. Um uns nicht der Gefahr aus­zusetzen, gefangen genvnmren zu werden, mußten wtt ins Lager 6 zurück. Vorsichtig, mtt schußbereitem Gewchr, schlängelten wtt nns durch den Laufgraben und erreichten unversehrt das Lager.

Ein Gewimmel von Helmspitzen und Bajonetten wogte um uns herum. Ein Teil der Lucke roollte nach vorne in die Stellung, nm me Franzosen zurückzuschlagen, ein anderer Teil wieder hatte hinter dein Lager in einem Graben sich zur Verteidigung ein­gerichtet.

Bald schon kaut von vorne die erlösende Kunde, daß der Angriff der Franzosen gescheitert war. In dem Getümmel vbrher war ich von meinem Kameraden abgekommen, so daß ich jetzt allein meine Kompagnie suchen mußte. Ich erfuhr, daß dieselbe sich in Stellung I) befand, wo ein Hauptairgriff der Franzosen erwartet wurde.

Gerade brachte nran auch die ersten Gefangenen, tetts ver­wundet, vorüber. Sie mußten wohl vor dem Angriff Alsi)hol zu sich gcnonrmen haben, denn sie machten größtenteils einen trunkenen Eindruck. Guter Tinge lvaren sie; eurer summte immer wieder vor sich hin:

V etendart sanglante est Ievee.

Contre nous de Ia tyrannie

Klangen sie nicht wie Spott und Ironie, gerade diese Worte: Gegen uns wttd nun erhoben Das blutig' Banner der Tyrannei?"

Nachmittags kam ich im Lager v an und begab mich sofort in die Stellung, wo ich aus einen Zug meiner Kompagnre stieß. Ter vordere Graben war geräumt, im zweiten Graben erwarteten wir den Hauptangriff.

Dieser ließ auch nicht- lange auf sich warten. Nachdem unsere Stellungen wieder unter schwerem Feuer gelegen hatten, hörte dasselbe plötzlich ans, unsere Artillerie wurde jetzt beschossen. Jetzt mußten sic kommen.

Und sie kan'.sn. Lange, blaugraue Wellen erhoben sich aus den feindlichen Gräben und wälzten sich auf uns zu. Zuerst dünnere Schützenlinien, dahinter dichte Massen, schließlich ge­schlossene Kolonnen: so wogte es gegen uns heran, ein graufarbe­nes Meer. Und imnrer neue Feiirde, in ihrerc cigeAartigen neuen Stahlhelmen anznschauen wie die Landsknechte des Äctttelalters, tauchten auf, jetzt erschienen einzelne Reiter, Stabsoffiziere, ihrecr Leuten ein Beispiel von Todesverachtung gebend. Ja, sogar ein bespanntes Geschütz kam hinter den Jnfanteriemassen her, wetter- hin Leute mit lebendem Schlachtvieh. Der Durchbruch sollte unter allen Umständen vollzogen werden.

Wie sah äs bei uns aus? Eine dünne Linie von Landwehr- leuten sollte diese Sturmwogen anfhalten. Das schien unmöglich. Nichtsdestoweniger wurde von unserer Sette ein ra sendes, wohl ge­zielt es Feuer auf die stürmenden Franzosen abgegeben. Aber immer näher kamen sie. Mochten noch so viele fallen, die anderen setzten, allen voran die Ofsiziere mtt anfeuernden Worten und geschwunge­nem Degen, über ihre Kameraden hinweg. Ein dicker französischer Major machte sich besonders auffällig. Obwohl ihm das Lausen schwer siel, war -er doch immer vor seinen Leuten:En avant, mes braves, en avant!" Da traf auch ihn die Kugel.

Links mrd rechts von uns war es schon zum Handgemenge ge­kommen, und bei uns hatten die Franzosen die vordere Stellung erreicht, es schien alles verloren.

Da setzte mit einem Male ein fürchterliches Feuer der schweren deutschen Artillerie ein. Volltreffer auf Volltreffer hinein in die dichten feindlichen Kolonnen, diese in Verwirrung bringend.

Die vorderen Linien, die unsere Gräben erreicht hatten, glaubten schon gewonnenes Spiel zu haben. Doch jetzt eilten aus den Lagern die letzten Unterstützungen Herbei, über und über mtt Erde beschmutzte Männer, die Rache n^men wollten fstr das drei­tägige Trommelfeuer. Auch eine Pionierkompagntt rückte an und stürzte sich mtt geschwungenem Spaten ans bk Franzosen. Da packte diese das Grauen und sie wandten sich zur Flucht. Doch auch der Rückweg war ihnen abgeschnittcn, durch das rasende deutsche Artilleriefeuer konnten sie nicht zurück. Es blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich zu ergeben, wenn sie itidjt bis auf den letzten Mann niedergemacht werden wollten.

Noch hielt das deutsche Granats euer an, welches auf einmal auf eine Schlucht gerichtet wurde, die -hinter der französischen Stel­lung sag. Dort war, wie wir später hörten, Kavallerie angeritten, um, nachdem der Durchbruch gelungen war, hinter uns her die Verfolgung aufzunchmen. Die stolzen Retter hielten wohl heute den Augenblick für gekommen, den alten Ruhm der Schwadronen Bonnemains mrd Gallifets zu erneuern.

Der Durchbruchsversuch war unter riesigen Verlusten für die Franzosen abgewiesen worden. Der eiserne Wäll hätte da, wo die hessische Landwehr stand, nicht einen Zoll nachgegcben. Doch auch für uns war der Erfolg teuer erkauft ivorden. Am Abend des blutigen Tages bezogen wir roieder die vordere Stellung. Im Grabens lagen viele brave Landwehrleute, deren bättiger 'Mund sich nicht mehr auftat zu gemütlicher Unterhaltung und zu fröh­lichem Gesang. Da siel mir das Lied wieder ein:

Und als der Krieg zu Ende war.

Und der Vater war noch immer nicht da,

Da riefen die Kinder:

,^Jetzt muß er bald kommen.

Denn der Krieg hat schon längst Ein Ende genommen!""

Ern feiner Rogen ging hernieder, als ich so rm Graben cmf meinem Posten stand und die melancholische Melodie vor mich hinsummte. --

Drei Tage und drei Nächte mußten wir noch im Graben unter strömendem Rogen aushalten, ohne irgend einen Unter­stand zu haben, wo wir uns hätten ausruhen können. Dann kam die heißersehnte Ablösung, so daß wir abrücken konnten, um end­lich die wbhlverdiente Ruhe zu finden.-

Aus Hessen.

In der Zweiten Kammer beantragte der Abg. Reh die Errichtung einer Haltestelle am Auerberg, Gemarkung Rainrod, der Nebenbahn MsfelöMederaula.

Spfelplan der vereinigten zranikfvrter Stadttheater.

Gpernhaus.

Dienstag, den 14. März, abends 6 Uhr:Die Meister­singer voir Nürnberg." Mittwoch, den 15. März, abends 7 Uhr:Der Waffenschmied/ Donnerstag, den 16. Marz, abends 7 Uhr:Fra Diavolo." Freitag, den 17. März, abends 7h, Uhr: Der Zigeunerbaron . n Samstag, den 18. März, abends 7 Uhr: Koniaskinder." Sonntag, den 19. März, nachmittags 3 1 /, Uhr: Der Beitelstudent/ Abends 7 Uhr:Martha." Montag, dev 20. März, abends 7*/, Uhr:Der fliegende Holländer."

Zchaufpielhaur.

Dienstag, den 14. März, abends 7 1 /, Uhr:Traumulus." Mittwoch, den 15. März, abends 7 1 /, Uhr: Zum ersten

Diale:Die grttgeschnittene Ecke." Tragikomödie in fünf

Akten von Hermann Sudermann. Donnerstag, den 16. März, abends 7'/, Uhr:Die gutgeschnittene Ecke." Freitag, den 17. März, abends 7 Uhr:Antonius und Eleopatra." Samstag, den 18. März, abends 7^ Uhr:Als ich noch im Flügelkleide." Sonn­tag, den 19. März, n'achmtttags 2 1 /, Uhr:Maria Stuart." Abends 7»/z Uhr:Die gutgeschnittene Ecke." Montag, den 20. März, abends 7'/, Uhr:Die Rückkehr zur Natur."

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Direktion: Professor

Technikum Bingen nr.--

Glmafffturkurse.