Kr. 57 Zweites Blatt |66. Jahrgang
Erscheint »«glich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Siehener Zamilienblatter" werden dem »Anzeiger* viernnal wöchentlich beiqelegt, das „Kreisbiatt für den Kreis Sietzen" zweunal wöchentlich. Die .Landwirtschaftlichen Sett- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
General-Anzeiger für Gberhesten
Mittwoch, 8. März M»
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Bilch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Schriitleitung,Geschäftsstelle «.Druckerei: Schul, straße?. Geschäftsstelle «.Verlag: ^^51, Schrift- leitung: e^ll2. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.
Aus der 5uche nach Ersparnissen.
Aus Darmstadt wird uns geschrieben: *
Die Arbeit, die der Finanzausschuß der Zweiten Kammer unter Leitung seines verdienstvollen Vorsitzenden Dr. Osann zurzeit leistet, wird im Laude zumeist nicht in dem Maße beachtet, wie sie es verdient. In langwierigen, mühevollen Beratungen ist es den: Ausschuß gelungen, den v-or- gelegten Staatsvoranschlag für 1916/1?'um etwa 700 000 Mark zu verbessern, was einer Herabsetzung der angesor^- derten Steuererhvhung von 5 Proz. entspricht, so daß also zunächst mit einem Steuerzacschlag von 15 Proz. bei der Einkommensteuer und von 5 Pfg. bei der Vermögenssteuer zu rechnen sein wird. Nun sind aber anscheinend die Finanzausschüsse beider Kammern in ihrer gemeinsamen Beratung dahin einig geworden, die drei untersten Steuerstufen, also die Einkommen bis 900 Mark, von dem Zuschlag frei^ula s s en. Hierdurch entstehen natürlich neue Ausfälle, für die eine Deckung gesucht werden muß.
Diese Suche nach Ersparnissen ist nun keineswegs so einfach, wie der Laie sich das vvrstellt. Zunächst findet sich überhaupt nur derjenige, der sich eingehend in deir Staatsvoranschlag vertieft hat, darin zurecht. Die kameralistische Buchführung gibt an sich schon kein klares Bild.' Dazu kommt, daß die Organisation der Staatsbehörden manche Posten mrseinapderreißt, die zusammen gehören. So findet man, um nur ein Beispiel zu neunen, die in einem Wirtschaftsjahr vorgesehenen Bauten des Staates keineswegs an einer Stelle, sondern in den verschiedensten Kapiteln. Die Fischzucht genießt den Vorzug, sowohl vom Minister des Innern unter Kapitel 75, als auch vom Minister der Finanzen unter Kapitel 101 Beiträge entgegenzunehmen.
Wir haben schon kürzlich einmal darauf hingewiesen, daß im preußischen Etat bei der Anforderung des Hauptgehalts eines Beamten auch seine Bezüge aus Nebenstellen aufgeführt sind. In Hessen sucht man im Voranschlag vergebens, welcher Beamte z. B. als Museums- direktor einen nicht ruhegehaltsfähigen Nebengehalt bezieht, man firtbet nichts über den Vorsitzenden der Zentralstelle für Landesstatistik, den Regierungskommissar und dessen Stellvertreter bei den Privat bah neu usw. Es mögen das alles nur kleine Summen sein; aber heute gilt es 'mehr als je, daß viel Wenige auch ein Viel machen.
Obersinanzrat Baiser im Ministerium der Finanzen hat in einer kleiner Schrift, die außerordentlich lesenswert ist, sestgestellt, daß die Neuordnung der Beamten- und Lehrergehalte dem Staatshaushalt eine Mehrbelastung von 3.310 000 Mark gebracht hat. Nicht eingerechnet ist dabei die Einwirkung auf die Höhe der Ruhegehalte. Aus der Mitteilung über Kapitel 115 ergibt sich, daß die Pensionen für alle Beamten urtd Vvlksschullehrer im Jahre 1914 über die Ersatzleistungen der preußisch-hessischen Eisenbahngemein- schasi hinaus eine Summe von 4 503 732 Mark oder nahezu eine halbe Million mehr als 1913 erforderten. Das Land hat diese große Last in dem Bewußtsein, daß für den Staat ein in seiner Stellung zufriedenes Beamtentum notwendig ist, gerne auf sich genommen; aber es erwartet auch, daß die staatliche Organisation unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit ausgestal- tet wird. Man hat deshalb die Denkschrift über die Umgestaltung der Baubehörden sehr begrüßt, und man hofft, daß demnächst «auch, andere Zweige der Staatsverwaltung einer scharfen Nachprüfung unterzogen werden. Die Reformbedürftigkeit der Einrichtung der Kreisgeometer ist z. B. schon seit Jahren erkannt. Das Institut, das sich selbst erhalten sollte, kostet heute dem Staat einen Zuschuß von 50 000 Mark.
Einer Nachprüfung bedürfte auch einmal die Frage der
Giefzerrer Stadttheate*.
Heiterer Rokoko-Opern-Abend.
Gastspiel von Sofie Heyma n n Engel, Anton Sistermans und Leo Gollanin.
In einer klirrenden Zeit, die auch uns in der Heimat den zermalmenden Einschlag der schwerer: Geschosse, den dröhnendes Sang der Propeller und das im Wellenschlag aufgesogene Gestampf der Unterseebootmaschine:: ahnend mitsühlen läßt, in einer solchen Zeit das Wiederaufblühen eines wehmütig lächelnden Menschheitstraumes zu sehen, dessen bestrickender Zauber in einer ebengewaltigen Zeitenwende dahinstäubte, wie der feine Puder der Perücken — es hält nicht leicht, eine Brücke übev Jahrhunderte hinweg, zu schlagen. Müssen schon solche Zauberer auferstehen, wie Softe Heymann-Engel, Anton S ifter - mans Und Leo Gollanin. Dann allerdings übt nach kurzem Befremden der anmutige Zauber seine Wirkung aus, und widerstandslos geben wir uns der tändelnden Grazie gefangen, bis wir uns selbst als modisch bezopfte Herren Vorkommen, und im Halbdunkel ein Parterre zierlicher Rokokodämckien um uns herum träumen, die mit strahlendem Entzücken das weißgepuderte Köpfchen mit der hochgesteckten Frisur andachtsvoll lächelnd der Bühne zuneigen.
Wieviel vergesserre Köstlichkeiten siegen ungehoben in verstaubten Opernwerken. Wie wenig verblaßt sind sie, wenn sie vor: liebender Hand wieder hervovgesucht werden. Sofie Heymann - Engel hat es sich zur Ausgabe gemacht, den Geist des liebens-- würdigen Rokoko rms wieder nahe zu bringen. Ihr guter Geschmack ist ihr ein sicherer Führer bei der Wahl der Perlen, die sie aneinander reihen will. Das bewies der gestrige Abend. Das war keine wahllose Blüteulese, sondern ein wohlgefügtec Strauß, in dem Farbe, Klang :md Dust zu köstlicher Einheit sich zusammenfügten.
Die komische Oper Basti en und Bastienne, ein Schäfer- spiel, das Mozart 1768 mit kaum 12 Jahren schrieb, bildete den Auftakt. Der schmiegsame Wohllaut mozartscher Werke schwingt mrverkennbar schon in dieser entzückenden Komposition, die neben dem melodischen Dahingleiten des Aufbaus schon eine kräftig humörvolle Charakterisierung in der Beschwörungsarie des vermeintlichen Zauberers findet. Die wohltuende Zwanglosigkeit der unkomplizierten musikalischen Eingebungen des jungen Mozart machte den Genuß dieses Werkchens zu einem köstlichen Erlebnis, und man mußte den Künstlern darrkbar sein, die musikalisch und darstellerisch so meisterlich seiner, dem modernen Menschen sicher schwer uüederzugeberrden, einfachen Harmlosigkeit gerecht wurden.
Als zweites, vollständig aufgeführtes Merkchen war eine komische Oper von Giovanni Battista Pergolese gewählt. „D i e Magd als Herrin", (La serva padrona), die in ihrer Entstehung noch von Mozarts Zeiten zurückreicht, hat eigentlich erst die komische Oper als selbständige Gattung eingefüh-rt. Girr echter Rokokoeinfall bient ihr zum Borwurf. Ein gutmütig bärbeißiger
Umzugskosten. Es sind dafür im Durchschnitt der letzten drei Jahre verausgabt worden:
im Ministerium des Innern rund 24 000 Mark,
im Ministerium der Justiz rund 20 000 Mark,
im Ministerium der Finanzen rd. 80j) Mark, zusammen also rund 44 800 Mark.
Manche Umzüge ergeben sich selbstverständlich im Interesse des Dienstes, aber man weiß auch, daß die Regierung bisweilen den Wünschen Einzelner gegenüber auf Versetzung aus persönlichen Gründen außerordentlich nachgiebig ist, ohne daß die finanzielle Folge gezogen wird.
Ob es nicht möglich wäre, in der Kriegszeit an S tell- vertretungs- und Aushilfekosten zu sparen, die in allen drei Ministerien jährlich 78 000 Mark erfordern, möchten wir auch zur Erwägung geben. Man sollte diese Frage um so mehr prüfen, als vielfach in den einzelnen Kapiteln sich erhebliche Anforderungen für Aushilfe finden. So sind z. B. im Kapitel 30, Provinzialdirektionen und Kreisämter, für Vergütungen und Aushilfekoften 21000 Mark, im Kap. 38 für denselben Zweck 20000 Mark im Etat eingestellt.
Von dem Ministerium des Innern sind für Neubauten insgesamt 37 000 Mark angefordert. Wir möchten glauben, daß die Kriegszeit es wohl rechtfertigen würde, den einen oder andern Posten zurückzustellen. Aehnliches gilt auch von den Anforderungen für Denkmalpflege, für Verschönerungsanlagen in Waldungen und für den einen oder anderen Posten, der so wie so nur ein rechnungsmäßiges Dasein führt. So möchten wir kaum annehmen, daß die Reise-Stipendien au Lehrer, ins-" besondere für neuere Sprachen usw., mit 12 000 Mark Verwendung finden können; das Gleiche gilt für die Ansatzkosten der Fortbildung der Volksschullehrer mit 10 000Mk. Warum läßt man diese Posten einfach im Voranschlag, während man sich doch darüber klar ist, daß wirkliche Ausgaben auf diese Titel hin nicht zu rechtfertigen wären und wohl auch nicht gemacht werden.
Eine scharfe Kontrolle wird auch notwendig werden bei den zur Förderung des Gewerbes, des Handels und der Landwirtschaft bewilligten Mitteln; mehr denn je wird peinlichste Prüfung der Ausgabe dahin, ob sie wirklich der S t e i g- e r u n g der P r o d u k t i o n zugüte kommt, notwendig sein. Nur in diesem Falle läßt sie sich rechtfertigen!
Das Ergebnis der Etatsberatung im hessischen Finanzausschuß.
rb. D a r m st a d t, 7. März. Ter Finanzausschuß der Zweiten Kammer hat heute nachmittag in Gegenwart des Kammerpräsidenten, Oberbürgermeister Köhler, noch eine Beratung über den Staatsvoranschlag für 1916 abgehalten, die sick unter Vorsitz des Abg. Tr. Osann ausschließlich mit der Frage der Deckung des Fehlbetrags beschäftigte. Der Ausschuß hat mit Stimmenmehrheit beschlossen, diese Deckung in folgender Weise zu gestalten:
Der gesamte Fehlbetrag stellte sich nach der Regierungsvorlage aus 4 573 669 Mk. Nach den Beschlüssen des Finanzausschusses hat der Voranschlag eine Verbesserung von insgesamt 943 000 Mk. erfahren. Do die durch Steuererhvhung aufzubringende Summe nach dem Voranschlag 2 828 400 Mk. betrug, so ermäßigt sich der zu deckende Betrag jetzt auf 1 88 5 40 0 Mk. Da aber der Ausschuß beschlossen hat, die drei untersten Klassen der Steuerpflichtigen von der Erhöhung der Steuer frei zu lasse::, was rund 150 000 Mk. Mehrbelastung ergibt, so stellt sich die gesamte Deckungssumm e a u f 2 035 400 Mark.
Der Ausschuß hat nun beschlossen, eine Erhöhung der Einkommensteuer um 12 Prozent eintreten zu lassen. Das ergibt den Betrag von 1680 000 Mk. Die Erhöhung der Vermögenssteuer um 5 Pfennig für je 1000 Mark (nach dem Regierungsvorschlag) ergibt 258 000 Mk., mithin werden durch die Steuerer Höhung zusammen 1938 000 Mk. gedeckt. Es verbleibt danach ein zu deckender Betrag von 97 000 Mk.,
Doktor wird von seiner Zofe^ durch List und Schmeichelei aus
seinem Junggesellentum herausgelockt und aus einem gefügigen Hausherrn in einen noch gefügigeren Ehemann verwandelt. sicher diesen, ach so harmlosen Einsall, ist ein ganzes Füllhorn musikalischer Schönheiten ausgegossen. Mit prickelnden Rhythmen umtänzelt die niedliche Zofe den ohnmächtig polternden Dr. Pandolfo, bis ein zierlich dahinschreitendes Menuett die Versöhnung bringt.
Ein Zwischenteil brachte Humor ans verschollenen Opern. Eine Terzetteinlage ans.„Der Schau spiel di rektor" von Mozart schilderte mit einer berückenden Fülle von Wohlklang die Aufregung über ein verlorenes Bändel. Ein Duett aus Hieronymus Knicker von Dittersdorf brachte mit musikalischem Humor eine Auseinandersetzung zwischen Vater und Tochter über den zu wählenden Liebhaber. Eine Arie „Das Lotterielos" von N. Jscuard ließ das Perlengeriesel aufleuchten, das eine wohlgeschulte Koloratursängerin -in jenen Zeiten zum vergötterten Star der Bühnen werden ließ, während in dem Duett aus „Der Kapellmeister" von Ferdinand Paer, in dem der Kapellmeister Barnaba ,erne Over Kleopatta,. die er konrponiert hat, seiner Köchin Diana eirrübt, voll des zvpftgsten Humores steckte.
Etwas vom Charakter dieses Teiles wiche:: drei Volkslieder ab, die Leo Gollanin vortrug. In dem büttersüßen Liede vom „Mühlrad", dem balladenhaften „Schweinehirten" und dein naiven Storchenliedchen, das ungemein hohe Ansprüche an eine wohldurch- gebitdete Atemtechuik stellt, schuf Leo Gollanin seine besten Leistungen. Das biegsame Metall seines schlackenreinen Tenors kam in den Liedern noch voller und reiner zur Geltung als in seiner Rolle als Bastien, wo er ttotz der prächtig gespielten Tölpelhaftigkeit von seiner: Partnern stimmlich um ein Unwägbares abstach.
Unl'ibertrefflich :mrkte zum Charakter der Darbietungen das umfangreiche, machtvolle und doch so geschmeidig weiche Organ des Bassisten Anton Siftermans. Jeder Ton sprach von beherrschter Fülle, von warmer Klangschönheit, lind das Spiel des Künstlers in den mannigfachen Rollen, die ihm zuteil wurden, überstieg bei weitem die gewohnte schar:spielerische Leistrmg eines Sängers und war eine künstlerisäse Tat für sich.
Frau Sofie HehMann-Engel, die Seele des ganzen Abends, erwies sich mit ihrem glockenreinen, lieblich perlenden, Sopran als der kErufenste Anwalt dieser Gesangspartien. Die mühelose Bewältigung der schwierigsten Koloraturarien nahm dieser Gesangsgattnug den unserem Ohr nicht mehr so liegenden Beiklang des Erkünstelten, und der duftende Schmelz, mit dem die Ton- folgen sich in den Theaterraum hinaus! chwanHen, gewann uns vollständig der echt rokokomäßigen Mnstlerin.
Tie ganze musikalische Begleitung lag in der Hand von Kapellmeister Ludwig M a r g u t h, der am Flügel sich nicht nur als unbedingt zuverlässiger Begleiter erwies, sondern auch als feinfühliger Interpret des :m:ftkalischen Rokoko, der die zierlichste Phrasierung zu ihrer natürlichen Geltung konnnen ließ.
Zum Gesamterfolge trugen nicht zuletzt die stilechten Kostüme bei, die mit berufen waren, die Srinrmnng des Rokoko in uns
welchen der Ausschuß noch neben dem von der Regierung vor- geschlagenen Betrag von 1 745 269 Mk. aus dem Restefonds entnehmen zu können glaubt. Der Ausschuß erwartet aber dabei mit Sicherheit, daß diese Mehrinanspruckmahme infolge von weiteren Ersparnissen des Jahres 1916 n i cht erforderlich werden wird. , , ...
Der Präsident, Oberbürgermeister Köhler-Worms, beruft die Zweite Kammer auf Mittwoch, den 15. März, vormittags 9 Uhr zum Begürn der Plenarberatungen ein. Die Tagesordnung lautet:
1. Wahl eines Mitgliedes in den zweiten Ausschuß an stelle des verstorbenen Abgeordneten Lutz.
2. Wahl des zweite:: Stellvertreters der Schriftführer an Stelle des verstorbener: Abgeordneten Lutz.
3. Regierungs-Vorlage, den Haupt-Boranschlag der
Staats-Einnahmen und -Ausgaben sür das Rechnungsjahr 1916 betreffend. _
Ans Hessen.
Die Konkurse in beiden Hessen.
In: Jahre 1914 wurden in der Provinz Hessen-Nassau insgesamt 243 Konkurse angemeldet. — Im Gro ß he r zo g t u m H esse n betrug die Zahl der neuen Konkurse in 1914 163 gegen 226 in 1913. Bemerkt sei, daß unter den 163 Konkurse:: im Großherzogtum sick) auch ein solcher befand, bei dem d:e Schulden- masse über 35 Millionen Mark betrug. Von den ausgefallenen Beträgen der nicht berechtigten Konkurs forderungen kamen in: Berichtsjahre aus Hessen-Nassau 13 634 876 Mk., aus das Groß- herzogtum Hessen 7 524 825 Mk. _
Märkte.
fc. Frankfurt a. M., 7. März. Heu- tmb Stvofjmarf t.
Aus dem heutigen Heu- und Sttohmarkt war nichts cmgeiahren.
Meteorolo gische Beobacht un gen der Station Gießen.
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Höchste Temperatur am 6. bis 7. März 1916: -st 2,8° C. Niedrigste „ 6. „ 7. . 1916: — 0,6° C. -
Niederschlag 5,8 mm.
aufleben zu lasse::. Ks war nicht :nehr wie recht und billig, daß den Künstlern langanhaltender, begeisterter Beifall gezollt wurden
— Die Uraufführung eines byzantinischen Kaiserdramas in Magdeburg. Aus Magdeburg würd uns geschrieben: Die zweite Uraufführung während der dieswinterlichen Spielzeit am hiesigen Stadttheater brachte ein byzantinisches Kaiserdrama „Knechte" von Karl Rogge. Der Kaiser Michael von Byzanz, der unumschränkt über Leben :nrd Tod ungezählter Untertanen herrscht, ist selbst nur ein Knecht seiner nur den Sinnen fröhnenden Leidenschaften. Mit schrankenloser Willkür springt er mit dem Schicksal seiner Diener :mt, seiner „Knechte", wie er sie mit verletzendem Hohne ständig nennt . . . Den siegreichen Zirkuskämpfer Basilios macht er zu seinem Stallvogt, reißt ihn von der geliebten Frau und zwingt ihn zur Ehe mit seiner Geliebten Nikephora, deren er iiberdrüssig geworden ist. Bei einem Weingelage erinnert er sich trunken ihrer wieder, läßt sie kommen und will sie an sich reißen. Als sie sich wehrt, verschenkt er sie an einen Günstling, in Gegenwart ihres (hatten. Da bricht in jenem der bis zur Raserei gesteigerte Haß in wilde:: Flammen aus, er erwürgt den Kaiser und wird an seiner Stelle Herrscher von Byzanz. Der Grundgedanke des Stückes, daß der Feind in seinem Weibe an: tötlichsten getroffen werden kann, wird in dieser Atmosphäre von Blut, Geilheit und bösen Leidenschaften nickst immer mit restlosem Gelingen, aber doch, nach mancherlei Irrungen u:ü) Wirrungen zu einen: klaren Abschluß gebracht. Der eigentliche Fadenzieher des Dramas, dessen historischen Schauplatz der Verfasser in die Jahre 866 und 867 verlegt, ist der Domestikus Georgios, unter dein sich Rogge eine Art Altreichskanzler gedacht haben mag, gewissermaßen eine Verkörperung des guten Prinzips, das aber verhältnismäßig zu einseitig gestaltet ist. Psychologisch sind die Gestalten des Kaisers :u:d der Nikephora am besten geglückt. Die Sprache ist glatt und flüssig, das Ueberwiegen der Monologe, in denen wirklich philosophiert wird, aber wenig Erkenntnis erblüht, belasten das Drama, das als Ganzes genommen als beachtenstverte Talentprobe angesehen werden kann. Dank der ausgezeickmeten Darstellung unter Leitung des'Direktors Bögler errang sich das neue Werk einen freundliche:: Erfolg.
' --- Frankfurt a. M., 7. Mirz. Aus dem Theaterplatz wurde heute vormittag ein von den Gebrüdern Mfred und Ludwig Hahn zum* A:ü>enken an ifjren verstorbenen Vater gestifteter Merkurbrunne:: d:rrck, eine schlichte Feier geweiht und der Stadt übergeben. Der Brrmnen, ein W^rk Hugo Lrederers. schmiegt sich trefflich der Architektonik des Platzes an. Er stellt einen Rurü»bru,:ne:i dar. Aus einen: runden Becken erhebt sich ein gegliederter kugelförmiger Unterbau, der von einer Merkurstatue in Bronze bekrönt lvird. Tie Gesamtkvsten bettagen rund 100 000 Mark. Mit dem Brunnen bat der seit Jahren arg vernachlässigt gelegene Platz eine künstlerisch wertvolle Zierde erhalten.


