Hr. 45 Zweites Matt
Erscheint tLgklch mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Kietzener LamMenblätter" werden dem ,Anzeigei/ viermal wöchentlich beiqelegt, das ^Lreirblatt für den Kreis Giehrn" zweima! wöchentlich. Die „Landwirlschaftiichen Zeit- ftagen" erscheinen n»o,tätlich zweimal.
M. Jahrgang
General-Anzeiger für Gderhesten
Mittwoch, 21 . Februar 1 ( 91(6
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckereh R. Lange, Gießen.
Schrittleitung,Geschäftsstelle «.Druckerei: Schul» straße7.Geschättsstelle u.Berlag:^^51,Schrift« leitung: d^Wl12. 9ldresse für Trahtnachrtchtem Anzeiger Gießen.
Krlegs&rtefe aus dem Gften.
Krm Avferrm zum OflHeere entsandten Sbdtifibmäftecfeattct
M«Lr«chtigier Nachdruck, auch mrLMgsweise, nerbotcu.)
Die Schlacht bei Czartorysk.
I.
Bug-Armee, Anfang Februar.
Ende September hatte sich die österreichische Armee in schnellem Dorrücken über Luzk hinaus gegen Rowrw vorgeschoben: auf il>rem südlichen Flügel hatte sie Deraztw erreicht, als ein starker russischer Gegenstoß es rötlich erscheinen ließ, die durch stetige Märsche »md Mmpfe ermüdeten Truppen! bisl tzsrtzk zurüc^nmehmen. Mitten durch das Sumpfgebiet wurde ein deutscher Stof; in die Flanke der Russen angesetzt. Die Lage »var so, daß die Oesterreicher das linke Styr-Ufer hielten und tarn Kolk» ab die russische Front weit nach Westen einsprang. Tie Trockenheit hatte den Sumpf passierbar gemacht, so daß es möglich war, trotz aller Hindernisse die deutschen Prüfte von Norden her lwrunterzuschieben und über Kolki fast senkrecht auf die russische Flanke curzu setzen. Kavalleriemassen gingen gleichzeitig, »im zu verschleiern, gegen den Styr vor. Ms die Russen schließlich die deutsche Absicht merkten, gingen sie in fluchtartigen Märschen zurück. Immerhin l-atte auch die KavallerieversMeierttng ihre Schuldigkeit getan, 10 000 Gefangene, darunter 50 Offiziere, 20 Maschinengewehre waren der Gewinn der Operation, die außerdem jeden weiteren Osfensiv- gedauken der Russen zunächst erstickte. Bis zur Putilowka ging der Südflügel der Russen zurück, die österreichisch-ungarische Armee verfolgte sie bis hier. Im Zentrum erstürinteu die deutschen Truppen Czernysz und Bcrecsian—, die auf Sandinseln im Sumpfe beherrschende Stützpunkte für den Uebevgang z»r»n Stellungskrieg abgeben sollten. Tie weiteir Linienführung, am Kormin-Bach erwies sich als schwierig, da das Gelände zu versumpft war. Tie Stellung mußte auf Silmki am Styr zutückgebogen werden. Der Styr-Bogen bei Czartorysk war daher auch der Flankierung von Süden ausgesetzt.
Auf dem rechten Styr--Ufer wurden zwei Brückenköpfe bei Nvwosielki und Kulikowiczy ausgebaM und schließlich verbunden. Tie Mündrmg der Okonka in den Styr, einen Kilometer nördlich von Nowosielki, war gesichert. Nördlich der Okonka schlossen deutsche Truppen an.
*
Im Laufe des 16. Oktober wurde auf dem ganzen Frontabschnitt stärkeres russisches Artilleriefeuer und das Verschieben russischer Kräfte bemerkt. Russische Ueberläuser sagten aus, daß ein Angriff beabsichtigt sei. Tie Nacht vom 16. zum 17. Oktober war sterrveulivs und tiesdun'kl. Bei Czartorysk wurde wieder ein Ueberläuser aufgebracht. Er erklärte: ein. russisches Bataillon ist durch. Die Meldung wurde nach telephonisch weitergegeben. Des Morgens um 5 Uhr erfolgte ein Frontalangriff. Tie Russen setzten sechs Divisionen zum Sturm an. Gegen Kulikowiczy, Nowosielki, Czartorysk und gegen Rafalvwka. Bei Nafalowka wurden die österreichisch-ungorffchen Truppen zurückgedrängt, hielten bei Kostinchnowka in guter Stellung fest.
Im Styr-Bogen war inzwischen der Einbruch erfolgt. Ter Brückenkopf Nowosielki wurde vom Rücken beschossen. Ein furchtbarer Kamw, bei dem die Russen jeden Bortttl hatten, spielte sich in dem Sumpstoald bei der Okonka ab. Tie Russen gingen über Stellen vor, die man bis dahin für unpassierbar gehalten batte. Sie sprangen in flaches Wasser, dessen Grund trug und vermieden Wiesenflecke, die den Mann, der den Sprung wagte, versinken ließ.
Gleichzeitig, etwa um sieben Uhr, waren die Russen auch an den Brückenkopf von Kulikowiczy Hera»» und nahmen ihn. Damit war die gesamte Brückenkopf-Stellung gefallen, die Lage der Truppen in Czartorysk war entschieden. Noch glaubte mau, »rach rechts Anschluß zu haben, weil eine preußische Kompagnie, die sich über die Okonka zrrrückge^ogen hatte, den Flügel bildete, aber die Lücke war schon ttef. Dre Okonka war Grenzfluß gegen die Russen geworden.
Am 18., im Morgengrauen, wurde Czartorysk von drei Seiten angegriffen. Die sibirischen Schützen stürmten in dichten Massen. Ein paar Kompagnien ostpreußischer Grenadiere, die vom linken Flügel noch hereingeworfen wurden, konnten den Truppen in Czart orysk nicht me hr helfen. In schweren und blutigen Bajonett-
Giefzener Stadttheare^.
Der lächelnde Knabe.
Ein Scherzspiel aus alten Tagen von Max Dreher.
Ein Theaterabend, an dem man seine rechte Freude haben konnte. Glückliche Wahl des Stuckes, gltte Bühnenbilder, rückhaltlos anzuerkennende, frischfröhliche Darstellung. Wann findet sich solches zusammen? Muß es ein Schaltjahr sein?
„Ter lächelnde Knabe." Max Dreher ist ja keiner unserer größten Bühnendichter, aber einer, der immer im Kielwasser der bahnbrechende»» Großen blieb »md mit Geschick, im Anschluß an sie, den Naturalismus und andere neuentdeckte Meere durchsegelte, um schließlich auf eigene Faust im Hafen der biederen Herkömmlichkeit Anker zu tverfeu. Er faßte Grund im alten Lustspiel, und eine köstliche Mär aus alten Tagen stieg in dem träumenden Dichter aus. Er ließ sie im „lächelnden Knaben" Gestalt werden.
Wenn man die Mär nun hernehmen und erzählen soll, so wird das nicht leicht sein. Märchendinge, die so kunstvoll leicht ineinander gewoben sind, zerreißen wie Spinnweb, »venn man danach greift und sie. ans Licht zerren will. Bor allem läßt sich ans ihnen kein Problem zusammenballen und nachher säuberlich auseinanderwickeln. Man kann sie höchstens mit behutsamen Worten nacherzähien, damit nicht allzuviel der Müschen entgleiten.
Hat sich da ein echtpreußischer Artilleriemajor, der sein Teil dazu beigettagen hat, daß Napoleon auf St. Helena sitzt, in einem alten Ostseestädtchen zur Ruhe gelassen. Einen guten Tropfen liebt er, trotzdem das Reißen ihn plagt und sein Leutnant a. D., der Arzt geworden ist, ihm die Freude verbieten will. Sein Waldhorn bläst er, obwohl die schöne Hausbesitzerin. Sabine Blenkardt, es ihm untersagen null, und da er außerdem ein findiger Kopf ist, so erfindet er sich ein Dampfschiff zurecht, obwohl niemand seine Idee unterstützen will.
Nun bechert er gerade mit seinem galten Freunde, dem zarten, poetisch angehauchten Tobias Lindensttöm, früheren Ratsapotheker, in die erste Maiennacht hinein, da hebt nach dem zwölften Glockenschlag ein Wimmern inr Garten an, und als der Major, als der einzig Herzhafte, das Ding besieht, von dem das Gewimmer ausgeht, da ist es ein Knabe, der im Garten ausgesetzt wurde. Er müßte nicht der gute Kerl sein, der er ist, wenn er sich nicht gleich des Findlings annähme. Er »nacht dem Schreihals aus einer neuen Pfeife einen Lutscher, erfindet ein neues Wickelsystem und bläst ihn mit seinem Waldhorn in Schlaf — seine Wirtin aber aus dem Schlafe. Nun müßte auch sie nicht ein so prächtiger Mensch feitt, wenn sie nicht den: Herrn Major den Findling streitig machen wollte, der zudem zmf ihrem Grund und Boden gependen wurde. Der Major gibt aber seinen Fund nicht heraus und so entsteht ein erbitterter Streit um den Knaben, wo der die kluge Sabine ibren Vetter den Ratsch ndikus, und ihren Onkel, den Schiffsreeder, in Wahrung von deren eigensten Interessen für sich ausbietet. Nun verwickelt sich die ganze Geschichte, weil der Knabe das Kind einer französischen Friseuse ist, die der Tochter des Schiffsreeders mit politischen Farcen de»» Kops verdreht hat und 01 t deren Verschwinden die beiden Verwandte Sabines und auch der
kämpfen fiel die Stadt, fiel ein Teil des heldenmütigen Regiments, das sich töwentapfer schlrtg.
Gleichzeitig ivaren russische Massen über Kulikowiczy gegen Rudka von Süden Her her an gekommen und drängten am Abend noch bis Kulli weiter. Am 19. kamen schon russische Patrouillen bis zum Stochod. Sofianowka wurde von schwachen Kräften besetzt, Jablonka fiel in russische Hand.
Tie Russen standen also etwa 20 Kilometer tief in der deutsch- österreichischen Front, das russische Zentrttm war au diesem 19. Oktober Kukli.
Nur zögernd gingen die russischen Spitzen weiter. Unleugbar »var ein — wenn auch begrenzter — Erfolg errungen, aber ihn rücksichtslos .auszunutzen, dazu fehlte den Russen die Entschlossenheit, während die deutsche Armeeleitimg alle Kräfte zu- sammennahm, um den unangenehmen spitzen Keil zurückzutreiben. In schweren und aufopfecuden Kämpfen, die hohe Anforderungen stelltest, gelang dies. Die ganze Sumpfebene des Styr-Bogens ist ein einziges großes Schlachtfeld darüber geworden.
Rolf Brandt, 5kriegsberichterstatter.
Aus festen.
Die Beratung des Voranschlags.
rb. Tarmstadt, 22. Febr. In der heutigen gemeiuschaft- lichen Sitzung des Finanzausschusses mit der Negierung gedachte vor Beginn der Beratung der Vorsitzende, Abg. Tr. Osann, des Ablebens des frül-eren hessischen Finanzminifters Gnauth, der eine Reihe von Jahren mit!der Zuzeiten Kammer mtb 1 deren Finanzausschuß zusammengearbeitet hat, und widmete «Hut Worte ehrenden Gedenkens. Bei Fortsetzung der Vercckung über die vom Finanzausschuß porgenommenen Beanstandungen an dem Voranschlag wurde zuerst Kapitel 12 mit Ausnahme der Frage der direkten Steuerin besprochen. Tie Regierung gab zu den Ansätzen int Etat noch die Ergebnisse des Jahres 1915 bekannt, soweit fi•' sich jetzt überblicken lassen, und suchte auf deren Grnndlage die Ansätze im Voranschlag im einzelnen zu rechtfertigen. Dasselbe geschah beim Etat des Ministeriums der Justiz, insbesondere bei der» Einnahinc- ausfällen, deren Abänderung der Finanzausschuß anstrebt. Tie Abstriche im Kapitel 102, Kataster, und Kapitel 103, Bauwesen, fanden keinen Widerspruch seitetts der Regierung. Bei Kapitel 116, Verhältnis zirm Reich, wurden von der Regierung ebenfalls die Ergebnisse des Jaches 1915 beigebracht, welche eine ^verschiedenartige Gestaltung in den einzelnen Einnahmen zeigten: auch hier erfolgt die Beschlußfassung erst demnächst. Im Anschluß daran, teilte Staatsminister Tr. v. Ewald mit. daß die Tätigkeit des Vereins a ch u n g s a u s s chn s s e s dech schon eine erhebliche Wirkung gezeitigt. habe, indem aus Grund seiner Beschlüsse und Vorschläge eine jährliche Ersparnis von 806 000 Mk. erreicht werde. Tie Fortsetzung der gemeinsamen Beratung erfolgt Mitttvoch vormittag.
rb. T a r m st a b t, 22. Febr. Regierungsrat Frhr. Adalbert v. Starck, ein Sohn des früheren langjährigen hessischen Ministers, ist heute früh in Wiesbaden^ nach schiveren Leiden gestorben: er 'hat nur ein Alter von 50 Jahren erreicht. Frhr. v. Starck hat als Vorsitzender des Kreis an Sschusses Darmstadt und als Rat bei der hiesig eit Provinzialdirektion, »vie früher als .Kreisrat im Kreise Erback i. O., eine umfassende, segensreiche Tätigkeit ausgeübi und es verstanden, sitz den Tank und die Hom achtung aller Kreisangehörigen zu erwerben. Er begann seine amtlidie Tätigkeit bei»n Kreisamt Darmstadt, umr dann rtttige Zeit Großh Kabinetts sekret är und kaut 1896 an das Krcisantt Mainz, später mt das Kreisamt Offen bach, bis er 1899 als Ministerialsekretär ins Minisberrum berufen tvurde, in nielchem er dann auch als Rechernngsrat tätig war. Frhr. v. Starck verstand es, tcamentlich> währ nd der jetzigen Kriegs,eit, die mau- uigsaltigen schwieriget» wirtsck>aftli-chen Aufgaben mit größter Sachkunde imd klarem Mick zu beivältigen »rnd für den Kvmmunal- verband Tarmstadt verständige Bahnen für die Zufuhr der notwendigen Lebensinittel ztt sch^ffetr; auch auf dem Gebiet der Kricgs- fürsovge hat er Vorbild!ick)i getvirkt und sich dabei stets als warm- sühlender Mensch ertviesen, des seit frühzeitiges Hinscheiden allgemein aufrichtig beklagt »verden wird. Sein Bruder, Major a. D. und Kurdirektvr von Bad-Nauheim, ist ihm bereits vor mehreren Jahren im Tode voraztg-egaugen.
vermischte».
DaS Ullgliick im Hochkönigsgebiet.
Berlin, L2. Febr. (Priv.-Tel.) Die „B. Z. a. M/ meldet noch zi» deut L a iv i n e u u n g l ü ck im H 0 ch k ö u i g s g e b i e t aus Dtüitcheu, daß zwei La iv inen über die Unterkunstshütte hiumegguigeu. Die erste war eine sogenannte Schlaglawine, die neben der Schneentasse auch Schtltt mitkührte. Die zweite, die etiva 20 Minuten später herabging, war eine Staublawine. Unter dein steinigen Geröll wurden die Leichen gruppenweise, vier bis sechs zusammen, auigettmden. Verschüttet wtlrden ttn ganzen etwa 140 Personen, von denen noch 20 vermißt werden. — Weiter meldet die „B. Z a. M." aus Wien: In der Gefahrzone befanden sich 140 Dlaiiit. Ein Teil derselben fand m der H i trefft einhütte Unterkunft. Die Hütte wurde mit^ den Menschen m die Tiefe gerissen und verschüttet. Die ineisten der Vernnglückten dürften durch den Luftdruck der abstürzenden Schneemassen gelötet worden sein. An der Rettungsaktion be- leiligteo sich Salzburger Dtauuschaften und etwa 100 russische Kriegsaeßtiigene. Man glaubt mit 8 5 Todesopfern rechnen zu inüssen.
*
Berlin, 22. Febr. (Priv.-Tel.> Das „Berl. Tagebl." mttixt aus Breslau: Getvaltige Schneemassen sind seit Samstug abend im Schlesischen Gebirge nieder gegangen. ,Altf den Höhen des Riesengebirges beträgt die Schneelage jetzt eineinhalb Meter. Äluch im Jsergebirge, im Eulengebirge und im Walden- burger Gebirge gingen bedeutende Schncemeitgen nieder. In der ganzen rtiedersch lest scheu (Ebene liegt der Schnee annähernd vierzig Zentimeter hoch.
. Hcrndel.
Mitteldeutsche Kreditbank.
Frankfurt a. M., 25. Febr. In der gestrigen Bilanzsitzung des Aussichtsrats ivurde beschlossen, in der auf den 22. März d. I. einzitberuseuden Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von 5V2 Prozent wie im Vorjahre zu beantragen.
Märkte.
ko. Frankfurt a. M., 22. Febr. Heu- und Stroh mar kt.
Arif dein beuttaeit Heu- und Strohmarkt »var nichts angeiahren.
Dic Marktpreise für Bieh und Frucht und die Giehener Fleisch- und Brotprerse
aut 21. Febrtiar 1916. _
Schlachtviehpreise in Frankfurt a. M.
Fleischpreise in Gießen
Ochsen
Kälber
SÄweine
50 Kg. Schlachtgewicht
»c? - 230 Mk.
1/2 Kg.Schlachtgew.186-217 Pf, Vs Kg Schlachtgew. 78-129 Pf.
Vr Kg. 160-164 Pf.
1/2 Kg. 160-164 Pf.
1/2 Kg 150- 00 Pf,
Getreideimeise in M a n»»h e i m:
Brotpreise in Gießen:
Weizen 100 Kg. 28.60 Mk.
Roggen 100 Kg. 24,60 Mk.
Weißbrot 2 Kg. — Pf. Schwarzbrot 2 Kg. 68 Pf.
Mkehlichs ALreL-riehten. CvangeUsche Gemeinde.
ön der Ltadttirche.
Dtiltwoch, den 23. Februar, abends 8 Uhr: Kriegs bei stunde
Pfarrer Mahr.
Auch a/s Liebesgabe im Felde begehrt/
(Im Feldpostbrief portofrei.)
geschiedene RatÄäener Kluckuhn eckt berechtigtes Interesse habert. Tie Mascheit sind sehr setzt gelegt, ttnd als die geschästsbeflissenett Verwandten den Major zur Herausgabe des Kindes nicht haben bewegen können, schenkt er es selbst seiner Hauswirtin Sabine, „weil ein Frcruenlcöcheln über rhnt sein muß". Damit ist der kleine Kerl aber nicht etztverftanden, da die Pflegentutter ihn nichck so zu behandeln weiß, wie der Pflegevater irrth aitch nicht Waldbortt zu spielen versteht. Aus Spinettmusik macht er sich nichts Und also wird er krank. So führt er die beiden Vilege- eltern^ an seinen» Bettchen zusammen. In einer gemeinsam durck'ängstigteit Nacht retten sie ihm tzt lvetteisernder Liebe das Leben, tmd als sie gemeinsam am uäckßtien Morgen ein Duo für Waldhorit und Klaviersptztett spielen, da lächelt der Knabe mit arger List Und es ist nicht mehr weit davoit, daß seine beiden Pflegeeltern ihn unter getneinsanretn Namen adoptieren können Glar so eilig hats der Dichter nicht danrit. Hier zeigt er sich am Feinsten, mo er den Sau in seines Gewebes umschlägt mtd zu guter Letzt die köstlichsten ?lrabeskeu lstneinnürkt. Der Ratssyndikus und Freier wird vorbildlich abgeführt, des Schiffsreders Töchterlein von il/rer Napoleonsschwärmerei durch den jungen Arzt gründlich kuriert und der geschiedene Ratsbote Kluckuhn mit seiner geschiedenen Ehefrau Kluckuhn tvieder zusammengebrackck. „Der lächelnde Knabe", der die Zauberkraft der ersten Maiennacht aus seine ganze Umgebirng ausübt, hat drei glückliche Menschenpaare geschaffen.
Ein treffliches Scherzspiel, das uns das Lachen nicht mit Ge waltinitteln abnötigt und uns dafür um so befreiter lachen läßt Tenn die Maschen, die beim Erzählen verloren gingen, sind doch die Buntesten und Bestrickendsten. Ein gesimder Httmor leuchtet über dem Ganzen. Die Gestalten sind voll überquellenden Lebens und jede einzelne steht abgeruitdet für sich da. Auch die Nebenfigurm stzrd säuberlich durchgearbeitet. Keinen Augettblick verliert sich, sobald der tote Ausgangsptntkt überwunden ist, die Spannung, und in jeder Szene kommt es zu ülrerraschend feinen Einzelzügen.
Gespielt wurde, wie sckwu anfangs erwähnt, vortrefflich. Man fühlte bei den beteiligten Schanspielertt die Freude an ihrer A»»f gäbe. Wilhelin Hellmuth schuf einen prackftvollen Maior, eine Gestalt von erfjtem Schrot unv Körn, die aus etztem Guß kam; Anny Rubens eine Sabiite, die bei all ihrer bestrickenden Anntitt Kops und Herz aus dein rechtrat Fleck hat. Als zweites Paar spielteat Ferdinand S t e i n h 0 f e r, ein liebenswürdiger Arzt, und Kate Werner, etzte nettgewruurene ^aft, die sich recht temperametttvoll anlreß, deren Besähimrng z»t größeren Ausgabe»» aber erst obgewartet werden muß. Das dritte Paar, Ratsbvte Kluckithn, Rtcholf Gvll und Frau Muckuhn, Else Jüngling, Lot initerhalb der Gesanttleisttmg eine humoristisch unübertreffliche Einzellerstung, die untso höher eiitgeschätzt »verde»» »mch, als die Wirktmg ohne sonderliche Uebertreibtmg der Mittel erzielt »»mrde. Als Ratssyndikus war Ernst T he i l i n g äußerst geschickt. Walter Dworkowski urachte aus dent Schiffsreeder eine vorzüglich gelitngene Gestalt, 2llbert Stettner gelang die Figlir des Rats apotbekers ebenfalls vortrefflich, und Pat»l Schönte als Diener Philibert stand nicht zurück. Nur zwei Rolle»» cdotcjeit sich als höchst undankbar: die Kinderpuppe, die ein Menscheujunges dar
stellen und die Sttntme hinter der Bühne, die ihm beim Schreien behilflich sein sollte. In dieser Doppelrolle zeichnete sich der lächelnde Kitabe nicbt d»»rch sehr realistische Natürlichkeit aus. Besonders erivähnt seien »wch die flotte Ausführung und die guten szenischen.Bilder, womit Oberspiellciter Walter Dworkowski sich ein wirkliches Verdienst ernxtrb. 22 .
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— Tie Uraufführung eines zeitgemäßen Orchester »v er kes in Wiesbaden. Man schreibt »»ns aus Wiesbaden: Im glanzvoll verlaufenen 10. Zylluskoitzert des Kurhauses, bei den» Martl»a L e f f l e r - B u r ck h a r d t als Solistin »vahre Beifallsstürme entfesselte, fand die Uraufführung eines zeitgemäßen Orchesterwerkes des greisen §lontponiste»t Bernhard Scholz unter Vdusikdirektor Carl S ch u h r i ch t s sorgsamer und zielbewußter Leitung einen sehr freundlichen Erfolg. Das Werk nennt sich „To t en k la g e" und schreitet, ähnlich einen» Trauertnarsch, in fast »tnerbittlich strenggenressener Rythmik dahin. Im Mittelsatz macht sich ».w rüber gellend eine leblMftere Bewegung geltend: durchs cht»mner»»de Sieges Hoffnung, inmitten all der schive- ren und diesen Trauer! Die Behcutdlung der Jnsttumetttatiou hält, sich von aller modernen Effekthascherei fern, und ist voll rühmenswerter Eigenschaften: einfach, ehern und djaraftmtol». Mab- itenb und feierlich schwebte die „Heldenklage" d»»rch den prunkvolle»» großen Kursaal. Die zahlreichen Zuhörer tauschte»» ans- »nerksain imd ergriffen und dankten lwifallig und herzlich für diese nette Gabe des Kornponiste»», der übrigens, durch den Krieg auS seinem Tuskulutn in Florenz vertrieben, seinen Wohnsitz »meder in Fva»rkf»trt ein geno inmen hat. 18, v. N.
— Uraufführung in Chemnitz. Aus Cbemnitz »vird uns geschriebe»»: „Die erste Frau", Operette in drei Akten von Dr. W i l l n e r »md O e ft e r x c i d> e r , Musik von Heinrich Reinhardt, dein Könrpoinsten des bekattntei» „Süßen Vdädels", erlebte »nit^ durchschlagetidem Erfolge im Chemnitzer Z e n t ra l t h ea t e r ihre tvichsdeutsche Uraufführung. In bu- »norvoller Weise schilden» die Verftrsser die Gescknchte ei»»es ge- schriedene»» Ehentaimes, der, als er feiner zweiten zukünftigen Frau in einem Wiener Mvdesalon ein .Neid kaufen »vill und dort seine erste Frau als Probiermanffell »viedertrifft, sich in sie ernetit verliebt und sie aberntals heiratet. Unter de»» Nebetckignren ftnelt ein gattz geriebetter Preßburger Friseur, der geschiedene B'mtner getvohitheitsmäßig adoptiert, »im später als fideler Erpresser a»p- zutreten, und de»» Heiratslustigien kurz vor der Tvartung noch gatrz erhebliche Beiträge abknöpft, eine lvsvitdere Rolle. Das verni'ins- tige Textbuch »mb die Musik, die nicht besonders vrichnell, aber sehr gefällig ist, passett Ml zusatmnen. Der große Erfolg »var auch per gm^ vortt-efflickwn Darstellung der Operette durch das Personal der Bereinigten Stadttbcater zu verdauEine gatiz-e Attzahl Lieder, darunter natürlich die Hauptschlager „Herrgott, du darfst mir nicht böse sein" und „Wer »»nct> lieb bat. der läßt mich »»icht los", mußten »viederhvlt »werden. II.


