Ausgabe 
14.2.1916 Zweites Blatt
Seite
129
 
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rrr. 57 Swettez Blatt

fcvfcfaiitt kS-Sch mit Ausnahme des SoimtagS.

TieGieHener Famiveublätter" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beiqelegt, das 'rKufcbtatt Mr öen Kids Gießen" zweimal wöchentlich. Die ..LandVirtschastjjchen SeU- fraßen" erscheinen monatlich zweimal.

166. Jahrgang

General-Anzeiger für Oberhessen

Montag, 14. Zebruar 1916

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universität^ - Buch- und Steindruckerei.

R. Lang e, (ließen.

Schristleitung, Geschäftsstelle u.Druckerei: Schul» straße?. Geschäftsstelle u.Derlag:^E51,Schrift» leitung: d-^112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

Zur Zteuererhöhung im Grchherzogtum hefieu.

M>cm schreibt uns:

Beispiel Preußens und anderer Bundesstaaten folgend-, soll auch in Hessen eine Erhohiung^ der direkten feuern vorgenommen werden. Die Bermönenssteuer soll in Zukunft 1 Mark von 1000 Mk. Vermögen betragen, gegen ^ dsg- seither. Dies unbedeutende Mehr dürste von den 'steuerpflichtigen kaum empfunden werden. Einer weitereir Erhöhung, die an sich durchaus gerechtfertigt wäre, steh-t jedoch das Bedenken entgegen, daß der große Nachbar Preußen, auch nach der demnächstigen dortigen Erhöhung nrit 80 Pfg. vom Tausend, immer noch um 20 Pfg. hinter dem neuen hessischen Satz Anrückbleibt.

Den schwersten Bedenken begegnet jedoch die Herauf­setzung der Einkommensteuer in der von dör hessischen Re­gierung -geplanten Forrn. Hier werden hoffentlich die Land- stcrnde verbessernd eingreifen.

Während in Preußen mit sozialem Verständnis alle Einkommen bis zu 2400 Mk. von der Erhöhung frei bleiben sollen, will man in Hessen eine gleichmäßige Erhöhung um 20 Protz., also Vs des seitherigen Betrags, unterschiedslos für alle Steuerpflichtigen vornehmen.

Nun muß man wissen, daß in Hessen die Einkommen­steuer schon bei einem Einkommen von 500 Mk. (Preußen 900 MT.) beginnt. Es würden also hier von der Erhöhung 'wette Bolkskreise ergriffen, die bei den heutigen Preisen der notwendigsten Lebensbedürfnisse kaum in 'der Lage sind ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und die zweifelsohne zurzeit Not leiden. Diese Volkskreise, die man, dem Beispiel Preußens folgend, bis tzu 900 Mik. eher ganz frei misgehen lassen sollte, unter heutigen Verhältnissen noch eine um Vs erhöhte Steuer abtzufordern, muß als im höchsten Grade inrsozial bezeichnet werden. Die geplante Maßnahme ist um so unverständlicher, als andererseits die Reichen und Aller- reichsten init zartester Milde behandelt werden sollet!. Diese l^beu nicht nötig, sich das Steuer-Mehr buchstäblich am Munde abtzuspareu, sondern können vielmehr eine Mehr- belastung aus ihrem Ueberfluß mit Leichtigkeit ertragen. Wahrend Preußen bei den hohen und höchsten Einkommen vrs zu einer Belastung von 8 Proz. bei natürlichen und 10 Proz. bei juristischen Personen zu gehen beabsichtigt, will man unverständlichcrroeise in Hessen bei 53/, Pro- $xtlt machen. Warum dies? Wenn ein Steuerpflichtiger mit 250000 Mk. Einkommen eine Einkommensteuer von 20000 Mark zu zahlen hat, wird er dadurch etw-a notleidend^ Neh­men wir an, daß er auch noch 20 000 Mk. Gemeindesteuer und 10 000 Mk. an Vermögenssteuer und sonstigen Abgaben zu leisten hat. Kanu er dann nrit dem Rest von 200 000 Mk jährlichem Einkommen nicht doch noch ganz anständig und ohne Einschränkung und Not leben? Warum also diese milde Schonung gerade der Leistungsfähigsten?

Hier müssen die hessischen Landstände bessernde Hand anlegen. Man sobge ruhrg dem guten Beispiele Preußens gehe bis zu der dort vorgesehenen Belastung von 7 .Protz-, sehe für jurrsftsche Personen, die die Steuer am leichtesten tragen, die in Preußen bestehende höhere Be- l-ajtung vor urrd verschone alle Einkommen unter 2400 Mk öder wenigstens 2000 Mk. von einer Erhöhung. Auch'im Gwßhe«ogtum Baden hat man ja bekanntlich von einer Hoherbelastung der Einkommen unter 2500 MT Wstand genommen.

Nun stehen zwar, woraus auch in der Denkschrift des Finantznnuisteriums hingewiesen wird, die Art. 13 und-48 des hessischen Einkommensteuer-Gesetzes einer Regelung im vorstehenden Sinne entgegen. In diesem wird nämlich be- strmmt, daß jede Erhöhung oder Ermäßigung der Steuer- ,atze des Gesetzes einheitlich und gleichmäßig, ohne Rück­

sicht auf die verschiedene Art und Größe des Einkommens, zu bemessen ist. Diese Bestiminuug des Einkommensteuer- Gesetzes ist aber doch- kein Hindernis, das nicht überwunden toerden könnte. Man beseitige einfach diese Bestimmung, und der Weg zu einer Regelung der Zuschläge, gleichwie in Preußen und Baden, ist geebnet.

Aus heften.

Erhebung einer Kriegssteuer fiir 1916.

Abg. Henrich und Gen. (mitunterzeichnet haben den Antrag die Abg. Heerdt, Korell-Ingelheim, Reh, Urstadt, Dr. Wolf-Gon­senheim) haben in der Zweiten Kammer folgenden Antrag einge bracht:

Wir beantragen:

1. von einer Erhöhung der allgemeinen Einkommensteuer abzu­sehen und dafür für das Rechnungsjahr 1916 eine besvndere Kriegssteuer zu beschließen, die von dem der allgemeinen (Än- kommensteuer unterliegenden Einkommen zu berechnen ist und hiernach betragen soll:

»

2900

m

n

4000

= 0,15

4000

m

6000

= 0,20

6000

n

w

n

8000

= 0,30

8000

9

n

n

10000

0,40

10000

w

n

9

12000

m

0,50

12000

n

o

150)0

= 0,60

v

15000

9

" '

20000

0,70

20000

w

,,

25000

m

= 0,80

m

25000

9

9

B

50000

r

= 1 ,-

50000

n

n

75000

= 1,60

75000

100000

= 2-

mehr als 100000 Mk.

. . .

.

. 2,50

Die Veranlagung und «Erhebung dieser Kri.gssteuer erfolgt nach den Bestimmungen des Gesetzes vom 12. August 1899, die all­gemeine Einkommensteuer betreffend, mit der allgemeinen

Einkommensteuer:

2. die Vermögenssteuer für das Rechnungsjahr 1916 um 10 Pfg vom Tausend auf 1,05 Mk. zu erhöhen.

In der Begründung lvird ausgeführt:

In dem Entwurf des Finanzgesetzes für das Rechnungsjahr 1916 wird zur Deckung eines Teiles der in diesem Jahre zu er­wartenden Fehlbeträge der Verwaltungsreä/nung eine Erhöhung der allgemeinen Einkommensteuer um 20 Prozent und der Ver­mögenssteuer von 95 Pfg. auf 1 Mk. vom Tausend vorgeschlageu. Es wird daraus eine Mehreinnahme von 2 800 000 Mk. aus der Einkommensteuer und von 258 000 Mk. aus der Vermögenssteuer, zusammen 3 058 000 Mk. -erwartet. !Es kann nicht bestritten werden^ daß es einer gesunden Finanzpolitik entspricht, bei far langen Dauer des Krieges nicht alle durch diesen veranlaßteu Einnahm c- ausfälle und Mehrausgaben auf -Anleihen oder Fonds zu nehmen, sondern von jetzt ab einen Teil durch Erhöhung der laufenden Ein­nahmen zu decken, zumal auzunehmen ist, daß ein namhafter Teil des jetzigen Fehlbetrags auch nach dem Krieg fortbestehen wird. Auch darüber kann leine MeinungsVerschiedenheit bestehen, daß als Teckungsmittel nur direkte Steuern in Betracht kommen können. Die Großherzogliche Regierung will die Mittel durch

eine

gleichmäßige Erhöhuirg aller Einkommens und Vermögens teurerbettäge gewinnen. rut****» s t.=t

--- -- Eine stärkere Heranziehung der höheren

EinLommen und eine Scfannng der geringen Entkommen hält sie nicht für möglich, da nach Art. 13 Abs/ 2 und Art. 48 des Einkommensteirergesetzes jede Erhöhimg oder Ernräßigung der Steuer einheitlich und gleichmäßig ohne Rücksicht auf die verschie­dene Art und Größe des Einkommens bemessen werden muß. Aus eine Aenberung des Steuergesetzes, etwa durch Verschärfung der Progression, sei aber während des Krieges nicht zu rechnen.

Demgegenüber kamt nicht eindringlich genug daraus hinge- Wiesen werden, daß die durch den Krieg verursachten Lasten und Härten von den Bevölkerung sschichben mit geringem oder mittlerem Einkommen ungleich schwerer empfunden werden, als von denen die ein'höheres Einkommen haben, und daß die geradezu unerhör­ten opsermutigen militärischen Leistungen des Deutschen Volkes den Besitzenden in ganz besonderem Maße zugrrte gekommen sind urrd in recht vielen Fällen eine erheblicfa StÄgerung gerade der großen Einkommen zur Folge gehabt haben.

Es ist zuzugeben, daß eine unterschiedliche Behandlimg der Steuerzuschläge zu den nach dem Einkommensteuergesetz von 1899'

Gietze.rer Stadttheatev.

Das Glücksmädel.

B-olksftück von Max Reimann und Otto Schwarz.

Alles, was der Herr begchrt, brachte das Glücksmädel: Eine abwechstturgsrerche Handlung, die die Logik des immerhin Mög- Q Jf^ 11 oft durchbricht, xiuen frisch fröhlichen Text, der selbst in den Lredemiagen nicht -zum banalen Versgeklingel hcrab- smtt, derb-kräftigen Humor, der wieder au den Haaren herbei- g^ogen ist, noch anstößig wird, 'Richrung ohne süßliche Senti- duvral ohne Air sdringlichkeit, sogar einige patriotische Austchwunge. Dazu eine Musik, deren Schmelz nicht schmalzig wirkt, ^ einschmeichelnde Walzer aus Melodien zusammenfügt, die wirklich neu erfunden nicht neuentdeckt und wieder aufge- warmt smd; Melodien, die nritreißen, die im Ohre hasten bleiben und daneben das Verdienst haben, daß ihr Schöpfer ihnen ein recht klangschillerndes Gewand verliehen hat. Herr, was willst du noch mehr! Das alles sind Eigenschaften, die im Ein­tagsfliegenleben der modernen Operette so einzig dastehen, daß man es hem Glücksmädel von Herzen gönnt, iwnn es auch in Gießen sein Gluck gemacht hat. Wie es auf der Bühne sein Glück üudtt das haben Max Reimann und Otto Schwarz sehr geschickt erzählt. Zwar sollte man nach dem ersten Aufzuge, der ihm, dein Schbossermeisterstöchterlein, einen wirklichen Baron zum Gatteii schenkt, und der außerdem noch ein Brautpaar zusammen- ftrhrt, meinen, mm sei des GlücksMiädels Glück erschöpft, aber nein me gütigen Autoren schenken ihm nach einer leichtsinnigen Liebelei den treulosen Gatten noch einmal wieder, und zwar diesmal als tüchtigen, arbertsfteudigen Menschen, der mit seiner sittlichen Uin- und Einkehr sogar die Beleihung und Achtung seines erbosten Schlossermerster-Schwiegerpapas wicdererringt. In diesen wenigen Worten ist selbstverständlich das vielseitige Drum und Dran noch lange nicht erschöpft, und da dieses'Beiwerk lxrnpt sächlich über- raschend zwanglos eingewirkt ist, so soll der Ueberraschüng liicht der Witz vorweggenommen werden. Wenn nicht alles ttügt, so wird das Glücksmädel sich langer aus unserer Bühne falten, als manche seiner Vorgängerinnen.

Großen Anteil am Erfolge hatte auch die Darstellung. Alwine Felder mann, zum erstenmal in einer größeren Operetten rolle tätig, erwies sich als durchaus schätzenswerte Kraft. War ihr Spiel auch manchmal noch etwas unfrei, -so entwickelte sie dafür anderer­seits vielfach eine Gutes versprechende Selbständigkeit. Ihre nicht uni sangreiche, aber anheimelnde Stimme bedarf noch grüßerest Ausgeglichenheit. Ihr Partner Ernst T hei sing hielt sich auf der Höhe früherer Leistungen ähnlicher Art. Ebenso war Rudolf Goll nicht vor eine außerhalb des Rahmens seiner bisherigen Schöpfungen fallende Aufgabe gestellt. Arthur Eugens falle wieder emmal Gelegenheit, seinem burleske» Humor die Zügel schießen zu lassen und tat das im vollsten Umfange, tatkräftig unterstützt von Hertha Zvndervan Ihre gesanglichen Dar­bietungen waren besonders geschickt und erfolgreich. In die übrigen. Rollen, bk gut besetzt waren, und daher höchst charakteristisch aus­

erhobenen Steuern ohne Aenderung dieses Gesetzes nicht möglich ist. Aber unmöglich ist es nicht, außerhalb des Rahmens des Ein­kommensteuergesetzes für ein bestimmtes Jahr eine besondere Kriegs- fteucr von Einkommen zu erheben. Dem steht ein gesetzliches Hin­dernis nicht im Wege, dazu gehört nur der übereinstimmende Wille der gesetzgebenden Faktoren. Die Form, in der eine solche steuerliche Maßnahme zu schassen wäre, ist dann nur noch eine Zweckmäßig- keitsfrage und keine grundsätzliche. Der Antrag läßt die Frage offen, ob die gesetzliche Regelung im Finanzgesetz oder in einem be­sonderen Gesetz stattzufinden hat, auf das damr im Fiuanzgesetz Bezug zu nehmen wäre.

Ueber die Höhe der vorgesehenen Steuersätze dürfte eine be- sondere Begründung kaum erforderlich sein. Sie bleiben fast aus der ganzen Linie hinter der von Preußen vorgesehenen Erhöhung (nur eimge der untersten Sttlfen machen eine belanglose Ausnahme), bis zu Einkommen von 15 000 Mk. auch hinter der von der Großherzog- lrchen Regierung vor geschlagenen Erhöhung zurück. Daß letztere bei den höheren Einnahmen überschritten wird, ist der wesentliche Zweck des Antrags. Aber auch hier erreichen sie immer noch nicht die preußischen Erhöhungen und bleiben selbst bei Zusammenrech­nung mit der bisherigen allgemeinen Einkonrmensteuer hinter der neuen Gesamtbelaftung in Preußen zurück. Nur von den Einkom­men von über 300 000 Mk. ab tritt eine geringfügige Mehrbe­lastung im ganzen ein, die aber in Preußen tm der Mehrzahl dieser hohen Einkommen zweifellos überboten wird, da dort vielfach Akttengesellschaften in Bettacht kommen, für die der Zuschlag ein erheblich höherer ist.

^ Ter Anttag würde insgesamt 2 823 850 Mk. erbringen gegen o 058 000 Mk. der Otegierungsvorlage. Der Wenigererttag von 235 000 Mk. dürfte umsoweniger einen zwingenden Grund bedeu­ten, dem vorliegenden Anttag nicht zuzuftimmen, als der Ausfall an unergiebigen Posten bei dem vorliegenden Anttag erheblich geringer sein wird als bei der von der Großherzoglichen Negierung vorgesehenen allgemeinen Erhöhung. Ergibt die endgültige Fest­stellung des voranschlagsmäßigen Fehlbetrags eine geringere Summe, als heute anzunehmen ist, dann wären naturgemäß auch die Steuersätze entsprechend zu ermäßigen.

Notstalwskrcdite für Kriegsteilnehmer.

Abg. Reh und Gen. beantragen:

Großh. Regierung zu ersuchen, Mittel zur Verfügung zn tellen, aus denen Darlehen zu gewähren sind:

1. an Gewerbetreibende, die aus Anlaß des Krieges, insbeson­dere durch Einziehen des Gewerbsinhabers zum Kriegsdienst ihr Gewerbe (Handelsgeschäft, Handwerksbetrieb usw.) ern- gehen lassen mußten, um ihnen die Wiedereröffnung oder Weiterführimg ihrer Betriebe und Geschäfte zu erleichtern und bis zu diesem Zeitpunkt ihre Familien vor Not und namentlich vor nachteiliger Veräußerung von notwendigen Geschäftsbestandteilen zu bewahren.

2. an Privatangestellte, die zum Kriegsdienst eingezogen sind und deren Familien zur Bestreitung ihres Lebensunterhaltes lediglich oder vorwiegend auf die Kriegsunterstützung an- gewiesen finb._

Tie Darlehen sollen möglichst während des Krieges unver­zinslich und unter erleichterten Rückzahlungsbedingungen gewährt werden.

Die Schafftrng von Heimstätten für Kriegsteilnehmer.

2lbg. Henrich u. Gen. beanttagen, die Großh. Regierung zu ersuchen, der Frage der Verivendung von fiskalischem Grund­besitz zur Errichtung von Heimstätten für Kriegstellnehmer sei es durch Schaffung landwirtschaftlicher Rentengüter, sei es durch Errichtung von Arbeiternwhnstätten in der Nähe größerer Städte und Jndusttieorte, etwa in Gemeinschaft mit der Landesversiche­rungsanstalt näher zu treten und den Landstwrden entspreä?ende Vorlage zu machen. '

Eine Anfrage über die Bolksernährnnq

hat der Abg. C a l m a n eingebracht:

Gedenkt Großh. Regierung Maßregeln zu tteffen, welche fit instand setzen, rascher als seither einzuschreüen, lvann die Volks- ernährung bedrohende Preisbildungen, Maffenauskäufe, die Preis­bildung .ungesund beeinflussende Ausstremmgen oder Gepflogen­heiten, «welche die Um.gehimg der Nnttschaftlichen Gesetze bezwecken, auftreten, damit rechtzeitig und wirksam gegen solche Mißstände in Zukunft eingeschritten werden kann.

gedeutet wurden, teilttn sich die Damen: Else Jüngling, Amw Rubens, Wally Petri, Martha Schild imd die Herren: Walter Dwvrkowski, Wilhelm Helmuth, Walter Strom, Carl Del io n und Hermann Stichel. Die Spielleittmg unter Rudolf Goll hatte für die.Schwierigkeit des ersten Auszuges, eine Schmiede mit einem Wohnzimmer zusammenzubauen, die Mög­lichkeit einer Lösung gefunden und für den zweiten Auszug esst anspreck>endes Bühnenbild geschaffen. Auch das Tempo der Auf- führung war verstäudirisvoll festgeleqt. Das Orchester unter Kapell­meister Hermann Weller trug die leichtftüssigen Melodien mit einprägsamer Eindringlichkeit vor. Es saß Zug und Schwung dahinter. Z z.

*

üus den Zrankflirter Theatern.

Frankfurt a. M., 13. Febr. Im Schauspielhause gab es am Smnstag bei der Bolksvorstellung von ..Wilhelm Dell" eine Ueberraschung: Alexis Müller, das 83jährige Ehrenmitglied des Scl-auspielhauses, spülte den alten Atftngl>ausen mit einer solchen ergreifenden Treue und Wahrhaftigkeit, daß das bis zum letzten Platz gefüllte Haus es lvaren durchweg Schüler an­wesend den Vorgängen aus der Bühne mit ateinloser Span­nung lauschte. So hatte wohl noch niemand diesen ehrwürdigen Volksfteund dargestellt. NM Schluß der Vorstellung ,nutzte der grelle Bühneuveteran unzähligemale den Dank der begeisterten Zu­hörer entgegennelMm. DasNeue Theater" bot gestern als Neuheit das preisgekrönte Lusffpiel des ungarischen Dichters Ga­briel DregelyDer Gatte des Fräuleins". In witziger, oft gefftteicher Weffe variiert das unterhaltsame Stück das beliebte Bühnen- imd Lustspieltfama:Wie man Männer sängt", ein alter Wern m neuen Schläuchen. Die vielen originellen Einfälle wurden herzlich! belacht und schufen im Hause eine überaus behag- Iwfa Stimmung. Wesentlich zum guten Erfolg, der lvie in Berlin auch hier dem Stück viele volle Häuser bringen wird, ttugen Di­rektor Hellmers lebendige Spiell-eitnng und die fließende Dar­stellung der Künstler bei. R. H.

*

vom amerikanischen Nunsthaiidel im Uriege.

Trotzdem fae Bereinigten Staaten sich rühnten können, die emttäglichsteu Geldgeschäfte in diesem Kriege zu Mächen, steht der amerikanische .Kunstfandel gerade jetzt durchaus nickt auf sola/er Höfa, lvie man nach den zur Verfügung stehenden Mitteln annehmen könnte. Denn zur Mlage von Kunstsammlungen genügt nicht das Geld allein, llülegenheit und sachkimdig-es Verständnis sinö ebenso unentbehrlich. Was nun das Ersdeve betrifft, so wm- man in Amerika der besten Hoffnungen voll, da nian nrdit weniger erwarten zu können glaubte, als daß die Kriegft'lhrentnm tvahll-os! lede Gelegenheit wevd-en benützen müssen, ihre .^mstschätze zu Geld zu inackien Llber hierin haben die amerikanischen Kunst Händler, tvie einem Bericht im neuesten Heft desCicerone" zu entnchuwn ist, sich schwer getächcht. Aus Deuffchaud mib Oester

reich fand kein einziges Kunstwerk von tvirklichem Wert den Weg ins neutrale Ausland, trotzdem es an lockenden Angeboten und Versuchen aller Att nicht fehlte. Demi lvir sürd wirtschaftlich stark genug, um nicht verkaufen zu muffen, sondern sogar auch letzt noch selbst Kunstwerke aus fremdem Besitz erstehen zu können. Auch unsere Gegner suchen ihren Besitz an seltenen Kunstwerken nach Möglichkeit zu erfalten, dafür senden sie aber höchst zweifel­hafte Händler mit nicht minder zweifelhafter Ware übers Wasser, um selbst den !dort herrschenden Knnftfamger auszunutzen imd den Amerikanern die erhoffte Gelegenheit fälschlichertveisc vorzugaukeln. Tiefe unsaubere europäische Konkurrenz hat die antmfaniimo.t ebenso geschädigt wie die Privatkäufer, und dieAmerican Art News" mußten bereits mehc als einmal vor Fälschungen und mit großer Rellame angepriesenen Minderwertigkeiten warnen. Ganze Auktionen gefälschter Gegenstände wurden abgehalten, und ein italienisches Syndikat erschien sogar mit einem reich aus- geltatteten Lager gefälschter Bronzen. Von den Zeitungen ge­rühmteechte" Tizanias wurden von den Sachoei'ständigen der Zollbehörden mit einigen -hundert Dollar belvertet. Dieser Schwindelbcttieb wird noch genährt durch die Vorliebe vieler Kreise für die Entente, indem angebliche Russen oder Fran­zosen .mmstauktionen zum Besten der ruffischen Flüchtlinge und des franzöftichen Roten Kreuzes zu veranstalten vorgefan. Einer der größten Schläge für den amerikanischen Kunstbesitz waren dic vlelbesprochcuen Verkäufe Morgans im letzten Jahre. Auf diese Weise wurde die berühmte Sammlung des alten Morgan arg zerlplittert. Selbstverständlich lvußte der junlie Morgan bei Ver­äußerung der von seineni Vater mit unendlicher Liebe geschaffenen Sammlung seinen Vorteil zu lvahren. Allein das ckinffffche Por zellan trug 4 Vüillionen ein, und die Kunstmöbel und Skulpturen aus dlmr 18 Jahrhundert brachten 12 Mllionen, die Bilder von Fragonard 6 Millionen. Die Hauptkäuser lvaren die Millionäre Frick und Widener: des Letzteren Samnrlnng aber soll lvegen seines unlängst genlkldeten Todes efanfalls zersplittert lverdcn. In« terestant sind einzelne .ibunsttoerke, die lväbrerrd des Ergangenen Iahres von amerikanischen Sammlern gekauft wurden F.an Alexander Hamilton Rice, die Witlve Wideirers, eilvarb einen aus dem Palast des Großmoguls in Debii stamnienden Ispadan- teppich aus der zweiten Hälfte des 18. Icchähundetts. Auch ein (Lady Bunbnry) von Reynolds und französische Ta-- pffsenen kamen in amerikanischen Priv«tbefftz. Ein New Borker ^Eotkar, Willys, begann die Anlage einer Sammlung indein er i Millionen für Werke von Frans Hals, van Dyck. Rembrandt und GaiNsbvrvugh verausgabte. Eine besondere (^'schickste \wt bif von Rockeseller gekaufte marmorne Aphroditestatue Sie wurde dem Praxiteles zugeschrieben. von dem Regienlna^mchv.-rstm-- digen aber nur als über 100 Jahre alt bezeichnet Diese Statuc war schon einmal, vor 10 Jahren, in New ?)ork gt-wesen ifm' Echtheit bezweifelt lvnrde und die Angebote uiiedri! lvaren, mußte sie aber nach Europa zurückreifen. In Enrillm aber

uiti) so kam- sie irxt sMchlich

Ui RockefellevS berühmten Garten.