Ausgabe 
4.2.1916 Zweites Blatt
Seite
110
 
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Lrrrs BüdinKeL.

Ä 4. Fedr. Im Westen fies, von einer

«rsmtte gerroHen, der Wehrmanu Georg Heinrich Kraft U.

Hessen-Nassau.

^Laasphe, 4 Febr. In Herborn wurde beim Abladen Oon Baumstämmen der 45 Jahre alte Arbeiter Friedrich R o t h dermaßen von einem abrutschenden Stamm getroffen, daß der Tod alsbald eintrat.

ra. Hub erg. 3. Febr. Dem Vizefeldmebel Rudolf B e n n e r (Jn'antene-Regiment 83) wurde von dem Fürsten von Waldeck die Goldene Verdienstmedaille verlieben.

ra. Hahnstätten, 3. Febr. Dr. K. N e i d h ö f e r, zurzeit Stabsarzt m Neusatz (Ungarn) starb daselbst mkolge einer Blutver grflung.

ra. W e i l b u r g, 4. Febr. Auf dem Bahnkörper in der Nähe der Station Lstockhausen wurde von der Wache des Landsturm- batcnllons eine besinnungslose Frau aufgesunden, die aus dem O-Zuge gestürzt war, der kurz nach l f 2 l Uhr die Strecke Kassiert W»e spater sestgestellt werden konnte, handelte es sich um eine Frau aus Philwoftein, die in Brauniels den Zug bestiegen hatte um nach Weilvurg zu fahren. Mit schweren Körperverletzungen wurde sie m das hiesige Krankenhaus verbracht.

§ Esch w ege a. d. Werra, 4. Febr. Auf dem benachbarten Kalrbergwerke Heimboldshausen lvurde der Vorarbeiter Anton Ruppel durch einstürzende Kali,nassen verschüttet rmd getötet.

^ 3 ^bbr. Der Landesausschuß des Regiernngs bezirks Kassel hat beschlossen, dem Komnnmallandtage eme Vor läge über d,e Errichtung einer Kriegshilfskasse des Hessi­schen Bezirksverbandes zu unterbreiten. Das ins Auge gefaßte Betriebskapital von 1 Million Mark soll zur Hälfte vom Bczirks- verbaud der Kasse zur Verfügung gestellt werden. Tie andere Halste sott vom Staate zugeschossen werden nach Maßgabe der in emem Ministerialerlaß ausgestellten Grundsätze Zweck der Kriegs­kasse soll fern die Gewährung von Darlehen an Kriegsteilnehmer oder deren Angehörige zur Wiederherstellung oder Erhaltung ihrer geschäftlichen Lebensstellung, besonders aber zur Wiederausrichtung oder Aiifrechterhaltung eines Handwerks- oder kleineren Gewerbe betnebs.

Universitäts-Nachrichten.

li Marburg, 4. Febr. Der Professor der alten Geschichte und Direktor des historischen Seminars an der hiesigen Universität Dr. Walter Otto, hat einen Rui an die Universität seiner Herma! Breslau als Nachfolger von Professor C i ch o r l u s erhalten.

vermischtes.

* Nikita und sein Enkel. Ein Berichterstatter des PariserI o u r n a l ", der den geflüchteten König in Lyon be^ suchte, erzählt die folgende hübsche Geschichte, die ihm der König m ruhrenden Worten mit unverkennbarem provencalischeii Akzent mitteilte. Es war, so sagt der Pariser Journalist als ob Mistral unter den Platanen von Maillane eine Allegorie dichtete Me-n Eiikelsohn Humbert mar ein rechter Trost für mich während meines Aufenthalts in Rom/ so erzählt Nikita. »Dieses lachlustige, zwölf- zahrige Kmd war respektvoll und artig gegen mich. In weumcn Minuten waren wir befreundet. Er fragte mich:Warum bist Du traurig? Wer hat Dir etwas zu Leide getan? Ich antwortete chm:Du hast einen geschlagenen Großvater, mein Kleiner."Wer hat es gewagt, Dich zu schlagen. Dil bist doch groß?" fragte das

»Wo hat man Dir weh getan, sag nrir's doch." Ich gab dem Kinde folgende Antwort:Ich bin am ganzen Körver geschlagen, an den Armen, den Beinen, auf die Brust, auf den Ropi und zwar von meinen Feinden/ Das Kind dachte nach und traurra fort:Da gab es wohl nichts mehr zu effcn bei ? ud L - v reie ' e{)en qIJo ' mein kleiner zwölfjähriger Enkel hat die Grunde der Nrederlage besser ersaßt, als die Diplomaten und Minister.

* Wie die Tropenvögel in Marseille ein- w änderten. Zu den mancherlei überraschenden Wirkungen und Erscheinungen d:e der Weltkrieg in der Vogelwelt und ihrem Leben hervorgerufe^hat, gehört auch die merkivürdige. zeitweilige Eiu- vandernng Lon allerlei Tropenvögeln in Marseille. Darüber be-

rächtet L'Hern»ite in der »Revue srantzaise d'Ornithologie". Mar seille ist ein Hmivtort für die Einfuhr von allerlei exotischem Ge­lier. und alle Schiffer ans langer Fahrt führen im Zivlschendeck mit sich eine Fracht von jenen langeii, niedrigen Holzkaslen, in denen die Ehiuesen und indische Matrosen Massen kleiner Vögel

^ ^1(1*011« bringen. Diese ganze Einfuhr pflegt vo,i vier bis "Ulf Großhändlern aufgekaust zu wcroen, die die Vögel dann weiter verschleißen, meist an belgische, deutsche und ' englische Händler. Diesen Markt hat null natürlich der Krieg mit emem ©dnage vernichtet, und die Tierbesitzer suchten alsbald ihre Ware uin ;eden Preis losznwerden. Die selteiien lind besonders wert­vollen Arten fanden leichten Absatz; mancher Vogelltebhaber konnte Ilch da für billiges Geld ein paar ungeivöhnliche Arten zulegen, und auch einige Zoologische Gärten versähe,i sich mit allerlei Arien von Pavageien, Finken, Fasanen usw. Aber die gewöhnlicheren Urten überseeischer Vögel, wie Reissinkeli, Tlgerfinken, Schmetter- lingsstnken usw., fanden nicht so leicht Käufer; sie wurden im Ltrageiihandcl 311 15 Centimes das Stück abgelassen, wobei iiian noch den Käsig dazu bekam. Allein selbst zir 'diesen, Preise waren die kleinen bunten Gäste aus der Tropeinvelt bald nicht mehr m verkaufen, und da rckißten sich ihre Besitzer schließlich keinen anderen mal, als daß sie die Käsige öffneten und die Vögelchen der Für- sorge des Himmels überließen. So geschah es, daß Marseille auf eininal von zahlreichen Vertretern der tropischen Kleinvogelmelt überschwemmt wurde. Diese ungeivöhnlichen Gäste vcrsaininclteii sich größtenieils im Mitielpnnkte der Stadt, auf dem Börsenplätze, ist lnehreren großen Platanen, die dort, von Grasflächen urngeben' clugehegt um das Puget-Deukmal stehen. Hier nahnr sich die ^tadwerwaltnng ihrer au und ließ für die' bwite kleine Well Wasser- und Futlerbehäster anleaen. Es war ein seltenes und hübsches Stück Natnrleben. das sich da eniialtete. Von der Morgeu- brs zur Abenddämmerung herrschie die größte Regsaiukeit, und cs war wunderlich zu sehen, ivie sich die farbenreichen Vögel der ^.ropenwelk. die Tiger-finken, die iveißei, und grauen Reisvögel, die grauköpfigen Papageien und andere, hier mit und unter den ge- meinen Straßenspatzen bewegten. Das Schailsviel versammelte täglich ganze Massen von Ntenschen, die außerhalb des Zauues es beobachteten. Jählings fand jedoch di s tropische Vogellebeu in Marseille fein Ende. Jin Dezember trat eine Kälte ein, der die meisten der Gaste ans wärmeren Länderi, zum Opfer fielen, und fcf)on um Neujahr war fein einziger davoki inehr an, Leben.

Wie >ii a n <14 Millionen Frs. v e r d r e n e i: kann! /Der will 7'a Million-'n Frs. verdienenfragt derGanloigE. Nichls in leichter als das. Man braucht nur die beste Geschichte Alexariders I. zu schreiben. Das ist kern Scherz Der Grundstein zu diesem großen Preise wurde 1883 bei der Petersburger Reichs- bauk hinterlegt, und der glückliche Sieger ivird au Kavital ur,d Zinsen 7 500 000 Frs. erhallcu. Niir einen Haken har die Sache. Ter glinstige Augenblick ist noch in ,veiler Ferne. Tie Manu-

skripte n,rissen der Akgdemie der Wrffenschastcn vor den» --

1. Dezember 1925 abgelickert iverden Wer Lllst hak, sich au dem Wettbewerb zu beteiligen, behält also noch genügend Zeit, um sich über lllexauder I. grüudlichst 311 imorimevcii und im Geist die ver­heißenen goldenen Berge zu genießen, die ihm die Wirklichkeit noch vorenthält.

"Die Ehrenrettung der italienischen Feldpost. D,e italienische Feldpost hat feit Ausbruch des Krieges so viele L-chmähuligeil über sich ergehn, lassen müsse», daß dieRiv lla del Don mg" es sich gugelegeu fein läßt, einmal zu berichleu, wie groß die La,ten sind, die man ihr anstu'irdel. Bon Bologna aus (der. Lamnielstelle der für die Front bestinunien Seirduugeu) follen tfinh ü 80 000 Briefe und 18 000 Pakete befördert werden. Fr, Treviio, dem Sammelvunkt der aus dem Felde koiumendcu Nach­richten. treffen täglich 1 400 000 Karten und Briefe ein. Voll Stolz ivird noch hervoraehoben, daß die italienische Feldpostorganrsation keinerlei Aehnlichkett mit der anderer kriegi hrender Länder habe !

vücherttsch.

T Siegerland unter preußischer H err-

lGaft 18151915. Festschrift aus Anlaß der hundertjährigen Bereinigung des oranischen Fürstentums Nassau-Siegen mit Preußen. Von Dr. Hans Kruse. Verlag von Hermann Mon­tanus in Siegen. Preils in Prachtband 8 Mi. In einer Zeit von Blut und Eisen, in der unsere tapferer: Heimatschützer

für des Vaterlandes Existenz unentwegt und furchtlos anstzarrert in dem menschenvernichtenden Schlachtenwetter, da um dieselbe Zeit jährt sich des Siegerlandes neueste Geschichte. Und in den­selben Tagen, in denen da draußen die große Weltgeschichte mit erzenem Griffel in blutigen Lettern geschrieben wird, da sehen wir in der engeren Heimat des Siegerlandes ein Werk treu» deutsche rHeimatliebe die Geschichte des Siegerlandes . heranreifen. Der Verfasser hat seiner: an sich schwierigen wissenschaftlichen Vorwurfs den geschichtlichen Entwickelungsgang eines kleineren topographisch genau begrenzten Gebietes zu er­forschen, glänzend zur Ausgestaltung gebracht. Aber nicht nur die Wiedergabe überreichen geschichtlichen -Quellenmate i.rls ist ein Vorzug dieses Werkes: das an sich trockene Material ist mit l abens- warmem Hauch, mit Heimatluft und dramatisch rvirkendem Geiste erfüllt, der den Löser dauernd fesselt und ihn in Spannung er­hält. Hier ist mehr als trockene Geschichtssorschung, hier sind handelnde Menschen, gebunden an und erwachsen mit den heimi­schen Verhältnissen, diese fördernd oder hemmend, manchmal sogar von Grund aus umgestaltend, unserem geistigen Auge vorführt. Ein besonders hoch zu veranschlagender Vorzug dieses heimat­geschichtlichen Werkes ist, daß die treibenden Kräfte und Personen, die den wirtschaftlichen Werdegang des Siegerlanhes beeinflußten, in ganz intuitiver Werse zur Darstellung gekommen sind. War das Siegerland in seiner abgeschlossenen Lage und in seiner auf einer tausendjährigen Geschichte begründeter: Eigenart einerseits eine dankbare Aufgabe für den Geschichtsforscher der engeren Heimat, so stellte er sich andererseits aber die weit wichtigere Frage, wie dieses Laiches ursprüngliche Eigenart sich dem mäch­tigen Staate Preußen gegenüber behauptet und wie es anderer­seits in ihm aufgegangen ist. Die Behandlung des Siegerlandes unter preußischer Verwaltung auf wirtschaftlichem Gebiete ist der Höhepunkt dieses heimatkundlichen Geschichtswerkes und zu­gleich ein erneutes glänzendes Rnhmi^blatt der preußischen Ge­schichte im 19. Jahrhundert. Die Teile des Geschichtswertes, die die wirtschaftliche, religiöse und politische Entwickelung des Sieger- landes während des verflossenen Säknlums in ses'Vndem Bilde zeichnen, beanspruchen ein höchstes Maß von Inte es e Älucki im weiten deutschen Vaterlande, in Kreisen der Geschichtsforscher sowohl als in denjenigen ernster Nationalökonomen und Politiker. Denn besonders der wirtschaftsvolitische Werde­gang des Siegerlandes wird für die wirtschaftliche Zukunftsgestal­tung unjeres isolierten Deutschlands sich als in vieler Hinsicht richtunggebend und problemlösend, des anhaltenden Studiums maßgebender Staatsmänner, Politiker und Nationalökononren wertvoll und notivendig erweisen. Von diesem Standpunkte aus sei das von fleißigem Quellenstudium zeugende Werk allen führen­den Mäiinecn der vorbezeichneten wissenschaftlichen Gebiete wann empfohlen. Andererseits dürfen wir nicht unerwähnt lassen, daß der Verfasser seine Aufgabe als heimatlicher Geschichtsforscher nicht nur ideal aufgefaßt, sondern auch einwandfrei, bis ins Einzelne wahcheitsgetreu und gewi'senhafc ge^öst hat. Das Werk gehört als treu zu behütendes Stammesdenkmal in jede Fa- m i l i e n b i b l i 0 t h e k des Siegerlandes. O e f f e n t l i ch e Bibliotheken werden dieses Werk nicht entbehren können.