Der Seekrieg.
»Ciffingen, 23. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Die beiden belgischen F-ische.rfcrhrzeu.ge „Zeebrügge 8" und .,Z eeb rügge 9", die von Blissingen zur Fischerei ausge- ffahren waren, wurden von einein deutschen U-Boot angehalten. „Zeebrügge 9" wurde nach Zeebrügge gebracht, „Zeebrügge 8" versenkt. Die Besatzung von „Zeebrügge 8" rettete sich nach dem Leuchtschiff Noordhinder, von wo sie gestern nach Blissingen zurückgebracht wurde.
London, 23.Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Der New Borker Korrespondent der „Times" meldet, daß der Passagierdampfer „Espagne", dessen amerikanischen Passagieren von deutscher Seite anonyme Warnungen zugegangen seien, unbewaffnet ist.
Aus dem Reiche.
Admiral v. Pohl f.
Berlin, 23. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Der bisherige Flottenchef Admiral v.Pohl ist hier gestorben.
Dem Verstorbenen widmen die Blätter ehrende Nachrufe. Sie erinnern daran, daß er sich bei der Erstürmung der Tatuforts im Zusammenhang mit der Chinaexpedition 1895 als Leiter des Landungskorps unvergänglichen Ruhm erwarb.
Aus Hessen.
Die Haushaltsberatung.
rb. Tarm st adt, 23. Febr. In der heutigen gemeinsamen Sitzung des Finanzausschusses mit der Großh. Regierung wurde der größte Teil durch die Beratung über Kapitel 8, Badeanstalt und Salzlverk Bad-Nauheim, ausgefüllt, bei welchem verschiedene Forderungen der Regierung vom Finanzausschuß zur Erörterung gebracht ivurdeu. Es handelte sich insbesondere um angesetzte Wenigereinnahmen ans Bade- und Kurgeldern und um Mehrausgaben für Kurmnsik im Winter und die Beibehaltung der Ausgabe von 80 000 Mark für Rellamezivecke. — Darauf wurde die Frage der Zusammenlegung der beiden G y m n a s i e n in Dar m stadt erörtert, nwbei die Regierung entgegen der Anschauung des Finanzausschusses auf ihrem Standpunkt verharrte, daß eine Zusammenlegung der beiden Schulen zurzeit nicht möglich sei. — Bei einer Reihe von Lbrsgaben wurden die vom Ausschuß gemachten Abstriche von der Regierung anerkannt, so beim Kapitel Kunststraßenwesen 60 000 Mark bei besonderen Herstellungen an Straßen, namentlich im Odenwald, ebenfalls 30 000 Mk., auch den Abstrichen bei kleineren Posten im Zcnttalbauwesen, bei „staatlichen und nichtstaatlichen Bansachen" wurde zugestimmt. Die Fortsetzung der gemeinsamen Etatsberatung erfolgt am Donnerstag nachmittag 3 Uhr. »
Neuordnung der Bauverwaltung.
s. T a r m st a d t, 24. Febr. Die Großherzogliche Regierung bat den Kammern einen R c g ie r n n g s a n t r a g zugehen lassen, der A e n d c r lt n g c n in der Ministerialabteilung für Bauwesen zum Gegenstand hat. Danach würden Kapitel 98, Titel I und Kapitel 77, Titel I, des öanptVoranschlags für 1916 in einer -Reihe von Punkten abgeändert. Die Bauverwaltung soll künftig 23 statt wie bisher 19 Vortragende Räte,'6 (bisher 10) ständige Hilfsarbeiter, einen kommissarischen .Hilfsarbeiter (neu), 17 «bisher 18) Kreisbarnnspektoren, 7 (bisher 8) Wasserbau- oder Bauassessoren umfaßen. Ans einer Gegenüberstellung der durch die geplante Neugestaltung bedingten Aenderungen mit dem ge- brmften Hanptvoranschlag für 1916 ergibt sich zunächst, daß der 'Gesamtbettag der dadurch bedingten Weniger -Ausgabe für die Zenttalinstanz 6450 Mark beträgt. Tie Regierung begründet ihren Antrag in einer ausführlichen Denkschrift. Wir greifen, folgende Gesichtspunkte aus derselben heraus:
Die Bestrebungen, die Staatsverwaltung zu vereinfachen, führten bekanntlich dazu, auch die Möglichkeit einer Umgestaltung der Organisation der Baubehörden ins Auge zu fassen. Durch den Kriegsausbruch wurde die Durchführung der bereits begonnenen Neuordnung ausgehalten, die Arbeiten wurden aber nach kurzer Unterbrechung wieder ausgenommen. Zurzeit liegt den zuständigen Ministerien ein Bericht der Ministertalabteilung für Bauwesen vor, worin die Entscheidung über die künftige Gestaltung des Hauptooranschlags der Bauverwaltnng und einige noch offene Fragen der Neuordnung erbeten wird. Schon im Verlauf der früheren Verhandlungen war von der Regierung in 8 Kreisen die nach den Vorschlägen der Denkschrift vom 8. Mai 1913 vorgesehene Organisation bis zu einem gewissen Grad durchgeführt worden, auch hat die Einberufung einer Anzahl von Baubeamten zum Heeresdienst Gelegenheit gegeben, weiter im Sinne der geplanten Neuordnung vereinfachend vorzugehen. Der hierbei beschnittene Weg hat sich als durchaus gangbar erwiesen. Die abschließenden Maßnahmen für die Durchführung hinsichtlich der Lokalbaubehörden, insbesondere die Verhandlungen über das Verhältnis zu den Kreisen, die Verteilung der Kosten, des Personals sowie die Bearbeitung der Entwürfe für die erforderlichen organisatoischen Verordnungen usw. müssen aber vorerst noch zurückgestellt bleiben.
Tie Regierung hat schon früher hervorgehoben, daß für die Bearbeitung der verschiedenartigen zu den Obliegenheiten der Banabteilung auf technischen!, nnd verwaltungsrechtlichem Gebiet gelegenen Aufgaben, die sie dauernd und ständig beschäftigen, und die rhver Bedeuttmg nach von vorttagenden Räten zu bearbeiten sind, ihr die erforderliche Anzahl von solchen zur Verfügung zu stellen sein wird, wie dies auch in anderen Ministerialabtcilungeü der Fall ist. Dementsprechend tväre das derzeitige Mißverhältnis in der Zahl der Vortragenden Räte der Banabteilung zu der der Hilfsarbeiter zu beseitigen, die Zahl der Ersteven zu erhöhen und die der Letzteren zu vermindern.
Dieser Vorschlag entspricht den Richtlinien für die Zusammensetzung der Banabteilung, wie sie duvch> die Regierungserklärung, vom 19. Januar 1914 ausgestellt sind und die auch im Einllang stehen mit d^r Verordnung vom 6. Mai 1903, die Ministerial- abteilnng für Bauwesen betreffend.
Die angestellten Berechnungen ergeben, daß im ganzen be-- rächtet, keine Mehrkosten entstehen, daß vielmehr durch den Wegfall zweier kommissarischer technischer Hilfsarbeiter, dem nur die Mehrkosten der Umwandlung von 4 Hilfsarbeiterstellen in Stellen von vorttagenden Räten und der Zugang der Vergütung für den 'ommissarischen Referenten gegenüberstehen, im Vergleich zu dem letzigen Stand dauernd Kosten gespart werden. ES wird tvei- ter darauf hingewiesen, daß zufolge der Kanrmerbeschlüsse im Jahre 1911 bei der Abteilung für. Bauwesen durch Absetzung zweier vakanter Ratsstellen weitere Ersparnisse eingetreten sind, »vobei der dritte bei dem Ministerium des Innern weg- gesallene Vortragende Rat, obwohl seine Arbeitskraft nahezu gänzlich durch sein Referat bei der Abteilung für Bauwesen beansprucht wurde und deshalb der Stellenverlust ebenfalls hier zu verrechnen wäre, unberücksichtigt bleiben soll. Die Ersparnisse betrugen zusammen 12 7.52 Mk. und sind ,bei Beurteilung der ganzen Verhältnisse jedenfalls mit in Rücksicht zu ziehen. Das Gleiche gilt von der Vergütung des kommissarischen Mitglieds für Elektrotechnik von 2000 Mk., auf die dieser vom Rechnungsjahr 1911 ab Verzicht geleistet hat.
Ein Vergleich der Personalausgaben der Bauabteilung nach dem für die Neuordnung vorgesehenen Stellenplan init dem Jetztstand in Verbindung mit den 1911 einqetretenen Ersparnissen ergibt danach für die Zukunft eine Wenigerausgabe von 6450 4- 12 752 2000 — 21 202 Mk. Dies ist ent im Verhältnis zsm
freu möglichen Ersparnissen bei den persönlichen Ausgaben der Mzirksbauverwaltmtg sehr ansehnlicher Bettag, mit dem der m>u> -pule, de, Finanzlage des Landes Rechtrung zu trageit, wirksam vttnnoet fein dürfte, der aber auch darin seine Grenzett sindett muß, EKJLW** rnidjtigc dienstliche Interessen der Banabteilung dauernd Mchadrgt iveroen.
, Hätte nun die Neuordnung der Bauverwaltnng, wie es nach dem Stand der Angelegenheit durchfükstbar gewesen wäre, am 1. April 191.5 in Kraft treten können, so wäre zu dem, gleichen Zeitpunkt die in Vorstel)endem begründete anderweittge Zusammensetzung der Bauabteilung zu bewirken gewesen. Der Ausbruch des Krieges hat dies, wie schon eingangs erwähnt, leider unmöglich gemacht. Ter hierdurch geschaffenen Lage wurde von Regierung und Landständen bereits insofern Rechnung getragen, als die Aufhebung der seinerzeit ausgesprochenen Sperre
bezüglich der L o k a l b a u b e a m t c it unter Kapitel 77
und 103 des Hauptvoranschlags schon für das Voranschlagsjahr 1915 erfolgt ist uitd dem entspreckend eine
Anzahl von akademischen und mittleren Banbeamten des Lokal- dienstes angestellt werden konnte. Aehnliche Erwägungen verlangen, datz eine gleiche Maßnahme bezüglich der Beamten der Z e n t r a l t n st a n z durch Beseitigung der auch hier tatsächlich seit Jahren, bestehenden Sperre getroffen lverde. Die Regierung ist der Ansicht, daß die Regelung dieser Frage aus diettstlichen Gründen nicht länger znrückgestellt werden kann.
Ans Stützt nnd Cattö.
Gießen, 24. Februar 1916.
3um Ableben Finanzministers a. D. Feodor Gnauth.
Der Oberbürgermeister hat an die Witwe des verstorbenen Großh. hessischen Finanzminister a. D., früheren Oberbürgermeisters und Ehrenbürgers unserer Stadt, folgendes Telegramm übermittelt:
An Frau Exzellenz, Gnauth, Cöln-Mülheim.
Tieferschütternd trifft die Nachricht in Gießen ein, daß Ihr Herr Gemahl nach' kurzer Krankheit entschlafen ist. Wir erinnern uns mit lebhafter Dankbarkeit der langen Jahre, da der Heimgegangene als Oberbürgermei st er in unvergleichlicher Weise die Geschicke unserer Stadt geleitet und in vorausschaueudem Geiste die Grundlagen zu weiterer glücklicher Entwicklung geschaffen hat. Wir gedenken in Treue des aufrechten, treffliches Mannes, zu dent die Bürgerschaft voll Vertrauen und Verehrung emporblickte, tote des hervorragenden Ehrenbürgers, der bis zum Tode freundliche Anhänglichkeit unserer Stadt bewahrt hat. Ich bitte zu dem schmerzlichen Verlust die herzlichste Teilnahme der Sdadtvertretung nnd Bürgerschaft von Gießen entgegennehmen zu wollen. Der Name Gnauth wird in Gießen unvergeßlich bleiben.
Keller, Oberbürgermeister.
Wie wir erfahren, findet die Einäscherung der Leiche heute mittag 1 Uhr in Mainz, den: Wunsche des Verstorbenen und- der Familie entsprechend, in aller Stille statt. An Stelle von Oberbürgermeister Keller, der erkrankt ist, wird Beigeordneter Emme lins die Stadt Gießen bei der Eirtäscherungsfeierlichkeit vertreten. Die9lfche des Verstorbenen soll in Gießen beigesetzt werden.
Für und wider die Dienstpflicht der Frau.
Tie Frage der weiblichen Dienstpflicht ist seit dem Ausbruch des Weltkrieges von berufener nnd unberufener Seite so stark in d-eit Vordergrund des Interesses gerückt worden, daß sich der Verein für Frauenstimmrecht ein unleugbares Verdienst damit erwarb, ivenn er gestern abend eine berufene Sttmme zu diesenr wichtigen neuen Probleme z-u Wotte kommen ließ. Frau Adele Schreiber-Krieger, die als Rcdnerin gewonnen war, er- örtette das schwierige Problem in klarer, sachlicher Darstellung und fühtte etwa folgendes aus:
Der Krieg habe als Begleiterscheinung die Atrerkennung der Frau gebracht, und die Kraft, die in der zweiten Hälfte der Bürgerschaft scheinbar ungenutzt geschlummert habe, solle nun mit einem Schlage durch die Entführung der weiblichen Dienstpflicht nutzbar gemacht werden. Die Att, nne diese Nutzbarmachung gedacht werde, sei äußerst mannigfach und heillos verworren. Auch die Ziele seien sehr auseinanderweichend. Bald solle die Dienstpflicht dazu führen, die Frauett und Mädchenbildnng zu verbessern, bald solle eine Verbesserung des Frauencharakters her bei- gefülnt, bald eine körperliche Ertüchtigung damit erstrebt, bald die sozialen Kräfte der Frau mobil gemacht, bald eine weibliche Wehrpflicht für den Kttegsfall vorbereitet werden. Diese mannigfaltigen Forderungen sollten aber nach Ansicht der Rednerin nur dazu dienen, die Frau vorsichtig zu machen gegen ein einseitiges Gesetz des Mannes in Angelegenheiten der Frau. Sie empfahl daher, Erörtermigsabenfre in den Frauen vereinen ernzusetzen, in denen diese wichtige Frauenfrage nach allen Seiten hin durchberaten lverde.
Hierauf ierläutette die Rednerin die verschiedenen Systeme, die sich mit der weiblichen Dienstpflicht befassen. Zuerst jenes von Prof. Zimmer, dem Kurator der Mathilde Zimmer-Sttftnng, das sich ganz att das Vorbild der militärischen Organisation an- schliest und mit Kasernen, Unteroffizieren usw. arb^tet. Gedacht ist letzten Endes eine Heranbild u ngzurKriegsbereit- schaft im Etappen-, Transport- und VerpflegungSdtenste, sowiS in der Samaribertätigkeit. Die Wehrpflicht der Frau erstreckt sich vom 16.—29. Lebensjahre und zerfällt in Ausbildungspflicht und Kriegshilsepflicht. Vorbereitung dazu ist ein Jahr Ausbildung und Dienstzeit, gefordert wird körperliche und wirtschaftliche Durchbildung, prakttsches Lernen und schulmäßige Unterweisung. Organisiert werden soll das ganze System durch' eine weitschichtige Verwaltungsbehörde, die in einent Frauendienstreichsamt ihren Gipfelpunkt findet. Wie die Rednerin ausführte, ist dieser Gedanke keineswegs zu verwirllichen, da die dlusführung zu kostspielig, die Verwirllichung der Fraueudienststellen, in denen junge Mädchen in einer fremden Familie ein Jahr lattg die Hausarbeit erlernen sollen, undurchführbar, und das verschiedene BildmrgS- niveatt unberücksichtigt sei.
Gemäßigter sind die Leitsätze, die das Münchener I n st i - tut für soziale Arbeit aufstellt. Nach ihnen ist nach einer praktischen Ausbildung in der sachgemäßen Führung des Haushaltes und in der Erziehung von Kindern der Frauendienst in drei Gruppen zu ttennen: Hauswirtschaft, Krankenpflege, Wohlfahrtspflege. Als AttsbildungSzett ist das 17. Lebensjahr angesetzt.
Eine noch andere Form schlage die Pädagogin Helene Lange vor, die wohl anerkennt, daß der Staat über die Leistung in der Familie hinaus einen Anspruch auf die Kraft der Frau habe, und daher ebenfalls Kttegsdienstpflicht in der Verwnndetenpflege, eine vott staatlichen Gesichtspunkten aus geleitete Hauswirtschaft und eine körperliche Ertüchtigung, sowie die Verpflichtung der Frau mx Uebernahme von Einenämtern fordert. Tie Verwirllichung der weiblichen Dienstpflicht denke sich Helene Lange durch eine Verlängerung der Vv l ks s chul P sl i cht.
Tie Rednerin meinte dagegen, daß für die Frau aus den unteren Schichten alles ausschalte, was über ihren Beruf als Mutter hinaus gehe. Die Fratt des Ärbeiberstandes, die ihr Hauswesen verivalte, ihrer Mutterschaft genüge und daneben noch einen Beruf ausübe, lvozn sie sich nach dem Kriege sicherlich gezwungett sehe, sei dem Staate nichts mehr schuldig. Für sie käme nur eine Schulung als Hausfrau und Mutter in Betracht.
Auch in anderer Hinsicht sei die Verwirllichung des Dienst- pflicktgedankens fitt die Frau unmöglich. Ter Staat habe nicht die Mittel, für 600 000 Mädchen 30 000 Lehrkräfte anznstellen und Anstalten zu bauett. Im Frieden sei im Samariterdienst der Kräftebedarf gttreckt tmd im Kriege stättden genügend freiwillige Kräfte zur Verfügung. Auch die Säuglinge, die in Anstalten untergebracht seien, reichte 2 t nicht aus, um 600 000 Mädchen in der Säuglingspflege zu unterweisen. Die f r e i w i l l i g e s o zä a l e Betätigung sei nnserm heutigen Geschlecht so nahe gelegt, daß es für das Drohnentum der wenigen jungen Mädchen, die sozialem Wirke,t fernständen, keines Gesetzes bedürfe. Unbedingt notwendig set nur die körperliche Ertüchtigung, wozu man keines Gesetzes und keiner Frauendienstpflicht bedürfe. Diese könne schoit
erreicht werden durch gemeinsames Turnen und Wan-, der n.
Die wahre Frauendienstpflicht, betonte die Rednerin, ist Mutterschaft. Nicht ein Mann diene im deutschen Heere oder gehöre zum deutschen Volke, für den nicht die Frau dem Staate gegenüber ihr Dienstpflichtjahr abgeleistet habe.
Eine Kriegsdienstpflicht der Frau in der Uebernahme bestimtn- ter Teile der Militärverwaltung im Kriege, biete keinen Votteil, denn unsere Feinde würden sofort von der gleichen Einrichtung Gebrauch machen. Das Interesse des Staates gehe um der Nachkommenschaft willen dahin, Frauen im Heimatdienste zu erhalten. Die Frau als Mutter sei ihm unersetzlich. Wefterhin 'brauche der Staat tüchtige Berufsarbeiterinnen und 'eine organisierte Fr an enberufsarbeit. Diese sei ebenfalls nicht durch «ein früh angesetztes Dienstjabr zu erreichen, denn für soziale und Berufsarbeit zeige sich die Frau am bestert geeignet im reiferen Alter.
Die weiteren Ausführungen befaßten sich im Zusammenhänge mit. dem Vorhergesagten mit dem F r a u e n ft i m m r e ch t. Die Ansicht, daß die Frau dem Staate neue Leistuttgen bieten müsse, um das Stimmrecht zu erhalten, sei irrig. Die Mutterschaft sei eine volle Leistung, wie sie dem Staate nicht schätzenswerter sein könne, daher solle der. Staat auch der Frau die Mitwirkung bei den Gesetzen über die Frau zugestehen. Auch darum solle er der Frau das Stimmrecht nicht vorenthalten, damit sie mit Teil habe an der Verantwortung für das Land. Die Frau hange mehr am Frieden wie der Monn, und um den Müttern und Frauen gegenüber die Schuld am Kriege abzulenketr, müsse der Staat ihnen das Recht _ der Mitbestimmung bei den Schicksalen des Landes geben, damtt die Frau bei einem unvermeidlichetr Kriege die Schuld mit auf sich nehme. Der Krieg habe der Frau die Anerkennung der Zugehörigkeit zum deutschen Volke gebracht. Wenn am ReichStags- bebände die Wotte eingemeißelt ständen: „Dem deutschen Bolke'( jo Möge die Frau nicht ausgeschlossen sein.
. Nach eitter kurzen Aussprache beantwortete die Rednerin noch einige Fragen, die aufgeworfen worden waren. So gab sie anstatt der Verlängerung der Schulpflicht, die zu kostspielig sei, die Möglichkeit von allgemeinen Kursen an, die von den Gemeinden unterstützt würden, oder von B r a u t k u r s e n für berufstätige Mädchen, die vorerst, von privater Seite ins Leben gerufen rverden könnten. Ter übertriebenen Mutterschaftsbewertnng zuungunsten derjenigen, die auf Mutterschaft verzichten müßten, setzte sie die doppelte Aufgabe der Frau entgegen: Mutterschaft und Mütterlichkeit.
Frau Prof. Vogt, die Vorsitzende deS Vereins für Frauen, stimmrecht, dankte im Namen der Versammelten der Rednexin für ihre Ausführungen, die viele neue Gesichtspunkte gebracht hatten.
•* Auszeichnung. Unteroffizier der Reserve Heinrich W e i ß b a ch im aktiven Infanterie-Regiment Nr. 116 erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse.
**Anttliche Personalnachrichten. In den Ruhe- stand versetzt wurde am 15. Januar der Lehrer Christian Schäfer zu Steinbach i. T., Kreis Offenbach, aus sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, mit Wirkung vom 1. Febrttar 1916 att. - Der Groß Herzog hat am 1b. Januar dem Lehrer Christian Schäfer zu Steinbach i. T. anläßlich seiner Versetzung in den Ruhestand das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
** Professor der Theologie v. Hermann Gunkel hat, wie wir erfahren, die Aufforderung erhalten, an der Universität Christiania, deren Ehrendoktor er ist, wissenschaftliche Vorträge zu halten und wird der Einladung im April dieses Jahres Folge leisten.
** Eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusses findet am Samstag, den 2 6.Fetz r u a r, vormittags 9 Uhr, statt. Auf der Tagesordnung steht: 1.Klage des Ortsarmenverbandes Usingen gegen den Landarmenverband F r i e d b e r g wegen Unterstützung des Matthias F i n k b e i n e r von Dannenfels. 2. Klage des Ortsarmenverbandes Friedberg gegen den Landarmen verband Friedberg wegen Unterstützung desHch. Wagner aus Gedern. 3. Klage des Ortsarmenverbandes Darmstadt gegen den Land arme nverb and Gießen wegen Unterstützung der Marie Jochum, jetzt Ehefrau des Anton Wiersch zu Bickenbach. 4. Enteignung von Straßengelände für den Ausbau der Bismarck- und Wilhelmstraße zu Friedberg.
•* Stadttheater. Aus dein Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Prosesior Marcell Salzer — der bekanntlich morgen seinen Vorttagsabend hält, hat bereits große Sutnmen aus seinen Einnahmen der Krtegssürsorge überweisen können. Marcell Salzer hat einen großen Teil seiner Tätigkeit gleich hinter unsere Fronten verlegt. In jüngster Zeit war er im Oesterreich-Ungarischen Hauptquartier und hat dent Feldmarschall Erzherzog Friedrich und seinem Geiolge Dichtungen österreichischer und reichsdeutscher Dichter vorgetcagen.
** Ausstellung der Alice schule. Am Freitag und Samstag den 25. und 26. Februar veranstaltet die Abteilung I der Aliceschule in dem zum allen Schloß gehörigen HauS, Sonnenstraße 2, eine Ausstellung der während des Winters in frei* Schneider-, Weißzeug-, Stick- und Bügelkursen angeferliglen Arbeiten. Unsere Frauen und Töchter machen wir auf diese Ausstellung, deren Besuch unentgeltlich ist, ganz besonders aufmerksam. Geöffnet ist sie an beiden Tagen von 10—6 Uhr.
** Stenographie. Da aller Voraussic^ nach die nach Ostern begmuendert Stenographiekurse sehr stark besucht werden, beabsichttgt die Stenographengesellschaft „G a b e l s b e r q e r" und Damenabteilnng (E. V.), um einer Uebersüllung dieser Kurse vor- zubeugen, beretts am 2. März in ihrem Unterrichtslokal, Kirch- straße 11, wieder einen neuen Anfängerlehrgang in der Gabels- bergerschen Stenographie zu eröffnen. Damen nnd Herren, welche die Absicht haben, die Kurzschrift zu erlernen^ seien schon heute auf die Anzeige in unserer heutigen Nummer hinge wiesen.
**Nochmals ein Mietwohnungsschwindler. Trotzdenr wir an dieser Stelle vor einigen Tagen cmf das Treiben von Mietwo'hnnngsschwrndle-rn hinwi-esen, ist es abermals einem solchen Menschen gelungen, eine Frau erheblich zu schädigen. Nachdem der Betrüger eine Nacht in ihrer Wohnung geschlafen hatte, entfernte er sich unter Entwendung einer goldenen Damen-, 'einer goldenen Herren- Uhr und eines goldenen Mnges mit schillerndem braunen Stein. Der Schwindler wollte Kriegsinvalide und wn der Bahn als Weichensteller angestollt sein. Vor derartigen Schwindlern sei nochmals gewarnt.
** Der Matthias ta g. Bei der ländlichen Bevölkerung Deutschlands «gilt dieser Dag, der 24. Februar, als Endpunkt des Winters. „Mättheis bricht's Eis" ist ein Sprichwort, das in den verschiedensten Gegenden Deutschlands anMtre ffen ist. Zwar sind auch nach dem Matthias tag noch kalte Sttirme, Schnee und Eis zu erwarten, aber die Sonne ist um diese Zeit doch schon wieder Häher gekommen, und wenn noch Kälte eintritt, so ist sie gewöhnlich nicht mehr von langer Dauer. Mit dem Mlatthiastag sollen die lvinter- lichen Arbeiten in Hans und Hof abgeschlossen sein, und der Landlvirt trifft seine Vorbereitungen für die Frühjahrsbestellung der Felder nnd für die Dtssaat. IN verschiedenen Gegenden Deutschlands ist es Brauch', daß ant Matthias- tag H ins, Stall, Scheunen und Hof von allem Schmutz und von allen Ueberbleibseln, die der Winter nnd die winterliche Arbeit gebracht haben, Mündlich gereiniat lverden. Haus und Hof sollen gewissermaßen aus die Ankunft des Frühling vorbereitet lverden. Auch mancherlei Volksglauben hängt nnt dem Viatthiastag zusammen, der allgemein als Glücks- tag gilt.


