Ausgabe 
17.1.1916 Zweites Blatt
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gtf aMttg. fofe Bfefe V^KSuKg zu Zven ist. Dös ist die Auf­gabe mrfeves General- uni» Marinestctbes. Uber wir haben nach aflebem, was unsere Armee und Marine geleistet haben, die feste Ueberzerrgung. daß sie die Kraft und das Können haben, auch diese Vergeltung zu üben. Wir hegen die Hoffnung, daß sie so ausfallen wird, daß das verletzte Gerechtigkeitsgefühl des deutschen Volkes und die Verletzung der Sitten der ganzen WePt iZhiL Sühne finden wird. (Stürmischer Beifall.)

Abg. Dr. Ortttt (Kons.>:

, VL»e so erfreuliche tiefe U e be r e i n st i m m u n g d« d^em Anschauungen hat der Deutsche Reichs­tag, solange ich ihm angehöre, selten oder fast nie gezeigt wie heute. (Zustimmung.) Der Berichterstatter, der Vertreter der s^ialdemokratiscken Partei waren vollkommen einig in der Auf­fassung und in der Grundlinie ihrer Betrachtung. Ich könnte etgentLch nur wiederholen, was die anderen Herren schon vorher gesagt haben und kaum ttgendwo eine andere Abtönung oder Schattierung aufsetzen. Einig sind wir alle in dem herz­liche« Danke und der unumwunden hohen An- e r U-ajtn n 3 unserer Kämpfer, die sich gegen die feige, erba«miche, jämmerliche und nicht scharf genug zu brandmarkende Mordtat der Engländer richteten. Überrascht find wir. die wir dre Eigenart und Entwicklung des englischen Charakters kennen, durch diese Mordtat nicht. (Sehr richtig!)

«- . '? n i c 5. n b erschämtheit erreicht allerdings den Gipfel, beinahe dm Grenze der denkbaren Möglichkeit, in der Geschichte werden sich ähnliche Beispiele heimtückischer Feig- h e i t wenig finden. (Zustimmung.) England reiht sich durch diese Tat den schlimmsten und verabscheuungswürdigsten Taten an, die in der Weltgeschichte vorgekommen sind. (Sehr richtig.) Die deutsche Sprache, nicht nur die parlamentarische, sondern auch die des Volkes hat kein Wort, das scharf genug wäre, dem Ausdruck zu verleihen, was wir alle und was auch die Völker draußen, so­wei t sie sittlicher Regungen noch fähig find, empfinden. (Sehr richtig.) Dieser Tat müsien wir das schärfste Maß der Verachtung cntgegenbringen, eine Verachtung, die die Tat und ihre Tater aus dem Bereich der MenMichkeit und des Menschen­tums weist. Die deutsche Regierung hat vornehm gehandelt, wenn sie die Aburteilung der Verbrecher in der ersten Note verlangte. Vielleicht hätte man sich diese Note ersparen können. Aber ich bin durchaus mit ihrer Absendung einverstanden.

Gegenüber dem korrekten, einwandfreien Verhalten der deutschen Regierung hat sich die englische Regierung zu einer Dntzvort verstiegen, deren Ton ich auch der fetzigen britischen Regierung nicht zugetraut hätte. Sie übersteigt das Maß deffen, was man von ihr erwarten durfte. Wir wollen ja Fremdworte nach Möglichkeit vermeiden, deshalb dürfen wir hier von einer höhnischen hämischen Unverschämtheit sprechen. Ein kaustischer Hohn geht durch diese Note, der sonst in diplo­matischen Verhandlungen doch eigentlich ungewöhnlich ist oder zahmer cmgewendet wird. Die englische Note hat aber die Sache, geklärt und deshalb auch etwas Erfreuliches gehabt. Bis jetzt! handelte es sich nur um die Mordtat eines einzelnen englischen! Schiffskommandanten. Mit Recht hat die deutsche Antwort vorgehoben, daß die englische Regierung nunmehr selbst die Ver-! üntwortung für das Geschehene übernommen hat. Was wirj dagegen tun, muß sich nun richten gegen die Regierung., die die Tat zu ihrer eigenen macht. (Beifall.) Die! von der deutschen Negierung ausgesprochene Erwartung, daß eirp Gerichtshof auö englischen Seeoffizieren die Untat ebenso be°l urteilen werde, wie die deutsche Regierung, mißbillige ich nichts wie es vielleicht geschehen könnte, sondern gestehe: gerade barin liegt die schärfste, und wenn Sie wollen, auch eine etwas höhnische Kritik dessen, wessen man sich von der englischen Regierung ver- sehen soll.

Die Entrüstung im Lande ist ungeheuer, die Regierung muß mit rhr rechnen. Das Volk erwartet nicht, daß wir etwa die Engländer in den von mir gekennzeichneten Eigenschaften über­treten; dessen sind wir nicht fähig, das entspricht auch nicht dem Ernst der Sache. Wir wollen die Engländer be­handeln ml! der Verachtung, die jeder ehrliche, inner- lich anständige Mensch nicht nur den Mördern, sondern noch mehr dem Gebaren der englischen Regierung entgegenbringen muß. Die Tat muß folgen. Es wäre töricht, wenn wir uns hier über Abwchrmaßregeln aussprechen wollten. Aber nngesühn.t darf die Unverschämtbeitder britischen Regie- rung nicht bleiben, ungesühnt dürfen unsere Seehelden, denen unser Dank in ihr feuchtes Grab hineinleuchtet, nicht geswrben sein, und das deutsche Volk darf erwarten, daß die Sühne seinem Gefühl entgegenkommt und die deutsche Regierung mit aller Entschiedenheit von den Mitteln, die sie in der Hand hat, Gebrauch macht und die englische Regieruna zu strafen, wie sie es verdient.

In dieser Erwartung sind wir alle einig. Mit Ausnahme eines, der nicht mehr ernst zu nehmen ist. (Lebhafte Zustim­mung.) Alle ernsten Männer des Hauses sind darin einig, und jeder im deutschen Volke, soweit er denken und zu urteilen ver- mag, wird der Regierung dankbar sein, wenn sie entschiedene Sühne eintreten läßt für das. was die Welt hat sehen müsien cnr Fürchterlichem, Entsetzlichem. (Zuruf des Abg. Liebknecht: Me Kriegshetzer sind darin einig!) Ich fteue mich, daß ich es noch erleben kann, einer so erhebenden Einmütigkeit in der Auffassung aller von rechts bis links zu begegnen, das läßt uns mit guter Zuversicht in die Zukunft hineinblicken auf die letzte Entschei- düng. Hält diese Einigkeitaus, dann müssen wir siegen, dann werden wir unbedingt kieaeuk (Lebhafter Beifall.)

Gketzener NonzcrtvcrelU.

Wenn ein etwas bunt zusammengesetztes Programm wie das des gestrigen Konzertes so vortrefflich wiedergegeben wird, schweigen alle Bedenken gegen eine solcl)e Zusammenstellung. Tie Aus­führung schafft die Einheit, die der Auswahl zu fehlen schreit.

Mit W. A. Mozarts Arie der Konftanze aus derEntfüh­rung ans dem Serail" leitete Frau Hermrne B 0 s e 11 i den Abend mit gutem Gelingen ein. Es folgte, von Herrn Joseph S z i g e t 1 gtzspielt, Giuseppe Dartinrs Sonate in G-Moll Der T-eufelstriller", von der Joseph Joachim schrieb, er zähle sie zu jenen seltenen Kunstwerken, die deshalb so unbezwinglich wirken, weil uns ans ihnen die innerliche Erregung des Schaffen­den wie mit lebendigem Hauche zn atmen scheint: mit ihrem quel­lenden Fortgang bald zarter, bald leidenschaftlicher Tonwellen, ihrem wehmutsvollen Larghttto, dem bald energischen, bald necki­schen zweiten Satz, den: ^männlich stolz-en und leidenschaftlich be­wegten Finale mit dem Teufelstriller (im Traum soll Tartini der Teufel erschienen sein, diesen Triller gespielt und ihn so zu, dem Werke inspiriert haben) t- verlange sie eine Wiedergabe, für die eine bloss technisch-virtuose Ueberwindung der Schwierigkeiten nicht ausreiche; es bedürfe einer durchgeistigten Technik, die ihr Hauptaugenmerk auf das charakteristische Gestalten richte. Herr I. Szigeti wurde all diesen hohen Anforderungen in hohem Masse gerecht und bot den Hörern dtrrch seine geniale Wiedergabe einen, unvergleichlich grossen Kunstgenuss. In der später folgenden A-Mvll- Sulle von Sin ding übertraf der Geiger sich selbst und hob so dies Werk auf eure ganz rmgeahnte Höhe. Man weiss nicht, was man an diesem jungen ^Künstler mehr bervmrdern soll, die leiclst- flüssige, nie versagende Technik, sein meisterhaft ausgeführtes Spic- cato, die spielende Neben vrndmrg subtilster Schtvrerig ketten, wie das Oktavspiel in de:: höchsten Lagen, seinen rdeal schönen Ton, sein atembezwingendes wunderbares Piano oder die gesunde Herb­heit und Abgeklärtheit seiner Auffassung. Szigeti gehört trotz seiner Jugend schon heute zu (bat grossen Meistern seines Instruments.

Von den Liedern gelangen Frau Bosetti für mein Emp­finden am besten SchubertsFovelle" undGrctchen am Spinnrad", sodann die vier Lieder von Wolf, insbesondereEr ist's" bei Schumann 'sdie Lotosblume" rmd ,cher 9hi&f= bäum" fehlten Poesie und Wärme. Frau Bosetti gerät am besten das spielerisch leichte (was technisch bekaimtlich das schwerste ist) sowie das drantatische, dagegen tveniger das rein poetische.

Köstliche Gaben bot Herr Szigeti dann noch mit derAir" von Gvldmart, mit Fritz Kreisler'sWiener Caprice" und Jenö Hubay'sHejre Kati" auch hier war es seine ge­sunde, allem weichlickxen ferne Auffassung, die diesen Stücken vor­trefflich zustatten kam. Wie Szigeti den Rhythmus behandelt, ist vorbildlich und von eigenem Reizt; sein MagWÜHpiel ist über­irdisch, schön, . * *>

ttnfetfhwfefefretar rm Auswärtigen Amt Zirmnerrntnnn

Mil aufrichtigster Genugtuung habe ich auch namens der Regierung die Einmütigkeit festzustellen, mit der Sie. das deutsche Bol! und die Regierung den schmählichenSara* Cottg=^örT de m rteilen. Der empörende Vorfall, die

pertinente englische Antwort sind von Ihnen in gebührender Weise gekennzeichnet worden. Es bedarf keines Wor- tes von mir, um noch weiter die empörende Tat der Engländer M unterstreichen. Ebenso besteht Einigkeit darüber, daß scharfe Sühne notwendig ist. Auch hier stimmt die Regierung volllom- chen mit Ihnen überein, und ich danke Ihnen namens der Re- grerung für die erhebende Art und Weise, wie Sie Ihrer Ent- irüstung und Empörung Ausdruck gegeben haben. Ich kann Ihnen versichern und bitte Sie, diese Versicherung auch mit nach Hause zu nehmen daß bie Regierung die richtigen (Mittel und Wege finden wird, um diese em­pörende Tat scharf und nachdrücklich zu sühnen. <Lebhafter Beifall.)

Abg. Ledebur (Soz.):

In der Beurteilung des FallesBarakong", der Untat englischer Seeleute gegenüber tapferen deutschen See­leuten weiß ich mich mit allen Vorrednern eins. Die gleichen Empfindungen habe ich auch schon im Ausschuß zum Ausdruck gebracht. Selbst wenn die Parallelfällc über angebliche Untaten deutschen Seeleute ebenso beweiskräftig gewesen wären, wie sie sich nicht erwiesen haben, so würde es doch zurückzuweisen sein, darauf hereinzufallen, denn die englische Negierung handelt hier wie der verfolgte Dieb, der ruftHaltet den Diebtt Einige Vorredner haben sich aber zu historischen Unrichtigkeiten hin­reißen lassen. Nicht das englische Volk ist auf eine tiefere Stufe herabgesunken, sondern höchstens die englische Negierung. Das erkennt ja auch die deutsche Note selbst an, wenn sie sagt, daß englische Seeoffiziere die Tat genau so verurteilen würden wie die deutsche Negierung. Der I7-Boot-Krieg darf nicht über die Grenze hinausgehen, die angesichts des ,. Lust tan ia" -Fall es gezogen worden ist. Vergeltungsmaßregeln sind immer eine zweischnei­dige Waffe. Gegen Uebergrifse, die sich mit der Menschlichkeit nicht vertragen, müssen wir von vornherein Protest erheben. Mögen die Vorgänge dieses furchtbaren Krieges für die Zukunft wenigstens eine Milderung der Kriegsführung zur Folge haben.

Ein Schlußantrag wird angenommen.

Abg. Dr. Liebknecht (Wild):'

Hierdurch bin ich leider verhindert, dem zu widersprechen, Laß ein an und für sich außerordentlich bedauerlicher Vorfall zum Gegenstand der Debatte zum Zwecke der Volker-Ver­hetzung . . . . (Großer Lärm. Lebhafte Pfuirufe. Die Glocke des Präsidenten hindert den Redner am weiteren Sprechen.)

Das Haus vertagt sich.

Montag, 11 Uhr: Fortsetzung der Beratung der wirt­schaftlichen Maßnahmen; Zensur und Belagerungszustand.

Schluß 334 Uhr.

Au§ dem Reiche.

Der Kaiser.

Berlin, 16. Jan. (WTB. Amtlich.) Seine Majestät der Kaiser hat sich nach völliger Wiederherstellung seiner Gesundheit heute nachmittag auf den Kriegsschauplatz be­geben.

Kaiser und Reichskanzler.

Berlin, 15. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Der Kaiser hatte sich beim Reichskanzler zum Frühstück ungesagt. Hierzu erhielten Einladungen: Generalgolwerneur von Bel­gien, Generaloberst v. Bessing, Genralgouvevnenr von War­schau, General v. Beseler, Vizepräsident des Staatsministe- rinms, Staatsminister Delbrück, Staatssekretär des' Aus­wärtigen Amtes, Staatsminisber Jagow, Präsident des Herrenhauses, Gras Arnim-Boitzenburg, Präsident des Ab­geordnetenhauses, Graf Schwerin-Loewitz, Präsident des Retchlsbantzdirettorinms v. Härenste itt, Unterstaatssekretär in der Reichskanzlei, Wahnschaffe, Verwaltungschef beim Generalgouvernement in Warschau, Dr. v. Kries, Gesandter Dr. Krupp votr Bohlen und Halbach, die diensttuenden Flügeladjutanten Major Graf Moltke und Major von Hrrsch- seld.

Die Brotverteilung.

Berlin, 16. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) DerReichs­anzeiger" veröffentlicht eine Ministerialverordnnng, nach der die Verbrauchsmenge von Getreide und Mahlprodukten für landwirtschaftliche Betriebe von vierhundert Gramm Getreide auf dreihundert herabgesetzt wird. Weiter wird durch die Verordnung angeordnet, daß Personen, die keinetr eigenen Haushalt führen, also auf den Bezug von Mehl nicht angewiesen sind, einen Ausweis er­halten, der nur zum Brotbezug e berechtigt. Die Brot-

Einen wundervollen Abschluss fand der Abend mit W. A. Mozarts Arie aus dem königlichen Schäfer mit obligater Vio­line. Singstinrme und Violine kamen hier in einzigschönem Zu­sammenklang zur Geltung. Ter unermüdliche Beffall der Zuhörer erzwang eine Wiederholutrg dieses göttlichen Mozart.

Herr Professor T r a u t m a n n begleitete am Bechstem-Flügel stur bei solch' ausgezeichneter Begleitung kann alles so vortreff­lich gelingen, wie es hier geschah. Die Zuhörerschaft füllte den Saal bis in die letzten .Winkel und dankte beifallsfreudig für all' die schönen Gaben. - 0 -

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Das Mannschasts-rrriegsarchiv.

.Wenn unsere Feinde oft mit ebenso viel Hohn wie Verständnis­losigkeit vom deutschen Militarismus sprechen, so verkennen sic, dass zwischen dem, was sie Militarismus nennen, urrd den Geistes- wissenschaften in Deutschland der engste Zusammenhang besteht. Mit Recht darf daher.Friedrich Mattel in einem Aussätze des jüngsten Heftes derGrenzboten" den Zweifel aussprechen, ob in den Ländern unserer Feinde gleichermaßen natürlich und folgerichtig eine so erstattnlich freiheitliche Einrichtung, wie die des deutschen Mannschafts-Kriegsarchives hätte hervorwachfen könnet,. Das Mannschasts-Kriegsarchiv geht von dem Gedanken aus, dass, will Wan die Lehren dieses Kriegs feststellen und die Front­erfahrungen sammeln, es keineswegs genügt, das Offizierserlebnis als alleinigen Ausgangspunkt zu wählen. Wir müssen vielmehr der Tatsache in weitem Mass Rechnung tragen, dass die Soldaten- lätigkeit, seitdem im Heere eine tiefgreifende Arbeitsteilung ftatt- fand, zu einem ansehnlichen Telle ausserhalb der unmittelbaren Offtzierserfahrung steht als reines Mannschaftserlebnis. Es gilt daher, deit Däann so freihellltch wie nur möglich und unter den günstigsten Bedingungen zur AeußetTung zu bringen. Diese Auf­gabe darf nicht bis zünr Kriegsende hinausgeschoben, sondern muss vorgenommett werden, so lange die Masse der Krieger noch erreich­bar ist, in ruhiger Umgebung, wenn der Mann bereits Abstand zu dem Erlebten gewann imb sich von den Aeussernngen der Kompagnie- genossen überwacht weiß. So entstand vor Jahresfrist eine Gattung von Kriegsarchiven, die in ihrer Art neu ist. Sie wird beispiels­weise in der Weise gebildet, dass jeder aus dem Felde oder dem Lazarett Anlangende sich auf dem Archive des Regiments zu melden hat. Dort erfolgt eine zioanglose, aber eingehende Unterhaltung, die dem Manne die Zunge lösen soll und dem Archivare bald sagt, was er vMt jenem erwarten kann, ob er zur Abschrift Tagebuch, Kriegsgedichte, ausführlichere Feldpostbriefe zur Verfügung stellen kann, oder über lvelches besondere Ereignis er Bericht zu erstatten vermag. Grtmdsätzlich wird angeftrebt, daß sogar der völlig Schreibgewcutdte sich mit der dtt-ederschrrft seiner Erlebnisse ver­steht. Eine Weigermrg erfolgt fast nie. Den entfachen Wattn lockt morst die Aussicht, auf solche persönliche Art zur Regimetttsgeschichte heisuttag«r Md einen jauberM SchVWtaschiMtchurchMäg seiiter

und Metzlkarten dürfen weiter für vierzehn Tage ein Kilo- grarmn Mehl aus den Kopf nicht überstetgen.

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Berlin, 15. Jan. (WTB. Nichtanttlich.) Anläßlich des sünftrndzwcrnzigsten Gedertktag-es der Ueb er nähme des Schutzgebietes von D e u t s ch 0 st a f r i k a in die Ver­waltung des Reiches stellte die deutschostafrikcmische Gesell­schaft dem Staatssekretär des Reichs-Kolonialamts Dr. Solf 2 5 000 Mk. für Zwecke der kolonialen Kriegsfür- sorge zur Verfügung. _

Aus Mexiko

El Paso, 16.Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. H u e r t a ist t 0 t. Das Kriegs­recht ist erklärt. Die Polizei, amerikanische Soldaten und Bürger umzingeln die Mexikaner, um sie zu vertreiben. Ein heftiger Kämpf ist im Gange; viele sind verwundet.

Washington, 16. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus : Der Gesandte Carranzas in Washington hat Lansing gegenüber ausdrücklich versichert, daß seine Re- gierttng die Ermordung von Amerikanern durch Trup­pen Villas bedauere. Der Gesandte versicherte, daß Schritte getan werden würden, um den Zustand im Staate Durango, wo Aus­länder beraubt worden seien, zu bessern. Länsing hat die Ameri­kaner in den revolutionären Bezirken Mexikos nochmals gewarnt. Das Vorgehen der Regi-erung Carranzas ist zwar bisher befrie­digend, aber wenn nicht entschiedene Maßregeln ergriffen wür­den, so könnte zwischen den Vereinigten Staawn und der Re­gierung Carranzas ein Zwist entstehet. Wie weiter gemeldet wird, telegraphierte Carranza an Lansing, daß seine Truppen die Mörder der 18 amerikanischen Bergarbeiter in Chiuahua verfolgen und bestrafen werden. Das Kabinett beschloß daraufhin, Mexiko gegenüber die gegenwärtige Politik fortzusetzen und sich darauf zu verlassen, daß Carranza die Mörder besttaft und die Ordnung wieder l>erstellt. Senator Lewis hat einen Antrag eingebrackst, den Präsidenten zu ermächtigen, von Heer und Flotte Gebrauch zu machen, um die Ordnung in Mexiko wieder hcrzustellen, wie es in Haitt und Nikaragua geschehe.

Gießener Strafkammer.

th. Gießen, 15. Januar.

Gestern verhandelte die Strafkammer unter Vorsitz des Land­gert chtsrat Funk fünf Aussagen.

Eines Vergehens gegen die Marktordnung war der Wildbrethändler Wllh. H. in Giessen an geklagt, er soll trotz des Verbots als Wiederverkäuser Einkäufe auf dent Wochew- marft gemacht haben. Das Schöffengericht hatte den Angessagtcn sreigesprochen. Die Strafkammer war der Ansicht, H. sei des ihm zur Last gelegten Vergehens schuldig lmb erkannte gegen ihn auf eine Geldsttafe von 25 Mark und die Tragung der Kosten.

Hinter verschlossenen Türen wtrrde gegen den 40 jährigen Schlosser Joh. H. von Vilbel wegen Sittlichkeitsvcrbrechett an einer Minderjährigen verhandell. Aus dem öffentlich verkündeten Urteil ging hervor, daß der Angessagte wegen der gleichen Straftaten bcretts viermal vorbestraft ist, daß die volle Vercuttwvrtlichkell in strafrechtlicher Bezie^rng nach dem Gutachten des Kreisgesundheitsamtes Friedberg gegoren ist, und dass der Mann der Tat überführt worden ist. JU Rücksicht aus die UnVerbesserlichkeit des H. erkannte die Kammer aus eine Ge­fängnisstrafe von 8 Monaten.

Der erste Fehltritt einer Jugendlichen.

Tie 15 Jahre alte Marie G. bon.Giessen soll ihrer Schwägerin! aus dem Vertibow mittels Dietrich den Bettag von 20 Mark ent­wendet haben. Das Mädchen war in einem Geschäft tättg. Sie eignete sich dort aus dem zufällig unverschlossenen Schrank einen Geldbetrag von 7080 Mark an. Weiter unterschlug das Mädchen ^ eine seidene Bluse im Wette von 12 Mark, welche sie als Dopf^l- bries der Post übergeben sollte. Die iugettdliche Angessagte hat den Zeugen gegenüber und auch dem Schutzmamt Stock im Bor- versahrett ein Gestätrdnis abgelegt, das sie in der Hauptverhandlupg widerrief. Trotz der früheren Gfftändnisse für alle unter Anssage gestellten Sttaftaten verutteilte sie die Kammer nur wegen ein­fachen Diebstahls zu 2 Wochen Gefängnis. Wegen des schwe«n Diebstahls zum Nachtell ihrer Verwandten erfolgte Freisprechung, weil die Möglichkeit besteht, dass ein Anderer diese Tat begangen hat, ebenso sei die Angessagte auch wegen Unterschlagung srei^tk- sprechen, well deren Angabe, sie habe den Doppelbrief mit Jnhcllt verloren, nicht widerlegt erscheint.

Bie hseuchen-Vergehen.

Der Schweinehändler Heinr. E. von Gonzenau ist geständig, 15 Ferkel, die er aus dem Markt in Fulda gekauft hat, nach der Stattvn .Hartmannsham verladen zu haben. Er hat die Tiere dann aus- geladen, in den Stall des Bürgermeisters Per bracht, ohne, ehe er die Tiere anslud, als von Preußen in Hessen elltgefühtt, betnt Bürger­meister und dem Kreisvttettnärarzt anzumelden; er hat auch dickTicre nicht ärztlich untersuchen lassen Und diese auch nicht, wie vorgeschrie- bett, in einem Beobachtungsstall üntergebracht, ehe er sie im Gross- Herzogtum weiter verkaufte. Ter Angessagte hat damit in mebreren Pirnkten gegen die Seuchenvvrschttsten verstoß eit. Er hat aber weller den Gonzenauer Beigeordntten veranlasst, ihm eine Bescheini­gung zu erteilen, wonach die ip. iFnlda, aus einem preußischen Markt, gekauften Ferkel aus einer Gonzenauer Zucht entstammen. Der Bei-

Mitteilungen zu erlangen.^ Was in diesen Anfzetchnungen kriegs- I technisch von Belang ist, wird nach Stichwvttcn vermerss ttttb liegt in einer Kartothek geordnet, jederzeit zur Verwendung vor. Haupt-, zweck wird dieses Kttegstechttische iit der eigetttlichen Erhebungs-- arbeit des Archivs. Sie erfolgt mittels eines aus das sorgfältigste ausgearbelleten Fragebogens, der z. B. bei einem Jnfanterie- regtment mit 40 Einzelftagen folgende Gäbiete umfasst: das offene Gefecht im Beivegungskrieg, das Gefecht im Stelltingskrieg, dte Feuertätigkeit, die Ausrüstung, die Verpflegung, die sriedens- mäßige Ausbildung, den Sanitätsdienst, das Seelische und den Feind. Ein solcher Frageblock wird jedem Mann, der genügend lange Frontersahrung besitzt, zur Beanttvottung während des Urlaubs mitgegeben und bei der Rückgabe vom Archivar gemein­sam mit dem Beantworter durchgesel-en. Dies ungeheuere, ge-' stchttte und ebenfalls nach den Hauptiverten in einer Kartothek zur Bearbeitung bcreitgestellte Material ist für die Fortentwickelung unserer militärischen Rüstung besonders wettvoll. Wir iverden nnssen: so Und ntcht anders hat der detttsche Soldat sein Gewehr bedient; setne Verpflegung spielte sich in diesem Rahmen ab, dieser' Tetl setner Bekletdung erwies sich als schleckst, jener n>ar gut usw Auch wtte nnmtttelbaren Aeußertmgen der Leute über wünschens­werte Aenderungen und Resorinen in der Ausbildung, der Bervaff- ntmg, der Gepäckvetteilung werden so zugänglich, und schließlich eröffnen dtese Antwotten st'tt die Psychologie des Krieges und des deuffchen Soldaten eine Fülle von Quellen.

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< rei musikalis ch e Uran fführ n ngen in Dres- den. Aus Dresden wird uns geschrieben: Das junge D r c s - dener Philharmonische Or che st er brachte in seinem 8^ Stnfoniekonzerte nicht weniger als drei Uraufführungen. Zwei Dresdener Komponisten^ Paul Büttner und der junge Hof- kapcllmeister Kurt Striegler kamen zu Wott. Beider Werke wurden mit außerordentlichem Beifall aufgenomnten. Paul Bütt­ners F-Dur-Sinfonie ist eine schwere, grüblerische Mtisik voll inneren Kampfes, die Beethoven, Bruckner zu Ahuett hat, eine im Breiten, großliyig, mächttg daherrauschende Musik mit eigen­williger rhytlyntscher Dessamation und dämonffchem Einschlag. Auch die ekstatische Hingeriss-enheit der Geste und Mimik, mit der der Komponist dittgierte, vertt-et, daß hier slawische Elemente vor­handen sind. Das Orchestet ist von oft wirssich übersättigter Farbenglut, aber der dicke Auftrag schadtt dem Wette ebenso, wie sein Mangel an äußerer Konzentration. Ohne Ziveifel spricht sich hier eine ungewöhnliche Persönlichkeit ans. Biel einfacher, fttscher, unbekümmerter fließt die orchestral ebenfalls fast zu glänzende Näusik Kurt Sttteglers daher. Sowohl der den Manen der Gefallenen gelvidineteEpilog" wie die sinnfällige Kriegs- musik1914" sind Gaben einer leichtproduzierenden, sprudelnd- musikalischen 9iattir. Der kaum Dreißigjährige wird noch zu er- wessen haben, ob er uns auch Dieses und Bedeutendes' zu sagen hat und bedeutend darznstellett weiß.