Ausgabe 
17.1.1916 Zweites Blatt
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der Beamte im Kriege me Br haben so ll «13 im

Frieden! (Beifall.) Die anderen Volksgenossen haben doch letzt so schwere Einbußen, warum soll der Offizier da mehr er­halten ! Den Wünschen auf Erhöhung der Mann­schaftslöhne stehen wir sympathisch gegenüber. Auch dem An- trag auf eine' Revision der Gehälter der Offiziere stimmen wir zu.

Abg. Dr. Spahn (Zentr.):

Wir treten für die Beschlüsse des Ausschusses ein. Die Not­wendigkeit einer Reform der Besoldungsordnung ist klar. Der leitende Grundgedanke muß dabei sein: Einfachheit und Sparsamkeit. Eine Erhöhung der Mannschaftslöhnung ist erforderlich. ^Es muß erwogen werden, ob eine Erhöhung um 60 Prozent möglich ist. Die Löhnung ist ja ohnehin nur ein Zuschuß.

Abg. Krcth (Kons.):

Wir wollen unseren tapferen Soldaten draußen und im ^.ande m o g I i ch st p i e l z u k o m m e n lassen. Sie sollen eine möglichst gute Löhnung haben und, wenn es möglich ist, auch eine Aufbesserung der Löhnung. Früher hielten die Volksvertreter den Daumen auf dem Beutel, und die Negierung mußte ihnen leden Groschen abringen. Jetzt ist das anders. Jetzt bedrängen wir die Regierung, uns das Geld abzunehmen. (Heiterkeit.) lieber die Kommandogewalt des Kaisers und die Besoldungsordnung wollen wir uns jetzt nicht unterhalten. Das führt zu unfrucht­baren Gegensätzen. Wir verfolgen ein praktisches Ziel und lehnen die Kürzung der Gehälter ab. Zehn Millionen will man ersparen. Zehn Millionen sind eine Masse Geld, aber wenn sie zur Auf­besserung der Mannschaftslöhnung dienen sollen, so ist cs sehr wenig. Die Kürzung der Gehälter unserer .Heerführer würde einen schlechten Eindruck im Ausland machen. (Sehr richtig!) Die Offiziere haben viel Nebenausgaben. Zu einem Kommandeur kommen z. B. Befehlsempfänger durch Lehm und schlechte Wege. Diese Leute kann er doch nichtungegessen und angetrunken", wie man zu sagen, pflegt, wieder gehen lassen. Nein, er muß sie zu Tisch ziehen. Das kostet Geld. Die R e f o r m d e r O f f i - ziergehälter ist eine Sache der Heeresleitung und Finanz­verwaltung. Kommen Anregungen von dort, so werden wir uns nicht sträuben. Die borgeschlagene Entschließung lehnen wir aber aus grundsätzlichen Erwägungen ab. Wenn ein Ostpreutze im Westen steht urid ein Süddeutscher in Rußland, so kostet eine Urlaubsreise sehr viel Geld. Es ist erfreulich, daß diese Frage wohlwollend geprüft werden soll. Mr danken Gott, daß er uns in^ dieser Zeit Männer gegeben hat, deren Führung wir uns unbesorgt anvcrtrauen. können. (Beifall.)

Abg. Werner-Hersfeld (Refp.)

bittet um Abstellung von Härten bei den Unterstützungen.

Abg. Stücklen (Soz.):

Meine heutigen Ausführungen über die Reformbedürftigkeit der Offigiersgehälter stehen nicht mit früheren Aeußerungen im Widerspruch. Mit Geldwert sind die Kriegsleistungen an sich nicht zu bezahlen.

Die Beratung schließt.

^ D i e Abstimmung wird am Montag erfolgen.

..Mslong."

Verabredungsgemäß wird jetzt dieBaralong"-Angelegenheit besonders behandelt.

Abg. Graf Westarp (Kons.):

Der Haushaltsausschuß hat sich am Schlüsse seiner Be­ratung mit der englischen und der deutschenBaralong"-Note befaßt und gibt seiner einmütigen Auffassung wie folgt Aus­druck:

Ein feiger Mord ist geschehen. Tapfere deutsche Sol­daten sind in ehrlicher Ausübung ihres Berufes ihm zum Opfer gefallen, nachdem ein tückischer Feind in schnödem, betrügerischem Mißbrauch der amerikanischen flagge und ihrer Farben sie in seine Gewalt bekommen hatte. Mit Recht hat die deutsche Re­gierung eine Sühne dieses Verbrechens gefordert. Die Sühne ist schroff abgelehnt worden. Der Vorschlag, diesen Fall einem Schiedsgericht zu unterbreiten, steht, mag man über die Schieds­gerichte sonst denken, wie man will, einer Ablehnung gleich, denn er ist kein Ersatz für die Sühne und die Strafe, die das eigene Land cm den aus seiner Mitte hervorgegcmgenen Verbrechern zu vollziehen hat. Die Form, in der die Ablehnung von der eng­lischen Regierung beliebt worden ist, entsprach nicht dem Ernst und der Würde der Sache und der Stunde. .(Lebhaftes Sehr richtig!)

Die ganze Note ist durchzogen von einem Ton, für den Fremd­worte gebraucht weroen müssen (Zustimmung), von einem Ton süffisanter Arroganz, von einem Ton anmaßender lleberhebung, oen England überall da am Platze zu halten scheint, wo es glaubt, es mit Völkern zu tun zu hoben, die es als die verächtlichen kleinen Rassen bezeichnet, von einem Ton, den das deutsche Volk sich gefallen zu lassen weder genötigt, noch gewillt ist. (Lebhafte Zustimmung.) Und das unerhörteste ist es, daß England es ge­wagt hat, in seiner Arroganz gegen unsere Armee, gegen unsere Truppen zu Lande und zu Wasser, gegen unser deutsches Volk in Waffen den Vorwurf zu erheben, daß unsere Heere in ungezählten Fällen Verbrechen d»r schwersten Art begangen hatten. (Lebhafte Rufe: Unerhört!) Worte der Abwehr gegen diesen Vorwurf lassen sich in ausreichender Scharre nicht finden. (Zustimmung.) Solche verleumderische Beleidigung fällt auf ihren Urheber zurück, und wie die Tat desBoralong" ein Schandfleck ist für den Namen dieses Schiffes und seines Offiziers, so ist dieBaralong"-Nbe ein Denkmal der Schande für England. (Lebhafter Beifall.)

Der Ausschuß beschäftigte sich auch mit der Antwort, die^ die deutsche Negierung auf diese Note erteilt hat. Man mag über Einzelheiten, über den Zeitpunkt der Bekanntgabe der Note und der Antwort, über das Maß der Darlegungen, deren England ge­würdigt worden ist, verschiedener Ansicht sein können in den Hauptsachenbestand auch hier in den Verhandlungen des Aus­schusses volle Einigkeit. Die Darlegungen über die einzelnen von der englischen Regierung vorgebrachten Fälle und die übrigen völkerrechtlichen Ausführungen der Note sind, wie alle Parteien anerkannt haben, klar, schlüssig und unwiderleglich. Volle Zu­stimmung fand es, und als selbstverständlich wurde eS von allen Seiten erachtet, daß unsere Regierung es abgelehnt hat, in diesem Falle weitere Verhandlungen zu führen, und was die Hauptsache ist, volle Einigkeit bestand darin, daß jetzt die Antwort besteht in der Tat, in entschlossener Tal. (Lebhafter Beifall.) Der Ausschuß hat die Möglichkeit solcher Taten erörtert. Er ist zu dem Ergebnis gekommen, daß es im Augenblick nicht angebracht ist, därüber öffentlich zu sprechen und hat seine Verhandlungen für vertrau­lich erklärt, er richtet an die Vollversammlung des hohen Hauses gleichfalls die Bitte, sich in die Einzelheiten nicht einzulassen. Für Worte ist die Zeit nicht da, die Stunde gebietet entschlossenes Handeln. (Stürmischer Beifall.)

Abg. Noskc (Soz.)':

Mit heller Einporung haben alle Kreise des deutschen Volkes von dem Wortlaut der englischen Noteln derBaralong"-Affäre Kenntnis genommen. _ (Sehr richtig!) Als vor Monaten die ersten Nachrichten darüber kamen, daß die Mannschaft eines deutschen Unterseebootes durch die Besatzung eines englischen Hilfskreuzers in geradezu bestialischer Weise getötet worden sei. habe ich und mit mir wohl viele andere eine Zeitlang an der Richtigkeit der Angaben starke Zweifel gehegt. Es erschien geradezu ungeheuerlich, daß Seeleute es sollten fertiggebracht haben, auf hilflos im Wasser treibende Männer zu schießen und sie zu töten und schon gerettete Mannschaften, die wehrlose Gegner geworden waren, meuchlings zu erschlagen. Wir haben während

des Krieges mit Genugtuung davon Kenntnis genommen, daß englische Seeleute bei anderen Gelegenheiten deutsche Matrosen nach ritterlichem Kampfe mutig gerettet haben. Es ist selbst­verständlich, daß deutsche Seeleute in ähnlichen Fällen ebenso handeln würden und gehandelt haben. Retteten bisher englische Schiffe mehr deutsche Seeleute als deutsche Schiffe englische Mann­schaften aufnehmen konnten, worauf die englische Regierung wiederholt und auch jetzt wieder prahlerisch hingewiesen hat, so geschah es doch deswegen, weil die Umstände es eben bisher nicht anders mit sich gebracht haben. (Sehr richtig!)

Im FalleBaralong" kann nun schpn lange nicht mehr daran gezweifelt werden, daß die Aussagen der amerikanischen Zeugen vollen Glauben verdienen. (Sehr richtig!) Wäre es anders, würde die englische Negierung und die englische Presse sehr bald mit der Entrüstung, die sie so gut zur Schau zu tragen wissen (Sehr gut!), den amerikanischen Aussagen und den Erörterungen der deutschen Presse «mtgegenge treten sein. Dies Schweigen kann nur als Schuldbekenntnis bewertet werden. (Leb­hafte Zustimmung.) Drnach habe ich mir auch selbstverständlich die Frage vorgelegt, wa§ die deutsche Regierung wohl tun werde, um Sühne für den feigen Mord an deutschen Soldaten zu erlangen. Das deutsche Volk verspürt keine Neigung, seine lll-Boot-Leute so von den Engländern behandeln zu lassen. Es hatte allgemeine Genugtuung erregt, als die englische Regierung durch die Maßregeln der deutschen Negierung gezwungen wurde, die lll-Boot-Leutc als Kriegsgefangene zu behandeln. Etwas absolut Selbstverständliches war es, daß die deutsche Negierung im Falle Baralong" die Bestrafung der Schuldigen verlangte. (Lebhafte Zustimmung.) Allen Ungeheuerlichkeiten in dem an sich furcht­baren Kriege entgegenzutreten, hat jedes Volk und jede Negierung Anlaß, schon um das Zusammenarbeiten der Nationen nach dem Kriege nicht unnötig zu erschweren. (Zuruf bei den Soz.: Sehr wahr!) Die Neigung dazu läßt die englische Regierung in Be­antwortung der Note im FalleBaralong" vollkommen vermissen. Diese Antwort ist das empörendste, was wir in diesem Kriege an Zynismus auf diplomatischem Gebiete erlebt haben. (LKhaste Zustimmung.) Die Ausflüchte der englischen Negierung lausen nvttelbar auf eine Billigung des Mordes an deutschen Seeleuten hinaus. (Erneute Zustimmung.) Dafür hat das deutsche Voll absolut kein Verständnis. (Beifall.) Mit Genugtuung haben wir wiederholt während der Dauer des Krieges davon Kenntnis nehmen können, daß neutrale Mächte, die dänische, die schwedische, die norwegische und die holländische Regierung, anerkannten, daß die deutsche Negierung vorgekommene Ungehörigkeiten mißbilligte und sofort Genugtuung gewährte. (Sehr richtig!)

Die englische Negierung erbreiftet sich erneut, die Soldaten des deutschen Heeres und >per Flotte zu beschimpfen, gegen die sie den Vorwurf verbrecherischer Kriegführung erhebt. W i r verwahren uns für unsere Volksgenossen im Waffen rock gegen solche Beschimpfungen. (Stür­mischer Beifalls Wir Sozialdemokraten haben schon einmal in der Öffentlichkeit betont, daß das deutsche Volk kein Barbaren­volk ist. Wir wissen, daß unsere Brüder im Felde sich an mensch?- licher Gesittung und kulturellen Empfindungen von den Sol­daten feindlicher Länder ganz gewiß nicht übcrtreffen lassen. (Stürmische Zustimmung.) Schließlich sind doch die deutschen Soldaten keine Abkömmlinge voü Afrikanern, deren Väter sich noch mit Menschenfleisch ernährten und die jetzt von Frankreich und England gegen uns ins Feld geführt werden. (Sehr gut!) Unsere Soldaten stammen zum großen Teil aus unserer Mitte, sie gingen durch unsere politische und gewerkschaftliche Schulung und sie wissen, daß sie diesen Kampf für ihr Vaterland, ihre eigene Existenz und die Zukunft ihrer Kinder führen. (Lebhafte Zustimmung.) Auch die Männer, die den harten Dienst auf den lll-Vooten tun, verdienen nicht den Vorwurf, Barbaren zu sein. England hat den Aushungerungskrieg gegen unsere Frauen und Kinder begonnen, weil es uns militärisch nicht niederringen konnte. (Sehr richtig!) Es freut mich, feststellen zu können, daß die deutsche Armee und die deutsche Flotte die Grundsätze des Krieges und der Menschlichkeit achten, und ich hoffe,, daß die leitenden Stellen weiter darauf halten werden, daß alle vor­kommenden Verstöße genau untersucht und scharf geahndet wer­den. (Beifall.)

Beim Lesen der deutschen Antwort habe ich mich zunächst ge­fragt, ob nicht auf den Zynismus der englischen Note mit stärke­ren Tönen hätte geantwortet werden können. (Abg. Liebknecht (wild): Hört, hört!) Ich billige aber dann die vornehme Zurück­haltung, mit der die deutsche Regierung geantwortet hat. Die deutsche Antwort ist nach meinem Empfinden durchaus ernst und würdig, und Deutschlands gutes Recht ist in diesem Falle ein viel besseres Argument, als es Worte sein könnten. (Lebhafte Zustimmung.)

DerBaralong "--Fall kann nun durch den papiernen Protest seine Erledigung nicht finden. (Sehr richtig!) Es ist zu billigen, wenn die Regierung selbst die Sühne für diesen feigen Mord zu erlangen suchen wird. Wohl bedauern meine Freunde und ich jede weitere Verschärfung des Krieges. Der Krieg ist wahrhaftig schon hart genug. (Sehr richtig!) Aber das deutsche Volk ver­spürt kein« Neigung, Selbstmordpolitik zu treiben oder zu dul­den. daß England mit dem deutschen Heer und der deutschen Flotte Schindluder treibt! (Lebhafte Zustimmung.) Bon unseren Il-Boot-Lerrteu, die wir lebhaft bewundern (stürmischer Beifall), darf nicht erwartet werden, daß sie sich ruhig dem feigen Mord aussetzen, der ihnen von feindlichen Franktireur-Schiffen und Schiffen unter falscher Flagge droht. (Lebhafte Zustimmung.)

Vorschläge über Vergeltungsmaßregeln zu machen, habe ich keine Veranlassung. Ich habe die Ucberzeugung, daß unsere Armee- und Marineverwaltung so empfindliche Schläge zu führen weiß, wie sie notwendig find. (Lebhafte Zustimmung.) Wir haben aber auch die Neberzeugung, daß sie es verstehen werden, stets das Ansehen Deutschlands als einer Kulturmacht dabei zu wahren. Stürmischer andauernder Beifall, den der Abg. Äeb- knecht vergeblich durch Zischen zu unterbrechen sucht.).

Abg. Dr. Spahn (Ztr.)r

Die Vorwürfe der englischen Antwort auf die deutsche Baralong"-Note waren durchaus überflüssig. Wir haben die Fälle, die dort erwähnt find, schon freiwillig, ohne daß uns von anderer Seite irgendwelche Veranlassung dazu gegeben war, nach unseren Rechtsgrundsätzen untersucht, haben festgestellt, wie wir diese Fälle zu entscheiden haben, und haben auch so entschieden. England hat die allerwenigste Ursache, auf diese Weise gegen uns aufzutreten. Es hat in diesen europäischen Krieg die Japaner hineingezogen, England hat auf dem europäischen Kriegsschauplatz farbige Truppen verwendet. Gegen uns selbst führt England den Krieg, wie er von den Griechen und Römern gegen Barbaren geführt wurde.

England will uns cmshungern, England bedrückt die Neu­tralen. Das geschieht von diesem England, das sein« Kriege nicht selbst führt, das nur fremde Völker und Söldner heranführt. (Sehr richtig!) Seine eigene Flotte, die es gegen uns führen könnte, hält es auf seinen Inseln versteckt. (Sehr richtig!) Ich bin gespannt darauf, was das neutrale Ausland zu diesem Falle sagen wird, was Amerika sagen wird und der Alliierte von Eng­land: Japan. Was werden sie dazu sagen, daß England sich das feigen Mordes schuldig gemacht hat? Das ist dasselbe England, das uns die Russen nach Ostpreußen gehetzt hat, dasselbe England, das den Krieg in grausamster Weise von den Russen führen ließ, bei uns in Ostpreußen, in Galizien und auf polnischem Boden. (Zustimmung.) England muß sich uachsagen lassen, cs mäste sich von dem Blute anderer Völker. (Zustimmung.) Wir können wohl sagen, daß gerade die sittliche Kraft unseres Volkes sich in diesem Kriege besonders hervorgetan hat. Das ist die beste Bürgschaft für den endgültigen Erfolg. (Beifall.) Der Reichstag gibt aber den verbündeten Regierungen die Versicherung, daß die Maßnahmen, die als zulässig erachtet werden, um als Vergeltung zu dienen, unsere Zustimmung finden werden. (Lebhafter Beifall.)

i , Abg. Bassermann '(NatlJk

Auch namens meiner politischen Freunde erhebe ich Protest gegen denBaralong"-Fall, gegen den schnöden Mord deutscher Soldaten und gegen die englische Note, die den Gegenstand der heutigen Besprechung bildet. Der Tatbestand ist einfach und kurz. Es haben aus Befehl eines englischen Kapitäns Mac Bridge eng­lische Flottenmannschaften deutsche Soldaten feige ermordert. Die eidlichen Aussagen enthüllen so scheußliche Tatsachen, daß man nur staunen kann, daß Angehörige eines Volkes mit einer so stolzen, Vergangenheit, wie es die englische ist, sich zu solchen Taten des> Hasses hinreißen lassen konnten. (Zustimmung.) Es ist schwer/ Worte der Entrüstung zu finden, um dem Abscheu Ausdruck zu' geben über diese feige Ermordung tapferer deutscher Soldaten. /Lebhafter Beifall.) Der Vorfall hat sich in der Hitze des Gefechtes hinübergespielt in einen Zeitraum, in dem das Gefecht abgeschlossen war. Die deutschen Soldaten hatten sich auf ein in der Nähe be­findliches Schiff gerettet. Dort wurden sie aufgesucht und' von den Engländern kalten Blutes getötet. Als sie tot waren, ist der Haß noch so weit gegangen, daß jedem noch ein Schuß durch den Kops gegeben wurde. (Lebhafte Pfuil-Rufe.) Einmütig war die Empö­rung in deutschen Landen; sie ging auch durch die Verhandlungen unseres Hauptausschusses. Ich freue mich der warmen Worte des Herrn Noske und der Entrüstung, der er hier Ausdruck gegeben hat. Auch im neutralen Auslande haben wir viele Stimmen gehört, die sich mit' Abscheu gegen diese englische Mordtat gewendet haben.

Wir haben die Worte gelesen:Englands Schild ist mit einem unaustilgbaren Makel bedeckt!" Ich erinnere da an eine Episode nach einem Gefecht, als die Japaner unsere Schifte zerstört hatten und die treibenden Trümmer den Engländern überließen. Da sahen sie zu und sagten:So handelt kein Japaner!" Wir sind stolz auf unsere Unterseeboote, auf Offiziere und Mannschaften, die herrlich ihre Pflicht erfüllen. Wir blicken mit Stolz auf die Erfolge in der Nordsee und im Mittelmeer. Maircher tapfere Junge ruht längst auf dem Boden des Meeres in tapferer Pflicht­erfüllung, ein. ehrenvoller Tod, ein schöner Tod. Aber hier in diesem Falle ist blühender Menschenleben durch gemeinen Mord vernichtet Ivorden. Die englische Note erreicht den Gipfel der Un­verschämtheit. . (Lebhafter Beifall.) Sie ist getragen von un­glaublicher Frivolität und heuclsterffcher Ueberhebung. Die Lüge, die ja zum englischen System geworden ist, feiert neue Orgien. Dazu treten Beschimpfungen und Verleumdungen des deutschen Heeres. Das geht so weit, daß man eine ganze Armee des Mordes, der Brandstiftung, der Plünderung und Begehung von Gewalttätigkeiten beschuldigt.

Was will England mit dieser vergiftenden Note, die jede loeitcre Verhandlung unmöglich macht? Hat es die Absicht, uns in eine Siedehitze zu bringen, die zu unbedachten Maßregeln fiihren müßte? Das ist eine irrige Auffassung. Auch in einer Zeit, wo die allgemeine Empörung durch das Parlament geht, werden wir Ruhe und Vorsicht beobachten und uns bei den zu treffenden Maßregeln nicht Hinreißen lassen. Mit kaltem Blute werden wir auf die englischen Unverschämtheiten antworten. Die deutsche Note geht auf die einzelnen Maßregeln der Vergeltung nicht ein. Der Regierung muß es auch überlassen bleiben, rasch und energisch die Vergeltung 'zu finden und auszuführen, die dem englischen Vorgehen entspricht. Das erwarten wir, daß rasch und energisch gehandelt wird. (Lebhafter Beifall.)

Der Reichskanzler hat erklärt, baß wir die Sentimentalität verlernt haben. Hie Rhodus, hie salta! Angesichts der «rg- lischen Grausamkeit ist ein energisches Vorgehen gegenüber Eng­land notwendig, von dem Tag für Tag das Völkerrecht verletzt wird. Wir sind stolz auf unsere Heere, unsere Flotte, auf ihre Leistungen, auf Offiziere und Mannschaften. die mit nimmer er- mühender Pflichterfüllung und Treue bis zum Tode immer wieder und wieder den größten Anstrengungen sich hingeben. (Beifall.) Wir find stolz auf die Erfolge, die wir in diesem langen Kriege errungen haben. Wenn wir die Bilanz von 1914 mit der von 1916 vergleichen, so hatten wir damals '60 000 Qua­dratkilometer mit zehn Millionen Bevölkerung erobert, jetzt sind es 470 000 Quadratkilometer mit 30 Millionen Bevölkerung. Da ist unser Stolz wohl gerechtfertigt. (Lebhafter Beifall.) Wir sind aber auch stolz darauf, daß unsere Kriegführung getragen ist von dem Geist der Menschlichkeit und Sittlichkeit und auf einer höheren zivilisatorischen Stufe steht. Dieses Verhalten zeigt sich nicht nur in der Kriegführung, sondern auch bei'der Behandlung der Gefangenen und der Zivilbevölkerung in den besetzten Ge­bieten. Darum weise ich mit Entrüstung die Verleumdungen der englischen Note zurück. Wir erheben Einspruch gegen die jedem menschlichen Gefühle und jeder menschlichen Gepflogenheit wider­sprechenden Handhabimg der Krieg führurig, die bei den Eng­ländern zutage getreten ist. Wir erwarten von unserer Regie­rung die schärfsten Dergeltungsmaßrogeln. (Stürmischer Beifall.)

Abg. Fischbeck (Forftchr. Vp.):

Kein Wort der Entrüstung, das von einem Mitglied des Par­laments gebraucht werden dürste, reicht aus, um die Gefühle zum Ausdruck zu bringen, die von der gesamten gesitteten Welt über die englische Antwortnote gehegt werden müssen. Als England den Krieg gegen das deuftche Volk begann, glaubte es, daß Deutschland in kurzer Zeit am Boden läge, es glaubte, daß die Landheere, die es sich nach den Ueberlieferungen der englischen Politik dienstbar gemacht hätte, in kürzester Frist Deutschland überschwemmt und seine Macht zertrümmert haben würden. Es irrte sich darin. Als diese Mittel versagten, begann England eine andere Kriegsmethode, die darauf hinausging, den Hunger zu verhängen über wehrlose Frauen und .Kinder. Der gute Rechner drüben hatte sich abermals verrechnet, er -hatte sich ver­rechnet in unserer wirtschaftlichen Kraft, die den Hungerkrieg zuschanden machte, indem wir der Welt zeigten, daß wir ans Eigenem imstande seien, unsere Wirtschaft zu führen. England berrechnete sich noch in einem anderen Punkte: der Heldengeist, der in unserer Marine lebt, fand in den O-Booten ein Mittel, um England in seinem eigensten Element, in seinem Handel, zu schädigen, es dort zu treffen, wo England sich unverwundbar dünkte. Wieder griff England zu neuen Waffen urü) diesmal zu Waffen, die die Verachtung der Welt ver­dienen. (Lebhafte Zustimmung.)

Es gibt Sittengesetze, die auch in den erbittertsten Kämpfen, selbst bei einem solchen Ringen, wie wir es jetzt durchmachen, einem Ringen, wie es die Weltgeschichte nicht gesehen hat, nicht außer acht gelassen werden. (Sehr richtig.) England ist mit dem, was es in seiner Note zugelassen hat, von Stufe zu Stufe ge­funken.^ (Lebhaftes Sehr richtig.) Wir fragen rurs verwmndert, ob es überhaupt möglich ist, <^ß die Politik eines Volkes noch auf einer tieferen Stufe ankommen kann, als es England hier mit der Verteidigung desBaralong"-Falles getan hat. (Leb­haftes Sehr richtig.) Wir denken mit Trauer jener Helden der U-Boote, die durch die Feigheit eines englischen Kapitäns dahin­gemordet worden sind. Wir senden den tapferen Matrosen und Seesoldaten, die bis zum letzten Atemzug ihre Pflicht für chr Vaterland getan haben, die das getan haben, was ihnen befohlen war, wir senden ihnen unsere Grüße der Bewunderung in ihr nasses Heldengrab. (Lebhafter Beifall.)

Mit Ausflüchten ist diese Note geschrieben, verdeckt mit Vor­würfen, die durch die deutsche Antwortnote als falsch hingestellt sind. Wir fragen uns nur das eine, ob beim etwa England durch die Art, wie es diese Note beantwortet hat, etwa nun für alle Zu-' kunft englischen Kapitänen von Kreuzern und Hilfskreuzern einen Freibrief darauf geben will, in ähnlicher Weise zu verfahren. Daß das nicht geschieht rrnd daß dieser Freibrief nicht zur Ausführung gelangen kann, die Hoffnung hegen wir, indem wir Hinblicken auf das Versprechen in unserer Antwortnote, daß dem verletzten Gefühl des deutschen Volkes Rechnung getragen und daß England gegenüber Vergeltung geübt werden wird.

Wir stehen mit den Vorrednern, die diese Dinge verurteilt haben, in erfreulicher Uebereinstimmung. Es ist nicht erlaubt | und auch nicht unsere Aufgabe, vor der Oeffentlichkeit die Frage,