Nr. 4 ZVeites Blatt
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|66. Jahrgang
General-Anzeiger für Sberheffen
Vounerrtag, 6. Januar W6
Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen Unwersitats - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Schrittleitung,Geschäftsstelle u.Druckerei: Schul» straße?. Geschäftsstelle ruVerlag:^^A51,Schrift» leitung: e^Al12. Adresie für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.
war wird die Zukunst bringen?
Im „Tag" bespricht das Mitglied des preußischen Herverchcruses Graf Kospoth die Fra^e: Was wird die Zukunft bringen? und er gibt darauf dre Antwort: Neue und schwere Steuern!
Wir geben die Aeußerungen etwas ausführlicher wieder, weil der Gegenstand von überaus großem Interesse ist und in den Darlegungen Kospoths, auch wenn man ihnen in Einzelheiten nicht zusümmt, im großen und ganzen doch Wahrheit steckt:
Seitdem die Klcrssensteuer als veraltet aufgehoben werden ist, hat der fagnmmtte kleine Mann kein Empfinden dafür, daß er nicht nur ein Recht an den Staat, sondern auch eine Pflicht bcm Staat gegenüber hat. Bei einem Knecht betrug die Klassensteuer -wer gute Groschen, das sind 25 Pfennig pro Monat, und ich kann mich wohl erinnern, daß, als einer einmal glaubte, nicht hinreichend Rechtschuß gefunden zru haben, mir sagte: „Ich zahle doch meme Steuern!" Dies Gesicht ist verloren gegangen und später noch- mehr, als das Work von ,chen starken Schultern" geprägt wurde.
Es muß sich aber wieder einstellen; und wie jetzt die schwachen und die starken Schultern, der Knecht Und der Millionär treui nebeneinander im Schützengraben stehen, um eine feste, unüberwindliche Mauer gegen den Ansturm der Feinde zu bilden, so müssen schwache und starke Schultern nach dem Krieg nebenein-, ander stehen, um je nach ihrer Kraft die Lasten zu tragen und die Wunden KU heilen, die dem Vaterland geschlagen sind. Deshalb muß der Steuerbedarf durch eine weise Kombination von indirekten und direkten Steuern gedeckt werden.
Die Redensart von „oer Pfeife des armen Mannes" hat sich überlebt. Tabak, Bier, Schiraps vertragen noch eine Erhöhung, in welcher Form es auch sei, als Steuer öder Monopol. Zwei Zigarren, ein Glas Mer, zwei Schnäpse kann rroch jedermann von seinem Tagesverbrauch streichen, er wird es kaum fühlen. Und die direkten Steuern?
Sie werden zwar schwerer empfunden werden, weil man sich ihnen nicht wie bei den indirekten, freiwillig entziehen kann. Man spricht von der Verdoppelung der Eiukommerr- mrd der Ergänzungsteuer. Diese kommt sicher, ich fürchte aber, daß es nur ein Tropfen, wenn auch ein gwßer, ins Meer ist.
Da wird das kommen, wovon die Wehrsteuer ein Vorspiel war, das mit dem häßlichen Namen „Vermögenskonfiskatiüm". Auch das Wort „Beschlagnahme", cm das wir uns jetzt so gewöhnt haben, llingt nicht besser. Doch auch das muß ertragen werden, und wie bei Ausbruch des Krieges ein jeder dem Nus des Kaisers zu den Waffen folgte, so werden war alle kommen, um zu geben, was das Vaterland braucht, um groß dazustehen nach gewonnenem Krieg.
Ist- es unseren Feinden nützt gelungen. Uns au^utzungern, so wollen wir ihnen später zeigen, daß wir Uns grofsuhungern verstehen.
Freilich wird diese Verkleinerung des EinzÄvermögens zugunsten des Reiches oder Staates — endlich habe ich eine weniger gehässig klingende Bezeichnung dafür gesunden — eine totale Umwälzung in der Lebensweise des gesamten Volkes mit sich führen, denn auch der schaffende, der werktätige und arbeitende Teil des Volkes wird es verspüren, wenn der Goldstrom weniger reichlich stießt. Wir müssen zu dem einfacheren Leben unserer Voreltern Au rückkehren und «ns daran erinnern, daß in den Freiheitskriegen; Friedrich Wilhelm HI. dem Kronprinzen als einziges Geburtstagsgeschenk für zwei gute Groschen Obst kaufte und sein« Uniform wenden ließ, als die rechte Seit« Au schäbig geworden.
Ich erinnere mich der Zeit vor 70 Jahren, wo wir Kinder des Morgens irur Mehlsuppe bekamen und Wern nur des Sonntags auf den Mittagstisch kam, und zwar eine Sorte, die heute ein vornehmer Chauffeur dankend ab lehnen würde.
Rriegsbilder aus der pariser Musil- und Theaterweit.
Seit Kriegsausbruch war das Pariser Musikleben zunächst so gut wie abgestorben und erst in letzter Zeit ist eine Wandlung ein getreten. Neulich hat Ehevillard sogar gewagt, im Rahmen des von ihm geleiteten Evnoert Lanwuveux Beethovens Ervica zur Aufführung zu bringen. In Fachkreisen geriet man darüber in Helle Aufregung, würde das „patriotische Publikum" sich die 'Musik des „Boches" gefallen lassen? Am kritischen Abend war die Salle C a v e a u bis aus den letzten Platz gefüllt. In den Reihen der Zuhörer zahlreiche Offtziere und Soldaten mü dem Kriegskreuz, mit der Militärmedaille, mit der Ehrenlegion geschmückt, zwischen eleganten Musiffreundinnen und Verwundeten; alles verharrt in ehrfürchtigem Schweigen, ungestört rauschen die gewaltigen Klänge der Beethovenschen Schöpfung vorüber, und als C h e v i l - l a r d den Taktstock sinken läßt, da herrscht im Saale stumme Erschütterung. bis sich der Bann löst und rauschender Beifall dem Leiter des Abends lohnt. Ein junger Unterleutnant, der beide Arme verloren hat, ruft laut „Bravo!" und das Publikum, das langsam aufbricht, hat das Gefühl . . . eine Kulturtat vollbracht zu haben. Bezeichnend ist, daß die ernsten Konzerte gut besucht sind, während die kleinen Schwanktheater, die sogenannten „theatres d'ß eöts", inr Verhältnis zur Zeit vor dem Kriege schwächer besucht sind. Als neulich das kleine „Thöatre des Capucines" mit einer Revue eröffnet wurde, die den verheißungsvollen Titel „Paris quand möMe!" führte, da erlebte die Direktion eine ziemlich herbe Enttäuschung. In Friedenszeiten bildete eine ihrer Premieren, die in Paris bekanntlich in Form von „Generalproben" von Stapel lausen, ein gesellschaftliches Ereignis — diesmal leuchtete tm Parkett nur die Glatze Arthur Meyers, des bekannten Direktors des „Gaulois", während die große Welt lediglich durch den in voller Gala erschienenen russischen Militärattache und die schicke Mademoiselle Mistinguett vertreten wurde. Der Mend gestaltete sich ziemlich langwellig und klang in dem melancholischen Seufzer aus: „Wann werden wir endlich einmal Smokings und ausgeschnittene Kleider Wiedersehen?" Verhältnismäßig am wenigsten verändert haben scch die sogenannten „Volkskvnzerte" an Kabaratt-Veranstaltungen erinnernde Abende, die in irgend einem zu diesem Zweck gegründeten Konzerthause stattsinden. Der große Raum, der wie üblich mit Spiegeln und billigen Zinkkunstwerken reich ausstaffiert ist, ist bis aus den letzten Platz besetzt: dre Aufsicht — eine solche ist nötig — führt ein Klavierspieler, der unaufhörlich qualmend Müsik macht und von Zeit zu Zeit, ohne die Hände von den Tasten zu lassen, oder die Zigarre aus dem Munde zu nehmen, kräftige Flüche und Weisungen in die Zuhörer hineinrcgnen läßt, sobald chm das nötig erscheint. Tie Gesangsvorträge, die durch! mehr oder minder ,chezent" gekleidete „Künstlerinnen" bestritten werden, sind im großen und ganzen dieselben wie vor dem Kriege, nur daß die Melodien womöglich noch sentimentaler geworden sind und in regelmäßigen Abständen kriegerische Lieder auf „Guilleaume" und die „Boches" zu Gehör gebracht werden. Das Publikum ist gemischt: junge Männer sind da mit Apachemnützen, Damen, die Kinder wiegen und solche, die wie Schlote rauchen, ohne'den Schleier auszuschalten; dazwischm ein Herr im Zylinder, der alle Abende hier weilt und im Geruch steht, an der „Humanite" Redakteur zu sein. Künstler, die chre Gummipelcrinen mit romantischer Grazie wie einen Fürstenman- tel um die Schultern geschlagen haben; vor allem aber auch hier Soldaten, die regelmäßig von zwei schmachtenden Freundinnen begleitet sind; eine ist gewöhnlich blond Und die arä>ere braun, beide tragen aber die gleiche Haartracht, die gleicher Broschen, die gleichen billigen Armbänder, die ihnen ihr gemeinsamer!
Darum die Antwort auf meine Frage: „Was bringt die Zukunft?" Opfer und wieder Opfer, aber schließlich ein großes, eini- I ges deutsches Vaterland! Di« Heiden opferten ihren Göttern, um ihre Gunst und Hilfe m erreichen, und der Gott der Christen ist doch gütiger als all die Heidengötter. Er wird mit Uns sein und unsere Opfer nicht vergebens.
Aus Hessen.
rb. DarMftadt, 6. Jan. Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer trat heute vormittag 10 Uhr zu einer kurzen Sitzung zusanrmen, .in welcher die Vorstellung des Vereins der Gehilfen bei den Heffischen Staatsbehörden, betreffend die An- stellungsbedingungen und die Vorstellung des Gefangenenaufsehers Schmitt zu Butzbach, betr. seine Gehalts- und Pensionsverhältnisse, erledigt wurden. Betreffs der ersterwähnten Vorstellung beschloß der Llusschuß, dem Kanrmerplenum deren Ablehnung zu empfehlen, da die Wünsche der Petenten bereits bei der neuen Besoldungsordnung entsprechend geregelt wurden und eine neuerliche Mänderung derselben nicht angängig erscheine. Hinsichtlich der Vorstellung deS SchMitt, der seither einen Zuschuß zu seinem Gehalt bezieht, gibt der Ausschuß der Regierung anheim, ihm bei seiner Pensionierung auch eine entsprechende Unterstützung und evtl, seiner Witwe später ebenfalls eine solche im Gnadenwege zu gewähren. Im Anschluß an diese Sitzung fand die 14. Sitzung des Erweiterten Fincmz-(Kriegs-) Ausschusses unter Vorsitz des Mg. Dr. Osann statt, welcher als Regierungspertreter die Herren: Minister des Innern v. Hombergk, Präsident des Finanzministeriums, Staatsrat Dr. Becker und Ministerialrat Schliephake beiwohnten. Min'ster v. Hombergk berichtete ausführlich über die bisher von der Regierung getroffenen Maßnahmen auf dem Gebiet der Versorgung der Bevölkerung tnit Mehl, Kartoffeln, Butter und Milch. An die Darlegungen schloß sich eine eingehende Aussprache. Die nächste Sitzung des Ausschusses findet am Freitag Nachmittag 372 'Uhr statt.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 6. Januar 1916.
Eine hessische Sammelwoche sür Goldmünzen.
Die Landes stelle für die Förderun g des Goldmünzenaustausches und verwandter Vaterland isch-er Zwecke, deren Vorsitzender der frühere Finanznrinister Dr. Dr. ing. Braun ist, schreibt uns:
Wir erachten es an der Zeit, unseren Zielen dadurch näher zu konnnen, daß während einer W oche eine Sammlung von Goldmünzen im ganzen Lande vorgenommen und aus den wirtschaftlichen Fragen die Wichtigkeit des Goldmünzen-Umtauschs sür das allgemeine Beste im Volke verstärkt zur Erkenntnis gebracht werde.
Die Schulen werden mit einer großen Anzahl von Werbeblattern versehen, die von den Schülern und Schülerinnen im Kreise ihrer Angehörigen verbreitet werden sollen. Wir vertrauen, daß die Schulleiteb und Lehrer sich zu einer nochmaligen Mitarbeit als bewahrte Helfer und Werber bereit finden lassen. Auch die Geistlichen werHen im Anschluß an die bereits ergängei^n Ausschreiben ihrer Behörden gebeten, uns noch einmal zu unterstützen und von der Kanzel oder in sonst geeignet scheinender Steife den Erfolg der Sammelwoche fördemr zu helfen.
Ebenso seien die Vereinsvorstände herzlich gebeten, ihre Bereinsmitglieder durch Rundschreiben, durch Zeitungsaufrufe, mündliche Hinweise in den Vereinszusam- menkünften oder in sonst geeigneter Weise zur Mitarbeit auzuregen.
Liebhaber zur selben Zeit verehrt hat, Und für beide bildet ihr „Poilu" den ganzen .Inhalt ihres Lebens. . . .
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— Salvini-Erinnerungen. Das viele Jahrzehnte und ausgedehnte Weltreisen umfassende Künstlerleben des verstorbenen Thommaso Salvini, des Nestors der italienischen Schauspielkunst, ist natürlich an merkwürdigen Erlebnissen und Abenteuern sehr reich gewesen. Eines der drolligsten widerfuhr Salvini einmal in Bologna, im Teatrv del Corso, als er zum erstenmal den Oros- man in Voltaires „Zaire" spielte. Gegen Ende des vierten Aktes gebietet Orvsman, der sich von Zaire betrogen glaubt, in einem Anfälle von Wut und Eifersucht seinem Vertranten Corasmin die Geliebte zu töten, aber mitten im Befehl erfaßt ihn Reue und er sagt: „Doch ehe du meinen Befehl aussührst . . . hasse mich . . . warte!" Dieses „warte!" stieß Salvini mit so großer Kraft und Wucht heraus, daß der Gurt seines breiten türkischen Beinkleides platzte und er fühlte, wie dieses Kleidungsstück ganz langsam zu Boden glitt. Er schwebte in Gefahr, dem Publikum ein nichts weniger als tragisches Schauspiel zu bieten. In diesem Augenblicke hatte Salvini die Geistesgegenwart, ein Tigerfell zu. ergreifen, das als Teppich vor dem Dioan lag, und mit diesem um den Leib gehüllten Tigerfell beendete er glücklich den Akt. Später habm ihm Bewunderer, die dieser Vorstellung bejgewohnt hatten, gesagt, er habe jenen Augenblick des Zornes und Ingrimms in seinem ganzen Leben nie mehr so dargestellt nne an jenem Mend. Das ist wohl wahrscheinlich, denn dieser große Meister in der Darstellung menschlicher Leidenschaften hat seinem eigenen Geständnisse nach in der Regel bei seinen Rollen iiberhaupt nichts gefühlt. Einen tiefen Einblick in das Innere seines Wesens eröffnen die Mitteilungen, die Paul Lindau über Salvini gemacht hat. Als er dem Künstler während einer Othellovorstellung einmal hinter den Kulissen einen Besuch abftattete, fand er ihn in großer Erregung, weil eine der Statistinnen, die wohl mehr an die leichteren Sitten der Operetten gewöhnt war, den Gast während der großen Szene vor dem Senate, wie er glaubte, durch ihr Betragen in seinem Spiele beeinträchttgt hatte. In einer drolligen Mischung von Französisch und Italienisch fuhr der Mohren general offenbar im höchsten Zorne auf die nnvorsichttge Statistin los, als ihm plötzlich das Zeichen zum Wiederauftreten gegeben wurde. Und da war die Erregung Salvinis wie mit eiuern Schlag weggewischt. „Es war nichts mehr von jenem Salvini da, der eben getobt und gepoltert hatte. Er richtete sich aus, legte die Hand auf die Brust, senkte den Kopf etwas und ging mit schweren, schleppenden Schritten, und im Ausdrucke einer tiefen, nagenden Unruhe, langsam auf die Bühne. Cs war der leibhaftige Othello, ein vollkonrmen anderer Mensch von einer anderen Rasse, von anderem Temperamente, von anderen Bewegungen, und von ganz anderen Empfindungen." Ms Lindau nachher dem Künstler seiner Verwunderung über diese plötzliche und völlige Umwandlung anssprach erklärte dieser, daß, wenn eine Rolle ihm „stehe", er sie zu seder Zeit vollkonttnen so, wie das erste Mal spvelen könne. „Wenn Sie mich des Nachts aus dem Bette holen und mjir sagen, ich solle den Monolog von der Ermordung Desdemonas sprechen, so spreche ich ihn gerade so, wie am Mend auf der Bühne und empfinde genau dasselbe dabei — nämlich gar nichts'. Ich weiß Nur, wie ich es sagen muß, um an meine aufrichtige Empfindung glauben zu machen. Und ich habe es ja auch früher empfunden, als ich die Rolle studierte! Da vollkommen, bis £um körperlichen Schmerz. Mer seitdem ich sie beherrsche ,^bcMmmere ich mich unr alles das nicht mehr. Das habe ich am Schnürchen. Ich greife die Leidenschaften, wie der Klavier spieler die OÄave, ohne hrnzusehen."
Wir wenden uns schließlich an die gesantte Bevölkerung. Ein jeder helfe, werbe und sammle wenigsteus in dieser Woche, rege auch seine Freunde zu gleichem Vorgehen an, damit am Ende der Goldwoche ein wirtschastlicher Erfolg von achtunggebietender Größe erreicht sein wird. Er sei ein Gruß an unsere Truppen, ein Dank für ihre Opfer zum Heile des Vaterlandes.
Täglich läßt sich wah-ruehmear, daß imrner noch viel Gold nutz- und sinnlos daheinr verwahrt wird. Das Vaterland aber braucht das Gold, schon deshalb, d-arnit für die Feinde es immer offenbarer werde, daß ihre Hoffnung aus ein Nachlassen unserer Widerstandskraft und Wirlfchafts- stärke aussichtslos ist.
Ein morgen an dieser Stelle erscheinendes Werbeblatt wird naher darlegen, warum der Goldmünzen-Umtausch vaterländische Pflicht ist, und zwar eine Pflicht, die keinerlei Opfer auferlegt, da vollwertige Zahlmittel dagegen gegeben werden.
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** Oberhessischer Kunstv erein. Die Ausstellung der Mnstler-Gilde, deren Erössmmg am Sonnta g erfolgt, rvird 94 Kunstwerke aufzuweisen haben. Tic Namen Albitz, Baer, Bayerlein, Best, Blos, Bürger, Busch, Tarnaut, O. H. Engel, Günther-Naumburg, Heroux, Hermanns, Holzapfel, Jungwirth, Kallmorgen, Kappstein, Koch, Langhammer, Meyer-Claus, Meyer- Waldeck, Tape, Roubaud, Saltzmann, Sandrock, Seiler, Schirm, Schladitz, Weczerzick und anderer Künstler, die mit Arbeiten vertreten sind, bieten gewiß Gewähr, daß auch dieses Mal wieder eine künstlerische und interessante .Ausstellung zu sehen sein wird/ zumal von allen diesen Künstlern nur gute Arbeiten eingesandt wurden.
Landkreis Gießen.
6. D a u b r l n g e n , 5. Jan. Der Eisenbahnpraktikant Ludwig F e h r von Daubringen wurde, nachdem er im Frühjahr 1915 zum Leutnant d. Res. befördert worden ist, inzwischen zum Bataillons» Adjutanten ernannt; auch wnrde er mit dem Eisernen Kreuz 2. Kl. uiid der Hessischen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet.
2. G e i l s h a u s e n , 6. Jan. Gefreiter Wilh. N i e b e r g a ll bei der Stabswache des Generalkommandos des 18. Reservekorps erhielt die Hessische Tapferkeitsmedaille.
'ßl Leihgestern, 6. Jan. Die hiesigen Schulen wurden auf behördliche Anordnung, da wieder Neuerkrankungen von Kindern an Dipbtheritis stattfanden, zum zweitenmal geschlossen. Die Krankheit wütet im Verein mit Scharlach jetzt schon seit Sommer v. Js. unter den Kindern und hat in manchen Familien schon wiederholt Einkehr gehalten. Stebbefälle sind bis jetzt nicht vorgekommen.
Kreis Alsfeld.
)£ Nieder-Oh men, 6. Jan. Unser neues Bahnhofs^ g e b ä u d e ist in seiner Erbauung trotz der Kriegszeit rüstig cveitergeschritten. Das Gebäude steht bereits unter Dach und Fach. Die Anlage und Ausführung zeigt eine viel größere und umfassendere Gestaltung gegenüber dem alten, kleinen Bahn- Häuschen, das nicht mehr den Ansprücheic der Zeit genügen konnte Da wir dem Frühjahr entgegengehen, so ist auch eine baldige Fertigstellung der Jnnenräume des neuen Bahnhofsgebäudes absehbar.
Starkenburg und Weinhesseu.
m. Offenb-aich a. M., 6. Jan. Die Stadt Ofsenbach beabsichtigt zur Versorgung d«r Bevölkerung lrrit Schweinefleisch Gefrierschweine (halbe Dierkörper vhne Mpf und Beinen) einzuführen. Der Verkaufspreis ist auf 1,25 Mk. pro Pfund festgesetzt. — Schwester Elisabeth Schack, zurzeit Oberschwester im Rcserve-
B—KM———Bl—— * m« —
— Ein Kamps um das „Fräulein" vor 90 Jahren. In frecheren Jahren bedeutete das Wort „Fräulein" soviel wie „Edelftäulein". Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts redete man in Berlin und anderswo in Deutschland eine unverheiratete bürgerliche Dame mit „Mamsell" wr. (Dieses Wort ist, loie bekannt, aus deig ftanzösischen „Demoiselle" entstanden.) Es war an sich schon eine Merkwürdigkeit, daß das deutsche Wort in diesem be- soirderen Falle eine höhere Bedeutung hatte als der fremdsprachige Ausdruck, während es sich aus fast allen übrigen Gebieten gerade umgekehrt verhielt. Nun machte!sich in der Zeit der Befreiungskriege ebenso wie auch heute eine lebhafte Strömung gegen alles Fremdländische geltend: man erklärte auch dem Worte „Mamsell" den Krieg und redete die unverheirateten bürgerlichen Damen mit „Fräulein" an. Das aber machte in adligen Kreisen böses Blut, und man bot hier alles auf. Um zu erreiche, daß das Wort „Fräulein" den adligen Kreisen vorbelialten bleiben sollte. Es kam deswegen vor 90 Jahren, so schreibt uus ein Müarbeüer, zu einem ergötzlichen Stt'eit, und dieser Streit beschäftigte sogar die preußischen Ministerien. In Varuhagen von Enses „Blättern aus der preußischen Geschichte" findet sich darüber unter dein 21. Juni 1826 folgende Auszeichnung: „Die Sache wegen des Namens .Fräulein" wird sehr ernsthaft genommen. Mle Ministerieir müsstn ihr Gutachten darüber abgeben, man sucht eine Kabinettsordre, durch die der König den Gebrauch jenes Wortes schon früher für adlige Mamsells Vorbehalten l>aben soll, kann sie aber nicht ftnden: wahrscheinlich verwechselt man donrit einen Befehl, dm allerdings der König einmal erlassen hat, daß aus deir Komödienzetteln die versuchte Emschwärzemg von „Fräulein" statt „Mlle.", nicht fort- dauern soll. Auch erinnert man sich, daß beim AuSznge der Kronprinzessin die 50 weißgekleideten Bürgerinädchen in einem Aussätze, den der Magistrat dem Könige ein.gereicht, Fräulein genannt waren, und gleich bei lder ersten, der Tochter des Oberbürgermeisters Büsching, der König jenes Wort gesttichen Und dafür „Denwiselle" hingesetzt, woraus dann fteilich der Magistrat lieber jede Bezeick>- nung wegließ und gleich die Tausnamen anfangen ließ. Der ?tz>el ist ordentlich in Bewegung, trat diesen Sieg dwionzntragen. Dagegen fehlt es nicht an anderen Stimtneir: Wie n«enn die Re- gierrlng es urtternehnren dür^e, das Volk im Gebrauche seiner eigenen Sprache zu hindern? Oh wir denn Chinesen werden mrd Sprachgebrauch, Gewohnheit und Sitte des Umgangs durch Gesetze bestimmt werden sollen? u. dgl. m." Der Kampf um das „Fräulein" endete, wie vorauszusehen war, nrft einem glänzenden Siege der bürgerlichen Kreise. Man fand dann später den 2luÄoeg, daß man adlige unverheiratete Damen entsprechend der Bezeichnung „Gnädige Frau" mit „Gnädig^ Fräulein" anredet. Mer auch die „GuLÄge Frau" und das „Gnädige Fräulein" wurden schließlich von den bürgerlichen Kreisen erobert. Heute wird bas^ Wort „Fräulein" für sich allein fast nur alS Berufsbezerchnung in der Bedeutung von .„Kinderfrüulein" gebraucht; die bürgerlicheir unverheiraieten Damen erheben beinahe durchtveg Ansprrcch daraus, daß sie enttveder ncit „Gnädiges Fräulem" oder wenigstens mit „Mein Fräulein" oder aber- ruft „Fräulein" unter Hrnzuftlgung des Familiennamens, also „Fräulein Sckmltze" oder „Fräulein Müller" angeredet lverden. Das Wort „Mamsell" ist aber heute nur eine Berufsbczeichnung: nnt „Mamsell" bezeichnet man fchleckfthin ein Wirttchaftsfrau!ein auf einem Rittergutc, sonst redet nran noch von Schl acht eimramsells. Biermamsells usw. Im GastwirffchastsbetrieLe ist das Wort „Külte Mamsell" eine direkte Berufsbenennung, zn der freilich das Gegenstück „Die tvarme Mamsell" fehlt


