Italien vor neuen Kragen.
Rom, 16. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Der Abgeordnete Raimondo überreichte dem Kammerpräsidenten eine An - frage an den Minister des Aeußern, den Kriegsmimster und den Marineminister. Raiinondo will wissen, ob zur Zeit der Unterzeichnung des Londoner Vertrages die Eroberung Montenegros vorgesehen worden sei, ferner, worin die Untätigkeit Italiens ihre Gründe habe und ob die Regierung uno die Militärbehörden sich mit der Lage Nordalbaniens befaßt hätten.
Mailand, 17. Jan. (WTB. Nichtamtlich) Der Se- colo" meldet aus Rom: Der italienische Gesandte bei der serbischen Regierung ist gestern früh \n Rom eingetroffen, wo er mit dem Minister des Aeußern eine Besprechung hatte. — Der König ist angeblich nach Tarent zu einer Begegnung mit dem Prinzen Mirko von Montenegro abgereist.
Eine neue Aufforderung des,,Tcmps" an Italien.
Bern, 16. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) In Besprechung der Militärischen Lage spricht der „T e m p s' heute die Forderung ans, Italien möge sich an dem Salon i k i u n t e r - nehmen beteiligen. Saloniki sei der einzige Punkt, von wo aus Italien etwas zur Befreiung Montenegros und Serbiens unternehmen könne. An jedem Punkte der Ädria müsse ein solcher Versuch scheitern. Die ganze ^sonz ofront sei zu stark verteidigt, als daß Italien sie bald bezwingen könnte, selbst wenn es alle seine Truppen dort aufwende. Tie liener könnten einen wertvolleren Erfolg erreichen, wenn sie sich den Alliierten in Saloniki anschlössen, bevor die Bulgaren an der griechischen Grenze ein Labyrinth von Schützengräben geschaffen hatten, besten Eroberung sehr teuer zu stehen käme. Das Blatt stellt mit Befriedigung fest, daß der italienische Minister rat sich mit Maßnahmen zur wirksamen Unterstützung Montenegros und Serbiens befasse, fragt aber zweifelnd: Haben die Alliierten die Mittel, einen Angriffsfeldzug zu unternehmen, oder muffen sie sich aus die Verteidigung Saloniki 2 beschränken?
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Kundgebungen für und gegen den Frieden in England.
London, 17. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) In der Kirche Hon Kingsland, im Norden von London, wo am Sonntag nachmittag eine Kundgebung zugunsten der Beendigung des Krieges stattfand, kam es zu aufgeregten Szenen. Die Friedensfreunde wurden für 'Verräter erklärt, mit roter Farbe beworfen und mußten schließlich durch die Polizei in Sicherheit gebracht werden. Die Demonstranten sangen „Ricke Britannia" und nahmen leine Entschließung an, in der gefordert wird, daß der Krieg energisch fortgesetzt werde, bis Deutschland geschlagen sei.
Eine neue Erkenntnis der „Times".
London, 17. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Die „Times" schreibt in einem Leitartikel: Wir bekommen jetzt allmählich die I notwendige Munition. Tie dlbsttnrmung vom Mittwoch siä-ert uns ,die notwendigen Mannschasten, aber wir haben noch für emen regelmäßigen und fortdauernden Zufluß der notwmdigen Geldmittel zu sorgen. Das Blatt gibt zu, daß dre Erklärung Delbrücks richtig sei, daß Deutschland genug Lebensmittel bis zur 'nächsten Ernte habe. Deutschland leide unter Teuerung und Mangel, aber nicht in der Weise, daß dadurch sem Widerstand m absehbarer Zeit zusanrmenbrochen müßte. Wir dürfen nicht erwarten, daß der Friede bald kommt oder daß er durch den wirtschaftlichen Druck konrmeii wird, selbst wenn uns sgjelänge, emen viel stärkeren Druck ausMÜbeii, als jetzt. Der Friede wird kommen, wenn wir Deutschland im Felde schlagen. — Die „Times" fordert daher dringend die größte Sparsamkeit im öffentlichen und im privaten Leben.
Der neue Bizekönig von Indien.
London, 16. Jan. (WTB. Nichtamtlich) Lord Ehelmsfvrd ist zum Bizekönig von Indien ernannt worden. Er tritt sein Amt Ende März cm.
Die Btockade-Abfichten Englands.
N e w Y 0 r k, 17. Jan. (MDB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus: Die Blätter enthalten Telegramme, aus London, in denen mitgeteilt wird, daß Großbritannien binnen kurzem die königlichen Verordnungen, durch dre der neutrale Handel geregelt wird, durch die Erklärung einer regelrechten Blockade ersetzen werde. Beim Staatsdeparwment lief kein amtlicher Bericht darüber ein. In Regierungskreisen! glaubt man über, daß ein solches Vovgehen viele Grunde zu Mißverständnissen beseittgen und das Recht Englands, alle Einfuhr nach den deutschen Häfen zu verhindern, außer Frage stellen werde. Vermutlich werde dadurch auch die Theorie von einer endgültigen Bestimmung über Waren, über die die neuttalen Lander Deutschland erreichen, oder für Deutschland bestimUtt ftnd, geregelt werden.
Aus Frankreich.
Bern, 17. Fan. (WTB. Nichtamtlich. > Die Blätter Melden aus Marseille: Auf einen Bericht des Generals d'Amade hat der Kriegsminister die Generale Serviere, den Kommandanten des 15. Bezirkes und Berns r d, den Gouverneur von Marseille, ihrer Aemter enthoben. Der Abgeordnete von Bouches du Rhone, Buisson, benachrichtigte den Kammerpräsidenten, daß er die Regierung über die '.Gründe dieser Verfügung interpellieren werde. General C ougue t wird der Nachfolger Servieres. General d'Am ade hat den Soldaten den Zutritt ui Wirtschaften ttnr in gewissen Stunden gestattet. Diese Maßregeln erfuhren durch die Verfügung der beiden Generale gewisse Milderungen, was zum Konflikt führte. Die Gastwirte von Marseille hielten eine Protestversammlung ab wegen Maßregelung der Offiziere und beschlossen, nötigenfalls eine Kundgebung durch Schließung rhrer Geschäfte am 24. Januar zu veranstalten.
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Der türkische Bericht.
Konstantinopel, 17. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier meldet: An der Irak front hält der aussetzende Artilleriekampf bei Kut el Amara an. An der Kaukasus front setzte der Feind auck) gestern seine Angriffe gegen unsere Stellungen nördlich und südlich des Aras-Flusses fort. In diesem Abschnitte mußtenUnsere -Truppen, die seit einigen Wochen die beträchtlichen Kräfte eines feindlichen Flügels in der Nähe des Tales Id aufhielten, aus ihren vorgeschobenen Stellungen unr einige Kilometer zurückgehen. Südlich vom Aras brachten wir dem Feinde in Naykämpfen in vorgeschobenen Stellungen aroße Verluste bei und erbeuteten eine Menge Massen.
' Von den Dardanellen ist nichts zu melden.
Die Thronrede des Königs von Schweden.
Stockholm, 17. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Die vom König bei der Eröffnung des Reick)stages im Neichssaal des königlichen Schlosses oorgelegte Thronrede bespricht erstens den immer umfangreicher werdenden Kamps, dessen Ergebnis über die Zukunft der Völker entscheiden werde. Die Regierung hoffe stebhast, die Neutralität, die sie zu Kriegsbeginn erklärt Habe, auch in Zukunft beobachten zu können. Die Rede lagt
ferner: Zwecks Aufrechterhaltung der Neutralität und des Sel b st- bestimmungsrechtes Schwedens haben wir die Strestkrafte zu Lande und zu Wasser vermehrt und mMen ffe stets berett- halten. Das. schwedische Volk hat im verflossenen Jahre in mannigfache ''Weise unter den Wirkungen des Krieges ge,tanken. Die Kttegsführenden vernachlässigten inrmer mehr dre Grundiahe des Völkerrechts und ihren Zweck, die Beschirmung der Neutralen und Begrenzung der gewaltsamen Handlungen de 0 Krieges gegenüber dem friedlichen Verkehr. Schweden, dessen glorreicher Anteil an der Schöpfung dieser Grundsätze bekannt ist, ergriff teu- roeife zusammen mit den Regierungen der beiden anderen ikandinn- vischen Länder Maßnahmen zur Aufrechterhaltung die,er anerkannten internationalen Grundsätze. Die Haltung der kriegführenden Mäckte verursachte dem schwedischen Volk erhebliche w i r t s ch a s t - l i ch e S ch w i e r i g k e i t e n. Die Regierung mußte mehrere Male gegen Versuche, den Handel unter fremde Aussicht zu stellen, einschreiten. Tie Arbnt für die Stärkung der Landesverteidigung müsse ohne Verzug fortgesetzt werden. Trotz großer Sparsamkeit im Budget würden Entlvürfe zu einet neuen Steuer vorgelegt werden. Die Thronrede bemerkt, die Regierung habe die Absicht, dem Reichstag vorzuschlagen, besondere Abgeordnete auszuwählen, die mit der Regieriing geheime Fragen überlegen sollen, wie dies z. B. im Herbst 1914 bereits der Fall gewesen ist.
Aus dem Reiche.
Der deutsche Lanwvirtschaftsrat und das Verhältnis zwischen Oesterreich-Ungarn und Deutschland.
Berlin, 17. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Der ständige Ausschuß des deutschen Land Wirtschaf tsrats hat kürzlich über das wirtsclMftspolitische Verhältnis zwi- scheu Oesterreich-Ungarn und dem Deutschen Reiche verhandelt. Er faßte folgenden Beschluß: Die Ereignisse des gegenwärtigen Weltkrieges bewirken eine Neugestaltung der wirtschaftlichen Verhältnisse Europas, dre für die künftige Volkswirtschast der mitteleuropäischen Staaten von größter Bedeutung sind. Während die wirtschaftlichen Verhältnisse von Landwirtschaft, Industrie und Handel bisher durch internationale Beziehungen geregelt worden sind, sind die Verbündeten der europäischen Zenttal- mächte hinsichtlich der Erzeugung und des Absatzes nunmehr auf ihr eigenes Gebiet beschränkt. Obgleich mrt dein Friedensschluß hierin eine Besserung eintteten durfte so muß doch auf längere Zeit mit einer fortgesetzten feindlichen Gesinnung unserer jetzigen Gegner gerechnet werden, wofür deutlich erkennbare Anzeichen wahrnehmbar sind. Daraus ergibt sich für uns die Notwendigkeit, für das Wirtschaftsgebiet in größerem Umfange zu sorgen. Zur Anbahnung dieses Zieles ist zunächst ein engeres, wirtschaftspolitisches Verhältnis zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn ins Auge zu fassen.
Von der Sozialdemokratie.
Berlin, 18. Jan. Aus dem „Vorwärts" ersährt man, daß die Landeskommission der Sozialdemokratie Preußens, die am 14. und 15. Iatzuar tagte, mit 25 gegen 6 Stimmen bei einer Enthaltung, nachdem ihr die von der Fraktion zur Etatsberatung formulierte Erklärung vorgelegt worden war, folgenden Beschluß annahm: Die Landeskommissivn, nach dem Statut zur Führung der Parteigeschäfte der Sozialdemokratie Preußens berufen, kann der von der Mehrheit der Landtagsfrak- tion beschlossenen Erklärung zum Kriege nicht zu stimmen. Sie billigt die .Haltung und Politik der Reichstagssraktion, die in der Erklärung vom 4. August 1914 sestgelegt ist und spricht die bestimmte Erwartung ans, daß, durch die Landtags fr attivn nicht geschieht, was geeignet ist, die Polittk der Reichsbagssraktton zu durchkreuzen. Nach Annahme dieses Beschlusses trat die Landbagssraktion zu erneuter Beratung einer Erklärung zusammen. Die Fraktion nahm zwar einige Aenderungen an der Erklärung vor, berücksichtigte aber wesentliche Wünsche der Landeskommission nicht. Darauf faßte die Landes- kommission mit 21 gegen 5 Sttmmen den Beschluß, zu konstatieren, daß die Landtagssraktion ihre Mitteilungen nicht berücksichtigt hat. Die sozialdemokrattschen LandtagsabUe- ordneten Hirsch, Hofer, A. und P. Hossmann, Liebknecht urtd Strobel erklärten hierzu laut „Vorwärts": Sie konnten als Richtschnur für ihre Tättgkeit nur das Parteiprogramm und die Beschlüsse der nationalen und internationalen Parteitage anerkennen. Sie bestritten der Landeskommission das Recht, ihr die Polittk vorzuschreiben.
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Berlin, 17. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Bei der Etats- beratung im Ab ge ordneten hause erklärte Minister des Innern v. Lö bel l: Die Regierung hält zur Erhaltung und Stärkung des preußischen Staates ein Zusammenarbeiten mit den Parteien für durchaus notwendig; sie hält es aber nicht für an gezeigt, die Frage des preußischen Wahlrechts jetzt einer endgültigen Lösung entgegenführen zu wollen. Sie ist entschlossen, wenn die Waffen ruhen, an die Lösung dieser Frage heranzugchien. Bis dahin muß diese Frage dem politischen Leben ferngehalten werden.
In dem dem Landtag zugegangenen Gesetzentwurf werden zur Förderung derinnerenKolonisation hundett Millionen Mark gefordert.
Berlin, 17. Jan. (WTB. Nickst«nttlich.) Der Bundesrat beschloß eine Verordnung, wonach derjenige, der Salzheringe einführt, verpflichtet ist, diese an die Zenttaleinkaufsgesellschaft mbH Berlin unter gewissen Voraussetzungen abzuliefern. Der Reichskanzler trifft hierfür die nötigen AussüHrungsbesttnuNungen.
Berlin, 17. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Fm Etappengebiet des Oberbefehlshabers Ost ist eine kaiserlich deutsche Post- und Telegraphenverwaltung im Postgebiete des Oberbdfehlsl-abers Ost mtt dem Amtssitz in Ko w no eingerichtet worden, die den Post- und Telegrammverkehr der Bevölkerung mit Deutschland und der Gebiete des Generalgouvernements Warschau, sowie innerhalb der Etappengebiete des Oberbesehlshabers Ost vermitteln wird. Tie zunächst eingerichteten Reichspostanstalten vermitteln vorläufig nur den Verkehr der Bevölkerung. Ein privater Post- und Telegrammverkehr zwischen dem Postgebiete des Oberbefehlshabers Ost und dem neuttalen Ausland ist nicht zu gelassen. Das Amtsblatt des Reichspostamtes enthält die näheren Bestimmungen.
Berlin, 17. Jan. (WTB. Nichtamtlich) Der „Reichs- anzeiger" veröfsentticht ein Ausfuhr- und Durch fuhrverbot für Holzschuhe; ferner eine Bekanntmachung über künstliche Düngmittel._
Die Krönung yuanschilais.
London, 16. Jan. (WTB. Nichtamtlich) Wie die „Times" ans Peking ersährt, ist die Krönung Yuanschi- kais aus den 9. Februar festgesetzt worden. Der deutsche und der öfter reicht sch-uu q arische Gesandte sind angewiesen worden, das K a i s r r e i ch a n z u e r k e n - neu. Grillige Neutrale werden dem ttspiel vielleicht folgen. Puanschi kur glaubt, daß feine Krö 'g dem unsicheren Zustand ein Ende bereiten wird.
Ans L-tcrdt ttiifc £cmd.
Gießen, 18. Januar 1916.
Rriegsarbeit in Gießen.
IX.
Kriegsfürforge in den Landgemeinden des Kreises Gießen.
Soweit der Kreis Gießen in Bettacht kommt, bestanden bei Ansbruch des Krieges Zweigvereine des Äffischen Landesvereins vom Roten Kreuz nur in Gießen, Grünberg, Hungen und Lich, Zweigvererne des cklice- Frauenvererns nur in Gießen und Großen-Bnseck Vorarbeiten zur Gründung weiterer Zweigvereine in denLand- gemeinden waren zwar schon seit einigen Jahren im Gange und zum Teil auch schon erfreulich gefördert. Die Vielgestaltigkeit des Vereinslebens auf den verschiedensten Gebieten und nicht zum wenigsten der Glaube an den Fortbestand des Friedens ließen jedoch die Verhandlungen nicht zu einem Abschluß kommen. ^
Der Krieg hat nun mit einem Schlag alle Gegensätze überbrückt. Alle Volksschichten empfanden unausgesprochen das Bedürfnis, zusammen zu arbeiten ftir unsere ausziehen- ! den Krieger und deren Angehörigen. Alle wollten helfen,
! und jeder bemühte sich, in seiner Art und nach seinem Können dem großen Ganzen zu dienen.
Für die unter dem Zeichen des Roten Kreuzes. schon arbeitenden Vereine vollzog sich die Sammlung wie die Nutzbarmachung der vorhandenen Kräfte von selbst. Weniger einfach lagen die Verhältnisse in den Kreis - emeinden, für die solche Organisationen noch nicht estanden. Hätte man die dort nach Mitarbeit drängenden, Kräfte sich selbst überlassen, so wäre eine Zersplitterung zu befürchten gewesen. Vereint dagegen konnten sie, aus gemeinsame Ziele gerichtet, wie auch der Erfolg gelehtt hat, Hervorragendes leisten.
Die immerhin vorhandenen Bedenken, die erfahrungs- gemäß durch ein Eingreifen der Verwaltungsbehörde auf Gebiete, die weniger das staatliche Verwaltungswesen als das Gefühlsleben berühren, ausgelöst werden, mußten hinter die Notwendigkeit einer Sammlung aller vorhandenen Kräfte zurück treten, und man glaubte bei dem Ernste der Lage mit her Gründung einer zunächst für die Dauer des Krieges berechneten Kr e i s organisatton Vorgehen zu sollen.
Der Provinzialdirektor erließ deshalb schon am 4. August 1914 durch den Gießener Anzeiger einen Aufruf, worin er den maßgebenden Faktoren in den Landgemeinden des Kreises den Zusammenschluß zu einem „Ortsausschuß" mit der Zweckbestimmung nahelegte, der Fürsorge der Kriegs- ! teilnehmer und ihrer Familien zu dienen. Der Erwartung entsprechend hat sich die Bildung der als Grundlage der ganzen Organisation gedachten Ortsausschüsse sowie die > Frage des Vorsitzes in ihnen ohne behördliche Einwirkung und ohne Reibungen vollzogen. Die Bildung eines sämtliche Ortsausschüsse umfassenden Kreiskomitees ist erfolgt, nachdenr die Namen der Mitglieder der Ortsausschüsse mitgeteilt worden waren. Seit nunmehr 16 Monaten hat sich diese Organisation bewährt.
Dem Kreiskomitee war die Ausgabe gestellt, die Tätigkeit der Ortsausschüsse zu leiten und den unmittelbaren Verkehr mit denjenigen Personen und Personenkreisen zu pflegen, für die die Organisatton von Nutzen sein sollte. Es hat sich deshalb sofort mit der Anfstellnng von Grundsätzen befaßt, nach denen sich die Arbeiten in den einzelnen Kreisgemeinden vollziehen sollten. Als Arbeitsgebiete waren in Aussicht genommen: 1. Geldsammlungen für das Rote Kreuz gemäß den von dem Landesverein an die Großh. Bürgermeistereien ergangenen oder noch ergehenden Ersuchen: 2. Vermittlung von Unterkunstsstellen für in Genesung befindliche Soldaten; 3. Errichtung von Aus k un ft s- und Vermittlungsstellen für den schriftlichen Verkehr mit im Felde Stehenden usw.; Besorgung der zur Nachforschung über den Verbleib vermißter Kriegsteilnehmer nötigen Schriftlichkeiten; 4. Herstellung von Wäsche, Strümpfen und dergleichen für im Felde befindliche Soldaten, sür Verwundete und Zurückkehrende; 5. Aufnahme und Vermittlung von Unterstützungsgesuchen bedürftiger Angehöriger von Kriegsteilnehmern; 6. Schaffung von Gelegenheiten zur Beaufsichtigung von Kindern, deren Angehörige dem Erwerbe nachgehen müssen; Förderung der Wöchnerinnen- und Säuglingspflege: 7. Ausbildung von sogenannten Nothelferinnen für Ortszwecke; 8. Belehrung über sachgemäße Aberntung und Aufbewahrung von Wintergemüse, späterhin Feststellung der vorhandenen Gemüse- vovräte und Nachweis der hiervon zur Abgabe nach außer versügbaren Mengen. . . ..
In Ermangelung ;eder Erfahrung konnten dre ihrer Lösung harrenden Aufgaben im voraus nur in allgemeinen ! Umrissen sestgelegt werden, und es ergab sich auch schon bald, daß infolge Uebernahme der Fürsorge von anderer Seite die vorstehend unter Ziffer 6 und 7 vorgesehenen Arbeitsgebiete nicht in das Betätigungsbereich einzubeziehen waren. Dagegen wuchs der Kreis der Aufgaben in dem Maße, m dem der Feldzug in seinem Fottschreiten und in seinen Folgen weitere Bedürfnisse zeitigte und Mittel zu deren Abstellung erforderlich machte. So wurden allmählich sür die Tätigkeit der Organisation die folgenden Gesichtspunkte maßgebend: Sorge für die verwundeten und kranken Soldaten, für die im F e l d e stehenden Soldaten, für die Angehörigen der Kriegsteilnehmer, für die k r i e g s g e f a n g e n e n Deutschen, für die Zukunft der Kriegsbeschädigten, um die durch Gebietsbesetzung seitens des Feindes notleidend gewordene Zivilbevölkerung und allgemeine Kriegssürsorge.
Diesen Aufgaben suchte man dadurch gerecht zu werden, daß man auf Anregung und unter Veaniittttma des Reserve- > Lazarett-Delegierten Lazarette — auch die Reservelazarette I— mit Lazarettarttteln und Nahrungsmitteln versah, Er- srischungen usw. zur Verabreichung an Durchfahreiide bereitt- stellte, einzelne Bedürftige mit Bekleidungsstücken während ihres Auseiithaltes in den Lazaretten und bei ihrem Wiederauszuge versorgte, und weiterhin Besttebungen zur Be- schasfung von Sanitätshunddn, Krankenautos usw. unterstützte. Um ein Bild der Opserfreudigkeit der Landbevölkerung zu geben, mag aus vielem hier nur angegeben werden, daß inan in der Lage war, sämtlichen hiesigen Lazaretteii neben erheblichen Ueberw>eisungeii an Leinen und WoNsachen mehr als 60000 Eier, mehr als 55000 kg Kartoffeln und inehr als 30000 kg Gemüse zuzuwenden.
DiezurVersendun g ge eigne ten Nahrungsmittel gingen an die Truppen im Felde. Neben erheblichen Dürr- obstmengen kamen annähernd 2000 kg Fleischwaren und größere Mengen Zigarren und Tabak zum Versand. Außerdem wurden die Krieger mit wollenen Bekleidungsstücken und Strümpfen — letztere in. der Zahl von mehr als 6500 Paar — versehen.
Uin den im Felde Stehenden das Fernsein von Haus und Familie gerade am Weihnachts feste zu erleich-


