Periodikum 
Ökonomische Neuigkeiten und Verhandlungen / Beilage zu den Ökonomischen Neuigkeiten
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Elaſtizität ³) etwas ganz anderes, als der An⸗ dere; nicht beſſer ergeht es uns mit dem Ausdrucke

Nerv;) und am allerwenigſten ſind wir noch darüber

eins, ob und bis zu welchem Erade die Dichtheit des Vließes eine unerläßliche Eigenſchaft der Wolle; ²0) noch mehr: in wie weit Dichtheit des Vließes unerläßliche Ei⸗ genſchaft eines zur Zucht beſtimmten Stammbockes ſey. ¹¹) Hier ſind die Meinungen am ſchwerſten zu vereinigen. Was dem Einen ſchon zu dicht zu ſeyn ſcheint, iſt dem Andern noch ein ſchütterer Pelz, und ſo auch umgekehrt. 42) Heut zu Tage ſcheint man jedoch davon, nämlich von der Dicht⸗ heit des Vießes, ganz abgehen, und nur bloß die Feinheit des Fadens im Auge behalten zu wollen! 13) In Anbetracht der Elaſtizität der Wolle ſey mir erlaubt, hier in Kürze darauf aufmerkſam zu machen, daß Herr v. Moro aus Klagenfurth in ſeiner ſchätzbaren, an den Schafzüchtler⸗Verein gerichteten, diesfälligen Ein⸗ gabe für das Jahr 1817diejenigen Wollen für ſehr ela⸗ ſtiſch erklärt hat, wovon ſich der einzelne Faden auf die doppelte Länge des Vließes ausdehnen laſſe. Unter dieſer Eigenſchaft, die nur bloß ſtark gekräuſelten Wollen eigen iſt, verſtand ich, und mit mir gewiß ſo viele andere Schaf⸗ züchtler, die ſogenannte Krümpekraft ¹4) oder die Kraft des einzelnen Wollfadens, ſich bei einer von außen ver⸗ anlaßten Ausdehnung aus der ſpiralförmigen Lage in ei⸗

nen graden Faden richten zu laſſen nach gehobener Deh⸗

nung von außen ſeine vorige ſpiralförmige Lage wieder ein⸗ zunehmen, und ſich ſo dem Auge wieder in kürzerer Länge darzuſtellen. Unter der Elaſtizität der Wolle hingegen, verſtand ich bloß das Beſtreben einer Wollflocke, nach ei⸗ nem ihr beigebrachten Drucke etwa des Daumens und Zei⸗ gefingers wieder ihre vorige Lage nicht in bloßer Hinſicht auf Länge des Fadens, ſondern vielmehr in Hinſicht der Dicke des ganzen Wollflockens ſchnell einzunehmen und überhaupt das Beſtreben, dem Drucke zu widerſtehen, un⸗ gefähr, wie ein mit Roſtaar gut ausgeſtopfter Polſter dem äußern Drucke widerſteht. Noch deutlicher läßt ſich die Elaſtizität, die ich meine, bei einer Wollprobe, gleich nachdem ſie vom Thiere geſchoren wird, beurtheilen. Eine ſehr elaſtiſche Wolle wird an dem abgeſchnittenen Ende ſchnell einem Pinſel gleich aufſchwellen eine andere aber, mei⸗ ner Meinung nach minder elaſtiſche, ſich wenig oder gar nicht gegen das zwiſchen denen Fingern haltende Ende er⸗ heben vielmehr gleich ſeidenen Fäden herabhängen. Welche von beiden Eigenſchaften iſt alſo wohl nun die Elaſtizität und wie ſoll die andere Eigenſchaft der Wolle, die ich ſo eben zu beſchreiben verſucht habe, genannt werden? Wirkt bei dieſer Erſcheinung nicht neben Elaſtizi⸗ tät auch der Nerv der Wolle? benn matte, kraftloſe Wollen und Wolle von kränklichen Thieren widerſtehen dem äußern Drucke ſehr wenig, wenn ſich auch einzelne Fäden derſelben über das Doppelte des Vließes, welches gewöhnlich in ſol⸗ chen Fällen verſchrumpft, daher nicht hoch iſt, ausdehnen laſſen,

Wie ſell endlich ein Maßſtab für die Dichtheit

1 der Vlie ße*) ausfindig gemacht werden, da dieſelbe nicht immer von der Menge der Wollfäden, ſondern auch von dem darin befindlichen Fette herrührt? Aus gleichem Grunde, und nebſtbei auch wegen der größern oder kleine⸗ ren mit Wolle bewachſenen Oberfläche, kann das Wollege⸗

wicht zu keinem richtigen Maßſtabe der Dichtheit des Vlie⸗

ßes angenommen werden. Das Fett der Wolle ſpielt hier ſo, wie bei Beurtheilung der Feinheit und Sanft⸗ heit des Wollfabens eine bedeutendere Rolle, als man ge⸗ wöhnlich glaubt. Die Erfahrung lehrt uns, daß gut ge⸗ nährte, folglich vollkommen geſunde Merinos bedeutend mehr Fett in der Wolle beſitzen, als ſchlecht genährte, oder gar kränkliche. So wie aber ein Thier fettere, ſchwei⸗ ßigere Wolle beſitzet, ſo bekömmt es auch gleich einen ſchein⸗ bar ſtärkeren Faden, und würde alſo ſchon bei der Schätzung der Feinheit mit dem Wollemeſ⸗ ſer verlieren, ſtatt daß es wegen ſeiner geſünderen und kräftigern Wolle an Werthe gewinnen ſolltez denn daß Welle von geſunden gut genährten Thieren für jede Fabrikazion tauglicher, als ſogenannte Hunger⸗ oder Sterblingswolle ſey, wird wohl niemand in Abrede ſtellen wollen? Wenn auch dagegen das im Vließe befindliche Fett dſe Dichtheit deſſelben durch einen geſchloſſenen Pelz zu beurkunden ſcheint, ſo müſſen, meiner Meinung nach, dennoch nicht das Fett, ſondern die größere oder min⸗ dere Anzahl Wollfäden auf einer gegebenen Ober⸗ fläche Raum die Dichtheit entſcheiden, weil ich ſelbſt Dicht⸗ heit und Geſchloſſenheit des Vließes noch als zwei ganz rer⸗ ſchiedene Eigenſchaften des Vließes betrachte.*6) Obwohl ich nun oft und anhaltend darüber nachdach⸗ te, Mittel ausfindig zu machen, um alle dieſe Eigenſchaf⸗ ten mathematiſch richtig beſtimmen zu können, ſo muß ich doch aufrichtig geſtehen, daß es mir bis itzt damit keines⸗ wegs gelingen wollte. Ja ich muß ſogar geſtehen, daß, wenn ich gleich der ſcharfſinnigen Erfindung des ſchir⸗ meriſchen Wollemeſſers alle Gerechtigkeit widerfahren laſſe, mich derſelbe dennoch bei weitem nicht gänzlich be⸗ friedigt. Mittelſt des Wollemeſſers wird wohl die Dicke des Wollfadens ziemlich genau beſtimmt, da aber nicht alle einzelne Fäden eines Wollmuſters(wenn es dem äu⸗ ßern Anſcheine nach noch ſo ausgeglichen wäre) von einer und derſelben Dicke ſind, ſo giebt der Durchſchnitt von 4, 5, 6, auch noch mehrerer zur Probe genommenen Fäden

dennech keinen beſtimmten Maßſtab für die Feinheit eines

ganzen Vließes, oder auch nur einer Flocke desſelben; weil es grade der Zufall machen könnte, daß 4 oder meh⸗ rere genommene Fäden einer und derſelben Wollflocke ein⸗ mal alle ſtärker, dagegen wieder eben ſo viele Fäden der nämlichen Wollflocke, bei einem zweiten oder dritten Verſuche alle feiner zuſammentkreffen können.

Es blieb mir daher bisher nichts anderes übrig, als mich auf eine gute Lupe, und das Gefühl meiner Finger zu verlaſſen, und ich habe mich ſelten über die beſſern oder ſchlechtern Eigenſchaften der unterſuchten Wollen getäuſcht.*)