Periodikum 
Ökonomische Neuigkeiten und Verhandlungen / Beilage zu den Ökonomischen Neuigkeiten
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Merkwürdig war es, daß eine aus Preußiſch⸗Schle⸗

fien eingeſchickte Muſterkarte Rochsburger Abſtammung, nach der Sortirung des Herrn Wagner in Berlin geord⸗ net in ihren 4 Stufen Electa, Prima, Secunda, Tertia genau mit 7, 8, 9, 10 des Schema übereinſtimmte, und ſo ſich die Sortirung des Herrn Wagner mit dieſem Schema ſehr gut controllirte.

Mein Gutachten über dieſes Schema.

unſtreitig führt nun dieſer aufgefundene, und mit Bewei⸗ ſen belegte geometriſche Maßſtab einen großen Schritt weiter, den Täuſchungen und der Willkür in der Beſtimmung zu ent⸗ gehen. Ich ſchlage, nachdem ſich die Herren Repräſentanten durch Prüfung von der Richtigkeit deſſelben überzeugt haben werden, deſſen vorläufige Annahme, nebſt allgemeiner Aufforderung*) zu noch ſchärferer Vervollkommnung vor, ſo, daß künftig die Zahlen 5 11 kurz die Feinheits⸗ grade edler Wollen beſtimmen. Ich muß dabei auf⸗ merkſam machen, daß ein ſcharfes oder bewaffnetes Auge an den in der Zten Columne des Schema auf ſchwarzem Papier ausgeſpannten Fäden die unterſchiede der Feinheit, und zwar nach demſelben Verhältniß erkennen wird, als es die Zah⸗ len ausdrücken. Am auffallendſten ſpringt dieß in die Augen, wenn man 5 mit 11 und 6 mit 10 vergleicht und dadurch von ſelbſt ſehr anſchaulich 7, 8 und 9 als richtige Proportional⸗ größen anerkennt⸗

Es ſcheint aus dieſer Muſterkarte hervorzugehen, daß wenn die Electoralwolle(wofür die Rochsburger edelſte oder Electa paſſirt, nach unſerem Schema aber doch erſt N. 7) als höher veredelte ſpaniſche, letztere ſo wie ſie am gewöhn⸗ lichſten erſcheint, an Feinheit übertrifft, ja den bis jezt erkann⸗ ten höchſten Feinheitsgrad erreicht, die Veredlung in Abſicht auf Feinheit noch höher getrieben, und bis jetzt noch nicht beſtimmt werden könne, wie weit man damit noch kommen dürfte. Dieſes Muſter⸗Schema iſt bei mir aufzubewahren, und dieß, wie ſeine ganze Beſchaffenheit, bekannt zu machen, damit Jeder, dem daran gelegen, das Schema kennen lernen und deſſen Brauchbarkeit aus eigener Anſicht beurtheilen lernen könne.

Beſchluß.

Dem Gutachten wird beigepflichtet. Der anweſende Herr Graf Hohenthal ward erſucht, das Schema und die demſel⸗ ben entſprechenden Benennungen den Sachſen annehmlich zu machen, welches derſelbe übernahm. Eine gleiche Einladung ſoll Herrn Staatsrath Thaer für Preußen überhaupt, und dem Herrn geheimen Oberfinanzrath von Prittwitz für das angränzende Preußiſch⸗Schleſien insbeſondere, und über⸗ haupt an alle erfahrene Schafzüchtler, Wollkenner und Woll⸗ häͤndler gemacht werden; oder aber ein vollkommneres vorzu⸗ ſchlagen. Zugleich iſt es bekannt zu machen, daß der Verwal⸗

1 175 ter Andr'é bereit iſt, ihm eingeſendet werdende Muſter zu be⸗ ſtimmen und nach ſeinem Schema zu klaſſifiziren.

um auch dem Punkt p. des von mir vorgeſchlagenen Be⸗ ſchau⸗Regulativs gleich diesmal entſprechen zu können, war ſchon früher die Einleitung getroffen worden, dem Verwalter Rudolph André die Abfaſſung deſſelben aufzutragen. Er über⸗ gab daſſelbe mit einem Beiſpiele, zu welchem eine eingeſendete Wollmuſterkarte Anlaß gab, in der Anlage A.

(Man ſehe die folgenden Seiten 176 und 177).

Mein Gutachten.

Es iſt dieß Schema zuerſt dem Gutachten der Herren Repräſentanten, allenfalls mit Zuziſehung noch einiger der er⸗ fahrenſten Schafzüchtler zu unterziehen, und ſo wie es iſt, eder weſentlich verbeſſert, einſtweilen proviſoriſch zur gewöhnli⸗ chen, allgemeinen Beſchau anzunehmen, und dann zur allgemeinen Prüfung**) öffentlich bekannt zu machen. Au⸗ ßer dieſer allgemeinen Beſchau bleibt es, wie bisher, Jedem frei, auch die beſondere nach Verwalter Andreé's früherem und ſpeziellerem Schema, oder endlich eine dritte, nach eignen, geſtellten Fragen zu verlangen.

Beſchluß.

Einſtimmige Annahme, und ſoll man ſich bei der Beſchau ſelbſt nicht mehr mit Beurtheilung und Beſtimmung der Fein⸗ heit aufhalten, ſondern nur die nöthigen Proben von den Thie⸗ ren nehmen und nach dieſen mittelſt Mikrometers die gefunde⸗ nen Feinheits⸗Grade in das Beſchau⸗Schema eintragen,

um endlich auch den Punkt f. meines vorgeſchlagenen Regulativs zu realiſiren, war die Vorkehrung früher getroffen, außer den bereits dem Vereine gleich von Anbeginn beigetre⸗ enen Feintuch⸗Fabrikanten, durch das ordentl. Mitglied der Ackerbaugeſellſchaft, Herrn Schönfärber Friedrich Schöll, noch einige Fabrikanten zum Beitritt und beſonders zu aktiven, paſſiven, oder ſupplirenden Beſchau⸗ Kommiſſarien einladen zu

laſſen, und der Verein hatte das Vergnügen, daß Herr Friedrich Schöll, als erfahrner Wollkenner nicht nur

ſelbſt beitrat, ſondern uns auch die Herren Feintuch⸗ Fabri⸗ kanten Mathias Seitter und Karl Oſſermann neu zuführte, deren, ſo wie der Herren Feintuch⸗ Fabrikanten Bräunlich und Memmert unverdroßnes Ausharren, Theil⸗ nahme und nützliche Mitwirkung während dreier ganzen Tage von früh bis Abends, als ein der Gemeinnützigkeit darge⸗ brachtes Opfer, ſelbſt von angeſehenen Fremden bemerkt und um ſo größer geſchätzt ward, je mehr ſie ſich ſelbſt von dem Um⸗ fange und der Bedeutenheit ihrer Fabriken durch eignen Beſuch überzeugt hatten. Andererſeits überzeugten ſich dieſe Fabrikan⸗ ten, wie viel auch für ſie beſonders Lehrreiches und Kützli⸗ ches in den Beſchäftigungen des Schafzüchtler⸗Vereins vorkomme.

*) Alle Leſer, die ſich für Schafzucht, Woll⸗ Handel und Fabrikation intereſſiren, werden eingeladen, dieſe Aufforderung

gefälligſt anzunehmen. **) Um welche hiermit erſucht wird.

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