Periodikum 
Ökonomische Neuigkeiten und Verhandlungen / Beilage zu den Ökonomischen Neuigkeiten
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. I. Beſcha u

Da zum Theil ſchon Schafe eingetroffen waren, und den Anmeldungen gemäß noch mehrere erwartet wurden, deren mog⸗ lichſt baldige Beſchau, um beſonders weit hergekommene nicht oh⸗ ne Noth aufzuhalten, in rechter Ordnung dringlich ward: ſo mußte vor Allem dieſer Gegenſtand erörtert werden.

. Vom Anfang des Vereins an hatte er die meiſten Schwie⸗ rigkeiten aus dem ſehr, natürlichen Grunde verurſacht, weil eine Beſchau ohne ſtrenge Wahrheit, Unpartheilichkeit und rich⸗ tige Grundſätze, ſo gut als keine, und es höchſt überflüßig wä⸗ re, die koſtbare Zeit mit dieſem außerdem ziemlich viel Geduld und Entſagung vorausſetzenden Geſchäft hinzuhringen. Nun aber ſind die richtigen Grundſätze gerade das, was der Verein zum Theil noch ſucht, worüber er denkt und berathſchlagt. Es findet alſo hier gewiſſermaßen ein Cirkel ſtatt, deſſen Mit⸗ telpunkt wohl aber viel ſpäter gefunden werden würde, als man jetzt hoffen darf, hätte man ſich deshalb von den Ver⸗

ſuchen zum Vollkommneren abhalten laſſen. Denn ſo und nicht anders muß man die bisherigen Beſchau⸗Vornahmen betrach⸗ ten, welche aber das unſchätzbare Gute hatten, durch den Muth des mehrmaligen Verſuchs ſelbſt erſt recht klar und anſchaulich zu machen, was und wo es noch fehle.

Dieſe Gebrechen veranlaßten die Freunde der guten Sa⸗ che zum Nachdenken über ihre Abhilfe und zur gründlichen Be⸗ ſchwichtigung der Tadler. So entſtand das Be ſchau⸗Sche⸗ ma des Verwalters Rudolph André(1816 N. 15 der Oekonomiſchen Neuigkeiten) welches angenommen wurde für Alle, welche die Beſchau ihrer Thiere nach demſelben begehren. So ſah ſich auch der hier Vortragende veranlaßt, indem er den Verein gegen einen Theil öffentlich ausgeſprochenen Tadels zu rechtfertigen ſuchte, einen andern Theil deſſelben, durch weitere Vorſchläge und Beiträge zu einem genaueren

Beſchau⸗Regulativ zu beheben. Er machte ſie in N. 39 der Oekonomiſchen Neuigkei⸗ ten 1818 auf die dort gegebene Veranlaſſung eines Kritikers über die Verſammlung von 1818, bekannt.

Es wurden dieſelben vorgeleſen, von den Anweſenden ein⸗ ſtimmig angenommen, und ſogleich dießmal in Anwendung ge⸗ bracht. Nur führte eine ſpätere Eingabe, wovon ſogleich die Rede ſeyn wird, darauf, der noch immer bleibenden Unbeſtimmt⸗ heit in den Beſtimmungen;: ſehr fein, fein, mittelfein u. ſ. w. dadurch ein Ende zu machen, daß man ſtatt ihrer die Reſulta⸗ te nach dem Schirmerſchen Mikrometer angeben wollte. Es hatte nämlich das korreſpondirende Mitglied, Herr Verwalter Rudolph André, um der eben erwähnten uUnbeſtimmtheit, die man an ſeinem vorerwähnten Klaſſifikations⸗Schema getadelt, abzuhelfen, ein Wollmuſter⸗Schema überreicht, welches 7 Stufen der Feinheit edlerer Wollen nicht nur a) mit vollem Muſter, ſondern auch b) mit dem ausgeſpannten einzelnen Fä⸗

den deſſelben und c) zugleich mathematiſch nach dem Mikrome⸗

*) Der geſchickte Mechanikus Schirmer in Daubrawitz verfertigt fie ſehr tikus Voigtländer in Wien, das Stück um 15 Dukaten in Gold.

ter beſtimmt in Zahlen⸗ Unterſchieden darſtellte, d) mit ange⸗ meſſenen Bezeichnungen. Zugleich wollte er damit den Beweis liefern, daß man mit den, von einigen Mitgliedern vorgeſchla⸗ genen 4 Stufen ſuperfein, fein, Mittel⸗ und grobe Wolle) nicht auslange, ſondern wenigſtens 7 annehmen müſſe. Er hatte dieſe Feinheitsgrade nach Meſſungen mit dem Schirmerſchen Mikrometer)(von welchem ſchon in frühern Berichten die Rede war) beſtimmt. Daſſelbe theilt nämlich den Wiener Zoll in 8200 Theile nimmt 5 ausgeſpannte Wollfaden deſſelben Wonbüſchels auf, beſtimmt deren Durchmeſſer als Zäh⸗ ler zu jenen 3200 Theilen(dieſe als Nenner betrachtet) worauf man mit 5 divisirt, um den Durchmeſſer, das iſt, den Feinheit⸗ sgrad des einzelnen Fadens zu erhalten..

So zeigte ſich, daß eine Feinheit von S229 ſich(was

man nicht glauben ſollte), ſchon der gemeinen, groben Landwolle zu ſehr näherte, um ſie nicht als letzte Veredlungsſtufe anzuneh⸗ men, unter welchem Grade es gar nicht mehr lohne, ſich mit Veredlung abzugeben, Deſto wichtiger war es höhere Stufen zu ſuchen, mit Muſtern zu belegen, und mikrometriſch zu beſtim⸗ men. Es gelang dem Verfertiger, ſie von Stufe zu Stufe von

.1I. 10. 9. 3. 716B. in den ſehr veredelten Heerden des Herrn

8200

Direktors Grafen Salm zu Raiz zu ſinden, und ſo auf dieſem Muſter⸗Schema 7 Stufen von der geringſten bis zur jetzt bekannten höchſten Feinheit, jede umz69 eines wiener Zolles unterſchieden, höchſt anſchaulich und genau vor Augen zu ſtellen. Denn ohnerachtet nicht nur überaus feinwollige Thiere, ſondern auch höchſt feine Wollen in Muſterkarten, beſonders aus Sachſen, zur Beſchau gekommen waren; ſo erreichte doch kein einziges das feinſte Salmiſche Muſter mit 5 eigentlich

4 4.4. Die Bezeichnung dieſer Stufen war folgende: 3200.

Electa I. 5

8200

6

II.

8200

mmn.=

82⁰

Prima 1,

8200

n.

8200

Secunda 49

8200

DTertia 1

8200

ſauber, nach der Erfindung des Herrn Op⸗ Indeſſen gehört eine gewiſſe Geſchicklichkeit,

und durch viele fortgeſetzte Verſuche erlangte Sicherheit und Fertigkeit, nebſt der nöthigen Zeit und Geduld und einigen

Handgriffen, bei einem ſehr geſunden Auge,(weil dies, durch häufigen Gebrauch Mein Sohn, der Verfertiger des obigen Schema,

um es mit Erfolg zu handhaben.

bracht, daß er jetzt ſchon, auch ohne Inſtrument, im Voraus ſchon mit ziemlicher

Wollfadens zu beſtimmen weiß. *

des Inſtruments angegriffen wird) dazu⸗ hat es durch viele Uebung dahin ge⸗ Zuverläßigkeit den Feinheitsgrad eines

d. H.