Jahrgang 
1-6 (1806)
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Anfrage: Ob das Seegras, der Tang, die Eigenſchaft hat, beim Ackerbau als Duͤn⸗ gungsmittel gebraucht zu werden?

Das Seegras oder der Tang, Herba grami- nis marini,(hauptſaͤchlich wohl Fucus⸗Arten) ein Auswurf der Oſtſee, wird von den am Stran⸗ de wohnenden Landbauern auf verſchiedene Art gebraucht, um, wie man glaubt, dadurch den Miſt zu verlaͤngern, oder auch einen ſtrengen Boden aufzulockern.

Nach einer chemiſchen Unterſuchung aber ent⸗

haͤlt dieſes Meerkraut nur ganz unbedeutend we⸗

nig Salz und Pottaſche; nicht weniger lehrt die Erfahrung, daß es Jahre lang im Acker unver⸗ aͤndert bleibt.

Vermuthlich legt man, aus irriger Meinung, dem Tang, welchem doch die animaliſchen Theile des Duͤngers fehlen, eine groͤßere Wirkung bei, als ſelbiger nach ſeinen innern Beſtandtheilen hervor zu bringen vermoͤgend iſt. Das Miſtma⸗ chen und deſſen ſchicklicher Gebrauch bei der Pflan⸗ zen⸗ und Baumzucht iſt unſtreitig das kraͤftigſte Mittel, die Fruchtbarkeit des Bodens zu befoͤr⸗ dern, und in dieſer Ruͤckſicht iſt man erwartend, was Sachverſtaͤndige hieruͤber zu ſagen beliehen werden.