Jahrgang 
1-6 (1806)
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III

einem halben Jahrhunderte mit eigenen Augen verfolgte, und die unzaͤhligen unfehlbaren Mittel kennen lernte, die nach einigen Jah⸗ ren, der Arzneikunſt nur noch zum Ballaſt dienten, bis ſie nach eingenommener friſcher Ladung uͤber Bord geworfen wurden, der wird ſchwerglaͤubig. Ach! es wird ſo leicht etwas als Erfahrungsſache angenommen, was weit entfernt iſt, eine zu ſeyn; ſo leicht ein Er⸗ folg einem angewandten Mittel zugeſchrieben, welches die Wirkung ganz anderer Urſachen, mehrentheils der Natur war.

Wer die Truͤglichkeit angeblicher Erfahrun⸗ gen kennt, verlangt die Beobachtungen mit allen Nebenumſtaͤnden, die auf den Erfolg Ein⸗ fluß haben konnten, zu wiſſen; verlangt oͤftere Wiederholung unter veraͤnderten Nebenumſtaͤn⸗ den; verlangt, wo irgend moͤglich, die Gegen⸗ verſuche d. h. daß bei Weglaſſung des we⸗ ſentlichen Punkts dasjenige nicht erfolgte, was man ihm als Wirkung beimaß.

Freilich iſt der Irrthum in der Ackerbau⸗ kunde leichter zu vermeiden, als in der Arznei⸗ kunde, und das Korn der Wahrheit beſſer von den Schlacken zu ſondern. Aber dies muß uns um ſo vorſichtiger machen.

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