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von der Heerde zu entfernen, ehe die Krankheit all⸗ gemein wird: geſchiehet die Trennung nicht zu ſpaͤt, ſo wird die Krankheit gewiß ſich nicht weiter verbrei⸗ ten, aber wenige Schaͤfer moͤgen ſich die Muͤhe geben, die Muͤhen, die das Trennen und die beſon⸗ dere Pflege des kranken Thiers erfordert, mit der hier nothwendigen Sorgfalt zu uͤbernehmen. Wenn die Krankheit allgemein wird, erfordert ſie zehnmal mehr Muͤhe, und Verluſt iſt unvermeidlich; denn wenn die Zahl der Kranken uͤberhand nimmt, ſo koͤnnen ſie nicht mehr mit der Sorgfalt behandelt werden, die ſich bei einzelnen anwenden laͤßt.
Die Raͤude iſt, wenn der Schaͤfer ſie ſogleich bemerkt, durch Einreibung von Kien⸗Oel und Fett (im Sommer Talg, im Winter Schmalz) auf der Stelle, wo die Puſteln der Raͤude ſich zeigen, ge⸗ woͤhnlich bald zu heilen. Iſt das Uebel tiefer ein⸗ gewurzelt, ſo muß das kranke Thier geſchoren und in Lauge, die von gekochten Tabacksblaͤttern bereitet wird, wiederholt gewaſchen und dabei das vorbe⸗ ſchriebene Einreiben mit Kien⸗Oel⸗Salbe ange⸗ wandt werden.
Die Pocken werden den Schaafen vorzuͤglich gefaͤhrlich, wenn ſie im Winter eng beiſammen in dunſtigen Staͤllen liegen; hier verbreitet ſich die Anſteckung ſchnell und die Ausduͤnſtung der kranken Schaafe macht die Krankheit boͤsartiger; die Pocken kommen uͤber den ganzen Leib, verhindern im Halſe das Schlucken, viele Schaafe krepiren, andere werden blind. Das Einimpfen,— welches an der inwendigen Seite des Hinterſchenkels der Schaafe mittelſt eines kleinen Tropfens Limpfe, der auf einem Federmeſſer aus der Puſtel einer Pocke, die eben vollſtaͤndig aber noch nicht in Eiter uͤberge⸗ gangen ſeyn darf, genommen wird und unter der Haut des zu impfenden Schaafes, beim Flachein⸗ ſtechen des Meſſers, eingeſchoben werden muß,—


