Jahrgang 
1838
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gänglich wird, während ihre Wirkungen auf die Massen der Völker. blos dur< lokale Beispiele von einsichtsvollen einzelnen== und dabei nothwendig vorsichtigen=- Män- nern nur sehr langsam vordringen, daneben, im Kampfe mit vorgefaßten alten Ge- wohnheiten und ererbten Abneigungen gegen alles Neue und Bessere, einen so un- gleichen, als mindestens bald früheren und größeren, bald späteren und geringeren Ein- gang und Erfolg genießen. Außerdem bewirken Menschenschlag, allgemeiner Grad dev geistigen Kultur und höhere oder geringere Bodengüte und Absaßlage in den einzelnen deutschen Provinzen und Staaten bald mehr bald weniger einen gewissen Vorsprung in der Landwirthschaft; und selbst der noch ungleiche, ja sogar häufig mit davon bedingte Fortschritt in deren Betriebsart gibt demselben eben so viele als wiederum verschiedene Impulse, um sie nicht selten nur distriksweise oder provinziell in steigender Aufnahme zu erbli>ken.

Bigher haben die Hülfswissenschaften schon Vieles und Großes geleistet. Botanik, Mineralogie, Physik und besonders Chemie sind und bleiben für immer die Grundhebel der Landwirthschaft- Nur durch ihre Stüßen hat sie einen dringendst nöthigen, festeren allgemeineren Standpunkt erhalten, und nur von ihnen hat die Zukunft eine no< ge- nerellere Feststellung aller Prinzipien zu gewärtigen, und so zuleßt auch die einsichtsvolle- sten landwirthschaftlichen Schriftsteller gewissermaßen unter einen Generalnenner zu brin- gen, welcher dann durch weitere Erfahrungen und Modifikationen nur die bessere Regu- lirung erhalten kann-und wird,

Die Presse allein wird das lange noc< nicht zu erreichen vermögen 3 wohl aber führt ein Verein der obigen Art viel schneller und sicherer zum Ziele, indem der wech- selseitig= manchfaltigste Austausch von wirklich haltbaren und auf praktischen Erfahrun- gen basirten Grundsäßen jedem Theilnehmer aus den verschiedensten Gauen und Staa- ten Deutschlands eine Ausgleihung und Ausstattung von Ansichten in seine Heimath mitgibt, welche, in der vorsichtigen Anwendung im Kleinen, viel sicherer und rascher wucherliche Zinsen für das Gemeinwohl tragen und in der dann erst weiter verfolgten Verfahrungsart sich überall mehr und mehr zu generellen Prinzipien darüber ausbilden, Nur in diesen leßteren und no< anderen ähnlichen Beziehungen glaube ich die einfluß- reichste, wirksamste Seite-aller wissenschaftlichen Vereine zu erfennen, und halte mich daher schon im Boraus mit freudigster Zuversicht von den künftigen vielseitigen glük- lichen Erfolgen des jeßt gestifteten Überzeugt.;

Mögen Sie, als die Stifter- und Begründer dieses, zu des mir unvergeßlich theu- ren Königreichs Sachsen größter Ehre gereichenden, ersten landwirthschaftlichen Vereines deutscher Landwirthe, diese stillen Glü>wünsche, als den reinsten Ausdru> meiner innigsten Vorliebe für die Landwirthschaft und den vorliegenden Zwe gütigst aufzuneh men belieben, zumal-ich bei der Kürze der Zeit und der großen Eilfertigkeit dieser Zei len nicht weiß, ob Andere meines Vaterlandes==. was ich wünsche und hoffe=. dem dortigen Verein gleiche und noch größere schuldige Aufmerksamkeiten erwiesen, oder dem- selben sogar beneidenswerth beigewohnt haben.

Indem ich den Zufall bedauere, zu spät von der Errichtung eines Vereins in Kenntniß geseßt und dadurch behindert worden zu sein, der gegenwärtigen ersten Zu- sammenkunft mit beizuwohnen; und indem ich mich zur Ausrichtung von etwa fünfti- gen Wünschen und beliebigen Aufträgen des Vereins gern erbiete, daneben um die dem- nächstige gefällige Mittheilung der Vereinsstatuten und einer ungefähren Nachricht von den dießmaligen Verhandlungen angelegentlichst bitte, ersuche ich Sie zugleich," den ver- sammelten verehrtesten Mitgliedern meine theilnehmendsten Glückwünsche zu bezeigen, und verharre 2c.

Münder bei Hameln, am öten Oktober 1837. SB 1 1420.04

Oberkommissair bei königlich- hannover"scher Domainen- kammer.