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durc) meinen Aufenthalt von Ostern 1783 bis Michaelis 17838 in der damals kur- fürstlich- sächsischen Landschule Pforte bei Naumburg zu meinen juristisch- kameralisti- schen Studien in Göttingen von Michaelis 1788 bis Ostern 1797 vorbereitet, ist durch den in ersterer Anstalt zugebrachten lehrreichen Aufenthalt ein dankbares, liebevolles, treues Andenken in mir erwe>t, welches die lange Zeit, in der Zunahme von Jahren, nicht etwa geschwächt, sondern zu einer wahren Anhänglichkeit und Vorliebe än und für das geliebte Königreich Sachsen gesteigert und ausgebildet und so mich selbst dadurch in theuren Rüerinnerungen recht oft und erfreulich beglü>t hat, Noch heute Heil für Sachsen, für dessen liebevollen König und alle braven, biedern,= die Künste und Wissenschaften, die Fabriken und Manufakturen, den AFerbau und die Viehzucht 2c. beharrlich und erfolgreich liebenden und übenden== fleißigen Bewohner! Dieses nur als Vorwort; jeßt zur Hauptsache.
So eben, Nachmittags, lese ich in No. 234. der hannöver'schen Zeitung vom Iten d. M. die Ankündigung eines Vereines deutscher Landwirthe, welche, nach dem Vorbilde der jeßt in Prag vereint gewesenen Naturforscher und Aerzte, mit Fug und Recht ihre erste Versammlung in Sachsens Hauptstadt, Dresden, halten und zu solchem Zwe> den 2ten d. M. zusammentreten werden,
Hoh erfreut über die schöne Entstehung eines für ganz Deutschland= wie spä- ter auch für das Ausland-- die segensreichsten Folgen bewirkenden und die Stifter ver- herrlichenden Vereines, fähle ih mich, zumal ich selbst seit schon etlichen Jahren mit der Verwirklihung eines solchen Zusammentritts von deutschen Landwirthen, zuerst in der Hauptstadt unseres Königreichs, Hannover, umging, mit so viel Ueberraschung als mit unbeschreiblicher Freude und Theilnahme aufgefordert, den eben dort anwe- senden gesammten verehrtesten Mitgliedern, zu der Ausführung dieses hochverdienstlihen Unternehmens innigst Glü>, theilnehmende, große Frequenz und die unbezweifelt- loh- nendsten, reichsten Erfolge für das gesammte Deutschland gehorsamst anzuwünschen.
Die Landwirthschaft an sich=- mit bloßer Ausnahme von nur wenigen, von der Natur etwa ärmlicher dotirten und eben darum für Fabriken und Manufakturen sich viel besser eignenden Distrikten und Provinzen-- liegt schon im höchsten Interesse der mehresten Staaten von Deutschiand. Denn als ein in deren Mehrzahl den verdient ersten; Rang einnehmendes Gewerbe, bildet sie fast überall die Hauptgrundlage der Staatseinkünfte, wodurch sie natürlich die Fürsten wie die Völker gleich stark anspricht. Während sie daher seit 40 bis 50 Jahren, ungeachtet aller alten Befangenheiten und Vorurtheile, sich unbeschreiblich mühsam per aspera ad astra zur Wissenschaft em- porgeschwungen, Bauern und Bürger, Reiche und Edelleute, ja selbst Fürsten mit en- thusiastischer Vorliebe für die weitere Vervollkommnung ergriffen und erfüllt hat, und so im schönsten Morgenrothglanze zu ihrem jeßt beginnenden Tage herangedämmert ist, auf welchen wir Zeitgenossen zwar mik vermeintlich schon großem, aber do< irrigem Stolze bliken, sehen wir das Ganze der Landwirthschaft dennoch nur in fragmentari- schem Aufblühen begriffen.
Absichtlich bediene ih mich dieses vielleicht für Ew. wie gewiß für viele Andere, wo nicht undeutlichen doh befremdlichen Ausdru>s, und erläutere solhen daher sofort dur; Anführung der Thatsache, daß die wissenschaftliche Ausbildung des landwirth- schaftlichen Betriebs durc) die Presse nur den höheren und gebildeteren Ständen zu- 26


