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zu erregen im Stande sei, oder der Vergessenheit entrissen zu werde verdiene. Wo dagegen die Verhandlungen ein dramatisches Leben erhielten, an allgemei- nem Interesse gewannen und dem Einzelnen Gelegenheit gaben,'sein Rednerta- lent, bald mit mehr, bald mit weniger Glü>k zu entwickeln, da sollten dieselben so worttreu wie möglich, nur mehr geordnet, und hier und da in gewählteren Ausdrücken, als es bei dem freien Vortrag der flüchtigen Eingebung des Augen- blifes in der Regel geschehen kann, auch mit Weglassung des ganz Unerheb- lichen, bloß im Moment des Sprechens nicht unwichtig Scheinenden dem Leser vorgelegt werden. f In diesem Sinne nun hab' ich auch die Bearbeitung durchgeführt, und ich kann versichern, daß sie mir unsägliche Mühe verursacht hat. Manche Stelle ist mehre Male neu gestaltet, und keine einzige ohne reifliche Ueberlegung zum Druck befördert worden, Ich gebe gern zu, daß dieses, zumal ohne Vergleichung mit den Unterlagen, nicht zu bemerken sei, daß Andere nicht so viele Schwierigkeiten, wie ich, gefunden haben und dennoch mit der Ausführung glücklicher gewesen sein würden. Es fällt mir aber auch nicht bei, mich mit Anderen messen zu wollen; und ich führe nur an, was mir bei diesem Geschäft begegnet ist, um die Nachsicht derer zu erlangen, denen ich nicht zu Danke-gearbeitet habe. Manchen werde ich zu weitläufig, Andern wieder zu kurz gewesen- sein; im Ganzen aber denk? ich eher zu umsändlich als zu kurz berichtet und eher zu viel als zu wenig wörtlich wiedergegeben zu haben. Dazu ward ich indessen durch die Betrachtung verleitet, daß 1). dieser Bericht nicht bloß für den Augenbli>, sondern auch für spätere Zeiten denen, die der Versammlung beiwohnten, das Andenken an selbige zurückrufen solle, und daß dieß am sichersten erreicht werden dürfte, wenn dabei etwas umständlich zu Werke gegangen würde, weil man4He kleine Züge und Bemerk- ungen, die mit den Jahren dem Gedächtniß entfallen, schriftlich aufbewahrt, die Erinnerung an Vieles wieder wecken, was späterhin, darin auflebend, neues Vergnügen, neuen Genuß verschafft und den Geist wieder auf Dinge lenkt, die er sonst unbeachtet gelassen haben würde; und daß
2) mancher der Anwesenden, des von ihm Gesprochenen sich wohl bewußt, es mir übel deuten würde, wenn ich nicht seiner, wohl aber Anderer gedacht hätte. I< glaube in dieser Hinsicht nichts von Belang übersehen zu haben; aber auch mit der größten Vorsicht und Sorgfalt zu Werke gegangen zu sein, und, bis auf wenige Ausnahmen, die mir, um Mißdeutungen zu entgehen und die Wahrheit nicht zu entstellen, nothwendig schienen, nur das aufgenom- men zu haben, was, ynter seinem Namen aufgeführt zu sehen, einem Jeden angenehm sein wird.
Sollte in dieser Beziehung der Eine oder der Andere glauben, daß ihm Un- recht: geschehen, nicht Alles, was er gesprocheim, gehörig, berücksichtigt: sei, so bitte, ich, mir auf's Wort zu glauben, daß; dieses entweder ganz, unwillkürlich und absichtslos, oder aus Mangelhaftigkeit der-Protokolle geschehen ist, in; denen sich leider große, zufällig und durch. den Drang. der Umstände herbeigeführte Lücken, befinden, die ich nur selten aus dem; Gedäctnisse, noch seltner durch mühsam eingezogene Erkundigungen zu ergänzen vermochte.


