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Abstrahiren wir nun von der Frage:„ob die gewölbten oder die offenen Ziegel⸗ öfen vortheilhafter sind?“ und beschäftigen wir uns hauptsächlich mit der Frage:
„Wie den gedachten Uebelständen an den offenen Ziegelöfen mit zweiseitiger Feuerung abzuhelfen sein möchte?“ so würde ich die nachfolgenden durch Erfahrung bewährten Einrichtungen un⸗ vorgreiflich zur weiteren geneigten Prürung und eventuellen Anwendung empfehlen können:
1) Die Ringwände der Ziegelöfen dürfen nicht aus einer Stärke und aus ei nem Stücke bestehend aufgeführt werden; vielmehr ist es weit besser, wenn man die Wände der Länge nach durch einen Zwischenraum von 3—6 Zoll theilt, mithin doppelte Wände macht, welche in Entfernungen von 3—4 Fuß durch kleine Pfeiler von 1—1½ Steinen dick mit einander verbunden werden.
2) Für die innere Wand genügt eine Stärke von 2½ Steinen; die äußere Wand würde ich etwas stärker, also etwa 3 Steine dick, anlegen und an der innern Seite um etwa 3 Zoll, an der äußern Seite aber um 9 Zoll stark dossiren.
3) Der Zwischenraum fängt erst in der oberen Höhe der Schürrlöcher an, wird dort 3 Zoll weit angelegt, und successive nach oben bis auf 6 Zoll trichter— förmig erweitert. Ist das Mauerwerk gehörig ausgetrocknet, so wird der ge— dachte Zwischenraum mit feinem trockenen Sande ausgefüllt. Wenn darauf beim Brennen der Steine die innere Wand berstet, so füllt der in dem Zwischenraume befindliche trockne Sand augenblicklich die entstandenen Fugen und Borste; die Einwirkung der Hitze auf die äußeren Wände wird dadurch gewissermaßen neutralisirt, auch läßt der Sand durch die entstehenden Borste der innern Mauer so wenig die Ofenhitze entweichen, als er die äußere kühle Luft in den Ofen eindringen läßt.
4) Da die lothrecht gebaueten Ofenwände nach innen überweichen, wenn in dem Ofen mehre Male gebrannt ist, so gebe ich den innern Wänden von vorn herein eine gewisse angemessene Wölbung nach Außen hin, welche sich oberhalb mit geringer Dossirung vermehrt, und das Ueberweichen der Wände nach Innen zu unmöglich macht.
5) Bei einer Höhe der Ofenmauern von 18—20 Fuß umschließe ich das Gemäuer mit 3 Geschlingen(Schlenken) von Balkenholz, deren Stärke sich nach der Größe des Ofens richtet, gemeiniglich aber 12— 16 Zoll beträgt. Das erste Geschlinge wird auf etwa 7 Fuß Höhe, das zweite auf 14— 15 Fuß Höhe und das dritte ganz oben auf 18—19 Fuß Höhe angebracht.
6) Für die Thürenöffnung zum Ein- und Auskarren der Steine genügt eine Höhe von 5— 5½ Fuß.
7) Besonders wichtig ist es, daß die Schürrlöcher zur bessern Vertheilung der Hitze nicht über 3 Fuß Entfernung von einander erhalten, und daß die ersten Schürrlöcher an beiden Seiten nur in einer Entfernung von 12— 15 Zoll von den Seitenwänden angelegt werden. Die Lichtenbreite der Schürrlöcher darf nicht über 15 Zoll betragen; 12 Zoll würden schon ausreichen.
8) Die richtige Ueberwölbung der Schürrlöcher ist ebenfalls ein sehr wichtiger Ge— genstand bei der Construction des ganzen Ofens. Gewöhnlich wird die Decke des Schürrloches gleichmäßig in horizontaler Richtung durchgeführt. Eine Mit— theilung in dem„Praktischen Wochenblatte für Mecklenburg“ über die Con—
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