Jahrgang 
1842
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An Ha ge B. Ueber den Bau der Ziegelöfen.

Indem ich mir erlaube, der verehrten Versammlung meine geringen Erfahrungen rücksichtlich einer verbesserten Construction der Ziegelöfen mitzutheilen, muß ich zu nächst deren gütige Nachsicht in Anspruch nehmen, wenn ich nur die mir wichtig

scheinenden Verbesserungen im Allgemeinen berühre, ohne mich auf alle speciel⸗

len Maße, welche mir nicht genau erinnerlich sind, einzulassen.

Die schlechtesie Art der Ziegelöfen ist nach meiner unvorgreiflichen Ansicht jeden⸗ falls diejenige, welche sich nach Art der Feldziegelöfen an eine natürliche, gerade ab⸗ gestochene und mit geringem Mauerwerk vorgeblendete Bergwand mit der einen Lang⸗ seite lehnt, während an der andern Langseite die Schurrlöcher sich befinden. Diese Oefen erfordern sehr viel Brennmaterial und liefern ein sehr ungleiches mangelhaftes Fabrikat aus dem Grunde, weil die Hitze in solchen Hefen sich schwer dirigiren läßt, weil sie die kühle Bergwand scheut und weil dieserhalb die zunächst der Berg⸗ wand aufgesetzten Ziegel nicht genug Hitze bekommen, während die an der Schürr⸗ wand befindlichen Ziegel übermäßig gebrannt und dadurch glasig und brüchig werden.

Der hier im Lande meistens benutzte Ziegelofen mit zweiseitiger Feuerung liefert zwar im Allgemeinen gute Ziegel, erfordert aber immer zu viele Feuerung; die Di⸗ rigirung des Feuers ist schwierig, und das Brennen selbst verlangt viele Aufmerksam⸗ keit und Aufwartung, wenn man das ungleiche Durchbrennen der Ziegel verhüten will. Die Ziegler beklagen sich hauptsächlich darüber, daß das Feuer allzusehr nach der Mitte schlägt, daß sie gleich Anfangs in der Mitte des Ofens zuerst zudecken und sich alle mögliche Mühe geben müsen, um das Feuer successive nach den Um⸗ fangswänden hin zu leiten. Hieraus folgt denn natͤͤrlicher Weise, daß die zunächst der Mauer stehenden Ziegel weniger gut und ungleichmäßiger durchgebrannt werden, als die in der Mitte stehenden, und daß durch solchen ungleichmäßigen Ofenzug obenein viel Brennkraft versplittert werden muß. Dazu kommt noch die fast überall gebräuch⸗ siche nachtheilige Einrichtung der zu breiten Bänke und der zu großen Schürrlocher. Aber auch die Mauerconstruction unserer gewöhnlichen Ziegelöfen ist sehr mangelhaft; die mir bekannten alten Oefen sind an sehr vielen Stellen stark geborsten, so daß man während des Brennens häufig durch die Borsten hindurch das Feuer im Ofen sehen kann; auch hängen gemeiniglich die Mauern nach innen über. Den letztern Uebel⸗ stand leite ich von der Einwirkung der großen Hitze ab, wodurch die Ringwände zu⸗ erst übermäßig ausgedehnt, und dann beim Abkühlen wiederum gewaltsam zusammen gezogen werden. Hier wird offenbar die Erpansion durch die Contraction überwogen; die innern Wandflächen trachten beim Abkühlen nach ihrer ursprünglichen senkrechten Stellung; sie sind aber vom Feuer in den Fugen und in der kubischen Masse ange⸗ griffen, um ein Geringes zusammengebrannt und vermindert; die Contraction ist daher stärker als die Expansion; die äußern kühleren Wandschichten müssen den inneren überweichenden folgen oder zurückbleiben; im letztern Falle bersten die Wände der Länge nach aus einander und gerade diesen Uebelstand findet man bei vielen älteren länger gebrauchten Ziegelofen. Endlich erkennt man noch ein häufiges Ueberweichen der Bänke in den Oefen, wodurch öftere Reparaturen veranlaßt werden; man erkennt ferner den großen Uebelstand, daß die Schürrlöcher in den Mauern an beiden Sei⸗ ten vom Feuer übermäßig angegriffen werden und daß sich dort Höhlungen bilden, welche wiederum häufige und mangelhafte Reparaturen veranlassen. ö