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struction der englischen Ziegelöfen zur Fabrikation der Fontanellziegel veranlaßte mich aber, die Decke der Schürrlöcher um etwa 9 Zoll von außen nach in⸗ nen schräg aufsteigend anlegen zu lassen. Der Erfolg war überraschend günstig; das Feuer schlug nicht mehr nach der Mitte des Ofens, sondern stieg viel⸗ mehr zunächst an der Mauer in die Höhe, und mit leichter Mühe wurde das⸗ selbe durch allmäliges Zudecken nach der Mitte des Ofens hin beliebig vertheilt und gleichmäßig dirigirt.
9) Bei der Construction der Seitenwände der Schürrlöcher ist mir die Erfahrung meines hochverdienten Departementsraths des Herrn Oberbauraths Wün sch zu Schwerin zu Hülfe gekommen. Die Erscheinung, daß das Feuer je nach der Stärke der Luftströmung und nach der Länge des Kanals einen gewissen Raum in den Schürrlöchern einzunehmen trachtet, und daß es sich diese Weite, wo sie nicht vorbereitet ist, durch Zerstörung der Seitenwände selbst verschafft; ferner die Erfahrung, daß der Feuerraum zwischen den Seitenwänden stets größer sein muß, als die vordere und hintere Mündung der Schürrlöcher—— gaben die Veranlassung, eine sanfte tonnenartig ausgewölbte Erweiterung in den Schürr⸗ löchern anzubringen, welche auf etwa 4— 6 Zoll anzunehmen ist, und den zer⸗ störenden Einwirkungen des Feuers genügenden Widerstand leistet.
10) Bei den zuletzt unter meiner Leitung gebaueten Ziegelöfen habe ich die sonst üt⸗ lichen von Gilly und andern Technikern empfohlenen innern Bänke und mit Rost⸗ stäben versehenen Schürrgassen gänzlich weggelassen. Die erhöheten Bänke be⸗ engen einen sehr nützlichen Raum für die Placirung der Ziegel, sie erfordern fortwährende Reparaturen, sind nachtheilig für die gleichmäßige Verbreitung der Hitze nach den Seiten hin, welche durch die erhöheten Bänke erschwert wird, und gewähren überall keinen anderweitigen entschiedenen Nutzen. Den innern Raum des Ofens ließ ich, wo das Terrain fest war, tüchtig stampfen, mit Mauersteinen wagerecht und hochkantig abpflastern und die Fugen mit dünnem Lehmbrei ausgießen. Der Rost in dem Schürrloche, den ich am liebsten aus Gußeisen wählte, braucht nicht üer 4 Fuß lang zu sein und muß sich von vorn nach hinten um 9 Zoll senken. Da das Mauerwerk aber gewöhnlich über 4 Fuß dick ist, so wird die erwähnte Senkung des Rostes durch eine gleiche Steigung des Heerd-Mauerwerks zwischen dem Endpunkte des Rostes und der innern Mauerlinie dergestalt wiedergewonnen, daß das innere Ofenpflaster in gleicher Höhe mit dem höchsten Punkte des Rostes zu liegen kommt. Das Aschen⸗ loch erhält die Länge des Rostes und kann möglichst bis auf 2 Fuß Tiefe ange⸗ legt werden.
Schließlich empfehle ich noch angelegentlichst die Wahl eines Bauplatzes mit recht trockenem Untergrunde, weil davon für das tüchtige und rasche Durchbrennen der Ziegel weit mehr abhängt, als man gemeiniglich anzunehmen scheint.
Endlich bitte ich noch um gütige Nachsicht, falls ich die verehrte Versammlung durch Wiederholung von etwa schon bekannten Thatsachen ermüdet haben sollte.
C. A. Hermes.


