Jahrgang 
1842
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die bei Pise-Bauten erforderlich werden. Die Baukosten eines Hauses, mit lauter Piseé-Wänden aufgeführt, für 4 Familien, von 60 Länge, 304 Tiefe, gab Herr v. Plötz auf Stuchow in Pommern zu 94 Thlr. Preuß. an. Zur Verminderung der häufig vorkommenden Zerstörung solcher Gebäude durch Mäuse wird vorgeschla⸗ gen, nur wenig Stroh dem Lehme beizumengen. Rücksichtlich des Abputzes der Wände empfahl Herr v. Grävenitz bloßes Abschlemmen derselben mit Lehm, dem man, wenn man wolle den Gebäuden eine Farbe geben, diese beliebig beimischen könne. Herr Dr. Schröder bemerkte, daß er nur durch Berohrung eine dauerhafte Pise-Wand, namentlich an der Westseite, habe herstellen können.

Es ging die Versammlung hierauf zu der vorgelegten Frage über:

In wie weit sind die in der neuern Zeit auf großern Ziegeleien angebrachten Verbesserungen auch auf kleine ländliche Zie geleien anwendbar, namentlich in Bezug auf Maschinen?

Herr v. Plötz lieferte folgende Beschreibung eines auch bei ländlichen klei nen Ziegeleien von ihm sehr zweckmäßig befundenen Thonschneidens.

Eine 4 bis 5 Fuß lange, aufrecht stehende eiserne Welle ruht mit ihrem untern Ende in einer Pfanne und wird nach oben ungefähr auf 14 Zoll von der Spitze durch eine eiserne Querstange, durch welche sie geht, gehalten. Das obere Ende bil det einen Ring, in welchen man eine 1214 Fuß lange Stange steckt, die nach un⸗ ten gebogen dazu dient, die Welle durch Zugkraft in Bewegung zu setzen. Der Theil der Welle von der Querstange bis zur Pfanne ist nun mit einem starken Messer in schraubenförmiger Windung umgeben, und das Ganze mit einem hölzernen Kasten um schlossen, der in seinem obern Theile und zwar an der Welle eine Oeffnung hat, worin der zu bearbeitende Lehm geworfen wird, wenn zuvor derselbe in dem Sumpf gehörig erweicht ist. Durch die Drehung der Welle wird der Lehm bearbeitet, und aus einer untern Oeffnung des Kastens herausgedrückt. Diese gefällige Mittheilung verband Herr v. Plötz mit dem Anerbieten, auf Ansuchen ein Modell oder die Ma⸗ schine selbst, die bei mittlern Dimensionen 6070 Thlr. Preuß. kosten könne, verferti⸗ gen zu lassen. Herr Landbaumeister Hermes von Schwerin hielt einen sehr interes⸗ santen Vortrag über die zweckmäßigste Construction der Ziegelöfen, und hatte die Ge fälligkeit, seine hierüber gemachten Erfahrungen auf den Wunsch der Versammlung in einer besondern Anlage zu diesem Protokolle(elr. Anl. B) schriftlich niederzulegen.

Hiermit schlossen sich die Verhandlungen der technischen Section und es ward nur noch beliebt, morgen eine letzte Versammlung zur Vorlesung der von den Herren Geschäftsführern annoch anzufertigenden Protokolle abzuhalten.

Dr. Meyer.

Anlage A. Ueber den Bau der Dorn'schen flachen Dächer.

Die vortreffliche Dorn'sche flache Dachdeckung hat sowohl für die Bequemlich keit und den Nutzen des bauenden Publikums, wie auch für die architectonische Aesthetik ein weites fruchtbares Feld eröffnet. Leider hat diese wichtige Erfindung nicht überall diejenige Würdigung gefunden, welche sie in so hohem Grade ver⸗ dient, wenn gleich die verunglückten Versuche von fernerer Anwendung dieser nütz⸗ lichen Dachdeckung nicht abschrecken konnten. Untersuchen wir aber die Gründe,