Jahrgang 
1842
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462 an Gerbestoff, wenn auch nicht gradezu unbrauchbar, doch wenigstens verdächtig wären. Die Versammlung wandte sich nun zur Erörterung der 87sten der allge⸗ meinen Fragen:

Welcher Putz ist der beste für äußere Lehmwände? Herr Gutsbesitzer v. Neergaarb auf Oevelgönne theilte der Gesellschaft mit, daß große dem Herzog von Augustenburg Acrrihn Stallgebäude, von ein Jahr alten Luftsteinen aufgeführt, schon seit eirea 20 Jahren sich sehr gut erhalten hätten, selbst auch an den West⸗ und Nordwestseiten. Die Mauern wären in rauher Fuge zweimal mit Holztheer bestrichen, das erste Mal stark, die zweite Theerung nur schwach und unmittelbar hinter dieser ein aus einem Gemenge von 93 Segeberger Kalk und Sand bereiteter Kalkmörtel in die rauhen Fugen eingerieben. Rücksichtlich der Kosten dieses Putzes gab Herr Referent die Notiz, daß zu einem Schafstalle von 150 Fuß Länge, 40 Fuß Breite und 12 Fuß Höhe, um denselben in von ihm angegebener Weise zu theeren, nur 3 Tonnen Holztheer erforderlich gewesen, wobei das Fundament 4 Fuß hoch in Kalk aufgemauert worden. Diese jedenfalls interessante Mittheilung des Hrn. v. Neergaarb führte zu der von mehren Mitgliedern ausgesprochenen Entgegnung, daß, wenn solcher Putz auch bei in beschriebener Weise von Luftsteinen aufgeführten Gebäuden an⸗ wendlich, er es doch wohl bei eigentlichen Pisé-Wänden nicht sein dürfte, und daß bei letztern, wie namentlich Herr Dr. Schröder bemerkte, das Antheeren und Kalkeinreiben deshalb nicht wohl gerathen, weil es eines Einhackens der Wände bedürfen würde, um das Eindringen des Kalkes und inniges Verbinden Ange⸗ mit der Wandoberfläche zu erreichen. Der Vorstand knüpfte hieran die rage: Welches sind die Gründe, warum der Pise⸗Bau bei land⸗ wirthschaftlichen Gebäuden nicht allgemein Ein gang findet? die eine ebenso lebhafte als interessante Debatte herbeiführte. Fast alle der anwe⸗ senden Herren, als namentlich Herr v. Plötz, v. Neergaarb, v. Grävenitz, v. Levetzow, Oberregierungsrath Neuhaus von Posen, sprachen sich bestimmt für die Zweckmäßigkeit, Wohlfeilheit und Dauerhaftigkeit der Pisé⸗-Bauten aus. Man war der Ansicht, daß die fragliche Bauart keinesweges unbeachtet, noch weniger unbeachtenswerth sei, namentlich ihrer Wohlfeilheit wegen und daß bei ihrer Anwendung der so häufig begangene Fehler einen großen Theil des Wer thes der Landgüter in Aufführung kostspieliger Gebäude zu versplittern, vermieden werde. Es ward von einem der Herren Mitglieder erzählt, daß der Ländesdirector v. Kröcker auf seinen Gütern in der Altmark und bei Kulm, sowie der Präsi⸗ dent der Generalcommission der Provinz Sachsen v. Bonin auf seinem Gute Bretlin, ersterer seit 30 Jahren, viele Gebäude in der Art hätten aufführen lassen, letzterer nach der verbesserten Methode, wonach der mit wenig Häcksel vermischte Lehm nicht in Schichten oder Kasten, sondern mit der Forke aufgebracht werde, was es moglich mache, die Mauern in geringerer Staäͤrke aufzuführen, auch keine sehr überstehende Bedachung erfordere. So aufgeführte Wände schienen unver⸗ wüstlich zu sein. Der Kostenpreis sei, wenn namentlich der Lehm in der Nähe der Baustelle, sehr gering, steigere sich aber begreiflicherweise nach der Hohe der Wände und der Entfernung des Materials. Der Herr Referent knüpfte an diesen Bericht die Erklärung, daß jeder Putz der Pisé-Wände, besonders wenn er Kalk enthalte, oft erneuert werden müsse, zog üͤberhaupt die unumgängliche Noth⸗ wendigkeit eines Abputzes in Zweifel. Herr Oberregierungsrath Neuhaus, der hierauf das Wort nahm, stellte den Grundsatz auf: daß da, wo Feldsteine zum Funda⸗ ment selten, man wohlfeiler im Fachwerk baue, auch noch der längern Balken wegen,

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