Jahrgang 
1842
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weshalb so viele Dorn'sche Dachdeckungen verunglückt sind, so finden wir die Wur⸗ zel alles Uebels in dem ganz unangemessenen Materialwelches zur ersten Deck⸗ lage angewandt wird ich meine die eichene Lohe. Man wende nicht ein, daß der Erfinder dies Material selbst empfohlen habe, und daß eben darum die ganze Methode nichts tauge; man wähle vielmehr eine andere filzartige Masse, welche die schädlichen Eigenschaften der Lohe nicht besitzt, und man ehre das so wohl begründete bauliche Prineip, indem man durch richtige Wahl der Mittel den Erfolg sicher stelle.

Der größte Uebelstand, der sich an die Verarbeitung der Gerberlohe knüpft, besteht offensichtlich in der höchst schwierigen Austrocknung dieser hygroscopischen Masse, und doch hängt davon das Gelingen der Deckung hauptsächlich ab, weil der Theer, bevor die erste Deckmasse nicht vollkommen ausgetrocknet ist, diese nicht hinreichend zu durchdringen und gleichsam zu sättigen im Stande ist. Fast möchte ich behaupten, daß auch unter den günstigsten Umständen diese wassersüchtige Deck⸗ masse auf den Dachlatten zuerst gar nicht vollkommen austrocknet, und daß nur durch die zweite und dritte Lage das Dach gedichtet werden kann. Diese Wahr⸗ nehmung bestimmte mich, bei meinen derartigen Deckungen, und zwar bei Anferti⸗ gung der ersten Decklage, von der Dorn'schen Methode insofern abzuweichen, als ich zunächst auf die Herstellung einer trocknen Grundlage für die zweite Decklage sann, weil die einmal angefeuchteten Dachlatten in Berührung mit der Lohdeckmasse die darin enthaltene Feuchtigkeit so überaus schwer fahren lassen. Da bei verfuhr ich folgendermaßen:

Nachdem die Aehren sorgfältig abgeschnitten waren, ließ ich feines Rockenstroh auf der Maschine zu kurzem Pferdehäckerling schneiden, damit guten, möglichst rei⸗ nen und nicht zu fetten Lehm vermengen, und diese Masse einen halben Zoll dick auf die Latten tragen, auch die Fugen tüchtig damit ausdrücken. Bei guter Wit⸗ terung war die Masse binnen 24 Stunden schon oberflächlich betrocknet und konnte gleich einer Dreschtenne mit leichten flachen Handschlägeln glatt und fest getrieben werden. Nachdem das Schlagen der Masse und das Abtrocknen derselben so weit gediehen war, daß der Häckerlinglehm unter dem Fußtritte nicht merklich nachgab, also nur noch feucht und ziemlich steif war, ließ ich die Fläche mit kaltem Stein⸗ kohlentheer einmal bestreichen. Hierbei bemerke ich noch besonders, daß die Häcker⸗ linglehmlage nicht ganz trocken, sondern noch etwas feucht sein muß, wenn sie

etheert wird, weil der trockne Lehm sich erfahrungsmäßig mit dem Theer nicht innig genug verbindet. Hierauf ließ ich Steinkohlentheer mit bis Ge⸗ wichtstheilen Harz kochen und in möglichst heißem Zustande über die Fläche gießen, während Papier ohne Ende(sogenanntes Tapetenpapier in Rollen von etwa 30 bis 50 Ellen und Elle Breite) sofort in die heiße Theerpechmasse hineingerollt und auf die Dachfläche festgeklebt wurde. Diese Operation begann längs der Traufe in der Art, daß ein auf den Knieen liegender Arbeiter das Papier vor sich hin abrollte, während er selbst behutsam auf dem Papiere nachkroch und die Pa⸗ pierrolle in die heiße Theerpechmasse hineindrückte, welche von einem zweiten Ar⸗ beiter mit einem Topfe oder einer großen Kelle vor der Papierrolle auf die Dach⸗ fläche behutsam und gleichmäßig vertheilt wurde. Das Papier wurde längs der Traufe möglichst accurat und mit sehr geringem Ueberstande an die Kante der Häckerlinglehmlage fest gedrückt und gleichsam angekniffen; auch wurde streng dar⸗ auf gesehen, daß längs der Traufe nicht mehr Theerpech gegossen wurde, als durchaus zum Festkleben des Papiers erforderlich war; was überhaupt wohl zu beachten, weil ich bemerkt habe, daß an den Stellen, wo zu viel Theerpech unter dem Papiere befindlich, letzteres von der Sonnenhitze in der Gestalt von Beulen