460 Da das Letztere von einigen Seiten bezweifelt wurde, so theilte der Forstrath v. Wickede mit: er habe einen Betrieb von 55 preuß. Scheffeln und der dazu gebrauchte Schwartz'sche Apparat habe 2 eiserne Kessel, den einen zur Destilla⸗ tion, den andern zum Dämpfen, beide zusammen wiegen 1200 Pfd.; das Uebrige sei von Kupfer, wiege inel. der Hähne ꝛc. 2050 Pfd., sei mit Hartloth gelöthet und enthalte, so wie dies auch bei den Pistorius'schen Apparaten aus der Heckmann'schen und andern Kupferschmiedewerkstätten gegenwärtig der Fall sei, kein Blei und Zinn. Herr Eberhardt bemerkt dazu: Löthungsstellen, wo Zinn und Kupfer zusammen kommen, orydiren sich in Berührung mit Flüssigkeiten außerordentlich leicht und es ist daher die Anwendung der harten Löthung mit Schlagloth in allen betreffenden Fällen zu empfehlen.—
„Ueber den Fütterungswerth der Branntweinschlempe“, worüber nun in Folge der Aufforderung des Vorstehers verhandelt wurde, theilte Oberamtmann Voigt mit: Schlempe von Ztägiger Meische füttert besser als von Atägiger; er nehme als allgemeinen Grundsatz an, daß schlechte Meische, die schlechte Alkoholausbeute gebe, auch schlechtes Futter liefere; und als specielle Er— fahrung aus seiner Wirthschaft stehe der Werth der Schlempe von 100 Pfd. Kar⸗ toffeln gleich 60 Pfd. reinen Kartoffeln.— Gutsbesitzer Kögel hat 2 Monate lang genaue comparative Versuche durchgeführt, deren Ergebniß ist, daß Schlempe von 100 Pfd. Kartoffeln nebst 5 Pfd. Schrot einen Heuwerth von 40 Pfd. (mittelgutes Kleeheu) habe, also ungefähr gleich 60— 70/ gegen die zur Brennerei verwandten Kartoffeln. Der übrige Theil der Frage wurde an die Section für Viehzucht verwiesen.—
Die Nr. 82 der Hauptfragen, welche hierauf zur Besprechung kam:
„Was ist in neuester Zeit geschehen, um gute Bierbrauereien einzurichten und in Aufnahme zu bringen?“
wurde nicht entscheidend beantwortet. Der Vorsteher zeigt der Section an, daß der Bürgermeister Reuter aus Stavenhagen Proben von bairischem in Staven⸗ hagen gebrauten Bier vorgelegt habe, die von ihm und einigen andern Sections- mitgliedern als durchaus gut und wohlschmeckend, den außerhalb Baiern gebrauten besten bairischen Bieren durchaus nicht nachstehend befunden sei.— Amtsrath Freitag spricht sich gegen den Brauereibetrieb für stärkere, z. B. bairische Biere auf dem' Lande aus, wo nicht ganz besondere Umstände, namentlich ein größerer Absatz in der Nähe ihn begünstigte; worin ihm von mehren Seiten beigestimmt wurde.— Die zu wünschende größere Wohlfeilheit und bessere Qualität der Biere im Allgemeinen betreffend, ergab sich als Ansicht der Section, daß dieselben nur dann gefordert werden könnten, wenn die Concurrenz zunehme und das Ge⸗ werbe nur auf größeren Betrieb beschränkt würde. Die Frage:„ob man hoffen könne, durch Verbreitung des Bieres das Branntweintrinken, namentlich auf dem Lande, zu beschränken“, veranlaßte die meisten Mitglieder der Section sich dahin auszusprechen: Das starke Bier befördert wenigstens ebenso die Vollerei als der Branntwein, und dünnes Bier genügt den Leuten und der arbeitenden Classe nicht, am allerwenigsten bietet es ihnen Ersatz für den Mangel leicht verdaulicher und kräftiger Nahrung bei harter Arbeit.— Wenn man auch zugeben muß, daß jetzt viel nehr Branntwein getrunken wird als früher, so ist doch nicht zu ver— kennen, wie außerordentlich gerade in den Gegenden, in denen schon seit längerer Zeit ein ausgedehnter Brennereibetrieb herrscht, das Saufen gegen früher sich ver— mindert hat.


